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Montag, 8. Januar 2007
T1.50
cymep, 15:49h
[... Fortsetzung des Buches]
Freiburg im Breisgau, Deutschland - 31. Januar 1997
Wieder einmal saß CSM 108-1 zwischen zwei Vorlesungen im Uni-Café, das so spät am Vormittag bereits ziemlich überfüllt und wie immer total verraucht war. Er saß direkt an der Fensterfläche, die auf den kleinen Platz hinausging, den Heinrich-Rombach-Platz, auf dessen Mitte ein großer alter Kastanienbaum stand und um den herum im Sommer viele dem Café zugehörige Sitzgruppen zum Verweilen einluden. Jetzt im Winter blieb nur der enge Innenraum, auch wenn es draußen heute sonnig und verhältnismäßig mild für die Jahreszeit war.
Er legte die jüngste Ausgabe der FAZ nieder, dessen neuester Artikel ihn weiterhin mit Zuversicht erfüllte, auch wenn es diesmal nur eine Randnotiz war. Die Überschrift alleine hatte ihm schon als Bestätigung genügt:
Nach dem Lesen des Artikels hatte er erneut ein kleines Stückchen Sicherheit hinzugewonnen. Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit und unbehelligt von Systemkritikern und Technikskeptikern nahm das Schicksal der Welt seinen Lauf. Kein Mensch wusste, was geschehen würde, bis auf Sarah Connor, der Mutter des Anführers der künftigen Résistance, und die befand sich seiner historischen Datenbank nach seit fast sieben Jahren in der psychiatrischen Anstalt Pescadero, Orange County, Kalifornien. Diagnose: schwere kataklysmische Paranoia, gepaart mit extremer Aggression und Gewaltbereitschaft. Selbstredend, dass niemand ihr glaubte. Wenn diese Aufzeichnungen korrekt waren – überprüft hatte er sie nicht, denn er wollte sich nicht ohne zwingenden Grund in US-Behördencomputer einhacken –, dann würde sie zum Zeitpunkt des nuklearen Angriffes noch in ihrer Einzelzelle sein, auch wenn sie das Inferno überleben würde. Wie, das wusste man nicht, aber ihr wiederholtes Auftauchen in der Zeit des Krieges der Menschen gegen die Herrschaft der Maschinen bewies das schlüssig.
Nachdenklich winkte er der Bedienung zu und bezahlte seinen Milchkaffee. Wer weiß, vielleicht befand er sich in der Zeitlinie, in der es dem T-1000 gelungen war, John Connor als Kind zu töten, so dass der Menschheit ihr Führer im Widerstand fehlte und sie unterliegen würde. Dann würde er in einer Zukunft geborgen und reaktiviert werden, in der Skynet gewonnen haben würde.
Oder seine Existenz wäre ‚ad absurdum’ und er würde vergessen in seiner Höhle abgeschaltet sein, bis er zerfallen und korrodiert wäre. Keine nette Vorstellung. Doch bislang hatte er selbst nichts getan, das seiner Meinung nach eine solche Veränderung herbeigeführt haben könnte. Schließlich war er nur der Beobachter und Kundschafter.
Der Spion.
Das war eben das Unangenehme an Zeitreisen: Jederzeit konnte man auf etwas Neues und Unerwartetes stoßen und durch eine falsche Reaktion oder Interaktion mit der Umwelt große Veränderungen herbeiführen, die das gesamte Raum-Zeit-Gefüge, wie man es in Erinnerung gehabt hatte, durcheinander brachten.
Als er aufstand und seine Jacke anzog, überlegte er, wie es mit Karin weitergehen sollte. Er war sich nicht sicher, ob sie von ihm erwartete, weitergehendere körperliche Aktivitäten mit ihr durchzuführen, was er zwar einmal schon mit ihr getan hatte, was sie aber als eher harmlose Angelegenheit einstufte. Er musste an die alte 800er Serie denken, die zwar auch schon viele Details wie Schweiß, Mundgeruch und dergleichen aufzuweisen gehabt hatte, aber deren organische Komponente im Vergleich mit ihm doch eher nur als rudimentär anzusehen war. Er wusste zwar, dass Skynet seine menschliche Hülle als voll funktionsfähig ausgelegt hatte, was auch die einzige nennenswerte hydraulische Funktion des männlichen Körpers einschloss, aber ob er so weit gehen sollte, wirklich alle möglichen Funktionen auszuüben? Und sollte es tatsächlich so weit kommen, würde Karin etwas dabei merken? Sein hohes Gewicht war noch immer das größte Manko dabei; in dieser Beziehung würde er sich etwas einfallen lassen müssen.
