Montag, 30. Oktober 2006
9 * Die 6 Monde von Alnilam 5 auf dem Weg zum Ewigen
[... Fortsetzung von gestern]
„Captain, ich empfange einen Funkspruch! Das Signal ist nur schwach und in einer mir unbekannten Sprache verfaßt, aber der Computer verstärkt es und erstellt eine Übersetzungsmatrix.“ Wuran war ganz aufgeregt, als sie ihre Entdeckung ihren Kollegen mitteilte.
Lennard sprang fast aus dem Kommandantensessel bei dieser Ankündigung. „Computer, übermittle den Inhalt des Spruches akustisch auf der Brücke, sobald eine Übersetzung vorliegt. Mrs Vakuf, wie weit sind wir noch von Alnilam IV entfernt?“
„Noch zwei Minuten bis zum Übergang in den Standardorbit“, kam umgehend die Antwort.
Der Hauptcomputer meldete sich: „Bereit zum Übermitteln der Übersetzung.“
„Computer, starte die Übersetzung“, brachte der Captain ungeduldig hervor.
„Hallo,Reisende. Ich habe euren Ruf empfangen und freue mich auf ein Treffen mit euch. Ich habe nicht so schnell mit einer Reaktion auf meine Rufe gerechnet. Könnt ihr feststellen, wo ich bin? Ich sehe auf meine Mutterwelt hinab, die von drei kleinen Himmelskörpern umkreist wird. Bitte meldet euch, wenn ihr mich besuchen wollt.“
Einen Moment lang herrschte nachdenkliche Stille auf der Brücke, dann fasste Lennard sich als erster wieder und wollte wissen: „Computer, bestehen Zusammenhänge zwischen uns bekannten und von uns in diesem System verwendeten Sprachen und der Sprache, in der diese Nachricht gesendet wurde?“
„Die Nachricht wurde in den vier Sprachen gesendet, die aus der auf Antares empfangenen Botschaft synthetisiert und bei der Aussendung unserer Suchrufe im Alnilam-System verwendet wurden“, war die unverzügliche Antwort des Rechners.
Als nächstes forderte Lennard: „Computer, lokalisiere die Herkunft dieses Funkspruches.“
„Der Spruch stammt aus der Richtung, in der Alnilam V liegt.“
„Wir haben ihn!“ stiess er hervor und wies gleich darauf die Conn an: „Setzen Sie Kurs auf Alnilam V, Mrs. Vakuf. Warp 6. Die Planetologen müssen sich noch mit ihrer Sonde für den vierten Planeten gedulden, Mr. Darrn. Sagen Sie den Forschungsteams Bescheid.“
„Aye, Captain“, bestätigte der Ops in das lauter gewordene Stimmengemurmel der Brückenbesatzung hinein. Alle hatte die Aufregung und Neugier auf das, was sie nun erwarten würde, erfasst.
Wenige Minuten später schalteten sie den Warpantrieb wieder ab und näherten sich das letzte Stück bis Alnilam V mit Impulskraft. Dann schwenkten sie auf einen Standardorbit um den Planeten und führten neue Langstreckenscans durch. Während der Untersuchung sah Lennard auf die dunkelgrünen und -blauen Wolkenbänder hinab, die den gesamten Planeten einhüllten. Dann meinte er plötzlich intuitiv: „Wenn die Namen der Planeten schon so phantasielos durchnumeriert sind, könnten wir wenigstens den Monden hier richtige Namen geben. Irgendwelche Einwände?“
„Keineswegs, Captain, die Satelliten von Alnilam V sind nicht benannt worden. Es steht uns demnach frei, sie nach Belieben zu taufen. Namen kann jeder vorschlagen, jedoch müssen alle Vorschläge vom Captain und dem Ersten Offizier genehmigt werden, um als offizielle Namen anerkannt zu werden“, klärte Wuran sie auf.
„Dann können wir ja anfangen“, sagte Bordarzt Stern, der überraschend auf der Brücke aufgetaucht war.
Mit säuerlicher Miene entgegnete Lennard: „Lass aber deinen seltsamen Humor diesmal beiseite, David.“
Auf dem Hauptmonitor erschien der erste Trabant, ein dunkler, fast schwarzer Himmelskörper, der sich kaum vom Dunkel des Alls abhob. Die Größenangabe darunter gab den Durchmesser mit 3’991 km an.
