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Mittwoch, 1. November 2006
§11 - Flucht und Sabotage
cymep, 14:21h
[... Fortsetzung von gestern]
Zurück an Bord, übernahm Lennard die Brücke und befahl, Kurs auf das Antares-System zu setzen. „Beschleunigen Sie mit voller Impulskraft bis auf c 0,25 und geben Sie mir dann Bescheid.“
„Aye, Sir,“ bestätigte Gora Vakuf an den Steuerkontrollen.
„Und nun, wollen wir uns Mr. Baor zuwenden, Captain?“ fragte Leardini mit einem recht unheilvollen Lächeln.
„Ich bin sicher, Sie würden das liebend gerne selbst übernehmen, Stefania, aber ich möchte ihn lebend. Deshalb werden Mr. Kazuki und ich Sie begleiten.“
Unter verhaltenem Schmunzeln und Kichern der Brückencrew über Leardinis saures Gesicht stand Lennard auf und wandte sich dem nächsten Turbolift zu. „Mrs. Kall, Sie haben die Brücke. Mr. Kazuki, bitte begleiten Sie uns.“
Im Lift wollte Lennard wissen: „Was genau ist eigentlich vorgefallen, Onue?“
„Nun, wir haben gerade Ihre Unterhaltung mit dem Ewigen verfolgt, als mir ein Fähnrich plötzlich die Meldung gegeben hat, daß eine Subraum-Nachricht abgesetzt worden ist. Wir haben dann gleich darauf Lieutenant Baor als Absender identifiziert und zur Rede gestellt. Er behauptete den Unsinn mit der Überprüfung der Kommunikationshardware und stellte sich ansonsten dumm. Wir konsultierten Mrs. Warren, die unserenVerdacht bestätigte, dass dies nicht zutreffend war. Als wir den Inhalt der Botschaft aufrufen wollten, stellten wir fest, dass diese aus den Logbüchern gelöscht worden war; Baor leugnete das. Zum Glück versteht die gute Mrs. Warren eine Menge von ihrem Handwerk, denn sie hat gesagt, dass die Daten im Kernspeicher noch vorhanden sind, bis sie überschrieben werden. Sie hat es also tatsächlich geschafft, die gelöschte Nachricht zu rekonstruieren.
Dann jedoch hat uns das Glück leider verlassen. Der Inhalt war völlig unverständlich, auch für unsere Computerspezialistin. Sie meinte, es sähe tatsächlich aus wie eine Testsequenz, ist zur Zeit jedoch noch mit ihrer Entschlüsselung beschäftigt.“
Als der Turbolift hielt, meinte Leardini ungehalten: „Ist Ihnen denn nicht in den Sinn gekommen, dass man in diesem Sternensystem gar keine Subraumsignale senden kann? Das Feld der Sonne stört alles.“
Kazukis Augen weiteten sich plötzlich.“ ...bis auf Richtsignale vielleicht. Er muss diesen Spruch an jemanden ganz Bestimmten gerichtet haben. Dass ich darauf nicht gekommen bin!“
Beim Verlassen des Liftes rief der Captain: „Lennard an Wuran.“
„Sprechen Sie, Sir.“
„Kontrollieren Sie sofort die Aufzeichnungen über Mr. Baors Subraum-Botschaft auf eine bestimmte Ausrichtung hin und stellen Sie fest, wohin er gesendet hat.“
„Wird gemacht“, erklang die Stimme der Wissenschaftsoffizierin aus den Klangprozessoren des Ganges, den sie eilig hinabschritten.
Kazuki blieb vor einer Tür stehen. „Computer, Türblockade aufheben, Autorisierung Lieutenant Commander Kazuki Theta Drei.“
„Autorisierung unzureichend. Geben Sie den Sperrcode ein“, verlangte die emotionslose Computerstimme.
„Verd...er muß das von innen heraus bewerkstelligt haben.“ Mit einigen japanischen Flüchen begann Kazuki, die Schalttafel mit diversen Öffnungs- und Überbrückungsbefehlen dazu zu bewegen, die gesicherte Tür freizugeben.
„Darf ich einmal?“ Als die Versuche des Sicherheitsoffiziers fruchtlos blieben, übernahm Leardini diese Aufgabe, hatte aber genausowenig Erfolg.
