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Montag, 27. November 2006
T1.1.7 : Freiburg im Breisgau
cymep, 19:31h
[...Fortsetzung des Buches]
Mount Mitchell, Yancey County, North Carolina, USA 17. Dezember 2029
General Mahtobu wartete auf die Antwort von John Connor. Er hatte einen langen Funkbericht aufgesetzt, alles so zusammengefasst, wie er es im Sinn behalten hatte, und alle möglichen Konsequenzen aufgezählt, die ihre weitere Vorgehensweise haben mochte.
Jetzt wartete er.
Draußen würde es bald dunkel werden. Früher hatten sie sich nur bei Nacht halbwegs sicher im Freien bewegen können. Seit sie Skynet besiegt hatten, waren zwar noch immer vereinzelt fliegende Waffenplattformen, sogenannte J-Ks, oder die fahrende Version davon, die wie ein Raupenpanzer mit aufgesetztem zweistöckigen Geschützturm anmutete, unterwegs, aber im Großen und Ganzen konnten sie sich wieder bei Tageslicht an die Erdoberfläche wagen.
Der ‘Wunderknabe’, der hochbegabte Informatiker-Sergeant also, kam herein in die provisorische Funkkabine und sah seinen Vorgesetzten erwartungsvoll an. „General, wir haben einen Teil der Informationen entschlüsseln können, die der Hauptrechner über den mutmaßlichen Erfinder des ZVA-Effektes gespeichert hatte.“
„Dann lassen Sie mal hören.“ Die Müdigkeit in der Stimme des älteren Mannes war unverkennbar.
„Danke, Sir. Jetzt ist uns auch klar geworden, warum Skynet unbedingt raumverschobene Zeitsprünge hatte durchführen wollen. Der potentielle Erfinder ist nämlich gar kein Amerikaner.“
„Na und? Was wundert Sie daran, Serge? Die USA sind nicht der Nabel der Welt und waren es auch damals nicht.“ Mit heimlicher Genugtuung beobachtete der Afrikaner, wie sich die Mundwinkel des jungen Soldaten, dem Akzent nach vernehmlich aus Texas stammend, senkten.
„Ja, Sir, verzeihen Sie bitte.“
„Schon gut“, beschwichtigte Mahtobu daraufhin, „woher kommt er denn nun? Aus Japan?“
„Nein, Sir, aus Zentraleuropa. Der Scout selbst konnte ihn natürlich nicht identifizieren, da er den primären Auftrag hatte, sich an das Leben in dem betreffenden Gebiet zu gewöhnen und unauffällig zu bleiben. Skynet hatte jedoch aufgrund seiner Aufzeichnungen über den Entdecker ein Gebiet eingegrenzt, in dem sich eine Stadt mit etwa 200.000 Einwohnern befand. Er hatte eine hohe Wahrscheinlichkeit berechnet, dass der Erfinder sich in dieser Stadt aufgehalten hat. Es gab dort eine höhere Lehranstalt, genannt Universität, die praktische Forschungsmöglichkeiten auf den Gebieten, die in Frage kommen, für junge Studenten in seinem vermuteten Alter geboten haben.“
„Hört sich vielversprechend an. Und wie heißt diese Stadt?“
„Freiburg, Sir, gelegen in Deutschland, etwa vierzig Meilen nördlich der schweizerischen und zwanzig östlich der französischen Grenze.“
Mahtobu rieb sich nachdenklich seinen grauen Kinnbart. „Hm, ich habe noch nie etwas von diesem Ort gehört; zweifellos wurde er am Tag des Jüngsten Gerichtes eingeäschert. Wenn wir wirklich jemanden dorthin entsenden wollen, haben wir ein ernstes Problem.“
„Wieso das, Sir?“, fragte der Sergeant neugierig.
„Nun, weil wir dann jemanden brauchen, der eine tote Sprache sprechen können oder lernen muss, um nicht allzu sehr aufzufallen. Ist Ihnen nicht in den Sinn gekommen, dass es seit über dreißig Jahren niemanden mehr gibt, der Deutsch sprechen kann?“
Der Informatiker runzelte die Stirn. „Deutsch ... nein, das ist mir entgangen ...“
„Tja, nicht die ganze Welt sprach damals Spanisch, Englisch, Chinesisch oder Arabisch. Es gab viele Gebiete auf der Erde, wo der Großteil der Bevölkerung eine eigene regional begrenzte Sprache benutzte. Glücklicherweise gab es vor etlichen Jahrzehnten einen schlimmen Krieg, den Deutschland praktisch gegen den Rest der Welt führte und verlor, daran erinnere ich mich noch. Die Amerikaner haben ihr Land besetzt und ihnen ihre eigene Kultur und Sprache aufgezwungen. Meines Wissens müsste ein nicht geringer Anteil der damaligen Bevölkerung der englischen Sprache mächtig gewesen sein. Können Sie das rauskriegen?“ Mahtobu wies auf einen Zugangs-Port in der Wand, wo der Sergeant sein tragbares Terminal anschließen konnte, was er auch sogleich mit einem Nicken tat.
