Mittwoch, 15. November 2006
T1.1.1 : KAPITEL 1 - Mahtobu
cymep, 15:43h
[... Fortsetzung von gestern - in 23 Jahren]
- 1 -
Mount Mitchell, Yancey County, North Carolina, USA 17. Dezember 2029
Als Mahtobu den Raum betrat, bot sich ihm ein Albtraumszenario, wie es schlimmer nicht hätte sein können.
Auf metallenen Liegen waren mehrere Menschen festgeschnallt. Eine Vielzahl von grazil wirkenden Roboterarmen mit diversen medizinisch aussehenden Schneide- und Stichwerkzeugen an den Seiten der Tische hingen teils drohend über den ausgezehrten Körpern, teils steckten sie in ihnen, ganz so, als hätte ein irrer Internist mitten in einer überflüssigen Operation die Lust verloren und wäre einfach gegangen. Mehrere Schläuche führten in diverse Körperöffnungen und über Tropfe in die Adern der Menschen, die mit einer Unzahl von winzigen Schnitt- und Stichwunden übersät waren. Verkrustetes Blut haftete an ihnen und in einem zufälligen Spritz- und Tropfmuster auf dem ansonsten makellos sauberen und steril scheinenden Boden. Es war ein Kabinett des Grauens.
„Hier also ist der Aufklärungstrupp abgeblieben“, meinte der Commander mit einer Nüchternheit, die man wohl nur nach Jahren als Frontarzt für Traumata bekam, wenn man nahezu alles Vorstellbare gesehen hatte. „Na los, steht nicht so dumm ‘rum, helft den armen Schweinen lieber!“
„Seit wann nimmt Skynet Gefangene?“, fragte sich eine der jungen Wachen rund um Mahtobu.
„Eigentlich nie, aber in dieser Lage ... wer weiß?“ Mahtobu geriet ins Grübeln. Irgendwas stimmte hier ganz und gar nicht.
Dann erkannte er mit einem Aufstöhnen seinen alten Freund. „Hintaroo, nein!“
Als hätte dieser seinen Aufschrei gehört, schlug er plötzlich die Augen auf. Sofort eilten zwei Sanitäter zu ihm hin, um ihn von den Metallgurten zu befreien, welche viel zu eng angezogen waren und sich tief ins Fleisch des Tibetaners schnitten.
Man sah deutlich am Verhalten des Opfers, dass er sich unter schwerer Medikamentation befinden musste, denn er nahm gar nicht richtig wahr, was um ihn herum geschah und war auch offensichtlich zu schwach, um seinen zerschundenen und gefolterten Körper zu bewegen. Beim Anblick seines alten Kameraden Mahtobu fing er an, herzzerreißend zu schluchzen.
„Bitte vergib mir, Henee, ich konnte nichts dafür. Sie kamen in Menschengestalt und sie haben alles getan, um von dem Plan zu erfahren. Sie haben uns gefoltert und unter Drogen gesetzt ... ich weiß nicht, wie viel ich ihnen erzählt habe. Ich weiß es wirklich nicht ...“
Mahtobu riss entsetzt die Augen auf. Das durfte einfach nicht wahr sein!
Keiner hatte damit gerechnet ...
Normalerweise wären sie sofort getötet worden, wenn sie entdeckt worden wären. Das heißt, die Maschinen mussten irgendetwas von ihrem Plan geahnt haben. Aber dann ...
Mit tonloser Stimme murmelte er: „Geben Sie an General Connor durch: ‘Haben letzte ZVA aufgespürt. Ermitteln Schwere des Eingriffs in die Zeitlinie.’ Haben Sie das?“
„Positiv.“ Sofort entfernte sich der Fernmelder, um am nächsten Kurzwellengerät die Meldung durchzugeben.
Am nächsten Hauptterminal hatten inzwischen mehrere Informatiker die Codierung des Hauptrechners ‘geknackt’ und somit Zugang zu den Datenbanken bekommen. Sobald Mahtobu davon Kenntnis erlangte, überließ er die Gefangenen der Obhut seiner überaus fähigen Feldärzte und begab sich zum Prozessorenraum.
„Männer, habt ihr schon etwas herausbekommen?“
„Die Zeitsprünge betreffend, Sir? Es sieht nach mehreren Sprüngen aus, zwei davon schon vor Wochen durchgeführt. Einer ist offenbar fehlgeschlagen, wie es den Anschein hat. Der metallene Bastard muss irgendwo in Alabama oder Florida materialisiert haben, wenn die Daten zuverlässig sind. Ein Ort namens Pensacola.“ Ratlos kratzte sich der Lieutenant am Kinn.
