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Donnerstag, 2. November 2006
$ 12 KAPITEL4 - Panik-Reparaturen
cymep, 16:03h
[...Fortsetzung von gestern]
- 4 -
Lennard trat zum nächsten Turbolift und besah sich die Schalttafel. „Der Saboteur hat sämtliche Systeme, die unter direkter Computerkontrolle stehen, blockiert, was heisst, dass wir alles überbrücken und einzeln manuell bedienen müssen, was wir benutzen wollen. Mit einer Tür funktioniert das, jedoch nicht mit komplexeren Vorrichtungen. Wir müssen so schnell wie möglich zu den Compterkernen vordringen und von dort aus versuchen, die eingebauten fehlerhaften Kontrollmodule ausfindig zu machen. Und wir brauchen unbedingt Mrs. Warrens Hilfe dazu.“
Die Reaktion des Captains beruhigte die Mannschaft auf der Brücke ein wenig. Ihr Kommandant war ruhig und gefasst und ging die Probleme mit logischen Überlegungen an. Das gab vielen die Hoffnung, dass ihre Lage vielleicht doch nicht ausweglos war.
Wie gross die Chance auf eine rechtzeitige Reparatur der Computersysteme seiner Meinung nach waren, verschwieg er lieber.
„Mr. Kazuki, Sie machen sich daran, diesen Turbolift zu öffnen und ihn wieder in Betrieb zu nehmen. Danach fahren Sie zum Quartier von Mrs. Warren und bringen sie zum ersten Computerkern. Falls ihr Quartier bereits aufgebrochen ist, waren wir schneller als Sie. Dann kommen Sie bitte ebenfalls zum Kern.“
Der Sicherheitschef ging zum Turbolift hinüber, hielt dann jedoch inne und fragte: „Was meinen Sie mit ‘falls Sie schneller waren‘?“
„Ich werde mit Lieutenant Vakuf und Lieutenant Commander Cluy durch einen Wartungstunnel bis auf das Deck vorstossen, auf dem Mrs. Warrens Quartier liegt. Lieutenant Darrn, Sie sehen sich inzwischen die Ausweichcomputer hier auf der Brücke an und versuchen, falls irgend möglich, die Kontrolle über die Systeme zurückzuerlangen.“
Vakuf meldete sich zu Wort: „Hören Sie, Captain, wir haben genau C 0,25 erreicht, können die Beschleunigung im derzeitigen Zustand jedoch nicht beeinflussen. Damit ist der Zeitfaktor bei der Beseitigung der Funktionsstörungen von großer Priorität.“
Leardini warf genervt ein: „Könnten Sie sich bitte so ausdrücken, dass auch schlichte Gemüter wie zum Beispiel der Erste Offizier eines Galaxy-Klasse-Raumschiffes Sie verstehen?“
„Mrs. Vakuf meint damit, dass wir bei unserer Beschleunigung von 10 Kilometern pro Sekunde in sechs und einer viertel Stunde theoretisch die Lichtgeschwindigkeit erreichen. Welche Auswirkungen das auf das Schiff haben würde, ist Ihnen bestimmt klar“, führte Cluy aus.
„Aber ist das nicht unmöglich? Je näher man der Geschwindigkeit kommt, umso grösser wird doch die Masse des Schiffes. Bei Lichtgeschwindigkeit wäre die Aldebaran unendlich gross und könnte sich selbst gar nicht mehr beschleunigen, weil die Impulstriebwerke nicht so viel Leistung besitzen,“ erwiderte Leardini.
Vakuf meinte darauf: „Das ist korrekt, Commander. Jedoch haben Sie nicht berücksichtigt, dass bei der Benutzung des Impulsantriebs von der Antriebsspulen-Anordnung ein Subraumfeld im Millicochrane-Bereich um das Schiff herum gelegt wird, um so die Masse des Schiffes scheinbar zu verringern. Ich würde unseren Status so ausdrücken, dass wir damit nicht bis in den Warpbereich gelangen können, uns aber auch nicht direkt im Einsteinschen Universum, wie Sie es kennen, befinden. Ich vermute, dass die Masse der Aldebaran mit zunehmender Annäherung an c 1 tatsächlich überproportional ansteigen wird, allerdings längst nicht so stark, wie Sie es darlegen.“
„Was, Sie vermuten es? Mrs. Vakuf!“
„Es gibt keine zuverlässigen Angaben über unsere Situation, da bislang kein solcher Fall aufgetreten ist. Zudem können wir aufgrund der gleichen Tatsache auch keinerlei zuverlässige Aussagen über das Ausmass der Zeitverdichtungseffekte machen.“
„Also, ich würde sagen, allen ist nun klar, wie ernst die Lage ist. Und auch, dass höchste Eile geboten ist. Können wir nun, meine Damen?“ Der Capain hatte bereits ein Zugangsgitter für einen Wartungsschacht freigelegt, der etwa einen Meter durchmass und zum nächsten grösseren Lüftungsschacht führte.
Als sich die Wissenschafts- und die Steueroffizierin jetzt Lennard anschlossen, wollte Leardini wissen: „Und ich komme nicht mit?“
„Ich übergebe Ihnen hiermit die Brücke, Stefania. Wir können leider den gelben Alarm nicht aufheben, wie Sie wissen. Und da die Vorschriften verlangen, daß einer von uns beiden auf der Brücke ist...“ Er beugte sich näher zu seiner enttäuschten ‘Nummer Eins’ hinüber und raunte ihr zu: „Ich kenne Ihre Noten in Computertechnik. Sie sind momentan auf der Brücke viel wertvoller für mich.“
Mit einem Augenzwinkern überspielte er ihre aufkommende Empörung und kroch dann schnell mit den Beinen voran in die relativ enge Röhre, gefolgt von der Vulcanierin und der Cardassianerin, welche seinem Beispiel folgten.