Schliesslich sagte Kazuki mit vor Wut verzerrtem Gesicht: „Jetzt reicht es aber! Verzeihen Sie, Commander?“
Und mit diesen Worten und einer kurzen, wie beiläufigen Bewegung riss er das Schaltpaneel aus seiner Wandfassung. Zum Vorschein kamen ein paar Dutzend isolineare Speicherchips einfacherer Bauart, ein Gewirr optischer Datenleitungen sowie mehrere bei Raumtemperatur supraleitende Stromzuführungen. Kazuki legte eine fachmännische Vorgehensweise an den Tag und benötigte tatsächlich weniger als eine halbe Minute, um alle Sicherungen zu überbrücken. Leise zischend glitten die Türhälften auseinander.
„Nicht schlecht“, meinte Lennard anerkennend nickend.
Der Japaner grinste, während er seinen Phaser zog und sich dem Eingang zuwandte. „Die Japaner hatten euch schon immer in Elektronik einiges voraus.“
„Er muss Sie meinen, Stefania. Ich bin Neuseeländer und fühle mich daher nicht angesprochen.“
„Von mir aus. Jetzt möchte ich aber zunächst ein Wörtchen mit unserem speziellen Freund reden. Dass er sich in seinem Quartier verbarrikadiert...“
Beide fuhren herum, als sie Kazuki von drinnen aufheulen hörten. „Der Hundesohn ist nicht hier! Er wollte sich mit der Tür nur Zeit verschaffen.“
Augenblicklich sagte Lennard: „Computer, lokalisiere Lieutenant Baor.“
„Lieutenant Baor befindet sich in seinem Quartier, Deck Acht, Sektion Fünf.“
„Was soll das? Auf den Arm nehmen kann ich mich selbst“, entfuhr es Leardini.
„Hier ist die Lösung - er hat seinen Kommunikator hiergelassen.“ Lennard hatte das Sternenflottenabzeichen, dessen integrierte Elektronik auch zum Orten des Trägers diente, auf einem Tisch gefunden.
Nun sagte der Captain: „Lennard an Sicherheit: wir haben einen potentiellen Infiltrant an Bord. Lieutenant Baor, männlicher Klingone in Technikeruniform, vermutlich gefährlich und/oder bewaffnet. Suchtrupps im ganzen Schiff ausschwärmen und alle lebenswichtigen Einrichtungen bewachen. An alle Decks: hier spricht der Captain. Alarm Gelb. Wenn Sie einen klingonischen Lieutenant der Technikergruppe sehen, benachrichtigen Sie umgehend die Sicherheit. Lassen Sie unbedingt Vorsicht walten. Ende.“
„Und was jetzt?“ wollte Leardini wissen.
„Wir haben Alarm Gelb, meine Guteste. Ab auf die Brücke mit uns.“ Lennard hastete ihnen voran zum Turbolift. Er hatte das Heft schnell und bestimmt in die Hand genommen; sie hatte ihn noch nie zuvor so erlebt. Er hatte sogar den Alarm an den Sicherheitstrupp weitergegeben, was normalerweise Kazukis Aufgabe gewesen wäre. Vielleicht fühlte sich der Sicherheitschef der Aldebaran dadurch auf die Zehen getreten, weil er den Techniker nicht gleich in eine Arrestzelle gesteckt hatte. Aber wer konnte schon so etwas ahnen?
Schliesslich war seit der Indienststellung noch nie etwas Aufregendes passiert.