„Nordwestflorida“, bestätigte Mahtobu.
Ein junger Sergeant räusperte sich. „Verzeihung, Sir General, aber es steckt offenbar mehr dahinter, als es den Anschein hat. Das war nicht einfach ein Fehlschlag, sondern eher ein ... Test.“
„Was wollen Sie damit sagen, Soldat?“, forderte Mahtobu seinen Untergebenen zu einer Erklärung auf.
„Skynet hat versucht, Terminatoren nicht nur in der Zeit, sondern auch im Raum zu versetzen. Es hat etwas mit dem Erdmagnetfeld zu tun, aber Genaueres habe ich noch nicht ermitteln können. Offenbar sind seine ersten Tests auch zum Teil erfolgreich verlaufen.
Der Anordnung der Daten nach ist die ganze Anlage hier oben so etwas wie eine letzte abgelegene Forschungsbastion, um in aller Abgeschiedenheit noch nach neuen Möglichkeiten und Auswegen zu suchen. Offenbar wurde sie erst vor knapp zwei Jahren fertiggestellt, was erklären dürfte, warum wir bis vor kurzem noch nichts von diesem Ort gewusst haben. Und wenn ich diese Verzeichnisse überfliege, muss ich Skynet zugestehen, dass er hier wohl ganze Arbeit geleistet hat. Er ...“ Der Sergeant verstummte, als Mahtobu seine Hand hob.
„Das alles wollen Sie in dieser kurzen Zeit herausgefunden haben? Soll ich Ihnen das vielleicht abkaufen, Sohn?“, wollte er skeptisch wissen.
Der direkte Vorgesetzte des Soldaten warf eilig ein: „Sie müssen wissen, Sir, dieser Junge hier ist so ‘ne Art Wunderkind, was große Datenbanken angeht. Er ... nun, sieht Dinge auf den ersten Blick, Zusammenhänge, die allen anderen verschlossen bleiben. Er kann sich auf fast beängstigende Art und Weise in die Denkmuster dieser Mistkerle hineinversetzen und fast immer einhundertprozentig voraussagen, was sie im Schilde führen. Aus einem unübersichtlichen Wust an Daten, für dessen Auswertung ein Team Tage brauchen würde, kann er in kürzester Zeit die wichtigsten Dinge herauslesen. Wenn er sich etwas aus diesen Dateien herauspickt, ist es garantiert Gold, Sir. Deshalb ist er hier bei uns.“
Mahtobu schob beeindruckt die Unterlippe vor und fasste trocken zusammen: „Soso, Sie frühstücken also Computerchips und scheißen goldene Manschettenknöpfe. Dann lassen Sie mal hören, Sergeant.“
Verlegen meinte der Gelobte bescheiden: „Jawohl, Sir. Vielen Dank. Der Lieutenant übertreibt maßlos. Aber ich bin in der Tat schon auf etwas gestoßen.
Hier sind die Erkenntnisse gespeichert, die der Hauptrechner aus der ... Folterung unserer Kameraden gewonnen hat. Offenbar hatten wir geplant, nach der Befriedung dieser Anlage alle Daten, die wir hier über den Erfinder der Zeitverschiebung vorfinden würden, zu sammeln. Ich dachte immer, Skynet selbst ...“
„Diese Fakten sind streng vertraulich, Sergeant. Ich muss mich darauf verlassen können, dass absolut nichts von dem, was Sie hier entdecken, den Raum verlässt. Ist das klar?“, fuhr Mahtobu ungehalten dazwischen.
