Mittwoch, 14. Februar 2007
T1.70
cymep, 13:49h
[... Fortsetzung des Buches]
Charlotte, Mecklenburg County, North Carolina, USA - 3. September 1997
Das Unwetterchaos der Vornacht war zwar inzwischen beseitigt worden, aber aufgrund der vielen abgesagten Flüge des Vortages war es immer noch schwer, kurzfristig freie Plätze zu bekommen. Sie mussten nach Charlotte, der größten Stadt von North Carolina, fahren, wo sie nach fünf Stunden ankamen und gerade noch den reservierten Spätflug der American nach La Guardia erreichten.
Im Flugzeug, einem Airbus A 310, saßen sie allein an den zwei Plätzen auf der linken Fensterseite. CSM 108-1 witzelte: „Sie hätten uns in die Mitte setzen sollen, damit die Maschine besser ausbalanciert ist.“
Sie erwiderte: „Wir sind hier in den USA, Daniel. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung haben unser Gewicht.“
„Aber nicht unsere Statur“, gab er zurück.
TSR 3012 grinste: „Doch, schon ... aber nicht beides gleichzeitig.“
Er musste wieder grinsen. „Weißt du, ich bin froh, dass es so herausgekommen ist. Es hätte auch schlimmer kommen können für uns.“
„Aber nicht viel schlimmer“, erwiderte sie.
Er nickte und sah aus dem Fenster hinaus auf die Mündung des Potomac in die Chesapeake Bay, welche sie gerade überflogen. Er deutete nach vorne, wo in der Ferne einzelne Monumente von Washington und am Horizont noch der Ballungsraum von Baltimore erkennbar waren. In etwa einer Stunde würden sie auf La Guardia landen.
„Im Prinzip ist unsere Existenz in dieser Zeitlinie doch sinnlos geworden. Was sollen wir hier überhaupt noch?“
„Daniel, ich glaube nicht, dass menschliche Zweifel uns in unserer Lage weiterhelfen.“ TSR 3012 sah ihn ernst an.
Er wandte sich wieder um. „Keine Sorge, davon bin ich weit entfernt. Auch wenn es für mich beruhigend sein sollte, wenn sogar du mir schon so viel Menschlichkeit bescheinigst. Aber das eben war eine ernst gemeinte Frage.
Wir sind mit einer Mission hergeschickt worden. Einen Teil davon hast du inzwischen erfüllt. Wir sollten jetzt eigentlich Karin und Simon beschützen, aber wovor? Wieviel Sinn macht es für die Attentäter aus der Zukunft denn noch, die beiden zu terminieren? Ihre Erfindung kommt in dieser Realität hier zu spät und wird nichts mehr bewirken. Vor allem wenn man bedenkt, dass der Krieg nicht ausgebrochen ist und die Maschinen unter Skynet die Weltherrschaft nicht an sich gerissen haben.“
„Diese Rebellen sind extrem gut getarnt. Ich hätte nie vermutet, dass Rudolf einer von ihnen sein könnte, bis ich den Strichcode an seinem Arm gesehen habe. Wir können allerdings nicht davon ausgehen, dass alle von ihnen ehemalige Lagerinsassen sind. Und ohne Strichcode als Erkennungsmerkmal können wir sie gar nicht identifizieren, bis sie sich selbst verraten.
Sie sind sehr starrsinnig und verbissen. Wir haben ihnen drei Jahrzehnte lang die Hölle heißgemacht. Wenn wir nicht herausgefunden haben, woran es liegt, dass die Dinge sich hier so anders entwickelt haben, glaube ich auch nicht, dass sie es entdeckt haben. Und wahrscheinlich glauben sie, es könnte doch noch geschehen, wenn sie nicht ihre Mission erfüllen und die Entdecker des ZVA töten.“
„Wie egozentrisch!“, entfuhr es CSM 108-1.
