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Mittwoch, 7. März 2007
ST2.4
cymep, 16:23h
ST2.4
[Fortsetzung der 2. StarTrek Fanfiction (Teil 1 hier herunterladen) ]
Sie gingen unter Warp und in den Endanflug auf Deep Space Nine über. Nach gut drei Wochen Flug mit Dauerhöchstgeschwindigkeit hatte sich gezeigt, daß die Fairchild bereit für ihren Auftrag war, wie auch immer er lauten mochte. Die ständigen unerwarteten Übungen hatten dafür gesorgt, daß auch die Besatzung auf einem Höchstmaß der Einsatzbereitschaft war. Es war teilweise sogar eine Art Scherz geworden, die die Führungsoffiziere untereinander getrieben hatten, indem sie sich gegenseitig in den verschiedensten Momenten, vorzugsweise natürlich dann, wenn der Leidtragende es am wenigsten erwartete, mit einem Übungsalarm überraschten. Dabei entstanden mitunter klamaukartige Szenen und vereinzelt auch böses Blut; den besten Effekt jedoch erzielte Leardini, indem sie Kall keine zehn Minuten nach ihrem - schon ungeduldig erwarteten - Schichtende direkt von der Toilette geholt hatte. Da sich die Nummer Eins diesen Alarm speziell für eine solche Gelegenheit bis fast zum Ende dieser Etappe aufbehalten hatte, trug die Counselor danach unaufholbar die rote Laterne der schlechtesten Reaktionszeit.
Darrn meldete: „Captain, die Ops von DS9 ruft uns.“
„Auf den Schirm, Lieutenant Commander.“ Erwartungsvoll setzte Lennard sich ein bißchen aufrechter, um einen möglichst korrekten Eindruck zu machen.
Nun tauchte auf dem Schirm vor ihnen das Gesicht einer Bajoranerin in den Dreißigern mit großen, dunklen Augen und kurz frisierten rötlichen Haaren in Großaufnahme auf. Das auffälligste Merkmal an ihr war der traditionelle bajoranische Ohrschmuck. Sie zögerte noch einen Moment und zog die charakteristischen Querfalten auf ihrem Nasenrücken ein wenig kraus, bevor sie registrierte, daß die Verbindung stand. Dann breitete sich ein freundliches Lächeln auf ihrem Gesicht aus. „Willkommen auf Deep Space Nine, Föderationsschiff Fairchild. Ich bin Kira Nerrys, Erster Offizier der Station und Major des Bajoranischen Militärs.“
„Vielen Dank, Major Kira; ich bin Captain Kyle Lennard. Wir freuen uns schon alle auf unseren Zwischenstop hier, auch wenn er leider viel zu kurz sein wird.“ Er nickte der Frau in der roten Uniform höflich zu.
„Bitte docken Sie am oberen Pylonen zwei an; ich beginne jetzt mit der Übermittlung des Leitstrahles und wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt auf DS9. Captain Sisko erwartet Sie bereits am Andockkragen. Kira Ende.“
„Sehr zuvorkommend, nicht wahr? Wenn man bedenkt, was sie hier draußen schon alles mitgemacht haben... Cardassianer, Dominion, Klingonen...“ Kall wirkte nachdenklich.
Leardini sagte darauf: „Wahrscheinlich haben sie gelernt, damit zu leben. Das muß man wohl, denke ich. Wollen wir uns auf den Weg machen, Captain?“
Lennard nickte und stand auf. „Mr. Darrn, übernehmen Sie die Brücke. Counselor, begleiten Sie uns zum Andockkragen?“
„Ja, Sir.“ Ein wenig widerwillig erhob sich auch Kall und folgte ihren Vorgesetzten zum nächsten Turbolift, während der Kapitänssessel vom klingonischen Ops-Offizier und die freigewordenen Positionen von der Bereitschaftscrew eingenommen wurden.
Sie bestiegen den Lift, worauf Lennard angab: „Deck 25, Andockschleuse steuerbord.“
Auf der Fahrt schwiegen sie eine Weile, bis Leardini dann leicht beklommen fragte: „Was wirst du dem Captain sagen, wenn er den Grund unserer Reise in den Gamma-Quadranten wissen will?“
„Das, was ich auch der Mannschaft in der Vorbesprechung gesagt habe. Wenn das Oberkommando sie nicht informiert hat, darf ich das auch nicht tun, selbst wenn sie noch so sehr darauf bestehen.“ Er seufzte leise angesichts seiner Lage.
