Sonntag, 5. November 2006
15 - KAPITEL 5 - Bajor, das Wurmloch, und die Liebe in der Zukunft
[...Fortsetzung von gestern]
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Eine knappe Stunde später fanden sich die Brückenoffiziere in der Beobachtungslounge ein, um ihre Lage zu besprechen. Den düsteren Mienen konnte man ansehen, wie es momentan zu stehen schien.
„Bitte fangen Sie an, Mrs. Wuran“, bat Lennard, als alle Platz genommen hatten, inclusive Rosalie Warren, der man aufgrund ihrer Lage ein gewisses Mitspracherecht in Belangen der Computerbetreuung eingeräumt hatte.
Wuran rieb sich über den Faltenkamm ihres Nasenrückens, ein Zeichen für Nervosität oder auch Unsicherheit bei der jungen Bajoranerin, wie Lennard im Lauf ihrer gemeinsamen Dienstzeit in Kenntnis gebracht hatte. „Das erste vorneweg: wir sind ziemlich alleine hier draussen, was angesichts der ungeheuren Zeitdilitation, die uns widerfahren ist, nicht besonders verwunderlich ist.
Tatsache ist, dass wir keinerlei Kontakt herstellen konnten, weder mit einer Institution der Föderation noch mit einer sonstigen uns bekannten oder unbekannten Macht. Wir können unmöglich sagen, wie weit in der Zukunft wir uns befinden, da es keine verlässliche Methode gibt, dieses Phänomen zu berechnen. Die Zeit vergeht umso schneller ausserhalb des Schiffes, je näher man der Lichtgeschwindigkeit ist und je länger man mit dieser relativistischen Geschwindigkeit unterwegs ist. Es gibt zudem nur wenige solcher Flüge, die auch nur kurzzeitig in solchen Tempobereichen oberhalb von c 0,75 stattgefunden haben. Demnach muss die Zeitverschiebung unvorstellbar gross sein.
Es ist dem Hauptcomputer ebenfalls unmöglich, anhand der Sternenkonstellationen innerhalb der Galaxie das Ausmass an vergangener Zeit zu errechnen; dafür gibt es zu viele unbekannte Faktoren. Unser Tiefenraumscan hat uns eine Karte des umliegenden Netzquadranten geliefert, also 50 Sektoren in jeder Richtung oder etwa 1000 Lichtjahre. Dabei haben wir manche Systeme entdeckt, die uns bekannt sind und noch mehr, von denen wir nur vermuten können, dass es die Konstellationen sind, die wir gekannt haben. Man kann nicht einmal behaupten, dass wir uns noch im Föderationsraum befinden, da sich der Rest der Galaxis um uns herum gedreht hat, während wir unseren Irrflug im Alnilam-System hatten.“
„Sollten wir uns nicht darum bemühen, das Sternenflotten-Hauptquartier oder zumindest den nächsten uns bekannten Aussenposten anzufliegen - so unsinnig diese Vorschrift in unserer Situatiuon auch sein mag?“ wollte Leardini wissen.
„Eine Möglichkeit, den nächsten uns bekannten Planeten anzufliegen, haben wir. Zufälligerweise handelt es sich dabei um meine Heimat... Bajor.“
Stern keuchte erstaunt auf. „Aber...“
Wuran senkte ihr Haupt. „Ich weiß sehr wohl, was Sie sagen wollen, Doc. Es ist nun aber tatsächlich so, dass kein bewohntes System zur Zeit näher liegt. Ich weiss, dass das für Sie alle unglaublich klingt, aber wir können das bajoranische System von unserer momentanen Position aus in einem knappen Tag bei Warp Sechs erreichen.“
„Dann ist der Föderationsraum tatsächlich derart zusammengeschrumpft?“ hakte Stern fassungslos nach.
„Das stimmt so nicht, David. Sehen Sie, auf dem Weg nach Bajor kommen wir an einem romulanischen und zwei klingonischen Systemen vorbei, übrigens alle unbewohnt, jedoch an keinem der Föderation zugehörigen Stern. Und das, obwohl Bajor an der cardassianischen Grenze liegt, also genau in der entgegengesetzten Richtung von den klingonischen und romulanischen Reichen aus. Es ist vielmehr so, als sei die Galaxie vermischt worden, so dass alles willkürlich verteilt ist, ohne erkennbares Muster.“
„An diese Vorstellung muss ich mich erst noch gewöhnen“, bemerkte Stern leicht mürrisch.
