Samstag, 4. November 2006
$14 Der Weltraum - unendliche Zeiten ...
[...Fortsetzung von gestern]
Zu Lennards Glück funktionierte der Turbolift, mit dem Kazuki von der Brücke auf dieses Deck gefahren war, noch immer, sodass ihm die mühselige Kletterpartie durch die Wartungs- und Lüftungsschächte erspart blieb. Als er die Hauptbrücke betrat, sah er in den Gesichtern seiner Crew deutliche Spuren der Erschöpfung. Jeder, der auch nur halbwegs etwas von Nanoprozessoren verstand, half so gut es ging bei den Kontrollen. Leardini indes hing zusammengesunken im Kommandantensessel und atmete flach und gleichmässig.
Ein Lächeln der Rührung schlich sich in Lennards Miene beim Anblick seiner Ersten Offizierin, wie sie dort friedlich und völlig erschöpft vor sich hin döste. Doch dann sah er aus dem Augenwinkel, wie einige Mannschaftsmitglieder sich über ihn amüsierten, worauf sein Schmunzeln abrupt verschwand. Er tippte ihr leicht auf die Schulter, worauf sie lächelnd ihre Augen einen Spalt weit öffnete. Dann schien sie mit einem Mal die Lage zu realisieren und fuhr hellwach auf.
„Captain, das tut mir wirklich furchtbar leid, das muss die Erschöpfung sein. Ich hatte nur für einen winzigen Moment die Augen geschlossen...“
„Schon gut, Commander. Bericht.“
Sie öffnete den Mund und blickte dann verlegen über die Schulter zum Ops, der sich zum grössten Teil um die Computer der Brücke gekümmert hatte. Langsam erklärte der Klingone: „Die meisten Module sind ersetzt worden. In etwa fünfzehn Minuten sind die Computersysteme hier soweit, dass sie neu aufgestartet werden können.“
„Sehr gut. Danke, Mr. Darrn. Commander, wo befindet sich die Counselor?“
Leardini überlegte kurz. „Sie müsste im Beobachtungsraum sein.“
Er nickte und sah auf die Conn-Konsole. „Das ist unglaublich! Wir bewegen uns mit einer Geschwindigkeit von c 0,9946 fort. Wissen Sie eigentlich, was das für Konsequenzen für uns haben kann?“
„Unabwägbare, Kyle. Noch nie war jemand so... verrückt, sich so nah an diese Grenze heranzuwagen. Einstein würde sich im Grabe umdrehen, wenn er von unserer Lage wüsste.“ Leardinis Gesicht verriet, dass auch sie sich des Ernstes der Lage durchaus bewusst war.
„Wir befinden uns nicht mehr in unserem Raum-Zeit-Gefüge - nicht bei dieser Geschwindigkeit.“ Er beobachtete die Anzeigen. „Na, wenigstens beschleunigen wir nicht noch weiter; wir scheinen offenbar trotz zu starkem Subraumfeld an die Grenzen des Machbaren gestossen zu sein. Wissen Sie, Stefania, ich habe bei all dem, was um uns herum geschieht, auch eine gute Nachricht für Sie.“
Ein Funken der Hoffnung schimmerte in ihren Augen. „Ja?“
„Sie schnarchen nicht beim Schlafen. Das bringt Sie ein ganzes Stück voran in meiner Auswahl.“ Grinsend verzog er sich in die Beobachtungslounge, solange sie noch sprachlos und das Kichern unter der Mannschaft noch nicht verebbt war.
Dort fand er tatsächlich die schlafende Kall vor, friedlich in einem der komfortabel ausgepolsterten Konferenzsitzen zusammengerollt. Er beugte sich hinab, bis sich ihre Köpfe beinahe berührten und dachte dann so ‘laut’ er konnte: <AUFWACHEN, SAM!!>
Es hatte tatsächlich den Effekt, als hätte man ihr direkt ins Ohr geschrien. Sie sprang alarmiert auf und stammelte perplex: „Ja, Captain, was gibt es?“
„Ach, ich wollte mich nur für Ihren gelungenen Lösungsvorschlag bedanken. Sie haben eventuell der Besatzung das Leben gerettet“, meinte Lennard jovial.