Dann kamen sie an der Andockschleuse an und verließen den Turbolift. Zum Schleusentor des Schiffes waren es nur noch wenige Schritte. Mehrere Fähnriche der Sicherheit standen bereits auf ihren vorgeschriebenen Posten und grüßten, als die Führungsoffiziere eintrafen.
Lennard trat an eines der beiden kleinen Bullaugen rechts und links des Tores, um den Endanflug der Fairchild auf den ihr zugewiesenen Andockmast beobachten zu können. Die Grundform der Station war die eines Rades mit drei stabilen Speichen, welche einen kleineren Habitatring und den zentralen Kern der Station mit ihm verbanden. Aus diesem äußeren Ring ragten nach oben und unten jeweils drei lange, leicht nach innen gebogene und fragil wirkende Träger, welche jedoch problemlos das Andocken auch von großen Schiffen, wie ihrem zum Beispiel, ermöglichten. Lennard erinnerten sie an gigantische Rippen.
Der Anblick aus dieser Perspektive war einfach atemberaubend; um an dem für Schiffe der Galaxy-Klasse geeigneten oberen Pylonen der Station anzudocken, mußten sie zwischen die drei Streben fliegen und sich von der Innenseite her an den zugewiesenen Dockkragen ganz am Ende des Ausläufers heranmanövrieren. Beim Rangieren mit den Manöverdüsen studierte Lennard die Form der Konstruktion, die ganz unverkennbar nicht aus der Föderation stammte. Nach allem, was er wußte, war sie von Cardassianern während deren Besatzungszeit auf Bajor als Erzverarbeitungsanlage unter dem Namen ‘Terok Nor’ gebaut worden. Nach dem Abzug der Besatzer war sie von der provisorischen bajoranischen Regierung übernommen worden, mit der Föderation als Betreiber.
Nur Sekunden nach dem bemerkenswert sanften Andocken öffneten sich die großen Schleusentore. Auf der Stationsseite befand sich ein rundes Portal, dessen Verschlußstück aussah wie ein mannshohes Zahnrad, als es zur Seite rollte und den Weg freigab auf einen Gang, der nach mehreren Metern an einem weiteren ‘Zahnrad’ endete. Stern und Lennard sahen sich einen Moment lang unschlüssig an und betraten dann den Gang, wobei Lennard sich gar bücken mußte, um sich nicht den Kopf zu stoßen. Durch transparente Einsätze in dem Tor konnte man erkennen, daß jemand hinter ihm wartete.
Sie hatten es beinahe erreicht, als es sich öffnete und den Blick auf einen dürftig beleuchteten Korridor freigab. Lennard erkannte Captain Sisko gleich nach dem Bild in dessen Personalakte, auch wenn er inzwischen statt kurzem, schwarzen Haar eine Glatze und einen Bart um die Mund- und Kinngegend trug. Er war ein kräftig gebauter, respekteinflößender Schwarzer im Alter von etwa vierzig Jahren (an sein Alter erinnerte Lennard sich nicht mehr; er hatte die Akte während des Fluges hierher nur oberflächlich gelesen, da ihm momentan andere Dinge durch den Kopf gingen). Sogleich streckte er ihm seine Hand entgegen und sagte mit einem freundlichen Lächeln: „Willkommen auf Deep Space Nine, Captain Lennard. Erlauben Sie mir, Ihnen einige meiner Offiziere vorzustellen? Lieutenant Commander Dax, Wissenschaftsoffizier, Doctor Bashir, Chefarzt der Station und Chief O’Brien, leitender technischer Offi-zier.“
Sisko wies mit der Hand, die Lennard nach ihrem kurzen, aber festen Händedruck freigegeben hatte, der Reihe nach auf seine Begleiter: eine gutaussehende, schlanke Frau Anfang Dreißig mit blauen Augen, langem braunen Haar und kleinen dunklen Flecken, die sich wie eine Maserung an den Seiten ihres Gesichtes und Halses hinabzogen, was sie als eine Trill auswies, wenngleich auch äußerlich nichts darauf hinwies, ob sie mit einem Symbionten vereinigt war oder nicht.
