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Dienstag, 2. Januar 2007
T.44
cymep, 07:24h
[... Fortsetzung des Buches]
Freiburg im Breisgau, Deutschland - 1. Januar 1997
Karin wurde von leisen, unregelmäßigen Klickgeräuschen wach und drehte sich schlaftrunken im Bett um. Ihr Kopf tat höllisch weh von der für sie ungewöhnlich großen Menge an Alkohol, welche ihr in diversesten Darreichungsformen als Folge von verschiedenen unsinnigen Spielen unter leichtem Gruppenzwang und mutwilligem Vorsatz eingeflösst worden war. Sie hatte die Bettdecke bis über den Kopf gezogen und wollte eigentlich von gar nichts etwas wissen in ihrem Zustand. Die Party gestern Abend war total aus dem Ruder gelaufen, an so viel konnte sie sich noch diffus erinnern.
Ein anderes Geräusch kam ihr zu Bewusstsein: das leise Surren des Aufzugs. Es war ein ihr vertrautes Geräusch, denn sie hatte lange in dem Zimmer neben dem Aufzugsschacht gewohnt.
Hatte.
Schlagartig wurde sie vollends wach.
Sie hörte den Aufzug.
Sie war in ihrem alten Zimmer.
Sie war in Daniels Zimmer, in seinem Bett.
Scheiße.
Ruckartig setzte sie sich auf und sah sich um. Die Vorhänge waren noch zugezogen, um sie nicht beim Ausschlafen zu stören, doch CSM 108-1 saß wie immer an seinem PC und surfte durch das Internet. Als er ihrer gewahr wurde, brach er ab und fuhr den PC hinunter. Fröhlich begrüßte er sie: „Guten Morgen, meine Liebe.“
„Wie komme ich hierher?“, sagte sie verstört und wusste gleichzeitig, dass das die falsche Frage gewesen war. Er konnte darauf nur frustriert oder aggressiv reagieren. Sie lag – gottlob in Unterwäsche, wie sie jetzt realisierte – in seinem Bett und fragte ihn, wie sie hierher kam. Was war sie doch für eine Idiotin!
„Ganz einfach: Es ging ein wenig drunter und drüber auf der Feier, vor allem nach drei Uhr. Wir haben von unseren Gästen mehrere Nachfragen erhalten, ob wir ein paar Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen könnten, und du hast dich spontan dazu entschlossen, dein Zimmer herzugeben. Finde ich toll von dir. Dafür wolltest du bei mir bleiben, was für mich in Ordnung war. Wir hatten eine gemütliche Nacht auf meiner kleinen Klappcouch und haben nichts gemacht außer ein wenig geschmust, wenn dich das beruhigt. Wenn du allerdings die Küche siehst, wirst du wahrscheinlich total ausrasten ...“ Er hob beide Arme und grinste.
„Du hast nicht ...?“, begann sie und stöhnte auf, die Augen mit der flachen Hand abschirmend und die Knie an sich heranziehend.
„Nein, du hast nicht. ‚So eine bin ich nicht’, hast du immer gesagt und albern gekichert dabei. Das war total süß.“ Sein Grinsen wurde noch breiter.
Sie stöhnte nochmals gequält und wollte dann wissen: „Was hast du denn gemacht?“
„Ach, nur ein bisschen Anatomie für Anfänger am lebenden Objekt, nichts Besonderes. Nichts, was dir nicht gefallen hätte. Du schienst begeistert zu sein“, fügte er schelmisch hinzu.
Sie überlegte einen Moment und meinte dann nachdenklich: „He, du hast recht. Ich kann mich ganz dunkel erinnern. Es war wirklich toll.“
Karins Mundwinkel hoben sich langsam und ihre Blicke trafen sich.
„Tja, so schnell kann’s gehen“, bemerkte er. „Und wie geht’s jetzt weiter?“
„Abwarten“, meinte sie und fischte mit der Bettdecke vor ihrem Oberkörper nach ihrem T-Shirt. „Lassen wir ein Weilchen verstreichen und reden dann in Ruhe darüber, okay?“
„Hört sich gut an“, stimmte er arglos zu und warf ihr ihre Hose zu, die außerhalb ihrer Reichweite lag. „Ich fange schon mal in der Küche an, bis du einen Menschen aus dir gemacht hast.“
„Oh, wie galant. Du weißt wirklich, was Frauen hören wollen“, versetzte sie gespielt böse.
