Sonntag, 12. November 2006
ST1.22 : KAPITEL ACHTerschiff
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[... Fortsetzung von gestern]
- 8 -
„Sie gehen in Angriffsposition, Captain,“ rief Vakuf alarmiert.

„Schön, dass sie uns mit dem traditionellen klingonischen Kriegerspruch ins Jenseits schicken wollen. Was jetzt, * Kyle*?“ Gespannt sah Leardini ihn an.

Vakuf, steuern Sie die Pa’neth an und ignorieren Sie die Bird of Prey vorerst. Sie sind nicht schnell genug, um uns zu entkommen, also können wir uns noch später um sie kümmern. Ka-zuki, alle Waffen auf das Führungsschiff. Laden Sie auch alle hinteren Phaserbänke und den Achter-Torpedolauncher, sodass wir nach dem ersten Vorbeiflug eine volle Salve auf ihren Hauptantrieb abfeuern können.“

„Es wird ernst. Festhalten!“ warnte Vakuf beim Einschwenken des Schiffes. Die Trägheits-dämpfer hatten trotzdem keine Probleme damit, die Bewegungen der Aldebaran auszugleichen, als sie direkten Kurs auf den großen Klingonenkreuzer nahmen.

Die drei Bird of Prey flogen erste Angriffe auf sie, brachten ihre Schilde jedoch nicht einmal zum Flackern. Kazuki nahm mit den beiden oberen Achterphasern einen von ihnen aufs Korn und reduzierte dessen Schutzschilde beträchtlich, konnte aber nicht durchdringen. Dann be-gann der Vor’cha-Kreuzer aus grösserer Distanz mit seinen Disruptoren und mehreren Photonentorpedos auf sie zu feuern.

„Ausweichkurs fliegen! Sie sollen unseren Vorteil nicht zu früh bemerken,“ rief Lennard erregt; er war jetzt ganz vom Kampffieber gepackt.

Sie drehten in einer weiten Linkskurve ab und stiegen dabei gleichzeitig auf, wodurch sie der Pa’neth ihre Unterfront zuwandten. Dabei konnte Kazuki den vorderen Torpedolauncher zweimal betätigen und die grosse untere Phaserbank der Untertassensektion mehrmals abfeuern sowie den unteren Phaser der Kampfsektion. Er schoss nur einmal mit der Phaserbank vorbei, die restlichen Attacken trafen die rechten Schilde mittschiffs und achtern der Klingonen und schwächten diese.

Dann war der erste Anflug vorbei und sie zogen beide eine weite Schleife für den zweiten Angriff, während sie immer noch von den drei kleinen Feindraumschiffen umkreist und beschossen wurden.

„Sind wir getroffen worden?“ wollte Lennard wissen. Er hatte nichts von den Aufschlägen gespürt, wusste jedoch von seiner Zeit auf der Diligence her genau, wie sich die Stösse und Vibrationen des Decks bei einem Treffer anfühlten.

„Zwei Torpedotreffer und drei Disruptorladungen auf den vorderen Schilden. Keinerlei Wirkung auf die Schildintegrität. Das ist phantastisch, Captain.“ Kazuki war sichtlich begeistert.

„Wir müssen uns etwas einfallen lassen, bevor sie herausfinden, was hier gespielt wird. Momentan sind sie noch Kampfeslustig, doch wenn ihnen bewusst wird, wie dieser Kampf für sie enden könnte, werden sie die technischen Daten des Ewigen auf alle ihre Schiffe verteilen, sich tarnen und in alle sechs Himmelsrichtungen auseinanderflüchten, um sicherzustellen, dass sie im Besitz der Daten bleiben. Bestimmt haben schon alle Schiffe die Daten.“

„Sind Sie nicht ein wenig zu zuversichtlich, was den Ausgang des Kampfes angeht, Captain? Die Bird of Prey beschiessen uns unentwegt mit sämtlichen Bordwaffen,“ gab Vakuf zu bedenken.

