Samstag, 28. Oktober 2006
7 * KAPITEL2 * Rosalie Warren
[... Fortsetzung von gestern]
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Nach einem ereignislosen Flug - die Subraumkommunikation war bereits nach drei Tagen wegen der starken Interferenzen, die das EM-Feld von Alnilam erzeugte, ausgefallen - kamen sie in Sensorenreichweite des Systems. Die Aldebaran näherte sich Alnilam VI und untersuchte den Planeten dabei mit seinen Langstreckensensoren.
„Irgendwelche Funksprüche oder ähnliche Aktivitäten?“ wollte Lennard ungeduldig wissen
Wuran schüttelte den Kopf. „Nein, Captain, die einzige, die zu uns spricht, ist die Sonne. Alnilam produziert wirklich ein beeindruckendes Grundrauschen auf allen Funkfrequenzen, Sir. Diese Interferenzen lassen sich nicht besonders leicht eliminieren.“
„Versuchen Sie es trotzdem weiterhin. Wie steht es mit genaueren Daten zum Planeten selbst?“
„Der Langstreckenscan ist gleich abgeschlossen. Eine Minute Geduld bitte noch, dann werden wir detaillierte Informationen erhalten.“
Während sich das Raumschiff mit c 0,25, einem Viertel der Lichtgeschwindigkeit, näherte und auf einen Standardorbit zusteuerte, sandte es immer wieder Funksprüche in einigen der Sprachen und auf der Frequenz, auf der die Botschaft gesendet worden war, in Richtung von Alnilam VI aus.
Wuran meldete sich mit den gesammelten Daten: „Captain, soll ich Ihnen die Ergebnisse des Langstreckenscans auf den Schirm legen, bis wir im Standardorbit ankommen?“
„Ich bitte darum.“
Der Bildschirm wurde schwarz und zeigte in seiner Mitte eine kleine dunkle Kugel, an deren rechter Seite sich neun Punkte aneinanderreihten. Begleitend dazu erklärte Wuran: „Der Planet besitzt neun sehr kleine, unregelmäßig geformte Trabanten mit Achsenlängen von zwölf bis zweihundertunddrei km Durchmesser, wahrscheinlich Asteroiden oder Bruchstücke eines ehemals größeren Mondes. Die Beschaffenheit der Oberflächen erscheint bei allen neun gleich. Eine Atmosphäre besitzt keiner von ihnen, ebensowenig eine nennenswerte Schwerkraft. Auf ihnen werden wir meiner Meinung nach nichts finden.
Der Planet aber ist fast gleichgroß wie die Erde und scheint auch sehr ähnlich vom stofflichen Aufbau her. Schwerkraft 0,995 g, mittlerer Atmosphärendruck 315 mbar, mittlere Temperatur 218 ° C.“
„Sehr gut. Wann erreichen wir den Orbit, Mrs. Vakuf?“
Bei der momentanen Verzögerung in etwa zehn Minuten, Sir.“
Lennard dachte kurz nach und befahl dann dem jungen terranischen Fähnrich, der noch für kurze Zeit anstelle des Klingonen Dienst an der Einsatzleitenden Station machte: „Ops, teilen sie den Planetologen und den Kartographen mit, dass sie sich bereithalten sollen und teilen sie beiden Teams die Kontrolle über die für sie notwendigen Sensorenphalanxen zu. Wir werden achtzehn Schleifen über den äquatorialen und gemässigten Teil des Planeten machen und danach noch vier bipolare Umrundungen; damit dürften wir den größten Teil der Oberfläche erfassen. Ach ja, ein Teil der Planetologen soll die Monde scannen, während wir Alnilam VI ‘abgrasen’. Bei deren niedrigen Umlaufbahnen sollte diese Massnahme ausreichen. Falls nicht, sollen sie den befehlshabenden Offizier kontaktieren.“
Nach der Bestätigung von Ops fragte Lennard: „Und, haben wir schon irgendeinen Hinweis auf den Absender?“
„Negativ, Captain, keine Spur von ihm. Wenn er sich nicht hier befindet, müssen wir uns die inneren Planeten vornehmen. Wir sind immerhin mehr als drei Lichttage vom nächsten der inneren Planeten entfernt. Selbst wenn jemand dort unsere Sendungen empfangen würde...“
„Sie haben recht, Cluy, das würde zu lange dauern. Ich sehe schon, worauf das hier hinausläuft. Die Wissenschaftsteams wähnen sich im Himmel und sammeln Daten wie wild, während wir gebannt dem Radiosignal von Alnilam lauschen.“

Zweiundzwanzig Umkreisungen später stand nach dem Bericht der Planetologen definitiv fest, dass diese Welt unbewohnt und nach dem Wissensstand der Föderation auch unbewohnbar war.
