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Dienstag, 14. November 2006
T1.0.3 : Mount Mitchell, die Festung der Maschinen
[... Fortsetzung des Buches]

Mount Mitchell, Yancey County, North Carolina, USA 17. Dezember 2029

Die Stoßtrupps der Infanterie waren etwa fünfhundert Fuß unterhalb der Festungsbasis auf die ersten Zugänge gestoßen. General Mahtobu ging auf Nummer Sicher und ließ sie mit schweren Geschützen aufsprengen. Wie erwartet, befanden sich auch in dieser Anlage noch zig Terminatoren in Alarmbereitschaft, von denen die ersten sie auch gleich mit Plasmaimpulswaffen unter Feuer nahmen.
Irgendetwas stimmte nicht mit den verdammten Automaten. Skynet hatte in der letzten Zeit beinahe menschliche Züge der Verzweiflung gezeigt und begonnen, mit Verschlagenheit und Tücke immer neue Taktiken zu ersinnen, von denen die Zeitreise nicht die einzige war. Eine weitere Methode des Widerstandes war es, nicht nur seine diversen Festungsanlagen unabhängig von seiner direkten Kontrolle agieren zu lassen. Auch die einzelnen Terminatoren, im Normalfall unmittelbar von der Festungsanlage gesteuert und koordiniert, wurden statt dessen zunehmend im WRITE-Modus agierend angetroffen.
Als ihnen die ersten Terminatoren der 800er Serie in die Hände gefallen waren, hatte man sie natürlich gründlichst untersucht. Dabei entdeckte man, dass der Hauptprozessor der Endoskelette extrem leistungsfähig war, jedoch über einen mechanischen Schalter verfügte, welcher den großen Unterschied des Operationsmodus ausmachte.
In den meisten Fällen war dieser Schalter auf READ ONLY eingestellt, was bedeutete, dass der Prozessor sämtliche Daten, die seine Sensoren ihm lieferten, zwar verarbeitete, was ihn entsprechend seiner Programmierung angemessen handeln ließ. Diese war allerdings festgeschrieben, sodass keine neuen Parameter zu den vorhandenen Programmen hinzugefügt wurden. Dieser Modus wurde vor allem bei den gemeinen Kampfmaschinen verwendet, den Terminator-Endoskeletten ohne tarnendes menschliches Gewebe, die direkt von Skynet ferngesteuert wurden.
Doch für spezielle Aufträge, wenn die Maschinen in Menschengestalt sich unter die Rebellen mischen sollten, ohne erkannt zu werden, war mehr nötig als eine umfassende Programmierung mit Missionsparametern. Dann wurde der Schalter auf WRITE umgelegt, sodass der Prozessor Daten und Erfahrungen verarbeiten, neue Querverbindungen erstellen und auf seine elektronische Art in gewissem Umfang eigenständig denken konnte, da sein vernetzter Speicherblock einem neuralen biologischen Nervengewebe nachempfunden war. Die Maschine konnte dann dazulernen, sich an neue Situationen anpassen und auf eine geradezu unheimliche Weise als Mensch durchgehen. Enttarnt wurden diese Terminatoren meist erst durch Hunde, die das künstlich erzeugte Gewebe erschnüffeln konnten und sofort aggressiv auf die Anwesenheit eines Cyborgs reagierten.
Das Problem, das General Mahtobus Truppen jetzt hatten, war eine größere Anzahl von Terminator-Endoskeletten, die zwar als chromglänzende Sensenmänner in Erscheinung traten, sich jedoch auf beunruhigende Weise wie Menschen verhielten, sich bewusst bewegten und Deckung suchten, anstatt stumpfsinnig in ihre Vernichtung zu marschieren, wie sie es unter der Kontrolle eines Zentralrechners für gewöhnlich taten. Das machte es für die Soldaten sehr schwer, denn es hatte beinahe den Anschein, als würden sie gegen eine Armee von Menschen ankämpfen. Und seit etwa dreißig Jahren hatten sich keine Menschen mehr bekämpft, weil sie sich diesen Luxus angesichts der drohenden Ausrottung durch die herzlosen Maschinen nicht mehr leisten konnten.
Ein nicht zu unterschätzender psychologischer Nachteil für sie, wie dem schwarzen General klar war.
Dennoch unterlagen die Kampfroboter, wenn auch nicht so schnell wie sonst. Mit gramgebeugtem Haupt stapfte Mahtobu dann über das Vorfeld zum nächsten Eingang, als der Bereich gesichert war, ohne die toten Kameraden genauer anzusehen. Er war es so leid, auch jetzt noch derart viele junge Frauen und Männer zu verlieren, wo der eigentliche Krieg doch längst vorbei war. Nun, diese Leute waren nicht umsonst gestorben. Sobald sie die Informationen hatten, die sie brauchten, konnten sie in der Lage sein, dieser ganzen Farce ein Ende zu machen.
Und vielleicht konnten sie auch herausfinden, was mit dem Erkundungstrupp letzte Woche geschehen war. Sie mussten wohl bis in die Anlage eingedrungen sein, da sie weder Kampfspuren, geschweige denn die Leichen der Aufklärer hier draußen hatten entdecken können. Mahtobu hoffte es nicht, denn der Anführer des Spähtrupps war ein erfahrener langjähriger Kamerad von ihm.
