Sonntag, 24. Dezember 2006
StarTrek 1 Das gesamte Buch zum download
cymep, 13:42h
HIER Hier als Weihnachtsgeschenk für Euch treuen ( und neuen) Leser - 'StarTrek 1 - Der Ewige von Alnilam' als PDF
Ich empfehle es zu lesen, denn nach Terminator 1 geht's weiter mit StarTrek2, was auf diesem Buch aufbaut.
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Sonntag, 12. November 2006
ST1.22 : KAPITEL ACHTerschiff
cymep, 01:05h
HIER KANNST DU DAS GANZE BUCH ALS PDF DATEI HERUNTERLADEN
[... Fortsetzung von gestern]
- 8 -
„Sie gehen in Angriffsposition, Captain,“ rief Vakuf alarmiert.
„Schön, dass sie uns mit dem traditionellen klingonischen Kriegerspruch ins Jenseits schicken wollen. Was jetzt, * Kyle*?“ Gespannt sah Leardini ihn an.
„ Vakuf, steuern Sie die Pa’neth an und ignorieren Sie die Bird of Prey vorerst. Sie sind nicht schnell genug, um uns zu entkommen, also können wir uns noch später um sie kümmern. Ka-zuki, alle Waffen auf das Führungsschiff. Laden Sie auch alle hinteren Phaserbänke und den Achter-Torpedolauncher, sodass wir nach dem ersten Vorbeiflug eine volle Salve auf ihren Hauptantrieb abfeuern können.“
„Es wird ernst. Festhalten!“ warnte Vakuf beim Einschwenken des Schiffes. Die Trägheits-dämpfer hatten trotzdem keine Probleme damit, die Bewegungen der Aldebaran auszugleichen, als sie direkten Kurs auf den großen Klingonenkreuzer nahmen.
Die drei Bird of Prey flogen erste Angriffe auf sie, brachten ihre Schilde jedoch nicht einmal zum Flackern. Kazuki nahm mit den beiden oberen Achterphasern einen von ihnen aufs Korn und reduzierte dessen Schutzschilde beträchtlich, konnte aber nicht durchdringen. Dann be-gann der Vor’cha-Kreuzer aus grösserer Distanz mit seinen Disruptoren und mehreren Photonentorpedos auf sie zu feuern.
„Ausweichkurs fliegen! Sie sollen unseren Vorteil nicht zu früh bemerken,“ rief Lennard erregt; er war jetzt ganz vom Kampffieber gepackt.
Sie drehten in einer weiten Linkskurve ab und stiegen dabei gleichzeitig auf, wodurch sie der Pa’neth ihre Unterfront zuwandten. Dabei konnte Kazuki den vorderen Torpedolauncher zweimal betätigen und die grosse untere Phaserbank der Untertassensektion mehrmals abfeuern sowie den unteren Phaser der Kampfsektion. Er schoss nur einmal mit der Phaserbank vorbei, die restlichen Attacken trafen die rechten Schilde mittschiffs und achtern der Klingonen und schwächten diese.
Dann war der erste Anflug vorbei und sie zogen beide eine weite Schleife für den zweiten Angriff, während sie immer noch von den drei kleinen Feindraumschiffen umkreist und beschossen wurden.
„Sind wir getroffen worden?“ wollte Lennard wissen. Er hatte nichts von den Aufschlägen gespürt, wusste jedoch von seiner Zeit auf der Diligence her genau, wie sich die Stösse und Vibrationen des Decks bei einem Treffer anfühlten.
„Zwei Torpedotreffer und drei Disruptorladungen auf den vorderen Schilden. Keinerlei Wirkung auf die Schildintegrität. Das ist phantastisch, Captain.“ Kazuki war sichtlich begeistert.
„Wir müssen uns etwas einfallen lassen, bevor sie herausfinden, was hier gespielt wird. Momentan sind sie noch Kampfeslustig, doch wenn ihnen bewusst wird, wie dieser Kampf für sie enden könnte, werden sie die technischen Daten des Ewigen auf alle ihre Schiffe verteilen, sich tarnen und in alle sechs Himmelsrichtungen auseinanderflüchten, um sicherzustellen, dass sie im Besitz der Daten bleiben. Bestimmt haben schon alle Schiffe die Daten.“
„Sind Sie nicht ein wenig zu zuversichtlich, was den Ausgang des Kampfes angeht, Captain? Die Bird of Prey beschiessen uns unentwegt mit sämtlichen Bordwaffen,“ gab Vakuf zu bedenken.
„Sie haben recht, Lieutenant Commander,“ stimmte Lennard zu, „wir ändern unsere Taktik. Übernehmen Sie die hinteren Phaserbänke und selbigen Torpedolauncher, Vakuf. Counselor, bitte ans Steuer. So können wir sie optimal eindecken beim nächsten Angriff.“
Ohne ein Wort des Widerspruchs nahmen die beiden Genannten ihre unkonventionellen Positionen ein. Kazuki empfing die Vulcanierin mit den Worten: „Bitte, ich habe alle für Sie benötigten Kontrollen auf die rechte Seite der Gefechtsstation verlegt.“
„Danke, Mr. Kazuki. Captain?“ Vakuf sah fragend auf.
„Feuern Sie nach eigenem Ermessen. Sam, fliegen Sie auf Kollisionskurs direkt auf die Pa’neth zu und unterfliegen sie sie dann,“ instruierte er die junge Betazoidin, die bereits hinter die Conn-Konsole geglitten war.
„Aye, Sir.“
„Öffnen Sie einen Kanal zur Pa’neth,“ forderte er und schrie zum Hauptbildschirm, sobald die Verbindung stand: „Sie wollen es also wissen? Ich werde Sie alle mitnehmen. Wir werden einen glorreichen Tod erringen, um die Galaxie vor Ihren Plänen zu bewahren.“
Sie unterbrachen die Verbindung und beschleunigten mit direktem Kurs auf den mächtigen Vor’cha-Kreuzer zu. Vakuf hielt mit allen fünf unteren Phasern auf einen Bird of Prey, der sie unterflog, traf ihn viermal und brachte seine Schutzschilde durch die geballten Energieentladungen beinahe zum sammenbruch. Als er dann nach oben wegzog, kam er ins Schussfeld der hinteren Torpedos. Vakuf liess ihn seinen Fehler mit zwei Torpedotreffern bezahlen, von denen der erste seine Schilde sammenbrechen ließ und der zweite in seine Maschinensektion einschlug. Wie durch ein Wunder explodierte auch dieser Bird of Prey nicht augenblicklich und bewies einmal mehr die extreme Robustheit dieses prinzipiell veralteten Schiffstyps. Er trieb energielos durchs All davon und war damit aus dem Kampf ausgeschieden.
Kall hielt genau auf den grossen Kreuzer zu, während Kazuki nun mit sporadischen Schüssen der beiden Untertassen-Phaserbänke die beiden anderen leichten Kampfschiffe fernhielt. Gleichzeitig schleuderte er dem Vor’cha drei Photonentorpedos entgegen, die sämtlich auf den vorderen Schilden des Gegners zerplatzten und sie wild aufflackern liessen. Diese waren damit sicher der Hälfte ihrer Kapazität beraubt. Es sah so aus, als wollten sie sich wirklich auf das Führungsschiff stürzen, das nun zurückfeuerte. Da die Aldebaran eine sehr kleine Stirnfläche bot, gingen zwei der drei Disruptorentladungen vorbei. Sie wurden während ihres Anfluges mit fünf Photonentorpedos eingedeckt, die alle gegen ihre Schilde prallten und ver-pufften wie Wassertropfen auf einer offenen Plasmaleitung. Rasend schnell schoss die Pa’neth heran und füllte ihren Bildschirm aus.
„Dauerfeuer!“ rief Lennard und dachte gleichzeitig: ' Jetzt, Sam! Rollen Sie sie halb, wenn wir unter ihnen hindurchkommen. ’
Sam zog die Aldebaran kurz vor dem sammenstoss hinab, nur ein wenig, sodass sie die Pa’neth in weniger als zwei Kilometern passierten. Als der letzte klingonische Torpedo über sie hinwegfauchte, feuerte Kazuki einen Dauerimpuls aus der oberen Phaserbank der UT-Sektion und der beiden kleinen Phaser am vorderen Rand der Kampfsektion auf die Unterseite der Mittelsektion, wo auch Vakuf mit den beiden kleinen Phasern am oberen Heck der Maschinenhülle traf.
Mit einer für ein so gewaltiges Schiff, wie die Aldebaran eines war, unglaublich flüssigen Bewegung drehte Kall das Schiff während des Vorbeifluges um die Längsachse, worauf die Unterseiten der beiden Schiffe einander zugewandt waren. Der Sicherheitsoffizier reagierte instinktiv und setzte nun die untere UT-Phaserbank sowie die Bank auf der Unterseite der Ma-schinenhülle für zwei lange Feuerstösse ein. Die Vulcanierin stand ihm in nichts nach und ge-brauchte die vier kleinen Phaser an den unteren Aussenseiten der Warppylonen und unter dem Heck des Schiffes.
Sie waren nur Sekunden im Feuerbereich des Anderen gewesen, doch sie hatten alle ihre verfügbaren Waffen eingesetzt und vor allem die Unterseite des Mittschiffs und Hecks empfindlich getroffen. Die Schilde des strukturell dünnen und schwachen Verbindungsteiles des Bugs und des großen, breiten Hecks waren generell nicht die stärksten des Schiffes und nach dieser vollen Breitseite praktisch nicht mehr existent. Die Klingonen mussten ihre Frontschilde bei ihrem Anflug verstärkt gehabt haben und waren offensichtlich von ihrem Manöver überrumpelt worden, da sie nur einen oder zwei Treffer auf den Schilden der Aldebaran hatten landen können. Als sie das Heck passiert hatten, schoss Vakuf noch eine Vierersalve von Photonentorpedos ab, von denen drei direkt über dem Heck des Kreuzers einschlugen und damit auch noch die empfindliche Maschinensektion verwundbarer machte.
