Freitag, 10. November 2006
ST1.20 : KAPITEL 7 Klingone Skrupel
cymep, 03:17h
[...Fortsetzung von der Zukunft gestern]
Lennard erwachte aus dem unheimlichen Begleitphänomen, das einem Tagtraum ähnelte und sah sich auf der Brücke um, während einer nach dem anderen ebenfalls wieder in die Realität zurückkehrte.
„Captain, ich orte eine Reihe von Raumschiffen der verschiedensten Bauarten und Größen nur etwa eine Millionen km entfernt. Ausserdem gewaltige Energieentladungen zwischen ihnen.“ Darrn runzelte die Stirn bei den Anzeigen seiner Konsole.
„Auf den Schirm, maximale Vergrösserung,“ verlangte Lennard, noch etwas benommen, aber deutlich angespannt.
Was sie dann sahen, ließ ihm den Atem stocken..
Das Bild wurde beherrscht von einem so unglaublich grossen Raumschiff, dass Lennard zu-nächst dachte, es sei eine Raumstation. Dann sah er die Manöver des Flugkörpers. Mit verblüffend hoher Wendigkeit drehte es sich um seine eigenen Achsen, um seine starr nach vor-ne ausgerichtete, doppelläufige Primärwaffe auf seine Gegner zu richten, welche um ihn herumschwirrten und vergeblich versuchten, seine Schutzschilde zu durchdringen. Sie sahen so klein und schwach aus, daß man den Eindruck gewann, sie hatten keine reele Chance gegen einen so übermächtigen Leviathan. Gerade begann er, zusätzlich aus diversen frei ausrichtbar-en Waffen ähnlich von Phaserbänken und Photonenkanonen auf die Flotte von Angreifern zu feuern. Einen solchen Treffer überstanden sie, auch wenn ihre Abwehr dadurch geschwächt wurde.
„Roter Alarm!“ rief Leardini und sprang bei der Szenerie auf dem Hauptschirm beinahe aus ihrem Sitz.
„Das grosse Schiff weist eine klingonische Bauart auf, wenn der Typ auch unbekannt ist.“ Vakuf scannte das Schlachtfeld ab, als das grosse Kriegsschiff eine Doppelsalve aus ihrer Frontwaffe abfeuerte. Sie spuckte zwei rötlich glimmende Feuerbälle aus, die in eines der etwa zehn würfelförmigen Schiffe einschlugen und es förmlich pulverisierten.
„Ich registriere elf kubische Schiffe, höchstwahrscheinlich Borg, sieben Schiffstypen, die der Technik nach Jem’hadar zu sein scheinen, und einen romulanischen Warbird, sehr alt und in schlechtem Zustand.“ Vakuf konnte offenbar kaum glauben, was sie ablas.
„Wir müssen noch immer ein ganzes Stück in der Zukunft sein,“ mutmasste Lennard. „Die Schlacht verlagert sich in unsere Richtung. Vakuf, wenden sie die Aldebaran und fliegen sie uns auf die abgewandte Sonnenseite.“
In dem Moment, in dem sie beidrehten, flog ein Jem’hadar-Schiff in wildem Zickzack-Kurs in ihrer Nähe vorbei, während ein Energiestrahl von dem Klingonen an ihm vorbeischoss. Sie behielten den Weltraumgiganten auf dem Schirm, während sie manövrierten, um sich abzu-setzen. Nun zerstörte er den Romulaner mit einem einzigen Schuss aus einem Kanonenturm, der eine Art Quantentorpedo abschoss. Noch bevor sie beschleunigen konnten, richtete das Geschütz sich auf die Aldebaran und schoss einen weiteren Torpedo ab.
Er konnte sie gar nicht verfehlen.
- 7 -
Allen stockte der Atem, als der funkelnde Energieball mit Überlichtgeschwindigkeit auf sie zusteuerte und auf den Heckschirm aufschlug. Lennard hielt sich krampfhaft in Erwartung des Aufschlages fest und registrierte verwundert, dass nichts geschah. Er sah gerade noch rechtzeitig hin, um das schwache Glimmen zu beobachten, mit dem der Torpedo explodierte und seine zerstörerische Energie freisetzte.
Die Schilde flackerten nicht einmal.
Mit einem Mal stoppte der Beschu, als die Kämpfenden bemerkt hatten, was geschehen war. Dann besann sich die Angreiferflotte und verstärkte ihren Beschuss auf den klingonischen Goliath, was dessen Schilde zwar stark aufflackern liess, jedoch immer noch keine Bedrohung darstellte.
Dann endlich beschleunigte die Aldebaran und liess mit voller Impulskraft das Schlachtfeld hinter sich. Vakuf flog an der Sonne vorbei und dann in einer weiten Schleife hinter sie.
