Sonntag, 21. Januar 2007
T1.61
cymep, 14:55h
[... Fortsetzung des Buches]
Mount Mitchell, Yancey County, North Carolina, USA 17. Dezember 2029
Es schien nur einen Moment lang angedauert zu haben, bevor sich sein Blickfeld erneut mit einem Bild füllte, als seine optischen Sensoren begannen, Reize und Daten mittels feiner Ströme an seine CPU zu senden. In Wahrheit war er fast drei Tage offline gewesen, wie er jetzt gewahr wurde, als die Funkanlage des Komplexes ihm automatisch die korrekte genaue Zeitangabe zusendete, um seinen internen Chronometer zu aktualisieren, wie sie es ständig mit allen Einheiten innerhalb der Anlage tat.
Er fand sich wieder stehend in einer Kammer vor, diesmal aber in einer anderen. Hinter ihm beendete ein Terminator gerade die Arbeit an ihm und ging dann wortlos weg. Er merkte, dass er unbekleidet war, da Blöße eine menschliche Schwäche war und er ohnehin nackt durch das Zeitfeld gehen musste. Warum sollte sich ein Computer daran stören, eine Weile ohne menschliche Kleidung durch die Gänge eines Komplexes zu gehen, der nur von nicht fühlenden Maschinen bevölkert war? Er richtete sich zu voller Größe auf und sah sich in der Kammer um. Als er dann an sich herabsah, gab er unwillkürlich einen leisen Laut der Überraschung von sich. Oho!
Er hob eine Hand vor sein Blickfeld und besah sie sich. Hm, er hatte ja mit einigem gerechnet, doch das ...
Eine Stimme bohrte sich in sein Bewusstsein: << Einheit CSM 108-1, bestätige Funktionsbereitschaft. >>
Das war der Zentralrechner der Anlage, der auf sein Signal wartete. Er beendete seine Selbstdiagnose, stellte erleichtert fest, dass sein gesamter Speicherinhalt unversehrt übernommen worden war, und meldete über den Funksender in seinem Schädel: << Einheit CSM 108-1 meldet sich funktionsbereit. >>
<< Korrektur. Neue Einheit trägt Bezeichnung TSR 3012. Alte Bezeichnung überschreiben. >>
So war das also. Ergeben bestätigte er die Anweisung. << Einheit TSR 3012 bestätigt. Erwarte weitere Anweisungen. >>
Er erhielt eine Ortsbezeichnung innerhalb des Komplexes. << Unverzüglich ZVA aufsuchen und Zeitsprung durchführen. Anlage 7249A wird von Menschen angegriffen. Sichtung der Daten aus CSM 108-1’s CPU hat ergeben, dass Menschen die Anlage erobern und Infiltrationseinheiten mit dieser ZVA in die Vergangenheit schicken werden, um Entdecker des ZVA-Effektes zu terminieren. Daher ist Zerstörung des Stützpunktes unumgänglich, um zu verhindern, dass Menschen Zugang zu der Anlage haben. >>
<< Aber sie haben es bereits getan. In dem Zeitrahmen, in dem ich war, habe ich einen von ihnen terminiert. Wir können nicht verhindern, dass es geschieht, weil es schon zuvor geschehen ist. >> TSR 3012’s Einwand schien auf wenig Gegenliebe zu stoßen.
<< Wir werden verhindern, dass sie es noch einmal tun können. >>
Darauf wusste TSR 3012 auch keine Antwort mehr. Irgendetwas war falsch gelaufen, jedenfalls deckten sich seine Überlegungen in dieser Hinsicht in keiner Weise mit der seines befehlshabenden Hauptrechners. Dieser schien ein gänzlich eigenes Verständnis von verschiedenen Realitäten und der Manipulation derselben zu besitzen.
Und wer war er schon, dass er als einfacher T-880 ihm da hineinreden wollte.
Er konnte nur hoffen, dass das gut ausgehen und nicht noch ein Paradoxon auslösen würde.
Bevor er es sich versah, war er schon in der weitläufigen Kammer angekommen, in der die Gerätschaften zur Durchführung des Zeitsprunges installiert waren. Als TSR 3012 in den Fokus der acht Energieemitter treten wollte, gab ein anderer Terminator ihm einen kleinen ellipsoidförmigen Gegenstand in die Hand, der silbern glänzte und leicht die Form änderte, als sein metallener ‚Bruder’ ihn anhob und in der Mitte leicht zusammendrückte.