„Ist es ratsam,sich rückwärts durch so eine beengte Umgebung zu bewegen?“ fragte Vakuf.
„Ich habe mir durchaus etwas dabei gedacht, meine Guteste. Dieser Schacht ist nur etwa zwanzig Meter lang und mündet dann in einen senkrechten Hauptbelüftungsschacht, der fünfzehn Deck hinabreicht. Da ich kein sehr geübter Atleth bin, ziehe ich es vor, mit den Füssen und nicht mit dem Kopf voraus auf der Zugangsleiter hinabzusteigen.“
Nun kamen keine Fragen mehr, bis sie alle im Hauptbelüftungsschacht, welcher nun einen komfortablen Durchmesser von etwa drei Metern hatte, jedoch aufgrund der schlechten Be-leuchtung den Eindruck erweckte, ins Bodenlose abzufallen, fünf Decks nach unten zurückge-legt hatten.
„Mrs. Cluy, können Sie die Luke zu Deck fünf von hier aus öffnen?“
„Kein Problem, Sir,“ antwortete Wuran und begann mit der manuellen Überbrückung des Türkontaktes, sobald Lennard und Vakuf weiter nach unten geklettert waren und sie an den Mechanismus heranreichte.
Nach einer kurzen, risikoreichen Kletteraktion von der Leiter auf den Flur hinter der Zugangstür standen sie auf Deck fünf.
„Und jetzt zu Mrs. Warrens Quartier.“ Lennard hatte bereits wieder die Führung übernommen und steuerte die Sektion der Gästequartiere an, wo sie den Eingang verschlossen vorfanden. Demnach hatte Kazuki noch keinen Erfolg gehabt, weshalb sie selbst die Tür öffneten.
Der Raum war dunkel, als sie eintraten und sich langsam vorarbeiteten. „Vielleicht ist sie gar nicht hier“, mutmasste Wuran.
„Was ist denn hier los?“ Beim Klang der Stimme fuhren sie herum und entdeckten die Computertechnikerin in ihrem Bett liegend und sie aus grossen Augen anstarrend. „Könnte mir bitte jemand erklären, was Sie alle hier um diese Zeit wollen?“
Erst jetzt wurde Lennard bewusst, dass es nach Bordzeit später Abend war. „Entschuldigen Sie bitte, daß wir in ihre Privatsphäre eingedrungen sind, Mrs. Warren. Wir stecken in einer ziemlich üblen Notlage und brauchen sofort Ihre Hilfe. Bitte machen Sie sich so schnell wie möglich bereit, während wir vor der Tür warten.“
Verschlafen gähnte Warren und wollte wissen: „Was kann nur passiert sein, dass Sie...?“
„Die Aldebaran ist sabotiert worden. Mr. Baor hat alle Computeranlagen des Schiffes in ihrem derzeitigen Status blockiert, sodass sich nichts mehr an Bord steuern lässt. Er selbst hat sich mit einem Rettungsboot abgesetzt und wurde von klingonischen Renegaten abgeholt. Wahrscheinlich war er ein Schläfer, ein Spion, der schon vor langer Zeit in die Sternenflotte eingeschleust wurde. Wie so etwas möglich war, wissen wir nicht. Wir haben momentan auch andere Sorgen, da uns mitgeteilt wurde, dass die eingeschleuste Hardware so konfiguriert ist, dass sie zuerst alles blockiert und dann nach einer uns unbekannten Zeitspanne ausfällt. Sie wissen, was das für uns bedeuten kann, Mrs. Warren?“ Lennard und seine beiden Offiziere hatten sich auf den Korridor zurückgezogen. Nun hörte man ein Keuchen von drinnen.
„Oh, mein Gott! Nein, Captain, ich bin nicht genau vertraut mit der Funktionsweise eines interstellaren Raumschiffes. Das Licht lässt sich nicht einschalten... es ist also wirklich wahr. Wie viele Menschen an Bord sind jetzt wohl in ihren dunklen Quartieren eingeschlossen und haben keine Ahnung, wie ihnen geschieht?“
„Da weder Kommunikations- noch Senorensysteme funktionieren, haben wir keinen Überblick über die Lage. Es funktioniert nichts mehr aktiv, wirklich nichts.
Nun, Mrs. Warren, ich möchte Ihnen einige Dinge erklären. Wir beschleunigen momentan mit voller Impulskraft, was bedeutet, daß wir in spätestens sechs Stunden den Antrieb ausschalten müssen, weil wir ansonsten eine enorme Zeitverschiebung erleiden könnten.“
„Das lässt sich vermutlich gut bewerkstelligen,“ meinte Warrens Stimme zuversichtlich.
Vakuf seufzte; eine fast schon zu menschliche Geste für eine Vulkanierin. “So einfach wird es leider nicht. Da sämtliche Computer betroffen sind, müssen wir alle drei Hauptkerne sowie die Nebenanlagen auf der Haupt- und der Kampfbrücke instandsetzen. Da Türen und Turbolifte außer Funktion sind, müssen wir uns den Zugang zu den entsprechenden Stellen im Schiff mühsam erarbeiten.“
„Daran hatte ich nicht gedacht,“ gab Warren zu, „das wird natürlich viel Zeit kosten auf so einem grossen Raumschiff wie diesem.“
„Das ist noch nicht alles“, wandte Lennard ein, „denn bevor wir uns um den Antrieb kümmern können, müssen wir zuerst eine ganze Reihe von anderen Systemen sichern.“
„Wieso das denn?“ Warren erschien endlich angezogen, mit wirrem Haar und verstörter Miene in der Tür.
Lennard erläuterte auf dem Weg zum ersten Computerkern: „Da wäre zunächst einmal die Lebenserhaltung, die das Schiff mit Luft, Wärme, Wasser und so weiter versorgt. Ohne sie sind keine Umweltbedingungen vorhanden, die der Besatzung ein Überleben ermöglichen können.