„Sie haben recht, Lieutenant Commander,“ stimmte Lennard zu, „wir ändern unsere Taktik. Übernehmen Sie die hinteren Phaserbänke und selbigen Torpedolauncher, Vakuf. Counselor, bitte ans Steuer. So können wir sie optimal eindecken beim nächsten Angriff.“

Ohne ein Wort des Widerspruchs nahmen die beiden Genannten ihre unkonventionellen Positionen ein. Kazuki empfing die Vulcanierin mit den Worten: „Bitte, ich habe alle für Sie benötigten Kontrollen auf die rechte Seite der Gefechtsstation verlegt.“

„Danke, Mr. Kazuki. Captain?“ Vakuf sah fragend auf.

„Feuern Sie nach eigenem Ermessen. Sam, fliegen Sie auf Kollisionskurs direkt auf die Pa’neth zu und unterfliegen sie sie dann,“ instruierte er die junge Betazoidin, die bereits hinter die Conn-Konsole geglitten war.

„Aye, Sir.“

„Öffnen Sie einen Kanal zur Pa’neth,“ forderte er und schrie zum Hauptbildschirm, sobald die Verbindung stand: „Sie wollen es also wissen? Ich werde Sie alle mitnehmen. Wir werden einen glorreichen Tod erringen, um die Galaxie vor Ihren Plänen zu bewahren.“

Sie unterbrachen die Verbindung und beschleunigten mit direktem Kurs auf den mächtigen Vor’cha-Kreuzer zu. Vakuf hielt mit allen fünf unteren Phasern auf einen Bird of Prey, der sie unterflog, traf ihn viermal und brachte seine Schutzschilde durch die geballten Energieentladungen beinahe zum sammenbruch. Als er dann nach oben wegzog, kam er ins Schussfeld der hinteren Torpedos. Vakuf liess ihn seinen Fehler mit zwei Torpedotreffern bezahlen, von denen der erste seine Schilde sammenbrechen ließ und der zweite in seine Maschinensektion einschlug. Wie durch ein Wunder explodierte auch dieser Bird of Prey nicht augenblicklich und bewies einmal mehr die extreme Robustheit dieses prinzipiell veralteten Schiffstyps. Er trieb energielos durchs All davon und war damit aus dem Kampf ausgeschieden.

Kall hielt genau auf den grossen Kreuzer zu, während Kazuki nun mit sporadischen Schüssen der beiden Untertassen-Phaserbänke die beiden anderen leichten Kampfschiffe fernhielt. Gleichzeitig schleuderte er dem Vor’cha drei Photonentorpedos entgegen, die sämtlich auf den vorderen Schilden des Gegners zerplatzten und sie wild aufflackern liessen. Diese waren damit sicher der Hälfte ihrer Kapazität beraubt. Es sah so aus, als wollten sie sich wirklich auf das Führungsschiff stürzen, das nun zurückfeuerte. Da die Aldebaran eine sehr kleine Stirnfläche bot, gingen zwei der drei Disruptorentladungen vorbei. Sie wurden während ihres Anfluges mit fünf Photonentorpedos eingedeckt, die alle gegen ihre Schilde prallten und ver-pufften wie Wassertropfen auf einer offenen Plasmaleitung. Rasend schnell schoss die Pa’neth heran und füllte ihren Bildschirm aus.

„Dauerfeuer!“ rief Lennard und dachte gleichzeitig: ' Jetzt, Sam! Rollen Sie sie halb, wenn wir unter ihnen hindurchkommen. ’

Sam zog die Aldebaran kurz vor dem sammenstoss hinab, nur ein wenig, sodass sie die Pa’neth in weniger als zwei Kilometern passierten. Als der letzte klingonische Torpedo über sie hinwegfauchte, feuerte Kazuki einen Dauerimpuls aus der oberen Phaserbank der UT-Sektion und der beiden kleinen Phaser am vorderen Rand der Kampfsektion auf die Unterseite der Mittelsektion, wo auch Vakuf mit den beiden kleinen Phasern am oberen Heck der Maschinenhülle traf.

Mit einer für ein so gewaltiges Schiff, wie die Aldebaran eines war, unglaublich flüssigen Bewegung drehte Kall das Schiff während des Vorbeifluges um die Längsachse, worauf die Unterseiten der beiden Schiffe einander zugewandt waren. Der Sicherheitsoffizier reagierte instinktiv und setzte nun die untere UT-Phaserbank sowie die Bank auf der Unterseite der Ma-schinenhülle für zwei lange Feuerstösse ein. Die Vulcanierin stand ihm in nichts nach und ge-brauchte die vier kleinen Phaser an den unteren Aussenseiten der Warppylonen und unter dem Heck des Schiffes.

