Sonntag, 25. Februar 2007
T1.81
cymep, 13:24h
[... Fortsetzung des Buches]
Niznij Novgorod, Russland - 12. Dezember 2025
Die kleine Einheit sass tatenlos in den Ruinen in den Vororten der ehemaligen Millionenstadt Gorkij herum, vor sich hin dösend, leise miteinander wispernd oder stumm auf das ruhige Wasser der Wolga hinaussehend. Dort im Südwesten, wo jetzt der milchige Fleck am Horizont verschwand, der die Lage der Sonne hinter den dicken, tiefhängenden Wolkenschichten anzeigte, hatte einmal Moskau gelegen, keine 300 km von hier. Es war trocken, aber bitterkalt und es würde bald noch kälter werden, sobald es dämmern würde. Sie waren gerade aus den Bunkern und Tunnelanlagen des Untergrundes hervorgekommen und gönnten sich den Luxus von etwas Tageslicht, bevor sie im potentiellen Schutz der Dunkelheit zu ihrer nächsten Mission aufbrechen würden. Dabei vermieden sie es tunlichst, durch irgendetwas auf sich aufmerksam zu machen, was noch letzte fliegende Patroullien oder JKs anlocken könnte.
Eine kleine Gruppe Soldaten, wahrscheinlich Kundschafter, kam mehr stolpernd als gehend, jede sich bietende Deckung ausnutzend, die Anhöhe herauf. Sie sahen allessamt zerlumpt und sehr mitgenommen aus, am Ende ihrer Kräfte.
Wortlos winkten die Wartenden sie heran, sicherheitshalber mit sämtlichen Waffen im Anschlag.
Man konnte nie wissen. Der Führende, ein Lieutenant von höchstens fünfundzwanzig Jahren, nannte seinen Namen und die Kennung und berichtete atemlos von einem Hinterhalt am Nordrand von Gorkij. Er verlangte den Führenden der Bunkeranlagen zu sprechen.
„Da wirst du Pech haben, denn der Generalmajor kommt gleich mit uns auf Patroullie, sobald es dunkel ist. Hier draußen in den Vororten ist es sicher genug für Inspektionen der Vorposten von hohen Offizieren. Aber der diensthabende Bunkerkommandant da unten wird eure Information sicher zu schätzen wissen.“
Der junge Scout erstarte. „Der... der Generalmajor ist hier?“
Ein behelmter Kopf in der entfernten Zimmerecke hob sich. Jetzt erst bemerkte er den langen rötlichen Pferdeschwanz, der unter dem klobigen Kopfschutz herausragte und starrte in das eine hellblaue Auge, das nicht von der Augenklappe bedeckt wurde. Sofort stand er stramm und grüßte zackig. „Verzeihung, Sir, ich hatte keine Ahnung, daß Sie...“
„Schon gut, Soldat. Und grüßen Sie nie mehr, wenn sie vor einem Fenster stehen und weithin sichtbar sind. Wir wollen den Bastarden doch nicht noch zeigen, welches die lohnendsten Ziele sind, nicht wahr?“
Mit entsetzter Miene beeilte sich der offenbar recht unerfahrene Soldat, sich von der Fensterhöhlung zu entfernen. „Tut mir leid. Ich wollte nicht...“
„Schon gut,“ unterbrach sie ihn erneut. „Der Bunkereingang ist dort hinten im Gang. Erholen Sie sich ein wenig, bevor Sie sich neu einteilen lassen.“
Dankbar hastete der Späher weiter und winkte sein knappes Dutzend Soldaten mit sich. Generalmajor Maya Maranoff betrachtete die erschöpften, gebückt dahinschlurfenden Männer und Frauen. Sie war etwa in ihrem Alter gewesen, als ihr komfortables, dekadentes Leben mit einem gewaltigen Paukenschlag geendet und ewigen Dekaden der Entbehrung, des Leidens und des Schmerzes gewichen war. Ihre Gedanken drifteten zurück in jene Zeit, längst vergessene Orte und Gesichter tauchten blaß und verschwommen in ihrer Erinnerung auf...
Der vorletzte Soldat richtete sich auf und nahm den Helm ab. Langes rotes Haar fiel wie ein seidiger Vorhang herab, als die sehr feminin anmutende Gefreite den Kopf leicht schüttelte.
Der Schock traf sie wie ein Vorschlaghammer.
In diesem Moment sah der Neuankömmling auf sie herab. Ihr verbliebenes Auge weitete sich vor ungläubigem Erstaunen.
