Montag, 5. März 2007
ST2.3
[Fortsetzung der 2. StarTrek Fanfiction (Teil 1 hier herunterladen) ]


„Das war also die gemütliche Phase,“ bemerkte Leardini knapp zwei Wochen später, als sie die Sternenbasis 149 verließen, nachdem sie ihre volle Besatzung aufgenommen hatte, fast eintausend Personen mit den üblichen Zivilisten und Familienangehörigen der Crewmitglieder, die ständig an Bord eines so großen Schiffes wie dem einer Galaxy-Klasse waren.
Sie befahl Sicht nach hinten auf den Hauptmonitor, so daß alle auf der Brücke die gewaltige Station beobachten konnten, die nun bei halbem Impuls Beschleunigung von ihnen rasch kleiner wurde. Um die Sternenbasis herum kreiste die U. S. S. Gorkon, ein altes Schiff der Excelsior-Klasse, das zum Schutz von Starbase 149 abgestellt war. Durch ihre Lage war diese völlig exponiert, sozusagen eine Enklave umgeben von klingonischem Raum. Die Besatzung war auf ein Minimum herabgefahren worden, seit die Kampfhandlungen begonnen hatten, um keine Zivilisten in Gefahr zu bringen, sodaß nur noch das Personal da war, das eben noch zum Betrieb der Station benötigt wurde. Nur selten noch wurde sie von Handelsschiffen oder Passagierraumern angeflogen, so daß die Ankunft von Hunderten von Zivilisten, die von der Fairchild abgeholt wurden, ein nicht unerhebliches Risiko dargestellt hatte. Zum Schutz der Raumbasis war die U.S.S. Gorkon abgestellt worden, was in Leardinis Augen ein reichlich dürftiger Schutz war. Es war eher ein psychologischer Taschenspielertrick der Föderation, der auf der - ihrer Meinung nach schwachen - Hoffnung aufbaute, die Klingonen würden ein Föderationsschiff verschonen, das nach dem berühmten Kanzler des Klingonischen Reiches benannt worden war, welcher bei den diplomatischen Bemühungen im Vorfeld des Friedensschlusses von Khitomer von Hardlinern beider Parteien ermordet worden war.
„So, die armen Knöpfe müssen jetzt wieder alleine klarkommen. Ich kann mir denken, daß unser Anblick ihnen sicherlich das Gefühl von Sicherheit vermittelt hat.“ Counselor Kall sah mit zaghafter Miene auf die beinahe nicht mehr sichtbare Silhouette der Station.
„Das glaube ich Ihnen gerne, Sam. Blick nach vorne, Kurs auf Deep Space Nine bestätigen.“
Einen Moment später erschien der schwarze, sternenübersäte Himmel vor ihnen. Die Vulcanierin Vakuf, die ihren Platz an den Navigationskontrollen eingenommen hatte, antwortete: „Kurs liegt an. Geschwindigkeit jetzt voller Impuls, c 0,25.“
„Gehen Sie auf Warp 9,9. Beschleunigen.“ Daraufhin begannen die Sterne auf dem Schirm sich allmählich auseinanderzuziehen und in allen Regenbogenfarben zu schillern, als die Fairchild von den Warpfeldspulen in den hinteren Pylonen mit einem weißblauen Aufblitzen in ein Subraumfeld gehüllt wurde und die Lichtgeschwindigkeit offenbar mühelos überschritt. Bald schon stürzten die Sterne scheinbar auf sie zu und rasten in alle Richtungen auseinander und an ihnen vorbei nach hinten aus dem Sichtfeld.
Vakuf meldete: „Warp 9,9 liegt an Commander, Kurs DS9, geschätzte Ankunftszeit im Denorius-Gürtel des bajoranischen Systems zweiundzwanzig Tage achtzehn Stunden.“
„Brücke an Maschinenraum. Bericht,“ forderte Leardini.
„Hier Nidor, Commander. Die Maschinen arbeiten innerhalb normaler Parameter, Energieausstoß des Warpkerns stabil.“ In der üblicherweise gänzlich unbewegten Stimme der Vul-canierin schwang eine Spur des Stolzes mit.