„Sehr gut, das beschäftigt sie erst einmal. Bleiben Sie dran, Sam.“ Lennard beobachtete befriedigt, wie die Aldebaran eine enge Kurve beschrieb und sich ans Heck der Pa’neth hängte. Dann sah Lennard auf seinem taktischen Display einen der Bird of Prey, der dabei war, ein Stück vor ihnen ihre Bahn zu kreuzen. Ihm kam eine verwegene Idee.
Plötzlich beschleunigte Kall mit vollem Impuls und hielt direkt auf das kleine klingonische Raumschiff zu. Leardini schrie auf, als der Bird of Prey in einer grellen Explosion an den Schilden der Aldebaran zerschellte und das Schiff beim Aufprall vibrierte. Eiskalt zog Kall sofort wieder herum und flog erneut den Vor’cha an.
„Gut reagiert, Counselor. Unsere Kommandokette scheint effektiv zu arbeiten,“ lobte Lennard
seine Pilotin.“
„Aye, Sir. Was hatten Sie mir vorhin in Bezug auf die neuen Schilde geraten, Sir?“ gab sie grinsend zurück.
„Kein Grund, gleich vorlaut zu werden, nicht wahr? Ich sagte, Sie sollten die Schilde nicht überschätzen. Ich darf das, ich bin der Captain,“ wies er sie zurecht.
„Aye, Sir.“ Er sah ihr Gesicht nicht, hörte ihr aber an, dass sie diese Worte mit ihrem leicht ausgeflippten Grinsen, das von einem Ohr bis zum anderen reichen musste, sagte.
„Und jetzt wieder zur Pa’neth,“ erinnerte er sie.
„Sie fliegt einen weiten Bogen am Rande der Erfassungsreichweite der Waffen, Captain. Of-fenbar versucht sie, ihre Schilde erneut aufzubauen. Sie werden vorsichtiger,“ bemerkte Wuran aus dem Hintergrund.
„Das ist nicht gut. Wo befindet sich der letzte Bird of Prey?“
„Achteraus tief, fliegt an und feuert mit Disruptorladungen,“ gab Vakuf zurück.
„Weichen Sie aus und fahren Sie die Schilde zweimal herunter, in unregelmässigen Ab-ständen und für mehrere Sekunden,“ befahl Lennard.
„Ist das nicht ziemlich riskant, * Kyle*?“ wollte Leardini leise wissen.
Er führte für alle laut vernehmbar aus: „Wir müssen Sie aus der Reserve locken, solange wir die Chance dazu haben. Wenn Sie registrieren, dass unsere Schilde mehrmals ausfallen, glaubt der Captain der Pa’neth vielleicht, dass unser erster Angriff ihre Sensorenphalanx beschädigt oder überlastet hat. Wir werden sogar einen Schritt weitergehen und einen Schuss des Bird of Prey durchlassen. Kazuki, Vakuf, halten Sie ihn auf Distanz, damit er keinen ge-zielten Treffer landen kann. Kall, bekommen Sie das hin, einem aus grosser Distanz anfliegenden Photonentorpedo so knapp wie möglich auszuweichen?“
Kein Problem, Sir,“ bestätigte die Betazoidin am Steuer.
„Wir nähern uns lansam der Pa’neth. Der Kleine bleibt auf Distanz. Da! Er hat gerade drei Photonentorpedos abgefeuert. Sie weisen eine grosse Streuung auf. Es ist soweit.“ Kall legte die Aldebaran in eine leichte Rechtskurve, die auf dem Schiff dank der Trägheitsdämpfer nicht zu spüren war.
„Schilde auf ein halbes Prozent herunterfahren. Jetzt, Sam!“ rief Lennard.
Sam manövrierte angestrengt, ihre Finger flogen nur so über die Conn-Kontrollen. Sie liess den ersten rotgoldenen Lichtball vor dem Bug vorbeijagen und steuerte diesen dann knapp in die Bahn des zweiten. Er traf auf die Schilde, die nun zweihundertmal schwächer eingestellt waren als während des Kampfes, und explodierte mit einem grellen Lichtblitz. Die Schilde über der ganzen Untertassensektion wurden durch elektrische Entladungen erhellt, welche üb-er das halbe Schiff leckten.
Der dritte Torpedo verfehlte ihr Heck nur um Meter und erzielte den gleichen Effekt über den Schilden der Warppylonen.
„Tolle Lightshow, nicht wahr? Das sah wirklich ganz so aus, als seien unsere Schilde komplett sammengebrochen. Die Pa’neth steuert auf uns zu und lädt sämtliche Waffen. Bereit zum Hochfahren der Schilde, Captain.“
„Noch nicht. Wir müssen sie in Sicherheit wiegen. Entladen Sie die untere Phaserbank der Untertassensektion, Mr. Kazuki. Sie sollen glauben, dass wir grössere Schäden haben, als sie feststellen können, und deshalb Energie für die Schilde von den Hauptwaffen abziehen.“
Leardini bemerkte: „Sie sind ja geradezu verschlagen, Captain.“
Er lächelte nur wissend und sagte dann: „Schilde hoch, volle Breitseite mit allen verbliebenen Waffen. Versuchen Sie, hinter Sie zu kommen, Sam.“
Statt einer Bestätigung beschleunigte Kall und stiess in einem flachen Winkel auf den Gegner hinab. Dieser hatte den Direktangriff wohl erwartet, diese Handlung jedoch eher als Verzweiflungstat ausgelegt denn als überlegte Handlungsweise. Kazuki schoss in kurzer Folge ein halbes Dutzend Photonentorpedos ab, von denen fünf den Bug und die Brücke auf der Ob-erseite des Mittelteiles des Vor’cha trafen. Die ersten vier zerstörten durch die enge Streuung einen der vorderen Schilde völlig, der fünfte schlug kurz vor der Brücke ein und riss ein grosses Loch in den Rumpf, aus dem Flammen und Gerätschaften des Schiffes ins All hinausschossen.
Dann geschah etwas völlig Unerwartetes: Kall stoppte die Aldebaran nach einer Schleife tief neben der waidwunden Pa’neth, die sich noch immer sporadisch mit Disruptorfeuer wehrte, während der Bird of Prey nun todesmutig mit allem, was er hatte, auf sie einhämmerte, wohl in der Hoffnung, ihre Schilde seien nur vorübergehend wieder stabil. Sie setzte das Schiff in Bewegung, bis sie sich fast genau unter dem Kreuzer befanden, zog dann nach oben und be-schleunigte lansam, aber stetig. „Das könnte jetzt gleich ein wenig rütteln.“
„Kollisionsalarm!“ rief Leardini entsetzt, als sie Kalls Absicht bemerkte. Es war bereits zu spät, um sie noch von ihrem Vorhaben abzubringen.
Das Brückendeck erbebte tatsächlich schwer, als die strukturell hochfeste Kante der Untertas-sensektion auf den zerschossenen Mittelteil des Vor’cha traf. Sie traf ihn nicht wirklich, viel-mehr nahmen diese unglaublich effektiven metaphasischen Schilde den grössten Teil der ki-netischen Energie auf und übertrugen nur einen verhältnismäßig schwachen Stoss auf ihr Schiff. Sie berührten den Rumpf des Klingonen nicht einmal, während dieser mit einem ohr-enbetäubenden Kreischen auseinanderbrach. Der Bug wurde von den Schilden nach oben, das Heckteil mit der Brücke nach unten weggedrückt.
„Ich kann nicht glauben, dass Sie das getan haben, Sam!“ rief Leardini völlig fassungslos.
Kazuki ging diese Wendung der Dinge sachlicher an. „Verzeihen Sie bitte, werte Kollegin, darf ich ‘mal?“
Und mit diesen Worten stellte er sich an Vakufs Teil der Konsole und schoss nacheinander fünf Photonentorpedos ab.
Gebannt verfolgten alle auf der Brücke die funkelnden rötlichen Sterne, die mit Überlichtgeschwindigkeit durch den Raum schossen. Die ersten beiden Antimaterie-Sprengköpfe trafen den Bug fast gleichzeitig und liessen ihn in tausend Stücke zerplatzen. Von den anderen dreien trafen nur zwei die Maschinensektion, doch das genügte. Der erste schlug in die Mitte der Rumpfmasse ein, der zweite eine Sekunde danach an der gleichen Stelle. Durch die enor-me Wucht des Aufschlages wurde der Rumpf durchbrochen, an der anderen Seite trat eine Feuersäule aus dem Schiff aus. Danach brach die Eindämmung des Warpkernes sammen und zerfetzte den Kreuzer vollends. Diese Druckwelle spürten sie als leichte Vibration.
„Überlebende?“ fragte Lennard nüchtern.
Stockend antwortete Wuran: „Negativ, Sir.“
„Nehme Verfolgung des letzten Bird of Prey auf,“ teilte Kall ihnen mit. Jetzt ging es um jede Sekunde, da das kleine Kampfschiff ihnen keinenfalls entkommen durfte. Kazuki hatte sein Ziel bereits anvisiert und beharkte es mit Phaserstössen, als es plötzlich eine Schleife flog und sich bei diesem Manöver tarnte. Ohnmächtig sah Lennard zu, wie die Konturen des schlanken Flugkörpers verschwammen und transparent wurden.
In diesem Augenblick traf einer der Phaser den rechten Ausleger.
Es war nur ein Streifschuß an der Disruptorkanone, doch da die Maschine zum Tarnen die Schilde hatten senken müssen, genügte die Wirkung des hochenergetischen Phaserstoßes, um die samte Waffen-Träger-Einheit abzureissen. Sie taumelte durchs All davon, während sich der Rest des Schiffes wegen des Schadens ebenfalls enttarnte.
„Captain, sie rufen uns,“ meldete Wuran.