„Abbey? Abbey Benton?“
Abbey sah hinab und erstarrte. „Kennen wir uns?“
„Mein Gott, du bist keinen Tag gealtert! Wie kann das nur möglich sein? Ich...“ Sie verstummte, als sie den Blick ihres Gegenübers auf den Rangabzeichen auf ihrem Oberarm ruhen sah. Wie betäubt, bar jeden Verstehens, konnte sie nichts tun als das weitere Geschehen tatenlos mit anzusehen.
„Natasha Orloff alias Generalmajor Maya Maranoff! Was für eine Überraschung. Alles hätte ich für möglich gehalten, aber nicht das! Die Menschheit muß wirklich verzweifelt sein, wenn jemand wie du zum Generalmajor werden kann. Ach ja, da wir uns hier unter diesen Umständen wieder begegnen...“
Die ersten Umherstehenden wurden auf die Szene aufmerksam, als die schlanke großgewachsene Gefreite sich zur Generalin hinabbeugte und ihr die Hand um den Nacken legte.
„...du hattest immer Recht mit Daniel. Und schöne Grüße auch von Skynet.“
Mit einem häßlichen Krachen, das im ganzen Raum gut hörbar war, brach Natashas Genick. Augenblicklich schrien alle durcheinander, Abbey wurde von einem halben Dutzend Plamaimpulsen durchsiebt und niedergestreckt. Als sie auf dem staubigen Boden aufschlug und ihr angezeigt wurde, dass ihre Energieversorgung nun gleich den Dienst einstellen würde, dachte sie für einen Sekundenbruchteil an ihre Mission, wie sie den Atomschlag und die Zeit danach in Mitteleuropa überdauert und sich auf Skynets Geheiß allmählich in Richtung Osten zur Führungsspitze von Eurasien vorgearbeitet hatte. Nach einigen Jahren auf dem gleichen Posten fingierte sie stets ihren Tod, wanderte ein Stück weiter und schloß sich einer Einheit an, die jeweils noch näher am Kommandostab diente. Nun hatte sie endlich ein überaus wichtiges Missionsziel erreicht.
In einer anderen Realität hatte es keinen Krieg und keinen Skynet gegeben. Das entzog sich jedoch ihrem Wahrnehmungsvermögen.
[Fortsetzung folgt ...]
Niznij Novgorod, Russland - 12. Dezember 2025
Die kleine Einheit sass tatenlos in den Ruinen in den Vororten der ehemaligen Millionenstadt Gorkij herum, vor sich hin dösend, leise miteinander wispernd oder stumm auf das ruhige Wasser der Wolga hinaussehend. Dort im Südwesten, wo jetzt der milchige Fleck am Horizont verschwand, der die Lage der Sonne hinter den dicken, tiefhängenden Wolkenschichten anzeigte, hatte einmal Moskau gelegen, keine 300 km von hier. Es war trocken, aber bitterkalt und es würde bald noch kälter werden, sobald es dämmern würde. Sie waren gerade aus den Bunkern und Tunnelanlagen des Untergrundes hervorgekommen und gönnten sich den Luxus von etwas Tageslicht, bevor sie im potentiellen Schutz der Dunkelheit zu ihrer nächsten Mission aufbrechen würden. Dabei vermieden sie es tunlichst, durch irgendetwas auf sich aufmerksam zu machen, was noch letzte fliegende Patroullien oder JKs anlocken könnte.
Eine kleine Gruppe Soldaten, wahrscheinlich Kundschafter, kam mehr stolpernd als gehend, jede sich bietende Deckung ausnutzend, die Anhöhe herauf. Sie sahen allessamt zerlumpt und sehr mitgenommen aus, am Ende ihrer Kräfte.
Wortlos winkten die Wartenden sie heran, sicherheitshalber mit sämtlichen Waffen im Anschlag.
Man konnte nie wissen. Der Führende, ein Lieutenant von höchstens fünfundzwanzig Jahren, nannte seinen Namen und die Kennung und berichtete atemlos von einem Hinterhalt am Nordrand von Gorkij. Er verlangte den Führenden der Bunkeranlagen zu sprechen.