„Gut, halten Sie uns über Veränderungen auf dem Laufenden. Brücke Ende.“ Leardini sah mit erstarrter Miene auf den Schirm. „Jetzt liegen erst einmal knapp 261 Lichtjahre klingonisches Territorium und von Klingonen besetztes cardassianisches Gebiet vor uns. Was meinen Sie dazu, Mr. Kazuki?“
„Wenn wir nicht direkt einem getarnten klingonischen Schlachtkreuzer vor den Bug fliegen, sollte es keine ernsteren Probleme geben. Ich empfehle jedoch trotzdem den Einsatz der Schilde, da durch ihre Geometrie unsere Signatur auf ihren Langreichweiten-Sensoren verwischt wird, wie unsere ersten Erfahrungen zeigen. Wir können froh sein, daß ihre Sensorentechnik nicht noch ausgefeilter ist. Andererseits bietet alleine schon unsere enorme Geschwindigkeit einen vorzüglichen Schutz. Die Bird of Preys der B’Rel-Klasse fliegen bis zu Warp acht und können für maximal fünf Minuten auf Warp 9,6 gehen, und selbst dann sind wir immer noch um mehr als die Hälfte schneller. Dadurch ist es beinahe unmöglich, einen Abfangkurs zu erreichen, auf dem sich unsere Positionen kreuzen können. Sie sind einfach zu langsam. Wahrscheinlich werden sie, falls wir auf ihren Schirmen erscheinen, aufgrund unserer Geschwindigkeit und des undeutlichen Signales denken, wir wären ein Schiff der Intrepid-Klasse.“ Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Wenigstens einer, der an unserer Lage etwas Amüsantes findet. Wir fliegen jetzt zum ersten von vier Malen ein Stück weit in klingonisch kontrolliertes Territorium ein. Dann wollen wir mal sehen, ob Sie richtig liegen, Lieutenant. Alarm Gelb, Schilde hoch.“
„Aye, Sir.“ Unwillkürlich stieg die unterschwellige Spannung auf dem Schiff weiter, als der gelbe Alarm durchgegeben wurde.



Lennard wußte nicht, warum er erwacht war. Vielleicht war es das leise Grummeln von seinem Haustier Ghor, einem ausgewachsenen Alpha-Reptil mit gedrungenem Körperbau, furchterregendem Aussehen und einer Größe von fast einem Meter sowie über vierzig kg Ge-wicht, das jedoch sehr zutraulich war und über dieselbe Intelligenz wie etwa ein Schimpanse der Erde verfügte. Momentan lag er friedlich zusammengerollt im Körbchen in seiner Zimmerecke. Er hatte sich beim Umzug seinen Schlafplatz selbst aussuchen dürfen, was auch ganz gut geklappt hatte, nachdem Lennard ihn davon überzeugt hatte, daß das große Doppelbett unter den Fenstern nicht für ihn gedacht war.
Schlaftrunken sah er hinaus auf die unendlichen Weiten und den wundervollen Anblick der vorbeirasenden Sternenbänder, vom Warpeffekt verzerrt und entfremdet und dennoch auf eine ganz besondere Weise unvergleichlich schön. Seine Gedanken schweiften ab...
„Roter Alarm! Captain und Führungsoffiziere auf die Brücke!“ Begleitet von einem gequälten Quäkton und rot aufleuchtenden Lichtbändern unter der Zimmerdecke ließ diese Durchsage ihn binnen kürzester Zeit hellwach werden. Was war nur geschehen? Soweit er sehen konnte, flogen sie weiterhin mit Warpantrieb.
„Was für ein Mist! Was ist denn jetzt schon wieder passiert?“ Neben ihm fuhr Leardini auf und fiel mehr aus dem Bett, als daß sie hinausstieg. Hastig streifte sie ihre Unterwäsche über und glitt dann in ihre Uniform.
„Dieses Mal überlasse ich dir den ersten Turbolift; das wird deiner Bewertung zugutekommen.“ Lennard ließ sich deutlich mehr Zeit beim Ankleiden und grinste amüsiert über ihre gehetzte Miene.
„Meine Bewertung ist auch so gut genug,“ versetzte sie ärgerlich, „falls ich mir diese Bemerkung erlauben darf. Ich möchte bloß wissen ,was da los ist.“
„Bis gleich.“ Nach einem flüchtigen Abschiedskuß hastete sie zur Tür, deren Hälften sich mit einem leisen Zischen öffneten. Sie spähte einen Moment lang hinaus und war dann auf dem Gang, während er noch in seine Schuhe schlüpfte. Insgeheim fragte er sich, wem diese kleine Scharade nützen sollte, die sie da veranstalteten. Mittlerweile war es ein offenes Geheimnis an Bord, daß sich zwischen ihnen etwas abspielte. Was und wieviel des war, verbargen sie im Dienst durch ihre Professionalität. Doch bei rotem Alarm mitten in der Nacht nicht im gleichen Turbolift auf der Brücke zu erscheinen, grenzte schon an alberne Kinderspielchen. Immerhin war sie es, die das vorgeschlagen hatte, wohl aus Angst um die Konsequenzen, die das öffentliche Bekanntwerden ihrer Liaison nach sich ziehen könnte. Für ihn war das indes ein indirekter Liebesbeweis ihrerseits, was sein Herz höher schlagen ließ.
