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Montag, 4. Dezember 2006
T1.1.13
cymep, 13:39h
[...Fortsetzung des Buches]
Mount Mitchell, Yancey County, North Carolina, USA 7. Juli 2030
Karin Bochner verließ die Unterrichtshalle und strich sich in einer Geste der mentalen Erschöpfung über die Stirn. Die letzten Monate hatten an ihren Nerven und an ihrer Substanz gezehrt, aber sie war mit der Herausforderung gewachsen. Ihre Schüler hatten hart gearbeitet und ihr Bestes gegeben, doch natürlich hatte sich nach einiger Zeit allmählich herauskristallisiert, wer besser geeignet war. So war ihre ‚Klasse’ auf jetzt noch acht Kandidaten zusammengeschrumpft und Mahtobu erwartete unter anderem auch von ihr eine weitere Empfehlung, wer das Rennen machen könnte.
Nein, korrigierte sie sich mit einem ironisch hochgezogenen Mundwinkel, der alte Schinder erwartete vor allem von ihr ein Urteil über den nächsten, der ausscheiden würde. Sie unterrichtete schließlich in den für diese Mission maßgeblichsten Fächern.
„Ihrer Miene nach zu urteilen, denken Sie gerade an mich.“ Karin zuckte zusammen, als seine tiefe Stimme hinter ihr ertönte. Als sie herumfuhr, sah sie ihn im toten Winkel der Tür stehen, mit übereinander geschlagenen Beinen an die Wand gelehnt und überkreuzten Armen. Er hatte ganz offenbar auf das Ende ihrer Stunde gewartet, um sie zu befragen. Insgeheim musste sie ein wenig über seinen Kommentar schmunzeln; sie waren in den Monaten der gemeinsamen Arbeit doch noch warm miteinander geworden, auch wenn sich die Art ihrer Beziehung in ihren Dialogen zumeist in Frotzeleien äußerte.
So antwortete sie dann auch: „Sie scheinen meine Gedanken zu lesen, Mon Général. Sicher wissen Sie auch, was ich konkret gedacht habe?“
„Oh, meine gute Erziehung verbietet mir, dergleichen auszusprechen.“
„Sie sind ja soooo galant. Wo haben Sie nur gelernt, so mit Frauen umzugehen? Ich schmelze ja förmlich dahin.“ Sie konnte sich ein unverschämtes Grinsen jetzt nicht mehr verkneifen.
„Im Buschland von Südostafrika natürlich. Aber das war im alten Leben, vor dem Tag des Jüngsten Gerichtes. Lassen Sie uns doch über etwas anderes sprechen.“ Er strich sich nachdenklich lächelnd über den grauen Bart und schien in Gedanken weit entfernt zu sein.
„Ich bin noch nicht bereit, weitere Schüler auszusondern.“ Resolut verschränkte sie nun gleichfalls die Arme vor der Brust und baute sich in einer trotzigen Abwehrhaltung vor ihm auf.
„Eigentlich wollte ich Sie ja zum romantischen Abendessen einladen, aber diese Gelegenheit scheint jetzt ungenutzt verstrichen zu sein. Aber da Sie es gerade ansprechen ...“ Unter gesenkten Augenlidern hervor musterte er sie scheinbar teilnahmslos.
Sie verspürte einen kleinen Stich in der Brust bei seinen Worten, unsicher ob der Ernsthaftigkeit seines Angebotes. „Vergessen Sie es. Das mit der Nominierung der nächsten Kandidaten. Ich bin zum jetzigen Zeitpunkt nicht bereit, schon wieder jemanden aus dem Programm zu nehmen. Die restlichen acht sind alle so gut, dass sie genauso gut auch alle nehmen könnten.“
„Gut, das vergesse ich also. Und ...“
„Das andere auch. Ich wünsche Ihnen einen guten Abend.“ Sie fuhr herum und rauschte effektvoll davon, Mahtobu blieb ihr jedoch auf den Fersen.
„Warten Sie, Mrs. Bochner. Wir müssen darüber sprechen. Sie wissen das.“
Beim Klang seiner Stimme blieb sie auf einmal stehen. Langsam drehte sie sich um und sah ihn unverwandt an. „Also gut, wir reden.“
„Sie wissen, wir müssen allmählich zu Potte kommen. Sie wissen auch, dass schon viel Zeit verstrichen ist und wir auf der Stelle treten. Wir können uns das nicht mehr leisten, weder Sie noch ich. Kennen Sie meine nächste Frage?“
Sie seufzte. „Ich denke schon.“
„Dann sagen Sie mir doch bitte erst einmal, worüber wir jetzt gerade reden.“ Listig sah er sie an und wartete auf eine Reaktion.
Sie sah an die Decke des Flurs und erwiderte versonnen: „Ich würde sagen ... entweder über die Kandidatenauswahl oder über unser gemeinsames Abendessen. Suchen Sie sich was aus.“
„Punkt für Sie. Und wann können Sie mir Ihre Entscheidung bekannt geben?“, setzte er nach.
„Ich werde darüber nachdenken ... notgedrungen. Sie werden Ihre Antwort eher erhalten, als Sie denken. Zufrieden?“
„Ja, fürs Erste. Aber eines noch ... ich weiß immer noch nicht, worüber wir reden.“ Er grinste sie unverschämt an.
„Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Suchen Sie sich was aus.“ Kokett über die Schulter blickend, ließ sie ihn stehen.
Verdammt, dachte er, worüber hatten sie denn jetzt geredet?