„Nicht wahr?“, bestätigte er und grinste wieder, worauf sie beim Aufstehen lachen musste. Vor der nächsten Aufgabe allerdings graute ihr ein wenig. Wen würde sie in ihrem Zimmer vorfinden? Sie beschloss, das noch ein paar Minuten aufzuschieben und einstweilen einen Blick in die Küche zu werfen.
Erleichtert stellte sie fest, dass alles halb so schlimm war, wie sie es sich ausgemalt hatte. Wenn alle, die sich hier noch aufhalten mochten, zum Aufräumen zwangsverpflichtet würden, würde alles in einem überschaubaren Zeitrahmen wieder auf Vordermann gebracht werden können. Auf der Couch fand sie auch gleich die ersten beiden ‚Freiwilligen’ vor: Francesco und Arturo, halbwegs übereinander liegend und laut schnarchend. CSM 108-1 schien sie völlig zu ignorieren, während er den Geschirrspüler möglichst leise einräumte. Resolut weckte sie die beiden italienischen Brüder und verdonnerte sie zum Kaffeemachen, bevor sie noch wussten, wie ihnen geschah. Das wäre schon einmal erledigt.
Dann kam ihr Zimmer an die Reihe. Nein, erst noch einen Abstecher ins Badezimmer, beschloss sie.
In der Badewanne lag Rudolf und schlief wie ein Engel. Er machte den Eindruck, als würde er äußerst bequem liegen und als würde ihm die unnatürliche Haltung in der Wanne rein gar nichts ausmachen. Im Halbschlaf hob er wie automatisch ein Augenlid halb und schien sie irgendwie zu registrieren und zu erkennen, worauf er das Auge wieder schloss und selig weiterschlief. Das nannte man wohl ein Partytier in Reinform.
‚Unglaublich’, dachte sie und machte auch ihm Beine, bevor sie das Bad benutzen konnte. Jetzt blieben eigentlich nicht mehr viele Optionen, wer sich in ihrem Raum noch aufhalten konnte. Etwas zögerlich klopfte sie an ihre Zimmertür. Keine Reaktion.
Leise drückte sie die Klinke herab und öffnete einen Spalt weit. Die Vorhänge waren noch zugezogen, wie sie merkte. Als ihr Blick aufs Bett fiel, gab sie einen kleinen Laut der Verblüffung von sich. Es war unberührt.
Ihre Augenbrauen hoben sich, während sie nun unbefangen eintrat und ihren Raum durchquerte. Daniel hatte doch gesagt, dass sie bei ihm geschlafen hatte, weil jemand anderes ihr Bett zum Übernachten brauchte. Hatte er sich das nur einfallen lassen, um ihre gemeinsame Nacht, so potenziell harmlos sie auch verlaufen war, zu rechtfertigen, oder hatten besagte Personen in aller Herrgottsfrühe das provisorische Nachtlager bereits wieder verlassen? Aber das Bett sah aus, als sei es gar nicht erst benutzt worden ...
Als sie ein leises Grummeln hörte, erstarrte sie. Konnte es sein ...?
Der Anblick, der sich ihr bot, als sie um ihr Bett herumging und der Bettvorleger zwischen Außenwand und Bett in ihr Blickfeld kam, war so befremdend, dass sie zuerst gar nicht wusste, wie sie darauf reagieren sollte.
Auf dem Bettvorleger lagen Thorsten und Miriam tief und fest schlafend. Sie waren vollständig bekleidet und hatten keinerlei Decke oder Ähnliches gegen die Nachtkälte – das Fenster war gekippt – über sich gebreitet, sondern waren einfach nur eng aneinander gekuschelt und spendeten sich so gegenseitig ein wenig Wärme. Ihr ging durch den Kopf, dass es überhaupt nicht so aussah, als sei zwischen ihnen etwas gelaufen. Sie lächelten nicht einmal im Schlaf.
‚Und ich wollte schon Rudolf die Medaille für den schrägsten Schlafplatz verleihen’, dachte sie grinsend. ‚Mann, müssen die voll gewesen sein.’
Sie beschloss, den beiden noch ein paar Minuten zu gönnen und statt dessen vorsichtig bei Simon anzuklopfen. Vielleicht gab es ja noch eine Steigerung all dessen hier und sie fand ihn mitsamt Abbey im Schrank schlafend oder unter dem Bett statt daneben.