„Wir antworten nicht. Mr. Kazuki, Sie haben Ihre Befehle.“ Lennards Gesicht war ebenso un-bewegt wie das des Japaners, als dieser einen weiteren Phaser abfeuerte, der die Maschinen-hülle des Bird of Prey durchschlug.
Manche senkten die Köpfe beim gleissenden Feuerschein der letzten Explosion dieser gna-denlosen Raumschlacht, die so viele Opfer gekostet hatte. Dann waren sie allein, umgeben von zum Teil noch matt glühenden Trümmerstücken der zerstörten Raumschiffe.
Niemand sagte ein Wort, als sie den ersten Bird of Prey, welcher noch immer mit zerstörtem Antrieb wehrlos durchs All driftete, anflogen und zerstörten. Dies war keine Heldentat, doch sie waren alle der Überzeugung, dass ihnen die klingonischen Renegaten keine andere Wahl gelassen hatten.
Es war vorbei.
„Scannen Sie den umgebenden Raum nach Lebenszeichen,“ wies Lennard Darrn mit ernster Miene an.
„Suche negativ, Captain,“ kam die tonlose Antwort.
„Haben wir die Störung des Subraumfunkes aufrechterhalten können?“
Vakuf war an ihre Konsole zurückgekehrt, nicht ohne einen leicht befremdeten Seitenblick auf die Counselor zu werfen. „Ja, Captain. Sie hatten keine Chance, einen Spruch abzuset-zen.“
„Zurückgehen auf Alarmstufe gelb. Wir fliegen den umgebenden Raum nach Sonden ab, die sie mit der Information losgeschickt haben könnten. Wenn wir keine finden, haben wir es üb-erstanden.“ Mit matter Stimme sagte er das, bevor er erschöpft in seinen Sessel zurücksank und sich die Schläfen rieb.
„Ich bin sicher, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, * Kyle*. Dieses Opfer muss-te sein, auch wenn so viele von ihnen...“ Leardinis Stimme erstarb; statt dessen drückte sie ihm den Unterarm als Zeichen des Trostes. Natürlich sah zufällig gerade niemand auf der Brücke in ihre Richtung.
„Das ist dann also die offizielle Version unseres Abschlussberichtes,“ zog Lennard bei der Nachbesprechung in der Beobachtungslounge Bilanz. „Will noch jemand etwas hinzufügen?“
Betretenes Schweigen.
„Ich freue mich schon auf die Befragung durch die temporale Ermittlungskommision,“ stöhnte Stern.
„Das ist wohl eine unserer kleineren Sorgen, lieber Doktor,“ meinte Leardini.
Stern sah auf: „Können Sie mich bitte aufklären, Commander?“
„Wir alle hier waren auf der Brücke und haben den Angriff des Captains auf ein klingon-isches Schiff gebilligt, und zwar stillschweigend. Spätestens nach seiner Anrede ‘im Namen aller freien Völker der Galaxie’ hätten wir ihn des Kommandos entheben und in seinem Quar-tier arretieren müssen, mit einer Wache vor der Tür.“
„ Stefania, er war geistig vollkommen normal, wenn Sie das andeuten wollen. Das kann ich Ihnen versichern,“ bemerkte Kall.
„Ach, und wer kann mir das hinsichtlich Ihres Manövers vorhin versichern? Sie hätten uns alle umbringen können bei dieser Rammbock-Aktion,“ ereiferte Leardini sich.
„Was soll ich sagen? Man bekommt nicht jeden Tag von einem Ewigen verstärkte metaphasi-sche Schilde als Dreingabe.“ Sie hob die Schultern.
„Das ist das Ungeheuerlichste, das ich je gehört habe,“ sagte Leardini halb empört, halb resig-nierend.
„Fakt ist, dass vielleicht niemand von uns nach dieser Mission je wieder den Fuß auf die Brücke eines Sternenflottenschiffes setzen wird,“ bemerkte Lennard düster.
„Unsere Lage ist tatsächlich ziemlich pikant,“ schaltete Vakuf sich ein, „und dennoch würde ich an Ihrer Stelle nicht allzu pessimistisch sein. Wir werden bestimmt fair behandelt werden, nachdem alle unsere Aufzeichnungen über die Geschehnisse ausgewertet wurden.“
„Ihr Wort in Gottes Ohr,“ meinte Stern und erhob sich mit den anderen.
„Wo seid ihr bloss geblieben, Aldebaran?“ war das erste, was sie nach einem guten Tag Flug mit Warp Neun von der Sternenflotte hörten, sobald sie weit genug vom störenden Einfluss von Alnilam entfernt waren. „Um uns herum geht die Welt unter, und ihr gondelt seelenruhig durch die Weltgeschichte.“
„Wenn ihr wüsstet,“ gab Wuran dem Kommunikationsoffizier der Raumbasis auf Antares zurück. „Aber vielleicht klären Sie uns ja über den neuesten Stand der Dinge auf.“
„Gut, das Wichtigste zuerst, falls ihr welchen begegnen solltet: die Klingonen haben das Khi-tomer-Abkommen widerrufen und den Bündnispakt mit der Föderation aufgelöst.“
Ein eisiger Schauer lief Leardini, die gerade das Kommando hatte, über den Rücken.
„Oh mein Gott! Gowron ist gestürzt worden?“
„Von wegen, der klingonische Kanzler ist mächtiger als je zuvor. Er hat eine riesige Armada losgesandt, um Cardassia zu erobern, da der dortige Umsturz der Militärregierung und das Einsetzen eines zivilen Rates für ihn ein Zeichen dafür war, dass die Macht von Wechsel-bälgern übernommen worden ist. Die Föderation war natürlich alles andere als einverstanden mit dieser ‘Angriff-ist-die-beste-Verteidigung-Strategie’ und weigerte sich, dieses Vorhaben zu unterstützen. Es kam zum Bruch und zur klingonischen Invasion auf Cardassia. Als Deep Space Nine die Defiant nach Cardassia Prime sandte, um die Zivilregierung vor der Gefan-gennahme zu bewahren und sie nach DS9 ins Exil brachte, eskalierte die Situation.
Um es kurz zu machen: die klingonische Flotte attackierte die Station und hätte sie sicher zer-stört, wenn diese nicht seit einem Jahr schon bis auf die Zähne aufgerüstet worden wäre, um sich gegen das Dominion bei einem Eindringen in den Alpha-Quadranten zur Wehr setzen zu können. Wir hatten eine Entsatzflotte geschickt, dessen Führungsschiff eigentlich die Aldeba-ran sein sollte, aber ihr wart leider nicht erreichbar, deshalb hat das die Venture übernom-men. Tja, Pech für euch, Leute.“
Leardini sah verdutzt zu Wuran hoch: „Ist das nicht Ironie des Schicksals, Cluy? Noch nie ist irgendetwas auf diesem Schiff geschehen, und just zu dem Zeitpunkt, zu dem wir unsere klei-ne Odyssee durchleben, geht hier alles drunter und drüber.“
„Die Propheten zeigen uns same Pfade auf, Commander,“ gab diese rätselhaft zurück.
„Wohl wahr. Antworten Sie der Basis, dass wir in gut drei Tagen ankommen und ebenfalls einiges zu berichten haben.“
Sie flogen einer ungewissen Zukunft entgegen. Niemand konnte sagen, welche Veränderun-gen der schier unermessliche Wissensschatz, den sie in ihren Computerkernen gespeichert hatten, ihnen künftig bringen würde. Von heute auf morgen würde wenig geschehen, da die Auswertung und Nutzbarkeitmachung von all dem Dutzende Jahre in Anspruch nehmen wür-de, doch es war sichergestellt, dass dieser Wissensvorsprung nur für friedliche und sinnvolle Ziele eingesetzt würde und nicht zur militärischen Übervorteilung und Unterwerfung von an-deren Rassen.
Was sie damals noch nicht wussten: die ersten Ergebnisse der Auswertung der Wissens-summe von dreiundzwanzig Zivilisatonen würden bereits innerhalb der nächsten sechs Mon-ate in die Konstruktion eines beinahe schon fertigen Prototyps einfliessen und diesen in einig-en Details so entscheidend verbessern, daß man diesen kurzerhand zum neuen Flaggschiff der Sternenflotte erklären würde. Picards Crew würde somit erheblich früher als verhofft zu seiner neuen Enterprise, nun doch mit dem Anhang -E versehen, kommen und das schmucke Galaxy-Schiff mit den drei Warp-Pylonen, das sie bei ihrem Abflug von der Orbitalwerft Antares noch staunend bewundert hatten, würde nur noch als Prototyp vollendet werden und nach einigen Testflügen im Raumfahrtmuseum ein besonders sehenswertes Exponat abgeben.
Dank ihres Einsatzes würden die neuen Schilde der Enterprise-E den Waffen der Borg mühe-los standhalten und den Menschen den Sieg gegen den Kubus, der die Erde in weniger als zwei Jahren angreifen würde, ein wenig leichter machen.
All das lag noch im Ungewissen für die Besatzung der Aldebaran, doch für sie hatte die Zu-kunft bereits begonnen.
ENDE
[Ich hoffe, es hat euch genauso gut gefallen wie mir.
(Wer eine Fortsetzung dieses Buches lesen will kann hier gerne einen Eintrag hinterlassen, oder mailen, vielleicht können wir Andilone ja überreden eine Fortsetzung zu schreiben ;-)
Und vielen Dank allen Lesern, und dem netten Feedback, sowas freut andilone und mich natürlich sehr,
CyMeP ]
[... Fortsetzung von gestern]
- 8 -
„Sie gehen in Angriffsposition, Captain,“ rief Vakuf alarmiert.
„Schön, dass sie uns mit dem traditionellen klingonischen Kriegerspruch ins Jenseits schicken wollen. Was jetzt, * Kyle*?“ Gespannt sah Leardini ihn an.
