Donnerstag, 18. Januar 2007
T1.58
cymep, 23:33h
[... Fortsetzung des Buches]
Burnsville, Yancey County, North Carolina, USA - 12. August 1997
Langsam hängte CSM 108-1 den Hörer ein und verließ die Telefonzelle neben der Raststätte. Von hier aus würde er noch ein Stück weit den Berg hinauf fahren und seinen Wagen dann irgendwo auf einem Parkplatz abstellen. Er hatte ihn für vierzehn Tage im Voraus bezahlt, damit er nicht vor dem Tag des Jüngsten Gerichtes vermisst werden würde. Für ihn war es nur noch ein Marsch von knapp fünfzehn Meilen durch die bewaldeten Appalachen bis zu der für ihn ausgewählten Höhle, in der er Schutz suchen würde.
Ihm wurde bewusst, dass er gerade zum allerletzten Mal mit Karin gesprochen hatte. Dass er nie wieder den Klang ihrer Stimme hören oder sie sehen würde. Jedenfalls nicht als CSM 108-1 oder besser als der Daniel Corben, den sie kannte. Für ihn war es gegen Ende schwer geworden, ihr so einfach dieses rein fiktive Hirngespinst von dem kranken Vater und der Familie, die ihn hier brauchte, aufzutischen und sie ständig anzulügen, obwohl sie sich so nach ihm sehnte und ihn so sehr vermisste. In dieser Hinsicht hatte sich sein Ethikempfinden sehr weit entwickelt.
Er hatte seine Aufgabe wohl doch ein wenig zu ernst genommen und sich zu weit vorgewagt. Im Nachhinein dachte er manchmal, dass er sich nicht auf eine feste Beziehung hätte einlassen dürfen. Ihr gegenüber war das unfair, auch wenn er nichts bereute, was er getan hatte. Er war immer treu und aufmerksam gewesen und hatte sie mit all seinem Gespür, das sein synthetischer Verstand aufbringen konnte, umsorgt und ihr das Gefühl gegeben, dass jemand für sie da war, wenn sie jemanden brauchte. Wer weiß, wenn sie einen anderen Freund in dieser Zeit gehabt hätte, wäre sie vielleicht schlechter behandelt worden.
Ein verrückter Gedanke, aber es war auch eine verrückte Welt, die kurz davor stand, aus den Angeln gehoben zu werden. Karin hatte wenigstens ein paar schöne Monate gehabt in dieser letzten Zeitspanne vor Ausbruch des Dritten Weltkrieges.
CSM 108-1’s Nachfolger würde sich dank seiner Pionierarbeit ansatzlos in die Gesellschaft einfügen können. Nein, korrigierte er sich, er hatte es bereits getan, denn mittlerweile war er überzeugt, dass der zweite Terminator irgendwo im Umfeld der Freiburger Universität sein musste, wahrscheinlich sogar mit ihnen studiert hatte, ohne dass es ihm jemals aufgefallen war.
Er würde perfekt getarnt sein, so viel stand fest.
Und er würde alles dafür geben, seine Mission ebenso perfekt auszuführen.
Er beugte sich hinab und zurrte die Schnürsenkel seiner Wanderstiefel nochmals fest, bevor er sich in seinen Leihwagen setzte, einen 96er Ford Contour.
Auf ihn wartete die Ewigkeit.
[Fortsetzung folgt ...]
Burnsville, Yancey County, North Carolina, USA - 12. August 1997
Langsam hängte CSM 108-1 den Hörer ein und verließ die Telefonzelle neben der Raststätte. Von hier aus würde er noch ein Stück weit den Berg hinauf fahren und seinen Wagen dann irgendwo auf einem Parkplatz abstellen. Er hatte ihn für vierzehn Tage im Voraus bezahlt, damit er nicht vor dem Tag des Jüngsten Gerichtes vermisst werden würde. Für ihn war es nur noch ein Marsch von knapp fünfzehn Meilen durch die bewaldeten Appalachen bis zu der für ihn ausgewählten Höhle, in der er Schutz suchen würde.
Ihm wurde bewusst, dass er gerade zum allerletzten Mal mit Karin gesprochen hatte. Dass er nie wieder den Klang ihrer Stimme hören oder sie sehen würde. Jedenfalls nicht als CSM 108-1 oder besser als der Daniel Corben, den sie kannte. Für ihn war es gegen Ende schwer geworden, ihr so einfach dieses rein fiktive Hirngespinst von dem kranken Vater und der Familie, die ihn hier brauchte, aufzutischen und sie ständig anzulügen, obwohl sie sich so nach ihm sehnte und ihn so sehr vermisste. In dieser Hinsicht hatte sich sein Ethikempfinden sehr weit entwickelt.
Er hatte seine Aufgabe wohl doch ein wenig zu ernst genommen und sich zu weit vorgewagt. Im Nachhinein dachte er manchmal, dass er sich nicht auf eine feste Beziehung hätte einlassen dürfen. Ihr gegenüber war das unfair, auch wenn er nichts bereute, was er getan hatte. Er war immer treu und aufmerksam gewesen und hatte sie mit all seinem Gespür, das sein synthetischer Verstand aufbringen konnte, umsorgt und ihr das Gefühl gegeben, dass jemand für sie da war, wenn sie jemanden brauchte. Wer weiß, wenn sie einen anderen Freund in dieser Zeit gehabt hätte, wäre sie vielleicht schlechter behandelt worden.
Ein verrückter Gedanke, aber es war auch eine verrückte Welt, die kurz davor stand, aus den Angeln gehoben zu werden. Karin hatte wenigstens ein paar schöne Monate gehabt in dieser letzten Zeitspanne vor Ausbruch des Dritten Weltkrieges.
CSM 108-1’s Nachfolger würde sich dank seiner Pionierarbeit ansatzlos in die Gesellschaft einfügen können. Nein, korrigierte er sich, er hatte es bereits getan, denn mittlerweile war er überzeugt, dass der zweite Terminator irgendwo im Umfeld der Freiburger Universität sein musste, wahrscheinlich sogar mit ihnen studiert hatte, ohne dass es ihm jemals aufgefallen war.
Er würde perfekt getarnt sein, so viel stand fest.
Und er würde alles dafür geben, seine Mission ebenso perfekt auszuführen.
Er beugte sich hinab und zurrte die Schnürsenkel seiner Wanderstiefel nochmals fest, bevor er sich in seinen Leihwagen setzte, einen 96er Ford Contour.
Auf ihn wartete die Ewigkeit.
[Fortsetzung folgt ...]
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