Gedankenversunken, soweit man das bei ihm so nennen konnte, ging er die schmale, steile Treppe zu den Toiletten hinab und wandte sich den Pissoirs zu. Beim Erleichtern sah er hinab und dachte noch, dass es bestimmt eine seltsame Erfahrung sein würde.
Nach einem langgezogenen Spüllaut öffnete sich die Kabine, aus der ein riesengroßer, hünenhafter Kerl herauskam und ebenso wie er auf das Waschbecken zuhielt. CSM 108-1 war gerade fertig mit Händewaschen und nickte ihm zu, was von dem grobschlächtig aussehenden Typen erwidert wurde. Es war einer von Rudolfs Kommilitonen, erinnerte er sich, da er die beiden schon mehrmals zusammen in der Uni miteinander reden gesehen hatte. Als er sich die Hände unter dem elektrischen Trockner rieb, krempelte der Hüne die Ärmel seines schwarzrot karierten Hemdes hoch, um sich ebenfalls die Hände zu waschen.
CSM 108-1 erstarrte für einen Augenblick und versuchte, das zu verarbeiten, was er da sah.
„Mann, das ist ja eine schräge Tätowierung“, bemerkte er wie beiläufig und lauschte in den Gang hinaus. „Wo hast du die denn her?“
Der Typ wandte ihm sein grobschlächtiges, markantes Gesicht zu und musterte ihn unverwandt. „Ach, die ... aus einem anderen Leben, könnte man sagen.“
Er nickte ernst. „Stimmt genau.“
Die Augen des blonden Riesen weiteten sich und ein Funke der Erkenntnis erschien darin.
Er wollte herumwirbeln, doch CSM 108-1 riss seinen linken Arm in einem Rückwärtsschwung herum. Seine gestreckte Handkante traf ihn mit der vielfachen Wucht eines Baseballschlages im Genick und zerschmetterte seinen sechsten Halswirbel. Mit einem leisen Keuchen sackte der fast zwei Meter große Mann, der mindestens zweihundertfünfzig Pfund wiegen mochte, langsam in sich zusammen, nachdem die Nervenverbindung zu seinem Körper abgebrochen war. CSM 108-1 hielt ihn mühelos aufrecht und ließ ihn dann lautlos zu Boden gleiten.
Auf der Innenseite seines rechten Armes war mit Laser ein Strichcode eingebrannt. CSM 108-1 hatte ihn in Sekundenbruchteilen gelesen: Gefangenenlager 73034, Objekt 1295748. Er war einer der Häftlinge gewesen, die bei dem Überfall der Rebellen am 02.05.2026 auf jenes Vernichtungslager befreit worden waren, um fortan gegen die Maschinen zu kämpfen. Diese Standardidentifikation von Skynet hatte ihn verraten.
Er verspritzte etwas Wasser auf den Boden neben seinen Füßen, damit es so aussehen sollte, als sei er auf den nassen Fliesen ausgerutscht. Mit einem kurzen Faustschlag zertrümmerte er eine der Kacheln an der gegenüberliegenden Wand, wo er mit dem Kopf angestoßen sein mochte. Die Augen des Mannes bewegten sich schwach, er schien noch zu leben. Nun, in etwa einer Minute würde es vorbei sein. Und Schmerzen hatte er auch kaum empfinden können angesichts des durchtrennten Rückenmarks.
CSM 108-1 hob die Beine des massigen Kerls an und schlüpfte auf den Gang hinaus. Als er die Tür schloss, rutschten seine Beine herab und blockierten die Tür von innen. Wer auch immer ihn finden würde, würde zunächst Probleme haben, in den engen Waschraum zu gelangen.
Als er die Treppe hochstieg und sich durch das Café zum Ausgang bewegte, nahm niemand Notiz von ihm. Vorhin noch hatte er sich wieder einmal über sein gewollt unauffälliges Aussehen geärgert, weil er der Bedienung dreimal hatte zuwinken müssen, bis diese realisiert hatte, dass er zahlen wollte. Jetzt stellte es sich wieder einmal heraus, dass die Vorteile der von Skynet für ihn ausgewählten menschlichen Hülle doch überwogen.
Als er hinausging, nahm er aus dem Augenwinkel wahr, wie eine junge Frau die Treppe hinabstieg. Da die Herren- und Damentoiletten jedoch getrennte Eingänge aufwiesen, sollte sie nichts bemerken. Erst wenn der nächste männliche Gast ein dringendes Bedürfnis verspüren würde, würde der grausige Fund bemerkt werden, doch er würde dann schon lange weg sein.