„ Vakuf, steuern Sie die Pa’neth an und ignorieren Sie die Bird of Prey vorerst. Sie sind nicht schnell genug, um uns zu entkommen, also können wir uns noch später um sie kümmern. Ka-zuki, alle Waffen auf das Führungsschiff. Laden Sie auch alle hinteren Phaserbänke und den Achter-Torpedolauncher, sodass wir nach dem ersten Vorbeiflug eine volle Salve auf ihren Hauptantrieb abfeuern können.“
„Es wird ernst. Festhalten!“ warnte Vakuf beim Einschwenken des Schiffes. Die Trägheits-dämpfer hatten trotzdem keine Probleme damit, die Bewegungen der Aldebaran auszugleichen, als sie direkten Kurs auf den großen Klingonenkreuzer nahmen.
Die drei Bird of Prey flogen erste Angriffe auf sie, brachten ihre Schilde jedoch nicht einmal zum Flackern. Kazuki nahm mit den beiden oberen Achterphasern einen von ihnen aufs Korn und reduzierte dessen Schutzschilde beträchtlich, konnte aber nicht durchdringen. Dann be-gann der Vor’cha-Kreuzer aus grösserer Distanz mit seinen Disruptoren und mehreren Photonentorpedos auf sie zu feuern.
„Ausweichkurs fliegen! Sie sollen unseren Vorteil nicht zu früh bemerken,“ rief Lennard erregt; er war jetzt ganz vom Kampffieber gepackt.
Sie drehten in einer weiten Linkskurve ab und stiegen dabei gleichzeitig auf, wodurch sie der Pa’neth ihre Unterfront zuwandten. Dabei konnte Kazuki den vorderen Torpedolauncher zweimal betätigen und die grosse untere Phaserbank der Untertassensektion mehrmals abfeuern sowie den unteren Phaser der Kampfsektion. Er schoss nur einmal mit der Phaserbank vorbei, die restlichen Attacken trafen die rechten Schilde mittschiffs und achtern der Klingonen und schwächten diese.
Dann war der erste Anflug vorbei und sie zogen beide eine weite Schleife für den zweiten Angriff, während sie immer noch von den drei kleinen Feindraumschiffen umkreist und beschossen wurden.
„Sind wir getroffen worden?“ wollte Lennard wissen. Er hatte nichts von den Aufschlägen gespürt, wusste jedoch von seiner Zeit auf der Diligence her genau, wie sich die Stösse und Vibrationen des Decks bei einem Treffer anfühlten.
„Zwei Torpedotreffer und drei Disruptorladungen auf den vorderen Schilden. Keinerlei Wirkung auf die Schildintegrität. Das ist phantastisch, Captain.“ Kazuki war sichtlich begeistert.
„Wir müssen uns etwas einfallen lassen, bevor sie herausfinden, was hier gespielt wird. Momentan sind sie noch Kampfeslustig, doch wenn ihnen bewusst wird, wie dieser Kampf für sie enden könnte, werden sie die technischen Daten des Ewigen auf alle ihre Schiffe verteilen, sich tarnen und in alle sechs Himmelsrichtungen auseinanderflüchten, um sicherzustellen, dass sie im Besitz der Daten bleiben. Bestimmt haben schon alle Schiffe die Daten.“
„Sind Sie nicht ein wenig zu zuversichtlich, was den Ausgang des Kampfes angeht, Captain? Die Bird of Prey beschiessen uns unentwegt mit sämtlichen Bordwaffen,“ gab Vakuf zu bedenken.
„Sie haben recht, Lieutenant Commander,“ stimmte Lennard zu, „wir ändern unsere Taktik. Übernehmen Sie die hinteren Phaserbänke und selbigen Torpedolauncher, Vakuf. Counselor, bitte ans Steuer. So können wir sie optimal eindecken beim nächsten Angriff.“
Ohne ein Wort des Widerspruchs nahmen die beiden Genannten ihre unkonventionellen Positionen ein. Kazuki empfing die Vulcanierin mit den Worten: „Bitte, ich habe alle für Sie benötigten Kontrollen auf die rechte Seite der Gefechtsstation verlegt.“
„Danke, Mr. Kazuki. Captain?“ Vakuf sah fragend auf.
„Feuern Sie nach eigenem Ermessen. Sam, fliegen Sie auf Kollisionskurs direkt auf die Pa’neth zu und unterfliegen sie sie dann,“ instruierte er die junge Betazoidin, die bereits hinter die Conn-Konsole geglitten war.
„Aye, Sir.“
„Öffnen Sie einen Kanal zur Pa’neth,“ forderte er und schrie zum Hauptbildschirm, sobald die Verbindung stand: „Sie wollen es also wissen? Ich werde Sie alle mitnehmen. Wir werden einen glorreichen Tod erringen, um die Galaxie vor Ihren Plänen zu bewahren.“
Sie unterbrachen die Verbindung und beschleunigten mit direktem Kurs auf den mächtigen Vor’cha-Kreuzer zu. Vakuf hielt mit allen fünf unteren Phasern auf einen Bird of Prey, der sie unterflog, traf ihn viermal und brachte seine Schutzschilde durch die geballten Energieentladungen beinahe zum sammenbruch. Als er dann nach oben wegzog, kam er ins Schussfeld der hinteren Torpedos. Vakuf liess ihn seinen Fehler mit zwei Torpedotreffern bezahlen, von denen der erste seine Schilde sammenbrechen ließ und der zweite in seine Maschinensektion einschlug. Wie durch ein Wunder explodierte auch dieser Bird of Prey nicht augenblicklich und bewies einmal mehr die extreme Robustheit dieses prinzipiell veralteten Schiffstyps. Er trieb energielos durchs All davon und war damit aus dem Kampf ausgeschieden.
Kall hielt genau auf den grossen Kreuzer zu, während Kazuki nun mit sporadischen Schüssen der beiden Untertassen-Phaserbänke die beiden anderen leichten Kampfschiffe fernhielt. Gleichzeitig schleuderte er dem Vor’cha drei Photonentorpedos entgegen, die sämtlich auf den vorderen Schilden des Gegners zerplatzten und sie wild aufflackern liessen. Diese waren damit sicher der Hälfte ihrer Kapazität beraubt. Es sah so aus, als wollten sie sich wirklich auf das Führungsschiff stürzen, das nun zurückfeuerte. Da die Aldebaran eine sehr kleine Stirnfläche bot, gingen zwei der drei Disruptorentladungen vorbei. Sie wurden während ihres Anfluges mit fünf Photonentorpedos eingedeckt, die alle gegen ihre Schilde prallten und ver-pufften wie Wassertropfen auf einer offenen Plasmaleitung. Rasend schnell schoss die Pa’neth heran und füllte ihren Bildschirm aus.
„Dauerfeuer!“ rief Lennard und dachte gleichzeitig: ' Jetzt, Sam! Rollen Sie sie halb, wenn wir unter ihnen hindurchkommen. ’
Sam zog die Aldebaran kurz vor dem sammenstoss hinab, nur ein wenig, sodass sie die Pa’neth in weniger als zwei Kilometern passierten. Als der letzte klingonische Torpedo über sie hinwegfauchte, feuerte Kazuki einen Dauerimpuls aus der oberen Phaserbank der UT-Sektion und der beiden kleinen Phaser am vorderen Rand der Kampfsektion auf die Unterseite der Mittelsektion, wo auch Vakuf mit den beiden kleinen Phasern am oberen Heck der Maschinenhülle traf.
Mit einer für ein so gewaltiges Schiff, wie die Aldebaran eines war, unglaublich flüssigen Bewegung drehte Kall das Schiff während des Vorbeifluges um die Längsachse, worauf die Unterseiten der beiden Schiffe einander zugewandt waren. Der Sicherheitsoffizier reagierte instinktiv und setzte nun die untere UT-Phaserbank sowie die Bank auf der Unterseite der Ma-schinenhülle für zwei lange Feuerstösse ein. Die Vulcanierin stand ihm in nichts nach und ge-brauchte die vier kleinen Phaser an den unteren Aussenseiten der Warppylonen und unter dem Heck des Schiffes.
Sie waren nur Sekunden im Feuerbereich des Anderen gewesen, doch sie hatten alle ihre verfügbaren Waffen eingesetzt und vor allem die Unterseite des Mittschiffs und Hecks empfindlich getroffen. Die Schilde des strukturell dünnen und schwachen Verbindungsteiles des Bugs und des großen, breiten Hecks waren generell nicht die stärksten des Schiffes und nach dieser vollen Breitseite praktisch nicht mehr existent. Die Klingonen mussten ihre Frontschilde bei ihrem Anflug verstärkt gehabt haben und waren offensichtlich von ihrem Manöver überrumpelt worden, da sie nur einen oder zwei Treffer auf den Schilden der Aldebaran hatten landen können. Als sie das Heck passiert hatten, schoss Vakuf noch eine Vierersalve von Photonentorpedos ab, von denen drei direkt über dem Heck des Kreuzers einschlugen und damit auch noch die empfindliche Maschinensektion verwundbarer machte.
„Sehr gut, das beschäftigt sie erst einmal. Bleiben Sie dran, Sam.“ Lennard beobachtete befriedigt, wie die Aldebaran eine enge Kurve beschrieb und sich ans Heck der Pa’neth hängte. Dann sah Lennard auf seinem taktischen Display einen der Bird of Prey, der dabei war, ein Stück vor ihnen ihre Bahn zu kreuzen. Ihm kam eine verwegene Idee.
Plötzlich beschleunigte Kall mit vollem Impuls und hielt direkt auf das kleine klingonische Raumschiff zu. Leardini schrie auf, als der Bird of Prey in einer grellen Explosion an den Schilden der Aldebaran zerschellte und das Schiff beim Aufprall vibrierte. Eiskalt zog Kall sofort wieder herum und flog erneut den Vor’cha an.
„Gut reagiert, Counselor. Unsere Kommandokette scheint effektiv zu arbeiten,“ lobte Lennard
seine Pilotin.“
„Aye, Sir. Was hatten Sie mir vorhin in Bezug auf die neuen Schilde geraten, Sir?“ gab sie grinsend zurück.