Als sie vor der mittleren Zimmertür stand, hörte man bereits Rumoren aus der Küche; allmählich kehrte Leben ein in der Wohnung am Morgen danach. Aus Simons Zimmer kamen nun auch schon gedämpfte Geräusche, die sich nach Geflüster und Gekicher anhörten. Karin verdrehte die Augen und klopfte.
„Jaaaaa?“ Und wieder leises Gekicher.
„Guten Morgen, ich bin’s. Ich wollte nur fragen ...“
„Komm ruhig rein, es ist in Ordnung.“ Simon war offenbar in sehr gelöster Stimmung. Sie verdrehte die Augen kurz und machte dann die Tür auf.
Nachdem sie einen Fuß ins Innere gesetzt hatte, erstarrte sie und stemmte dann die Hände in die Hüften, um zornig zu fragen: „Ihr kommt euch wohl besonders schlau vor, was?“
„Wieso? Wir sind besonders schlau. Guten Morgen übrigens“, antwortete Simon grinsend. Er saß zusammen mit Abbey auf der Bettkante und hielt Händchen; beide sahen sie unschuldig an und lächelten verschmitzt.
„Jaja, euch auch“, winkte sie ab. „Und jetzt erzählt ihr mir bestimmt gleich, ihr seid so die ganze Nacht brav dagesessen und habt euch nur verliebt in die Augen geschaut.“
„Du hast uns durchschaut, genauso ist es nämlich gewesen.“ Abbey kicherte und zwinkerte ihr zu, worauf auch Karin ungewollt lächeln musste.
„Okay, ich wollte euch ja nur sagen, dass wir gemeinsam die Küche aufräumen und dann frühstücken wollen.“ Sie hielt inne beim Gedanken daran. „Jedenfalls diejenigen, die nach dieser Nacht noch fähig sind, etwas zu essen. Ansonsten gibt es frischen Kaffee. Willkommen im Jahr 1997.“
„Danke, ich werde mich sehr wohlfühlen“, rief Abbey ihr nach, als sie die Tür wieder schloss. Da hatten sich ja zwei gefunden – wenn die nicht bekloppt waren, dann wusste sie auch nicht.
[Fortsetzung folgt ...]
Freiburg im Breisgau, Deutschland - 1. Januar 1997
Karin wurde von leisen, unregelmäßigen Klickgeräuschen wach und drehte sich schlaftrunken im Bett um. Ihr Kopf tat höllisch weh von der für sie ungewöhnlich großen Menge an Alkohol, welche ihr in diversesten Darreichungsformen als Folge von verschiedenen unsinnigen Spielen unter leichtem Gruppenzwang und mutwilligem Vorsatz eingeflösst worden war. Sie hatte die Bettdecke bis über den Kopf gezogen und wollte eigentlich von gar nichts etwas wissen in ihrem Zustand. Die Party gestern Abend war total aus dem Ruder gelaufen, an so viel konnte sie sich noch diffus erinnern.
Ein anderes Geräusch kam ihr zu Bewusstsein: das leise Surren des Aufzugs. Es war ein ihr vertrautes Geräusch, denn sie hatte lange in dem Zimmer neben dem Aufzugsschacht gewohnt.
Hatte.
Schlagartig wurde sie vollends wach.
Sie hörte den Aufzug.
Sie war in ihrem alten Zimmer.
Sie war in Daniels Zimmer, in seinem Bett.
Scheiße.
Ruckartig setzte sie sich auf und sah sich um. Die Vorhänge waren noch zugezogen, um sie nicht beim Ausschlafen zu stören, doch CSM 108-1 saß wie immer an seinem PC und surfte durch das Internet. Als er ihrer gewahr wurde, brach er ab und fuhr den PC hinunter. Fröhlich begrüßte er sie: „Guten Morgen, meine Liebe.“
„Wie komme ich hierher?“, sagte sie verstört und wusste gleichzeitig, dass das die falsche Frage gewesen war. Er konnte darauf nur frustriert oder aggressiv reagieren. Sie lag – gottlob in Unterwäsche, wie sie jetzt realisierte – in seinem Bett und fragte ihn, wie sie hierher kam. Was war sie doch für eine Idiotin!