Sie waren nur Sekunden im Feuerbereich des Anderen gewesen, doch sie hatten alle ihre verfügbaren Waffen eingesetzt und vor allem die Unterseite des Mittschiffs und Hecks empfindlich getroffen. Die Schilde des strukturell dünnen und schwachen Verbindungsteiles des Bugs und des großen, breiten Hecks waren generell nicht die stärksten des Schiffes und nach dieser vollen Breitseite praktisch nicht mehr existent. Die Klingonen mussten ihre Frontschilde bei ihrem Anflug verstärkt gehabt haben und waren offensichtlich von ihrem Manöver überrumpelt worden, da sie nur einen oder zwei Treffer auf den Schilden der Aldebaran hatten landen können. Als sie das Heck passiert hatten, schoss Vakuf noch eine Vierersalve von Photonentorpedos ab, von denen drei direkt über dem Heck des Kreuzers einschlugen und damit auch noch die empfindliche Maschinensektion verwundbarer machte.

„Sehr gut, das beschäftigt sie erst einmal. Bleiben Sie dran, Sam.“ Lennard beobachtete befriedigt, wie die Aldebaran eine enge Kurve beschrieb und sich ans Heck der Pa’neth hängte. Dann sah Lennard auf seinem taktischen Display einen der Bird of Prey, der dabei war, ein Stück vor ihnen ihre Bahn zu kreuzen. Ihm kam eine verwegene Idee.

Plötzlich beschleunigte Kall mit vollem Impuls und hielt direkt auf das kleine klingonische Raumschiff zu. Leardini schrie auf, als der Bird of Prey in einer grellen Explosion an den Schilden der Aldebaran zerschellte und das Schiff beim Aufprall vibrierte. Eiskalt zog Kall sofort wieder herum und flog erneut den Vor’cha an.

„Gut reagiert, Counselor. Unsere Kommandokette scheint effektiv zu arbeiten,“ lobte Lennard

seine Pilotin.“

„Aye, Sir. Was hatten Sie mir vorhin in Bezug auf die neuen Schilde geraten, Sir?“ gab sie grinsend zurück.

„Kein Grund, gleich vorlaut zu werden, nicht wahr? Ich sagte, Sie sollten die Schilde nicht überschätzen. Ich darf das, ich bin der Captain,“ wies er sie zurecht.

„Aye, Sir.“ Er sah ihr Gesicht nicht, hörte ihr aber an, dass sie diese Worte mit ihrem leicht ausgeflippten Grinsen, das von einem Ohr bis zum anderen reichen musste, sagte.

„Und jetzt wieder zur Pa’neth,“ erinnerte er sie.

„Sie fliegt einen weiten Bogen am Rande der Erfassungsreichweite der Waffen, Captain. Of-fenbar versucht sie, ihre Schilde erneut aufzubauen. Sie werden vorsichtiger,“ bemerkte Wuran aus dem Hintergrund.

„Das ist nicht gut. Wo befindet sich der letzte Bird of Prey?“

„Achteraus tief, fliegt an und feuert mit Disruptorladungen,“ gab Vakuf zurück.

„Weichen Sie aus und fahren Sie die Schilde zweimal herunter, in unregelmässigen Ab-ständen und für mehrere Sekunden,“ befahl Lennard.

„Ist das nicht ziemlich riskant, * Kyle*?“ wollte Leardini leise wissen.

Er führte für alle laut vernehmbar aus: „Wir müssen Sie aus der Reserve locken, solange wir die Chance dazu haben. Wenn Sie registrieren, dass unsere Schilde mehrmals ausfallen, glaubt der Captain der Pa’neth vielleicht, dass unser erster Angriff ihre Sensorenphalanx beschädigt oder überlastet hat. Wir werden sogar einen Schritt weitergehen und einen Schuss des Bird of Prey durchlassen. Kazuki, Vakuf, halten Sie ihn auf Distanz, damit er keinen ge-zielten Treffer landen kann. Kall, bekommen Sie das hin, einem aus grosser Distanz anfliegenden Photonentorpedo so knapp wie möglich auszuweichen?“

Kein Problem, Sir,“ bestätigte die Betazoidin am Steuer.

