Sonntag, 11. Februar 2007
T1.67
cymep, 13:20h
[... Fortsetzung des Buches]
Flughafen Frankfurt/Main, Kelsterbach, Deutschland - 2. September 1997
„Wacht auf, ihr beiden. Es wird langsam Zeit für uns.“
Karin musste einen Moment lang nachdenken, bevor ihr im Halbschlaf wieder einfiel, wo sie waren. Da sie mitten in der Nacht angekommen waren, hatte Abbey für sie ein Motelzimmer mit zwei Doppelbetten genommen, in dem sie ein paar Stunden hatten ruhen können, bevor sie in aller Herrgottsfrühe den ersten Flug nach New York nehmen würden. Sie hatte das eine Bett genommen, während sich Abbey und Simon das andere geteilt hatten.
Karin war mitten in der Nacht einmal aufgewacht, als ein startendes Flugzeug über sie hinweggeflogen war. Dabei hatte sie gesehen, wie Abbey regungslos am Fenster stand und durch einen Spalt zwischen den Vorhängen auf den Vorplatz des Motels hinausstarrte. Erst nach ein paar Sekunden wurde ihr bewusst, dass sie offenbar Wache stand, doch sie war unmittelbar darauf wieder in tieferen Schlaf gefallen, sodass ihr der Gedanke auch gleich wieder entglitten war. Beim Aufwachen hatte sie es vergessen.
Abbey war bereits im Bad, als sie sich nun langsam umdrehte und schlaftrunken halbwegs im Bett aufrichtete. Simon stieg gerade aus dem Bett und bot ihr damit ungewollt den Anblick seines nackten Oberkörpers. Sie ertappte sich bei dem Gedanken, dass er eigentlich gar nicht so unattraktiv war. Er trieb zwar keinen Sport und war auch nicht so muskulös, aber auch nicht unbedingt als dürr zu bezeichnen. Eher schlank und von einer natürlichen Sehnigkeit. Irgendetwas musste an ihm ja dran sein, sonst hätte eine Klassefrau wie Abbey sich wohl nicht auf ihn eingelassen.
Schnell verscheuchte sie den Gedanken wieder. Zum einen kannte sie ihn praktisch ihr Leben lang als einen Jungen aus der Nachbarschaft und zum anderen freute sie sich schon darauf, endlich Daniel wieder zu sehen. Beim Gedanken an ihn legte sich ein verträumtes Lächeln auf ihr Gesicht.
Sie räumten ihr Zimmer und begaben sich in den großen Gebäudekomplex des Flughafens. Das Auto hatten sie auf einem Langzeit-Parkplatz abgestellt, wo es sicher verwahrt wurde. Abbey setzte sich noch für ein paar Minuten in ein Internet-Café, während Karin und Simon sich das Sortiment eines Duty-Free-Shops ansahen.
Draußen dämmerte ein früher Septembermorgen, als sie am Lufthansa-Schalter eincheckten und ihr Gepäck aufgaben. Die Maschine würde in anderthalb Stunden starten, sodass sie noch genug Zeit hatten, um in einem Café etwas zu frühstücken.
„Was haben wir für ein Glück, dass noch drei Sitzplätze in der Economy-Klasse frei waren“, sagte Simon kauend beim Frühstück.
Abbey biss ein kleines Stück von ihrem Croissant ab und entgegnete mit schelmischem Lächeln: „Mit Glück hat das wenig zu tun. Aber es kann geschehen, dass Sitzplätze falsch gebucht oder storniert werden. In diese Lücke kann man dann schlüpfen, wenn man den richtigen Zeitpunkt abpasst.“
Simon verschluckte sich und musste husten. Dann fragte er: „Du meinst, als du vorhin im Internet warst, hast du ...?“
Sie lächelte weiterhin sphinxengleich.
Karin musterte sie argwöhnisch. „Deine ‚Organisation’ muss doch einen ziemlich großen Einfluss haben, wenn sie so etwas so schnell hinbekommt.“
„Ehrlich gesagt war ich selbst das. Ein Teil meiner Fähigkeiten umfasst das Umgehen von elektronischen Sicherheitssperren bei EDV. Mir tun nur die drei Leute leid, die einen späteren Flug nehmen müssen, weil die böse, böse Lufthansa sie falsch gebucht hat. Naja, bei unserer Reise handelt es sich schließlich um einen Notfall, da ist das schon vertretbar.“
„Du erstaunst uns immer wieder, mein Schatz.“ Simon drückte ihr ein Bussi auf die Wange und grinste.
„Danke. Seid ihr eigentlich schon einmal in Amerika gewesen oder ähnlich weit geflogen?“
„Meinst du, abgesehen von meinem missglückten Urlaub letzte Woche?“, versetzte Karin mit säuerlicher Miene. „Nur einmal nach Mallorca mit der Familie. Ach ja, und einmal nach London zum Vier-Tage-Shopping-Marathon mit einer Freundin.“
„Schäm dich!“, rügte TSR 3012 sie und grinste. „Und du?“
„Ich bin noch nie irgendwohin geflogen“, gab Simon zu.
„Ach, das macht nichts. In der Touristenklasse der Boeing 747 ist das wie in einem großen Reisebus, wenn du nicht direkt am Fenster sitzt. Nur etwas lauter und mit noch kleineren Fenstern“, spielte TSR 3012 ihre bevorstehende Reise herab.
„Du hast die Turbulenzen und das Essen vergessen“, wandte Karin ein und erntete damit einen strengen Seitenblick von TSR 3012. Unschuldig merkte sie auf: „Was denn?“
[Fortsetzung folgt ...]