„Selbstverständlich, Sir. Jetzt verstehe ich auch mehr von diesen Angaben. Demnach basiert Skynets gesamte Arbeit auf dem Gebiet der ZVA auf einer Art Kernstück, das aus einem bestimmten Mineral besteht. Dieses Mineral zeigt anscheinend unter bestimmten physikalischen Bedingungen die spontane Neigung zur Raum-Zeit-Verzerrung. Nach dem, was hier steht, konnte der eigentliche Erfinder nie genau ermittelt werden, da er selbst offenbar seine bahnbrechende Entdeckung erst unmittelbar vor dem Beginn des Krieges machte. Beim Nuklearschlag ist er wohl umgekommen, jedenfalls verliert sich seine Spur zu dieser Zeit. Skynet hat seine Forschungsergebnisse erst nach Jahren zufällig wieder entdeckt und das Potential, das dahinter steckte, erkannt. Ist das nicht Ironie des Schicksals, Sir? Ein Mensch hätte vielleicht niemals entdeckt, was er da vor sich gehabt hätte.“
„Ja, ich lach’ mich kaputt“, meinte der Lieutenant, „aber jetzt mal weiter im Text, okay?“
Sicher, Sir.“ Die Finger des jungen Mannes flogen nur so über die Tastatur seines tragbaren Terminals, nicht unähnlich einem Laptop der Vorkriegszeit. „Es wird noch besser. Wenn ich das hier richtig interpretiere, nahm Skynet an, wir wüssten, wer dieses Kernstück zur Zeitverschiebungstechnik entdeckt hatte, und planten, ihn zu töten, um dadurch zu verhindern, dass jemals irgendwelche Zeitsprünge gemacht werden könnten. Das ist das Härteste: Skynet dachte, wir wollten die Zeitmaschine benutzen, um zu verhindern, dass die Zeitmaschine erfunden wird. Wenn das nicht ...“
„Jaja, Ironie des Schicksals.“ Mahtobu winkte ab. „Was Sie und auch Skynet allerdings nicht wissen können, ist die Tatsache, dass in diesem Fall eine Zeitlinie entstehen würde, in der John Connor nie gelebt hätte. Ich werde Ihnen das jetzt nicht im Einzelnen erklären, weil es Sie nichts angeht, aber so viel können Sie mir glauben: Die Existenz John Connors ist unter anderem das Resultat eines Paradoxons, das erst durch die Benutzung der ZVA entstanden ist. Wenn wir also den Erfinder des ZVA-Effektes in der Vergangenheit eliminieren würden, hätten wir genau das erreicht, was Skynet mit seinen ersten Manipulationen beabsichtigt hatte. John Connor hätte den weltweiten Aufstand gegen die Maschinen nicht anführen können und wir hätten den Krieg mit großer Sicherheit verloren.
Ergo: Wir dürfen auf keinen Fall jemanden in die Vergangenheit schicken, um den Erfinder dieses ZVA-Effektes zu beseitigen. Klar?“
Während der alte General seine Ausführungen beendete, klapperten die Tasten unablässig unter den Fingern des hochbegabten jungen Sergeants. „Sir, ich denke, ich habe hier etwas mehr zur Vorgehensweise von Skynet gefunden. Nachdem er den Erkundungstrupp gefangen und ...“, er schluckte kurz, „...verhört hatte, entschloss er sich dazu, einen Beschützer für den Erfinder des ZVA-Effektes in die Vergangenheit zu entsenden. Nein, das stimmt so nicht ganz. Er ist noch viel raffinierter vorgegangen ... er hat zuerst einen Scout geschickt ...“
„Was zum Henker soll das bedeuten? Sie können nicht etwas in die Vergangenheit schicken und es dann wieder zurück in die Gegenwart holen. Das funktioniert so nicht“, warf der Lieutenant ungehalten ein.
Langsam hob der Sergeant den Blick von dem kleinen LCD-Monitor vor sich. „Sie haben recht. Er hat es ganz anders angestellt ... teuflisch ...“
„Spannen Sie uns nicht auf die Folter“, herrschte Mahtobu ihn ungeduldig an.
„Jawohl, General, verzeihen Sie. So wie es aussieht, hat Skynet erkannt, dass er den Entdecker des ZVA-Effektes nicht beschützen kann, wenn er nicht herausfindet, wer es ist. Und um das herauszufinden, muss sich der Terminator, der in die Vergangenheit reist, absolut perfekt in das komplizierte soziale Umfeld dieser Zeit einpassen können, um Zugang zum fraglichen Zielobjekt zu bekommen. Dazu genügt es nicht, einen Cyborg mit Gewebeüberzug und einem Prozessor im WRITE-Modus in die fragliche Zeit zu schicken, er würde unweigerlich früher oder später enttarnt werden, bevor er seiner Programmierung genug Daten und Subroutinen hinzugefügt hätte, um als Mensch ‘durchzugehen’.
Und da sich Skynet dieser Problematik bewusst war, hat er sich anders beholfen. Geben Sie mir ein bisschen Zeit, damit ich tief genug in den Dateien graben kann ...“
[Die Fortsetzung wird genau 38 Jahre früher erfolgt sein...]
