Dienstag, 6. Februar 2007
T1.62
cymep, 21:11h
[... Fortsetzung des Buches]
Asheville, Buncombe County, North Carolina, USA - 17. Dezember 2029
Vor den zerstörten Überresten der Innenstadt Ashevilles waren bereits vor Monaten, direkt nach der Zerschlagung von Skynet, die ersten Siedlungsgemeinschaften eingezogen. Noch hielten sie sich versteckt und lebten im Verborgenen, bis sie sicher sein konnten, dass die Gegend von den letzten Maschinen und Kampfrobotern gesäubert worden war. Doch in letzter Zeit wagten sich die Menschen vereinzelt auch schon bei Tageslicht aus den Kellern und Bunkern, um ein wenig die neugewonnene Freiheit zu genießen.
Sie waren gewarnt worden, dass im Gebirge noch eine intakte Festungsanlage Skynets existierte und diese bald angegriffen werden sollte. Karin Bochner war kurz vor Sonnenaufgang an diesem Wintermorgen an die Oberfläche gekommen, um zu beobachten, wie sich der Himmel im Osten heller färben und von Schwarz in sein übliches Grau wechseln würde. Und nebenbei wollte sie auch ein wenig lauschen, ob man schon etwas vom Kampfeslärm hören konnte. Sie selbst war nie Soldatin geworden, doch irgendein irrationales Bedürfnis zog sie öfter in die Nähe von Kampfschauplätzen, als gut für sie gewesen war. Nun, sie lebte noch.
Irgendwie.
Sie trat den Rückweg an zum Eingang des zerbombten Hauses, in welchem sich die Kellertreppe zu ihrer Siedlungsgruppe befand. Sie glaubte noch, vereinzelt entferntes Donnerhallen zu vernehmen, doch für sie wurde es Zeit; die ersten Kinder konnten bald wach werden und sie wollte bei ihnen sein, wenn es soweit wäre.
Als sie durch die Tür getreten war und zwei Schritte in Richtung Kellertreppe zurückgelegt hatte, flutete plötzlich von draußen gleißend helles Licht für eine Sekunde in den Flur hinein. Karin blieb wie angewurzelt stehen und drehte sich dann ungläubig um. Sie ging zurück zum Eingang und sah hinaus.
Etwa zwanzig Meilen entfernt stieg vom höchsten Gipfel der Appalachen im Nordosten ein glutroter Feuerball auf und schraubte sich schnell in große Höhen hinauf. Er schien dabei immer heißer zu werden, denn das Rot der Flammenkugel ging langsam in Orange und dann in grelles Gelb über, das immer heller wurde. Eine gewaltige Druckwelle fegte die dortigen Wolken kreisförmig mit einer irrwitzigen, unnatürlichen Geschwindigkeit auseinander, was der Szenerie einen surrealen Charakter verlieh. Ironischerweise sah sie durch die entstandene Lücke in der Wolkendecke zum ersten Mal seit Jahrzehnten kurz den blauen Himmel, bevor dieser von der apokalyptischen Erscheinung am Himmel verdrängt wurde. Als sie mit offenem Mund die Pilzform der Wolke erkannte, schweifte ihre Erinnerung für die Dauer eines Lidschlages zurück zum Tag des Jüngsten Gerichts.
„Daniel ...“ Einige bittere Tränen liefen ihre Wangen hinab.