Wie eine Dampflok stürmte Lennard aus dem Lift und schnauzte Kall an: „Bericht!“
Die Betazoidin sprang förmlich aus dem Kapitänssessel und antwortete hastig:„ Sicherheitskräfte an allen relevanten Positionen Stellung bezogen, Suchtrupps ausgeschwärmt. Bisher keine Erfolgsmeldung, Sir.“
„Wo steckt dieser Mistkerl bloss? Wuran, haben Sie etwas herausgefunden?“
„Die ungefähre Richtung schon, Sir. Nur ist dort Dutzende von Lichtjahren weit nur tiefer Raum. Das nächste Sternensystem liegt schon in klingonischem Raum.“
Der Captain setzte sich langsam und überlegte laut: „Das muss alles zusammenhängen. Aber wie? Ich habe ein ganz schlechtes Gefühl bei der Sache. Diesen Baor müssen wir so schnell wie möglich finden und herausbekommen, was...“
Ein kleiner Ruck ging durchs Schiff. Bevor irgendjemand reagieren konnte, sahen sie alle auf dem Hauptschirm, wie am Vorderschiff, fast genau vor der Brücke, ein Rettungsboot aus der Schiffshülle herausgesprengt wurde. Es ging alles blitzschnell. Das würfelförmige Modul mit einer Kantenlänge von drei Metern wurde, von einem Mikrofusionsreaktor getrieben, nach oben katapultiert. Da es jedoch nicht vorgesehen war, diese Einrichtung bei voller Impulsbeschleunigung des Trägerschiffes einzusetzen, wurde es sehr schnell abgebremst, sobald es das Trägheitsdämpfungsfeld des Schiffs verliess. Es kam mit ungeheurer Geschwindigkeit direkt auf die Hauptbrücke zugerast, worauf alle aufschrien. Manche warfen sich instinktiv zu Boden; eine sinnlose Geste, denn bei einer Kollision würde wenig von Deck Eins übrigbleiben.
Haarscharf sauste die Rettungseinheit über sie hinweg. Manche glaubten sogar, ein scharrendes Geräusch an der Decke über ihnen zu hören.
„Ich glaube, wir haben ihn gefunden“, merkte Leardini, noch leicht benommen, an.
„Ist dieser Bastard einfach strohdumm oder lebensmüde?“ tobte Kazuki, sobald er sich wieder gefangen hatte.
„Volle Wendung, Verfolgungskurs setzen“, befahl Lennard mit düsterer Miene.
„Captain, das hier sollten sie sich ansehen“, erwiderte Vakuf einen Moment später.
„Was ist denn los? Warum wenden Sie nicht, Lieutenant?“ Lennard sprang auf und ging zur Steuerkonsole, wo er der Vulcanierin über die Schulter sah. Quer über der Benutzeroberfläche blinkten gross in Weiss zwei Worte:
STATUS FIXED
„Es begann genau zu dem Zeitpunkt, zu dem das Rettungsmodul ausgelöst wurde. Ich kann von hier aus nichts dagegen tun, da auch die manuellen Kontrollen gesperrt sind.“
Wuran meldete sich besorgt: „Bei mir ist das gleiche aufgetreten, Sir. Die Wissenschaftsstationen sind beide blockiert.“
„Captain, die Ops ist ebenfalls nicht mehr zu gebrauchen“, fügte Darrn hinzu.
Zähneknirschend wartete der Captain noch kurz, bis ihm alle Besatzungsmitglieder die gleiche Meldung abgegeben hatten: alle Instrumente waren blockiert. Gefährlich leise sagte er: „Sabotage. Er hat alles so programmiert, dass es beim Auslösen eines Rettungsmodules das Signal zum Blockieren erhält. Wir haben von hier aus keine Kontrolle über das Schiff mehr.“
„Captain, hinter uns enttarnt sich ein Schiff. Vermutlich ein klingonischer Bird of Prey, genauere Angaben leider nicht möglich, da keine Einstellungen der Sensoren möglich sind.“
„Deshalb hat er den Spruch abgesetzt - um Rettung für sich anzufordern, wenn er das Schiff verlassen muss. Zum Glück sind die Schilde oben, da wir noch unter Alarm Gelb stehen.“
„Das ist korrekt, Captain. Wir können diese jedoch bei einem eventuellen Angriff des Bird of Prey nicht verstärken, noch haben wir eine Möglichkeit, zu manövrieren oder uns mit Waffengewalt zu verteidigen. Wir sind sozusagen wehrlos“, schloss Vakuf.
„Na prima! Wie Tontauben auf dem Schiessstand. Brücke an Maschinenraum.“
Keine Antwort.
Mit gefurchter Stirn sagte Lennard: „Computer, lokalisiere Chefingenieur Nidor und Mrs. Warren.“
Nichts.
„Keiner rührt die Lebenserhaltungssysteme an! Wir müssen unbedingt die Kontrolle über das Schiff zurückerlangen. Stefania, Cluy, kommen Sie mit.“ Sie hasteten zum Lift.
Wuran lief voll gegen die Lifttür, welche keinerlei Anstalten machte, sich zu öffnen. Sie schrie auf und rieb sich ihre Stirn. Lennard verdrehte die Augen. „Das darf nicht wahr sein.“
„Wie leid mir das tut, lieber Captain“, bemerkte eine vor Hohn triefende Stimme hinter ihm. Er kannte diese Stimme, dachte er noch, während er sich zum Hauptschirm umdrehte.