„Da...danke, Captain. Noch etwas?“
„Allerdings. Sollte ich jemals wieder einen Hinweis darauf erhalten, dass Sie in meinem Kopf herumspuken...“
„Ich hatte Befehl dazu, Captain“ ,verteidigte Kall sich unbeholfen.
„Einen Befehl erhält man in der Sternenflotte entweder mündlich oder schriftlich, Counselor. Nun gut, ich weiss Ihr Engagement in dieser Situation durchaus zu würdigen. Und da ich ohnehin weiss, dass ich Ihre Sondierungen nicht bemerken kann, falls Sie selbst mir nichts davon erzählen, bin ich machtlos.“ Er verzog den Mund.
„Genau, Captain, ich meine, zu Befehl, Captain.“Sie grinste wieder auf diese jugendlich-unverschämte Art, die er so an ihr mochte. Wie konnte man diesem sanftmütigen, gutherzigen Wesen böse sein?
Die Tür glitt auf und Leardini stürmte herein. „Captain, wir haben die Kontrolle erlangt!“
„Sofort voller Stopp und danach einen Scan mit den Langstreckensensoren durchführen. Alle Brückenstationen besetzen.“ Während Lennard auf die Brücke hastete, dachte er an die hervorragende Leistung von Warren, die es in erheblich kürzerer Zeit als vorgesehen geschafft hatte, alle Computerkerne neu aufzustarten.
Er glitt in den Kapitänssessel und befahl: „Einen vollständigen internen Scan durchführen. Zustandsbericht von allen Stationen und danach eine Ebene Eins-Diagnose von sämtlichen Systemen. Positionsbestimmung.“
Lennard überlegte kurz und murmelte dann: „Ich sollte jetzt wohl die Mannschaft informieren.“
„...das ist momentan alles, was ich Ihnen dazu sagen kann. Sobald wir uns über unsere Lage im Klaren sind, werde ich Sie weitergehend informieren. Captain Ende.“
In der Sekunde, in der Lennard seine Ansprache beendet hatte, öffneten sich die Turbolifttüren und entliessen Wuran und Vakuf, die sich unverzüglich auf ihre Stationen begaben.
„Gute Arbeit, meine Damen“, lobte Lennard sie, „doch noch ist nicht alles ausgestanden. Wir sollten am besten der Lage entsprechend handeln. Was haben die Scans ergeben?“
Wuran studierte ihre Anzeigen: „Sir, die Langstreckenabtastungen sowie die Positionsbestimmung sind ergebnislos verlaufen. Das elektromagnetische Feld von Alnilam ist einfach zu stark. Nicht einmal über Subraumfunk läßt sich eine Verbindung herstellen. Die einzigen relativen Anhaltspunkte zu unserer derzeitigen Position sind Alnilam und ihre Planeten. Wir sind nach der Beschleunigung etwa 47 Minuten mit c 0,9946 geflogen, bevor das Schiff unter Kontrolle gebracht werden konnte.“
„Dann bringen Sie uns etwa ein Lichtjahr weit von Alnilam weg, und zwar mit Warp 9. Wir müssen so schnell wie möglich das Flottenoberkommando erreichen. Alle, die während der... hm, Krisenzeit auf der Brücke oder bei den Computerkernen an der Arbeit waren, lassen sich ablösen und ruhen sich für knapp sechs Stunden aus. Bis dann sollten wir die erforderliche Distanz zum störenden EM-Feld dieser Sonne haben. Noch Fragen? Gut, Ablösung auf die Brücke.“ Lennard stand auf und meinte gähnend: „Von mir aus kann die Ablösung darum knobeln, wer die Brücke hat. Ich hau’ mich jetzt auf’s Ohr.“
„Aber, Captain“, entfuhr es Leardini mit gespielter Entrüstung.
