Dienstag, 14. November 2006
T1.0.1 Prolog
cymep, 14:08h
Realitäten im Wandel
- P R O L O G -
Mount Mitchell, Yancey County, North Carolina, USA 17. Dezember 2029
Ein eisiger, strenger Wind wehte über die schneebedeckten, kahlen Hänge der Appalachen und ließ den Männern und Frauen das Blut in den Adern gefrieren. Zu Hunderten quälten sie sich mühsam, teils mit schwerer Ausrüstung, die mit über 6700 Fuß höchste Erhebung des Gebirges hinauf. Es war nur noch gut eine Stunde bis Sonnenaufgang, und sie kamen sehr langsam voran, immer auf der Hut vor Fallen, Hinterhalten oder fliegenden Patrouillen. In weiser Voraussicht hatte General Mahtobu den Westhang für ihren Aufstieg gewählt, weil es auf dieser Seite des Mount Mitchell zuletzt hell werden würde. Wenn man noch von Helligkeit reden konnte angesichts des bitterkalten Winters, der auf weiten Teilen der nördlichen Hemisphäre der Erde herrschte. Eigentlich war der Tagesanbruch nur ein vager Schimmer, ein trüber Fleck am Himmel, der anzeigte, wo etwa die Sonne sich hinter den dichten Wolkenschichten verbarg.
Mahtobu war alt genug, um sich noch sehr gut an die Sonne in den alten Zeiten erinnern zu können. Er hasste die Maschinen abgrundtief dafür, was sie seiner Welt angetan hatten, in der Absicht, die Menschheit auszulöschen. Er war ein hervorragender Stratege und ein fanatischer Perfektionist, was nur zwei der Gründe dafür waren, dass er ein so guter und bedeutsamer Soldat geworden war.
Er pflegte gerne Haldeman zu zitieren: „Ich bin nur ein mittelmäßiger Kämpfer mit einer einzigen Besonderheit: Man hat stets an mir vorbeigeschossen.“
Heute verfluchte er die Maschinen dafür, dass sie sich ausgerechnet den höchsten Punkt der Appalachen für den Bau ihres Stützpunktes ausgesucht hatten. Die Kuppe war vollständig abgetragen worden und war einer achteckigen Festung mit einer sichtbaren Grundfläche von vielleicht fünfzig acre gewichen; niemand wusste indes, wie tief diese Anlage hinabreichte. Auch das hasste Mahtobu an den Maschinen: ihre Neigung, sich tief in die Eingeweide der Berge und in den Boden hineinzugraben, alles auszuhöhlen und labyrinthartige Irrgärten anzulegen. Gnade Gott demjenigen, der sich in dieses Gewirr aus Gängen und Hallen wagen musste.
Sie zum Beispiel waren gerade im Begriff, das zu tun.
Mit einem flauen Gefühl im Magen dachte er an den ersten Erkundungstrupp, den sie vor über einer Woche zum Berg geschickt hatten. Sie hatten nie wieder etwas von ihm gehört. Ihnen durfte das nicht passieren, dafür war ihre Mission einfach zu wichtig.
[Fortsetzung folgt noch heute...]
- P R O L O G -
Mount Mitchell, Yancey County, North Carolina, USA 17. Dezember 2029
Ein eisiger, strenger Wind wehte über die schneebedeckten, kahlen Hänge der Appalachen und ließ den Männern und Frauen das Blut in den Adern gefrieren. Zu Hunderten quälten sie sich mühsam, teils mit schwerer Ausrüstung, die mit über 6700 Fuß höchste Erhebung des Gebirges hinauf. Es war nur noch gut eine Stunde bis Sonnenaufgang, und sie kamen sehr langsam voran, immer auf der Hut vor Fallen, Hinterhalten oder fliegenden Patrouillen. In weiser Voraussicht hatte General Mahtobu den Westhang für ihren Aufstieg gewählt, weil es auf dieser Seite des Mount Mitchell zuletzt hell werden würde. Wenn man noch von Helligkeit reden konnte angesichts des bitterkalten Winters, der auf weiten Teilen der nördlichen Hemisphäre der Erde herrschte. Eigentlich war der Tagesanbruch nur ein vager Schimmer, ein trüber Fleck am Himmel, der anzeigte, wo etwa die Sonne sich hinter den dichten Wolkenschichten verbarg.
Mahtobu war alt genug, um sich noch sehr gut an die Sonne in den alten Zeiten erinnern zu können. Er hasste die Maschinen abgrundtief dafür, was sie seiner Welt angetan hatten, in der Absicht, die Menschheit auszulöschen. Er war ein hervorragender Stratege und ein fanatischer Perfektionist, was nur zwei der Gründe dafür waren, dass er ein so guter und bedeutsamer Soldat geworden war.
Er pflegte gerne Haldeman zu zitieren: „Ich bin nur ein mittelmäßiger Kämpfer mit einer einzigen Besonderheit: Man hat stets an mir vorbeigeschossen.“
Heute verfluchte er die Maschinen dafür, dass sie sich ausgerechnet den höchsten Punkt der Appalachen für den Bau ihres Stützpunktes ausgesucht hatten. Die Kuppe war vollständig abgetragen worden und war einer achteckigen Festung mit einer sichtbaren Grundfläche von vielleicht fünfzig acre gewichen; niemand wusste indes, wie tief diese Anlage hinabreichte. Auch das hasste Mahtobu an den Maschinen: ihre Neigung, sich tief in die Eingeweide der Berge und in den Boden hineinzugraben, alles auszuhöhlen und labyrinthartige Irrgärten anzulegen. Gnade Gott demjenigen, der sich in dieses Gewirr aus Gängen und Hallen wagen musste.
Sie zum Beispiel waren gerade im Begriff, das zu tun.
Mit einem flauen Gefühl im Magen dachte er an den ersten Erkundungstrupp, den sie vor über einer Woche zum Berg geschickt hatten. Sie hatten nie wieder etwas von ihm gehört. Ihnen durfte das nicht passieren, dafür war ihre Mission einfach zu wichtig.
[Fortsetzung folgt noch heute...]
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