Das TDF, das TrägheitsDämpfungsFeld, ist eine Einrichtung, welche ein Kraftfeld erzeugt, das die enorme Beschleunigung des Schiffes von etwa tausendfacher Erdanziehungskraft ausgleicht. Wenn dieses System ausfällt, sind wir augenblicklich tot, noch bevor wir merken, was geschehen ist.
Dann das SIF, das Strukturelle IntegritätsFeld. Dieses Kraftfeld in der tragenden Konstruktion der Aussenhülle erhöht die Festigkeit des Raumrahmens um das 1250fache. Bei einer Masse von 6,5 Millionen metrischer Tonnen und dieser Beschleunigung hätte ein Versagen dieser Komponente zur Folge, dass das Schiff auseinandergerissen würde.
Der Warpantrieb ist auch sehr problematisch, obwohl er gerade nicht läuft. Die Materie/ Antimateriereaktion, mit der wir das Schiff mit Energie versorgen, ist hochkritisch. Wenn die Antimaterieeindämmung versagt, explodiert die Aldebaran.
Das waren nur die allerwichtigsten Einrichtungen, die es zu reparieren gilt. Nun, Mrs. Warren?“
Die Südafrikanerin war so bleich geworden, wie ein Mensch ihrer Hautfarbe nur werden konnte. „In sechs Stunden? Völlig ausgeschlossen!“
Wuran meinte darauf: „Dann können wir nur noch hoffen, daß Baor geblufft hat. Wenn nicht, sind wir so gut wie tot.“
Als Lennard Warrens entsetzten Blick bemerkte, wandte er energisch ein: „Nein, so schnell geht das nicht! Wir werden versuchen, unser Bestes zu geben, um das zu verhindern. Mrs. Warren...“
Sie blieben vor dem ersten Hauptcomputer kurz stehen, als Lennard Warren seine Hände auf ihre Schultern legte und ihr in die Augen sah. „Ein Grossteil hängt jetzt von Ihnen ab. Das Leben von fast tausend Besatzungsmitgliedern! Haben Sie das verstanden?“
Rosalie Warren wirkte so schwach und hilflos, wie sie da vor ihm stand und zaghaft nickte, während eine einzelne Träne ihre Wange hinablief.
Lennard verschaffte sich mit seinem Team Zugang zum Systemüberwachungsraum, wo sich Warren, von Vakuf und Wuran unterstützt, sofort daran machte, das Kontrollpult für die Steuerungshardware des Computerkernes in Betrieb zu setzen. Nach etwa fünf Minuten, die Lennard wie eine Ewigkeit vorkamen, in der er zum hilflosen Zusehen verdammt war, klappten sie die Zugangsöffnungen zu und überprüften die Benutzeroberfläche.
„Es funktioniert, ich habe Zugriff auf die Verteilercluster,“ eröffnete Warren ihnen.
„Sehr gut!“
„Bitte freuen Sie sich nicht zu früh, Captain,“ wiegelte die Computerspezialistin ab, „das ist nur ein winzig kleiner Schritt im gesamten Prozess. Ich muss nun die einzelnen von ihnen genannten Komponenten ausfindig machen, aus der Schaltwand dort drüben entfernen und hier in das Diagnosegerät einsetzen, um es zu überprüfen.“
„Oh!“ Lennard schluckte, als er zur blinkenden und funkelnden Wand hinübersah, wo sich, wie er im Gedächtnis behalten hatte, genau 512 dieser isolinearen Steuerelemente befanden. Zweiunddreissig vertikale Reihen mit je sechzehn nebeneinanderliegenden Clustern, unter denen die manipulierten gefunden werden mussten. Und das Ganze dann dreimal und zusätzlich auf den redundanten Brückeneinrichtungen. Ja, Lennard erinnerte sich wieder, wie der Klingone auf der Brücke umhergekrochen war. Er hatte wirklich ganze Arbeit geleistet...
Unwillkürlich musste Lennard mit den Zähnen knirschen.
„Ich habe die Schemata der Steuerelemente aufgerufen. Nun müssen Sie mir sagen, um was ich mich zuerst kümmern soll“, berichtete Warren.
„Hm... das Strukturelle Integritätsfeld,“ entschied Lennard.
„SIF... einen Moment.“
Während Warren die Positionsabfrage der entsprechenden Steuermodule abrief, beugte sich Wuran zum Captain und fragte mit leiser Stimme: „Wieso gerade das SIF zuerst?“
„Ganz einfach,“ erklärte Lennard in der gleichen Lautstärke, „wenn das TDF oder die Antimaterieeindämmung versagen, sind wir auf der Stelle tot. Ist jedoch das SIF zuerst betroffen, bricht das Schiff zuerst auseinander und die Besatzung muss leiden, bevor sie stirbt. Deshalb habe ich diese Reihenfolge gewählt; falls wir es nicht rechtzeitig schaffen und ohnehin zerstört werden, sollen die Leute nicht unnötig leiden.“
Betroffen sah Wuran ihn an: „Dass Sie in dieser Lage an so etwas denken...“
„Es ist nur logisch,“ wandte Vakuf an, die den Dialog verfolgt hatte. „Der Captain ist ein realistischer Mensch und seine Denkweise beinahe der vulcanischen ebenbürtig.“
„Ich weiss nicht, ob das jetzt abwertend den Menschen gegenüber war, aber danke trotzdem, Mrs. Vakuf.“
Die Vulcanierin nickte nur kurz mit unbewegter Miene. Warren meldete sich zu Wort: „Ich habe die betreffenden Steuermodule lokalisiert; es sind elf an der Zahl. Wir werden nun den ersten von ihnen ausbauen. Sind Sie mit dieser Prozedur vertraut?“
„Nur oberflächlich,“ gestand Wuran ein. Lennard und Vakuf konnten nur den Kopf schütteln.