„Kein Grund, gleich vorlaut zu werden, nicht wahr? Ich sagte, Sie sollten die Schilde nicht überschätzen. Ich darf das, ich bin der Captain,“ wies er sie zurecht.
„Aye, Sir.“ Er sah ihr Gesicht nicht, hörte ihr aber an, dass sie diese Worte mit ihrem leicht ausgeflippten Grinsen, das von einem Ohr bis zum anderen reichen musste, sagte.
„Und jetzt wieder zur Pa’neth,“ erinnerte er sie.
„Sie fliegt einen weiten Bogen am Rande der Erfassungsreichweite der Waffen, Captain. Of-fenbar versucht sie, ihre Schilde erneut aufzubauen. Sie werden vorsichtiger,“ bemerkte Wuran aus dem Hintergrund.
„Das ist nicht gut. Wo befindet sich der letzte Bird of Prey?“
„Achteraus tief, fliegt an und feuert mit Disruptorladungen,“ gab Vakuf zurück.
„Weichen Sie aus und fahren Sie die Schilde zweimal herunter, in unregelmässigen Ab-ständen und für mehrere Sekunden,“ befahl Lennard.
„Ist das nicht ziemlich riskant, * Kyle*?“ wollte Leardini leise wissen.
Er führte für alle laut vernehmbar aus: „Wir müssen Sie aus der Reserve locken, solange wir die Chance dazu haben. Wenn Sie registrieren, dass unsere Schilde mehrmals ausfallen, glaubt der Captain der Pa’neth vielleicht, dass unser erster Angriff ihre Sensorenphalanx beschädigt oder überlastet hat. Wir werden sogar einen Schritt weitergehen und einen Schuss des Bird of Prey durchlassen. Kazuki, Vakuf, halten Sie ihn auf Distanz, damit er keinen ge-zielten Treffer landen kann. Kall, bekommen Sie das hin, einem aus grosser Distanz anfliegenden Photonentorpedo so knapp wie möglich auszuweichen?“
Kein Problem, Sir,“ bestätigte die Betazoidin am Steuer.
„Wir nähern uns lansam der Pa’neth. Der Kleine bleibt auf Distanz. Da! Er hat gerade drei Photonentorpedos abgefeuert. Sie weisen eine grosse Streuung auf. Es ist soweit.“ Kall legte die Aldebaran in eine leichte Rechtskurve, die auf dem Schiff dank der Trägheitsdämpfer nicht zu spüren war.
„Schilde auf ein halbes Prozent herunterfahren. Jetzt, Sam!“ rief Lennard.
Sam manövrierte angestrengt, ihre Finger flogen nur so über die Conn-Kontrollen. Sie liess den ersten rotgoldenen Lichtball vor dem Bug vorbeijagen und steuerte diesen dann knapp in die Bahn des zweiten. Er traf auf die Schilde, die nun zweihundertmal schwächer eingestellt waren als während des Kampfes, und explodierte mit einem grellen Lichtblitz. Die Schilde über der ganzen Untertassensektion wurden durch elektrische Entladungen erhellt, welche üb-er das halbe Schiff leckten.
Der dritte Torpedo verfehlte ihr Heck nur um Meter und erzielte den gleichen Effekt über den Schilden der Warppylonen.
„Tolle Lightshow, nicht wahr? Das sah wirklich ganz so aus, als seien unsere Schilde komplett sammengebrochen. Die Pa’neth steuert auf uns zu und lädt sämtliche Waffen. Bereit zum Hochfahren der Schilde, Captain.“
„Noch nicht. Wir müssen sie in Sicherheit wiegen. Entladen Sie die untere Phaserbank der Untertassensektion, Mr. Kazuki. Sie sollen glauben, dass wir grössere Schäden haben, als sie feststellen können, und deshalb Energie für die Schilde von den Hauptwaffen abziehen.“
Leardini bemerkte: „Sie sind ja geradezu verschlagen, Captain.“
Er lächelte nur wissend und sagte dann: „Schilde hoch, volle Breitseite mit allen verbliebenen Waffen. Versuchen Sie, hinter Sie zu kommen, Sam.“
Statt einer Bestätigung beschleunigte Kall und stiess in einem flachen Winkel auf den Gegner hinab. Dieser hatte den Direktangriff wohl erwartet, diese Handlung jedoch eher als Verzweiflungstat ausgelegt denn als überlegte Handlungsweise. Kazuki schoss in kurzer Folge ein halbes Dutzend Photonentorpedos ab, von denen fünf den Bug und die Brücke auf der Ob-erseite des Mittelteiles des Vor’cha trafen. Die ersten vier zerstörten durch die enge Streuung einen der vorderen Schilde völlig, der fünfte schlug kurz vor der Brücke ein und riss ein grosses Loch in den Rumpf, aus dem Flammen und Gerätschaften des Schiffes ins All hinausschossen.
Dann geschah etwas völlig Unerwartetes: Kall stoppte die Aldebaran nach einer Schleife tief neben der waidwunden Pa’neth, die sich noch immer sporadisch mit Disruptorfeuer wehrte, während der Bird of Prey nun todesmutig mit allem, was er hatte, auf sie einhämmerte, wohl in der Hoffnung, ihre Schilde seien nur vorübergehend wieder stabil. Sie setzte das Schiff in Bewegung, bis sie sich fast genau unter dem Kreuzer befanden, zog dann nach oben und be-schleunigte lansam, aber stetig. „Das könnte jetzt gleich ein wenig rütteln.“
„Kollisionsalarm!“ rief Leardini entsetzt, als sie Kalls Absicht bemerkte. Es war bereits zu spät, um sie noch von ihrem Vorhaben abzubringen.
Das Brückendeck erbebte tatsächlich schwer, als die strukturell hochfeste Kante der Untertas-sensektion auf den zerschossenen Mittelteil des Vor’cha traf. Sie traf ihn nicht wirklich, viel-mehr nahmen diese unglaublich effektiven metaphasischen Schilde den grössten Teil der ki-netischen Energie auf und übertrugen nur einen verhältnismäßig schwachen Stoss auf ihr Schiff. Sie berührten den Rumpf des Klingonen nicht einmal, während dieser mit einem ohr-enbetäubenden Kreischen auseinanderbrach. Der Bug wurde von den Schilden nach oben, das Heckteil mit der Brücke nach unten weggedrückt.
„Ich kann nicht glauben, dass Sie das getan haben, Sam!“ rief Leardini völlig fassungslos.
Kazuki ging diese Wendung der Dinge sachlicher an. „Verzeihen Sie bitte, werte Kollegin, darf ich ‘mal?“
Und mit diesen Worten stellte er sich an Vakufs Teil der Konsole und schoss nacheinander fünf Photonentorpedos ab.
Gebannt verfolgten alle auf der Brücke die funkelnden rötlichen Sterne, die mit Überlichtgeschwindigkeit durch den Raum schossen. Die ersten beiden Antimaterie-Sprengköpfe trafen den Bug fast gleichzeitig und liessen ihn in tausend Stücke zerplatzen. Von den anderen dreien trafen nur zwei die Maschinensektion, doch das genügte. Der erste schlug in die Mitte der Rumpfmasse ein, der zweite eine Sekunde danach an der gleichen Stelle. Durch die enor-me Wucht des Aufschlages wurde der Rumpf durchbrochen, an der anderen Seite trat eine Feuersäule aus dem Schiff aus. Danach brach die Eindämmung des Warpkernes sammen und zerfetzte den Kreuzer vollends. Diese Druckwelle spürten sie als leichte Vibration.
„Überlebende?“ fragte Lennard nüchtern.
Stockend antwortete Wuran: „Negativ, Sir.“
„Nehme Verfolgung des letzten Bird of Prey auf,“ teilte Kall ihnen mit. Jetzt ging es um jede Sekunde, da das kleine Kampfschiff ihnen keinenfalls entkommen durfte. Kazuki hatte sein Ziel bereits anvisiert und beharkte es mit Phaserstössen, als es plötzlich eine Schleife flog und sich bei diesem Manöver tarnte. Ohnmächtig sah Lennard zu, wie die Konturen des schlanken Flugkörpers verschwammen und transparent wurden.
In diesem Augenblick traf einer der Phaser den rechten Ausleger.
Es war nur ein Streifschuß an der Disruptorkanone, doch da die Maschine zum Tarnen die Schilde hatten senken müssen, genügte die Wirkung des hochenergetischen Phaserstoßes, um die samte Waffen-Träger-Einheit abzureissen. Sie taumelte durchs All davon, während sich der Rest des Schiffes wegen des Schadens ebenfalls enttarnte.
„Captain, sie rufen uns,“ meldete Wuran.
„Wir antworten nicht. Mr. Kazuki, Sie haben Ihre Befehle.“ Lennards Gesicht war ebenso un-bewegt wie das des Japaners, als dieser einen weiteren Phaser abfeuerte, der die Maschinen-hülle des Bird of Prey durchschlug.
Manche senkten die Köpfe beim gleissenden Feuerschein der letzten Explosion dieser gna-denlosen Raumschlacht, die so viele Opfer gekostet hatte. Dann waren sie allein, umgeben von zum Teil noch matt glühenden Trümmerstücken der zerstörten Raumschiffe.
Niemand sagte ein Wort, als sie den ersten Bird of Prey, welcher noch immer mit zerstörtem Antrieb wehrlos durchs All driftete, anflogen und zerstörten. Dies war keine Heldentat, doch sie waren alle der Überzeugung, dass ihnen die klingonischen Renegaten keine andere Wahl gelassen hatten.
Es war vorbei.
„Scannen Sie den umgebenden Raum nach Lebenszeichen,“ wies Lennard Darrn mit ernster Miene an.
„Suche negativ, Captain,“ kam die tonlose Antwort.
