Sonntag, 24. Dezember 2006
T1.1.33
cymep, 02:38h
[... Fortsetzung des Buches]
Freiburg im Breisgau, Deutschland - 27. September 1996
Am Morgen darauf saß er zwischen zwei Einführungen gemütlich im Uni-Café und las den Wirtschaftsteil der FAZ, die dort auslag. Er schätzte den Schreibstil dieser seriösen Zeitung, die auch nüchternste Themen richtig zu verpacken wusste und so das Interesse des Lesers selbst bei knochentrockenen Themen aufrecht erhalten konnte. Der Artikel indes, den er las, gab ihm das Cyborg-Äquivalent von Geborgenheit, denn er zeigte ihm, dass in diesem Zeitrahmen alles seinen vorbestimmten Gang ging. Er hatte zwar auch von Ereignissen gelesen, die erst hier eingetreten waren und in der ihm bekannten Zukunft nicht bekannt waren, doch durch einen Zufall waren die Dinge wieder ins Lot gebracht worden. Er bezahlte seinen Kaffee und verließ mit hochzufriedener Miene den Tisch. Beim Abräumen fiel der Bedienung die Schlagzeile auf der aufgeschlagenen Seite auf:
Erste Einheit unbemannter US-Stealth-Bomber „B2“
Sämtliche Tests positiv verlaufen – Milliarden-Auftrag für Cyberdyne Systems Inc.
Prototyp für strategischen Leitrechner fertiggestellt: Codename ‚Skynet’ verspricht Trendwende in der Luftraumüberwachung und Koordinierung der Landesverteidigung – Hintergründe der bewegten Geschichte eines Superprozessors
Der Werdegang dieser Neuentwicklung liest sich beinahe wie ein Action- oder auch Politthriller, wenn man so will. Nachdem durch einen Anschlag von terroristischem Ausmaß vor fünf Jahren die Firmenzentrale des Chipherstellers mit sämtlichen Forschungsergebnissen und Materialproben vernichtet worden war, schritt der Wiederaufbau des Konzernes mit Regierungsmitteln ‚aufgrund des Auffindens einer weiteren Materialprobe von essentieller Wichtigkeit in Florida’ (Zitat Firmengründer G. Simmons), nur wenige Monate nach dem Attentat, rasch voran. Eine Rückblende zum besseren Verständnis:
Der große Denker und eigentliche Erfinder dieses Prozessors, J. Knoll, 1987 in jungen Jahren an einem Gehirntumor verstorben, war nach jahrelanger Suche vom brillanten Mathematiker und Elektroniker M. B. Dyson ersetzt worden, der den bahnbrechenden Mikrochip bis fast zur Serienreife weiterentwickelt hatte. Er wurde von den Tätern getötet, deren Motive bis zum heutigen Tage unklar sind, wobei weder terroristische noch wirtschaftliche oder politische Hintergründe ausländischer Geheimdienstkräfte völlig ausgeschlossen werden können. Gerüchte, wonach Dyson irrtümlich bei der Erstürmung der Cyberdyne-Zentrale in Los Angeles von einem Mitglied der örtlichen Sondereinsatzkräfte erschossen wurde, weisen die Dienststellen des LAPD nach wie vor entschieden von sich.
Dem bahnbrechenden Erfolg des neuen, quasi-neural arbeitenden Rechners tat das keinen Abbruch, nachdem das Verteidigungsministerium den potentiellen Wert erkannt und entgegen vieler Stimmen im Kongress den Cyberdyne-Konzern zu einhundert Prozent übernommen hatte. Danach lief die Fertigstellung unter völliger Geheimhaltung ab. Der zivilen Industrie bleibt die Nutzung dieser bahnbrechenden Technologie, die alles andere auf dem Gebiet der Datenverarbeitung weit in den Schatten stellt, vorenthalten, da von ihr die nationale Sicherheit und die der gesamten freien westlichen Welt direkt abhängt, wie von offizieller Stelle verlautet.
Nach dem sensationellen Erfolg der computergesteuerten B2-Bomber wird der US-Kongress bereits im nächsten Jahr grünes Licht für die Inbetriebnahme des sogenannten ‚Skynet’-Rechners geben, der die direkte Kontrolle von NORAD, dem strategischen Überwachungsnetz der NATO, übernehmen wird und damit effizienter arbeitet als jeder menschliche Operator ...
Dieser Artikel gab ihm wieder ein wenig Sicherheit in dieser Epoche, in der er auf jeden Schritt achten musste, um nicht irgendeine Schleife auszulösen wie das Karin-Bochner-Paradoxon, das eine Zeit lang zu einer Verkettung von scheinbar zufälligen Ereignissen und einer Kumulierung von ungünstigen Faktoren geführt hatte. Er glaubte, dass er dieses Kapitel der nichtlinearen dynamischen Faktoren nun hinter sich hatte.
Von jetzt an würde alles sehr schnell gehen. Der Umstand, dass er hier in dieser Zeit gelebt hatte, würde keine weiteren Kreise mehr ziehen und er würde so wenig wie möglich zusätzlichen Einfluss auf die Ereignisse hier und jetzt nehmen, bis es für ihn Zeit werden würde, nach Amerika zurückzukehren und im Unterschlupf den Atomschlag abzuwarten.