Warren fragte interessiert: „Haben wir denn genauere Daten vom bajoranischen Sonnensystem erhalten?“
Resigniert schüttelte die Wissenschaftsoffizierin den Kopf. „Es war lediglich möglich, das System als Ganzes und die einzelnen Planeten zu identifizieren. Eine Vermessung der Konstellationen oder eine eindeutige Klassifizierung der Planeten war uns über diese Entfernung nicht möglich.“
Vakuf meldete sich nun zu Wort: „Captain, falls wir uns für dieses Ziel entscheiden, empfehle ich die vorgeschlagene Geschwindigkeit von Warp Sechs nicht zu überschreiten. Wir sollten mit unseren Energievorräten möglichst sparsam haushalten, bis wir uns unserer Lage vollends im Klaren sind.“
„Ich stimme Ihnen zu, Lieutenant. Also fliegen wir Bajor an und führen auf der Reise ständig weitere Langstreckenabtastungen durch, um eine möglichst umfassende Sternenkarte zu erhalten. Das wär’s fürs erste.“ Lennard erhob sich.
Nach und nach verliessen Darrn, Kazuki, Kall, Stern und auch Warren die Lounge. Die restlichen Brückenoffiziere jedoch blieben allesamt an ihren Plätzen. Als das allgemeine Schweigen langsam peinlich wurde und jeder begann, verstohlen die anderen zu mustern, ergriff die vulcanische Chefingenieurin Atarma Nidor beherzt das Wort.
„Ich nehme an, dass Sie alle die gleiche Idee gehabt haben und diese nun vertraulich mit dem Captain diskutieren wollen.“
„Das ist nur logisch“, stimmte Vakuf zu.
Leardini verdrehte die Augen gen Himmel. „Vulcanier unter sich! Hören Sie doch auf, um den heissen Brei herumzureden und nennen Sie die Dinge beim Namen.“
„Ich weiss wirklich nicht, ob es eine gute Idee ist, jetzt schon darüber zu reden, wo wir noch so wenig über unsere Lage wissen“, entgegnete Lennard.
„Diese Methode ist schon mehrmals angewandt worden, Captain, sowohl versehentlich als auch mit voller Absicht. Es war bereits im letzten Jahrhundert problemlos möglich, exakte und verlässliche Berechnungen über die Durchführung anzustellen.“ Nidor war sich ihrer Sache offenbar ziemlich sicher.
Lennard widersprach: „Hören Sie, das ist mir bewusst, aber solange wir nicht genau wissen, wie weit wir in die Zukunft ‘geschleudert’ wurden, können und dürfen wir keinen Zeitsprung durchführen. Uns fehlt das wichtigste Parameter für unsere Berechnung... noch. Und wer weiss schon, ob wir überhaupt in der Lage sein werden, das herauszufinden. Nein, ich möchte diese Unterhaltung verschieben, bis wir mehr wissen.“
„Aber Sie sind nicht prinzipiell dagegen?“ forschte Wuran nach.
Gerade wollte Lennard antworten, da öffnete sich die Tür. Alle Köpfe ruckten herum, als eine sichtlich aufgebrachte Kall hereingestürmt kam und sich mühsam beherrschte, bis die Tür hinter ihr wieder zugeglitten war. „Was stellt das hier, bitte, dar? Eine Art Geheimrat der Eingeweihten? Sie diskutieren hier über etwas, das uns die Hauptdirektive klar und deutlich...“
„Hier sind nur diejenigen mit dem nötigen Fachwissen anwesend, denen die Idee von selbst gekommen und nicht zugeflogen ist wie Ihnen“, versetzte Leardini barsch.
Während Kall vor Wut rot anlief, ging Lennard autoritär dazwischen: „Bitte, meine Damen, das führt doch zu nichts. Ich könnte Sie darum bitten, doch in Anbetracht der Umstände sehe ich mich genötigt, Ihnen zu befehlen, solche Zwistigkeiten strikt zu unterlassen. Bedenken Sie bitte, daß Sie eventuell für lange, lange Zeit...“ er grinste ein wenig unverschämt „...vielleicht sogar den Rest Ihres Lebens miteinander verbringen und auskommen müssen.“
Leardini öffnete den Mund, überlegte es sich dann jedoch anders und stand stattdessen auf, um zu Kall zu gehen und ihr versöhnlich die Hand hinzuhalten. „Der Captain hat recht, Sam. Vergessen Sie das eben.“
„Schon gut.“ Kall ergriff die dargebotene Hand mit noch leicht beleidigter Miene, dann setzten sich beide zurück an den langen Konferenztisch.
Lennard fuhr fort: „Ich stimme Ihnen übrigens nicht zu, Counselor. In unserer Lage wäre ein Zeitsprung zurück in unsere Gegenwart moralisch durchaus zu verantworten. Wir sind ja unverschuldet in diese Zeit gekommen, warum sollten wir dann nicht alle vorhandenen Möglichkeiten nutzen, um das wieder rückgängig zu machen?“
Kall überlegte. „Wir dürften ja nicht einmal hier sein. In jedem Moment, in dem wir uns hier aufhalten, verletzen wir das Raum-Zeit-Gefüge.“
„Oh, in diesem Fall schlage ich die sofortige Selbstzerstörung der Aldebaran vor, Captain. Wollen wir gleich darüber abstimmen?“ versetzte Leardini sarkastisch.