Und wieder einmal regte er sich hochgradig über die automatisierten Grundfunktionen auf, die Skynet ihm implantiert hatte und die bei Bedarf – nicht allerdings bei seinem Bedarf – seine CPU übernahmen und alle freien Entscheidungen von ihm überlagerten. Er hätte diesen Kerl nicht umgebracht, sondern verfolgt, um herauszufinden, mit wem er noch alles in Kontakt treten würde. So hätte er wahrscheinlich in kurzer Zeit alle Attentäter aus der Zukunft identifizieren und lokalisieren können. Der zweite Terminator hätte dann leichtes Spiel bei der Eliminierung der Zielpersonen gehabt.
Aber nein, Skynet wusste ja alles besser, auch wenn er Jahrzehnte in der Zukunft saß und nichts von dem, was er hier erfuhr, aus erster Hand beurteilen und Optionen abwägen konnte, so wie er das vermochte. Das Ergebnis: nur ein toter Attentäter, bestimmt aber nicht der einzige, und alle anderen waren jetzt gewarnt und auf der Hut. Vielleicht würden sie ihre Bemühungen sogar noch verstärken, den Entdecker des ZVA-Effektes zu eliminieren. Gut, er konnte sich höchstens unauffällig umsehen, ob sich gewisse Leute nach dieser Tat verdächtig oder sonst irgendwie anders benahmen; das war jedoch nur ein Strohhalm, wie er wusste. Sie würden zu gut ausgebildet sein, um sich zu verraten, vor allem jetzt, da sie dank dieses unsinnigen ‚schlafenden Befehls’ wussten, dass ein Fehler ihr Ende und das Scheitern ihrer Mission bedeuten konnte.
Eigentlich hätte ihn diese einprogrammierte Reaktion nicht weiter verwundern dürfen. Schließlich war er noch immer ein Terminator und hatte seine Mission zu erfüllen. Und dass Skynet derjenige war, der das Sagen hatte und im Zweifelsfalle auch über seinen Kopf hinweg entschied, wie diese Mission zu erfüllen war, stand hiermit einmal mehr außer Zweifel.
[Fortsetzung folgt ...]
Freiburg im Breisgau, Deutschland - 31. Januar 1997
Wieder einmal saß CSM 108-1 zwischen zwei Vorlesungen im Uni-Café, das so spät am Vormittag bereits ziemlich überfüllt und wie immer total verraucht war. Er saß direkt an der Fensterfläche, die auf den kleinen Platz hinausging, den Heinrich-Rombach-Platz, auf dessen Mitte ein großer alter Kastanienbaum stand und um den herum im Sommer viele dem Café zugehörige Sitzgruppen zum Verweilen einluden. Jetzt im Winter blieb nur der enge Innenraum, auch wenn es draußen heute sonnig und verhältnismäßig mild für die Jahreszeit war.
Er legte die jüngste Ausgabe der FAZ nieder, dessen neuester Artikel ihn weiterhin mit Zuversicht erfüllte, auch wenn es diesmal nur eine Randnotiz war. Die Überschrift alleine hatte ihm schon als Bestätigung genügt:
‚Skynet’ hält Einzug in US-Verteidigungszentrum
Umbauarbeiten bei NORAD, der NORth Atlantic Defense im Cheyenne Mountain, Colorado, abgeschlossen – Supercomputer wird nach Montage komplette strategische Verteidigung der USA sowie der westlichen Welt übernehmen – System funktionierte bei Testlauf völlig fehlerfreiNach dem Lesen des Artikels hatte er erneut ein kleines Stückchen Sicherheit hinzugewonnen. Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit und unbehelligt von Systemkritikern und Technikskeptikern nahm das Schicksal der Welt seinen Lauf. Kein Mensch wusste, was geschehen würde, bis auf Sarah Connor, der Mutter des Anführers der künftigen Résistance, und die befand sich seiner historischen Datenbank nach seit fast sieben Jahren in der psychiatrischen Anstalt Pescadero, Orange County, Kalifornien. Diagnose: schwere kataklysmische Paranoia, gepaart mit extremer Aggression und Gewaltbereitschaft. Selbstredend, dass niemand ihr glaubte. Wenn diese Aufzeichnungen korrekt waren – überprüft hatte er sie nicht, denn er wollte sich nicht ohne zwingenden Grund in US-Behördencomputer einhacken –, dann würde sie zum Zeitpunkt des nuklearen Angriffes noch in ihrer Einzelzelle sein, auch wenn sie das Inferno überleben würde. Wie, das wusste man nicht, aber ihr wiederholtes Auftauchen in der Zeit des Krieges der Menschen gegen die Herrschaft der Maschinen bewies das schlüssig.