„Wir nähern uns lansam der Pa’neth. Der Kleine bleibt auf Distanz. Da! Er hat gerade drei Photonentorpedos abgefeuert. Sie weisen eine grosse Streuung auf. Es ist soweit.“ Kall legte die Aldebaran in eine leichte Rechtskurve, die auf dem Schiff dank der Trägheitsdämpfer nicht zu spüren war.

„Schilde auf ein halbes Prozent herunterfahren. Jetzt, Sam!“ rief Lennard.

Sam manövrierte angestrengt, ihre Finger flogen nur so über die Conn-Kontrollen. Sie liess den ersten rotgoldenen Lichtball vor dem Bug vorbeijagen und steuerte diesen dann knapp in die Bahn des zweiten. Er traf auf die Schilde, die nun zweihundertmal schwächer eingestellt waren als während des Kampfes, und explodierte mit einem grellen Lichtblitz. Die Schilde über der ganzen Untertassensektion wurden durch elektrische Entladungen erhellt, welche üb-er das halbe Schiff leckten.

Der dritte Torpedo verfehlte ihr Heck nur um Meter und erzielte den gleichen Effekt über den Schilden der Warppylonen.

„Tolle Lightshow, nicht wahr? Das sah wirklich ganz so aus, als seien unsere Schilde komplett sammengebrochen. Die Pa’neth steuert auf uns zu und lädt sämtliche Waffen. Bereit zum Hochfahren der Schilde, Captain.“

„Noch nicht. Wir müssen sie in Sicherheit wiegen. Entladen Sie die untere Phaserbank der Untertassensektion, Mr. Kazuki. Sie sollen glauben, dass wir grössere Schäden haben, als sie feststellen können, und deshalb Energie für die Schilde von den Hauptwaffen abziehen.“

Leardini bemerkte: „Sie sind ja geradezu verschlagen, Captain.“

Er lächelte nur wissend und sagte dann: „Schilde hoch, volle Breitseite mit allen verbliebenen Waffen. Versuchen Sie, hinter Sie zu kommen, Sam.“

Statt einer Bestätigung beschleunigte Kall und stiess in einem flachen Winkel auf den Gegner hinab. Dieser hatte den Direktangriff wohl erwartet, diese Handlung jedoch eher als Verzweiflungstat ausgelegt denn als überlegte Handlungsweise. Kazuki schoss in kurzer Folge ein halbes Dutzend Photonentorpedos ab, von denen fünf den Bug und die Brücke auf der Ob-erseite des Mittelteiles des Vor’cha trafen. Die ersten vier zerstörten durch die enge Streuung einen der vorderen Schilde völlig, der fünfte schlug kurz vor der Brücke ein und riss ein grosses Loch in den Rumpf, aus dem Flammen und Gerätschaften des Schiffes ins All hinausschossen.

Dann geschah etwas völlig Unerwartetes: Kall stoppte die Aldebaran nach einer Schleife tief neben der waidwunden Pa’neth, die sich noch immer sporadisch mit Disruptorfeuer wehrte, während der Bird of Prey nun todesmutig mit allem, was er hatte, auf sie einhämmerte, wohl in der Hoffnung, ihre Schilde seien nur vorübergehend wieder stabil. Sie setzte das Schiff in Bewegung, bis sie sich fast genau unter dem Kreuzer befanden, zog dann nach oben und be-schleunigte lansam, aber stetig. „Das könnte jetzt gleich ein wenig rütteln.“

„Kollisionsalarm!“ rief Leardini entsetzt, als sie Kalls Absicht bemerkte. Es war bereits zu spät, um sie noch von ihrem Vorhaben abzubringen.