Sie bekamen die Brücke des alten klingonischen Schiffes zu sehen, mit Baor im Vordergrund, der sie hämisch angrinste. “Das hätten Sie sich wohl nicht träumen lassen, was?“
Darrn brauste auf: „Was seid ihr nur für ein Abschaum, daß ihr mit feigen Hinterlisten kämpft? Kein Klingone mit einem Funken Ehrgefühl in seinen Herzen würde an so etwas auch nur denken!“
„Ihr werdet noch früh genug merken, wer wir sind. Die dümmlichen Versuche der Duras-Familie, die Macht über das Reich zu bekommen, waren allesamt erfolglos. Wir jedoch haben schon seit langem diese Schritte geplant, von dem die Zerstörung der Aldebaran nur der erste sein wird.“
„Wenn Sie jetzt auf uns feuern, werden Spuren ihres Angriffs verbleiben, selbst wenn es Ihnen gelingen sollte, uns völlig zu zerstören. Die Sternenflotte wird diese Spuren mit Sicherheit zu deuten imstande sein. Die Fährte wird zu Ihnen führen“, wandte Lennard ein.
Nun meldete sich der Captain des Klingonen-Kreuzers zu Wort. „Aber, aber, wer redet denn hier von Waffengewalt? Das erledigen Sie doch selbst, genauer gesagt Ihr Schiff. Baor?“
Der Angesprochene führte aus, während er seine Rangabzeichen von der Uniform riss: „Eigentlich war vorgesehen, dass ich alles von der Antares-Werft aus regele und dann gemütlich zusehe, was passiert. Ihr plötzlicher Aufbruch verkomplizierte die Lage unnötig. Nun, Commander Giftzwerg, jetzt verstehen Sie sicher auch meinen heftigen Widerstand, als Sie mich für den Flug an Bord holen wollten.“, richtete er seine Worte grinsend an Leardini, die puterrot vor Wut anlief.
„Was ich Ihnen aber mitteilen wollte, ist die Tatsache, dass ich einige - nein, sagen wir lieber zahlreiche - Steuerelemente der Computeranlagen gegen ganz spezielle Versionen ausgetauscht habe. Alle wichtigen Funktionen des Schiffes sind in dem Status blockiert, in dem sie sich zum Zeitpunkt der Auslösung meines Rettungsbootes befanden. Das wirklich Lustige kommt aber erst noch: früher oder später versagen sie nämlich völlig, eines nach dem anderen. Wie lange das dauern wird und in welcher Reihenfolge die Ausfälle erfolgen, kann man nicht so genau sagen. Da Sie mit vollem Impuls beschleunigen, was etwas über 1000 g entspricht, hoffe ich für Sie, dass das Trägheitsdämpfungssystem das erste sein wird, das seinen Geist aufgeben wird. Sie würden nicht einmal etwas merken, bevor alles vorbei wäre. Naja, auf alle Fälle wird es ein tragischer Unfall sein. Mein Beileid.“
„Sie stinkender Renegade! So leicht kriegen Sie uns nicht, selbst wenn Sie...“
Baor unterbrach Leardinis Tirade: „Ich fürchte, doch, Commander Giftzwerg. Übrigens wollte ich mich bei dieser Gelegenheit noch für die Daten des Ewigen bedanken, welche ich kopiert und als kleines Souvenir mitgenommen habe. Selbstverständlich ist es nur ein winzig kleiner Teil, aber an Energie- und Antriebstechnologie werden wir allen bekannten Rassen, einschliesslich der Borg, bald so weit voraus sein... nein, ich glaube nicht, dass Sie sich das überhaupt vorstellen können. Niemand wird auch nur den Hauch einer Chance gegen eine auf dieser Technologie basierenden Raumflotte haben. Ich schätze, ich werde es noch miterleben können, wie die Klingonen, unter uns vereint, den gesamten Alphaquadranten beherrschen werden.“
„Oh mein Gott“, flüsterte Lennard entsetzt, nachdem der Bildschirm dunkel geworden war.
Ein dunkles Zeitalter stand der gesamten erforschten Galaxie bevor.
Nur würden sie das nicht mehr miterleben... wenn sie nicht bald etwas unternahmen.