Unter dem in solchen Situationen üblichen quengelnden Protestquieken von Ghor, der nicht verstand, daß sein ‘Herrchen’ ihn einfach so mitten in der Nacht alleine ließ, trat er auf den Gang hinaus und steuerte mit weit ausholenden Schritten den nächsten Turbolift an. Er mußte nur wenige Sekunden warten, bis eine Kabine eintraf und er mit einem jungen Fähnrich zusammen hineintrat, der wohlweislich keine Zielangabe aussprach, um den Captain auf seinem Weg zur Kommandozentrale des Schiffes nicht aufzuhalten.
Mit einem dankbaren Nicken sagte er: „Hauptbrücke, Deck Eins,“ was eigentlich überflüssig war, da eine der beiden Angaben alleine für dieses Ziel vollauf genügten. Es war eine der wenigen kleinen Marotten des Captains, wie seine Unterlassung, an Bord des Schiffes seinen Kommunikator durch Antippen mit der Hand zu aktivieren, weil das wiederum ebenfalls nicht notwendig war, da die nächsten Stimmrezeptoren auf ein gesprochenes Kommando hin die internen Kommunikationssysteme aktivierten. Die meisten Besatzungsmitglieder jedoch taten das trotzdem, wahrscheinlich aus alter Gewohnheit.
„Computer, welche Bordzeit haben wir?“ wollte er wissen.
Nach dem Aktivierungston antwortete die weiche Synthetikstimme einer Frau: „Es ist drei Uhr zweiundfünfzig.“
Im selben Moment öffneten sich die Turbolifttüren und gaben den Blick auf die Brücke frei, worauf Lennard dem jungen Fähnrich zunickte und ausstieg. Ein diensttuender Lieutenant rief: „Captain auf der Brücke!“
„Zwei Minuten zwölf Sekunden. Nicht übel,“ bemerkte eine gutgelaunte und taufrische Kall aus dem Kommandantensessel heraus.
Lennard sah, daß Leardini bereits in ihrem Platz rechts neben ihr saß und sagte förmlich: „Bericht, Counselor.“
„Captain, ich habe soeben eine Alarmübung gestartet.“ Sie sah auf die Armlehnendisplays und fuhr fort: „Alle Stationen melden volle Einsatzbereitschaft nach zwei Minuten siebenundzwanzig Sekunden. Damit ist die zweite der drei Übungsansätze, die Sie jedem Führungsoffizier auf unserem Flug zugewiesen haben, von mir beansprucht worden. Den letzten werde ich mir für eine ganz besondere Gelegenheit aufheben, glauben Sie mir.“
Lennard stöhnte. „Alarm Rot aufheben, Übung offiziell beenden, wieder auf gelben Alarm gehen. Sam, haben sie eigentlich auf die Uhr gesehen?“
„Selbstverständlich. Kurz vor vier Uhr morgens ist die Aufmerksamkeit der Nacht- oder auch Gamma-Schicht am niedrigsten, die anderen beiden Schichten schlafen für gewöhnlich tief und fest um diese Zeit. Ideal meiner Meinung nach, um die Einsatzbereitschaft der Fairchild zu testen.“ Sie nickte ihm wohlwollend lächelnd zu.
„Ich bin ein paar Minuten vor dem Auslösen erwacht. Seltsam, nicht wahr?“ bemerkte er mit einem forschenden Unterton.
Sie erwiderte mit ihrem breiten, entwaffnenden Grinsen: „Sie als Captain haben natürlich einen siebten Sinn für so etwas. Wirklich beneidenswert.“
„Schon gut. Stellen Sie sich ruhig schon ‘mal darauf ein, daß ich Sie morgen früh... ich meine, nachher, eine gute halbe Stunde später als geplant ablösen werde. Frohen Dienst noch, Gamma-Schicht.“ Unter dem schadenfrohen Gekicher der Brückencrew und der sauren Miene der Counselor verließ Lennard die Brücke und fuhr zurück auf sein Quartier.
„Das ist ungerecht!“ beschwerte die junge Betazoide sich bei der Ersten Offizierin. „Dabei habe ich ihn extra ganz subtil geweckt, bevor ich den Alarm befohlen habe.“
„Dachte ich’s mir doch! Wann werden Sie endlich damit aufhören?“ wollte Leardini resignierend wissen.
„Ich glaube... vermutlich nie,“ war die freche Antwort.
„Da würd’ mir auch was fehlen,“ entgegnete ihr Gegenüber ironisch und machte sich ebenfalls auf, zum Turbolift zu gehen und den Rest der Nacht noch zu versuchen, etwas Schlaf zu bekommen.

[Fortsetzung folgt morgen...]

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