Kazuki bemerkte: „Er ist schwarz wie Kohle... ich schlage vor, wir nennen ihn ‘Carbona’.“
„Eine treffende Bezeichnung. Was meinen Sie, Stefania?“
„In Ordnung.“
Nun erschien, ein Buchstabe nach dem anderen, der neue Name unter dem Mond. Wuran speicherte das Bild im Sternenflottenarchiv der Aldebaran ab und ging zum nächsten zu benennenden Himmelskörper über. Ein Raunen ging durch den Raum bei dem Anblick, der sich ihnen bot.
Im Raum schien eine Kugel aus flüssigem Quecksilber zu schweben, umgeben von einem grauen, dicken Ring, wohl aus interstellarem Staub. Woraus der Mond selbst bestand, konnte niemand auch nur erahnen, nicht einmal, ob das, was sie von ihm sahen, fester Untergrund, flüssig oder eine Wolkenschicht war. Er maß 10’502 km.
„Syrtis“, murmelte Darrn.
Erstaunt fragte Leardini: „Wie bitte? Wie kommen Sie denn auf diesen Namen?“
„Ich...weiss es nicht. Er ist mir einfach über die Lippen gekommen“, gestand der Klingone ahnungslos ein.
Lennard meinte: „Na, wenn das nicht Schicksal ist! Und ein hübscher Name obendrein.“
Als auch Leardini zugestimmt hatte, zeigte Wuran ihnen den nächsten Trabant, der auf den ersten Blick nicht viel anders als der Erdenmond aussah, jedoch mit 7’727 km Durchmesser wesentlich grösser war.
„Darf ich als Namen ‘Manor’ vorschlagen, Captain? Es gibt auf Vulcan einen Berg dieses Namens, dessen Gestein exakt die gleiche Farbe wie dieser Mond aufweist“, führte Vakuf aus. Auch diesem Vorschlag hatten die beiden Kommandanten nichts entgegenzusetzen.
Dann kam der nächste Satellit an die Reihe, dessen Felswüsten einen roten Farbton, ähnlich dem Mars, aufwiesen. Wuran sagte: „Bei diesem hier plädiere ich auf ‘Fafnir’.“
Lennard hob eine Augenbraue. „Der böse, weltenverschlingende Drache aus der nordischen Sage? Ich wußte gar nicht, dass Sie sich mit terranischen Mythologien befassen, Cluy.“
„Ich kenne mich mit einigen der berühmtesten Sagen aller Rassen aus, Captain“, erwiderte Wuran, „dieser Name ist mir nur deshalb eingefallen, weil dieser Mond wie ein Feuerball aus dem Maul dieses Drachens aussieht. Zumindest stelle ich mir das so vor.“
„Mir soll’s recht sein“, bestätigte Leardini die Wahl.
Da schaltete sich Stern ein, kaum daß der neue Name unter dem Abbild Fafnirs und der Durchmesserangabe von 3’184 km erschienen und das Bild zu den äussersten beiden Sputniks, welche Alnilam V auf der gleichen Bahn, jedoch in einem Winkel von genau sechzig Grad zueinander umkreisten, gewechselt war. Die Durchmesser der sogenannten Lagrange-Monde betrugen 1’398 und 2’100 km.
„Hören Sie, ich möchte den kleineren der beiden Monde gerne ‘Tenika’ und den grösseren ‘Legas’ taufen. Sind Sie damit einverstanden?“
„Wieso gleich beide auf einmal?“ wollte Leardini ungnädig wissen.
„Weil es doch Lagrange-Monde sind“, erklärte Stern sich bittend, „da müssen auch die Namen zusammen gegeben werden.“
„Na gut, offenbar haben Sie damit gerade eine neue Benennungsregel für Lagrange-Monde erfunden. Ich werde Sie daran erinnern, wenn wir einmal sechs solcher Monde finden. Dann werden wir ja sehen, ob Sie auch sechs Namen auf einmal für sie finden. Kyle?“ Sie sah ihren Vorgesetzten fragend an.