Die junge Technikerin seufzte. „Dann achten Sie jetzt bitte genau auf das Procedere; Sie werden sehen, dass es gar nicht so schwierig ist. Ich werde es Ihnen vormachen, dann versucht es jeder von Ihnen selbst bei den folgenden Modulen. Wenn wir die ersten paar vollständigen Überprüfungen gemacht haben, können Mrs. Wuran und Mrs. Vakuf ein selbständiges Reparaturteam bilden und den zweiten Computerkern in Angriff nehmen.“
„Ihre Vorschläge sind angenommen, Mrs. Warren.“
Warren sah auf, als ihr plötzlich klar wurde, was sie da von sich gegeben hatte. „Oh, das tut mir leid, Captain, ich wollte natürlich Ihre Autorität in keinster Weise in Frage stellen. Ich dachte nur...“
Lennard fuhr schmunzelnd dazwischen: „Schon gut, Sie haben Recht. Schliesslich geht es hier um unser aller Überleben, da kann man die Etikette ruhig ‘mal für einen Moment vergessen. Wir werden es so machen, wie Sie sagten. Ich kenne schließlich meinen Wert als Computerspezialist und weiss, dass ich Ihnen allenfalls assistieren kann, während meine beiden Offiziere durchaus ein autarkes Team zur Kontrolle eines anderen Hauptcomputers bilden können.“
Sie nickte dankbar. „Gut, dann passen Sie bitte gut auf...“
„So, das war der dritte. Auch er ist in Ordnung, wie Sie hier der Diagnosetabelle entnehmen können. Setzen Sie ihn bitte wieder ein, Mrs. Wuran.“
Sie hatten in den letzten zwanzig Minuten die ersten Steuermodule ausgebaut, in das Diagnosegerät eingesetzt und die Überprüfung laufen lassen. Bis zum Wiedereinsetzen brauchte man mit ein wenig Übung sechs bis sieben Minuten - vorausgesetzt, das betreffende Modul war „sauber“. Lennard begann zu rechnen und liess unmerklich den Kopf hängen. Das dauerte einfach zu lange. Wenn sie doch nur einen Hinweis darauf hätten, welche Module fehlerhaft waren...
„Ich hab’ ein faules Ei erwischt! Sehen Sie, meine Damen, dort und dort in den isolinearen Chips... das sieht doch wirklich jeder, dass diese Art von Nanoprozessoren nicht in ein Sternenflottenschiff gehören.“ Warren wies auf der Diagnoseanzeige auf drei bestimmte Baugruppen und markierte sie, sodass sie rot aufblinkten. Die anderen drängten sich um die Anzeige, um genau zu sehen, worauf sie zu achten hatten.
„Das sieht ganz schön daneben aus,“ kommentierte Wuran geringschätzig, und Vakuf bestätigte: „Es ist wohl mehr als eindeutig, dass es sich hier um unsachgemäße Baugruppen handelt, welche den Computerkern bei seiner Konfigurierung in seiner Effizienz überaus negativ beeinflussen könnten.“
„Nun ja...“
Alle drehten ihren Kopf zum Captain, der sofort abwehrend die Hände hob. „Schon gut, ich wollte nichts dazu sagen. Ich geb’s ja zu, dass ich so gut wie nichts von Nanoprozessoren verstehe.“
Grosszügigerweise tat Warren so, als hätte dieser Vorfall nicht stattgefunden und nannte Wuran die Nummer des Bauteiles. „Bitte suchen Sie mir das Ersatzmodul aus dem Regalfach im Gang vor der Tür und setzen Sie es anstelle dieses Teiles ein.“
Dann hielt sie das fehlerhafte Modul Lennard vor die Nase und sagte nicht ohne einen Anflug von Stolz: „Melde: erstes sabotiertes Modul gefunden und beseitigt.“
Und mit diesen Worten brach sie das Steuermodul mit einem knackenden Geräusch entzwei.
Weitere zwanzig Minuten darauf hatten sie - in rekordverdächtiger Zeit - die nächsten vier Module untersucht, von denen zwei weitere von Baor ausgetauscht gewesen waren. Darauf entliess Warren ihre beiden „Schüler“ Vakuf und Wuran, die sich nun auf den Weg zum zweiten Hauptkern machten. Dieser lag zwar nur fünfzig Meter vom ersten entfernt, bildete aber eine völlig unabhängige Einheit und musste deshalb genauso wie die übrigen Bordcomputer gesondert überprüft werden. Warren vermutete sogar, dass Baor beim anderen Kern nicht die gleichen Module sabotiert hatte wie bei diesem hier. Er stimmte ihr zu, denn inzwischen traute er diesem Klingonen alles zu.
Kaum eine Minute, nachdem die beiden Frauen gegangen waren, stürmte Kazuki in den Raum. „Captain, Sie haben es geschafft!“ stieß er atemlos hervor.
„Ja, Onue. Wir haben es gleich geschafft, das SIF in diesem Kern zu sichern. Bis wir ausser Lebensgefahr sind, liegt jedoch noch viel Arbeit vor uns.“
In den folgenden Minuten zeigten sie Kazuki die Vorgehensweise, um die fehlerhaften Steuerorgane ausfindig zu machen und auszuwechseln, bevor sie ihn zum Hauptmaschinenraum sandten, wo er gemeinsam mit der Chefingenieurin Atarma Nidor am dritten Kern arbeiten sollte. Da der direkte Weg durch steckengebliebene Turbolifte versperrt war, musste er sich erst mühsam durch Korridore und Behelfsschächte einen Weg hinab in die Kampfsektion suchen, wo sich der dritte Hauptcomputer des Schiffes und auch der Maschinenraum befanden. Die Zeit lief ihnen davon...