„Haben wir die Störung des Subraumfunkes aufrechterhalten können?“
Vakuf war an ihre Konsole zurückgekehrt, nicht ohne einen leicht befremdeten Seitenblick auf die Counselor zu werfen. „Ja, Captain. Sie hatten keine Chance, einen Spruch abzuset-zen.“
„Zurückgehen auf Alarmstufe gelb. Wir fliegen den umgebenden Raum nach Sonden ab, die sie mit der Information losgeschickt haben könnten. Wenn wir keine finden, haben wir es üb-erstanden.“ Mit matter Stimme sagte er das, bevor er erschöpft in seinen Sessel zurücksank und sich die Schläfen rieb.
„Ich bin sicher, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, * Kyle*. Dieses Opfer muss-te sein, auch wenn so viele von ihnen...“ Leardinis Stimme erstarb; statt dessen drückte sie ihm den Unterarm als Zeichen des Trostes. Natürlich sah zufällig gerade niemand auf der Brücke in ihre Richtung.
„Das ist dann also die offizielle Version unseres Abschlussberichtes,“ zog Lennard bei der Nachbesprechung in der Beobachtungslounge Bilanz. „Will noch jemand etwas hinzufügen?“
Betretenes Schweigen.
„Ich freue mich schon auf die Befragung durch die temporale Ermittlungskommision,“ stöhnte Stern.
„Das ist wohl eine unserer kleineren Sorgen, lieber Doktor,“ meinte Leardini.
Stern sah auf: „Können Sie mich bitte aufklären, Commander?“
„Wir alle hier waren auf der Brücke und haben den Angriff des Captains auf ein klingon-isches Schiff gebilligt, und zwar stillschweigend. Spätestens nach seiner Anrede ‘im Namen aller freien Völker der Galaxie’ hätten wir ihn des Kommandos entheben und in seinem Quar-tier arretieren müssen, mit einer Wache vor der Tür.“
„ Stefania, er war geistig vollkommen normal, wenn Sie das andeuten wollen. Das kann ich Ihnen versichern,“ bemerkte Kall.
„Ach, und wer kann mir das hinsichtlich Ihres Manövers vorhin versichern? Sie hätten uns alle umbringen können bei dieser Rammbock-Aktion,“ ereiferte Leardini sich.
„Was soll ich sagen? Man bekommt nicht jeden Tag von einem Ewigen verstärkte metaphasi-sche Schilde als Dreingabe.“ Sie hob die Schultern.
„Das ist das Ungeheuerlichste, das ich je gehört habe,“ sagte Leardini halb empört, halb resig-nierend.
„Fakt ist, dass vielleicht niemand von uns nach dieser Mission je wieder den Fuß auf die Brücke eines Sternenflottenschiffes setzen wird,“ bemerkte Lennard düster.
„Unsere Lage ist tatsächlich ziemlich pikant,“ schaltete Vakuf sich ein, „und dennoch würde ich an Ihrer Stelle nicht allzu pessimistisch sein. Wir werden bestimmt fair behandelt werden, nachdem alle unsere Aufzeichnungen über die Geschehnisse ausgewertet wurden.“
„Ihr Wort in Gottes Ohr,“ meinte Stern und erhob sich mit den anderen.
„Wo seid ihr bloss geblieben, Aldebaran?“ war das erste, was sie nach einem guten Tag Flug mit Warp Neun von der Sternenflotte hörten, sobald sie weit genug vom störenden Einfluss von Alnilam entfernt waren. „Um uns herum geht die Welt unter, und ihr gondelt seelenruhig durch die Weltgeschichte.“
„Wenn ihr wüsstet,“ gab Wuran dem Kommunikationsoffizier der Raumbasis auf Antares zurück. „Aber vielleicht klären Sie uns ja über den neuesten Stand der Dinge auf.“
„Gut, das Wichtigste zuerst, falls ihr welchen begegnen solltet: die Klingonen haben das Khi-tomer-Abkommen widerrufen und den Bündnispakt mit der Föderation aufgelöst.“
Ein eisiger Schauer lief Leardini, die gerade das Kommando hatte, über den Rücken.
„Oh mein Gott! Gowron ist gestürzt worden?“
„Von wegen, der klingonische Kanzler ist mächtiger als je zuvor. Er hat eine riesige Armada losgesandt, um Cardassia zu erobern, da der dortige Umsturz der Militärregierung und das Einsetzen eines zivilen Rates für ihn ein Zeichen dafür war, dass die Macht von Wechsel-bälgern übernommen worden ist. Die Föderation war natürlich alles andere als einverstanden mit dieser ‘Angriff-ist-die-beste-Verteidigung-Strategie’ und weigerte sich, dieses Vorhaben zu unterstützen. Es kam zum Bruch und zur klingonischen Invasion auf Cardassia. Als Deep Space Nine die Defiant nach Cardassia Prime sandte, um die Zivilregierung vor der Gefan-gennahme zu bewahren und sie nach DS9 ins Exil brachte, eskalierte die Situation.
Um es kurz zu machen: die klingonische Flotte attackierte die Station und hätte sie sicher zer-stört, wenn diese nicht seit einem Jahr schon bis auf die Zähne aufgerüstet worden wäre, um sich gegen das Dominion bei einem Eindringen in den Alpha-Quadranten zur Wehr setzen zu können. Wir hatten eine Entsatzflotte geschickt, dessen Führungsschiff eigentlich die Aldeba-ran sein sollte, aber ihr wart leider nicht erreichbar, deshalb hat das die Venture übernom-men. Tja, Pech für euch, Leute.“
Leardini sah verdutzt zu Wuran hoch: „Ist das nicht Ironie des Schicksals, Cluy? Noch nie ist irgendetwas auf diesem Schiff geschehen, und just zu dem Zeitpunkt, zu dem wir unsere klei-ne Odyssee durchleben, geht hier alles drunter und drüber.“
„Die Propheten zeigen uns same Pfade auf, Commander,“ gab diese rätselhaft zurück.
„Wohl wahr. Antworten Sie der Basis, dass wir in gut drei Tagen ankommen und ebenfalls einiges zu berichten haben.“
Sie flogen einer ungewissen Zukunft entgegen. Niemand konnte sagen, welche Veränderun-gen der schier unermessliche Wissensschatz, den sie in ihren Computerkernen gespeichert hatten, ihnen künftig bringen würde. Von heute auf morgen würde wenig geschehen, da die Auswertung und Nutzbarkeitmachung von all dem Dutzende Jahre in Anspruch nehmen wür-de, doch es war sichergestellt, dass dieser Wissensvorsprung nur für friedliche und sinnvolle Ziele eingesetzt würde und nicht zur militärischen Übervorteilung und Unterwerfung von an-deren Rassen.
Was sie damals noch nicht wussten: die ersten Ergebnisse der Auswertung der Wissens-summe von dreiundzwanzig Zivilisatonen würden bereits innerhalb der nächsten sechs Mon-ate in die Konstruktion eines beinahe schon fertigen Prototyps einfliessen und diesen in einig-en Details so entscheidend verbessern, daß man diesen kurzerhand zum neuen Flaggschiff der Sternenflotte erklären würde. Picards Crew würde somit erheblich früher als verhofft zu seiner neuen Enterprise, nun doch mit dem Anhang -E versehen, kommen und das schmucke Galaxy-Schiff mit den drei Warp-Pylonen, das sie bei ihrem Abflug von der Orbitalwerft Antares noch staunend bewundert hatten, würde nur noch als Prototyp vollendet werden und nach einigen Testflügen im Raumfahrtmuseum ein besonders sehenswertes Exponat abgeben.
Dank ihres Einsatzes würden die neuen Schilde der Enterprise-E den Waffen der Borg mühe-los standhalten und den Menschen den Sieg gegen den Kubus, der die Erde in weniger als zwei Jahren angreifen würde, ein wenig leichter machen.
All das lag noch im Ungewissen für die Besatzung der Aldebaran, doch für sie hatte die Zu-kunft bereits begonnen.
ENDE
[Ich hoffe, es hat euch genauso gut gefallen wie mir.
(Wer eine Fortsetzung dieses Buches lesen will kann hier gerne einen Eintrag hinterlassen, oder mailen, vielleicht können wir Andilone ja überreden eine Fortsetzung zu schreiben ;-)
Und vielen Dank allen Lesern, und dem netten Feedback, sowas freut andilone und mich natürlich sehr,
CyMeP ]
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Samstag, 11. November 2006
ST1.21 : KriegsVögel der Opfer
cymep, 02:51h
[... Fortsetzung von gestern]
Sie wurden zum dritten Mal förmlich von der Sonne ausgespuckt, als sie ihren nahen Vorbei-flug vollendet hatten und von beinahe Warp zehn wieder auf Unterlichtgeschwindigkeit verlangsamen. Lennard war diesmal einer der ersten, die wieder zu sich kamen. Sofort rief er al-le ihm über seine Konsolen in den Armlehnen seines Platzes zugänglichen Informationen üb-er den Betriebszustand der Aldebaran ab.
„Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung. Conn, haben Sie die Klingonen geortet?“
Vakuf fragte einige Informationen ab und antwortete: „Positiv, Captain. Der Sternzeit nach befinden wir uns etwa eine Viertelstunde nach dem Beginn unseres Irrfluges. Der klingonische Bird of Prey bewegt sich mit Warp vier aus dem System heraus, dem Anschein nach auf einen Rendezvouspunkt zu. Ausserdem...“
Als die Vulcanierin stockte, fragte Lennard missmutig: „Was noch, Gora?“
„Ich... ich habe die Aldebaran lokalisiert. Sie... wir...“
„Wir haben jetzt keine Zeit für solche Phänomene. Lassen Sie der Geschichte ihren Lauf und programmieren Sie einen Abfangkurs auf die Renegaten mit Warpfaktor Neun Komma Sechs.“ Er konzentrierte sich auf seine Statusdisplays des Schiffes.
