Sonntag, 24. Dezember 2006
T1.1.34
cymep, 17:24h
[... Fortsetzung des Buches]
Mount Mitchell, Yancey County, North Carolina, USA - 1. November 2030
Mahtobus Zimmertür flog krachend an die Wand, als ein Sanitäter am Abend herein gestürmt kam und aufgeregt gestikulierend rief: „General! Schnell, kommen Sie! Miss Bochner ist bei Bewusstsein. Und Sie werden nicht glauben, was sie behauptet ...“
Augenblicklich war Mahtobu auf den Beinen und eilte dem Jungen hinterher in Richtung Krankenstation. Es war schon später Abend und sie war mehr als einen Tag lang apathisch in ihrem Bett gelegen, ohne etwas von ihrer Umwelt wahrzunehmen. Sie brabbelte nur ständig leise in einer unbekannten Sprache, höchstwahrscheinlich Deutsch, vor sich hin, nach dem, was die Pfleger berichteten. Er hoffte, dass sie sich mittlerweile gefangen hatte und fähig und vor allem bereit dazu war, ihm zu erzählen, was sie so erschüttert hatte.
Als er das Zimmer betrat, in dem ihr Einzelbett unter gedämpftem Licht stand, saß sie mit angezogenen Beinen und um die Knie geschlungenen Armen im Bett, vor sich herstarrend. Sie bemerkte nicht, dass er da war, sondern starrte weiter stumpfsinnig vor sich hin.
„Wie geht es Ihnen, Karin?“, fragte er mit ruhiger und beschwichtigender Stimme.
Sie hob langsam den Kopf, drehte ihn scheinbar unter großen Anstrengungen und fixierte ihn dann. Als die vertrockneten, spröden Lippen sich öffneten, konnte er kaum verstehen, was sie sagte: „Es ist alles meine Schuld. Henee, die Kinder werden alle sterben. Sie sind nicht vorbereitet auf das, was sie erwartet. Wir haben sie nicht darauf vorbereiten können; niemand hätte das können. Der Terminator wird sie alle töten, verstehen Sie?“
„Ehrlich gesagt, nein. Können Sie mir das erklären? Wieso soll es ausgerechnet Ihre Schuld sein?“
„Weil ich nicht früher darauf gekommen bin. Die Zeichen waren immer da, all die Jahre, aber ich habe sie in meinem egoistischen Schmerz verdrängt und mich davor verschlossen. Spätestens jetzt, als wir die Kinder vorbereitet haben, hätte ich es wissen müssen. Jetzt ist es zu spät und sie werden scheitern. Ich habe sie alle auf dem Gewissen, jeden einzelnen von ihnen.“ Die Tränen liefen wie Sturzbäche ihre Wangen hinab.
Dann packte sie ihn plötzlich an den Schultern und schrie: „Verstehen Sie nicht? Ich weiß, wie der erste Terminator aussieht! Ich weiß, wie er heißt und wo er gewohnt hat. Ich hätte es ihnen sagen können; sie hätten ihn unschädlich machen können. Aber jetzt ist es zu spät, die ZVA ist demontiert und niemand kann sie mehr warnen. Sie werden keine Chance haben, herauszufinden, wer es ist. Er ist so verdammt menschlich, wie man nur sein kann. Er hat wahrscheinlich mindestens zehn Jahre unerkannt unter Menschen gelebt. Und er hat mindestens eines von den Kindern erwischt ... ich kann mich jetzt wieder daran erinnern. Ich weiß, wo es passiert ist und wie. Ich hätte den betreffenden Kandidaten warnen können. Auch das geht jetzt nicht mehr.“
Für Mahtobu war das alles wie ein Alptraum. Eine Welt brach für ihn zusammen bei ihren Worten, nein, ein ganzes Realitätsgefüge.
Es begann. Die verschiedenen Vergangenheiten und mögliche Zukunftsversionen begannen sich durch ihre damaligen und heutigen Manipulationen ineinander zu verdrehen und sich zu vermischen, ineinander zu verheddern und zu verwirren. Er konnte nur noch hoffen, dass es keinen unentwirrbaren Knoten geben würde, der zu ihren Ungunsten an der falschen Stelle hängen bliebe.
Sie konnten von hier aus nichts mehr tun; der Rest war Geschichte, wie es so schön heißt.