Nach nur wenigen Sekunden Rechenzeit präsentierte er die ersten Ergebnisse: „Tatsächlich war ein großer Teil vor allem der jüngeren Generation auf die amerikanische Lebensweise eingeschworen und lernte in der Schule Englisch. Ich glaube allerdings nicht so recht, dass es reichen wird, jemanden zu entsenden, der nur Englisch sprechen kann. Wir ...“
Mahtobu unterbrach seinen Untergebenen, indem er wütend mit der Faust gegen die Wand schlug, was ein dröhnendes Hallen erzeugte. „Deutsch! Warum nicht gleich Suaheli? Kein Mensch auf der Welt spricht heute noch diese Sprache. Und einen umprogrammierten Terminator können wir keinesfalls mit dieser Mission beauftragen. Wir können nicht riskieren, noch mehr Zukunftstechnologie in der Vergangenheit zu verbreiten.“
Inzwischen tippte der Sergeant übereifrig auf seiner Tastatur, bis sich sein Gesicht mit einem Mal erhellte. „Sir, ich glaube, ich habe so etwas wie ein Schlupfloch gefunden, das uns aus unserer Misere helfen könnte.
Die USA sind im Laufe der letzten Jahrhunderte stets als Einwandererland bekannt gewesen und geschätzt worden. Ich habe hier die Information, dass zum Zeitpunkt des Jüngsten Gerichtes 63 Millionen US-Amerikaner direkte oder indirekte Nachkommen von Deutschen waren. Es muss demnach viele Familien gegeben haben, in denen das kulturelle Erbe gewahrt und Deutsch gesprochen wurde. Viele davon waren Siedler in den bevölkerungsarmen Westgebieten der USA, die nicht direkt von Nuklearschlägen betroffen waren. Ich denke, wir sollten eine Umfrage in Gang setzen, um herauszufinden, wie viele Leute noch Deutsch sprechen können. Vielleicht ist jemand darunter, den wir mit der Mission betrauen können.“
„Ihr Wort in Gottes Ohr, Sergeant.“ Geistig erschöpft lehnte sich Mahtobu wieder gegen die Wand und verfluchte die Maschinen einmal mehr, diesmal dafür, dass sie nie sitzen mussten und folglich keine Stühle hier waren.
[Fortsetzung folgt ...]
Mount Mitchell, Yancey County, North Carolina, USA 17. Dezember 2029
General Mahtobu wartete auf die Antwort von John Connor. Er hatte einen langen Funkbericht aufgesetzt, alles so zusammengefasst, wie er es im Sinn behalten hatte, und alle möglichen Konsequenzen aufgezählt, die ihre weitere Vorgehensweise haben mochte.
Jetzt wartete er.
Draußen würde es bald dunkel werden. Früher hatten sie sich nur bei Nacht halbwegs sicher im Freien bewegen können. Seit sie Skynet besiegt hatten, waren zwar noch immer vereinzelt fliegende Waffenplattformen, sogenannte J-Ks, oder die fahrende Version davon, die wie ein Raupenpanzer mit aufgesetztem zweistöckigen Geschützturm anmutete, unterwegs, aber im Großen und Ganzen konnten sie sich wieder bei Tageslicht an die Erdoberfläche wagen.
Der ‘Wunderknabe’, der hochbegabte Informatiker-Sergeant also, kam herein in die provisorische Funkkabine und sah seinen Vorgesetzten erwartungsvoll an. „General, wir haben einen Teil der Informationen entschlüsseln können, die der Hauptrechner über den mutmaßlichen Erfinder des ZVA-Effektes gespeichert hatte.“
„Dann lassen Sie mal hören.“ Die Müdigkeit in der Stimme des älteren Mannes war unverkennbar.
„Danke, Sir. Jetzt ist uns auch klar geworden, warum Skynet unbedingt raumverschobene Zeitsprünge hatte durchführen wollen. Der potentielle Erfinder ist nämlich gar kein Amerikaner.“
„Na und? Was wundert Sie daran, Serge? Die USA sind nicht der Nabel der Welt und waren es auch damals nicht.“ Mit heimlicher Genugtuung beobachtete der Afrikaner, wie sich die Mundwinkel des jungen Soldaten, dem Akzent nach vernehmlich aus Texas stammend, senkten.