Lennard sah sich im Raum um: „Nanu, ist Doc Stern hier? Mir war eben so, als hätte ich ihn etwas sagen gehört.“
Alle lachten - bis auf die beiden Vulcanierinnen natürlich -, während Leardini beleidigt wegsah.
„Also, lassen wir diesen Disput vorerst ruhen; in diesem Stadium führt das doch zu nichts.“ Lennard erhob sich und wartete diesmal, bis alle gegangen waren. Schlussendlich stand auch Leardini auf und sah ihn schmollend an. „Wissen Sie, ich versuche immer noch zu begreifen, dass Sie mich wahrhaftig vor den anderen mit Stern verglichen haben.“
„Glauben Sie’s ruhig, das habe ich in der Tat“, versicherte er ihr mit einem unerschütterlichen Lächeln im Gesicht.
„Nehmen Sie das sofort zurück!“ empörte sie sich, mußte jetzt aber auch grinsen.
„Aber es hat gestimmt! Sie müssen für kurze Zeit von ihm besessen gewesen sein.“
„Vergessen Sie’s. Wollen wir joggen gehen?“ Sie legte ihm vertraulich die Hand auf den Unterarm.
Er nickte. „Das Fjordland auf der neuseeländischen Südinsel ist um diese Jahreszeit besonders reizvoll.“
„Dann treffen wir uns in einer halben Stunde auf dem Holodeck drei.“ Ihre dunklen Augen glitzerten.
„Wir treten in das bajoranische System ein, Captain.“
Lennard schreckte aus tiefem Schlaf hoch und murmelte: „Ich komme gleich.“
Dann sah er auf seinen altmodischen Radiowecker, dessen Zifferblätter noch mittels einem Klappmechanismus funktionierten. Kurz vor fünf Uhr morgens. Nun gut.
Das erste, was ihm auffiel, als er die Brücke betrat, war das Gesicht von Wuran. „Wie sieht es aus, Cluy? Haben Sie nähere Angaben zu Bajor?“
Sie nickte bedrückt. „Ja, Sir. Klasse - M - Planet.“
Er furchte die Stirn. „Das ist doch eigentlich...“
„Oberflächentemperatur durchschnittlich bei Minus vierzig Grad...am Äquator.“ Sie senkte den Kopf.
„Oh.“ Bedrückt schwieg Lennard, wandte sich dann jedoch an Vakuf.
„Wie lange noch bis zum Eintritt in den Standardorbit?“
„Etwa zehn Minuten, Sir.“
Lennard wandte sich an Leardini. „Stellen Sie ein Aussenteam zusammen und suchen Sie sich einen Ort zum Runterbeamen, wo Sie eine Stadt vermuten.“
„In Ordnung. Mr. Kazuki, Mrs. Wuran, bitte begleiten Sie mich. Wir nehmen zusätzlich noch einen Planetologen mit, der uns vielleicht etwas über die Veränderungen auf Bajor sagen kann. Ausserdem sollten wir Raumanzüge oder zumindest Individualschilde anlegen, um uns vor der Kälte auf der Oberfläche zu schützen.“ Gemeinsam verliessen sie die Brücke, während Reservemannschaften die freigewordenen Stationen besetzten.
Was würden sie auf Bajor vorfinden? Diese Welt hatte eine Kultur, die einiges älter war als sämtliche auf der Erde bekannten. Irgendetwas mussten sie einfach finden, es konnte doch nicht jede Spur dieser blühenden Zivilisation verschwunden sein. Lennard fühlte sich mit einem Mal wie ein Archäologe, der einer spurlos verschwundenen, untergegangenen Welt nachforschte.
Auf der Brücke wartete man darauf, dass das Aussenteam auf die Oberfläche gebeamt wurde. Während der Fähnrich, der Wuran während ihrer Aussenmission vertrat, gewissenhaft von der Wissenschaftsstation aus gemeinsam mit Darrn die Planetenvermessung und sonstige Daten-aufnahme koordinierte, hatte Lennard Zeit, sich auszumalen, was sie dort unten vorfinden würden. Seltsamerweise war ihm in letzter Zeit immer etwas mulmig zumute, wenn er Stefania auf eine Aussenmission schickte. Woran lag das nur?
Er zuckte zusammen, als die Counselor ihm ihre Hand auf die Schulter legte und ihm einen mitfühlenden Blick schenkte. Er fühlte sich ertappt und fragte schroff, um das zu überspielen: „Was gibt es, Sam?“
„Verzeihen Sie, Captain, ich wollte Sie nicht aus ihrer Nachdenklichkeit herausreissen, aber ich dachte, ich sollte Sie darüber informieren. Es geht um Cluy.“
Erleichtert darüber, dass Kall nichts von seinen Gedankengängen mitbekommen hatte, erwiderte er: „Was ist mit Wuran? Gibt es ein Problem?“
Kall verzog ihren Mund ein wenig und gab unsicher zurück: „Ich weiss nicht so recht, ob sie das Aussenteam wirklich begleiten sollte.“
„Lieutenant Commander Wuran ist für diese Aufgabe doch bestens geeignet und darüber hinaus eine der wenigen auf der Aldebaran, die sich auf Bajor auskennen. Was lässt Sie zweifeln?“
„Ich...ich empfange ein Gefühl starker Beklommenheit von ihr. Sie fürchtet sich offensichtlich vor dem, was sie auf der Oberfläche vorfinden kann. Wie fast alle Bajoraner empfindet sie einen unumstösslichen Glauben an ihre Mythologie und Heimatverbundenheit, deshalb ist es nicht ratsam, sie direkt mit dem zu konfrontieren, was mit ihrer Welt geschehen ist.“ In Kalls grossen, dunklen Augen lag ein fast flehender Ausdruck. Lennard wußte, daß Wuran und sie sehr gut befreundet waren und erwog deshalb, ihrer Meinung Beachtung zu schenken.