„Ganz einfach: Es ging ein wenig drunter und drüber auf der Feier, vor allem nach drei Uhr. Wir haben von unseren Gästen mehrere Nachfragen erhalten, ob wir ein paar Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen könnten, und du hast dich spontan dazu entschlossen, dein Zimmer herzugeben. Finde ich toll von dir. Dafür wolltest du bei mir bleiben, was für mich in Ordnung war. Wir hatten eine gemütliche Nacht auf meiner kleinen Klappcouch und haben nichts gemacht außer ein wenig geschmust, wenn dich das beruhigt. Wenn du allerdings die Küche siehst, wirst du wahrscheinlich total ausrasten ...“ Er hob beide Arme und grinste.
„Du hast nicht ...?“, begann sie und stöhnte auf, die Augen mit der flachen Hand abschirmend und die Knie an sich heranziehend.
„Nein, du hast nicht. ‚So eine bin ich nicht’, hast du immer gesagt und albern gekichert dabei. Das war total süß.“ Sein Grinsen wurde noch breiter.
Sie stöhnte nochmals gequält und wollte dann wissen: „Was hast du denn gemacht?“
„Ach, nur ein bisschen Anatomie für Anfänger am lebenden Objekt, nichts Besonderes. Nichts, was dir nicht gefallen hätte. Du schienst begeistert zu sein“, fügte er schelmisch hinzu.
Sie überlegte einen Moment und meinte dann nachdenklich: „He, du hast recht. Ich kann mich ganz dunkel erinnern. Es war wirklich toll.“
Karins Mundwinkel hoben sich langsam und ihre Blicke trafen sich.
„Tja, so schnell kann’s gehen“, bemerkte er. „Und wie geht’s jetzt weiter?“
„Abwarten“, meinte sie und fischte mit der Bettdecke vor ihrem Oberkörper nach ihrem T-Shirt. „Lassen wir ein Weilchen verstreichen und reden dann in Ruhe darüber, okay?“
„Hört sich gut an“, stimmte er arglos zu und warf ihr ihre Hose zu, die außerhalb ihrer Reichweite lag. „Ich fange schon mal in der Küche an, bis du einen Menschen aus dir gemacht hast.“
„Oh, wie galant. Du weißt wirklich, was Frauen hören wollen“, versetzte sie gespielt böse.
„Nicht wahr?“, bestätigte er und grinste wieder, worauf sie beim Aufstehen lachen musste. Vor der nächsten Aufgabe allerdings graute ihr ein wenig. Wen würde sie in ihrem Zimmer vorfinden? Sie beschloss, das noch ein paar Minuten aufzuschieben und einstweilen einen Blick in die Küche zu werfen.
Erleichtert stellte sie fest, dass alles halb so schlimm war, wie sie es sich ausgemalt hatte. Wenn alle, die sich hier noch aufhalten mochten, zum Aufräumen zwangsverpflichtet würden, würde alles in einem überschaubaren Zeitrahmen wieder auf Vordermann gebracht werden können. Auf der Couch fand sie auch gleich die ersten beiden ‚Freiwilligen’ vor: Francesco und Arturo, halbwegs übereinander liegend und laut schnarchend. CSM 108-1 schien sie völlig zu ignorieren, während er den Geschirrspüler möglichst leise einräumte. Resolut weckte sie die beiden italienischen Brüder und verdonnerte sie zum Kaffeemachen, bevor sie noch wussten, wie ihnen geschah. Das wäre schon einmal erledigt.
Dann kam ihr Zimmer an die Reihe. Nein, erst noch einen Abstecher ins Badezimmer, beschloss sie.
In der Badewanne lag Rudolf und schlief wie ein Engel. Er machte den Eindruck, als würde er äußerst bequem liegen und als würde ihm die unnatürliche Haltung in der Wanne rein gar nichts ausmachen. Im Halbschlaf hob er wie automatisch ein Augenlid halb und schien sie irgendwie zu registrieren und zu erkennen, worauf er das Auge wieder schloss und selig weiterschlief. Das nannte man wohl ein Partytier in Reinform.
‚Unglaublich’, dachte sie und machte auch ihm Beine, bevor sie das Bad benutzen konnte. Jetzt blieben eigentlich nicht mehr viele Optionen, wer sich in ihrem Raum noch aufhalten konnte. Etwas zögerlich klopfte sie an ihre Zimmertür. Keine Reaktion.