„Was hat denn da so lange gedauert? Wollten Sie unsere neuen Schilde ausgiebiger testen, Conn?“ schnauzte Lennard mit einer für ihn untypisch aufbrausenden Art.
„Tut mir leid, Captain, ich hatte...“ Vakuf verstummte und starrte geradeaus.
„Schon gut, ist ja nochmal gutgegangen. Lassen Sie uns jetzt feststellen, wieviel Zeit wir noch zurücklegen müsen und dann den letzten Sprung ausführen. Hat irgendjemand eine Theorie, was dieses Spektakel da draussen zu bedeuten haben könnte?“
„Bevor wir nicht wissen, in welcher Epoche wir uns befinden, stelle ich lieber keine Mutmassungen an,“ meinte Stern konstatiert. „Was ich gesehen habe, war ein klingonisches Schlachtschiff, das von Borg und Jem’hadar gemeinsam attackiert worden ist. Es hat sich wohl einiges getan in politischer Hinsicht.“
Konnten wir irgendwelche Daten sameln, die uns weiterhelfen, Mrs. Wuran?“
„Nein, Captain. Das klingonische Schiff hat eine ungefähre Länge von zwanzig km, eine Spannweite von zwölf km und verfügt über schwerste Bewaffnung unbekannten Typs. Sie können mit einem Schuss dieses Zwillingsgeschützes an ihrem Bug einen Borg-Kubus völlig zerstören. Unser Schild hat zumindest den Beschuss der Photonenwaffe, mit der sie den Warbird zerstört haben, schadlos überstanden.“ Wuran widmete ihre Aufmerksameit wieder ihrer Konsole.
„Unser Schild scheint demnach nicht nur gegen Hitze, sondern gegen sämtliche äusseren Ein-flüsse in einem uns unvorstellbaren Masse unempfindlich zu sein. Können Sie sich erklären, woran das liegen könnte?“
„Da muß ich passen, Sir. Ich weiss ja nicht einmal, was genau ich mit der Schildkonfiguration getan habe. Nidor und ich haben für die Umrüstung der Hardware nicht einmal vier Stunden benötigt, alles nach Anweisung des Ewigen. Er hat uns ein tolles Geschenk mit auf den Weg gegeben, würde ich sagen.“
„Eines, ohne das wir eben vaporisiert worden wären, würde ich sagen. Wie sieht es mit der Zeitbestimmung aus?“
Wuran entgegnete etwas unsicher: „Ersten Messungen zufolge befinden wir uns etwa vier-hundert Jahre in der Zukunft. Es sind noch ungefähr zehn Minuten der Datenaufnahme erforderlich, bis wir die Sternzeit auf eine Stelle nach dem Komma genau bestimmen können. Ich schlage vor, daß wir die Wartezeit mit einer weiteren Ebene-Eins-Diagnose nutzen.“
„Das hätte ich als nächstes angeordnet. Gut, machen Sie es so. Mr. Darrn, was spielt sich in unserer Umgebung ab?“
„Keine Aktivität zu verzeichnen, Captain. Wir wären wahrscheinlich ohnehin zu nahe an Alnilam, als dass uns ein gewöhnliches Schiff erreichen könnte. Moment, da... da ruft uns jem-and. Es ist einer der Angreifer; er kommt um die Sonne herum. Die Signale sind durch die Strahlung noch stark gestört, es ist nur eine akustische Verbindung möglich.“ Er legte den Ruf auf die Lautsprecher.
Verzerrt kam eine humanoide Stimme aus der Sprechanlage: „...rufen das unbekannte Schiff nach Föderationsbauart. Bitte melden Sie sich, wir haben ihren Kurs in dieses Gebiet verfolgt und glauben, Sie können uns einige interessante Auskünfte geben.“
Lennard machte ein Zeichen, den Kanal zu schliessen und sah danach Leardini an. „Vorschläge, Commander?“
„Wir sollten erst einmal sehen, um wen es sich handelt, bevor wir unsere Position preisgeben. Vielleicht wollen Sie Nutzen aus der Technik unseres metaphasischen Schildes ziehen.“
„Ein guter Einwand. Wir dürfen uns nicht in die Geschehnisse dieser Epoche einmischen, auch wenn es hier augenscheinlich drunter und drüber geht. Haben wir einen Sichtkontakt?“
„Positiv. Gehe auf maximale Vergrösserung.“ Der Schirm zeigte einen Moment lang nur die Schwärze des Alls - wegen der Nähe zu Alnilam hatten die starken Lichtfilter sämtliche Ster-ne ausgeblendet - und dann in der Mitte den hellgrauen Rumpf in einer für die Föderation typ-ischen Bauweise, jedoch keinen ihnen bekannten Schiffsypen. Der schlanke vordere Teil, der der Untertassensektion der Aldebaran entsprechen würde, sah zumindest äusserlich aus wie der einer für sie neuen Inteprid-Klasse, war aber wie der Rest des Schiffes uralt und völlig sammengeflickt, wie es provisorischer nicht mehr sein konnte. Die Warppylonen waren viel zu groß für ein Schiff dieser Größe und sahen aus wie die einer neuen Schiffsklasse, dessen Prototyp zu ihrer Zeit gerade im Bau gewesen war.