„Kurs programmiert und eingegeben.“
„Beschleunigen.“ Nun sah er über die Schulter zu Kazuki. „Sämtliche Phaserbänke laden, alle Photonentorpedos bereitmachen und vorderen sowie hinteren Torpedolauncher der Kampfsektion bestücken. Haben wir noch Zeit für eine Ebene-Zwei-Diagnose bis zum Feindkontakt?“
„Leider nicht, Captain, einige Minuten fehlen. Sollen wir auf Warp neun hinabgehen?“ wollte Vakuf wissen.
Er überlegte kurz. „Nein, begnügen wir uns mit einer Ebene-Drei-Diagnose. Das Aufhalten des Zieles hat momentan oberste Priorität.“
„Wie lange bis zum Ziel?“
„Dreiundvierzig Minuten, Captain,“ ließ Kazuki verlauten.
„Wir bleiben auf Alarmstufe Rot und in voller Gefechtsbereitschaft bis zum Erreichen des Zieles,“ ordnete Lennard an.
„Captain, kann ich Sie kurz sprechen?“ fragte Leardini mit ernster Miene.
Ein wenig überrascht sah er auf sie hinab. „Sicher, Commander.“
Er wies auf die Tür zu seinem Bereitschaftsraum, worauf sie sich erhob und zielstrebig auf diese zusteuerte. Er folgte ihr und sagte noch über die Schulter, bevor er ihr nacheilte: „Mr. Darrn, Sie haben die Brücke. Informieren Sie mich bitte über jede Veränderung des Zielobjektes.“
„Aye, Sir,“ bestätigte der klingonische Operationsoffizier und ging auf den Kommandosessel zu. Es war nicht ersichtlich, ob er deshalb so erstaunt war, dass Leardini ihn ausgerechnet jetzt vertraulich sprechen wollte oder darüber, dass er ihm in dieser Lage das Kommando übertrug.
Kaum hatten sich die Türen leise zischend hinter ihm geschlossen, als sie mit in die Hüften gestemmten Fäusten fragte: „Was ist los, * Kyle*?“
„Das wollte ich auch gerade fragen,“ entgegnete er ein wenig ungnädig, „wie wohl jeder auf der Brücke.“
„So kenne ich dich gar nicht. Du willst sie einfach abknallen, stimmt’s?“
Mit einem Anflug von Ärger erwiderte er: „So salopp darfst du das nicht sehen. Ich weiss selbst, dass wir sie nach Vorschrift zuerst einmal zur Aufgabe auffordern müssen. Dies hier ist aber keine gewöhnliche Situation; von unserem Handeln hängt die Zukunft der freien Galaxis ab. Du hast selbst gesehen, dass es eine solche bald nicht mehr geben wird, wenn wir den Ablauf der Ereignisse nicht korrigieren, und zwar hier und jetzt.“
„Steht uns das zu? Ich meine, haben wir das Recht...“
„Von dir hätte ich diese Art Gewissensbisse nicht erwartet, Stefania. Ich könnte dich ja ver-stehen, wenn...“ Lennard winkte ab und setzte erneut an. „Sieh’ mal, es ist doch so: etwas ist hier schiefgelaufen. Der Ewige hatte ganz bestimmt nicht im Sinn, die aggressivste Rasse mit dem ausgeprägtesten Bedürfnis nach Eroberungen exklusiv mit der Technik zu versorgen, die ihnen eben das ermöglicht. Wir haben erfahren, was passieren wird, wenn wir nichts unter-nehmen. Es genügt nicht, sie nur zu entern und die samte Besatzung in Gewahsam zu nehmen, ganz davon abgesehen, dass sie sich nie ergeben werden. Es gibt zu viele Möglichkeiten, wie sie die Informationen dennoch weiterschmuggeln könnten. Wir müssen das einhundertprozentig ausschliessen können.“
„Wer sagt dir, dass sie die Daten nicht bereits weitergegeben haben?“
„Alnilam. Die Strahlung der Sonne erzeugt derart starke Interferenzen, dass sie unmöglich ein gerichtetes Signal absenden können. Zudem können sie keine speziellen Vorkehrungen für eine solche Aktion getroffen haben, da sie ursprünglich nur einen Aussenagenten retten sollten und nicht so etwas Wichtiges vorhatten.“
Nachdenklich setzte Leardini sich auf die Kante von Lennards Schreibtisch. „Das stimmt so nicht, * Kyle*. Er hatte das Signal nach unserer Begegnung mit dem Ewigen abgesandt, als er bereits von unserer Entdeckung wusste. Er kann ihnen davon berichtet haben, als er sie um seine Rettung bat.“
„Du hast recht. Ausserdem muß der Bird of Prey die meiste Zeit in unserer Nähe gewesen sein, um so schnell zur Stelle zu sein. Der Schläfer ist demnach kein Selbstmordattentäter und die Zerstörung eines Galaxy-Schiffes ist ihnen wichtig genug, um Entsatz für den Täter zu organisieren. Vielleicht steckt da noch mehr dahinter, als wir ahnen.“
Leardinis Züge wurden grimmig und entschlossen. „Deine Ansicht war vielleicht doch nicht so abwegig. Sie palanen etwas grösseres als... den Umsturz des Hohenrates von Klingon. Und dank uns werden sie das nun in die Tat umsetzen können. Wir müssen sie aufhalten.“
Unverwandt sah er sie an. „Wolltest du mir nicht eigentlich ins Gewissen reden?“
„Schon gut, du hast gewonnen. Wir werden tun, was getan werden muss... auch wenn es mir nicht unbedingt gefallen wird.“
„Glaubst du denn, mir macht das Spass? Ich wäre wohl kaum in dieser Position, wenn ich ein schiessfreudiger Cowboy wäre.“
Sie lächelte verschmitzt. „Ich stelle mir gerade vor... das müssen wir mal auf dem Holodeck ausprobieren, wenn wir das hier überstanden haben. Ich glaube, Doc Stern hat da ein Programm, das uns...“
Er blockte hastig ab: „Das kannst du gleich wieder vergessen! Ich hasse diese Ära.“
Dann wandte er sich der Tür zur Brücke zu. „Also, können wir, Commander?“
Sie waren noch nicht lange zurück auf der Brücke, als sie vom klingonischen Schiff entdeckt wurden. Darrn, der wieder an der Ops saß, meldete: „Bird of Prey beschleunigt auf Warp sieben und tarnt sich. Wir verlieren seine Ortung.“
„Das macht nichts,“ entgegnete Lennard. „Wir setzen uns hinter ihn und bleiben auf seinem Kurs. Stören Sie sämtliche Subraumfunkfrequenzen. Wir wissen, dass er zu einem Treffpunkt fliegt und dass er ihn bald erreicht haben muss. Sie haben uns sicher noch nicht identifiziert und wissen daher nicht genau, was auf sie zukommt. Wahrscheinlich hat Baor in diesem Augenblick ein Messer an seiner Kehle und schwört dem Kommandanten des Schiffes hoch und heilig, dass das unmöglich wir sein können und er absolut sicher ist, dass wir die Sabotage nicht in solch kurzer Zeit aufgehoben haben können.“
Leardini grinste. „Schade, dass ich das nicht sehen kann.“
„Ich überlege mir gerade, wie wir sie am Besten aus der Reserve locken können. Besteht die Möglichkeit, ihre Tarnung irgendwie aufzuheben?“
„Sie dazu zu bringen, auf uns zu feuern,“ meinte Kall.
„Wirklich amüsant, Counselor,“ zischte Leardini.
Lennard fügte hinzu: „Unsere Schilde würden den Beschuss dieses Schiffes bestimmt amüsant finden. Hat niemand einen brauchbaren Vorschlag?“
„Verzeihung, Sir,“ meldete sich ein Fähnrich, der für die Wissenschaftsstation in Reserveposition stand, „aber ich wüsste da vielleicht etwas. Erinnern Sie sich an die Rolle der Födera-tion im klingonischen Bürgerkrieg vor ein paar Jahren?“
„Sicher. Damals wurde vermutet, dass eine Partei der Klingonen von den Romulanern logistischen Nachschub erhielt und deshalb eine Blockadeflotte entlang der romulanisch-klingonischen Grenze stationiert, um eine Einmischung der Romulaner zu deren Gunsten zu vereiteln.“
„Genau, Sir. Ich tat damals auf der Sutherland Dienst, dem Schiff, das die getarnten Romulaner entdeckte. Es war ein regelrechtes Katz- und Mausspiel damals; die Föderationsschiffe errichteten ein Netz entlang der Grenze und sandten Tachyonenimpulse zwischen den Schiffen durch den Raum, was die getarnten Warbirds verraten würde, wenn sie diese durchflogen hät-ten. Die Romulaner konterten damit, dass sie den samten Raum rund um die Sutherland mit Tachyonen überfluteten, so daß eine Ortung unmöglich wurde und sie an dieser Stelle unerkannt durchbrechen konnten. Doch wir suchten die Tachyonen nach Trägheitsverlagerungen im Subraum ab und entdeckten so mehrere ungenaue Anzeigen, wo sich Restablagerungen der Tachyonen um die Tarnfelder der Romulaner gelegt hatten. Dann stellten wir Pho-tonentorpedos auf einen Energiestoss der Grösse Sechs ein und schossen auf diese Gebiete. Die Explosionen machten die Lage der romulanischen Schiffe sichtbar, worauf diese aufgab-en und in romulanischen Raum zurückflogen.“
„Hm, das hört sich gut an. Aber ob das so einfach funktioniert? Was meinen Sie, Mr. Darrn, ist die Tarnung der romulanischen Schiffe der der klingonischen technisch ähnlich genug, damit das auch hier funktionieren könnte?“
Als der klingonische Operationsoffizier nicht antwortete, sahen nach und nach alle zu ihm hin. Verlegen brachte er schließlich hervor: „Das kann ich Ihnen leider nicht beantworten, Captain. Ich bin mit der Technik der Tarnung nicht in diesem Masse vertraut...“
Er fing den befremdeten Blick von Vakuf auf und fügte schnell hinzu: „He, nur weil ich ein Klingone bin...“
Lennard seufzte. „Nun gut, wir können es ja dennoch versuchen. Richten Sie einen Tachyonenstrahl nach vorne ein und senden Sie ihn auf mein Kommando aus.“
„Captain, ich empfange eine schwache Umlagerung im Subraum vor uns. Das kann bedeuten, dass sie unter Warp gegangen sind.“
„In Ordnung, Wuran. Sind Sie soweit mit dem Tachyonenstrahl?“
„Jawohl, Sir.“ Die junge Bajoranerin wartete auf das Zeichen.