Er drehte sich über die Schulter um und murmelte: „Keine Sorge, Nummer Eins, ich werde schon nicht den Schlendrian einkehren lassen.“
Beim Eintreten in seinen Bereitschaftsraum hörte er ein Scharren und Quieken an der Tür zum angrenzenden Zimmer. <Oh je, das habe ich völlig vergessen>, fuhr es ihm durch den Kopf. Hastig ging er zur Tür und öffnete diese, worauf ihn etwas Quiekendes und Zischendes ansprang, sodass er fast hintenüberfiel.
Lachend rief er: „Langsam, Ghor, du wirfst mich ja fast um! Himmel, du musst nach dieser langen Zeit ganz ausgehungert sein.“
Die Kreatur richtete sich auf ihre kurzen, stämmigen und überaus muskulösen Hinterbeine auf und erreichte so eine Größe von beinahe einem Meter. Ghor war das Geschenk von Lennards Eltern zu seinem Abschluß an der Sternenflotten-Akademie gewesen und die Erfüllung seines grössten Wunsches. Er hatte das Alpha-Reptil von Kericindal als Neugeborenes erhalten und selbst aufgezogen. Diese beliebten Haustiere waren im Allgemeinen sehr zahm und zutraulich, obwohl ihr Äusseres vielen Furcht einflösste. Das mochte wohl an den dreizehigen, klauenbewehrten Händen und Füssen liegen, an der grün-gelben Musterung oder an dem gezackten Kamm, welcher von ihrem Hinterkopf das Rückgrat entlang nach unten bis ans Ende ihres fast bis an den Boden reichenden, dicken Schwanzes verlief. Lernte man jedoch diese relativ intelligenten, freundlichen Wesen näher kennen, konnte man sich gut an sie gewöhnen. Immerhin konnten sie über zwanzig Jahre alt werden und ein Gewicht von bis zu dreissig kg erreichen, was bei diesem Exemplar der Fall war.
Ghor zerrte nun an Lennards Arm und führte ihn zum Replikator hin. „Ja, mein Kleiner, ich weiss ja, dass es dir egal ist, was ich durchgemacht habe, hungrig bist du trotzdem.“
Er replizierte etwas zu Essen für Ghor und danach eine Kleinigkeit für sich selbst und dachte beim Verzehren der Mahlzeit über ihre Lage nach. Bevor er zu Bett ging, sass er noch ein wenig auf seiner Couch und strich Ghor über seine glatte, warme Haut, während er sich über die Folgen ihres Irrfluges Gedanken machte.
Fast sechs Stunden später erschien Leardini ausgeruht und frisch geduscht auf der Brücke. Nachdem sie etliche Stunden auf den Beinen gewesen und sogar von Lennard dabei erwischt worden war, wie sie während einer gravierenden Krise an Bord auf ihrem Posten eingenickt war, wollte sie nun einen vitaleren Eindruck denn je von sich machen. Insgeheim hoffte sie natürlich, daß er diesen peinlichen Fauxpas von ihr bei seinem Bericht auslassen würde. Zu ihrer Überraschung war er der einzige der Brückenoffiziere, der noch nicht anwesend war. Leicht befremdet übernahm sie das Kommando und fragte Darrn, den Einsatzleitenden Offizier, nach dem Ergebnis der Ebene-Eins-Diagnose der Schiffssysteme.
„Es ist alles wieder in Ordnung, Commander. Die Diagnose hat ergeben, dass sämtliche Anlagen gemäss ihrer Parameter funktionieren. Offenbar haben wir das Schiff tatsächlich von allen Manipulationen des... Abschaumes befreit.“ Die letzten Worte knurrte Darrn mühsam beherrscht hervor.