Für die Trabanten von Alnilam VI galt dies ohnehin.
„Wie wollen wir also weiterfahren?“ wollte Lennard wissen.
Leardini, die auf die Brücke zurückgekehrt war, antwortete geradeheraus: „Von innen nach aussen, schön der Reihe nach. Dann kommen die Solardynamiker auch gleich zu ihren Messungen.“
„Bitte vergessen Sie nicht, dass der wissenschaftliche Aspekt nur das sekundäre Missionsziel darstellt“, wandte Lennard ein, „es geht vor allem darum, den Ursprung der Botschaft zu ermitteln. Und meiner Meinung nach wird die Chance, in diesem System Lebensformen zu finden, immer kleiner, je näher wir der Sonne kommen.“
„Dennoch finde ich, dass wir methodisch weitermachen sollten“, beharrte die Erste Offizierin auf ihrem Standpunkt.
Vakuf sagte: „Von unserer gegenwärtigen Position aus befinden sich alle fünf inneren Planeten in einem Sektor von nur zehn Grad und zwar auf der entgegengesetzten Seite der Sonne. Demnach wäre es logisch, von hier aus zunächst den innersten Planeten anzusteuern, auch wenn die Chance auf Leben dort theoretisch geringer erscheint. Es gilt zu bedenken, dass über die innersten Welten am wenigsten Daten vorliegen, da das Raumschiff der Excelsior-Klasse damals kaum Zeit hatte, welche zu sammeln. Da unsere Schutzschilde um ein vielfaches wir-kungsvoller sind, können wir uns hingegen bei einer Entfernung von fünf Milliarden km von der Sonne nahezu unbegrenzt lange aufhalten.“
„Hm...irgendwie leuchtet es mir immer noch nicht ein, aber wenn Sie beide dafür sind, will ich einlenken“, meinte Lennard zögernd. “Mrs. Vakuf, wie lange brauchen wir bei Warp 6 bis nach Alnilam I?“
Nicht ganz fünfzehn Minuten, Sir.“
Dann setzen Sie Kurs und bringen Sie uns in eine Parallelbahn. Stefania, Sie haben die Brücke. Ich will mir nun doch einmal unsere Computertechniker ansehen.“
Lennard betrat einen Turbolift und sagte: „Computer, lokalisiere Computertechnikerin Rosalie Warren.“
Sofort antwortete die weiche, Ruhe ausstrahlende Stimme: „Mrs. Warren befindet sich auf Deck 5, Sektion 05.“
„Dann bitte dorthin.“ In dem Moment, in dem sich die Lifttüren schlossen, hatte Lennard seine Überlegung abgeschlossen und war zu dem Ergebnis gekommen, daß die Computerspezialistin sich im Systemüberwachungsraum des rechten Computerkerns der Untertassensektion befand. Entsprechend kurz war auch die Fahrt im Turbolift, da dieser lediglich fünf Etagen senkrecht nach unten fahren mußte und den Captain bereits nach wenigen Sekunden am Ziel entlassen konnte.
Der eine der drei identisch gebauten Computerkerne der Aldebaran, vor dem er jetzt stand, hatte einen Durchmesser von etwa zwölf Metern und reichte von Deck 5, wo Lennard gerade war, bis zum Deck 14 hinab. Die Grundform war zylindrisch, doch von oben sah er aus wie ein Kreis, dessen Mitte man ausgestanzt und den Rest in vier gleichgroße 90-Grad-Sektoren geteilt hatte.
Nun durchschritt Lennard eine der mannsbreiten Unterteilungen, um in den ‘hohlen’ Mittelteil des Kernes zu gelangen, wo der Zugang zum Systemüberwachungsraum lag. Er fühlte dabei ein leichtes Kribbeln in sich, als er in den Gang trat, da er das schwache Subraumfeld durchschritt, welches den Computer dazu befähigte, Daten mit Überlichtgeschwindigkeit zu verarbeiten. Es war nicht gerichtet wie bei einem Warpfeld für Antriebszwecke, sondern konzentrisch, durchlief den Kern also ringförmig.