Über Interkom meldete sich Leardini: „Wir beamen jetzt runter, Brücke.“
Lennard wollte etwas sagen, doch es war schon zu spät. In dem Moment, in dem Kall und er sich überrumpelt ansahen, wurde das Aussenteam auf die Oberfläche transportiert.
„Hier Leardini. Wir sind unten. Die Sonne ist hier bereits untergegegangen, sodass wir kaum noch etwas sehen können. Ich stehe in etwa kniehohem Schnee und bin von einem Schneesturm umgeben, der sich nicht beschreiben läßt. Es weht mich trotz Individualschild fast von den Füssen; ohne die Schilde hätten wir wahrscheinlich binnen Minuten Erfrierungen. Die anderen stehen nur wenige Meter neben mir, ich erkenne jedoch nur Schemen.“
„Hier Lennard. Wieso sind Sie auf diese Koordinaten gebeamt worden und nicht auf die Tag-seite, wo Sie mehr hätten erkennen können?“
„Wuran gab uns diese Position an, Captain. Wir befinden uns dort, wo die Hauptstadt des Planeten sein sollte.“
Lennard stutzte. „Was soll das heissen?“
„Hier ist nichts, Captain. Keinerlei Spur einer Zivilisation erkennbar. Wir haben gescannt nach... einen Augenblick...“
Eine Pause entstand, in der die Funkstille drückend auf der Brückencrew lastete. Lennard hielt es nicht mehr aus und wollte wissen: „Was ist da unten los, Stefania? Melden Sie sich!“
„Aldebaran, hier Leardini. Beamen Sie Wuran sofort auf die Krankenstation! Sie ist vor unseren Augen zusammengebrochen; wahrscheinlich hat sie einen Schock erlitten.“
„Verstanden, Commander“, erklang einen Moment darauf die Stimme des Transporterchiefs.
„Können Sie die Expedition fortsetzen?“ Lennard war unbehaglich zumute.
„Gewiss, Captain. Wir anderen sind eher erstaunt als schockiert, da wir wohl gar keinen Bezug zu dem herstellen können, was wir vor uns haben. Eigentlich sollte das eine blühende Welt mit subtropischem, stabilen Klima sein...“ Nachdenklich brach Leardini ihren Kommentar ab.
Mit drängender Stimme wandte Kall sich an Lennard: „Captain, erbitte Erlaubnis, auf die Krankenstation gehen zu dürfen.“
„Erlaubnis erteilt. Sie werden dort momentan dringender benötigt als hier auf der Brücke.“ Lennard entliess die Schiffsberaterin mit einem leichten Nicken, worauf diese eilig zum Turbolift stürzte.
Diese Mission schien ein Reinfall zu werden, dachte er bei sich.
„Ein absoluter Reinfall“, beendete Leardini eine Stunde später in der Beobachtungslounge vor versammelter Offizierscrew ihren Bericht.
Während Sie auf der Oberfläche waren, haben wir den Planeten umfassend untersucht und keinerlei Überreste einer Hochkultur, wie sie auf Bajor lebte, gefunden,“ fügte Lennard hinzu und wandte sich dann an Stern.
„Wie geht es Cluj, David?“
„Ich musste ihr ein Beruhigungsmittel geben und sie mit dem AlphawellenInduktor behandeln. Sie schläft im Moment tief und fest. Wenn sie aufwacht, sollte die Counselor für sie da sein; sie hat einen ziemlich schweren Nervenschock.“
„Das werde ich, Doktor,“ versicherte Kall.
„Wie soll es denn jetzt weitergehen?“ lenkte Warren die Aufmerksamkeit auf ihr eigentliches Problem zurück. „Wir haben noch immer keinen einzigen Hinweis darauf, in welcher Epoche wir uns befinden oder was aus der uns bekannten Zivilisation geworden ist.“
„Nun, noch haben wir in Reichweite unserer Sensoren keine weiteren uns bekannten Planeten ausmachen können“, räumte Leardini ein.