Leardini stand auf und ging nach vorne zur Ops-Konsole. Mitfühlend fragte sie: „Es geht Ihnen gegen den Strich, dass diese Tat von Ihren Artgenossen begangen wurde, stimmt’s?“
„Das können Sie laut sagen, Mrs. Leardini. Ich gräme mich bei dem Gedanken, dass es seit dem Bürgerkrieg im klingonischen Reich noch immer so viele Unverbesserliche gibt, die die vergangenen Zeiten vom glorreichen Imperium herbeisehnen und den regulären Hohen Rat durch feige, unehrenhafte Aktionen wie diese gestrige korrumpieren. Diese Individuen sehen nicht das Gute an unserer Allianz mit der Föderation, sondern wollen einen sinnlosen Kampf zwischen uns anzetteln. Soweit darf es niemals kommen.“
„Da gebe ich Ihnen völlig recht. Die Zeiten ändern sich; wir befinden uns in einer Periode des Umbruches. Ich gebe zu, es gibt noch nicht sehr viele, die so tolerant sind wie Sie und sogar in der Sternenflotte Dienst tun, aber die Weichen sind in die richtige Richtung gestellt worden. Neulich hat mir sogar jemand erzählt, daß ein junger Ferengi in die Sternenflottenakademie aufgenommen wurde. Er ist zwar auf einer Föderationsstation aufgewachsen, aber wenn Sie mich fragen, ist das doch ein gutes Zeichen.“ Sie lächelte aufmunternd.
Counselor Kall sagte deutlich vernehmbar von ihrem Platz aus: „Sie haben ja direkt das Zeug zum Schiffsberater, Stefania!“
Langsam drehte Leardini sich um und entgegnete: „Nun, da ich momentan Ihre Arbeit zu erledigen scheine, können Sie genausogut meine übernehmen. Was meinen Sie?“
Etwas verlegen stammelte Kall: „Oh, sicher doch. Übernehme die Brücke.“
Leardini glaubte tatsächlich so etwas wie ein Schmunzeln über Darrns Gesicht huschen zu sehen, als Kall aufstand und sich auf dem Kapitänssessel niederließ. Im nächsten Moment passierten zwei Dinge gleichzeitig: Vakuf verkündete, daß sie nun exakt ein Lichtjahr von ihrer ursprünglichen Position entfernt waren und der Captain kam aus seinem Bereitschaftsraum heraus.
„Wer hat das Kommando?“ wollte er sogleich wissen.
„Counselor Kall!“ riefen Leardini und Darrn wie aus einem Mund. Verduzt sahen sie einander an, und diesmal war Leardini sicher, daß der Klingone lächelte.
„So? Schön, behalten Sie es ruhig noch ein Weilchen, während ich Sie bei der Ausübung des Kommandos beobachte.“ Er setzte sich auf den Sessel der Counselor und schlug seine langen Beine übereinander, was ihn schlaksig aussehen ließ.
„Aber, Captain, wäre es unter diesen Umständen nicht ratsam, dass Sie selbst...“
Lennard unterbrach Kalls unbeholfenen Versuch ungnädig. „Sind Sie ein Brückenoffizier oder nicht? Als ein solcher müssen Sie die Fähigkeit besitzen, unter allen Umständen das Schiff führen zu können. Also los!“
Die Betazoidin faßte sich mit einem ergebenen Seufzen. „Also gut. Mr. Darrn, haben wir inzwischen Kontakt mit dem Oberkommando der Flotte bekommen?“
„Negativ, Lieutenant Commander. Mit dieser Hintergrundstrahlung im Rücken und bei Warp Neun...“
„So? Nun gut...Mrs. Wuran, hat der Langstreckenscan etwas Neues ergeben?“
„Nein, Sir. Vor uns liegt nur leerer Raum. Nichts Ungewöhniches, bis auf...“ Die Bajoranerin zögerte kurz. „Seltsam, die Strahlungsintensität von Alnilam scheint gegenüber früheren Messungen um etwa anderthalb Prozent abgenommen zu haben. Ich werde diese Werte überprüfen.“
Mit gerunzelter Stirn murmelte Kall: „Hm...tun Sie das. Danke, Lieutenant Commander. Mrs. Vakuf, wie lautet unsere derzeitige Position?“
„Einen Moment, bitte...“ Die Vulkanierin tippte etwas auf ihrer Konsole ein, wartete auf eine Reaktion und verharrte. Nachdem eine Weile nichts geschehen war, führte sie einige weitere Eingaben aus.