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Lennard trat zum nächsten Turbolift und besah sich die Schalttafel. „Der Saboteur hat sämtliche Systeme, die unter direkter Computerkontrolle stehen, blockiert, was heisst, dass wir alles überbrücken und einzeln manuell bedienen müssen, was wir benutzen wollen. Mit einer Tür funktioniert das, jedoch nicht mit komplexeren Vorrichtungen. Wir müssen so schnell wie möglich zu den Compterkernen vordringen und von dort aus versuchen, die eingebauten fehlerhaften Kontrollmodule ausfindig zu machen. Und wir brauchen unbedingt Mrs. Warrens Hilfe dazu.“
Die Reaktion des Captains beruhigte die Mannschaft auf der Brücke ein wenig. Ihr Kommandant war ruhig und gefasst und ging die Probleme mit logischen Überlegungen an. Das gab vielen die Hoffnung, dass ihre Lage vielleicht doch nicht ausweglos war.
Wie gross die Chance auf eine rechtzeitige Reparatur der Computersysteme seiner Meinung nach waren, verschwieg er lieber.
„Mr. Kazuki, Sie machen sich daran, diesen Turbolift zu öffnen und ihn wieder in Betrieb zu nehmen. Danach fahren Sie zum Quartier von Mrs. Warren und bringen sie zum ersten Computerkern. Falls ihr Quartier bereits aufgebrochen ist, waren wir schneller als Sie. Dann kommen Sie bitte ebenfalls zum Kern.“
Der Sicherheitschef ging zum Turbolift hinüber, hielt dann jedoch inne und fragte: „Was meinen Sie mit ‘falls Sie schneller waren‘?“
„Ich werde mit Lieutenant Vakuf und Lieutenant Commander Cluy durch einen Wartungstunnel bis auf das Deck vorstossen, auf dem Mrs. Warrens Quartier liegt. Lieutenant Darrn, Sie sehen sich inzwischen die Ausweichcomputer hier auf der Brücke an und versuchen, falls irgend möglich, die Kontrolle über die Systeme zurückzuerlangen.“
Vakuf meldete sich zu Wort: „Hören Sie, Captain, wir haben genau C 0,25 erreicht, können die Beschleunigung im derzeitigen Zustand jedoch nicht beeinflussen. Damit ist der Zeitfaktor bei der Beseitigung der Funktionsstörungen von großer Priorität.“
Leardini warf genervt ein: „Könnten Sie sich bitte so ausdrücken, dass auch schlichte Gemüter wie zum Beispiel der Erste Offizier eines Galaxy-Klasse-Raumschiffes Sie verstehen?“
„Mrs. Vakuf meint damit, dass wir bei unserer Beschleunigung von 10 Kilometern pro Sekunde in sechs und einer viertel Stunde theoretisch die Lichtgeschwindigkeit erreichen. Welche Auswirkungen das auf das Schiff haben würde, ist Ihnen bestimmt klar“, führte Cluy aus.
„Aber ist das nicht unmöglich? Je näher man der Geschwindigkeit kommt, umso grösser wird doch die Masse des Schiffes. Bei Lichtgeschwindigkeit wäre die Aldebaran unendlich gross und könnte sich selbst gar nicht mehr beschleunigen, weil die Impulstriebwerke nicht so viel Leistung besitzen,“ erwiderte Leardini.
Vakuf meinte darauf: „Das ist korrekt, Commander. Jedoch haben Sie nicht berücksichtigt, dass bei der Benutzung des Impulsantriebs von der Antriebsspulen-Anordnung ein Subraumfeld im Millicochrane-Bereich um das Schiff herum gelegt wird, um so die Masse des Schiffes scheinbar zu verringern. Ich würde unseren Status so ausdrücken, dass wir damit nicht bis in den Warpbereich gelangen können, uns aber auch nicht direkt im Einsteinschen Universum, wie Sie es kennen, befinden. Ich vermute, dass die Masse der Aldebaran mit zunehmender Annäherung an c 1 tatsächlich überproportional ansteigen wird, allerdings längst nicht so stark, wie Sie es darlegen.“
„Was, Sie vermuten es? Mrs. Vakuf!“
„Es gibt keine zuverlässigen Angaben über unsere Situation, da bislang kein solcher Fall aufgetreten ist. Zudem können wir aufgrund der gleichen Tatsache auch keinerlei zuverlässige Aussagen über das Ausmass der Zeitverdichtungseffekte machen.“
„Also, ich würde sagen, allen ist nun klar, wie ernst die Lage ist. Und auch, dass höchste Eile geboten ist. Können wir nun, meine Damen?“ Der Capain hatte bereits ein Zugangsgitter für einen Wartungsschacht freigelegt, der etwa einen Meter durchmass und zum nächsten grösseren Lüftungsschacht führte.
Als sich die Wissenschafts- und die Steueroffizierin jetzt Lennard anschlossen, wollte Leardini wissen: „Und ich komme nicht mit?“
„Ich übergebe Ihnen hiermit die Brücke, Stefania. Wir können leider den gelben Alarm nicht aufheben, wie Sie wissen. Und da die Vorschriften verlangen, daß einer von uns beiden auf der Brücke ist...“ Er beugte sich näher zu seiner enttäuschten ‘Nummer Eins’ hinüber und raunte ihr zu: „Ich kenne Ihre Noten in Computertechnik. Sie sind momentan auf der Brücke viel wertvoller für mich.“
Mit einem Augenzwinkern überspielte er ihre aufkommende Empörung und kroch dann schnell mit den Beinen voran in die relativ enge Röhre, gefolgt von der Vulcanierin und der Cardassianerin, welche seinem Beispiel folgten.