„Meinetwegen, obwohl ich noch nicht weiss, was er sich diesmal für eine Gemeinheit ausgedacht hat.“ Widerwillig stimmte er zu.
Unter dem größeren Trabant erschien nun ‘Legas’ und unter dem kleineren ‘Tenika’. In dieser Reihenfolge fiel es Lennard nun wie Schuppen von den Augen, als er beide Namen hintereinander las und aussprach. „Legas...Tenika? Legastheniker! David, ich habe dir ausdrücklich gesagt...“
Grinsend unterbrach Stern ihn: „Zu spät, mein Lieber, ihr habt die Wahl bereits anerkannt. Du hättest mich besser kennen müssen, als anzunehmen, ich könnte mich beherrschen.“
„Das ist krank, Doktor!“ brauste Leardini auf. „Wie können Sie das diesen beiden Monden nur antun? Ich würde nicht einmal ein paar mickrige Kieselsteine so nennen.“
Frustriert fügte Lennard hinzu: „Wenn du unbedingt als der Spinner in die Geschichte eingehen willst, der diese beiden Trabanten ‘Legastheniker’ genannt hat, von mir aus.“
Da unterbrach Vakuf ihre Diskussion: „Captain, wir gehen jetzt auf Impulskraft zurück und treten in die Endannäherungsphase ein.“
Dankbar dafür, den leidigen Namensstreit mit Stern beiseite lassen zu können, lenkte Lennard seine Aufmerksamkeit auf das Hauptgeschehen zurück. „Blick nach vorne.“
Die blaugrüne, dunkle Wolkenkugel sah aus dieser Entfernung wunderschön aus, dachte er beim Anblick von Alnilam V. Man konnte auch schon einige der Monde erkennen, allerdings nur als kleine undeutliche Punkte.
„Senden Sie unsere Grussbotschaft aus.“ Gespannt sah Lennard auf den Monitor, auf dem sich der Planet weiter näherte. Als er ein metallisches Geräusch hörte, blickte er hinter sich und entdeckte Baor an den Computerpaneelen im Hintergrund. Er hatte eine Abdeckung über dem Boden entfernt und steckte gerade bis zur Hälfte in der Nische unter den Konsolen, offensichtlich voll von seiner Arbeit in Anspruch genommen. Vielleicht hatten sie sich doch in dem klingonischen Computertechniker getäuscht und seine Eskapade war nur ein einmaliger Ausrutscher gewesen.
Sie waren jetzt nur noch wenige Lichtminuten vom Planeten entfernt und sendeten ihre Grüsse in vier der antiken Sprachen und zusätzlich in ihrer eigenen, um dem Absender eine Vorstellung von ihrem humanen Sprachmuster zu geben.
„Ich empfange ein Funksignal akustischer Natur, Captain“, rief Wuran plötzlich aufgeregt.
„Können Sie es auf die Lautsprecher legen, Cluy?“ Lennard fühlte, wie sein Puls sich beschleunigte.
Der Raum wurde von einem Rauschen und Knistern erfüllt. Dann hörte man im Hintergrund eine körperlose, schwache Stimme. Es war unmöglich zu sagen, ob sie einem Humanoiden gehörte, welchen Geschlechts oder Alters der Sprecher war. Sie sagte langsam und bedächtig: „Hallo, könnt ihr mich verstehen? Ich hoffe, ihr findet zu mir. Ich kann von hier aus drei Monde zwischen der großen Welt und mir sehen. Die Sonne ist nie zu sehen, aber die große Welt und seine Begleiter reflektieren genug Strahlen, damit ich hinaussehen kann. Besucht mich doch, wenn ihr wollt.“
„Wer oder was das auch sein mag, es hört sich freundlich an“, bemerkte Kall. Sie wirkte angespannt, jedoch hätte Lennard nicht mit Sicherheit sagen können, ob das an ihrem Kontakt lag oder eine andere Ursache hatte.
„Haben Sie das gehört, Vakuf? Er hat drei Monde zwischen sich und dem Planeten am Himmel stehen; das heisst, er ist auf Fafnir, und zwar auf der Nachtseite“, folgerte Lennard aufgeregt.