Leise drückte sie die Klinke herab und öffnete einen Spalt weit. Die Vorhänge waren noch zugezogen, wie sie merkte. Als ihr Blick aufs Bett fiel, gab sie einen kleinen Laut der Verblüffung von sich. Es war unberührt.
Ihre Augenbrauen hoben sich, während sie nun unbefangen eintrat und ihren Raum durchquerte. Daniel hatte doch gesagt, dass sie bei ihm geschlafen hatte, weil jemand anderes ihr Bett zum Übernachten brauchte. Hatte er sich das nur einfallen lassen, um ihre gemeinsame Nacht, so potenziell harmlos sie auch verlaufen war, zu rechtfertigen, oder hatten besagte Personen in aller Herrgottsfrühe das provisorische Nachtlager bereits wieder verlassen? Aber das Bett sah aus, als sei es gar nicht erst benutzt worden ...
Als sie ein leises Grummeln hörte, erstarrte sie. Konnte es sein ...?
Der Anblick, der sich ihr bot, als sie um ihr Bett herumging und der Bettvorleger zwischen Außenwand und Bett in ihr Blickfeld kam, war so befremdend, dass sie zuerst gar nicht wusste, wie sie darauf reagieren sollte.
Auf dem Bettvorleger lagen Thorsten und Miriam tief und fest schlafend. Sie waren vollständig bekleidet und hatten keinerlei Decke oder Ähnliches gegen die Nachtkälte – das Fenster war gekippt – über sich gebreitet, sondern waren einfach nur eng aneinander gekuschelt und spendeten sich so gegenseitig ein wenig Wärme. Ihr ging durch den Kopf, dass es überhaupt nicht so aussah, als sei zwischen ihnen etwas gelaufen. Sie lächelten nicht einmal im Schlaf.
‚Und ich wollte schon Rudolf die Medaille für den schrägsten Schlafplatz verleihen’, dachte sie grinsend. ‚Mann, müssen die voll gewesen sein.’
Sie beschloss, den beiden noch ein paar Minuten zu gönnen und statt dessen vorsichtig bei Simon anzuklopfen. Vielleicht gab es ja noch eine Steigerung all dessen hier und sie fand ihn mitsamt Abbey im Schrank schlafend oder unter dem Bett statt daneben.
Als sie vor der mittleren Zimmertür stand, hörte man bereits Rumoren aus der Küche; allmählich kehrte Leben ein in der Wohnung am Morgen danach. Aus Simons Zimmer kamen nun auch schon gedämpfte Geräusche, die sich nach Geflüster und Gekicher anhörten. Karin verdrehte die Augen und klopfte.
„Jaaaaa?“ Und wieder leises Gekicher.
„Guten Morgen, ich bin’s. Ich wollte nur fragen ...“
„Komm ruhig rein, es ist in Ordnung.“ Simon war offenbar in sehr gelöster Stimmung. Sie verdrehte die Augen kurz und machte dann die Tür auf.
Nachdem sie einen Fuß ins Innere gesetzt hatte, erstarrte sie und stemmte dann die Hände in die Hüften, um zornig zu fragen: „Ihr kommt euch wohl besonders schlau vor, was?“
„Wieso? Wir sind besonders schlau. Guten Morgen übrigens“, antwortete Simon grinsend. Er saß zusammen mit Abbey auf der Bettkante und hielt Händchen; beide sahen sie unschuldig an und lächelten verschmitzt.
„Jaja, euch auch“, winkte sie ab. „Und jetzt erzählt ihr mir bestimmt gleich, ihr seid so die ganze Nacht brav dagesessen und habt euch nur verliebt in die Augen geschaut.“
„Du hast uns durchschaut, genauso ist es nämlich gewesen.“ Abbey kicherte und zwinkerte ihr zu, worauf auch Karin ungewollt lächeln musste.
„Okay, ich wollte euch ja nur sagen, dass wir gemeinsam die Küche aufräumen und dann frühstücken wollen.“ Sie hielt inne beim Gedanken daran. „Jedenfalls diejenigen, die nach dieser Nacht noch fähig sind, etwas zu essen. Ansonsten gibt es frischen Kaffee. Willkommen im Jahr 1997.“
„Danke, ich werde mich sehr wohlfühlen“, rief Abbey ihr nach, als sie die Tür wieder schloss. Da hatten sich ja zwei gefunden – wenn die nicht bekloppt waren, dann wusste sie auch nicht.
[Fortsetzung folgt ...]
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