Das Brückendeck erbebte tatsächlich schwer, als die strukturell hochfeste Kante der Untertas-sensektion auf den zerschossenen Mittelteil des Vor’cha traf. Sie traf ihn nicht wirklich, viel-mehr nahmen diese unglaublich effektiven metaphasischen Schilde den grössten Teil der ki-netischen Energie auf und übertrugen nur einen verhältnismäßig schwachen Stoss auf ihr Schiff. Sie berührten den Rumpf des Klingonen nicht einmal, während dieser mit einem ohr-enbetäubenden Kreischen auseinanderbrach. Der Bug wurde von den Schilden nach oben, das Heckteil mit der Brücke nach unten weggedrückt.

„Ich kann nicht glauben, dass Sie das getan haben, Sam!“ rief Leardini völlig fassungslos.

Kazuki ging diese Wendung der Dinge sachlicher an. „Verzeihen Sie bitte, werte Kollegin, darf ich ‘mal?“

Und mit diesen Worten stellte er sich an Vakufs Teil der Konsole und schoss nacheinander fünf Photonentorpedos ab.

Gebannt verfolgten alle auf der Brücke die funkelnden rötlichen Sterne, die mit Überlichtgeschwindigkeit durch den Raum schossen. Die ersten beiden Antimaterie-Sprengköpfe trafen den Bug fast gleichzeitig und liessen ihn in tausend Stücke zerplatzen. Von den anderen dreien trafen nur zwei die Maschinensektion, doch das genügte. Der erste schlug in die Mitte der Rumpfmasse ein, der zweite eine Sekunde danach an der gleichen Stelle. Durch die enor-me Wucht des Aufschlages wurde der Rumpf durchbrochen, an der anderen Seite trat eine Feuersäule aus dem Schiff aus. Danach brach die Eindämmung des Warpkernes sammen und zerfetzte den Kreuzer vollends. Diese Druckwelle spürten sie als leichte Vibration.

„Überlebende?“ fragte Lennard nüchtern.

Stockend antwortete Wuran: „Negativ, Sir.“

„Nehme Verfolgung des letzten Bird of Prey auf,“ teilte Kall ihnen mit. Jetzt ging es um jede Sekunde, da das kleine Kampfschiff ihnen keinenfalls entkommen durfte. Kazuki hatte sein Ziel bereits anvisiert und beharkte es mit Phaserstössen, als es plötzlich eine Schleife flog und sich bei diesem Manöver tarnte. Ohnmächtig sah Lennard zu, wie die Konturen des schlanken Flugkörpers verschwammen und transparent wurden.

In diesem Augenblick traf einer der Phaser den rechten Ausleger.

Es war nur ein Streifschuß an der Disruptorkanone, doch da die Maschine zum Tarnen die Schilde hatten senken müssen, genügte die Wirkung des hochenergetischen Phaserstoßes, um die samte Waffen-Träger-Einheit abzureissen. Sie taumelte durchs All davon, während sich der Rest des Schiffes wegen des Schadens ebenfalls enttarnte.

„Captain, sie rufen uns,“ meldete Wuran.

„Wir antworten nicht. Mr. Kazuki, Sie haben Ihre Befehle.“ Lennards Gesicht war ebenso un-bewegt wie das des Japaners, als dieser einen weiteren Phaser abfeuerte, der die Maschinen-hülle des Bird of Prey durchschlug.

Manche senkten die Köpfe beim gleissenden Feuerschein der letzten Explosion dieser gna-denlosen Raumschlacht, die so viele Opfer gekostet hatte. Dann waren sie allein, umgeben von zum Teil noch matt glühenden Trümmerstücken der zerstörten Raumschiffe.

Niemand sagte ein Wort, als sie den ersten Bird of Prey, welcher noch immer mit zerstörtem Antrieb wehrlos durchs All driftete, anflogen und zerstörten. Dies war keine Heldentat, doch sie waren alle der Überzeugung, dass ihnen die klingonischen Renegaten keine andere Wahl gelassen hatten.

Es war vorbei.

„Scannen Sie den umgebenden Raum nach Lebenszeichen,“ wies Lennard Darrn mit ernster Miene an.

„Suche negativ, Captain,“ kam die tonlose Antwort.