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Mount Mitchell, Yancey County, North Carolina, USA 17. Dezember 2029
Als Mahtobu den Raum betrat, bot sich ihm ein Albtraumszenario, wie es schlimmer nicht hätte sein können.
Auf metallenen Liegen waren mehrere Menschen festgeschnallt. Eine Vielzahl von grazil wirkenden Roboterarmen mit diversen medizinisch aussehenden Schneide- und Stichwerkzeugen an den Seiten der Tische hingen teils drohend über den ausgezehrten Körpern, teils steckten sie in ihnen, ganz so, als hätte ein irrer Internist mitten in einer überflüssigen Operation die Lust verloren und wäre einfach gegangen. Mehrere Schläuche führten in diverse Körperöffnungen und über Tropfe in die Adern der Menschen, die mit einer Unzahl von winzigen Schnitt- und Stichwunden übersät waren. Verkrustetes Blut haftete an ihnen und in einem zufälligen Spritz- und Tropfmuster auf dem ansonsten makellos sauberen und steril scheinenden Boden. Es war ein Kabinett des Grauens.
„Hier also ist der Aufklärungstrupp abgeblieben“, meinte der Commander mit einer Nüchternheit, die man wohl nur nach Jahren als Frontarzt für Traumata bekam, wenn man nahezu alles Vorstellbare gesehen hatte. „Na los, steht nicht so dumm ‘rum, helft den armen Schweinen lieber!“
„Seit wann nimmt Skynet Gefangene?“, fragte sich eine der jungen Wachen rund um Mahtobu.
„Eigentlich nie, aber in dieser Lage ... wer weiß?“ Mahtobu geriet ins Grübeln. Irgendwas stimmte hier ganz und gar nicht.
Dann erkannte er mit einem Aufstöhnen seinen alten Freund. „Hintaroo, nein!“
Als hätte dieser seinen Aufschrei gehört, schlug er plötzlich die Augen auf. Sofort eilten zwei Sanitäter zu ihm hin, um ihn von den Metallgurten zu befreien, welche viel zu eng angezogen waren und sich tief ins Fleisch des Tibetaners schnitten.
Man sah deutlich am Verhalten des Opfers, dass er sich unter schwerer Medikamentation befinden musste, denn er nahm gar nicht richtig wahr, was um ihn herum geschah und war auch offensichtlich zu schwach, um seinen zerschundenen und gefolterten Körper zu bewegen. Beim Anblick seines alten Kameraden Mahtobu fing er an, herzzerreißend zu schluchzen.
„Bitte vergib mir, Henee, ich konnte nichts dafür. Sie kamen in Menschengestalt und sie haben alles getan, um von dem Plan zu erfahren. Sie haben uns gefoltert und unter Drogen gesetzt ... ich weiß nicht, wie viel ich ihnen erzählt habe. Ich weiß es wirklich nicht ...“
Mahtobu riss entsetzt die Augen auf. Das durfte einfach nicht wahr sein!
Keiner hatte damit gerechnet ...
Normalerweise wären sie sofort getötet worden, wenn sie entdeckt worden wären. Das heißt, die Maschinen mussten irgendetwas von ihrem Plan geahnt haben. Aber dann ...
Mit tonloser Stimme murmelte er: „Geben Sie an General Connor durch: ‘Haben letzte ZVA aufgespürt. Ermitteln Schwere des Eingriffs in die Zeitlinie.’ Haben Sie das?“
„Positiv.“ Sofort entfernte sich der Fernmelder, um am nächsten Kurzwellengerät die Meldung durchzugeben.
Am nächsten Hauptterminal hatten inzwischen mehrere Informatiker die Codierung des Hauptrechners ‘geknackt’ und somit Zugang zu den Datenbanken bekommen. Sobald Mahtobu davon Kenntnis erlangte, überließ er die Gefangenen der Obhut seiner überaus fähigen Feldärzte und begab sich zum Prozessorenraum.
„Männer, habt ihr schon etwas herausbekommen?“
„Die Zeitsprünge betreffend, Sir? Es sieht nach mehreren Sprüngen aus, zwei davon schon vor Wochen durchgeführt. Einer ist offenbar fehlgeschlagen, wie es den Anschein hat. Der metallene Bastard muss irgendwo in Alabama oder Florida materialisiert haben, wenn die Daten zuverlässig sind. Ein Ort namens Pensacola.“ Ratlos kratzte sich der Lieutenant am Kinn.