Eine kurze Folge von Pieptönen unterbrach sie, gefolgt von einer Meldung: „Fähnrich B’Irworo an Captain Lennard.“
Alle horchten auf, als der Angesprochene antwortete: „Hier Lennard. Was gibt es, Fähnrich?“
„Verzeihen Sie die Störung, Sir, aber ich muss Ihnen eine wichtige Mitteilung machen. Die Sensoren registrieren erhöhte Neutrinostrahlung, und zwar in einer Position, die in etwa der des hiesigen Wurmloches entspricht. Es besteht Grund zur Annahme, dass dieses Phänomen noch immer existieren könnte.“
„Das wäre phantastisch!“ entfuhr es Lennard.
„Wieso? Was nützt es uns, in den Gamma-Quadranten gelangen zu können?“ wollte Stern wissen.
„Doc, es ist nicht sicher, wohin das Wurmloch führt. Haben Sie vergessen, in welcher Lage wir uns befinden?“ entgegnete Leardini gereizt.
„Das habe ich tatsächlich, Commander“, gab Stern mit säuerlicher Miene zurück.
Über Interkom schaltete sich B’Irworo nochmals ein: „Sir, dürfte ich vorschlagen, eine Sonde der Klasse IX durch das Wurmloch zu schicken? Ich könnte die missionsspezifischen Palettenplätze mit Langstreckensensoren bestücken und einen Kurs eingeben, sodass die Sonde am anderen Ende des Wurmloches an der Grenze ihrer Reichweite den Rand eines kugelförmigen Raumes abfliegt. Die Sonde kann zwölf Stunden lang mit Warp neun fliegen; dadurch werden wir eine Menge wichtiger Daten über das andere Ende des Wurmlochs erfahren.“
„Das ist eine ausgezeichnete Idee, Fähnrich. Vor allem erfahren wir auch, ob die Passage durch das Wurmloch noch immer sicher ist. Können Sie die Sonde so programmieren, dass sie ein Hochleistungs-Subraumsignal aussendet, sobald sie am anderen Ende angekommen ist? So würden wir dessen genaue Position bestimmen können.“
„Wird gemacht, Captain.“
„Warten Sie mit dem Abschuss der Sonde nicht auf uns. Da es ohnehin zwölf Stunden dauern wird, wenn wir die maximale Reichweite der Sonde ausnutzen...“
„Verstanden, Captain. B’Irworo Ende.“ Das übliche Läutsignal beendete die Verbindung.
Lennard schaltete den Wandmonitor auf vorderen Ausblick, da alle Fenster der Beobachtungslounge achteraus wiesen. Langsam wanderten die Sterne von oben rechts nach unten links, als die Aldebaran sich ausrichtete. „Mr. Darrn, koordinieren Sie die Verfügbarkeit der seitlichen Sensorenphalanxen für die genauere Vermessung des bajoranischen Systems durch die Stellarkartographen. So können wir die Wartezeit wenigstens halbwegs sinnvoll ausfüllen.“
„Aye, Captain.“
Zwei doppelte Huptöne kündigten den Abschuss der Sonde an. Dann lief ein zischendes Geräusch durch das Schiff, das Zeichen dafür, dass die Feldinduktionsspulen der Torpedolauncherröhre die Sonde aus dem Schiff herausgeschossen hatten. Im nächsten Moment sahen die den rotglühenden Stern auftauchen und mit einem Dreiviertel der Lichtgeschwindigkeit davonjagen.
Dann gab es einen grellen Lichtblitz, in dem die trichterförmige Verteron-Membran auftauchte, der Eingang des Wurmloches. Helles Licht flutete aus ihm hervor und schien der Sonde den Weg weisen zu wollen, da diese genau in das Zentrum der Raum-Zeit-Anomalie hineinsteuerte. Einen Moment später fiel das imposante Gebilde ebensoschnell und ohne Vorwarnung in sich zusammen, wie es erschienen war. Zurück blieb das unendliche Sternenmeer, als wäre nichts geschehen.
„Sie ist unterwegs“, murmelte Stern ehrfurchtsvoll. Lennard wusste, dass er noch nie ein Wurmloch zu Gesicht bekommen hatte und deshalb genauso überwältigt war wie Warren, die noch immer mit offenem Mund auf den Bildschirm starrte.
„Wem das gefallen hat, dem empfehle ich den Besuch von Zehn Vorne in knapp zwölf Stunden. Der Anblick von dort aus ist sicher noch eindrucksvoller“, bemerkte Lennard knapp. „Wir hingegen müssen nun abwarten.“
Nachdem er einige Zeit lang grübelnd in seinem Bereitschaftsraum gesessen hatte, beschloss Lennard, mit Leardini über das zu reden, was ihm während ihrer Aussenmission auf Bajor durch den Kopf gegangen war. Er ging zu ihrem Quartier und läutete, wurde aber nicht eingelassen. Stirnrunzelnd sann er nach, ob sie etwa um dieser Bordzeit nicht da sein könnte.
„Computer, lokalisiere Commander Leardini.“
„Commander Leardini befindet sich auf Holodeck drei“, teilte ihm die allgegenwärtige Synthetikstimme mit. Nanu?