Lennard zögerte nicht mehr lange. „Öffnen Sie eine Grussfrequenz. Hier spricht der Captain des Föderationsschiffes Aldebaran, Lennard. Mit wem haben wir die Ehre?“
Die müde Antwort erstaunte alle: „Föderationsschiff? Sie haben eine same Art von Humor. Ich bin Captain K’path von der Avenger, dritte Brigade Alpha-Quadrant.“
„Avenger? Es war doch früher nicht die Art der Föderation, ihre Schiffe so zu taufen. Wie...?“
„Was ist mit euch los? Die Föderies auf meinem Kahn haben auf einem humanoiden Namen bestanden, weil ihrer Argumentation nach die Technik von Raumfriedhöfen der Sternenflotte stammt. Ah, ich höre, die Verbindung läßt jetzt visuellen Kontakt zu. Moment...“
Das Bild des sammengeschusterten Raumschiffes flackerte und wich der Ansicht einer Brücke. Lennard fiel auf, daß die Mannschaft aus einer abenteuerlichen Mischung von Romu-lanern, Cardassianern, Föderationsmitgliedern und zahlreicher ihm gänzlich unbekannter Wesen bestand. Der Humanoide auf dem Kapitänssessel war ihm von der Rasse her entfernt vertraut. Lennard versuchte sich zu erinnern, wo er solch ein Bild bereits gesehen hatte.
„Sie scheinen erstaunt, Captain. Halten Sie nichts von einem Jem’hadar als Führer eines Wi-derstandsschiffes?“
„Natürlich! Ich wusste doch, daß ich Ihre Art kenne. In den Geheimdienstberichten der Ster-nenflotte über das Dominion...“
Unsanft wurde Lennard von seinem Gesprächspartner unterbrochen: „Was soll diese Scha-rade? Sie sind doch nicht einer dieser Rassisten, oder? Ich sehe fast nur Humanoide auf Ihrer Brücke. Und unseren Unterlagen zufolge war die Aldebaran eines der ersten zwölf Galaxy-Schiffe, und verschwand vor über vierhundert Jahren in diesem Raumsektor. Wer sind Sie wirklich?“
„Wir wurden damals von klingonischen Renegaten sabotiert und gerieten in einen relativistischen Unterlichtflug, der uns in eine ferne Zukunft versetzte. Wir hatten gerade einen Swing-By-Zeitsprung mit der Sonne Alnilams gemacht, als wir mitten auf dem Schlachtfeld auf-tauchten. Das ist die Wahrheit.“ Er breitete die Arme aus. „Scannen Sie unser Schiff, dann werden Sie sehen, dass ich nicht lüge.“
K’path sah über die Schulter zu einem seiner Crewmitglieder, worauf dieser bestätigend nickte. „Ihr Schiff entspricht den gespeicherten Spezifikationen bis ins letzte Detail. Und es ist brandneu.“
„Naja, ein paar Jährchen hat es schon auf dem Buckel. Können Sie uns vielleicht berichten, was seit unserem Verschwinden geschehen ist? Diese Informationen sind äusserst wichtig für uns,“ bat Lennard sie mit drängender Stimme.
Lansam und bedächtig lehnte K’path sich zurück und meinte ironisch: „Sie haben recht, dann haben Sie wirklich etwas, auf das Sie sich freuen können. Gut, ich werde Ihnen Geschichtsunterricht über die letzten vierhundert Jahre geben. Ich sehe mir nur schnell die Sternzeit Ihres Verschwindens an... interessant, das passt ja alles.
Es fing kurz danach an, als es einen Putsch des Hohenrates von Qu’nos gab. Das lief praktisch alles über Nacht ab, die Grenzen wurden dichtgemacht und eine hermetische Nachrichtensperre verhängt; nichts kam mehr aus dem klingonischen Reich heraus oder hinein. So ähnlich wie Jahrzehnte zuvor bei den Romulanern. Die Föderation war genauso beunruhigt wie alle anderen Mächte des Alpha- und Beta-Quadranten, hielten sich aber zurück, da es ja eine innere klingonische Angelegenheit war. Zudem hatten sie auch genug andere Sorgen wie den erneuten Angriff der Borg, der wiederum nur knapp zurückgeschlagen werden konnte.