Neben ihr stand ein ebenfalls schlanker, fast schon hager wirkender Mensch mit leicht südländischen, vielleicht arabischen Zügen und dunklem Haar sowie hellen Augen. Er wirkte ge-langweilt und auf Lennard sogar eine Spur blasiert, so als ertrage er diese Zeremonie nur wi-derwillig.
Der letzte war ein unverkennbar irischer Gemütsmensch: rotblondes Kraushaar, blasse, leicht sommersprossige Haut und ein wenig fest, aber ebenfalls von kräftiger Statur. Lennard über-legte, wo er ihn schon gesehen haben konnte.
„O’Brien? Ist es möglich, daß Sie früher auf einem Schiff gedient haben?“
„Jawohl, Captain, auf der Enterprise. Es war ein tolles Schiff, Sir,“ gab O’Brien zurück.
„Wenn Sie dieser Meinung sind, sollten Sie vielleicht einmal einen Rundgang durch die Maschinensektion der Fairchild machen; mit einer alten Galaxy-Klasse hat sie nicht mehr viel gemeinsam.“
Der Mechaniker strahlte. „Ich hoffte, Sie würden das sagen, Sir. Ihre Schilde haben inzwischen Legendenstatus in Ingenieurskreisen. Ich würde einiges darum geben, mir die Konstruktion einmal genauer anzusehen.“
„Hoffentlich bekommen wir Sie wieder von Bord, bevor wir ablegen,“ lachte Lennard und wurde dann wieder ernster, als er seinerseits seine Crewmitglieder vorstellte: „Dies hier sind Commander Leardini, Erste Offizierin, Bordarzt Stern sowie unsere Schiffsberaterin Counselor Kall.“
Alle begrüßten sich mit höflichem Nicken und gingen direkt zum nächsten Turbolift. Lennard erwähnte, daß er fasziniert von dem Design der Station sei, da er sich schon immer für Exoarchitektur interessiert habe. Ihm fiel vor allem die vielfältige Verwendung von runden, ovalen und anderen langgezogenen Formelementen auf, die zusammen mit der düsteren Atmosphäre der Stationsgänge einen beinahe bedrohlichen Eindruck auf die Mitglieder eines Sternenflot-tenschiffes machte. Sie waren helle, weite Gänge gewohnt.
Stern mußte mit einigem Mißfallen feststellen, daß sein Kollege Bashir sogleich einen Blick auf die junge, bildhübsche Kall geworfen hatte und sich auf dem Weg zur Ops der Station angeregt mit ihr unterhielt, was sowohl Dax als auch Leardini ungemein amüsierte.
Kaum auf der Ops angekommen, stellte Sisko ihnen die Erste Offizierin Kira vor und schlug vor: „Major Kira wird Ihnen ein wenig mehr von DS9 zeigen, während Captain Lennard und ich im Büro etwas zu besprechen haben.“
„Aber, Captain, ich...“ setzte Kira zu einer Erwiderung an, stoppte jedoch abrupt bei der Miene Siskos und fügte sich ergeben in ihr Schicksal. „Natürlich, Sir. Wenn Sie mir bitte folgen wollen? Als erstes möchte ich Ihnen das Promenadendeck zeigen, den Stolz unserer Station. Neben vielen Geschäften und Lokalen befinden sich auch die Krankenstation und der Sicherheitsbereich auf diesem Deck...“
Während sich die anderen entfernten, sagte Sisko schlicht: „Bitte hier entlang.“
Mit gemischten Gefühlen folgte Lennard ihm mehrere Stufen auf eine Empore hinauf, wo eine große Tür das Büro des Stationsleiters zur Ops hin abgrenzte. Die pompöse, zweiteilige Tür hatte sich kaum geschlossen, als Sisko sich schon hinter seinen Schreibtisch gesetzt und einen faustgroßen weißen Ball aufgenommen hatte, welcher auf einem kleinen Sockel lag. Er ließ ihn in seinen Fingern kreisen und warf ihn leicht in die Luft; das tat er ganz unbewußt, wie Lennard beim Setzen feststellte.