„Haben wir die Störung des Subraumfunkes aufrechterhalten können?“

Vakuf war an ihre Konsole zurückgekehrt, nicht ohne einen leicht befremdeten Seitenblick auf die Counselor zu werfen. „Ja, Captain. Sie hatten keine Chance, einen Spruch abzuset-zen.“

„Zurückgehen auf Alarmstufe gelb. Wir fliegen den umgebenden Raum nach Sonden ab, die sie mit der Information losgeschickt haben könnten. Wenn wir keine finden, haben wir es üb-erstanden.“ Mit matter Stimme sagte er das, bevor er erschöpft in seinen Sessel zurücksank und sich die Schläfen rieb.

„Ich bin sicher, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, * Kyle*. Dieses Opfer muss-te sein, auch wenn so viele von ihnen...“ Leardinis Stimme erstarb; statt dessen drückte sie ihm den Unterarm als Zeichen des Trostes. Natürlich sah zufällig gerade niemand auf der Brücke in ihre Richtung.




„Das ist dann also die offizielle Version unseres Abschlussberichtes,“ zog Lennard bei der Nachbesprechung in der Beobachtungslounge Bilanz. „Will noch jemand etwas hinzufügen?“

Betretenes Schweigen.

„Ich freue mich schon auf die Befragung durch die temporale Ermittlungskommision,“ stöhnte Stern.

„Das ist wohl eine unserer kleineren Sorgen, lieber Doktor,“ meinte Leardini.

Stern sah auf: „Können Sie mich bitte aufklären, Commander?“

„Wir alle hier waren auf der Brücke und haben den Angriff des Captains auf ein klingon-isches Schiff gebilligt, und zwar stillschweigend. Spätestens nach seiner Anrede ‘im Namen aller freien Völker der Galaxie’ hätten wir ihn des Kommandos entheben und in seinem Quar-tier arretieren müssen, mit einer Wache vor der Tür.“

Stefania, er war geistig vollkommen normal, wenn Sie das andeuten wollen. Das kann ich Ihnen versichern,“ bemerkte Kall.

„Ach, und wer kann mir das hinsichtlich Ihres Manövers vorhin versichern? Sie hätten uns alle umbringen können bei dieser Rammbock-Aktion,“ ereiferte Leardini sich.

„Was soll ich sagen? Man bekommt nicht jeden Tag von einem Ewigen verstärkte metaphasi-sche Schilde als Dreingabe.“ Sie hob die Schultern.

„Das ist das Ungeheuerlichste, das ich je gehört habe,“ sagte Leardini halb empört, halb resig-nierend.

„Fakt ist, dass vielleicht niemand von uns nach dieser Mission je wieder den Fuß auf die Brücke eines Sternenflottenschiffes setzen wird,“ bemerkte Lennard düster.

„Unsere Lage ist tatsächlich ziemlich pikant,“ schaltete Vakuf sich ein, „und dennoch würde ich an Ihrer Stelle nicht allzu pessimistisch sein. Wir werden bestimmt fair behandelt werden, nachdem alle unsere Aufzeichnungen über die Geschehnisse ausgewertet wurden.“




„Ihr Wort in Gottes Ohr,“ meinte Stern und erhob sich mit den anderen.
„Wo seid ihr bloss geblieben, Aldebaran?“ war das erste, was sie nach einem guten Tag Flug mit Warp Neun von der Sternenflotte hörten, sobald sie weit genug vom störenden Einfluss von Alnilam entfernt waren. „Um uns herum geht die Welt unter, und ihr gondelt seelenruhig durch die Weltgeschichte.“

„Wenn ihr wüsstet,“ gab Wuran dem Kommunikationsoffizier der Raumbasis auf Antares zurück. „Aber vielleicht klären Sie uns ja über den neuesten Stand der Dinge auf.“

„Gut, das Wichtigste zuerst, falls ihr welchen begegnen solltet: die Klingonen haben das Khi-tomer-Abkommen widerrufen und den Bündnispakt mit der Föderation aufgelöst.“

Ein eisiger Schauer lief Leardini, die gerade das Kommando hatte, über den Rücken.