Mit einem leisen Surren öffnete sich die Tür im Inneren des Kernes, die in den Raum führte. Als er eintrat, bemerkte ihn die zierliche, dunkelhäutige und sehr jung aussehende Technikerin über die Schulter hinweg im Augenwinkel. „Kann ich Ihnen helfen...?“
Dann schien sie wohl die vier Pixel auf dem Kragen seiner Uniform zu erkennen und ihn als Captain dieses Raumschiffes zu identifizieren. Sie fuhr überrascht herum und stammelte verlegen: „Verzeihen Sie, Sir, ich hatte nicht damit gerechnet...“
Schmunzelnd meinte Lennard: „Schon in Ordnung. Ich wollte nur einen Guten Tag wünschen und mich nach dem Stand der Dinge erkundigen.“
„Natürlich. Gestatten Sie mir, mich vorzustellen: Rosalie Warren ist mein Name. Ich wurde von der Herstellungsfirma mit der Umkonfiguration der neuen Steuerungsmodule für die Computerkerne beauftragt.“
„Sehr schön. Sagen Sie, Ihr Akzent kommt mir so bekannt vor... stammen Sie vielleicht aus Südafrika?“
Warren nickte. „Aus Mosselbaai. Und Sie sind Neuseeländer, hab’ ich recht?“
Überrumpelt von der Zutraulichkeit der jungen Frau, entfuhr es ihm: „Stimmt genau. Wie haben Sie das erkannt?“
„Ebenfalls am Akzent. In meiner Ausbildung war ein Neuseeländer, dessen Aussprache mir wohl unvergessen bleiben wird, selbst wenn ich hundert Jahre alt werde.“ Sie lächelte offen.
Lennard beschloß, das Thema zu wechseln. „So? Na schön, jetzt würde ich aber dennoch gerne etwas über Ihre Fortschritte bei der Einrichtung der neuen Hardware erfahren. Sind Sie übrigens alleine bei der Arbeit oder hilft Ihnen Ihr Kollege von der Sternenflotte auch ein wenig?“
„Oh, das wäre stark untertrieben. Er hat die Ruheperiode ausgelassen und im Alleingang alle Umrüstungen an den Hauptkernen vorgenommem. Im Moment beendet er wohl gerade die Arbeit am dritten Kern in der Maschinenhülle; ich habe ihn noch gar nicht zu Gesicht bekommen. Er hat mir bisher nur über Interkom zu verstehen gegeben, dass ich mich ruhig auf die Abstimmung der neuen Steuermodule konzentrieren solle, denn das sei schliesslich meine eigentliche Aufgabe. Womit er nicht einmal Unrecht hat. Aber andererseits habe ich fast das Gefühl, dass er mich bewusst nicht an dem Austausch der Hardware beteiligen will. Hält er mich vielleicht für zu jung und unerfahren, um solch eine Arbeit auszuführen?“
„Da würde ich mir keine Sorgen machen“, beruhigte er sie, „dieser Klingone ist sicherlich ein besonders eigenwilliges Exemplar seiner Art. Haben Sie von seiner... wie soll ich sagen?...Anreise auf unser Schiff gehört?“
Albern kichernd erwiderte Warren: „Das liess sich gar nicht vermeiden, es war das Tagesgespräch Nummer Eins an Bord.“
„Es könnte durchaus sein, dass Mr. Baor nun das Gefühl hat, er hätte etwas gutzumachen. Im allgemeinen sind Klingonen sehr pflichtbewusste, gründliche und gewissenhafte Wesen in ihrem Job. Was sagen Sie, hat er bisher gute Arbeit geleistet?“
„Soweit ich das beurteilen kann, auf jeden Fall. Sie müssen wissen, dass bei dieser Wartung lediglich die Steuermodule für die optischen Überträger-Cluster gewisser Funktionen gegen neuere, optimierte Versionen ausgetauscht wurden. In jedem Systemüberwachungsraum gibt es 512 dieser Elemente, die hier in den Wänden eingelassen sind und die verschiedenen primären Aufgaben der isolinearen Speicherchips koordinieren, ihnen gewissermassen ihre Gebiete zuweisen. Ich als Zivilperson habe nicht einmal erfahren dürfen, für welche Bereiche die ausgewechselten Steuerelemente zuständig sind; lediglich die Neuausrichtung des Gesamtkonzeptes der Steuerelemente obliegt meiner Verantwortung. Dass mein Kollege daraus in der Tat ein Militärgeheimnis macht, finde ich eigentlich bedauerlich, denn so entzieht sich die Kontrolle des Ganzen meiner Kenntnis. Ich könnte Ihnen nicht sagen, was genau verbessert wurde, nur dass es verbessert wurde. Hier im ersten Kern bin ich soweit fertig; die Re-chenkapazität des Kernes liegt insgesamt sieben Prozent über der alten.“
„Das heisst also, daß sie am Kern selbst gar nichts verändern, sondern nur die Steuerung der Rechenkapazitäten?“
„Vereinfacht gesagt, ja“, bestätigte Warren.