„Ist es ratsam,sich rückwärts durch so eine beengte Umgebung zu bewegen?“ fragte Vakuf.
„Ich habe mir durchaus etwas dabei gedacht, meine Guteste. Dieser Schacht ist nur etwa zwanzig Meter lang und mündet dann in einen senkrechten Hauptbelüftungsschacht, der fünfzehn Deck hinabreicht. Da ich kein sehr geübter Atleth bin, ziehe ich es vor, mit den Füssen und nicht mit dem Kopf voraus auf der Zugangsleiter hinabzusteigen.“
Nun kamen keine Fragen mehr, bis sie alle im Hauptbelüftungsschacht, welcher nun einen komfortablen Durchmesser von etwa drei Metern hatte, jedoch aufgrund der schlechten Be-leuchtung den Eindruck erweckte, ins Bodenlose abzufallen, fünf Decks nach unten zurückge-legt hatten.
„Mrs. Cluy, können Sie die Luke zu Deck fünf von hier aus öffnen?“
„Kein Problem, Sir,“ antwortete Wuran und begann mit der manuellen Überbrückung des Türkontaktes, sobald Lennard und Vakuf weiter nach unten geklettert waren und sie an den Mechanismus heranreichte.
Nach einer kurzen, risikoreichen Kletteraktion von der Leiter auf den Flur hinter der Zugangstür standen sie auf Deck fünf.
„Und jetzt zu Mrs. Warrens Quartier.“ Lennard hatte bereits wieder die Führung übernommen und steuerte die Sektion der Gästequartiere an, wo sie den Eingang verschlossen vorfanden. Demnach hatte Kazuki noch keinen Erfolg gehabt, weshalb sie selbst die Tür öffneten.
Der Raum war dunkel, als sie eintraten und sich langsam vorarbeiteten. „Vielleicht ist sie gar nicht hier“, mutmasste Wuran.
„Was ist denn hier los?“ Beim Klang der Stimme fuhren sie herum und entdeckten die Computertechnikerin in ihrem Bett liegend und sie aus grossen Augen anstarrend. „Könnte mir bitte jemand erklären, was Sie alle hier um diese Zeit wollen?“
Erst jetzt wurde Lennard bewusst, dass es nach Bordzeit später Abend war. „Entschuldigen Sie bitte, daß wir in ihre Privatsphäre eingedrungen sind, Mrs. Warren. Wir stecken in einer ziemlich üblen Notlage und brauchen sofort Ihre Hilfe. Bitte machen Sie sich so schnell wie möglich bereit, während wir vor der Tür warten.“
Verschlafen gähnte Warren und wollte wissen: „Was kann nur passiert sein, dass Sie...?“
„Die Aldebaran ist sabotiert worden. Mr. Baor hat alle Computeranlagen des Schiffes in ihrem derzeitigen Status blockiert, sodass sich nichts mehr an Bord steuern lässt. Er selbst hat sich mit einem Rettungsboot abgesetzt und wurde von klingonischen Renegaten abgeholt. Wahrscheinlich war er ein Schläfer, ein Spion, der schon vor langer Zeit in die Sternenflotte eingeschleust wurde. Wie so etwas möglich war, wissen wir nicht. Wir haben momentan auch andere Sorgen, da uns mitgeteilt wurde, dass die eingeschleuste Hardware so konfiguriert ist, dass sie zuerst alles blockiert und dann nach einer uns unbekannten Zeitspanne ausfällt. Sie wissen, was das für uns bedeuten kann, Mrs. Warren?“ Lennard und seine beiden Offiziere hatten sich auf den Korridor zurückgezogen. Nun hörte man ein Keuchen von drinnen.
„Oh, mein Gott! Nein, Captain, ich bin nicht genau vertraut mit der Funktionsweise eines interstellaren Raumschiffes. Das Licht lässt sich nicht einschalten... es ist also wirklich wahr. Wie viele Menschen an Bord sind jetzt wohl in ihren dunklen Quartieren eingeschlossen und haben keine Ahnung, wie ihnen geschieht?“
„Da weder Kommunikations- noch Senorensysteme funktionieren, haben wir keinen Überblick über die Lage. Es funktioniert nichts mehr aktiv, wirklich nichts.
Nun, Mrs. Warren, ich möchte Ihnen einige Dinge erklären. Wir beschleunigen momentan mit voller Impulskraft, was bedeutet, daß wir in spätestens sechs Stunden den Antrieb ausschalten müssen, weil wir ansonsten eine enorme Zeitverschiebung erleiden könnten.“
„Das lässt sich vermutlich gut bewerkstelligen,“ meinte Warrens Stimme zuversichtlich.
Vakuf seufzte; eine fast schon zu menschliche Geste für eine Vulkanierin. “So einfach wird es leider nicht. Da sämtliche Computer betroffen sind, müssen wir alle drei Hauptkerne sowie die Nebenanlagen auf der Haupt- und der Kampfbrücke instandsetzen. Da Türen und Turbolifte außer Funktion sind, müssen wir uns den Zugang zu den entsprechenden Stellen im Schiff mühsam erarbeiten.“
„Daran hatte ich nicht gedacht,“ gab Warren zu, „das wird natürlich viel Zeit kosten auf so einem grossen Raumschiff wie diesem.“
„Das ist noch nicht alles“, wandte Lennard ein, „denn bevor wir uns um den Antrieb kümmern können, müssen wir zuerst eine ganze Reihe von anderen Systemen sichern.“
„Wieso das denn?“ Warren erschien endlich angezogen, mit wirrem Haar und verstörter Miene in der Tür.
Lennard erläuterte auf dem Weg zum ersten Computerkern: „Da wäre zunächst einmal die Lebenserhaltung, die das Schiff mit Luft, Wärme, Wasser und so weiter versorgt. Ohne sie sind keine Umweltbedingungen vorhanden, die der Besatzung ein Überleben ermöglichen können.