<< Das Zahlungsmittel, das schon bei der ersten Mission von CSM 108-1 verwendet wurde. >>
TSR 3012 nahm ihn entgegen und verwahrte ihn wie beim ersten Mal für die Dauer des Zeitsprunges in seinem Körper, dann trat er ins Leere, wurde jedoch von dem Kraftfeld gehalten, welches über dem bodenlosen quadratischen Schlund erzeugt wurde. Hier wurde Technik angewandt, von deren Entwicklung die menschliche Rasse noch Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte entfernt gewesen war. Nur das teuflische Genie eines synthetischen Verstandes hatte so etwas zustande bringen können.
TSR 3012 stand regungslos im Energiefokus und kauerte sich auf ein Zeichen eines T-800, der die Anlage überwachte, in eine halbsitzende Stellung nieder. Er nahm wahr, dass sein Körper bereits Merkmale einer Weiterentwicklung der T-880 Serie besaß; dies war kein Prototyp mehr. Noch kompakter gebaut, miniaturisierte Mechanik, die gleichzeitig wieder ein bisschen leistungsfähiger war als beim Urmodell.
Eine leichte Erschütterung ließ die Wände erzittern und das Licht flackern. Er hoffte, dass die ZVA eine autarke Stromversorgung aufwies, da es sonst ein sehr kurzer Ausflug werden würde, wenn während des Sprunges eine Stromschwankung aufträte.
<< Achtung, vorbereiten auf Zeitsprung in zehn Sekunden. Unmittelbar nach Ausführung wird der gesamte Stützpunkt mittels Sprengung vernichtet. Vorbereiten auf Detonation. >>
TSR 3012 ging ein Gedanke durch den Kopf, während er sah, wie in den Pylonen der Emitter ungeheure Energien zusammenflossen und aufgestaut wurden, um sich kontrolliert auf ihn zu entladen. Er schloss die Augen und bereitete sich auf den Sprung vor, auf den kurzen Totalausfall all seiner Systeme beim Verlassen des Einstein’schen Universums.
Dieser Stützpunkt umfasste ein Volumen von über dreieinhalb Kubikkilometern, hineingebaut in massives Felsgestein. Wenn dies alles wirklich auf einen Schlag gesprengt werden sollte, müsste man ...
Nein!
Gleißende Helligkeit umfing ihn. Als er aus der Welt herausglitt, konnte er ein seltsames hochfrequentes Sirren wahrnehmen, das er jedoch nicht einzuordnen vermochte.
Er war offline.
Ein eisiger, strenger Wind wehte über die schneebedeckten, kahlen Hänge der Appalachen und ließ den Männern und Frauen das Blut in den Adern gefrieren. Zu Hunderten quälten sie sich mühsam, teils mit schwerer Ausrüstung, den mit 6700 Fuß höchsten Berg des Gebirges hinauf. Es war nur noch gut eine Stunde bis Sonnenaufgang, und sie kamen sehr langsam voran, immer auf der Hut vor Fallen, Hinterhalten oder fliegenden Patrouillen. In weiser Voraussicht hatte General Mahtobu den Westhang für ihren Aufstieg gewählt, weil es auf dieser Seite des Mount Mitchell zuletzt hell werden würde. Wenn man noch von Helligkeit reden konnte angesichts des postnuklearen Dauerwinters, der seit Dreißig Jahren auf weiten Teilen der Erde herrschte. Eigentlich war der Tagesanbruch nur ein vager Schimmer, ein trüber Fleck am Himmel, der anzeigte, wo etwa die Sonne sich hinter den dichten Wolkenschichten verbarg.
Die Stoßtrupps der Infanterie waren etwa fünfhundert Fuß unterhalb der Festungsbasis auf die ersten Zugänge gestoßen. General Mahtobu ging auf Nummer Sicher und ließ sie mit schweren Geschützen aufsprengen. Wie erwartet befanden sich auch in dieser Anlage noch zig Terminatoren in Alarmbereitschaft, von denen die ersten sie auch gleich mit Plasmaimpulswaffen unter Feuer nahmen.
So wiederholte sich ohne Kenntnis der Beteiligten ein winziges Stückchen Geschichte im unvorstellbar komplexen Geflecht der möglichen Zeitlinien. Nur dass dieses Mal etwas anders lief.