„Ist das ein Baseball?“
Erst jetzt wurde seinem Gegenüber gewahr, was er aus Gewohnheit tat. „Oh, ja. Entschuldigen Sie bitte diese dumme Angewohnheit. Sie kennen Baseball?“
Lennard wehrte ab: „Tut mir leid, wenn ich Sie enttäuschen muß, Captain, aber ich habe nur den Ball erkannt. Ein Spiel habe ich noch nie gesehen; ich stamme aus Neuseeland.“
„Dachte ich’s mir doch. Dieser Akzent ist unverkennbar.“
„Ohne den Universaltranslator werden Sie auch ganz ordentlich von Ihrem Südstaatenakzent geprägt, mein Lieber. Alabama oder Louisiana?“ Er grinste.
„Sie haben recht, ich komme tatsächlich aus New Orleans. Wissen Sie, es tut richtig gut, mit jemandem einmal wieder richtig Englisch zu reden, ohne Kommunikator und automatische Übersetzung. O’Brien ist Ire, sein Englisch klingt eher schmerzhaft als angenehm,“ meinte Sisko.
„Hören Sie, wir sind doch sicher nicht hier, um über Baseball und unsere Herkunft zu plaudern. Was liegt Ihnen also auf dem Herzen?“ Lennard sah ihm direkt in die Augen, worauf Siskos Lächeln ein wenig dünner wurde.
„Sie sind ein sehr direkter Mensch, Captain Lennard. Nun, ich mag es, wenn mit offenen Karten gespielt wird. Dieses Mal ist es leider nicht so.“ Erwartungsvoll sah er Lennard an und seufzte leicht, als dieser schwieg.
„Lassen Sie es mich diplomatisch ausdrücken: Ihr Aufenthalt hier bedeutet doch ganz sicher, daß Sie in den Gamma-Quadranten sollen. Als das letzte Mal ein Schiff der Galaxy-Klasse in den...“
„Ich weiß, die Odyssey. Das war eine furchtbare Sache.“ Lennard blickte unangenehm berührt zu Boden.
„Wir sind eben ein wenig... beunruhigt, wenn so ein grosses Schiff durch das Wurmloch fliegt. Vor allem dann, wenn mich das Oberkommando über die Natur Ihrer Mission komplett im Dunklen läßt.“
„Wie bitte? Man hat Sie nicht informiert?“ Ungläubig sah Lennard den Befehlshaber von DS9 an.
„Was mich nicht gerade ruhiger schlafen läßt, wie ich Ihnen gestehen muß,“ fügte Sisko mit Unwillen in der Stimme hinzu.
Lennard hob die Schultern. „Ich hasse es, das zu sagen, aber so gerne ich es auch wollte, ich darf Ihnen auch nicht mehr sagen als meiner Crew.“
„Raus damit, Captain! Was Sie Ihrer Crew erzählen durften, ist mehr, als mir mitzuteilen Starfleet bereit war. Angesichts der Tatsache, daß wir hier direkt auf dem Präsentierteller sitzen, bin ich ziemlich ungehalten über dieses Verhalten unserer Vorgesetzten.“
„Das ist mir nicht entgangen. Aber ich denke, ich kann Ihnen vertrauen, und zwar aus dem Grund, den Sie eben erwähnten.“ In den folgenden Minuten faßte Lennard das zusammen, was er seiner Crew bereits Wochen zuvor berichtet hatte. Der andere Captain hörte ihm auf-merksam und mit ernster Miene zu.
„Ich beneide Sie nicht um das, was Sie da vor sich haben,“ sagte er dann schlicht.
Lennard mußte schlucken, als er das von dem Mann hören mußte, der so gut wie kaum ein anderer über das Dominion Bescheid wußte. Dabei hatte er ihm nur die Hälfte von dem erzählen können, was sie eventuell erwartete.
„Vielleicht können wir zusammen etwas essen gehen, wenn Ihr Dienst beendet ist,“ meinte er nachdenklich.
„Gerne.“ Jetzt lächelte Sisko wieder, mit einem offenen und ehrlichen Lächeln. Man konnte ihn wirklich nur darum beneiden, wie menschlich er geblieben war bei all dem, was er durchgemacht haben mußte und bei der ständigen Ungewißheit und Bedrohung, unter der er hier auf der Station leben mußte.