Beeindruckt kommentierte Lennard: „Und diese Massnahme steigert die Leistung des Computers bereits in diesem Mass? Ich muss schon sagen, was auf dem Sektor der Computertechnik geleistet wird, verblüfft mich stets aufs Neue.“
„Das ist eigentlich nur eine kleinere Verbesserung“, wiegelte Warren ab, „in zwei bis drei Jahren soll die Anordnung des Subraumfeldes neu ausgelegt werden, und zwar so, daß die Rechengeschwindigkeit im Inneren des Kernes um fast die Hälfte steigen wird, bei kaum nen-nenswertem Anstieg des Energieverbrauches.“
„Oh je! Dann wird mir der Sprachgenerator wohl schon antworten, noch bevor ich eine Anweisung beendet habe.“
Lachend entgegnete Warren: „In diesem Fall werden wir unseren Schützling wieder bremsen müssen, dass er den unendlich langsamen Gehirnen seiner Benutzer genug Zeit zum Reagieren lässt.“
„Brücke an Captain“, erklang plötzlich Leardinis Stimme aus dem nächsten Lautsprecher.
„Sprechen Sie“, antwortete Lennard auf den Ruf, ohne seinen Kommunikator anzutippen, wie es viele Mitglieder der Sternenflotte auch heute noch taten, aus Gewohnheit, wie er annahm. Er betrachtete diese Geste mittlerweile als überflüssig, da das Kommunikationsnetz des Schiffes jede Verbindung in Echtzeit übertrug.
„Wir erreichen in wenigen Minuten Alnilam I,“ informierte die Erste Offizierin ihn knapp.
Er sagte ernst: „Ich bin gleich zurück. Captain Ende.“
Dann wandte er sich nochmals an die Südafrikanerin. „Ich möchte Sie nicht länger von Ihrer Arbeit abhalten. Vielleicht sehen wir uns ja später noch in der Messe.“
„Es würde mich freuen, Captain,“ sagte Warren lächelnd und meinte es offensichtlich auch so. Dann wandte sie sich wieder der Arbeitskonsole zu und fuhr mit der Rekonfigurierung der Systeme fort.
Bei der Fahrt zur Brücke zurück dachte Lennard noch, daß ihm selten so ein unbekümmerter und lebensfroher Mensch begegnet war wie die junge Technikerin. Man konnte deutlich merken, daß sie nie eine militärische Ausbildung durchlebt und irgendwelche grösseren Entbehrungen erfahren hatte. Für die heutige Zeit war das höchst bemerkenswert.
Gerade als er die Brücke betrat, hörte er Vakuf sagen: „Bestätige volle Schildenergie, Commander. Wir haben keine Probleme mit den Energiemengen in dieser Entfernung zur Sonne.“
„Gut“, antwortete Leardini und befahl dann: „Öffnen Sie bitte einen Kanal.“
„Bereit.“
„Hier spricht der kommandierende Offizier Stefania Leardini vom Föderationsschiff Aldebaran. Wenn Sie uns empfangen können, antworten Sie bitte. Wir haben Ihre Botschaft aufgefangen und möchten gerne Kontakt mit Ihnen aufnehmen.“
„Captain auf der Brücke!“ rief das erste Besatzungsmitglied, welches Lennard bemerkte.
Er nickte und ging auf den Kapitänssessel zu. „Ist das Ihr Ernst, Commander?“
Leardini räumte den Platz für ihn und entgegnete befremdet: „Was meinen Sie, Captain? Ich versuche gemäss den Statuten der Obersten Direktive Kontakt aufzunehmen.“
Lennard wandte sich an die Wissenschaftsoffizierin: „Können wir ein Außenbild von Alnilam I bekommen, Mrs. Wuran?“
„Jawohl, Captain.“ Sofort füllte sich der Hauptschirm mit der Schwärze des Alls. In der Mitte befand sich eine kleine dunkle Kugel, eingehüllt in einem Schweif aus erhitzten Gasen.