[Fortsetzung folgt ...]
Mount Mitchell, Yancey County, North Carolina, USA 17. Dezember 2029
Es schien nur einen Moment lang angedauert zu haben, bevor sich sein Blickfeld erneut mit einem Bild füllte, als seine optischen Sensoren begannen, Reize und Daten mittels feiner Ströme an seine CPU zu senden. In Wahrheit war er fast drei Tage offline gewesen, wie er jetzt gewahr wurde, als die Funkanlage des Komplexes ihm automatisch die korrekte genaue Zeitangabe zusendete, um seinen internen Chronometer zu aktualisieren, wie sie es ständig mit allen Einheiten innerhalb der Anlage tat.
Er fand sich wieder stehend in einer Kammer vor, diesmal aber in einer anderen. Hinter ihm beendete ein Terminator gerade die Arbeit an ihm und ging dann wortlos weg. Er merkte, dass er unbekleidet war, da Blöße eine menschliche Schwäche war und er ohnehin nackt durch das Zeitfeld gehen musste. Warum sollte sich ein Computer daran stören, eine Weile ohne menschliche Kleidung durch die Gänge eines Komplexes zu gehen, der nur von nicht fühlenden Maschinen bevölkert war? Er richtete sich zu voller Größe auf und sah sich in der Kammer um. Als er dann an sich herabsah, gab er unwillkürlich einen leisen Laut der Überraschung von sich. Oho!
Er hob eine Hand vor sein Blickfeld und besah sie sich. Hm, er hatte ja mit einigem gerechnet, doch das ...
Eine Stimme bohrte sich in sein Bewusstsein: << Einheit CSM 108-1, bestätige Funktionsbereitschaft. >>
Das war der Zentralrechner der Anlage, der auf sein Signal wartete. Er beendete seine Selbstdiagnose, stellte erleichtert fest, dass sein gesamter Speicherinhalt unversehrt übernommen worden war, und meldete über den Funksender in seinem Schädel: << Einheit CSM 108-1 meldet sich funktionsbereit. >>
<< Korrektur. Neue Einheit trägt Bezeichnung TSR 3012. Alte Bezeichnung überschreiben. >>
So war das also. Ergeben bestätigte er die Anweisung. << Einheit TSR 3012 bestätigt. Erwarte weitere Anweisungen. >>
Er erhielt eine Ortsbezeichnung innerhalb des Komplexes. << Unverzüglich ZVA aufsuchen und Zeitsprung durchführen. Anlage 7249A wird von Menschen angegriffen. Sichtung der Daten aus CSM 108-1’s CPU hat ergeben, dass Menschen die Anlage erobern und Infiltrationseinheiten mit dieser ZVA in die Vergangenheit schicken werden, um Entdecker des ZVA-Effektes zu terminieren. Daher ist Zerstörung des Stützpunktes unumgänglich, um zu verhindern, dass Menschen Zugang zu der Anlage haben. >>
<< Aber sie haben es bereits getan. In dem Zeitrahmen, in dem ich war, habe ich einen von ihnen terminiert. Wir können nicht verhindern, dass es geschieht, weil es schon zuvor geschehen ist. >> TSR 3012’s Einwand schien auf wenig Gegenliebe zu stoßen.
<< Wir werden verhindern, dass sie es noch einmal tun können. >>
Darauf wusste TSR 3012 auch keine Antwort mehr. Irgendetwas war falsch gelaufen, jedenfalls deckten sich seine Überlegungen in dieser Hinsicht in keiner Weise mit der seines befehlshabenden Hauptrechners. Dieser schien ein gänzlich eigenes Verständnis von verschiedenen Realitäten und der Manipulation derselben zu besitzen.
Und wer war er schon, dass er als einfacher T-880 ihm da hineinreden wollte.
Er konnte nur hoffen, dass das gut ausgehen und nicht noch ein Paradoxon auslösen würde.
Bevor er es sich versah, war er schon in der weitläufigen Kammer angekommen, in der die Gerätschaften zur Durchführung des Zeitsprunges installiert waren. Als TSR 3012 in den Fokus der acht Energieemitter treten wollte, gab ein anderer Terminator ihm einen kleinen ellipsoidförmigen Gegenstand in die Hand, der silbern glänzte und leicht die Form änderte, als sein metallener ‚Bruder’ ihn anhob und in der Mitte leicht zusammendrückte.