Wuran bestätigte: „Die Richtungspeilung weist auch auf den vierten Mond, Fafnir also, hin. Nach den neuesten Erkenntnissen der Planetologen hebt sich seine retograde Rotation praktisch vollständig mit seinem Umlauf um Alnilam auf. Demnach ist eine Hälfte der Oberfläche ständig der Sonne zu- und die andere abgewandt.“
„Haben Sie schon Temperaturmessungen von Fafnirs Oberfläche vorliegen?“ wollte Leardini wissen.
„Auf der Sonnenseite 510 °C und auf der Schattenseite 85 °C.“
„Über vierhundert Grad Unterschied? Dann gibt es wohl keine Atmosphäre dort“, vermutete Lennard.
Wuran seufzte: „Da haben Sie leider recht, Captain. Fafnir ist ein atmosphäreloser Felsmond.“
„Aber wieso ist es auf der Schattenseite so warm? Unter diesen Umständen müsste die Temperatur doch weit unter dem Gefrierpunkt liegen.“
„Dafür gibt es zwei Ursachen, Captain. Einmal ist die von Alnilam V reflektierte Sonnenstrahlung dafür verantwortlich und zum anderen weist der Planet eine eigene Wärmeabstrahlung von innen heraus auf, so wie viele Gasriesen es tun. Momentan befindet sich Fafnir genau zwischen Alnilam V und dem Muttergestirn, weshalb er voll im Wirkungsbereich der Abstrahlung liegt. Wenn der Mond sich am gegenüberliegenden Ende seiner Umlaufbahn befindet, hat er Alnilam V zwischen sich und der Sonne; dann wird es vermutlich relativ kalt wer-den.“ Wuran verstummte und arbeitete weiter an ihren Anzeigen.
„Haben Sie Kurs auf Fafnir gesetzt, Mrs. Vakuf?“ fragte Lennard.
„Jawohl, Captain. Allerdings können wir wegen der besonderen Schwerkraftverhältnisse in keine stabile Umlaufbahn um den Mond eintreten, daher steuere ich eine Position an, auf der wir uns in einer Parallelumlaufbahn zu Fafnir um den Planeten bewegen werden. Dadurch wird die mittlere Entfernung zu Fafnir etwa sechzigtausend km betragen.“
„So? Nun gut, mit einem Shuttle ist diese Distanz in einer passablen Zeitspanne zurückzulegen. Jetzt müssen wir nur noch den Absender lokalisieren.“ Lennard stand auf und ging mit hinter dem Rücken verschränkten Händen auf und ab. „Dann wäre da noch die Frage der Aufstellung eines Aussenteams für die erste Kontaktaufnahme.“
Langsam glitten die Lamellen des Haupthangartores auf und entließen das im Vergleich zur Aldebaran winzig erscheinende Shuttle in die Schwärze des Alls. Während die Impulstrieb-werke die Fähre beschleunigten und auf den roten Wüstenmond ausrichteten, genossen die fünf Insassen die Aussicht auf Alnilam V und seine Trabanten.
„Mir ist noch immer nicht ganz wohl bei dem Gedanken, dass wir Sie schon beim ersten Kontakt mitnehmen, Captain. Eigentlich sollten wir mehr Vorsicht walten lassen, da wir doch nicht genau wissen, wer oder was uns erwartet,“ gab Leardini zu bedenken.
„Das stimmt schon“, erwiderte Wuran, „aber nach dem, was ich bei der Kommunikation mit diesem Wesen erfahren habe, brauchen wir uns keine grossen Sorgen zu machen. Es erweckt einen völlig friedfertigen Eindruck und scheint lediglich ausgsprochen neugierig auf uns zu sein. Und den anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten und der Tatsache nach, dass es auf der Oberfläche eines atmosphärelosen Himmelskörpers lebt, muß es eine uns gänzlich unbekannte Lebensform sein.“
„Allein schon vom wissenschaftlichen Standpunkt aus wird das sehr interessant werden“, stimmte Stern ihr zu.