[Fortsetzung folgt ...]
[Fortsetzung der 2. StarTrek Fanfiction (Teil 1 hier herunterladen) ]
Sie gingen unter Warp und in den Endanflug auf Deep Space Nine über. Nach gut drei Wochen Flug mit Dauerhöchstgeschwindigkeit hatte sich gezeigt, daß die Fairchild bereit für ihren Auftrag war, wie auch immer er lauten mochte. Die ständigen unerwarteten Übungen hatten dafür gesorgt, daß auch die Besatzung auf einem Höchstmaß der Einsatzbereitschaft war. Es war teilweise sogar eine Art Scherz geworden, die die Führungsoffiziere untereinander getrieben hatten, indem sie sich gegenseitig in den verschiedensten Momenten, vorzugsweise natürlich dann, wenn der Leidtragende es am wenigsten erwartete, mit einem Übungsalarm überraschten. Dabei entstanden mitunter klamaukartige Szenen und vereinzelt auch böses Blut; den besten Effekt jedoch erzielte Leardini, indem sie Kall keine zehn Minuten nach ihrem - schon ungeduldig erwarteten - Schichtende direkt von der Toilette geholt hatte. Da sich die Nummer Eins diesen Alarm speziell für eine solche Gelegenheit bis fast zum Ende dieser Etappe aufbehalten hatte, trug die Counselor danach unaufholbar die rote Laterne der schlechtesten Reaktionszeit.
Darrn meldete: „Captain, die Ops von DS9 ruft uns.“
„Auf den Schirm, Lieutenant Commander.“ Erwartungsvoll setzte Lennard sich ein bißchen aufrechter, um einen möglichst korrekten Eindruck zu machen.
Nun tauchte auf dem Schirm vor ihnen das Gesicht einer Bajoranerin in den Dreißigern mit großen, dunklen Augen und kurz frisierten rötlichen Haaren in Großaufnahme auf. Das auffälligste Merkmal an ihr war der traditionelle bajoranische Ohrschmuck. Sie zögerte noch einen Moment und zog die charakteristischen Querfalten auf ihrem Nasenrücken ein wenig kraus, bevor sie registrierte, daß die Verbindung stand. Dann breitete sich ein freundliches Lächeln auf ihrem Gesicht aus. „Willkommen auf Deep Space Nine, Föderationsschiff Fairchild. Ich bin Kira Nerrys, Erster Offizier der Station und Major des Bajoranischen Militärs.“
„Vielen Dank, Major Kira; ich bin Captain Kyle Lennard. Wir freuen uns schon alle auf unseren Zwischenstop hier, auch wenn er leider viel zu kurz sein wird.“ Er nickte der Frau in der roten Uniform höflich zu.
„Bitte docken Sie am oberen Pylonen zwei an; ich beginne jetzt mit der Übermittlung des Leitstrahles und wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt auf DS9. Captain Sisko erwartet Sie bereits am Andockkragen. Kira Ende.“
„Sehr zuvorkommend, nicht wahr? Wenn man bedenkt, was sie hier draußen schon alles mitgemacht haben... Cardassianer, Dominion, Klingonen...“ Kall wirkte nachdenklich.
Leardini sagte darauf: „Wahrscheinlich haben sie gelernt, damit zu leben. Das muß man wohl, denke ich. Wollen wir uns auf den Weg machen, Captain?“
Lennard nickte und stand auf. „Mr. Darrn, übernehmen Sie die Brücke. Counselor, begleiten Sie uns zum Andockkragen?“
„Ja, Sir.“ Ein wenig widerwillig erhob sich auch Kall und folgte ihren Vorgesetzten zum nächsten Turbolift, während der Kapitänssessel vom klingonischen Ops-Offizier und die freigewordenen Positionen von der Bereitschaftscrew eingenommen wurden.
Sie bestiegen den Lift, worauf Lennard angab: „Deck 25, Andockschleuse steuerbord.“
Auf der Fahrt schwiegen sie eine Weile, bis Leardini dann leicht beklommen fragte: „Was wirst du dem Captain sagen, wenn er den Grund unserer Reise in den Gamma-Quadranten wissen will?“
„Das, was ich auch der Mannschaft in der Vorbesprechung gesagt habe. Wenn das Oberkommando sie nicht informiert hat, darf ich das auch nicht tun, selbst wenn sie noch so sehr darauf bestehen.“ Er seufzte leise angesichts seiner Lage.