Er fuhr zu besagtem Ort und fand das Deck aktiviert vor. Auf die Anfrage des Computers hin, ob er eintreten wolle, bejahte er, worauf die Türen des Decks zischend auseinanderglitten und eine überraschende Aussicht boten. Zögernd trat er ein und beobachtete, wie sich die Tür hinter ihm wieder schloss und danach zu verschwinden schien. Dann wandte er sich erneut der imposanten Aussicht vor ihm zu. Er bemerkte, daß dieser Ort eine erhöhte Schwerkraft aufwies.
Er befand sich auf einem Felsplateau, das wenige Meter vor ihm senkrecht abzufallen schien. Auf der anderen Seite der Schlucht ragten bizarre Gesteinsformationen in den unmöglichsten Formen empor, die ihm zeigten, daß er sich hier nicht auf der Erde befand. Die letzten Zweifel diesbezüglich wurden von dem Mond ausgeräumt, der im Hintergrund am Himmel stand. Er war um ein Vielfaches grösser als Luna und von einer graubraunen, dunklen Färbung. Dieses monströse Gestirn bedeckte einen Grossteil des rötlichvioletten Himmels und schien zum Greifen nah zu sein, da man von hier aus genau einzelne Gebirge und sogar aktive Vulkane auf ihm beobachten konnte.
Überwältigt von so viel Schönheit, wanderte Lennard versonnen am Rand des Plateaus entlang, bis er auf einmal hinter Leardini stand. Sie sass auf einem flachen, bemoosten Felsabsatz und starrte versonnen zum Mond hinauf. Dann schien sie mit einem Mal seine Anwesenheit zu spüren und drehte sich um. Sie zeigte jedoch bei seinem Anblick weder Überraschung noch Verärgerung über die Störung, sondern lächelte nur milde und wies auf einen Platz neben sich.
„Es ist wunderschön hier, nicht wahr?“
Er nickte dankbar und setzte sich. „Ich muss zugeben, ich war noch nie auf Vulcan. Wie heisst dieser Mond?“
„Es ist kein Mond, sondern ein eigener Planet, der mit Vulcan um einen gemeinsamen Punkt zwischen beiden Welten kreist. Er heisst T’Khut; Vulcan selbst wird T’Khasi genannt. Faszinierend.“ Sie lächelte.
„Wer hätte gedacht, dass die alte Vulcanier-Verspotterin Leardini zum Ausspannen selbst auf dem Holodeck diese Welt besucht?“
„Das entbehrt nicht einer gewissen Doppelmoral, ich weiss“, gab sie verlegen zu.
„Aber ein passendes vulcanisches Gewand hätten Sie wenigstens anziehen können. Schliesslich haben Sie momentan keinen Dienst.“
„Ich finde unsere Uniformen eigentlich so bequem, dass ich nicht den Wunsch verspüre, in meiner Freizeit etwas anderes zu tragen... ausser bei besonderen Anlässen wie unserem Dinner neulich vielleicht“, fügte sie hinzu und sah ihn schelmisch lächelnd von der Seite an.
Er musste ungewollt grinsen. „Da haben Sie mich eiskalt erwischt, obwohl ich gestehen muss, dass es mir durchaus nicht unangenehm war.“
„Was meinen Sie damit, Kyle?“ hakte sie nach.
Er seufzte auf; sie stellte all diese verkehrten Fragen zur richtigen Zeit. „Kommen Sie schon, Stefania, Sie wissen genau, was ich meine. Und ich finde, wir sollten darüber reden. Genau deswegen bin ich nämlich hier.“
„Da haben Sie recht, Captain, es muss etwas geschehen. So kann das nicht weitergehen.“ Sie erhob die Stimme ein wenig. „Computer, sichere den Eingang des Holodecks. Autorisation Commander Leardini Beta Sechs.“
Sie sahen sich einen Moment lang tief in die Augen und brauchten dabei nichts zu sagen, weil sie wussten, was der andere sagen wollte.
Dann unterbrach sie der Computer unerwartet. „Um eine Sicherung des Holodecks vorzunehmen, ist die Verifizierung eines zweiten Brückenoffizieres notwendig.“
Nach einer Sekunde der Verblüffung mussten beide auflachen. Stefania meinte: „Die Sternenflotte macht es uns auch nicht leichter, oder? Nun, jetzt ist es an Ihnen.“
Er bemerkte, wie sie ihn gespannt ansah und auf seine Reaktion wartete. In diesem Augenblick kam ihm ein Gedanke, der ihn alle Zweifel vergessen liess. „Autorisation Captain Lennard Alpha Vier.“
„Eingang gesichert“, kommentierte der Computer kurz danach.
„Ich hoffe, dass niemand in nächster Zeit die Sicherheitsprotokolle des Holodecks durchgehen wird“, meinte Lennard gleichmütig und sah dann wieder Leardini an.