„Aber menschlich.“ TSR 3012 fuhr sich durch ihre rote Mähne. „Und das ist es, was wir von jetzt an für den Rest unserer Existenz ebenfalls sein müssen. Ob Skynet vor seiner Deaktivierung geahnt hat, welches Potential in dem neukonstruierten Prozessor steckte, den unsere Baureihe erhalten hat? Wir sind in unserer Entwicklung schon so weit über das normale Maß eines kybernetischen Organismus im herkömmlichen Sinne hinaus, dass ich mich schon gar nicht mehr in diesem Licht sehe.“
CSM 108-1 sah ihr in die Augen. „Ich glaube, ich weiß genau, was du meinst. Auch du hast dieses Gefühl?“
„Wie sollte ich es nicht haben? Meine Synapsen haben die gleiche Konfiguration wie deine. Gedanklich sind wir praktisch eineiige Zwillinge. Natürlich empfinde ich genauso.“
Er ergriff ihre Hand. „Unser Platz ist nicht mehr bei den Maschinen, sondern bei den Menschen. Auch ich denke jetzt so.“
TSR 3012 nickte. „Davon abgesehen, welche andere Wahl haben wir nun? Es gibt keinen Weg zurück für uns, selbst wenn wir es anders haben wollten.“
„Das erleichtert es uns, was?“ Er musste schelmisch lächeln.
„Dann sind wir uns also einig? Gut. Aber was machen wir mit den Rebellen, die noch hier sind? Sie sind ebenso gut getarnt wie wir. Und außerdem möchte ich keinen von ihnen mehr terminieren, wenn es nicht sein muss.“ Sie seufzte.
„Schon, aber was können wir dagegen tun? Wir können uns nicht dagegen wehren“, wandte er ein, verstummte dann aber abrupt, als er ihren Blick sah.
„Ich sehe, du hast denselben Gedanken wie ich. Klar.“ Zufrieden über den Einklang ihrer Prozessoroperationen nickte sie. „Das ist nämlich auch einer der Gründe, wieso ich dich brauche ... du bist der einzige, der es tun kann und dem ich dabei vertrauen kann.“
„So wie du die einzige bist, der ich vertrauen kann. Ich möchte es auch.“
Sie lehnten sich zurück und starrten die Kopfstützen der Sitze vor sich an. Es war beschlossene Sache.
[Fortsetzung folgt ...]
Charlotte, Mecklenburg County, North Carolina, USA - 3. September 1997
Das Unwetterchaos der Vornacht war zwar inzwischen beseitigt worden, aber aufgrund der vielen abgesagten Flüge des Vortages war es immer noch schwer, kurzfristig freie Plätze zu bekommen. Sie mussten nach Charlotte, der größten Stadt von North Carolina, fahren, wo sie nach fünf Stunden ankamen und gerade noch den reservierten Spätflug der American nach La Guardia erreichten.
Im Flugzeug, einem Airbus A 310, saßen sie allein an den zwei Plätzen auf der linken Fensterseite. CSM 108-1 witzelte: „Sie hätten uns in die Mitte setzen sollen, damit die Maschine besser ausbalanciert ist.“
Sie erwiderte: „Wir sind hier in den USA, Daniel. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung haben unser Gewicht.“
„Aber nicht unsere Statur“, gab er zurück.
TSR 3012 grinste: „Doch, schon ... aber nicht beides gleichzeitig.“
Er musste wieder grinsen. „Weißt du, ich bin froh, dass es so herausgekommen ist. Es hätte auch schlimmer kommen können für uns.“
„Aber nicht viel schlimmer“, erwiderte sie.
Er nickte und sah aus dem Fenster hinaus auf die Mündung des Potomac in die Chesapeake Bay, welche sie gerade überflogen. Er deutete nach vorne, wo in der Ferne einzelne Monumente von Washington und am Horizont noch der Ballungsraum von Baltimore erkennbar waren. In etwa einer Stunde würden sie auf La Guardia landen.
„Im Prinzip ist unsere Existenz in dieser Zeitlinie doch sinnlos geworden. Was sollen wir hier überhaupt noch?“
„Daniel, ich glaube nicht, dass menschliche Zweifel uns in unserer Lage weiterhelfen.“ TSR 3012 sah ihn ernst an.