Dann kamen sie an der Andockschleuse an und verließen den Turbolift. Zum Schleusentor des Schiffes waren es nur noch wenige Schritte. Mehrere Fähnriche der Sicherheit standen bereits auf ihren vorgeschriebenen Posten und grüßten, als die Führungsoffiziere eintrafen.
Lennard trat an eines der beiden kleinen Bullaugen rechts und links des Tores, um den Endanflug der Fairchild auf den ihr zugewiesenen Andockmast beobachten zu können. Die Grundform der Station war die eines Rades mit drei stabilen Speichen, welche einen kleineren Habitatring und den zentralen Kern der Station mit ihm verbanden. Aus diesem äußeren Ring ragten nach oben und unten jeweils drei lange, leicht nach innen gebogene und fragil wirkende Träger, welche jedoch problemlos das Andocken auch von großen Schiffen, wie ihrem zum Beispiel, ermöglichten. Lennard erinnerten sie an gigantische Rippen.
Der Anblick aus dieser Perspektive war einfach atemberaubend; um an dem für Schiffe der Galaxy-Klasse geeigneten oberen Pylonen der Station anzudocken, mußten sie zwischen die drei Streben fliegen und sich von der Innenseite her an den zugewiesenen Dockkragen ganz am Ende des Ausläufers heranmanövrieren. Beim Rangieren mit den Manöverdüsen studierte Lennard die Form der Konstruktion, die ganz unverkennbar nicht aus der Föderation stammte. Nach allem, was er wußte, war sie von Cardassianern während deren Besatzungszeit auf Bajor als Erzverarbeitungsanlage unter dem Namen ‘Terok Nor’ gebaut worden. Nach dem Abzug der Besatzer war sie von der provisorischen bajoranischen Regierung übernommen worden, mit der Föderation als Betreiber.
Nur Sekunden nach dem bemerkenswert sanften Andocken öffneten sich die großen Schleusentore. Auf der Stationsseite befand sich ein rundes Portal, dessen Verschlußstück aussah wie ein mannshohes Zahnrad, als es zur Seite rollte und den Weg freigab auf einen Gang, der nach mehreren Metern an einem weiteren ‘Zahnrad’ endete. Stern und Lennard sahen sich einen Moment lang unschlüssig an und betraten dann den Gang, wobei Lennard sich gar bücken mußte, um sich nicht den Kopf zu stoßen. Durch transparente Einsätze in dem Tor konnte man erkennen, daß jemand hinter ihm wartete.
Sie hatten es beinahe erreicht, als es sich öffnete und den Blick auf einen dürftig beleuchteten Korridor freigab. Lennard erkannte Captain Sisko gleich nach dem Bild in dessen Personalakte, auch wenn er inzwischen statt kurzem, schwarzen Haar eine Glatze und einen Bart um die Mund- und Kinngegend trug. Er war ein kräftig gebauter, respekteinflößender Schwarzer im Alter von etwa vierzig Jahren (an sein Alter erinnerte Lennard sich nicht mehr; er hatte die Akte während des Fluges hierher nur oberflächlich gelesen, da ihm momentan andere Dinge durch den Kopf gingen). Sogleich streckte er ihm seine Hand entgegen und sagte mit einem freundlichen Lächeln: „Willkommen auf Deep Space Nine, Captain Lennard. Erlauben Sie mir, Ihnen einige meiner Offiziere vorzustellen? Lieutenant Commander Dax, Wissenschaftsoffizier, Doctor Bashir, Chefarzt der Station und Chief O’Brien, leitender technischer Offi-zier.“
Sisko wies mit der Hand, die Lennard nach ihrem kurzen, aber festen Händedruck freigegeben hatte, der Reihe nach auf seine Begleiter: eine gutaussehende, schlanke Frau Anfang Dreißig mit blauen Augen, langem braunen Haar und kleinen dunklen Flecken, die sich wie eine Maserung an den Seiten ihres Gesichtes und Halses hinabzogen, was sie als eine Trill auswies, wenngleich auch äußerlich nichts darauf hinwies, ob sie mit einem Symbionten vereinigt war oder nicht.