Bedächtig schritt er über den schmutziggrauen Schnee, durch matschige Pfützen, wo der Boden von Lasersalven oder Granaten getroffen worden war, und über das Trümmerfeld, das von den Resten des Eingangsportales gebildet wurde. Er betrat jetzt zum sechsten Mal ein Bollwerk von Skynet und bemerkte auch dieses Mal: Im Inneren dieser Komplexe sah es immer recht ähnlich aus: nackte Stein- und Metallwände, kalt, funktionell, hässlich. Von Maschinen erbaut für Maschinen. Wieder etwas, was er an diesen Bastarden hasste.
Weit vor sich hörte er noch vereinzelt Kampflärm oder das Hallen einer detonierenden Granate. Die Terminatoren leisteten noch immer Widerstand, dachte Mahtobu mit grimmiger Miene. Na, das würden sie ihnen schon austreiben. Sie waren mit Sicherheit in der Überzahl, etwa achtzehnhundert Menschen zählte seine gesamte Truppe inklusive aller Experten. Und selbst von denen trug jeder eine schwere Feuerwaffe zusätzlich zu seiner Spezialausrüstung; die Menschen hatten sich den Luxus von unbewaffneten Soldaten nicht leisten können, auch wenn diese hochspezialisiert waren. Nur wenn jeder einzelne von ihnen etwas gegen die Cyborgs in der Hand hatte, bestand die Aussicht auf Erfolg, so hatte John Connor es ihnen eingetrichtert.
Sie erreichten eine Liftplattform, mit der sie tief in das Herz der Anlage hinabfuhren. Langsam senkte sich die unverkleidete Hebebühne in einem schrägen Winkel ins Innere des Berges hinein. Während der minutenlangen Fahrt lauschte Mahtobu schweigend auf den Kampflärm, der ihm mehr zu sagen schien als eine detaillierte Funkmeldung der Stoßtrupps. Die Schüsse und Explosionen ließen nach, der Komplex würde in Kürze vollständig gesäubert sein.
Er ging ein beinahe unverantwortbares Risiko ein, indem er sich als General in eine solche Anlage hineinwagte, solange dort noch Feindkräfte aktiv waren, auch wenn er von einem ausgeklügelten, mehrlagigen Schutzschild von Soldaten umgeben war, der sich mittlerweile bis in die halbe Festung erstrecken musste. Gedankenversunken streichelte er über den Kopf eines ausgemergelten alten Schäferhundes neben sich. Das Tier war mit der Nachhut hergebracht worden und diente natürlich dazu, getarnte T-800 zu erkennen.
Endlich hielt der Aufzug und entließ sie in einen großen Flur mit hoher Decke und vielen von Voraustrupps aufgebrochenen oder aufgesprengten Türen auf beiden Seiten. Alles war aus der gleichen beständigen Legierung gebaut, einem leicht bläulich schimmernden Metall. Mahtobu interessierte sich mehr für das, was er hier vorzufinden hoffte. Vor allem mussten sie sich ganz sicher sein, bevor sie die Festung als Ganzes sprengen konnten.
„Eine Meldung der Techniker, Sir“, sagte ein Funker, während er gleichzeitig auf den Inhalt der übermittelten Botschaft lauschte, „sie haben die feindliche Funkanlage innerhalb des Komplexes stillgelegt und Störsender gegen etwaige Reservesysteme etabliert. Wir können jetzt innerhalb der Anlage sicher kommunizieren.“
„Sehr gut, dann lassen Sie nach feindlichen Funksignalen peilen. So erwischen wir die restlichen Terminatoren hier drin schneller. Wenn sie im READ ONLY-Modus operieren, werden sie immer wieder versuchen, eine Verbindung zum Hauptrechner herzustellen, der sie steuert.“
„Ja, nur werden die im WRITE-Modus auf die Unterbrechung mit unverzüglicher Funkstille reagieren“, gab der Funker daraufhin zu bedenken. „Und hier drin sind entschieden zu viele davon im Einsatz. Die Dinger sind gerissen. Oh, ein weiterer Spruch kommt herein ... eine Ebene unter uns ist eine Fertigungsanlage entdeckt worden. Anhand der Computerdaten versuchen unsere Ingenieure gerade herauszufinden, was es ist, aber es sieht auf den ersten Blick so aus wie eine neue Fertigungsstraße für Terminatoren.“
„Auf den ersten Blick ... So haben wir den verdammten Krieg nicht gewonnen. Sie sollen es definitiv bestimmen“, brummelte der alte General in seinen ergrauenden Kinnbart. Als er mit seinem Kordon um die nächste Ecke bog, kam ihm ein Melder entgegengelaufen.
„General, bitte kommen Sie schnell. Es ist unglaublich ... und einfach grauenhaft.“ Aufgeregt deutete der junge Asiate nach vorne auf die nächsten Türen, wo eine größere Anzahl schwer bewaffneter Soldaten Stellung bezogen hatte.
Noch während er sich näherte, kam aus der anderen Richtung ein Trupp im Eilschritt herangelaufen. Mahtobu erkannte die Männer und Frauen als den Sanitätszug, den er mitgenommen hatte. Ohne sich um den General zu kümmern, rief der Vorderste mit den Abzeichen eines Commanders: „Wir sind gekommen, so schnell wir konnten. Wo sind sie?“
„Dort drin, in diesen beiden Räumen.“ Eine der Wachen deutete auf die entsprechenden Türen, auf die sich die Sanitäter sofort verteilten. Mahtobu traf gerade noch rechtzeitig ein, um den Commander aus dem ersten Raum sagen zu hören: „Oh Mann, es gibt Tage, da sollte man wirklich nicht aufstehen.“

[Fortsetzung folgt ...]

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