„Ja, Sir, verzeihen Sie bitte.“
„Schon gut“, beschwichtigte Mahtobu daraufhin, „woher kommt er denn nun? Aus Japan?“
„Nein, Sir, aus Zentraleuropa. Der Scout selbst konnte ihn natürlich nicht identifizieren, da er den primären Auftrag hatte, sich an das Leben in dem betreffenden Gebiet zu gewöhnen und unauffällig zu bleiben. Skynet hatte jedoch aufgrund seiner Aufzeichnungen über den Entdecker ein Gebiet eingegrenzt, in dem sich eine Stadt mit etwa 200.000 Einwohnern befand. Er hatte eine hohe Wahrscheinlichkeit berechnet, dass der Erfinder sich in dieser Stadt aufgehalten hat. Es gab dort eine höhere Lehranstalt, genannt Universität, die praktische Forschungsmöglichkeiten auf den Gebieten, die in Frage kommen, für junge Studenten in seinem vermuteten Alter geboten haben.“
„Hört sich vielversprechend an. Und wie heißt diese Stadt?“
„Freiburg, Sir, gelegen in Deutschland, etwa vierzig Meilen nördlich der schweizerischen und zwanzig östlich der französischen Grenze.“
Mahtobu rieb sich nachdenklich seinen grauen Kinnbart. „Hm, ich habe noch nie etwas von diesem Ort gehört; zweifellos wurde er am Tag des Jüngsten Gerichtes eingeäschert. Wenn wir wirklich jemanden dorthin entsenden wollen, haben wir ein ernstes Problem.“
„Wieso das, Sir?“, fragte der Sergeant neugierig.
„Nun, weil wir dann jemanden brauchen, der eine tote Sprache sprechen können oder lernen muss, um nicht allzu sehr aufzufallen. Ist Ihnen nicht in den Sinn gekommen, dass es seit über dreißig Jahren niemanden mehr gibt, der Deutsch sprechen kann?“
Der Informatiker runzelte die Stirn. „Deutsch ... nein, das ist mir entgangen ...“
„Tja, nicht die ganze Welt sprach damals Spanisch, Englisch, Chinesisch oder Arabisch. Es gab viele Gebiete auf der Erde, wo der Großteil der Bevölkerung eine eigene regional begrenzte Sprache benutzte. Glücklicherweise gab es vor etlichen Jahrzehnten einen schlimmen Krieg, den Deutschland praktisch gegen den Rest der Welt führte und verlor, daran erinnere ich mich noch. Die Amerikaner haben ihr Land besetzt und ihnen ihre eigene Kultur und Sprache aufgezwungen. Meines Wissens müsste ein nicht geringer Anteil der damaligen Bevölkerung der englischen Sprache mächtig gewesen sein. Können Sie das rauskriegen?“ Mahtobu wies auf einen Zugangs-Port in der Wand, wo der Sergeant sein tragbares Terminal anschließen konnte, was er auch sogleich mit einem Nicken tat.
Nach nur wenigen Sekunden Rechenzeit präsentierte er die ersten Ergebnisse: „Tatsächlich war ein großer Teil vor allem der jüngeren Generation auf die amerikanische Lebensweise eingeschworen und lernte in der Schule Englisch. Ich glaube allerdings nicht so recht, dass es reichen wird, jemanden zu entsenden, der nur Englisch sprechen kann. Wir ...“
Mahtobu unterbrach seinen Untergebenen, indem er wütend mit der Faust gegen die Wand schlug, was ein dröhnendes Hallen erzeugte. „Deutsch! Warum nicht gleich Suaheli? Kein Mensch auf der Welt spricht heute noch diese Sprache. Und einen umprogrammierten Terminator können wir keinesfalls mit dieser Mission beauftragen. Wir können nicht riskieren, noch mehr Zukunftstechnologie in der Vergangenheit zu verbreiten.“
Inzwischen tippte der Sergeant übereifrig auf seiner Tastatur, bis sich sein Gesicht mit einem Mal erhellte. „Sir, ich glaube, ich habe so etwas wie ein Schlupfloch gefunden, das uns aus unserer Misere helfen könnte.
Die USA sind im Laufe der letzten Jahrhunderte stets als Einwandererland bekannt gewesen und geschätzt worden. Ich habe hier die Information, dass zum Zeitpunkt des Jüngsten Gerichtes 63 Millionen US-Amerikaner direkte oder indirekte Nachkommen von Deutschen waren. Es muss demnach viele Familien gegeben haben, in denen das kulturelle Erbe gewahrt und Deutsch gesprochen wurde. Viele davon waren Siedler in den bevölkerungsarmen Westgebieten der USA, die nicht direkt von Nuklearschlägen betroffen waren. Ich denke, wir sollten eine Umfrage in Gang setzen, um herauszufinden, wie viele Leute noch Deutsch sprechen können. Vielleicht ist jemand darunter, den wir mit der Mission betrauen können.“
„Ihr Wort in Gottes Ohr, Sergeant.“ Geistig erschöpft lehnte sich Mahtobu wieder gegen die Wand und verfluchte die Maschinen einmal mehr, diesmal dafür, dass sie nie sitzen mussten und folglich keine Stühle hier waren.
[Fortsetzung folgt ...]
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