[Fortsetzung folgt ...]
Freiburg im Breisgau, Deutschland - 27. September 1996
Am Morgen darauf saß er zwischen zwei Einführungen gemütlich im Uni-Café und las den Wirtschaftsteil der FAZ, die dort auslag. Er schätzte den Schreibstil dieser seriösen Zeitung, die auch nüchternste Themen richtig zu verpacken wusste und so das Interesse des Lesers selbst bei knochentrockenen Themen aufrecht erhalten konnte. Der Artikel indes, den er las, gab ihm das Cyborg-Äquivalent von Geborgenheit, denn er zeigte ihm, dass in diesem Zeitrahmen alles seinen vorbestimmten Gang ging. Er hatte zwar auch von Ereignissen gelesen, die erst hier eingetreten waren und in der ihm bekannten Zukunft nicht bekannt waren, doch durch einen Zufall waren die Dinge wieder ins Lot gebracht worden. Er bezahlte seinen Kaffee und verließ mit hochzufriedener Miene den Tisch. Beim Abräumen fiel der Bedienung die Schlagzeile auf der aufgeschlagenen Seite auf:
Erste Einheit unbemannter US-Stealth-Bomber „B2“
mit Computersteuerung in Dienst gestellt worden
Sämtliche Tests positiv verlaufen – Milliarden-Auftrag für Cyberdyne Systems Inc.Prototyp für strategischen Leitrechner fertiggestellt: Codename ‚Skynet’ verspricht Trendwende in der Luftraumüberwachung und Koordinierung der Landesverteidigung – Hintergründe der bewegten Geschichte eines Superprozessors
Der Werdegang dieser Neuentwicklung liest sich beinahe wie ein Action- oder auch Politthriller, wenn man so will. Nachdem durch einen Anschlag von terroristischem Ausmaß vor fünf Jahren die Firmenzentrale des Chipherstellers mit sämtlichen Forschungsergebnissen und Materialproben vernichtet worden war, schritt der Wiederaufbau des Konzernes mit Regierungsmitteln ‚aufgrund des Auffindens einer weiteren Materialprobe von essentieller Wichtigkeit in Florida’ (Zitat Firmengründer G. Simmons), nur wenige Monate nach dem Attentat, rasch voran. Eine Rückblende zum besseren Verständnis:
Der große Denker und eigentliche Erfinder dieses Prozessors, J. Knoll, 1987 in jungen Jahren an einem Gehirntumor verstorben, war nach jahrelanger Suche vom brillanten Mathematiker und Elektroniker M. B. Dyson ersetzt worden, der den bahnbrechenden Mikrochip bis fast zur Serienreife weiterentwickelt hatte. Er wurde von den Tätern getötet, deren Motive bis zum heutigen Tage unklar sind, wobei weder terroristische noch wirtschaftliche oder politische Hintergründe ausländischer Geheimdienstkräfte völlig ausgeschlossen werden können. Gerüchte, wonach Dyson irrtümlich bei der Erstürmung der Cyberdyne-Zentrale in Los Angeles von einem Mitglied der örtlichen Sondereinsatzkräfte erschossen wurde, weisen die Dienststellen des LAPD nach wie vor entschieden von sich.
Dem bahnbrechenden Erfolg des neuen, quasi-neural arbeitenden Rechners tat das keinen Abbruch, nachdem das Verteidigungsministerium den potentiellen Wert erkannt und entgegen vieler Stimmen im Kongress den Cyberdyne-Konzern zu einhundert Prozent übernommen hatte. Danach lief die Fertigstellung unter völliger Geheimhaltung ab. Der zivilen Industrie bleibt die Nutzung dieser bahnbrechenden Technologie, die alles andere auf dem Gebiet der Datenverarbeitung weit in den Schatten stellt, vorenthalten, da von ihr die nationale Sicherheit und die der gesamten freien westlichen Welt direkt abhängt, wie von offizieller Stelle verlautet.
Nach dem sensationellen Erfolg der computergesteuerten B2-Bomber wird der US-Kongress bereits im nächsten Jahr grünes Licht für die Inbetriebnahme des sogenannten ‚Skynet’-Rechners geben, der die direkte Kontrolle von NORAD, dem strategischen Überwachungsnetz der NATO, übernehmen wird und damit effizienter arbeitet als jeder menschliche Operator ...
Dieser Artikel gab ihm wieder ein wenig Sicherheit in dieser Epoche, in der er auf jeden Schritt achten musste, um nicht irgendeine Schleife auszulösen wie das Karin-Bochner-Paradoxon, das eine Zeit lang zu einer Verkettung von scheinbar zufälligen Ereignissen und einer Kumulierung von ungünstigen Faktoren geführt hatte. Er glaubte, dass er dieses Kapitel der nichtlinearen dynamischen Faktoren nun hinter sich hatte.
Von jetzt an würde alles sehr schnell gehen. Der Umstand, dass er hier in dieser Zeit gelebt hatte, würde keine weiteren Kreise mehr ziehen und er würde so wenig wie möglich zusätzlichen Einfluss auf die Ereignisse hier und jetzt nehmen, bis es für ihn Zeit werden würde, nach Amerika zurückzukehren und im Unterschlupf den Atomschlag abzuwarten.
[Fortsetzung folgt ...]
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