Nach beinahe zehn Jahren, in der keine einzige Information über das Imperium bekannt geworden war, begannen sie urplötzlich mit einem Angriff auf das Romulanische Reich. Alle waren sprachlos darüber, wie überlegen sie die Romulaner unterwarfen, alles hinwegfegten, was ihnen entgegengestellt wurde. In dieser Zeit erreichten uns die ersten Berichte über ex-trem hochentwickelte Technologie in klingonischer Hand.
Die Föderation wurde davon in Kenntnis gesetzt, dass sie annektiert worden sei und sich bedingungslos zu unterwerfen habe. Ihnen wurde zugesichert, dass sie sehr wohlwollend behandelt würden, da sie so lange Zeit hilfsbereite und loyale Verbündete gewesen waren. Nach den ersten Begegnungen mit den neuen Kriegsschiffen der Klingonen sahen sie recht schnell ein, dass offener Widerstand zwecklos war und ergaben sich. Die Cardassianer waren weniger einsichtig und verloren beinahe ihre samte Flotte. Es gab damals unzählige Opfer und heute sind cardassianische Kreuzer auch nirgends mehr anzutreffen, weil sie einfach zu selten sind und man nirgends Ersatzteile für sie bekommt.
Doch zurück zu den Ambitionen der Klingonen. Sie hatten also in wenigen Jahren den samten Alpha-Quadranten unterworfen und machten sich nun über das Wurmloch bei Bajor an die Besetzung des Gamma-Quadranten. Wer glaubte, dass das Domonion sie dabei aufhalten könnte, sah sich bald getäuscht. Der rätselhafte technologische Quantensprung machte die Klingonen allem haushoch überlegen, was die Galaxis zu bieten hatte. Die Jem’hadar wurden schon bei den ersten Begegnungen gnadenlos aufgerieben, da die Klingonen vom Alpha-Quadranten aus ihre Streitmacht in ihren Rücken hatte schicken können, so als ob sie ein künstliches Wurmloch erschaffen hatten, dank dem sie überall nach Belieben auftauchen konnten.
Das Einzige, was sie auf ihrem Siegeszug bremsen konnte, war die schiere Grösse der Galaxie. Weder Borg, noch Kazonen oder Werrn waren ernsthafte Gegner für sie. Es war einfach so, als seien sie von heute auf morgen tausende von Jahren weiter entwickelt gewesen. In nicht einmal hundert Jahren hatten sie die samte Galaxie bis in den letzten Winkel erobert und unterjocht.
Dadurch war ihr Reich allerdings viel zu gross geworden und zerbrach von innen heraus. Nun gewann der Widerstand neue Hoffnung und der beinahe unentwegte Kampf der Brigaden be-gann, der bis heute anhält.“
„Wer genau sind die Brigaden?“ wollte Leardini wissen.
„Habt ihr das noch immer nicht begriffen? Alle! Der Rest der Galaxis gegen die Klingonen, so heisst die Parole. Leider haben die sich auch ethisch ein wenig weiter entwickelt, sodass sie sich nicht mehr gegenseitig bekämpfen wie früher, sondern jeder sich mit seinem Bruchstrück des galaktischen klingonischen Reiches zufriedengibt und für sich versucht, es zu kontrollieren und von Elementen wie uns zu befreien. Das macht den Kampf gegen sie auch so schwer... und auf lange Sicht hin hoffnungslos.“ Der Jem’hadar liess den Kopf ein wenig hängen.
Lennards Gesicht wirkte entschlossener als je zuvor. „Diese Mistkerle haben es also wirklich geschafft; meine schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten. Hören Sie, K’path, ich glaube mit Bestimmtheit, das Ereignis zu kennen, das zu diesen Zuständen geführt hat und ich gebe Ihnen mein Wort darauf, dass wir in unsere Zeit zurückkehren werden und alles uns Mögliche daransetzen, um diesen Zeitablauf zu korrigieren. So darf es einfach nicht ausgehen.“
„Ihr Wort möge vom grossen Schöpfer erhört werden, Captain Lennard. Wir wünschen Ihnen alles Gute bei ihrem nächsten Sprung und viel Erfolg.“ Die Widerstandskämpfer brachen die Verbindung ab und entfernten sich rasch aus ihrer Nähe, offenbar weil ihnen bewusst ge-worden war, wie wichtig auch für sie die heile Rückkehr der Aldebaran in ihre eigene Ära war. Deshalb wollten sie es wohl vermeiden, zusätzliche Aufmerksameit auf sie zu ziehen, indem sie sich in ihrer Nähe aufhielten.
„Wir wissen nun die genaue Sternzeit. Berechnen Sie umgehend den dritten Sprung auf den Zeitpunkt unserer Sabotage durch Baor und machen Sie das Schiff klar zum Gefecht.“ Lennard sah seine Crew mit düsterem Blick an. „Der letzte Perihel-Flug wird unter rotem Alarm ausgeführt.“
[Fortsetzung folgt morgen...]