„Mrs. Vakuf?“ liess sich Kall ungeduldig vernehmen.
„Die Navigationssysteme können zur Zeit keine korrekte Position bestimmen. Ich empfehle, den Flug zu unterbrechen, damit der Computer nicht zusätzlich unsere schnelle Geschwindigkeit bei seinen Berechnungen kompensieren muß. Eventuell wäre diese Massnahme auch für den Einsatz des Subraumfunkes von Vorteil.“ Mit hochgezogenen Augenbrauen sah sie die Counselor an.
Sam Kall dachte einen Augenblick nach, dann sagte sie bestimmt: „Voller Stopp! Positionsbestimmung wiederholen. Ich möchte gerne wissen, wo wir sind, Lieutenant. Normalerweise geht das doch schneller. Analysieren Sie bitte, wo das Problem liegt.“
„Aye, Sir.“ Die Finger der Conn flogen nur so über ihre Armaturen, während sich allmählich so etwas wie bares Erstaunen in ihrem Antlitz spiegelte. Lennard und Leardini, die noch immer neben Darrn stand, sahen sich einander fragend an, während die Sekunden verstrichen und ein Resultat ausblieb. Das dürfte nicht so lange gehen, es handelte sich doch nur um eine einfache Positionsbestimmung.
„Ich muss eine Überprüfung der Astronavigationsstation vornehmen, Counselor. Die Analyse ergibt, dass keine Bestimmung möglich ist, weil die umgebenden Sternenkonstellationen nicht identifiziert werden können.“
„Wie bitte?“ Sofort standen Captain und Erste Offizierin am Conn und sahen Vakuf über die Schulter.
„Sehen Sie, hier und hier, diese Sternbilder sind nirgends verzeichnet. Der Computer kann uns unsere Position nicht nennen, weil er keinen Bezugspunkt hat, der in seinen Datenbanken verzeichnet ist.“ Die Vulcanierin schien tatsächlich ratlos zu sein.
„Kann der Fehler beim Computer liegen?“ mutmasste Leardini.
„Verzeihen Sie bitte, dürfte ich auch etwas dazu sagen?“ meldete sich Kall zu Wort. „Zuerst halsen Sie mir das Kommando auf und jetzt übergehen Sie mich einfach? So haben wir aber nicht gewettet. Entweder übernehmen Sie auf der Stelle die Brücke oder lassen mich hier meine Arbeit tun, verstanden?“
„Oh.“ Verblüfft über Kalls Verärgerung und ihre Unverfrorenheit, in diesem Ton mit ihren beiden Vorgesetzten zu sprechen, wichen sie zurück und setzten sich links und rechts des Kapitänsessels auf die IO- und Counselorsitze. Sie hatte recht.
„Wenn ich Sie recht verstehe, befinden wir uns in unbekanntem Raum, Mrs. Vakuf?“
„Soweit die Tiefenraumscans vorgedrungen sind, ja, Sir“, bestätigte diese.
„Das Alnilam-System hinter uns wird aber eindeutig als ebendieses identifiziert?“ eruierte Kall weiter.