[Fortsetzung folgt ...]
Mount Mitchell, Yancey County, North Carolina, USA - 1. November 2030
Mahtobus Zimmertür flog krachend an die Wand, als ein Sanitäter am Abend herein gestürmt kam und aufgeregt gestikulierend rief: „General! Schnell, kommen Sie! Miss Bochner ist bei Bewusstsein. Und Sie werden nicht glauben, was sie behauptet ...“
Augenblicklich war Mahtobu auf den Beinen und eilte dem Jungen hinterher in Richtung Krankenstation. Es war schon später Abend und sie war mehr als einen Tag lang apathisch in ihrem Bett gelegen, ohne etwas von ihrer Umwelt wahrzunehmen. Sie brabbelte nur ständig leise in einer unbekannten Sprache, höchstwahrscheinlich Deutsch, vor sich hin, nach dem, was die Pfleger berichteten. Er hoffte, dass sie sich mittlerweile gefangen hatte und fähig und vor allem bereit dazu war, ihm zu erzählen, was sie so erschüttert hatte.
Als er das Zimmer betrat, in dem ihr Einzelbett unter gedämpftem Licht stand, saß sie mit angezogenen Beinen und um die Knie geschlungenen Armen im Bett, vor sich herstarrend. Sie bemerkte nicht, dass er da war, sondern starrte weiter stumpfsinnig vor sich hin.
„Wie geht es Ihnen, Karin?“, fragte er mit ruhiger und beschwichtigender Stimme.
Sie hob langsam den Kopf, drehte ihn scheinbar unter großen Anstrengungen und fixierte ihn dann. Als die vertrockneten, spröden Lippen sich öffneten, konnte er kaum verstehen, was sie sagte: „Es ist alles meine Schuld. Henee, die Kinder werden alle sterben. Sie sind nicht vorbereitet auf das, was sie erwartet. Wir haben sie nicht darauf vorbereiten können; niemand hätte das können. Der Terminator wird sie alle töten, verstehen Sie?“
„Ehrlich gesagt, nein. Können Sie mir das erklären? Wieso soll es ausgerechnet Ihre Schuld sein?“
„Weil ich nicht früher darauf gekommen bin. Die Zeichen waren immer da, all die Jahre, aber ich habe sie in meinem egoistischen Schmerz verdrängt und mich davor verschlossen. Spätestens jetzt, als wir die Kinder vorbereitet haben, hätte ich es wissen müssen. Jetzt ist es zu spät und sie werden scheitern. Ich habe sie alle auf dem Gewissen, jeden einzelnen von ihnen.“ Die Tränen liefen wie Sturzbäche ihre Wangen hinab.
Dann packte sie ihn plötzlich an den Schultern und schrie: „Verstehen Sie nicht? Ich weiß, wie der erste Terminator aussieht! Ich weiß, wie er heißt und wo er gewohnt hat. Ich hätte es ihnen sagen können; sie hätten ihn unschädlich machen können. Aber jetzt ist es zu spät, die ZVA ist demontiert und niemand kann sie mehr warnen. Sie werden keine Chance haben, herauszufinden, wer es ist. Er ist so verdammt menschlich, wie man nur sein kann. Er hat wahrscheinlich mindestens zehn Jahre unerkannt unter Menschen gelebt. Und er hat mindestens eines von den Kindern erwischt ... ich kann mich jetzt wieder daran erinnern. Ich weiß, wo es passiert ist und wie. Ich hätte den betreffenden Kandidaten warnen können. Auch das geht jetzt nicht mehr.“
Für Mahtobu war das alles wie ein Alptraum. Eine Welt brach für ihn zusammen bei ihren Worten, nein, ein ganzes Realitätsgefüge.
Es begann. Die verschiedenen Vergangenheiten und mögliche Zukunftsversionen begannen sich durch ihre damaligen und heutigen Manipulationen ineinander zu verdrehen und sich zu vermischen, ineinander zu verheddern und zu verwirren. Er konnte nur noch hoffen, dass es keinen unentwirrbaren Knoten geben würde, der zu ihren Ungunsten an der falschen Stelle hängen bliebe.
Sie konnten von hier aus nichts mehr tun; der Rest war Geschichte, wie es so schön heißt.
[Fortsetzung folgt ...]
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