Neben ihr stand ein ebenfalls schlanker, fast schon hager wirkender Mensch mit leicht südländischen, vielleicht arabischen Zügen und dunklem Haar sowie hellen Augen. Er wirkte ge-langweilt und auf Lennard sogar eine Spur blasiert, so als ertrage er diese Zeremonie nur wi-derwillig.
Der letzte war ein unverkennbar irischer Gemütsmensch: rotblondes Kraushaar, blasse, leicht sommersprossige Haut und ein wenig fest, aber ebenfalls von kräftiger Statur. Lennard über-legte, wo er ihn schon gesehen haben konnte.
„O’Brien? Ist es möglich, daß Sie früher auf einem Schiff gedient haben?“
„Jawohl, Captain, auf der Enterprise. Es war ein tolles Schiff, Sir,“ gab O’Brien zurück.
„Wenn Sie dieser Meinung sind, sollten Sie vielleicht einmal einen Rundgang durch die Maschinensektion der Fairchild machen; mit einer alten Galaxy-Klasse hat sie nicht mehr viel gemeinsam.“
Der Mechaniker strahlte. „Ich hoffte, Sie würden das sagen, Sir. Ihre Schilde haben inzwischen Legendenstatus in Ingenieurskreisen. Ich würde einiges darum geben, mir die Konstruktion einmal genauer anzusehen.“
„Hoffentlich bekommen wir Sie wieder von Bord, bevor wir ablegen,“ lachte Lennard und wurde dann wieder ernster, als er seinerseits seine Crewmitglieder vorstellte: „Dies hier sind Commander Leardini, Erste Offizierin, Bordarzt Stern sowie unsere Schiffsberaterin Counselor Kall.“
Alle begrüßten sich mit höflichem Nicken und gingen direkt zum nächsten Turbolift. Lennard erwähnte, daß er fasziniert von dem Design der Station sei, da er sich schon immer für Exoarchitektur interessiert habe. Ihm fiel vor allem die vielfältige Verwendung von runden, ovalen und anderen langgezogenen Formelementen auf, die zusammen mit der düsteren Atmosphäre der Stationsgänge einen beinahe bedrohlichen Eindruck auf die Mitglieder eines Sternenflot-tenschiffes machte. Sie waren helle, weite Gänge gewohnt.
Stern mußte mit einigem Mißfallen feststellen, daß sein Kollege Bashir sogleich einen Blick auf die junge, bildhübsche Kall geworfen hatte und sich auf dem Weg zur Ops der Station angeregt mit ihr unterhielt, was sowohl Dax als auch Leardini ungemein amüsierte.
Kaum auf der Ops angekommen, stellte Sisko ihnen die Erste Offizierin Kira vor und schlug vor: „Major Kira wird Ihnen ein wenig mehr von DS9 zeigen, während Captain Lennard und ich im Büro etwas zu besprechen haben.“
„Aber, Captain, ich...“ setzte Kira zu einer Erwiderung an, stoppte jedoch abrupt bei der Miene Siskos und fügte sich ergeben in ihr Schicksal. „Natürlich, Sir. Wenn Sie mir bitte folgen wollen? Als erstes möchte ich Ihnen das Promenadendeck zeigen, den Stolz unserer Station. Neben vielen Geschäften und Lokalen befinden sich auch die Krankenstation und der Sicherheitsbereich auf diesem Deck...“
Während sich die anderen entfernten, sagte Sisko schlicht: „Bitte hier entlang.“
Mit gemischten Gefühlen folgte Lennard ihm mehrere Stufen auf eine Empore hinauf, wo eine große Tür das Büro des Stationsleiters zur Ops hin abgrenzte. Die pompöse, zweiteilige Tür hatte sich kaum geschlossen, als Sisko sich schon hinter seinen Schreibtisch gesetzt und einen faustgroßen weißen Ball aufgenommen hatte, welcher auf einem kleinen Sockel lag. Er ließ ihn in seinen Fingern kreisen und warf ihn leicht in die Luft; das tat er ganz unbewußt, wie Lennard beim Setzen feststellte.