Lennard erwachte aus dem unheimlichen Begleitphänomen, das einem Tagtraum ähnelte und sah sich auf der Brücke um, während einer nach dem anderen ebenfalls wieder in die Realität zurückkehrte.
„Captain, ich orte eine Reihe von Raumschiffen der verschiedensten Bauarten und Größen nur etwa eine Millionen km entfernt. Ausserdem gewaltige Energieentladungen zwischen ihnen.“ Darrn runzelte die Stirn bei den Anzeigen seiner Konsole.
„Auf den Schirm, maximale Vergrösserung,“ verlangte Lennard, noch etwas benommen, aber deutlich angespannt.
Was sie dann sahen, ließ ihm den Atem stocken..
Das Bild wurde beherrscht von einem so unglaublich grossen Raumschiff, dass Lennard zu-nächst dachte, es sei eine Raumstation. Dann sah er die Manöver des Flugkörpers. Mit verblüffend hoher Wendigkeit drehte es sich um seine eigenen Achsen, um seine starr nach vor-ne ausgerichtete, doppelläufige Primärwaffe auf seine Gegner zu richten, welche um ihn herumschwirrten und vergeblich versuchten, seine Schutzschilde zu durchdringen. Sie sahen so klein und schwach aus, daß man den Eindruck gewann, sie hatten keine reele Chance gegen einen so übermächtigen Leviathan. Gerade begann er, zusätzlich aus diversen frei ausrichtbar-en Waffen ähnlich von Phaserbänken und Photonenkanonen auf die Flotte von Angreifern zu feuern. Einen solchen Treffer überstanden sie, auch wenn ihre Abwehr dadurch geschwächt wurde.
„Roter Alarm!“ rief Leardini und sprang bei der Szenerie auf dem Hauptschirm beinahe aus ihrem Sitz.
„Das grosse Schiff weist eine klingonische Bauart auf, wenn der Typ auch unbekannt ist.“ Vakuf scannte das Schlachtfeld ab, als das grosse Kriegsschiff eine Doppelsalve aus ihrer Frontwaffe abfeuerte. Sie spuckte zwei rötlich glimmende Feuerbälle aus, die in eines der etwa zehn würfelförmigen Schiffe einschlugen und es förmlich pulverisierten.
„Ich registriere elf kubische Schiffe, höchstwahrscheinlich Borg, sieben Schiffstypen, die der Technik nach Jem’hadar zu sein scheinen, und einen romulanischen Warbird, sehr alt und in schlechtem Zustand.“ Vakuf konnte offenbar kaum glauben, was sie ablas.
„Wir müssen noch immer ein ganzes Stück in der Zukunft sein,“ mutmasste Lennard. „Die Schlacht verlagert sich in unsere Richtung. Vakuf, wenden sie die Aldebaran und fliegen sie uns auf die abgewandte Sonnenseite.“
In dem Moment, in dem sie beidrehten, flog ein Jem’hadar-Schiff in wildem Zickzack-Kurs in ihrer Nähe vorbei, während ein Energiestrahl von dem Klingonen an ihm vorbeischoss. Sie behielten den Weltraumgiganten auf dem Schirm, während sie manövrierten, um sich abzu-setzen. Nun zerstörte er den Romulaner mit einem einzigen Schuss aus einem Kanonenturm, der eine Art Quantentorpedo abschoss. Noch bevor sie beschleunigen konnten, richtete das Geschütz sich auf die Aldebaran und schoss einen weiteren Torpedo ab.
Er konnte sie gar nicht verfehlen.
- 7 -
Allen stockte der Atem, als der funkelnde Energieball mit Überlichtgeschwindigkeit auf sie zusteuerte und auf den Heckschirm aufschlug. Lennard hielt sich krampfhaft in Erwartung des Aufschlages fest und registrierte verwundert, dass nichts geschah. Er sah gerade noch rechtzeitig hin, um das schwache Glimmen zu beobachten, mit dem der Torpedo explodierte und seine zerstörerische Energie freisetzte.
Die Schilde flackerten nicht einmal.
Mit einem Mal stoppte der Beschu, als die Kämpfenden bemerkt hatten, was geschehen war. Dann besann sich die Angreiferflotte und verstärkte ihren Beschuss auf den klingonischen Goliath, was dessen Schilde zwar stark aufflackern liess, jedoch immer noch keine Bedrohung darstellte.
Dann endlich beschleunigte die Aldebaran und liess mit voller Impulskraft das Schlachtfeld hinter sich. Vakuf flog an der Sonne vorbei und dann in einer weiten Schleife hinter sie.
„Was hat denn da so lange gedauert? Wollten Sie unsere neuen Schilde ausgiebiger testen, Conn?“ schnauzte Lennard mit einer für ihn untypisch aufbrausenden Art.