Flughafen Frankfurt/Main, Kelsterbach, Deutschland - 2. September 1997
„Wacht auf, ihr beiden. Es wird langsam Zeit für uns.“
Karin musste einen Moment lang nachdenken, bevor ihr im Halbschlaf wieder einfiel, wo sie waren. Da sie mitten in der Nacht angekommen waren, hatte Abbey für sie ein Motelzimmer mit zwei Doppelbetten genommen, in dem sie ein paar Stunden hatten ruhen können, bevor sie in aller Herrgottsfrühe den ersten Flug nach New York nehmen würden. Sie hatte das eine Bett genommen, während sich Abbey und Simon das andere geteilt hatten.
Karin war mitten in der Nacht einmal aufgewacht, als ein startendes Flugzeug über sie hinweggeflogen war. Dabei hatte sie gesehen, wie Abbey regungslos am Fenster stand und durch einen Spalt zwischen den Vorhängen auf den Vorplatz des Motels hinausstarrte. Erst nach ein paar Sekunden wurde ihr bewusst, dass sie offenbar Wache stand, doch sie war unmittelbar darauf wieder in tieferen Schlaf gefallen, sodass ihr der Gedanke auch gleich wieder entglitten war. Beim Aufwachen hatte sie es vergessen.
Abbey war bereits im Bad, als sie sich nun langsam umdrehte und schlaftrunken halbwegs im Bett aufrichtete. Simon stieg gerade aus dem Bett und bot ihr damit ungewollt den Anblick seines nackten Oberkörpers. Sie ertappte sich bei dem Gedanken, dass er eigentlich gar nicht so unattraktiv war. Er trieb zwar keinen Sport und war auch nicht so muskulös, aber auch nicht unbedingt als dürr zu bezeichnen. Eher schlank und von einer natürlichen Sehnigkeit. Irgendetwas musste an ihm ja dran sein, sonst hätte eine Klassefrau wie Abbey sich wohl nicht auf ihn eingelassen.
Schnell verscheuchte sie den Gedanken wieder. Zum einen kannte sie ihn praktisch ihr Leben lang als einen Jungen aus der Nachbarschaft und zum anderen freute sie sich schon darauf, endlich Daniel wieder zu sehen. Beim Gedanken an ihn legte sich ein verträumtes Lächeln auf ihr Gesicht.
Sie räumten ihr Zimmer und begaben sich in den großen Gebäudekomplex des Flughafens. Das Auto hatten sie auf einem Langzeit-Parkplatz abgestellt, wo es sicher verwahrt wurde. Abbey setzte sich noch für ein paar Minuten in ein Internet-Café, während Karin und Simon sich das Sortiment eines Duty-Free-Shops ansahen.
Draußen dämmerte ein früher Septembermorgen, als sie am Lufthansa-Schalter eincheckten und ihr Gepäck aufgaben. Die Maschine würde in anderthalb Stunden starten, sodass sie noch genug Zeit hatten, um in einem Café etwas zu frühstücken.
„Was haben wir für ein Glück, dass noch drei Sitzplätze in der Economy-Klasse frei waren“, sagte Simon kauend beim Frühstück.
Abbey biss ein kleines Stück von ihrem Croissant ab und entgegnete mit schelmischem Lächeln: „Mit Glück hat das wenig zu tun. Aber es kann geschehen, dass Sitzplätze falsch gebucht oder storniert werden. In diese Lücke kann man dann schlüpfen, wenn man den richtigen Zeitpunkt abpasst.“
Simon verschluckte sich und musste husten. Dann fragte er: „Du meinst, als du vorhin im Internet warst, hast du ...?“
Sie lächelte weiterhin sphinxengleich.
Karin musterte sie argwöhnisch. „Deine ‚Organisation’ muss doch einen ziemlich großen Einfluss haben, wenn sie so etwas so schnell hinbekommt.“
„Ehrlich gesagt war ich selbst das. Ein Teil meiner Fähigkeiten umfasst das Umgehen von elektronischen Sicherheitssperren bei EDV. Mir tun nur die drei Leute leid, die einen späteren Flug nehmen müssen, weil die böse, böse Lufthansa sie falsch gebucht hat. Naja, bei unserer Reise handelt es sich schließlich um einen Notfall, da ist das schon vertretbar.“
„Du erstaunst uns immer wieder, mein Schatz.“ Simon drückte ihr ein Bussi auf die Wange und grinste.
„Danke. Seid ihr eigentlich schon einmal in Amerika gewesen oder ähnlich weit geflogen?“
„Meinst du, abgesehen von meinem missglückten Urlaub letzte Woche?“, versetzte Karin mit säuerlicher Miene. „Nur einmal nach Mallorca mit der Familie. Ach ja, und einmal nach London zum Vier-Tage-Shopping-Marathon mit einer Freundin.“
„Schäm dich!“, rügte TSR 3012 sie und grinste. „Und du?“
„Ich bin noch nie irgendwohin geflogen“, gab Simon zu.
„Ach, das macht nichts. In der Touristenklasse der Boeing 747 ist das wie in einem großen Reisebus, wenn du nicht direkt am Fenster sitzt. Nur etwas lauter und mit noch kleineren Fenstern“, spielte TSR 3012 ihre bevorstehende Reise herab.
„Du hast die Turbulenzen und das Essen vergessen“, wandte Karin ein und erntete damit einen strengen Seitenblick von TSR 3012. Unschuldig merkte sie auf: „Was denn?“
[Fortsetzung folgt ...]
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