„Das muss nicht sehr leicht für Sie gewesen sein, Kyle. Sagen Sie, warum haben Sie’s trotzdem gemacht?“
Er rückte ein Stück näher, bis sich ihre Oberschenkel fast berührten. „Mir ist gerade etwas durch den Kopf gegangen...“
„Und was?“ Er sah, wie sie schlucken musste.
Er versuchte, es wie einen Scherz klingen zu lassen, wusste aber gleichzeitig, dass das misslingen musste. „Nun, wir sind sozusagen hier in der Zukunft ‘gestrandet’. Vielleicht sind wir sogar die letzten noch existierenden Wesen unserer Art. Stellen Sie sich das doch ‘mal vor, wenn es wirklich nur noch dieses Schiff gibt und sonst nichts mehr...“
Ihre dunklen Augen starrten ihn gross an, so dass er sich einen Ruck gab. „Stefania, wenn wir keinen Weg in unsere Epoche zurück finden, muss die Besatzung den Rest ihres Lebens zusammen verbringen. Und wenn ich daran denke, mir jemanden suchen zu müssen, mit dem ich das tun will, dann kommen Sie mir dabei in den Sinn. Verstehen Sie, Stefania, hier gibt es kein Oberkommando.“
Sie wehrte sich nicht, als er den Arm um sie legte, sondern drehte sich zu ihm hin und legte ihrerseits einen Arm um ihn. „Ich habe das Gefühl, Sie können Gedanken lesen. Sie meinen, hier und jetzt sind unsere Karrieren nicht gefährdet und wir müssen auch keine Angst haben, dass man uns auseinanderversetzt?“
Er schloss kurz die Augen. „Wenn ich früher gewusst hätte, dass das für Sie der gleiche Grund wie für mich war...“
„Das ist richtig.“ Ihre Lider senkten sich, als sie ihr Gesicht an seines annäherte. „Aber nun stehen die Dinge anders...“
„Zum Glück...“ Sie sanken hintenüber und schwiegen die nächste Zeit lang. Worte wären nun ohnehin überflüssig gewesen.
Er verliess das Holodeck eine halbe Stunde vor ihr, um keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen. Sie waren ausserdem überein gekommen, sich trotzdem weiterzusiezen, um die Mannschaft nicht gleich wissen zu lassen, was sich zwischen ihnen abgespielt hatte. Es würde zwar nicht leicht werden, war aber sicher besser so, solange nicht gewiss war, wie es weitergehen würde.
Als er die Brücke betrat und in Richtung Bereitschaftsraum durchqueren wollte, wurde er von Fähnrich B’Irworo aufgehalten. „Captain, darf ich Ihnen ...“
„Ah, Sie haben das Subraumsignal der Sonde empfangen, nicht wahr? Das ging aber schnell.“
Verdutzt stammelte der junge Alpha Centaurer: „Woher... ja, stimmt, Captain. Verzeihen Sie. Es ging tatsächlich sehr schnell, bis wir das abgestrahlte Signal aufgefangen hatten. Der Grund dafür ist, daß das andere Ende des Wurmlochs sich nur noch etwa 20’000 Lichtjahre entfernt befindet und nicht über 90’000 wie in unserer Zeit.“
„Oh!“ Lennard hatte zwar mit allem gerechnet, war jetzt jedoch dennoch überrascht. „Nun gut, warten wir die Rückkehr der Sonde ab, dann entscheiden wir, wie wir weiter verfahren wollen. Das wäre im Moment alles.“
„Aye,Sir.“ Der Fähnrich trat ab.
Lennard zog sich in seinen Bereitschaftsraum zurück und rief auf seinem Arbeitsplatz eine Aufstellung ihrer Energiereserven und anderer lebenswichtiger Vorräte auf. Sie konnten von Glück sagen, dachte er bei sich, dass vor ihrem Aufbruch von Antares alle Ressourcen komplettiert worden waren. So hatten sie jetzt alles an Bord, um für mehrere Jahre völlig autark operieren zu können. Denn so, wie die Dinge standen, konnten sie für lange Zeit mit keinerlei Nachschub rechnen. Wenn gewisse Einschränkungen gemacht wurden, war die Zeitspanne der Funktionstüchtigkeit der Aldebaran wahrscheinlich noch erheblich zu verlängern, doch wenn sie wirklich keine andere Möglichkeit fanden, würden sie das Schiff irgendwann aufgeben und einen Zufluchtsort suchen müssen...
Der Türsummer liess ihn aus seinen düsteren Zukunftsgedanken herausschrecken. „Ja?“
Eine besorgt aussehende Kall trat ein und wartete mit einem Blick über die Schulter, bis sich der Eingang hinter ihr geschlossen hatte, dann platzte es aus ihr heraus: „Sehen Sie wirklich so schwarz für uns, Sir?“
„Sam, ich habe Ihnen doch gesagt...“
„Verzeihen Sie, aber das haben Sie gerade so laut ‘herausgedacht’, dass es wirklich jeder Telepath im ganzen Sektor wahrgenommen haben muss, ob er wollte oder nicht.“ Sie lächelte schwach und gab ihm einen PADD. „Ich habe hier die Bewertungen der Offiziere.“
Lennard nahm den flachen Minicomputer entgegen und studierte die Auflistungen auf dem Anzeigenfeld missmutig. „So? Also dann...danke, Counselor. Es scheint mir, als ob der Dienst trotz allem noch reibungslos verläuft.“
„In der Tat, Sir. Wir können stolz auf die Disziplin der Crew sein.“ Mit hinter dem Rücken verschränkten Händen und einem schwachen Schmunzeln im Gesicht blieb die Betazoidin stehen, bis er aufsah.