„Nordwestflorida“, bestätigte Mahtobu.
Ein junger Sergeant räusperte sich. „Verzeihung, Sir General, aber es steckt offenbar mehr dahinter, als es den Anschein hat. Das war nicht einfach ein Fehlschlag, sondern eher ein ... Test.“
„Was wollen Sie damit sagen, Soldat?“, forderte Mahtobu seinen Untergebenen zu einer Erklärung auf.
„Skynet hat versucht, Terminatoren nicht nur in der Zeit, sondern auch im Raum zu versetzen. Es hat etwas mit dem Erdmagnetfeld zu tun, aber Genaueres habe ich noch nicht ermitteln können. Offenbar sind seine ersten Tests auch zum Teil erfolgreich verlaufen.
Der Anordnung der Daten nach ist die ganze Anlage hier oben so etwas wie eine letzte abgelegene Forschungsbastion, um in aller Abgeschiedenheit noch nach neuen Möglichkeiten und Auswegen zu suchen. Offenbar wurde sie erst vor knapp zwei Jahren fertiggestellt, was erklären dürfte, warum wir bis vor kurzem noch nichts von diesem Ort gewusst haben. Und wenn ich diese Verzeichnisse überfliege, muss ich Skynet zugestehen, dass er hier wohl ganze Arbeit geleistet hat. Er ...“ Der Sergeant verstummte, als Mahtobu seine Hand hob.
„Das alles wollen Sie in dieser kurzen Zeit herausgefunden haben? Soll ich Ihnen das vielleicht abkaufen, Sohn?“, wollte er skeptisch wissen.
Der direkte Vorgesetzte des Soldaten warf eilig ein: „Sie müssen wissen, Sir, dieser Junge hier ist so ‘ne Art Wunderkind, was große Datenbanken angeht. Er ... nun, sieht Dinge auf den ersten Blick, Zusammenhänge, die allen anderen verschlossen bleiben. Er kann sich auf fast beängstigende Art und Weise in die Denkmuster dieser Mistkerle hineinversetzen und fast immer einhundertprozentig voraussagen, was sie im Schilde führen. Aus einem unübersichtlichen Wust an Daten, für dessen Auswertung ein Team Tage brauchen würde, kann er in kürzester Zeit die wichtigsten Dinge herauslesen. Wenn er sich etwas aus diesen Dateien herauspickt, ist es garantiert Gold, Sir. Deshalb ist er hier bei uns.“
Mahtobu schob beeindruckt die Unterlippe vor und fasste trocken zusammen: „Soso, Sie frühstücken also Computerchips und scheißen goldene Manschettenknöpfe. Dann lassen Sie mal hören, Sergeant.“
Verlegen meinte der Gelobte bescheiden: „Jawohl, Sir. Vielen Dank. Der Lieutenant übertreibt maßlos. Aber ich bin in der Tat schon auf etwas gestoßen.
Hier sind die Erkenntnisse gespeichert, die der Hauptrechner aus der ... Folterung unserer Kameraden gewonnen hat. Offenbar hatten wir geplant, nach der Befriedung dieser Anlage alle Daten, die wir hier über den Erfinder der Zeitverschiebung vorfinden würden, zu sammeln. Ich dachte immer, Skynet selbst ...“
„Diese Fakten sind streng vertraulich, Sergeant. Ich muss mich darauf verlassen können, dass absolut nichts von dem, was Sie hier entdecken, den Raum verlässt. Ist das klar?“, fuhr Mahtobu ungehalten dazwischen.