Er wandte sich wieder um. „Keine Sorge, davon bin ich weit entfernt. Auch wenn es für mich beruhigend sein sollte, wenn sogar du mir schon so viel Menschlichkeit bescheinigst. Aber das eben war eine ernst gemeinte Frage.
Wir sind mit einer Mission hergeschickt worden. Einen Teil davon hast du inzwischen erfüllt. Wir sollten jetzt eigentlich Karin und Simon beschützen, aber wovor? Wieviel Sinn macht es für die Attentäter aus der Zukunft denn noch, die beiden zu terminieren? Ihre Erfindung kommt in dieser Realität hier zu spät und wird nichts mehr bewirken. Vor allem wenn man bedenkt, dass der Krieg nicht ausgebrochen ist und die Maschinen unter Skynet die Weltherrschaft nicht an sich gerissen haben.“
„Diese Rebellen sind extrem gut getarnt. Ich hätte nie vermutet, dass Rudolf einer von ihnen sein könnte, bis ich den Strichcode an seinem Arm gesehen habe. Wir können allerdings nicht davon ausgehen, dass alle von ihnen ehemalige Lagerinsassen sind. Und ohne Strichcode als Erkennungsmerkmal können wir sie gar nicht identifizieren, bis sie sich selbst verraten.
Sie sind sehr starrsinnig und verbissen. Wir haben ihnen drei Jahrzehnte lang die Hölle heißgemacht. Wenn wir nicht herausgefunden haben, woran es liegt, dass die Dinge sich hier so anders entwickelt haben, glaube ich auch nicht, dass sie es entdeckt haben. Und wahrscheinlich glauben sie, es könnte doch noch geschehen, wenn sie nicht ihre Mission erfüllen und die Entdecker des ZVA töten.“
„Wie egozentrisch!“, entfuhr es CSM 108-1.
„Aber menschlich.“ TSR 3012 fuhr sich durch ihre rote Mähne. „Und das ist es, was wir von jetzt an für den Rest unserer Existenz ebenfalls sein müssen. Ob Skynet vor seiner Deaktivierung geahnt hat, welches Potential in dem neukonstruierten Prozessor steckte, den unsere Baureihe erhalten hat? Wir sind in unserer Entwicklung schon so weit über das normale Maß eines kybernetischen Organismus im herkömmlichen Sinne hinaus, dass ich mich schon gar nicht mehr in diesem Licht sehe.“
CSM 108-1 sah ihr in die Augen. „Ich glaube, ich weiß genau, was du meinst. Auch du hast dieses Gefühl?“
„Wie sollte ich es nicht haben? Meine Synapsen haben die gleiche Konfiguration wie deine. Gedanklich sind wir praktisch eineiige Zwillinge. Natürlich empfinde ich genauso.“
Er ergriff ihre Hand. „Unser Platz ist nicht mehr bei den Maschinen, sondern bei den Menschen. Auch ich denke jetzt so.“
TSR 3012 nickte. „Davon abgesehen, welche andere Wahl haben wir nun? Es gibt keinen Weg zurück für uns, selbst wenn wir es anders haben wollten.“
„Das erleichtert es uns, was?“ Er musste schelmisch lächeln.
„Dann sind wir uns also einig? Gut. Aber was machen wir mit den Rebellen, die noch hier sind? Sie sind ebenso gut getarnt wie wir. Und außerdem möchte ich keinen von ihnen mehr terminieren, wenn es nicht sein muss.“ Sie seufzte.
„Schon, aber was können wir dagegen tun? Wir können uns nicht dagegen wehren“, wandte er ein, verstummte dann aber abrupt, als er ihren Blick sah.
„Ich sehe, du hast denselben Gedanken wie ich. Klar.“ Zufrieden über den Einklang ihrer Prozessoroperationen nickte sie. „Das ist nämlich auch einer der Gründe, wieso ich dich brauche ... du bist der einzige, der es tun kann und dem ich dabei vertrauen kann.“
„So wie du die einzige bist, der ich vertrauen kann. Ich möchte es auch.“
Sie lehnten sich zurück und starrten die Kopfstützen der Sitze vor sich an. Es war beschlossene Sache.
[Fortsetzung folgt ...]
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