[Fortsetzung folgt ...]
Mount Mitchell, Yancey County, North Carolina, USA 7. Juli 2030
Karin Bochner verließ die Unterrichtshalle und strich sich in einer Geste der mentalen Erschöpfung über die Stirn. Die letzten Monate hatten an ihren Nerven und an ihrer Substanz gezehrt, aber sie war mit der Herausforderung gewachsen. Ihre Schüler hatten hart gearbeitet und ihr Bestes gegeben, doch natürlich hatte sich nach einiger Zeit allmählich herauskristallisiert, wer besser geeignet war. So war ihre ‚Klasse’ auf jetzt noch acht Kandidaten zusammengeschrumpft und Mahtobu erwartete unter anderem auch von ihr eine weitere Empfehlung, wer das Rennen machen könnte.
Nein, korrigierte sie sich mit einem ironisch hochgezogenen Mundwinkel, der alte Schinder erwartete vor allem von ihr ein Urteil über den nächsten, der ausscheiden würde. Sie unterrichtete schließlich in den für diese Mission maßgeblichsten Fächern.
„Ihrer Miene nach zu urteilen, denken Sie gerade an mich.“ Karin zuckte zusammen, als seine tiefe Stimme hinter ihr ertönte. Als sie herumfuhr, sah sie ihn im toten Winkel der Tür stehen, mit übereinander geschlagenen Beinen an die Wand gelehnt und überkreuzten Armen. Er hatte ganz offenbar auf das Ende ihrer Stunde gewartet, um sie zu befragen. Insgeheim musste sie ein wenig über seinen Kommentar schmunzeln; sie waren in den Monaten der gemeinsamen Arbeit doch noch warm miteinander geworden, auch wenn sich die Art ihrer Beziehung in ihren Dialogen zumeist in Frotzeleien äußerte.
So antwortete sie dann auch: „Sie scheinen meine Gedanken zu lesen, Mon Général. Sicher wissen Sie auch, was ich konkret gedacht habe?“
„Oh, meine gute Erziehung verbietet mir, dergleichen auszusprechen.“
„Sie sind ja soooo galant. Wo haben Sie nur gelernt, so mit Frauen umzugehen? Ich schmelze ja förmlich dahin.“ Sie konnte sich ein unverschämtes Grinsen jetzt nicht mehr verkneifen.
„Im Buschland von Südostafrika natürlich. Aber das war im alten Leben, vor dem Tag des Jüngsten Gerichtes. Lassen Sie uns doch über etwas anderes sprechen.“ Er strich sich nachdenklich lächelnd über den grauen Bart und schien in Gedanken weit entfernt zu sein.
„Ich bin noch nicht bereit, weitere Schüler auszusondern.“ Resolut verschränkte sie nun gleichfalls die Arme vor der Brust und baute sich in einer trotzigen Abwehrhaltung vor ihm auf.
„Eigentlich wollte ich Sie ja zum romantischen Abendessen einladen, aber diese Gelegenheit scheint jetzt ungenutzt verstrichen zu sein. Aber da Sie es gerade ansprechen ...“ Unter gesenkten Augenlidern hervor musterte er sie scheinbar teilnahmslos.
Sie verspürte einen kleinen Stich in der Brust bei seinen Worten, unsicher ob der Ernsthaftigkeit seines Angebotes. „Vergessen Sie es. Das mit der Nominierung der nächsten Kandidaten. Ich bin zum jetzigen Zeitpunkt nicht bereit, schon wieder jemanden aus dem Programm zu nehmen. Die restlichen acht sind alle so gut, dass sie genauso gut auch alle nehmen könnten.“
„Gut, das vergesse ich also. Und ...“
„Das andere auch. Ich wünsche Ihnen einen guten Abend.“ Sie fuhr herum und rauschte effektvoll davon, Mahtobu blieb ihr jedoch auf den Fersen.
„Warten Sie, Mrs. Bochner. Wir müssen darüber sprechen. Sie wissen das.“
Beim Klang seiner Stimme blieb sie auf einmal stehen. Langsam drehte sie sich um und sah ihn unverwandt an. „Also gut, wir reden.“
„Sie wissen, wir müssen allmählich zu Potte kommen. Sie wissen auch, dass schon viel Zeit verstrichen ist und wir auf der Stelle treten. Wir können uns das nicht mehr leisten, weder Sie noch ich. Kennen Sie meine nächste Frage?“
Sie seufzte. „Ich denke schon.“
„Dann sagen Sie mir doch bitte erst einmal, worüber wir jetzt gerade reden.“ Listig sah er sie an und wartete auf eine Reaktion.
Sie sah an die Decke des Flurs und erwiderte versonnen: „Ich würde sagen ... entweder über die Kandidatenauswahl oder über unser gemeinsames Abendessen. Suchen Sie sich was aus.“
„Punkt für Sie. Und wann können Sie mir Ihre Entscheidung bekannt geben?“, setzte er nach.
„Ich werde darüber nachdenken ... notgedrungen. Sie werden Ihre Antwort eher erhalten, als Sie denken. Zufrieden?“
„Ja, fürs Erste. Aber eines noch ... ich weiß immer noch nicht, worüber wir reden.“ Er grinste sie unverschämt an.
„Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Suchen Sie sich was aus.“ Kokett über die Schulter blickend, ließ sie ihn stehen.
Verdammt, dachte er, worüber hatten sie denn jetzt geredet?
[Fortsetzung folgt ...]
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