„Selbstverständlich, Sir. Jetzt verstehe ich auch mehr von diesen Angaben. Demnach basiert Skynets gesamte Arbeit auf dem Gebiet der ZVA auf einer Art Kernstück, das aus einem bestimmten Mineral besteht. Dieses Mineral zeigt anscheinend unter bestimmten physikalischen Bedingungen die spontane Neigung zur Raum-Zeit-Verzerrung. Nach dem, was hier steht, konnte der eigentliche Erfinder nie genau ermittelt werden, da er selbst offenbar seine bahnbrechende Entdeckung erst unmittelbar vor dem Beginn des Krieges machte. Beim Nuklearschlag ist er wohl umgekommen, jedenfalls verliert sich seine Spur zu dieser Zeit. Skynet hat seine Forschungsergebnisse erst nach Jahren zufällig wieder entdeckt und das Potential, das dahinter steckte, erkannt. Ist das nicht Ironie des Schicksals, Sir? Ein Mensch hätte vielleicht niemals entdeckt, was er da vor sich gehabt hätte.“
„Ja, ich lach’ mich kaputt“, meinte der Lieutenant, „aber jetzt mal weiter im Text, okay?“
Sicher, Sir.“ Die Finger des jungen Mannes flogen nur so über die Tastatur seines tragbaren Terminals, nicht unähnlich einem Laptop der Vorkriegszeit. „Es wird noch besser. Wenn ich das hier richtig interpretiere, nahm Skynet an, wir wüssten, wer dieses Kernstück zur Zeitverschiebungstechnik entdeckt hatte, und planten, ihn zu töten, um dadurch zu verhindern, dass jemals irgendwelche Zeitsprünge gemacht werden könnten. Das ist das Härteste: Skynet dachte, wir wollten die Zeitmaschine benutzen, um zu verhindern, dass die Zeitmaschine erfunden wird. Wenn das nicht ...“
„Jaja, Ironie des Schicksals.“ Mahtobu winkte ab. „Was Sie und auch Skynet allerdings nicht wissen können, ist die Tatsache, dass in diesem Fall eine Zeitlinie entstehen würde, in der John Connor nie gelebt hätte. Ich werde Ihnen das jetzt nicht im Einzelnen erklären, weil es Sie nichts angeht, aber so viel können Sie mir glauben: Die Existenz John Connors ist unter anderem das Resultat eines Paradoxons, das erst durch die Benutzung der ZVA entstanden ist. Wenn wir also den Erfinder des ZVA-Effektes in der Vergangenheit eliminieren würden, hätten wir genau das erreicht, was Skynet mit seinen ersten Manipulationen beabsichtigt hatte. John Connor hätte den weltweiten Aufstand gegen die Maschinen nicht anführen können und wir hätten den Krieg mit großer Sicherheit verloren.
Ergo: Wir dürfen auf keinen Fall jemanden in die Vergangenheit schicken, um den Erfinder dieses ZVA-Effektes zu beseitigen. Klar?“
Während der alte General seine Ausführungen beendete, klapperten die Tasten unablässig unter den Fingern des hochbegabten jungen Sergeants. „Sir, ich denke, ich habe hier etwas mehr zur Vorgehensweise von Skynet gefunden. Nachdem er den Erkundungstrupp gefangen und ...“, er schluckte kurz, „...verhört hatte, entschloss er sich dazu, einen Beschützer für den Erfinder des ZVA-Effektes in die Vergangenheit zu entsenden. Nein, das stimmt so nicht ganz. Er ist noch viel raffinierter vorgegangen ... er hat zuerst einen Scout geschickt ...“
„Was zum Henker soll das bedeuten? Sie können nicht etwas in die Vergangenheit schicken und es dann wieder zurück in die Gegenwart holen. Das funktioniert so nicht“, warf der Lieutenant ungehalten ein.
Langsam hob der Sergeant den Blick von dem kleinen LCD-Monitor vor sich. „Sie haben recht. Er hat es ganz anders angestellt ... teuflisch ...“
„Spannen Sie uns nicht auf die Folter“, herrschte Mahtobu ihn ungeduldig an.
„Jawohl, General, verzeihen Sie. So wie es aussieht, hat Skynet erkannt, dass er den Entdecker des ZVA-Effektes nicht beschützen kann, wenn er nicht herausfindet, wer es ist. Und um das herauszufinden, muss sich der Terminator, der in die Vergangenheit reist, absolut perfekt in das komplizierte soziale Umfeld dieser Zeit einpassen können, um Zugang zum fraglichen Zielobjekt zu bekommen. Dazu genügt es nicht, einen Cyborg mit Gewebeüberzug und einem Prozessor im WRITE-Modus in die fragliche Zeit zu schicken, er würde unweigerlich früher oder später enttarnt werden, bevor er seiner Programmierung genug Daten und Subroutinen hinzugefügt hätte, um als Mensch ‘durchzugehen’.
Und da sich Skynet dieser Problematik bewusst war, hat er sich anders beholfen. Geben Sie mir ein bisschen Zeit, damit ich tief genug in den Dateien graben kann ...“
[Die Fortsetzung wird genau 38 Jahre früher erfolgt sein...]
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