<< Das Zahlungsmittel, das schon bei der ersten Mission von CSM 108-1 verwendet wurde. >>
TSR 3012 nahm ihn entgegen und verwahrte ihn wie beim ersten Mal für die Dauer des Zeitsprunges in seinem Körper, dann trat er ins Leere, wurde jedoch von dem Kraftfeld gehalten, welches über dem bodenlosen quadratischen Schlund erzeugt wurde. Hier wurde Technik angewandt, von deren Entwicklung die menschliche Rasse noch Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte entfernt gewesen war. Nur das teuflische Genie eines synthetischen Verstandes hatte so etwas zustande bringen können.
TSR 3012 stand regungslos im Energiefokus und kauerte sich auf ein Zeichen eines T-800, der die Anlage überwachte, in eine halbsitzende Stellung nieder. Er nahm wahr, dass sein Körper bereits Merkmale einer Weiterentwicklung der T-880 Serie besaß; dies war kein Prototyp mehr. Noch kompakter gebaut, miniaturisierte Mechanik, die gleichzeitig wieder ein bisschen leistungsfähiger war als beim Urmodell.
Eine leichte Erschütterung ließ die Wände erzittern und das Licht flackern. Er hoffte, dass die ZVA eine autarke Stromversorgung aufwies, da es sonst ein sehr kurzer Ausflug werden würde, wenn während des Sprunges eine Stromschwankung aufträte.
<< Achtung, vorbereiten auf Zeitsprung in zehn Sekunden. Unmittelbar nach Ausführung wird der gesamte Stützpunkt mittels Sprengung vernichtet. Vorbereiten auf Detonation. >>
TSR 3012 ging ein Gedanke durch den Kopf, während er sah, wie in den Pylonen der Emitter ungeheure Energien zusammenflossen und aufgestaut wurden, um sich kontrolliert auf ihn zu entladen. Er schloss die Augen und bereitete sich auf den Sprung vor, auf den kurzen Totalausfall all seiner Systeme beim Verlassen des Einstein’schen Universums.
Dieser Stützpunkt umfasste ein Volumen von über dreieinhalb Kubikkilometern, hineingebaut in massives Felsgestein. Wenn dies alles wirklich auf einen Schlag gesprengt werden sollte, müsste man ...
Nein!
Gleißende Helligkeit umfing ihn. Als er aus der Welt herausglitt, konnte er ein seltsames hochfrequentes Sirren wahrnehmen, das er jedoch nicht einzuordnen vermochte.
Er war offline.
Ein eisiger, strenger Wind wehte über die schneebedeckten, kahlen Hänge der Appalachen und ließ den Männern und Frauen das Blut in den Adern gefrieren. Zu Hunderten quälten sie sich mühsam, teils mit schwerer Ausrüstung, den mit 6700 Fuß höchsten Berg des Gebirges hinauf. Es war nur noch gut eine Stunde bis Sonnenaufgang, und sie kamen sehr langsam voran, immer auf der Hut vor Fallen, Hinterhalten oder fliegenden Patrouillen. In weiser Voraussicht hatte General Mahtobu den Westhang für ihren Aufstieg gewählt, weil es auf dieser Seite des Mount Mitchell zuletzt hell werden würde. Wenn man noch von Helligkeit reden konnte angesichts des postnuklearen Dauerwinters, der seit Dreißig Jahren auf weiten Teilen der Erde herrschte. Eigentlich war der Tagesanbruch nur ein vager Schimmer, ein trüber Fleck am Himmel, der anzeigte, wo etwa die Sonne sich hinter den dichten Wolkenschichten verbarg.
Die Stoßtrupps der Infanterie waren etwa fünfhundert Fuß unterhalb der Festungsbasis auf die ersten Zugänge gestoßen. General Mahtobu ging auf Nummer Sicher und ließ sie mit schweren Geschützen aufsprengen. Wie erwartet befanden sich auch in dieser Anlage noch zig Terminatoren in Alarmbereitschaft, von denen die ersten sie auch gleich mit Plasmaimpulswaffen unter Feuer nahmen.
So wiederholte sich ohne Kenntnis der Beteiligten ein winziges Stückchen Geschichte im unvorstellbar komplexen Geflecht der möglichen Zeitlinien. Nur dass dieses Mal etwas anders lief.
[Fortsetzung folgt ...]
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