Dann, als die Erde schwach erbebte und das dumpfe Grollen der Detonation an ihre Ohren drang, kehrte ihr Bewusstsein zurück in die Gegenwart. Sie rannte die Treppe hinab und schrie aus Leibeskräften: „Wacht auf! Alle in Deckung! Im Gebirge ist eine kleine Atombombe gezündet worden. Wir müssen die Kinder in Sicherheit bringen!“
Schnell war die Kolonie alarmiert. Sie nahmen schnell alles, was sie tragen konnten, und zogen sich in vermeintlich sicherere Bereiche des unterirdischen Komplexes, der einmal in ferner Vergangenheit ein Einkaufszentrum gewesen war, zurück. Die Druck- und Hitzewelle fegte, ohne nennenswerten Schaden anzurichten, über sie hinweg. Karins Einschätzung über die geringe Tonnage der Kernwaffe war korrekt gewesen, obwohl sie seit dem verhängnisvollen Tag des Atomkrieges vor über dreißig Jahren keine mehr gesehen hatte. Zudem war sie im Inneren des Berges knapp unter der Oberfläche gezündet worden, was der Explosion zusätzlich einiges an Wucht genommen hatte.
Von den Truppen rund um den Mount Mitchell freilich überlebte niemand die totale Vernichtung der Festung, der letzten Bastion Skynets mit der Möglichkeit zur Zeitreise. Diese Tür war unwiderruflich für alle Zeiten zugeschlagen worden. Karin war es flau im Magen, ein unbestimmtes Gefühl breitete sich in ihr aus wie eine Ahnung von dem, was nun nie sein würde. Sie würde General Mahtobu und den Kandidaten für den Zeitsprung nie begegnen, ohne je etwas davon zu ahnen.
Was in den Kalkulationen von Skynets Lakaien, dem Zentralrechner der Anlage 7249A, keine Beachtung gefunden hatte, war der Nebeneffekt namens EMP, der bei der Zündung von nuklearen Sprengkörpern auftrat. Der ElektroMagnetische Impuls konnte in einem weiten Umkreis sämtliche elektronischen Geräte zerstören. Und er war auch stark genug, um für kurze Zeit die Ausrichtung des Erdmagnetfeldes zu stören und abzulenken.
Das Erdmagnetfeld aber war der ausschlaggebende Orientierungsparameter für die räumliche Verschiebung bei Zeitsprüngen.
Die Bombe war unmittelbar nach Ausführung des Zeitsprunges vom Zentralrechner gezündet worden.
[Fortsetzung folgt ...]
Asheville, Buncombe County, North Carolina, USA - 17. Dezember 2029
Vor den zerstörten Überresten der Innenstadt Ashevilles waren bereits vor Monaten, direkt nach der Zerschlagung von Skynet, die ersten Siedlungsgemeinschaften eingezogen. Noch hielten sie sich versteckt und lebten im Verborgenen, bis sie sicher sein konnten, dass die Gegend von den letzten Maschinen und Kampfrobotern gesäubert worden war. Doch in letzter Zeit wagten sich die Menschen vereinzelt auch schon bei Tageslicht aus den Kellern und Bunkern, um ein wenig die neugewonnene Freiheit zu genießen.
Sie waren gewarnt worden, dass im Gebirge noch eine intakte Festungsanlage Skynets existierte und diese bald angegriffen werden sollte. Karin Bochner war kurz vor Sonnenaufgang an diesem Wintermorgen an die Oberfläche gekommen, um zu beobachten, wie sich der Himmel im Osten heller färben und von Schwarz in sein übliches Grau wechseln würde. Und nebenbei wollte sie auch ein wenig lauschen, ob man schon etwas vom Kampfeslärm hören konnte. Sie selbst war nie Soldatin geworden, doch irgendein irrationales Bedürfnis zog sie öfter in die Nähe von Kampfschauplätzen, als gut für sie gewesen war. Nun, sie lebte noch.
Irgendwie.
Sie trat den Rückweg an zum Eingang des zerbombten Hauses, in welchem sich die Kellertreppe zu ihrer Siedlungsgruppe befand. Sie glaubte noch, vereinzelt entferntes Donnerhallen zu vernehmen, doch für sie wurde es Zeit; die ersten Kinder konnten bald wach werden und sie wollte bei ihnen sein, wenn es soweit wäre.