Nachdenklich winkte er der Bedienung zu und bezahlte seinen Milchkaffee. Wer weiß, vielleicht befand er sich in der Zeitlinie, in der es dem T-1000 gelungen war, John Connor als Kind zu töten, so dass der Menschheit ihr Führer im Widerstand fehlte und sie unterliegen würde. Dann würde er in einer Zukunft geborgen und reaktiviert werden, in der Skynet gewonnen haben würde.
Oder seine Existenz wäre ‚ad absurdum’ und er würde vergessen in seiner Höhle abgeschaltet sein, bis er zerfallen und korrodiert wäre. Keine nette Vorstellung. Doch bislang hatte er selbst nichts getan, das seiner Meinung nach eine solche Veränderung herbeigeführt haben könnte. Schließlich war er nur der Beobachter und Kundschafter.
Der Spion.
Das war eben das Unangenehme an Zeitreisen: Jederzeit konnte man auf etwas Neues und Unerwartetes stoßen und durch eine falsche Reaktion oder Interaktion mit der Umwelt große Veränderungen herbeiführen, die das gesamte Raum-Zeit-Gefüge, wie man es in Erinnerung gehabt hatte, durcheinander brachten.
Als er aufstand und seine Jacke anzog, überlegte er, wie es mit Karin weitergehen sollte. Er war sich nicht sicher, ob sie von ihm erwartete, weitergehendere körperliche Aktivitäten mit ihr durchzuführen, was er zwar einmal schon mit ihr getan hatte, was sie aber als eher harmlose Angelegenheit einstufte. Er musste an die alte 800er Serie denken, die zwar auch schon viele Details wie Schweiß, Mundgeruch und dergleichen aufzuweisen gehabt hatte, aber deren organische Komponente im Vergleich mit ihm doch eher nur als rudimentär anzusehen war. Er wusste zwar, dass Skynet seine menschliche Hülle als voll funktionsfähig ausgelegt hatte, was auch die einzige nennenswerte hydraulische Funktion des männlichen Körpers einschloss, aber ob er so weit gehen sollte, wirklich alle möglichen Funktionen auszuüben? Und sollte es tatsächlich so weit kommen, würde Karin etwas dabei merken? Sein hohes Gewicht war noch immer das größte Manko dabei; in dieser Beziehung würde er sich etwas einfallen lassen müssen.
Gedankenversunken, soweit man das bei ihm so nennen konnte, ging er die schmale, steile Treppe zu den Toiletten hinab und wandte sich den Pissoirs zu. Beim Erleichtern sah er hinab und dachte noch, dass es bestimmt eine seltsame Erfahrung sein würde.
Nach einem langgezogenen Spüllaut öffnete sich die Kabine, aus der ein riesengroßer, hünenhafter Kerl herauskam und ebenso wie er auf das Waschbecken zuhielt. CSM 108-1 war gerade fertig mit Händewaschen und nickte ihm zu, was von dem grobschlächtig aussehenden Typen erwidert wurde. Es war einer von Rudolfs Kommilitonen, erinnerte er sich, da er die beiden schon mehrmals zusammen in der Uni miteinander reden gesehen hatte. Als er sich die Hände unter dem elektrischen Trockner rieb, krempelte der Hüne die Ärmel seines schwarzrot karierten Hemdes hoch, um sich ebenfalls die Hände zu waschen.
CSM 108-1 erstarrte für einen Augenblick und versuchte, das zu verarbeiten, was er da sah.
„Mann, das ist ja eine schräge Tätowierung“, bemerkte er wie beiläufig und lauschte in den Gang hinaus. „Wo hast du die denn her?“
Der Typ wandte ihm sein grobschlächtiges, markantes Gesicht zu und musterte ihn unverwandt. „Ach, die ... aus einem anderen Leben, könnte man sagen.“
Er nickte ernst. „Stimmt genau.“
Die Augen des blonden Riesen weiteten sich und ein Funke der Erkenntnis erschien darin.
Er wollte herumwirbeln, doch CSM 108-1 riss seinen linken Arm in einem Rückwärtsschwung herum. Seine gestreckte Handkante traf ihn mit der vielfachen Wucht eines Baseballschlages im Genick und zerschmetterte seinen sechsten Halswirbel. Mit einem leisen Keuchen sackte der fast zwei Meter große Mann, der mindestens zweihundertfünfzig Pfund wiegen mochte, langsam in sich zusammen, nachdem die Nervenverbindung zu seinem Körper abgebrochen war. CSM 108-1 hielt ihn mühelos aufrecht und ließ ihn dann lautlos zu Boden gleiten.