Lennard fragte: „Wie lange noch bis zu den Zielkoordinaten, Counselor?“
„Etwa fünf Minuten, Sir“, antwortete Kall von den Steuerkontrollen aus. Sie wirkte unschlüssig, wandte sich dann jedoch zu Lennard um und sagte leise: „Ich wollte Ihnen noch etwas mitteilen, Captain.“
„Um was geht es?“
„Es ist wegen dem Klingonen Baor“, fuhr sie zögernd fort und sah sich unsicher nach den anderen Crewmitgliedern im hinteren Teil der Passagierkabine um. „Normalerweise fällt es mir nie schwer, die Gedanken von jemand anderem zu lesen, aber er... es ist fast so, als blockiere er sie vor mir. Als wäre er speziell darin geschult worden. Und immer wenn ich ihm begegne, sieht er mich so grimmig an, als passe ihm die Gegenwart einer Betazoiden nicht.“
Lennard meinte leichthin: „Er ist schliesslich Klingone, Counselor; es ist sein gutes Recht, böse aus der Wäsche zu schauen. Und glauben Sie mir, wenn die Sternenflotte einen Kurs anbieten würde, in dem man die Abschirmung seiner Gedanken vor Telepathen erlernen könnte, dann hätten unsere Kommandooffiziere diesen Kurs schon längst besucht, und zwar geschlossen.“
Kall sah ihn schuldbewusst an und seufzte. „Ja, ich verstehe, was Sie meinen, Sir. Ich hielt es nur für meine Pflicht, Sie auf diesen Umstand aufmerksam zu machen.“
„Dafür danke ich Ihnen.“ Lennard wandte sich dem hinteren Teil der Fähre zu und nahm seinen Sitzplatz ein, als der Flug in die letzte Annäherungsphase überging. Als Leardini an ihm vorbei nach vorne auf den zweiten Pilotensitz wechselte, hielt er sie kurz an und raunte: „Unsere Counselor ist etwas nervös, Stefania. Sehen Sie ihr lieber genau auf die Finger.“
„Darüber würde ich mich nicht sorgen; sie ist schliesslich eine der besten Shuttlepilotinnen auf dem Schiff.“
„Wirklich? Warum weiss ich nichts davon?“ wollte er sichtlich verblüfft wissen.
„Sie hängt es nicht an die grosse Glocke, weil es eine Art Hobby für sie ist. Stellen Sie sich vor, sie hat mich einmal mitgenommen, als sie auf dem Holodeck ein Föderationsshuttle in eine Filmszene von ‘Krieg der Sterne’ hineinprojiziert hat. Wir wirkten zwar mit unserem Mark VII in der Raumschlacht um Endor reichlich deplaziert, aber dafür ist sie geflogen wie der Teufel persönlich.“
„Interessant.“ Lennard schmunzelte.
„Wir nähern uns den ermittelten Koordinaten, Flughöhe unter zehn Kilometer gesunken“, meldete Kall von ihrem Platz aus, worauf sich alle setzten.
< Ich kann Euch sehen! > Die Stimme erklang völlig unvermittelt; sie kam zwar aus den Lautsprechern der Kommunikationsanlage, doch alle Anwesenden hatten das Gefühl, sie wür-de ihr Gehör auslassen und direkt in ihren Köpfen erschallen. < Euer Gefährt erscheint mir als Stern am Himmel, welcher grösser und grösser wird und dabei einen langen blassen Schweif hinter sich herzieht. >
„Was meint er mit dem Schweif wohl?“ fragte Stern mehr sich selbst als jemanden Bestimmten im Shuttle.
„Es könnte sein, dass er die Plasmaspur unseres Impulsantriebs wahrnehmen kann“, vermutete Wuran.
Stern wandte ein: „Kein der Wissenschaft bekanntes Wesen kann auf solchen Frequenzen sehen.“
„Kein der Wissenschaft bekanntes Wesen kann auf einem luftleeren Mond bei solchen Temperaturen leben und interstellare Funksprüche aussenden,“ versetzte Wuran mit der für viele Bajoraner so typischen Aggressivität, welche wohl ein kleiner Nebeneffekt der Überlebensinstinkte aus der cardassianischen Besatzungszeit darstellte.