„Tut mir leid, Captain, ich hatte...“ Vakuf verstummte und starrte geradeaus.
„Schon gut, ist ja nochmal gutgegangen. Lassen Sie uns jetzt feststellen, wieviel Zeit wir noch zurücklegen müsen und dann den letzten Sprung ausführen. Hat irgendjemand eine Theorie, was dieses Spektakel da draussen zu bedeuten haben könnte?“
„Bevor wir nicht wissen, in welcher Epoche wir uns befinden, stelle ich lieber keine Mutmassungen an,“ meinte Stern konstatiert. „Was ich gesehen habe, war ein klingonisches Schlachtschiff, das von Borg und Jem’hadar gemeinsam attackiert worden ist. Es hat sich wohl einiges getan in politischer Hinsicht.“
Konnten wir irgendwelche Daten sameln, die uns weiterhelfen, Mrs. Wuran?“
„Nein, Captain. Das klingonische Schiff hat eine ungefähre Länge von zwanzig km, eine Spannweite von zwölf km und verfügt über schwerste Bewaffnung unbekannten Typs. Sie können mit einem Schuss dieses Zwillingsgeschützes an ihrem Bug einen Borg-Kubus völlig zerstören. Unser Schild hat zumindest den Beschuss der Photonenwaffe, mit der sie den Warbird zerstört haben, schadlos überstanden.“ Wuran widmete ihre Aufmerksameit wieder ihrer Konsole.
„Unser Schild scheint demnach nicht nur gegen Hitze, sondern gegen sämtliche äusseren Ein-flüsse in einem uns unvorstellbaren Masse unempfindlich zu sein. Können Sie sich erklären, woran das liegen könnte?“
„Da muß ich passen, Sir. Ich weiss ja nicht einmal, was genau ich mit der Schildkonfiguration getan habe. Nidor und ich haben für die Umrüstung der Hardware nicht einmal vier Stunden benötigt, alles nach Anweisung des Ewigen. Er hat uns ein tolles Geschenk mit auf den Weg gegeben, würde ich sagen.“
„Eines, ohne das wir eben vaporisiert worden wären, würde ich sagen. Wie sieht es mit der Zeitbestimmung aus?“
Wuran entgegnete etwas unsicher: „Ersten Messungen zufolge befinden wir uns etwa vier-hundert Jahre in der Zukunft. Es sind noch ungefähr zehn Minuten der Datenaufnahme erforderlich, bis wir die Sternzeit auf eine Stelle nach dem Komma genau bestimmen können. Ich schlage vor, daß wir die Wartezeit mit einer weiteren Ebene-Eins-Diagnose nutzen.“
„Das hätte ich als nächstes angeordnet. Gut, machen Sie es so. Mr. Darrn, was spielt sich in unserer Umgebung ab?“
„Keine Aktivität zu verzeichnen, Captain. Wir wären wahrscheinlich ohnehin zu nahe an Alnilam, als dass uns ein gewöhnliches Schiff erreichen könnte. Moment, da... da ruft uns jem-and. Es ist einer der Angreifer; er kommt um die Sonne herum. Die Signale sind durch die Strahlung noch stark gestört, es ist nur eine akustische Verbindung möglich.“ Er legte den Ruf auf die Lautsprecher.
Verzerrt kam eine humanoide Stimme aus der Sprechanlage: „...rufen das unbekannte Schiff nach Föderationsbauart. Bitte melden Sie sich, wir haben ihren Kurs in dieses Gebiet verfolgt und glauben, Sie können uns einige interessante Auskünfte geben.“
Lennard machte ein Zeichen, den Kanal zu schliessen und sah danach Leardini an. „Vorschläge, Commander?“
„Wir sollten erst einmal sehen, um wen es sich handelt, bevor wir unsere Position preisgeben. Vielleicht wollen Sie Nutzen aus der Technik unseres metaphasischen Schildes ziehen.“
„Ein guter Einwand. Wir dürfen uns nicht in die Geschehnisse dieser Epoche einmischen, auch wenn es hier augenscheinlich drunter und drüber geht. Haben wir einen Sichtkontakt?“
„Positiv. Gehe auf maximale Vergrösserung.“ Der Schirm zeigte einen Moment lang nur die Schwärze des Alls - wegen der Nähe zu Alnilam hatten die starken Lichtfilter sämtliche Ster-ne ausgeblendet - und dann in der Mitte den hellgrauen Rumpf in einer für die Föderation typ-ischen Bauweise, jedoch keinen ihnen bekannten Schiffsypen. Der schlanke vordere Teil, der der Untertassensektion der Aldebaran entsprechen würde, sah zumindest äusserlich aus wie der einer für sie neuen Inteprid-Klasse, war aber wie der Rest des Schiffes uralt und völlig sammengeflickt, wie es provisorischer nicht mehr sein konnte. Die Warppylonen waren viel zu groß für ein Schiff dieser Größe und sahen aus wie die einer neuen Schiffsklasse, dessen Prototyp zu ihrer Zeit gerade im Bau gewesen war.