Das TDF, das TrägheitsDämpfungsFeld, ist eine Einrichtung, welche ein Kraftfeld erzeugt, das die enorme Beschleunigung des Schiffes von etwa tausendfacher Erdanziehungskraft ausgleicht. Wenn dieses System ausfällt, sind wir augenblicklich tot, noch bevor wir merken, was geschehen ist.
Dann das SIF, das Strukturelle IntegritätsFeld. Dieses Kraftfeld in der tragenden Konstruktion der Aussenhülle erhöht die Festigkeit des Raumrahmens um das 1250fache. Bei einer Masse von 6,5 Millionen metrischer Tonnen und dieser Beschleunigung hätte ein Versagen dieser Komponente zur Folge, dass das Schiff auseinandergerissen würde.
Der Warpantrieb ist auch sehr problematisch, obwohl er gerade nicht läuft. Die Materie/ Antimateriereaktion, mit der wir das Schiff mit Energie versorgen, ist hochkritisch. Wenn die Antimaterieeindämmung versagt, explodiert die Aldebaran.
Das waren nur die allerwichtigsten Einrichtungen, die es zu reparieren gilt. Nun, Mrs. Warren?“
Die Südafrikanerin war so bleich geworden, wie ein Mensch ihrer Hautfarbe nur werden konnte. „In sechs Stunden? Völlig ausgeschlossen!“
Wuran meinte darauf: „Dann können wir nur noch hoffen, daß Baor geblufft hat. Wenn nicht, sind wir so gut wie tot.“
Als Lennard Warrens entsetzten Blick bemerkte, wandte er energisch ein: „Nein, so schnell geht das nicht! Wir werden versuchen, unser Bestes zu geben, um das zu verhindern. Mrs. Warren...“
Sie blieben vor dem ersten Hauptcomputer kurz stehen, als Lennard Warren seine Hände auf ihre Schultern legte und ihr in die Augen sah. „Ein Grossteil hängt jetzt von Ihnen ab. Das Leben von fast tausend Besatzungsmitgliedern! Haben Sie das verstanden?“
Rosalie Warren wirkte so schwach und hilflos, wie sie da vor ihm stand und zaghaft nickte, während eine einzelne Träne ihre Wange hinablief.
Lennard verschaffte sich mit seinem Team Zugang zum Systemüberwachungsraum, wo sich Warren, von Vakuf und Wuran unterstützt, sofort daran machte, das Kontrollpult für die Steuerungshardware des Computerkernes in Betrieb zu setzen. Nach etwa fünf Minuten, die Lennard wie eine Ewigkeit vorkamen, in der er zum hilflosen Zusehen verdammt war, klappten sie die Zugangsöffnungen zu und überprüften die Benutzeroberfläche.
„Es funktioniert, ich habe Zugriff auf die Verteilercluster,“ eröffnete Warren ihnen.
„Sehr gut!“
„Bitte freuen Sie sich nicht zu früh, Captain,“ wiegelte die Computerspezialistin ab, „das ist nur ein winzig kleiner Schritt im gesamten Prozess. Ich muss nun die einzelnen von ihnen genannten Komponenten ausfindig machen, aus der Schaltwand dort drüben entfernen und hier in das Diagnosegerät einsetzen, um es zu überprüfen.“
„Oh!“ Lennard schluckte, als er zur blinkenden und funkelnden Wand hinübersah, wo sich, wie er im Gedächtnis behalten hatte, genau 512 dieser isolinearen Steuerelemente befanden. Zweiunddreissig vertikale Reihen mit je sechzehn nebeneinanderliegenden Clustern, unter denen die manipulierten gefunden werden mussten. Und das Ganze dann dreimal und zusätzlich auf den redundanten Brückeneinrichtungen. Ja, Lennard erinnerte sich wieder, wie der Klingone auf der Brücke umhergekrochen war. Er hatte wirklich ganze Arbeit geleistet...
Unwillkürlich musste Lennard mit den Zähnen knirschen.
„Ich habe die Schemata der Steuerelemente aufgerufen. Nun müssen Sie mir sagen, um was ich mich zuerst kümmern soll“, berichtete Warren.
„Hm... das Strukturelle Integritätsfeld,“ entschied Lennard.
„SIF... einen Moment.“
Während Warren die Positionsabfrage der entsprechenden Steuermodule abrief, beugte sich Wuran zum Captain und fragte mit leiser Stimme: „Wieso gerade das SIF zuerst?“
„Ganz einfach,“ erklärte Lennard in der gleichen Lautstärke, „wenn das TDF oder die Antimaterieeindämmung versagen, sind wir auf der Stelle tot. Ist jedoch das SIF zuerst betroffen, bricht das Schiff zuerst auseinander und die Besatzung muss leiden, bevor sie stirbt. Deshalb habe ich diese Reihenfolge gewählt; falls wir es nicht rechtzeitig schaffen und ohnehin zerstört werden, sollen die Leute nicht unnötig leiden.“
Betroffen sah Wuran ihn an: „Dass Sie in dieser Lage an so etwas denken...“
„Es ist nur logisch,“ wandte Vakuf an, die den Dialog verfolgt hatte. „Der Captain ist ein realistischer Mensch und seine Denkweise beinahe der vulcanischen ebenbürtig.“
„Ich weiss nicht, ob das jetzt abwertend den Menschen gegenüber war, aber danke trotzdem, Mrs. Vakuf.“
Die Vulcanierin nickte nur kurz mit unbewegter Miene. Warren meldete sich zu Wort: „Ich habe die betreffenden Steuermodule lokalisiert; es sind elf an der Zahl. Wir werden nun den ersten von ihnen ausbauen. Sind Sie mit dieser Prozedur vertraut?“
„Nur oberflächlich,“ gestand Wuran ein. Lennard und Vakuf konnten nur den Kopf schütteln.