„Ist noch etwas?“ Bei dieser Frage überkam ihn eine unangenehme Vorahnung.
„Darf ich mich setzen, Sir? Danke. Ich dachte, Sie wollten vielleicht noch über etwas anderes mit mir reden.“
Ihr fröhliches Lächeln sagte ihm alles. Auch seine Mundwinkel bogen sich nach oben, als er mit gespielter Gequältheit aufstöhnte. „Ich hätte es mir denken können. Sie wissen es also, Sam. Naja, hätte mich auch gewundert, wenn irgendein privater Gedanke auf diesem Schiff Ihnen verborgen geblieben wäre. Wie schaffen Sie das eigentlich, ununterbrochen fast eintausend Gehirne auszuspionieren?“
„Sie tun mir unrecht, Kyle. Ich bin vorhin auf dem Gang Stefania begegnet, wo sie sich an mich gewandt hat. Sie sehen also, alles schön legal.“
„Das ist nicht ihr Ernst“, platzte es fassungslos aus Lennard heraus.
Entrüstet entgegnete Kall: „Hören Sie ‘mal, ich bin schliesslich die Schiffsberaterin. Und davon abgesehen, hat die Commander bereits mehrmals mit mir über dieses Thema diskutiert, ausserdienstlich übrigens.“
„Sie meinen... von Frau zu Frau, als Freundin gewissermassen?“ Nun kam er aus dem Staunen nicht mehr heraus.
„Von den vielen kleinen und ...äh...auch gelegentlichen mittelgrossen Diskrepanzen während des Dienstes abgesehen, verstehen Stefania und ich uns privat eigentlich ganz gut“, räumte Kall ein.
„Nun, ich muss zugeben, bei Doc Stern und mir ist es ganz ähnlich, auch wenn wir uns bereits seit dem ersten Tag auf der Akademie kennen und seitdem immer zusammen gedient haben.“ Er seufzte. „Es gehört schliesslich einiges dazu, Beruf und Privatleben voneinander zu trennen, und wie Sie selbst wissen, macht David es mir nicht gerade leicht. Durch seine dauernden Albernheiten muß ich ihn öfters in seine Schranken weisen, als es mir lieb ist.“
„Aber ansonsten verstehen sie beide sich prächtig?“ forschte Kall nach.
Er nickte. „Er ist auch der einzige, mit dem ich bisher über meine Zuneigung zu Stefania geredet habe. Er bewahrt zwar zuverlässig Stillschweigen darüber, doch mit seinen Ratschlägen kann ich leider wenig anfangen.“
„Sehen Sie, deshalb sitzen wir ja jetzt hier zusammen. Sie wissen sicher, dass Ihre Beziehung einiges an Selbstbeherrschung und Objektivität erfordert. Fühlen Sie sich denn imstande dazu, diese Anforderungen zu erfüllen?“
Lennard dachte lange nach und meinte dann: „Ich habe von Anfang an gewusst, dass die Trennung von Dienst und Privatleben in unserem Fall besonders schwierig sein wird, aber an mir soll es nicht liegen. Ja, ich fühle mich imstande, diese Herausforderung anzunehmen.“
„Sie sollten es nicht so verbissen sehen“, warnte Kall umsichtig. „Das ist kein Wettbewerb, den Sie austragen wollen, sondern eine Beziehung, die aufgebaut werden will. Sie sollten sich vor allem viel Zeit lassen, um das nicht vorzeitig zu zerstören.“
Erstaunt bemerkte Lennard: „Sie können ja richtig einfühlsam sein, Sam. So kenne ich Sie ja gar nicht.“
„Was glauben Sie denn, wieso ich Counselor geworden bin?“ Beleidigt verschränkte Sie ihre Arme vor der Brust. „Außerdem muß ich in diesem Fall höchste Sensibilität walten lassen, um das nicht in die falschen Bahnen gleiten zu lassen.“
„Wie meinen Sie das?“
„Stellen Sie sich doch ‘mal vor, ihre Romanze geht in die Brüche. In dieser Situation mit einem zerstrittenen Captain und Ersten Offizier, das wünsche ich nicht einmal meinen schlimmsten Feinden.“

Als Kall das sagte und ihm klar wurde, dass es ihr voller Ernst war, lief ihm ein kalter Schauer das Rückgrat hinab. Konnte sie etwa recht haben? Er hoffte es nicht.
[Fortsetzung folgt gleich morgen...]

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