Lennard zögerte nicht mehr lange. „Öffnen Sie eine Grussfrequenz. Hier spricht der Captain des Föderationsschiffes Aldebaran, Lennard. Mit wem haben wir die Ehre?“
Die müde Antwort erstaunte alle: „Föderationsschiff? Sie haben eine same Art von Humor. Ich bin Captain K’path von der Avenger, dritte Brigade Alpha-Quadrant.“
„Avenger? Es war doch früher nicht die Art der Föderation, ihre Schiffe so zu taufen. Wie...?“
„Was ist mit euch los? Die Föderies auf meinem Kahn haben auf einem humanoiden Namen bestanden, weil ihrer Argumentation nach die Technik von Raumfriedhöfen der Sternenflotte stammt. Ah, ich höre, die Verbindung läßt jetzt visuellen Kontakt zu. Moment...“
Das Bild des sammengeschusterten Raumschiffes flackerte und wich der Ansicht einer Brücke. Lennard fiel auf, daß die Mannschaft aus einer abenteuerlichen Mischung von Romu-lanern, Cardassianern, Föderationsmitgliedern und zahlreicher ihm gänzlich unbekannter Wesen bestand. Der Humanoide auf dem Kapitänssessel war ihm von der Rasse her entfernt vertraut. Lennard versuchte sich zu erinnern, wo er solch ein Bild bereits gesehen hatte.
„Sie scheinen erstaunt, Captain. Halten Sie nichts von einem Jem’hadar als Führer eines Wi-derstandsschiffes?“
„Natürlich! Ich wusste doch, daß ich Ihre Art kenne. In den Geheimdienstberichten der Ster-nenflotte über das Dominion...“
Unsanft wurde Lennard von seinem Gesprächspartner unterbrochen: „Was soll diese Scha-rade? Sie sind doch nicht einer dieser Rassisten, oder? Ich sehe fast nur Humanoide auf Ihrer Brücke. Und unseren Unterlagen zufolge war die Aldebaran eines der ersten zwölf Galaxy-Schiffe, und verschwand vor über vierhundert Jahren in diesem Raumsektor. Wer sind Sie wirklich?“
„Wir wurden damals von klingonischen Renegaten sabotiert und gerieten in einen relativistischen Unterlichtflug, der uns in eine ferne Zukunft versetzte. Wir hatten gerade einen Swing-By-Zeitsprung mit der Sonne Alnilams gemacht, als wir mitten auf dem Schlachtfeld auf-tauchten. Das ist die Wahrheit.“ Er breitete die Arme aus. „Scannen Sie unser Schiff, dann werden Sie sehen, dass ich nicht lüge.“
K’path sah über die Schulter zu einem seiner Crewmitglieder, worauf dieser bestätigend nickte. „Ihr Schiff entspricht den gespeicherten Spezifikationen bis ins letzte Detail. Und es ist brandneu.“
„Naja, ein paar Jährchen hat es schon auf dem Buckel. Können Sie uns vielleicht berichten, was seit unserem Verschwinden geschehen ist? Diese Informationen sind äusserst wichtig für uns,“ bat Lennard sie mit drängender Stimme.
Lansam und bedächtig lehnte K’path sich zurück und meinte ironisch: „Sie haben recht, dann haben Sie wirklich etwas, auf das Sie sich freuen können. Gut, ich werde Ihnen Geschichtsunterricht über die letzten vierhundert Jahre geben. Ich sehe mir nur schnell die Sternzeit Ihres Verschwindens an... interessant, das passt ja alles.
Es fing kurz danach an, als es einen Putsch des Hohenrates von Qu’nos gab. Das lief praktisch alles über Nacht ab, die Grenzen wurden dichtgemacht und eine hermetische Nachrichtensperre verhängt; nichts kam mehr aus dem klingonischen Reich heraus oder hinein. So ähnlich wie Jahrzehnte zuvor bei den Romulanern. Die Föderation war genauso beunruhigt wie alle anderen Mächte des Alpha- und Beta-Quadranten, hielten sich aber zurück, da es ja eine innere klingonische Angelegenheit war. Zudem hatten sie auch genug andere Sorgen wie den erneuten Angriff der Borg, der wiederum nur knapp zurückgeschlagen werden konnte.