[Fortsetzung morgen mit Kapitel 4...]
Zurück an Bord, übernahm Lennard die Brücke und befahl, Kurs auf das Antares-System zu setzen. „Beschleunigen Sie mit voller Impulskraft bis auf c 0,25 und geben Sie mir dann Bescheid.“
„Aye, Sir,“ bestätigte Gora Vakuf an den Steuerkontrollen.
„Und nun, wollen wir uns Mr. Baor zuwenden, Captain?“ fragte Leardini mit einem recht unheilvollen Lächeln.
„Ich bin sicher, Sie würden das liebend gerne selbst übernehmen, Stefania, aber ich möchte ihn lebend. Deshalb werden Mr. Kazuki und ich Sie begleiten.“
Unter verhaltenem Schmunzeln und Kichern der Brückencrew über Leardinis saures Gesicht stand Lennard auf und wandte sich dem nächsten Turbolift zu. „Mrs. Kall, Sie haben die Brücke. Mr. Kazuki, bitte begleiten Sie uns.“
Im Lift wollte Lennard wissen: „Was genau ist eigentlich vorgefallen, Onue?“
„Nun, wir haben gerade Ihre Unterhaltung mit dem Ewigen verfolgt, als mir ein Fähnrich plötzlich die Meldung gegeben hat, daß eine Subraum-Nachricht abgesetzt worden ist. Wir haben dann gleich darauf Lieutenant Baor als Absender identifiziert und zur Rede gestellt. Er behauptete den Unsinn mit der Überprüfung der Kommunikationshardware und stellte sich ansonsten dumm. Wir konsultierten Mrs. Warren, die unserenVerdacht bestätigte, dass dies nicht zutreffend war. Als wir den Inhalt der Botschaft aufrufen wollten, stellten wir fest, dass diese aus den Logbüchern gelöscht worden war; Baor leugnete das. Zum Glück versteht die gute Mrs. Warren eine Menge von ihrem Handwerk, denn sie hat gesagt, dass die Daten im Kernspeicher noch vorhanden sind, bis sie überschrieben werden. Sie hat es also tatsächlich geschafft, die gelöschte Nachricht zu rekonstruieren.
Dann jedoch hat uns das Glück leider verlassen. Der Inhalt war völlig unverständlich, auch für unsere Computerspezialistin. Sie meinte, es sähe tatsächlich aus wie eine Testsequenz, ist zur Zeit jedoch noch mit ihrer Entschlüsselung beschäftigt.“
Als der Turbolift hielt, meinte Leardini ungehalten: „Ist Ihnen denn nicht in den Sinn gekommen, dass man in diesem Sternensystem gar keine Subraumsignale senden kann? Das Feld der Sonne stört alles.“
Kazukis Augen weiteten sich plötzlich.“ ...bis auf Richtsignale vielleicht. Er muss diesen Spruch an jemanden ganz Bestimmten gerichtet haben. Dass ich darauf nicht gekommen bin!“
Beim Verlassen des Liftes rief der Captain: „Lennard an Wuran.“
„Sprechen Sie, Sir.“
„Kontrollieren Sie sofort die Aufzeichnungen über Mr. Baors Subraum-Botschaft auf eine bestimmte Ausrichtung hin und stellen Sie fest, wohin er gesendet hat.“
„Wird gemacht“, erklang die Stimme der Wissenschaftsoffizierin aus den Klangprozessoren des Ganges, den sie eilig hinabschritten.
Kazuki blieb vor einer Tür stehen. „Computer, Türblockade aufheben, Autorisierung Lieutenant Commander Kazuki Theta Drei.“
„Autorisierung unzureichend. Geben Sie den Sperrcode ein“, verlangte die emotionslose Computerstimme.
„Verd...er muß das von innen heraus bewerkstelligt haben.“ Mit einigen japanischen Flüchen begann Kazuki, die Schalttafel mit diversen Öffnungs- und Überbrückungsbefehlen dazu zu bewegen, die gesicherte Tür freizugeben.
„Darf ich einmal?“ Als die Versuche des Sicherheitsoffiziers fruchtlos blieben, übernahm Leardini diese Aufgabe, hatte aber genausowenig Erfolg.