Auf der Innenseite seines rechten Armes war mit Laser ein Strichcode eingebrannt. CSM 108-1 hatte ihn in Sekundenbruchteilen gelesen: Gefangenenlager 73034, Objekt 1295748. Er war einer der Häftlinge gewesen, die bei dem Überfall der Rebellen am 02.05.2026 auf jenes Vernichtungslager befreit worden waren, um fortan gegen die Maschinen zu kämpfen. Diese Standardidentifikation von Skynet hatte ihn verraten.
Er verspritzte etwas Wasser auf den Boden neben seinen Füßen, damit es so aussehen sollte, als sei er auf den nassen Fliesen ausgerutscht. Mit einem kurzen Faustschlag zertrümmerte er eine der Kacheln an der gegenüberliegenden Wand, wo er mit dem Kopf angestoßen sein mochte. Die Augen des Mannes bewegten sich schwach, er schien noch zu leben. Nun, in etwa einer Minute würde es vorbei sein. Und Schmerzen hatte er auch kaum empfinden können angesichts des durchtrennten Rückenmarks.
CSM 108-1 hob die Beine des massigen Kerls an und schlüpfte auf den Gang hinaus. Als er die Tür schloss, rutschten seine Beine herab und blockierten die Tür von innen. Wer auch immer ihn finden würde, würde zunächst Probleme haben, in den engen Waschraum zu gelangen.
Als er die Treppe hochstieg und sich durch das Café zum Ausgang bewegte, nahm niemand Notiz von ihm. Vorhin noch hatte er sich wieder einmal über sein gewollt unauffälliges Aussehen geärgert, weil er der Bedienung dreimal hatte zuwinken müssen, bis diese realisiert hatte, dass er zahlen wollte. Jetzt stellte es sich wieder einmal heraus, dass die Vorteile der von Skynet für ihn ausgewählten menschlichen Hülle doch überwogen.
Als er hinausging, nahm er aus dem Augenwinkel wahr, wie eine junge Frau die Treppe hinabstieg. Da die Herren- und Damentoiletten jedoch getrennte Eingänge aufwiesen, sollte sie nichts bemerken. Erst wenn der nächste männliche Gast ein dringendes Bedürfnis verspüren würde, würde der grausige Fund bemerkt werden, doch er würde dann schon lange weg sein.
Und wieder einmal regte er sich hochgradig über die automatisierten Grundfunktionen auf, die Skynet ihm implantiert hatte und die bei Bedarf – nicht allerdings bei seinem Bedarf – seine CPU übernahmen und alle freien Entscheidungen von ihm überlagerten. Er hätte diesen Kerl nicht umgebracht, sondern verfolgt, um herauszufinden, mit wem er noch alles in Kontakt treten würde. So hätte er wahrscheinlich in kurzer Zeit alle Attentäter aus der Zukunft identifizieren und lokalisieren können. Der zweite Terminator hätte dann leichtes Spiel bei der Eliminierung der Zielpersonen gehabt.
Aber nein, Skynet wusste ja alles besser, auch wenn er Jahrzehnte in der Zukunft saß und nichts von dem, was er hier erfuhr, aus erster Hand beurteilen und Optionen abwägen konnte, so wie er das vermochte. Das Ergebnis: nur ein toter Attentäter, bestimmt aber nicht der einzige, und alle anderen waren jetzt gewarnt und auf der Hut. Vielleicht würden sie ihre Bemühungen sogar noch verstärken, den Entdecker des ZVA-Effektes zu eliminieren. Gut, er konnte sich höchstens unauffällig umsehen, ob sich gewisse Leute nach dieser Tat verdächtig oder sonst irgendwie anders benahmen; das war jedoch nur ein Strohhalm, wie er wusste. Sie würden zu gut ausgebildet sein, um sich zu verraten, vor allem jetzt, da sie dank dieses unsinnigen ‚schlafenden Befehls’ wussten, dass ein Fehler ihr Ende und das Scheitern ihrer Mission bedeuten konnte.
Eigentlich hätte ihn diese einprogrammierte Reaktion nicht weiter verwundern dürfen. Schließlich war er noch immer ein Terminator und hatte seine Mission zu erfüllen. Und dass Skynet derjenige war, der das Sagen hatte und im Zweifelsfalle auch über seinen Kopf hinweg entschied, wie diese Mission zu erfüllen war, stand hiermit einmal mehr außer Zweifel.
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