„Ist das ein Baseball?“
Erst jetzt wurde seinem Gegenüber gewahr, was er aus Gewohnheit tat. „Oh, ja. Entschuldigen Sie bitte diese dumme Angewohnheit. Sie kennen Baseball?“
Lennard wehrte ab: „Tut mir leid, wenn ich Sie enttäuschen muß, Captain, aber ich habe nur den Ball erkannt. Ein Spiel habe ich noch nie gesehen; ich stamme aus Neuseeland.“
„Dachte ich’s mir doch. Dieser Akzent ist unverkennbar.“
„Ohne den Universaltranslator werden Sie auch ganz ordentlich von Ihrem Südstaatenakzent geprägt, mein Lieber. Alabama oder Louisiana?“ Er grinste.
„Sie haben recht, ich komme tatsächlich aus New Orleans. Wissen Sie, es tut richtig gut, mit jemandem einmal wieder richtig Englisch zu reden, ohne Kommunikator und automatische Übersetzung. O’Brien ist Ire, sein Englisch klingt eher schmerzhaft als angenehm,“ meinte Sisko.
„Hören Sie, wir sind doch sicher nicht hier, um über Baseball und unsere Herkunft zu plaudern. Was liegt Ihnen also auf dem Herzen?“ Lennard sah ihm direkt in die Augen, worauf Siskos Lächeln ein wenig dünner wurde.
„Sie sind ein sehr direkter Mensch, Captain Lennard. Nun, ich mag es, wenn mit offenen Karten gespielt wird. Dieses Mal ist es leider nicht so.“ Erwartungsvoll sah er Lennard an und seufzte leicht, als dieser schwieg.
„Lassen Sie es mich diplomatisch ausdrücken: Ihr Aufenthalt hier bedeutet doch ganz sicher, daß Sie in den Gamma-Quadranten sollen. Als das letzte Mal ein Schiff der Galaxy-Klasse in den...“
„Ich weiß, die Odyssey. Das war eine furchtbare Sache.“ Lennard blickte unangenehm berührt zu Boden.
„Wir sind eben ein wenig... beunruhigt, wenn so ein grosses Schiff durch das Wurmloch fliegt. Vor allem dann, wenn mich das Oberkommando über die Natur Ihrer Mission komplett im Dunklen läßt.“
„Wie bitte? Man hat Sie nicht informiert?“ Ungläubig sah Lennard den Befehlshaber von DS9 an.
„Was mich nicht gerade ruhiger schlafen läßt, wie ich Ihnen gestehen muß,“ fügte Sisko mit Unwillen in der Stimme hinzu.
Lennard hob die Schultern. „Ich hasse es, das zu sagen, aber so gerne ich es auch wollte, ich darf Ihnen auch nicht mehr sagen als meiner Crew.“
„Raus damit, Captain! Was Sie Ihrer Crew erzählen durften, ist mehr, als mir mitzuteilen Starfleet bereit war. Angesichts der Tatsache, daß wir hier direkt auf dem Präsentierteller sitzen, bin ich ziemlich ungehalten über dieses Verhalten unserer Vorgesetzten.“
„Das ist mir nicht entgangen. Aber ich denke, ich kann Ihnen vertrauen, und zwar aus dem Grund, den Sie eben erwähnten.“ In den folgenden Minuten faßte Lennard das zusammen, was er seiner Crew bereits Wochen zuvor berichtet hatte. Der andere Captain hörte ihm auf-merksam und mit ernster Miene zu.
„Ich beneide Sie nicht um das, was Sie da vor sich haben,“ sagte er dann schlicht.
Lennard mußte schlucken, als er das von dem Mann hören mußte, der so gut wie kaum ein anderer über das Dominion Bescheid wußte. Dabei hatte er ihm nur die Hälfte von dem erzählen können, was sie eventuell erwartete.
„Vielleicht können wir zusammen etwas essen gehen, wenn Ihr Dienst beendet ist,“ meinte er nachdenklich.
„Gerne.“ Jetzt lächelte Sisko wieder, mit einem offenen und ehrlichen Lächeln. Man konnte ihn wirklich nur darum beneiden, wie menschlich er geblieben war bei all dem, was er durchgemacht haben mußte und bei der ständigen Ungewißheit und Bedrohung, unter der er hier auf der Station leben mußte.
[Fortsetzung folgt ...]
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