Schliesslich sagte Kazuki mit vor Wut verzerrtem Gesicht: „Jetzt reicht es aber! Verzeihen Sie, Commander?“
Und mit diesen Worten und einer kurzen, wie beiläufigen Bewegung riss er das Schaltpaneel aus seiner Wandfassung. Zum Vorschein kamen ein paar Dutzend isolineare Speicherchips einfacherer Bauart, ein Gewirr optischer Datenleitungen sowie mehrere bei Raumtemperatur supraleitende Stromzuführungen. Kazuki legte eine fachmännische Vorgehensweise an den Tag und benötigte tatsächlich weniger als eine halbe Minute, um alle Sicherungen zu überbrücken. Leise zischend glitten die Türhälften auseinander.
„Nicht schlecht“, meinte Lennard anerkennend nickend.
Der Japaner grinste, während er seinen Phaser zog und sich dem Eingang zuwandte. „Die Japaner hatten euch schon immer in Elektronik einiges voraus.“
„Er muss Sie meinen, Stefania. Ich bin Neuseeländer und fühle mich daher nicht angesprochen.“
„Von mir aus. Jetzt möchte ich aber zunächst ein Wörtchen mit unserem speziellen Freund reden. Dass er sich in seinem Quartier verbarrikadiert...“
Beide fuhren herum, als sie Kazuki von drinnen aufheulen hörten. „Der Hundesohn ist nicht hier! Er wollte sich mit der Tür nur Zeit verschaffen.“
Augenblicklich sagte Lennard: „Computer, lokalisiere Lieutenant Baor.“
„Lieutenant Baor befindet sich in seinem Quartier, Deck Acht, Sektion Fünf.“
„Was soll das? Auf den Arm nehmen kann ich mich selbst“, entfuhr es Leardini.
„Hier ist die Lösung - er hat seinen Kommunikator hiergelassen.“ Lennard hatte das Sternenflottenabzeichen, dessen integrierte Elektronik auch zum Orten des Trägers diente, auf einem Tisch gefunden.
Nun sagte der Captain: „Lennard an Sicherheit: wir haben einen potentiellen Infiltrant an Bord. Lieutenant Baor, männlicher Klingone in Technikeruniform, vermutlich gefährlich und/oder bewaffnet. Suchtrupps im ganzen Schiff ausschwärmen und alle lebenswichtigen Einrichtungen bewachen. An alle Decks: hier spricht der Captain. Alarm Gelb. Wenn Sie einen klingonischen Lieutenant der Technikergruppe sehen, benachrichtigen Sie umgehend die Sicherheit. Lassen Sie unbedingt Vorsicht walten. Ende.“
„Und was jetzt?“ wollte Leardini wissen.
„Wir haben Alarm Gelb, meine Guteste. Ab auf die Brücke mit uns.“ Lennard hastete ihnen voran zum Turbolift. Er hatte das Heft schnell und bestimmt in die Hand genommen; sie hatte ihn noch nie zuvor so erlebt. Er hatte sogar den Alarm an den Sicherheitstrupp weitergegeben, was normalerweise Kazukis Aufgabe gewesen wäre. Vielleicht fühlte sich der Sicherheitschef der Aldebaran dadurch auf die Zehen getreten, weil er den Techniker nicht gleich in eine Arrestzelle gesteckt hatte. Aber wer konnte schon so etwas ahnen?
Schliesslich war seit der Indienststellung noch nie etwas Aufregendes passiert.
Wie eine Dampflok stürmte Lennard aus dem Lift und schnauzte Kall an: „Bericht!“
Die Betazoidin sprang förmlich aus dem Kapitänssessel und antwortete hastig:„ Sicherheitskräfte an allen relevanten Positionen Stellung bezogen, Suchtrupps ausgeschwärmt. Bisher keine Erfolgsmeldung, Sir.“
„Wo steckt dieser Mistkerl bloss? Wuran, haben Sie etwas herausgefunden?“
„Die ungefähre Richtung schon, Sir. Nur ist dort Dutzende von Lichtjahren weit nur tiefer Raum. Das nächste Sternensystem liegt schon in klingonischem Raum.“
Der Captain setzte sich langsam und überlegte laut: „Das muss alles zusammenhängen. Aber wie? Ich habe ein ganz schlechtes Gefühl bei der Sache. Diesen Baor müssen wir so schnell wie möglich finden und herausbekommen, was...“
Ein kleiner Ruck ging durchs Schiff. Bevor irgendjemand reagieren konnte, sahen sie alle auf dem Hauptschirm, wie am Vorderschiff, fast genau vor der Brücke, ein Rettungsboot aus der Schiffshülle herausgesprengt wurde. Es ging alles blitzschnell. Das würfelförmige Modul mit einer Kantenlänge von drei Metern wurde, von einem Mikrofusionsreaktor getrieben, nach oben katapultiert. Da es jedoch nicht vorgesehen war, diese Einrichtung bei voller Impulsbeschleunigung des Trägerschiffes einzusetzen, wurde es sehr schnell abgebremst, sobald es das Trägheitsdämpfungsfeld des Schiffs verliess. Es kam mit ungeheurer Geschwindigkeit direkt auf die Hauptbrücke zugerast, worauf alle aufschrien. Manche warfen sich instinktiv zu Boden; eine sinnlose Geste, denn bei einer Kollision würde wenig von Deck Eins übrigbleiben.