„Eindeutig nicht, Counselor. Es werden leichte Abweichungen bei den Abständen der Planeten zur Sonne festgestellt, ebenso stimmt die Ekliptik von zwei Planetenbahnen nicht mehr genau überein mit früheren Messdaten.“
Kall legte die Fingerspitzen zusammen. „Es scheint aber ansonsten das fragliche System zu sein?“
„In der Tat“, bestätigte die Conn, „bis auf diese Abweichungen. Es gibt kein anderes uns bekanntes Sternensystem, welches auch nur entfernt ähnliche Charakteristika aufweisen könnte.“
Kall nickte und schloss kurz die Augen. „Nehmen Sie das nächstgelegene System und überprüfen Sie die Spezifikationen mit allen bekannten Systemen im Umkreis von fünfzig Lichtjahren.“
„Darf ich fragen, was Sie beabsichtigen, Sam?“ raunte Lennard ihr zu.
Sie ließ sich äusserlich nichts anmerken, als sie zurückflüsterte: „Ich habe einen schrecklichen Verdacht, möchte jedoch zuerst sichergehen, daß ich mich nicht irre.“
„Lieutenant Commander!“ rief Vakuf. „Das nächste System ist mit 98,7 prozentiger Wahrscheinlichkeit das Megala-System, obwohl die Klassifizierung eines ihrer Planeten nicht mit unseren Daten übereinstimmt. Megala II ist bei uns als Planet der Klasse N vermerkt, wird nun aber als Klasse G eingeordnet.“
„Das heißt, ein Wasserplanet ist zu einer Wüstenwelt geworden. Was kann das bewirken...ausser der Zeit?“ Kall schien ernster denn je.
„Ich habe es geahnt! Dann haben wir wirklich unter einer massiven Zeitdilitation zu leiden.“ Lennard atmete scharf aus.
„Und zwar in einem unvorstellbaren Mass. Das dürfte auch erklären, warum uns niemand antwortet“, fuhr Kall mit düsterer Miene fort, „weil niemand mehr da ist, der uns antworten kann.“
„Die faszinierendste Tatsache habe ich noch gar nicht erwähnt, Counselor“, fiel Vakuf ein, „den Abstand zwischen beiden Systemen. Auf unseren Sternenkarten sind diese beiden Sonnen mehr als dreiunddreissig Lichtjahre voneinander entfernt, der momentane Abstand zwischen ihnen beträgt jedoch nur noch knapp zwölf Lichtjahre.“
„Was hat das zu bedeuten?“ entfuhr es Darrn.
Lennard sagte tonlos: „Die Galaxie dreht sich um sich selbst, Mr. Darrn. Die inneren Systeme bewegen sich dabei schneller um das Zentrum herum als die weiter aussen gelegenen. Anders kann ich mir diese Tatsache nicht erklären.“
Darrn keuchte auf. „Dann... können wir überhaupt noch berechnen, wie weit in der Zukunft wir uns befinden?“
„Wir können froh sein, wenn wir überhaupt irgendetwas uns Bekanntes wiedererkennen und auch -finden, wenn Sie mich fragen“, entgegnete Leardini.
„Sehen Sie doch nicht gleich so sehr schwarz, Nummer Eins“, versetzte Kall. „Wir sollten zunächst einmal ein Stück weiter weg von Alnilam fliegen, um optimale Bedingungen für die Sensoren zu bekommen. Danach führen wir einen Tiefenraumscan durch und fertigen eine aktuelle Sternenkarte an. Irgendwelche Einwände?“
„Keineswegs, Lieutenant Commander, ich wäre auch nicht anders vorgegangen. Wir sollten uns erst einmal hier zurechtfinden, bevor wir weitere Schritte unternehmen.“
„Danke, Captain. Setzen Sie einen Kurs Richtung Zwölf Punkt Fünf mit Warp Fünf.“
„Kurs liegt an“, meldete Vakuf sich.
„Beschleunigen.“
Geschmeidig wandte sich die Aldebaran ein wenig nach rechts und oben, worauf die Warppylonen bläulichweiss aufblitzten und das Raumschiff in einem winzigen Augenblick davonschoss.
[weiter geht's in ferner Zukunft...mit Warp (Kapitel) 5]

... link (0 Kommentare)   ... comment