Als Stern darauf betreten schwieg, grinste Lennard amüsiert, nur um gleich darauf wieder ernst zu werden und zu befehlen: „Computer, Grussfrequenzen öffnen.“ Nach kurzem Abwarten fuhr er fort: „Hier spricht Captain Kyle Lennard vom Föderationsschiff Aldebaran. Darf ich erfahren, mit wem wir die Ehre haben?“
Die fremdartige Stimme zögerte. < Mein Name ist nicht so leicht für eure Sprache und euer Denkmuster auszudrücken. Am treffendsten wäre Der Ewige. >
„Der Ewige? Ist das nicht ein wenig vermessen?“
< Wenn ihr erst einmal bei mir seid und ich euch die Grundlage meiner Existenz erklärt habe, werdet ihr das bestimmt verstehen. Für euch mag das sicher sehr ungewöhnlich sein, aber ihr könnt mir glauben, was ich bereits erlebt habe, ist mit eurem Verstand kaum noch zu begreifen. >
„Gut, warten wir ab, was du uns zu erzählen hast. Ich bin sicher, daß wir viel voneinander lernen können.“
< Du bist zweifellos ein intelligentes Lebewesen, Captain Kyle Lennard. Denn sonst hättest du bestimmt nicht so rasch den alleinigen Zweck unseres Treffens erkannt. >
Überrascht sah Lennard seine Gefährten an, bevor er kurz überlegte und seine Antwort sorgfältig formulierte. „Es ist unser grösstes Ziel und unsere Hauptaufgabe, ständig zu lernen und Neues zu entdecken. In dieser Beziehung verstehen wir uns offenbar recht gut.“
Inzwischen glitt das Shuttle sanft in eine trogförmige Senke, die von etwa einhundert Meter hohen Felswänden umgeben war. Da auf diesem Himmelskörper weder Wind noch Wasser vorkamen, waren die Gesteinsformationen keinerlei Erosion unterworfen und in ihrer ursprünglichen, bizarren Urform erhalten. An einem dieser Hänge konnte man etwas Dunkles, Undefinierbares ausmachen.
„Das muss es sein,“ meinte Kall und setzte sanft mehrere Dutzend Meter vor besagtem Objekt auf.
„Wir kommen gleich aus unserem Raumfahrzeug hinaus; doch zuerst müssen wir noch Schutzanzüge anlegen, weil die Bedingungen auf der Oberfläche für uns nicht geeignet sind“, informierte Lennard den Ewigen.
Nachdem sie alle mittelschwere Raumanzüge des Typs SAAA mit verstärktem Strahlenschutz angelegt hatten, erkundigte Lennard sich bei Kall, bevor sie ihre Helmvisiere schlossen: „Spüren Sie eigentlich die Präsenz des Ewigen, Counselor?“
Sie nickte zögerlich. „Ja, sehr stark sogar. Ich muss meinen Geist völlig vor ihm abschirmen, denn ich kann spüren, wie gewaltig sein Potential in dieser Hinsicht ist. Ich muss befürchten, dass ein Gedankenkontakt mit ihm mein Gehirn total überlasten würde.“
„So?“ Er sah sich kurz in der Runde um und sagte dann: „Das macht mir die Entscheidung leicht. Irgendjemand sollte natürlich im Shuttle bleiben und die Stellung halten. In diesem Fall ist es meiner Ansicht nach das Beste für Sie, wenn Sie einen direkten Kontakt vermeiden.“
„Oh!“ Enttäuscht begann Kall sich wieder aus ihrem Anzug zu schälen, während die anderen die Lebenserhaltungssysteme ihrer Anzüge hochfuhren und gegenseitig kontrollierten.
„Dann kann’s ja losgehen.“ Bedächtig stieg Leardini als Erste in die enge Luftschleuse und winkte Lennard nochmals aufmunternd zu, bevor sich die Innenluke schloß.
Einer nach dem anderen verließen sie das Shuttle und traten hinaus auf die dunkle Mondoberfläche. Lennard betrat die Schleuse als Letzter und wartete gespannt darauf, dass die Luft in der kleinen Schleusenkammer abgesaugt wurde. Dann öffnete sich die Aussentür und gab den Blick frei auf eine andere Welt.
[jetzt wird's spannend: was der Ewige ist kommt morgen in Kapitel 3 ...]

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