Haarscharf sauste die Rettungseinheit über sie hinweg. Manche glaubten sogar, ein scharrendes Geräusch an der Decke über ihnen zu hören.
„Ich glaube, wir haben ihn gefunden“, merkte Leardini, noch leicht benommen, an.
„Ist dieser Bastard einfach strohdumm oder lebensmüde?“ tobte Kazuki, sobald er sich wieder gefangen hatte.
„Volle Wendung, Verfolgungskurs setzen“, befahl Lennard mit düsterer Miene.
„Captain, das hier sollten sie sich ansehen“, erwiderte Vakuf einen Moment später.
„Was ist denn los? Warum wenden Sie nicht, Lieutenant?“ Lennard sprang auf und ging zur Steuerkonsole, wo er der Vulcanierin über die Schulter sah. Quer über der Benutzeroberfläche blinkten gross in Weiss zwei Worte:
STATUS FIXED
„Es begann genau zu dem Zeitpunkt, zu dem das Rettungsmodul ausgelöst wurde. Ich kann von hier aus nichts dagegen tun, da auch die manuellen Kontrollen gesperrt sind.“
Wuran meldete sich besorgt: „Bei mir ist das gleiche aufgetreten, Sir. Die Wissenschaftsstationen sind beide blockiert.“
„Captain, die Ops ist ebenfalls nicht mehr zu gebrauchen“, fügte Darrn hinzu.
Zähneknirschend wartete der Captain noch kurz, bis ihm alle Besatzungsmitglieder die gleiche Meldung abgegeben hatten: alle Instrumente waren blockiert. Gefährlich leise sagte er: „Sabotage. Er hat alles so programmiert, dass es beim Auslösen eines Rettungsmodules das Signal zum Blockieren erhält. Wir haben von hier aus keine Kontrolle über das Schiff mehr.“
„Captain, hinter uns enttarnt sich ein Schiff. Vermutlich ein klingonischer Bird of Prey, genauere Angaben leider nicht möglich, da keine Einstellungen der Sensoren möglich sind.“
„Deshalb hat er den Spruch abgesetzt - um Rettung für sich anzufordern, wenn er das Schiff verlassen muss. Zum Glück sind die Schilde oben, da wir noch unter Alarm Gelb stehen.“
„Das ist korrekt, Captain. Wir können diese jedoch bei einem eventuellen Angriff des Bird of Prey nicht verstärken, noch haben wir eine Möglichkeit, zu manövrieren oder uns mit Waffengewalt zu verteidigen. Wir sind sozusagen wehrlos“, schloss Vakuf.
„Na prima! Wie Tontauben auf dem Schiessstand. Brücke an Maschinenraum.“
Keine Antwort.
Mit gefurchter Stirn sagte Lennard: „Computer, lokalisiere Chefingenieur Nidor und Mrs. Warren.“
Nichts.
„Keiner rührt die Lebenserhaltungssysteme an! Wir müssen unbedingt die Kontrolle über das Schiff zurückerlangen. Stefania, Cluy, kommen Sie mit.“ Sie hasteten zum Lift.
Wuran lief voll gegen die Lifttür, welche keinerlei Anstalten machte, sich zu öffnen. Sie schrie auf und rieb sich ihre Stirn. Lennard verdrehte die Augen. „Das darf nicht wahr sein.“
„Wie leid mir das tut, lieber Captain“, bemerkte eine vor Hohn triefende Stimme hinter ihm. Er kannte diese Stimme, dachte er noch, während er sich zum Hauptschirm umdrehte.