Nach beinahe zehn Jahren, in der keine einzige Information über das Imperium bekannt geworden war, begannen sie urplötzlich mit einem Angriff auf das Romulanische Reich. Alle waren sprachlos darüber, wie überlegen sie die Romulaner unterwarfen, alles hinwegfegten, was ihnen entgegengestellt wurde. In dieser Zeit erreichten uns die ersten Berichte über ex-trem hochentwickelte Technologie in klingonischer Hand.
Die Föderation wurde davon in Kenntnis gesetzt, dass sie annektiert worden sei und sich bedingungslos zu unterwerfen habe. Ihnen wurde zugesichert, dass sie sehr wohlwollend behandelt würden, da sie so lange Zeit hilfsbereite und loyale Verbündete gewesen waren. Nach den ersten Begegnungen mit den neuen Kriegsschiffen der Klingonen sahen sie recht schnell ein, dass offener Widerstand zwecklos war und ergaben sich. Die Cardassianer waren weniger einsichtig und verloren beinahe ihre samte Flotte. Es gab damals unzählige Opfer und heute sind cardassianische Kreuzer auch nirgends mehr anzutreffen, weil sie einfach zu selten sind und man nirgends Ersatzteile für sie bekommt.
Doch zurück zu den Ambitionen der Klingonen. Sie hatten also in wenigen Jahren den samten Alpha-Quadranten unterworfen und machten sich nun über das Wurmloch bei Bajor an die Besetzung des Gamma-Quadranten. Wer glaubte, dass das Domonion sie dabei aufhalten könnte, sah sich bald getäuscht. Der rätselhafte technologische Quantensprung machte die Klingonen allem haushoch überlegen, was die Galaxis zu bieten hatte. Die Jem’hadar wurden schon bei den ersten Begegnungen gnadenlos aufgerieben, da die Klingonen vom Alpha-Quadranten aus ihre Streitmacht in ihren Rücken hatte schicken können, so als ob sie ein künstliches Wurmloch erschaffen hatten, dank dem sie überall nach Belieben auftauchen konnten.
Das Einzige, was sie auf ihrem Siegeszug bremsen konnte, war die schiere Grösse der Galaxie. Weder Borg, noch Kazonen oder Werrn waren ernsthafte Gegner für sie. Es war einfach so, als seien sie von heute auf morgen tausende von Jahren weiter entwickelt gewesen. In nicht einmal hundert Jahren hatten sie die samte Galaxie bis in den letzten Winkel erobert und unterjocht.
Dadurch war ihr Reich allerdings viel zu gross geworden und zerbrach von innen heraus. Nun gewann der Widerstand neue Hoffnung und der beinahe unentwegte Kampf der Brigaden be-gann, der bis heute anhält.“
„Wer genau sind die Brigaden?“ wollte Leardini wissen.
„Habt ihr das noch immer nicht begriffen? Alle! Der Rest der Galaxis gegen die Klingonen, so heisst die Parole. Leider haben die sich auch ethisch ein wenig weiter entwickelt, sodass sie sich nicht mehr gegenseitig bekämpfen wie früher, sondern jeder sich mit seinem Bruchstrück des galaktischen klingonischen Reiches zufriedengibt und für sich versucht, es zu kontrollieren und von Elementen wie uns zu befreien. Das macht den Kampf gegen sie auch so schwer... und auf lange Sicht hin hoffnungslos.“ Der Jem’hadar liess den Kopf ein wenig hängen.
Lennards Gesicht wirkte entschlossener als je zuvor. „Diese Mistkerle haben es also wirklich geschafft; meine schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten. Hören Sie, K’path, ich glaube mit Bestimmtheit, das Ereignis zu kennen, das zu diesen Zuständen geführt hat und ich gebe Ihnen mein Wort darauf, dass wir in unsere Zeit zurückkehren werden und alles uns Mögliche daransetzen, um diesen Zeitablauf zu korrigieren. So darf es einfach nicht ausgehen.“
„Ihr Wort möge vom grossen Schöpfer erhört werden, Captain Lennard. Wir wünschen Ihnen alles Gute bei ihrem nächsten Sprung und viel Erfolg.“ Die Widerstandskämpfer brachen die Verbindung ab und entfernten sich rasch aus ihrer Nähe, offenbar weil ihnen bewusst ge-worden war, wie wichtig auch für sie die heile Rückkehr der Aldebaran in ihre eigene Ära war. Deshalb wollten sie es wohl vermeiden, zusätzliche Aufmerksameit auf sie zu ziehen, indem sie sich in ihrer Nähe aufhielten.
„Wir wissen nun die genaue Sternzeit. Berechnen Sie umgehend den dritten Sprung auf den Zeitpunkt unserer Sabotage durch Baor und machen Sie das Schiff klar zum Gefecht.“ Lennard sah seine Crew mit düsterem Blick an. „Der letzte Perihel-Flug wird unter rotem Alarm ausgeführt.“
[Fortsetzung folgt morgen...]
... comment