„Was ist das?“ entfuhr es Leardini. „Das sieht aus wie ein Komet!“
Wuran erläuterte die Erscheinung: „Bei diesem Phänomen handelt es sich um die Sonnenwinde, die beim Auftreffen auf den Planeten sichtbar werden. Man könnte es damit vergleichen, dass ein Stück Duranium, wenn man es in die unsichtbare Flamme eines Gamma-Schweissgerätes hält, ebensolche Lichterscheinungen produziert. Die Reibung der Gase an dem festen Körper führt dazu.“
„Wie hoch ist die Oberflächentemperatur?“ verlangte Lennard zu wissen.
Nach einer kurzen Abfrage der Sensorendaten antwortete Wuran: „Achthundertundsechzig Grad Celsius, Sir...genau wie in den Daten der ersten Erkundungsmission angegeben war.“
Lennard wandte sich an Leardini und raunte ihr zu: „Womit wollen Sie Kontakt aufnehmen, Stefania? Dort unten fühlen sich höchstens Keramid-Kacheln wohl.“
„Schon gut, Kyle, Sie haben ja Recht,“ murmelte Leardini betreten zurück, bevor sie lauter sagte: „Der Captain übernimmt das Kommando.“
Lennard setzte sich und meinte: „Auf dieser Welt wird wohl nicht viel von grossem Wert für uns sein. Weisen Sie die Forschungsteams bitte an, ihre Arbeit nicht allzu ausschweifend zu erledigen, Fähnrich Nelson.“
Die planetologische Untersuchung des zweiten Planeten hatte ebensowenig ergeben wie die des ersten, da die Bedingungen auf dessen Oberfläche nur weniger unwirtlich waren. Der einzige sichtbare Unterschied war die deutlich schwächere Penetration des Sonnenwindes; statt einem Schweif von fünfzig Planetendurchmessern Länge besass Alnilam II lediglich auf der Sonnenhälfte einen hauchdünnen Gasfilm, welcher sich gleichmäßig über die Halbkugel spannte und den Eindruck erweckte, er besäße eine glühende Atmosphäre.
Da Alnilam II jedoch mehr als fünfmal soviel im Durchmesser mass als der innerste Planet des Systemes, waren die Vermessungsteams auch entsprechend länger beschäftigt.
„Das ist noch gar nichts gegen das, was uns bei Alnilam III erwartet“, wies Lennard Leardini auf dem Weg zur Sporthalle hin, „stellen Sie sich das nur einmal vor, Stefania: ein Stern mit einer festen Oberfläche und einem Durchmesser von 523’000 km! Das ist kaum noch vor-stellbar!“
Leardini zupfte ihren Sportdress zurecht und erwiderte reserviert: „Der Dienst in der Sternenflotte und die jahrelange Erfahrung auf unseren Missionen sollten uns doch das Eine gelehrt haben, daß in den Weiten der Galaxie so gut wie nichts unmöglich ist.“
Er seufzte und pflichtete ihr bei: „Da haben sie vollkommen recht. Sagen Sie, sind Sie noch sauer auf mich?“
„Wie kommen Sie auf die Idee, daß ich sauer auf Sie sein könnte?“ wehrte sie brüskiert ab.
„Ach, kommen Sie, wir sind nicht sehr freundlich miteinander umgegangen seit unserem Abflug“, erklärte er mit entwaffnender Ehrlichkeit, „und ich finde, wir sollten aufhören damit. Ich fühle mich nicht wohl dabei, so mit Ihnen umzugehen.“
„Sie machen es einem Dickkopf wie mir aber auch nicht besonders leicht, Kyle, das wissen Sie ja wohl“, gestand sie darauf ein.
„Dann vergessen wir am Besten, was in letzter Zeit vorgefallen ist“, schlug er vor.
Sie grinste, als sie am Sportraum ankamen und das Programm für klassischen Squash aufriefen. „In Ordnung. Sehen Sie es dann bitte als Versehen an, wenn Sie da drinnen eventuell gleich meinen Schläger schmerzhaft zu spüren bekommen?“
„Ihren umwerfenden Humor haben Sie bereits wiedergefunden“, bemerkte Lennard und wandte sich dann an die Eingabekonsole neben dem Halleneingang. „Computer, aktiviere das Sicherheitsprogramm für die Squashhalle.“
„Bestätigt.“
„Ich freue mich, zu wissen, dass Sie mich ernstnehmen“, bemerkte Leardini ironisch, „auch wenn es nur meine Drohungen sind.“
Nun legte Lennard eine Hand auf ihren Rücken und schob sie mit sanfter Gewalt in den Spielraum. „Lassen Sie uns beginnen.“
[Lassen Sie uns morgen beginnen ... wenn die Fortsetzung folgt]

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