Sie bekamen die Brücke des alten klingonischen Schiffes zu sehen, mit Baor im Vordergrund, der sie hämisch angrinste. “Das hätten Sie sich wohl nicht träumen lassen, was?“
Darrn brauste auf: „Was seid ihr nur für ein Abschaum, daß ihr mit feigen Hinterlisten kämpft? Kein Klingone mit einem Funken Ehrgefühl in seinen Herzen würde an so etwas auch nur denken!“
„Ihr werdet noch früh genug merken, wer wir sind. Die dümmlichen Versuche der Duras-Familie, die Macht über das Reich zu bekommen, waren allesamt erfolglos. Wir jedoch haben schon seit langem diese Schritte geplant, von dem die Zerstörung der Aldebaran nur der erste sein wird.“
„Wenn Sie jetzt auf uns feuern, werden Spuren ihres Angriffs verbleiben, selbst wenn es Ihnen gelingen sollte, uns völlig zu zerstören. Die Sternenflotte wird diese Spuren mit Sicherheit zu deuten imstande sein. Die Fährte wird zu Ihnen führen“, wandte Lennard ein.
Nun meldete sich der Captain des Klingonen-Kreuzers zu Wort. „Aber, aber, wer redet denn hier von Waffengewalt? Das erledigen Sie doch selbst, genauer gesagt Ihr Schiff. Baor?“
Der Angesprochene führte aus, während er seine Rangabzeichen von der Uniform riss: „Eigentlich war vorgesehen, dass ich alles von der Antares-Werft aus regele und dann gemütlich zusehe, was passiert. Ihr plötzlicher Aufbruch verkomplizierte die Lage unnötig. Nun, Commander Giftzwerg, jetzt verstehen Sie sicher auch meinen heftigen Widerstand, als Sie mich für den Flug an Bord holen wollten.“, richtete er seine Worte grinsend an Leardini, die puterrot vor Wut anlief.
„Was ich Ihnen aber mitteilen wollte, ist die Tatsache, dass ich einige - nein, sagen wir lieber zahlreiche - Steuerelemente der Computeranlagen gegen ganz spezielle Versionen ausgetauscht habe. Alle wichtigen Funktionen des Schiffes sind in dem Status blockiert, in dem sie sich zum Zeitpunkt der Auslösung meines Rettungsbootes befanden. Das wirklich Lustige kommt aber erst noch: früher oder später versagen sie nämlich völlig, eines nach dem anderen. Wie lange das dauern wird und in welcher Reihenfolge die Ausfälle erfolgen, kann man nicht so genau sagen. Da Sie mit vollem Impuls beschleunigen, was etwas über 1000 g entspricht, hoffe ich für Sie, dass das Trägheitsdämpfungssystem das erste sein wird, das seinen Geist aufgeben wird. Sie würden nicht einmal etwas merken, bevor alles vorbei wäre. Naja, auf alle Fälle wird es ein tragischer Unfall sein. Mein Beileid.“
„Sie stinkender Renegade! So leicht kriegen Sie uns nicht, selbst wenn Sie...“
Baor unterbrach Leardinis Tirade: „Ich fürchte, doch, Commander Giftzwerg. Übrigens wollte ich mich bei dieser Gelegenheit noch für die Daten des Ewigen bedanken, welche ich kopiert und als kleines Souvenir mitgenommen habe. Selbstverständlich ist es nur ein winzig kleiner Teil, aber an Energie- und Antriebstechnologie werden wir allen bekannten Rassen, einschliesslich der Borg, bald so weit voraus sein... nein, ich glaube nicht, dass Sie sich das überhaupt vorstellen können. Niemand wird auch nur den Hauch einer Chance gegen eine auf dieser Technologie basierenden Raumflotte haben. Ich schätze, ich werde es noch miterleben können, wie die Klingonen, unter uns vereint, den gesamten Alphaquadranten beherrschen werden.“
„Oh mein Gott“, flüsterte Lennard entsetzt, nachdem der Bildschirm dunkel geworden war.
Ein dunkles Zeitalter stand der gesamten erforschten Galaxie bevor.
Nur würden sie das nicht mehr miterleben... wenn sie nicht bald etwas unternahmen.
[Fortsetzung morgen mit Kapitel 4...]
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