Die junge Technikerin seufzte. „Dann achten Sie jetzt bitte genau auf das Procedere; Sie werden sehen, dass es gar nicht so schwierig ist. Ich werde es Ihnen vormachen, dann versucht es jeder von Ihnen selbst bei den folgenden Modulen. Wenn wir die ersten paar vollständigen Überprüfungen gemacht haben, können Mrs. Wuran und Mrs. Vakuf ein selbständiges Reparaturteam bilden und den zweiten Computerkern in Angriff nehmen.“
„Ihre Vorschläge sind angenommen, Mrs. Warren.“
Warren sah auf, als ihr plötzlich klar wurde, was sie da von sich gegeben hatte. „Oh, das tut mir leid, Captain, ich wollte natürlich Ihre Autorität in keinster Weise in Frage stellen. Ich dachte nur...“
Lennard fuhr schmunzelnd dazwischen: „Schon gut, Sie haben Recht. Schliesslich geht es hier um unser aller Überleben, da kann man die Etikette ruhig ‘mal für einen Moment vergessen. Wir werden es so machen, wie Sie sagten. Ich kenne schließlich meinen Wert als Computerspezialist und weiss, dass ich Ihnen allenfalls assistieren kann, während meine beiden Offiziere durchaus ein autarkes Team zur Kontrolle eines anderen Hauptcomputers bilden können.“
Sie nickte dankbar. „Gut, dann passen Sie bitte gut auf...“
„So, das war der dritte. Auch er ist in Ordnung, wie Sie hier der Diagnosetabelle entnehmen können. Setzen Sie ihn bitte wieder ein, Mrs. Wuran.“
Sie hatten in den letzten zwanzig Minuten die ersten Steuermodule ausgebaut, in das Diagnosegerät eingesetzt und die Überprüfung laufen lassen. Bis zum Wiedereinsetzen brauchte man mit ein wenig Übung sechs bis sieben Minuten - vorausgesetzt, das betreffende Modul war „sauber“. Lennard begann zu rechnen und liess unmerklich den Kopf hängen. Das dauerte einfach zu lange. Wenn sie doch nur einen Hinweis darauf hätten, welche Module fehlerhaft waren...
„Ich hab’ ein faules Ei erwischt! Sehen Sie, meine Damen, dort und dort in den isolinearen Chips... das sieht doch wirklich jeder, dass diese Art von Nanoprozessoren nicht in ein Sternenflottenschiff gehören.“ Warren wies auf der Diagnoseanzeige auf drei bestimmte Baugruppen und markierte sie, sodass sie rot aufblinkten. Die anderen drängten sich um die Anzeige, um genau zu sehen, worauf sie zu achten hatten.
„Das sieht ganz schön daneben aus,“ kommentierte Wuran geringschätzig, und Vakuf bestätigte: „Es ist wohl mehr als eindeutig, dass es sich hier um unsachgemäße Baugruppen handelt, welche den Computerkern bei seiner Konfigurierung in seiner Effizienz überaus negativ beeinflussen könnten.“
„Nun ja...“
Alle drehten ihren Kopf zum Captain, der sofort abwehrend die Hände hob. „Schon gut, ich wollte nichts dazu sagen. Ich geb’s ja zu, dass ich so gut wie nichts von Nanoprozessoren verstehe.“
Grosszügigerweise tat Warren so, als hätte dieser Vorfall nicht stattgefunden und nannte Wuran die Nummer des Bauteiles. „Bitte suchen Sie mir das Ersatzmodul aus dem Regalfach im Gang vor der Tür und setzen Sie es anstelle dieses Teiles ein.“
Dann hielt sie das fehlerhafte Modul Lennard vor die Nase und sagte nicht ohne einen Anflug von Stolz: „Melde: erstes sabotiertes Modul gefunden und beseitigt.“
Und mit diesen Worten brach sie das Steuermodul mit einem knackenden Geräusch entzwei.
Weitere zwanzig Minuten darauf hatten sie - in rekordverdächtiger Zeit - die nächsten vier Module untersucht, von denen zwei weitere von Baor ausgetauscht gewesen waren. Darauf entliess Warren ihre beiden „Schüler“ Vakuf und Wuran, die sich nun auf den Weg zum zweiten Hauptkern machten. Dieser lag zwar nur fünfzig Meter vom ersten entfernt, bildete aber eine völlig unabhängige Einheit und musste deshalb genauso wie die übrigen Bordcomputer gesondert überprüft werden. Warren vermutete sogar, dass Baor beim anderen Kern nicht die gleichen Module sabotiert hatte wie bei diesem hier. Er stimmte ihr zu, denn inzwischen traute er diesem Klingonen alles zu.
Kaum eine Minute, nachdem die beiden Frauen gegangen waren, stürmte Kazuki in den Raum. „Captain, Sie haben es geschafft!“ stieß er atemlos hervor.
„Ja, Onue. Wir haben es gleich geschafft, das SIF in diesem Kern zu sichern. Bis wir ausser Lebensgefahr sind, liegt jedoch noch viel Arbeit vor uns.“
In den folgenden Minuten zeigten sie Kazuki die Vorgehensweise, um die fehlerhaften Steuerorgane ausfindig zu machen und auszuwechseln, bevor sie ihn zum Hauptmaschinenraum sandten, wo er gemeinsam mit der Chefingenieurin Atarma Nidor am dritten Kern arbeiten sollte. Da der direkte Weg durch steckengebliebene Turbolifte versperrt war, musste er sich erst mühsam durch Korridore und Behelfsschächte einen Weg hinab in die Kampfsektion suchen, wo sich der dritte Hauptcomputer des Schiffes und auch der Maschinenraum befanden. Die Zeit lief ihnen davon...
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