„Oh mein Gott! Gowron ist gestürzt worden?“

„Von wegen, der klingonische Kanzler ist mächtiger als je zuvor. Er hat eine riesige Armada losgesandt, um Cardassia zu erobern, da der dortige Umsturz der Militärregierung und das Einsetzen eines zivilen Rates für ihn ein Zeichen dafür war, dass die Macht von Wechsel-bälgern übernommen worden ist. Die Föderation war natürlich alles andere als einverstanden mit dieser ‘Angriff-ist-die-beste-Verteidigung-Strategie’ und weigerte sich, dieses Vorhaben zu unterstützen. Es kam zum Bruch und zur klingonischen Invasion auf Cardassia. Als Deep Space Nine die Defiant nach Cardassia Prime sandte, um die Zivilregierung vor der Gefan-gennahme zu bewahren und sie nach DS9 ins Exil brachte, eskalierte die Situation.

Um es kurz zu machen: die klingonische Flotte attackierte die Station und hätte sie sicher zer-stört, wenn diese nicht seit einem Jahr schon bis auf die Zähne aufgerüstet worden wäre, um sich gegen das Dominion bei einem Eindringen in den Alpha-Quadranten zur Wehr setzen zu können. Wir hatten eine Entsatzflotte geschickt, dessen Führungsschiff eigentlich die Aldeba-ran sein sollte, aber ihr wart leider nicht erreichbar, deshalb hat das die Venture übernom-men. Tja, Pech für euch, Leute.“

Leardini sah verdutzt zu Wuran hoch: „Ist das nicht Ironie des Schicksals, Cluy? Noch nie ist irgendetwas auf diesem Schiff geschehen, und just zu dem Zeitpunkt, zu dem wir unsere klei-ne Odyssee durchleben, geht hier alles drunter und drüber.“

„Die Propheten zeigen uns same Pfade auf, Commander,“ gab diese rätselhaft zurück.

„Wohl wahr. Antworten Sie der Basis, dass wir in gut drei Tagen ankommen und ebenfalls einiges zu berichten haben.“

Sie flogen einer ungewissen Zukunft entgegen. Niemand konnte sagen, welche Veränderun-gen der schier unermessliche Wissensschatz, den sie in ihren Computerkernen gespeichert hatten, ihnen künftig bringen würde. Von heute auf morgen würde wenig geschehen, da die Auswertung und Nutzbarkeitmachung von all dem Dutzende Jahre in Anspruch nehmen wür-de, doch es war sichergestellt, dass dieser Wissensvorsprung nur für friedliche und sinnvolle Ziele eingesetzt würde und nicht zur militärischen Übervorteilung und Unterwerfung von an-deren Rassen.

Was sie damals noch nicht wussten: die ersten Ergebnisse der Auswertung der Wissens-summe von dreiundzwanzig Zivilisatonen würden bereits innerhalb der nächsten sechs Mon-ate in die Konstruktion eines beinahe schon fertigen Prototyps einfliessen und diesen in einig-en Details so entscheidend verbessern, daß man diesen kurzerhand zum neuen Flaggschiff der Sternenflotte erklären würde. Picards Crew würde somit erheblich früher als verhofft zu seiner neuen Enterprise, nun doch mit dem Anhang -E versehen, kommen und das schmucke Galaxy-Schiff mit den drei Warp-Pylonen, das sie bei ihrem Abflug von der Orbitalwerft Antares noch staunend bewundert hatten, würde nur noch als Prototyp vollendet werden und nach einigen Testflügen im Raumfahrtmuseum ein besonders sehenswertes Exponat abgeben.

Dank ihres Einsatzes würden die neuen Schilde der Enterprise-E den Waffen der Borg mühe-los standhalten und den Menschen den Sieg gegen den Kubus, der die Erde in weniger als zwei Jahren angreifen würde, ein wenig leichter machen.

All das lag noch im Ungewissen für die Besatzung der Aldebaran, doch für sie hatte die Zu-kunft bereits begonnen.
ENDE

[Ich hoffe, es hat euch genauso gut gefallen wie mir.

(Wer eine Fortsetzung dieses Buches lesen will kann hier gerne einen Eintrag hinterlassen, oder mailen, vielleicht können wir Andilone ja überreden eine Fortsetzung zu schreiben ;-)

Und vielen Dank allen Lesern, und dem netten Feedback, sowas freut andilone und mich natürlich sehr,
CyMeP ]

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