Als sie durch die Tür getreten war und zwei Schritte in Richtung Kellertreppe zurückgelegt hatte, flutete plötzlich von draußen gleißend helles Licht für eine Sekunde in den Flur hinein. Karin blieb wie angewurzelt stehen und drehte sich dann ungläubig um. Sie ging zurück zum Eingang und sah hinaus.
Etwa zwanzig Meilen entfernt stieg vom höchsten Gipfel der Appalachen im Nordosten ein glutroter Feuerball auf und schraubte sich schnell in große Höhen hinauf. Er schien dabei immer heißer zu werden, denn das Rot der Flammenkugel ging langsam in Orange und dann in grelles Gelb über, das immer heller wurde. Eine gewaltige Druckwelle fegte die dortigen Wolken kreisförmig mit einer irrwitzigen, unnatürlichen Geschwindigkeit auseinander, was der Szenerie einen surrealen Charakter verlieh. Ironischerweise sah sie durch die entstandene Lücke in der Wolkendecke zum ersten Mal seit Jahrzehnten kurz den blauen Himmel, bevor dieser von der apokalyptischen Erscheinung am Himmel verdrängt wurde. Als sie mit offenem Mund die Pilzform der Wolke erkannte, schweifte ihre Erinnerung für die Dauer eines Lidschlages zurück zum Tag des Jüngsten Gerichts.
„Daniel ...“ Einige bittere Tränen liefen ihre Wangen hinab.
Dann, als die Erde schwach erbebte und das dumpfe Grollen der Detonation an ihre Ohren drang, kehrte ihr Bewusstsein zurück in die Gegenwart. Sie rannte die Treppe hinab und schrie aus Leibeskräften: „Wacht auf! Alle in Deckung! Im Gebirge ist eine kleine Atombombe gezündet worden. Wir müssen die Kinder in Sicherheit bringen!“
Schnell war die Kolonie alarmiert. Sie nahmen schnell alles, was sie tragen konnten, und zogen sich in vermeintlich sicherere Bereiche des unterirdischen Komplexes, der einmal in ferner Vergangenheit ein Einkaufszentrum gewesen war, zurück. Die Druck- und Hitzewelle fegte, ohne nennenswerten Schaden anzurichten, über sie hinweg. Karins Einschätzung über die geringe Tonnage der Kernwaffe war korrekt gewesen, obwohl sie seit dem verhängnisvollen Tag des Atomkrieges vor über dreißig Jahren keine mehr gesehen hatte. Zudem war sie im Inneren des Berges knapp unter der Oberfläche gezündet worden, was der Explosion zusätzlich einiges an Wucht genommen hatte.
Von den Truppen rund um den Mount Mitchell freilich überlebte niemand die totale Vernichtung der Festung, der letzten Bastion Skynets mit der Möglichkeit zur Zeitreise. Diese Tür war unwiderruflich für alle Zeiten zugeschlagen worden. Karin war es flau im Magen, ein unbestimmtes Gefühl breitete sich in ihr aus wie eine Ahnung von dem, was nun nie sein würde. Sie würde General Mahtobu und den Kandidaten für den Zeitsprung nie begegnen, ohne je etwas davon zu ahnen.
Was in den Kalkulationen von Skynets Lakaien, dem Zentralrechner der Anlage 7249A, keine Beachtung gefunden hatte, war der Nebeneffekt namens EMP, der bei der Zündung von nuklearen Sprengkörpern auftrat. Der ElektroMagnetische Impuls konnte in einem weiten Umkreis sämtliche elektronischen Geräte zerstören. Und er war auch stark genug, um für kurze Zeit die Ausrichtung des Erdmagnetfeldes zu stören und abzulenken.
Das Erdmagnetfeld aber war der ausschlaggebende Orientierungsparameter für die räumliche Verschiebung bei Zeitsprüngen.
Die Bombe war unmittelbar nach Ausführung des Zeitsprunges vom Zentralrechner gezündet worden.
[Fortsetzung folgt ...]
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