„Da wirst du Pech haben, denn der Generalmajor kommt gleich mit uns auf Patroullie, sobald es dunkel ist. Hier draußen in den Vororten ist es sicher genug für Inspektionen der Vorposten von hohen Offizieren. Aber der diensthabende Bunkerkommandant da unten wird eure Information sicher zu schätzen wissen.“
Der junge Scout erstarte. „Der... der Generalmajor ist hier?“
Ein behelmter Kopf in der entfernten Zimmerecke hob sich. Jetzt erst bemerkte er den langen rötlichen Pferdeschwanz, der unter dem klobigen Kopfschutz herausragte und starrte in das eine hellblaue Auge, das nicht von der Augenklappe bedeckt wurde. Sofort stand er stramm und grüßte zackig. „Verzeihung, Sir, ich hatte keine Ahnung, daß Sie...“
„Schon gut, Soldat. Und grüßen Sie nie mehr, wenn sie vor einem Fenster stehen und weithin sichtbar sind. Wir wollen den Bastarden doch nicht noch zeigen, welches die lohnendsten Ziele sind, nicht wahr?“
Mit entsetzter Miene beeilte sich der offenbar recht unerfahrene Soldat, sich von der Fensterhöhlung zu entfernen. „Tut mir leid. Ich wollte nicht...“
„Schon gut,“ unterbrach sie ihn erneut. „Der Bunkereingang ist dort hinten im Gang. Erholen Sie sich ein wenig, bevor Sie sich neu einteilen lassen.“
Dankbar hastete der Späher weiter und winkte sein knappes Dutzend Soldaten mit sich. Generalmajor Maya Maranoff betrachtete die erschöpften, gebückt dahinschlurfenden Männer und Frauen. Sie war etwa in ihrem Alter gewesen, als ihr komfortables, dekadentes Leben mit einem gewaltigen Paukenschlag geendet und ewigen Dekaden der Entbehrung, des Leidens und des Schmerzes gewichen war. Ihre Gedanken drifteten zurück in jene Zeit, längst vergessene Orte und Gesichter tauchten blaß und verschwommen in ihrer Erinnerung auf...
Der vorletzte Soldat richtete sich auf und nahm den Helm ab. Langes rotes Haar fiel wie ein seidiger Vorhang herab, als die sehr feminin anmutende Gefreite den Kopf leicht schüttelte.
Der Schock traf sie wie ein Vorschlaghammer.
In diesem Moment sah der Neuankömmling auf sie herab. Ihr verbliebenes Auge weitete sich vor ungläubigem Erstaunen.
„Abbey? Abbey Benton?“
Abbey sah hinab und erstarrte. „Kennen wir uns?“
„Mein Gott, du bist keinen Tag gealtert! Wie kann das nur möglich sein? Ich...“ Sie verstummte, als sie den Blick ihres Gegenübers auf den Rangabzeichen auf ihrem Oberarm ruhen sah. Wie betäubt, bar jeden Verstehens, konnte sie nichts tun als das weitere Geschehen tatenlos mit anzusehen.
„Natasha Orloff alias Generalmajor Maya Maranoff! Was für eine Überraschung. Alles hätte ich für möglich gehalten, aber nicht das! Die Menschheit muß wirklich verzweifelt sein, wenn jemand wie du zum Generalmajor werden kann. Ach ja, da wir uns hier unter diesen Umständen wieder begegnen...“
Die ersten Umherstehenden wurden auf die Szene aufmerksam, als die schlanke großgewachsene Gefreite sich zur Generalin hinabbeugte und ihr die Hand um den Nacken legte.
„...du hattest immer Recht mit Daniel. Und schöne Grüße auch von Skynet.“
Mit einem häßlichen Krachen, das im ganzen Raum gut hörbar war, brach Natashas Genick. Augenblicklich schrien alle durcheinander, Abbey wurde von einem halben Dutzend Plamaimpulsen durchsiebt und niedergestreckt. Als sie auf dem staubigen Boden aufschlug und ihr angezeigt wurde, dass ihre Energieversorgung nun gleich den Dienst einstellen würde, dachte sie für einen Sekundenbruchteil an ihre Mission, wie sie den Atomschlag und die Zeit danach in Mitteleuropa überdauert und sich auf Skynets Geheiß allmählich in Richtung Osten zur Führungsspitze von Eurasien vorgearbeitet hatte. Nach einigen Jahren auf dem gleichen Posten fingierte sie stets ihren Tod, wanderte ein Stück weiter und schloß sich einer Einheit an, die jeweils noch näher am Kommandostab diente. Nun hatte sie endlich ein überaus wichtiges Missionsziel erreicht.
In einer anderen Realität hatte es keinen Krieg und keinen Skynet gegeben. Das entzog sich jedoch ihrem Wahrnehmungsvermögen.
[Fortsetzung folgt ...]
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