„Unter Warp gehen und mit maximaler Sensorenstärke scannen. Dadurch fällt ihnen die Identifikation von uns vielleicht schwerer.“
„Mit ihren alten Geräten und unseren verstärkten metaphasischen Schilden sehen sie wahrscheinlich nur eine große Blase auf ihren Instrumenten,“ bemerkte Kall leicht spöttisch.
„Überschätzen Sie die Möglichkeiten unserer Schilde nicht, Sam,“ warnte Lennard sie.
„Vielleicht hat die Counselor doch recht, Captain,“ warf Vakuf ein, „entweder das, oder es kümmert sie nicht, dass wir hinter ihnen sind. Jedenfalls haben sie sich gerade enttarnt.“
„Was?“ Leardini glaubte, ihren Ohren nicht trauen zu können. „Das kann ich nicht glauben.“
Lennard dachte nach. „Das riecht nach einer Falle. Sie haben einen Trumpf in der Hand, oder glauben zumindest, dass sie einen haben. Rufen Sie sie.“
Mit ungläubigem Unterton meldete Darrn: „Verbindung hergestellt.“
Wieder sahen sie die klingonische Brücke mit dem Captain im Vordergrund. Dieser sprang überrascht auf, als er sie erblickte. Baor, der gerade neben ihm stand, war anscheinend einer Ohnmacht nahe, als der Captain rief: „Sie! Wie kann das sein? Baor!“
Der klingonische Agent antwortete fassungslos: „Das ist ein Trick! Sie können ihre Computer unmöglich so schnell repariert haben.“
Leardini sagte boshaft: „Hier spricht Commander Giftzwerg, Baor. Sprechen Sie ihr letztes Gebet, aber beeilen Sie sich.“
Lennard stand auf und sagte mit beinahe feierlicher Stimme: „Ich erkläre Sie, Baor, für schuldig des Hochverrats an der Föderation der Vereinigten Planeten und der Sabotage an der U.S.S. Aldebaran mit der Absicht der Zerstörung des Schiffes und der Ermordung aller 983 Besatzungsmitglieder. Weiterhin der Verschwörung mit dem Ziel des Umsturzes des klingonischen Hohenrates und der Absicht, durch Missbrauch fortschrittlicher Technologie die Unterjochung aller friedliebenden Völker der Galaxie vorzubereiten. Hiermit sind sie und alle Mitglieder ihres Schiffes zum Tode verurteilt. Das Urteil wird sofort vollstreckt.“
Der Captain des Bird of Prey ging lansam auf ihr Sichtfeld zu und stiess mit hervorquellenden Augen hervor: „Woher nehmen Sie sich das Recht dazu? Ich bin Bron, Captain der...“
„Ich nehme mir das Recht im Namen aller freien und friedlichen Rassen der bekannten Galaxie. Mr. Kazuki, bereithalten zum Feuern.“
Einen Augenblick darauf wurde die Verbindung abgebrochen und sie sahen eine Aussenaufnahme des leichten Klingonenkreuzers, der begann abzudrehen.
Ohne mit der Wimper zu zucken, befahl Lennard: „Feuer frei, volle Breitseite.“
Mit etwas gemischten Gefühlen sahen sie, wie vier nacheinander abgefeuerte, sekundenlange Phaserstösse und drei Photonentorpedos sammen die Schilde des viel kleineren und schwächer bewaffneten Schiffes durchbrachen und in den Rumpf einschlugen. Es folgten mehrere kleine Sekundärexplosionen im schwer beschädigten Schiff.
Leise flüsterte Leardini ihm zu: „Das haben Sie aber schön gesagt, Captain.“
Er warf ihr einen missbilligenden Seitenblick zu, wurde dann jedoch von Vakufs alarmierter Stimme abgelenkt: „Die Besatzung beamt sich vom Schiff, Captain. Ich kann jedoch nicht feststellen, wohin sie sich transportiert haben, da der Warpkern des Bird of Prey am kollabieren ist und die Interferenzen ...“
Ein greller Blitz flammte auf, als der Warpkern brach und die Materie-Antimaterie-Reaktion das samte Raumschiff verzehrte. Die Explosionsdruckwelle erreichte sie und brauste an ihnen vorbei, ohne dass sie dabei etwas spürten.
„Diese Schilde waren den Trip in die Zukunft wert,“ rutschte es Kazuki heraus, womit er sich ungnädige Blicke einfing.
„Ich habe mehrere Schiffe auf dem Schirm, Captain. Drei Bird of Prey und ein grösserer Schiffstyp enttarnen sich voraus an der maximalen Transporter-Reichweitengrenze. Das muss der Trumpf im Ärmel sein, von dem Sie sprachen.“ Kazuki sah auf und liess den Mund beim Anblick auf dem Bildschirm offenstehen.
„Uh-oh!“
Nun sahen alle auf und bemerkten neben drei weiteren Bird of Prey einen Schlachtkreuzer der Vor’cha-Klasse, beinahe so gross wie die Aldebaran und ebensogut bewaffnet. Alle hielten direkt auf sie zu.
„Das ist die Pa’neth, Captain,“ informierte Darrn sie. „Angeblich ist sie im klingonischen Bürgerkrieg verlorengegangen.“
„Für mich sieht sie ganz schön einsatzbereit aus.“
Wuran sah auf. „Captain, sie rufen uns.“
Lennard sah kurz in die Runde. „Auf den Schirm.“
Darauf erhielten sie einen Ausblick auf die Brücke der Pa’neth, welche wesentlich geräumiger und moderner gebaut war als die der kleineren, alten Bird of Prey. Baor und Bron befanden sich auch schon dort. Letzterer trat nun hervor und grinste mit seinen schiefen, gelben Zähnen: „Das war wohl nichts, Captain Lennard. Mich überrascht allerdings schon, mit welcher Härte sie gegen uns vorgegangen sind. Die Zeit als Verbündete der Klingonen hat ihnen wohl gutgetan. Es wird uns eine Ehre sein, euch zu töten. Die Subtilität der Sabotage ist nicht mehr nötig, da wir dank des kleinen Mitbringsels von unserem guten Baor schon bald zur Er-oberung des klingonischen Reiches schreiten können. Da ist nur noch ein kleines Hindernis, das aus dem Weg geräumt werden muss, und zwar Sie. Sie haben die Daten ebenfalls. Diese Situation ist für uns inakzeptabel.“
Er beugte sich vor. „Heute ist ein guter Tag zum Sterben. Für Sie alle.“
Dann brach er die Verbindung ab.
[Fortsetzung folgt morgen...]
Sie wurden zum dritten Mal förmlich von der Sonne ausgespuckt, als sie ihren nahen Vorbei-flug vollendet hatten und von beinahe Warp zehn wieder auf Unterlichtgeschwindigkeit verlangsamen. Lennard war diesmal einer der ersten, die wieder zu sich kamen. Sofort rief er al-le ihm über seine Konsolen in den Armlehnen seines Platzes zugänglichen Informationen üb-er den Betriebszustand der Aldebaran ab.
„Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung. Conn, haben Sie die Klingonen geortet?“
Vakuf fragte einige Informationen ab und antwortete: „Positiv, Captain. Der Sternzeit nach befinden wir uns etwa eine Viertelstunde nach dem Beginn unseres Irrfluges. Der klingonische Bird of Prey bewegt sich mit Warp vier aus dem System heraus, dem Anschein nach auf einen Rendezvouspunkt zu. Ausserdem...“
Als die Vulcanierin stockte, fragte Lennard missmutig: „Was noch, Gora?“
„Ich... ich habe die Aldebaran lokalisiert. Sie... wir...“
„Wir haben jetzt keine Zeit für solche Phänomene. Lassen Sie der Geschichte ihren Lauf und programmieren Sie einen Abfangkurs auf die Renegaten mit Warpfaktor Neun Komma Sechs.“ Er konzentrierte sich auf seine Statusdisplays des Schiffes.
„Kurs programmiert und eingegeben.“
„Beschleunigen.“ Nun sah er über die Schulter zu Kazuki. „Sämtliche Phaserbänke laden, alle Photonentorpedos bereitmachen und vorderen sowie hinteren Torpedolauncher der Kampfsektion bestücken. Haben wir noch Zeit für eine Ebene-Zwei-Diagnose bis zum Feindkontakt?“
„Leider nicht, Captain, einige Minuten fehlen. Sollen wir auf Warp neun hinabgehen?“ wollte Vakuf wissen.
Er überlegte kurz. „Nein, begnügen wir uns mit einer Ebene-Drei-Diagnose. Das Aufhalten des Zieles hat momentan oberste Priorität.“
„Wie lange bis zum Ziel?“
„Dreiundvierzig Minuten, Captain,“ ließ Kazuki verlauten.
„Wir bleiben auf Alarmstufe Rot und in voller Gefechtsbereitschaft bis zum Erreichen des Zieles,“ ordnete Lennard an.
„Captain, kann ich Sie kurz sprechen?“ fragte Leardini mit ernster Miene.
Ein wenig überrascht sah er auf sie hinab. „Sicher, Commander.“
Er wies auf die Tür zu seinem Bereitschaftsraum, worauf sie sich erhob und zielstrebig auf diese zusteuerte. Er folgte ihr und sagte noch über die Schulter, bevor er ihr nacheilte: „Mr. Darrn, Sie haben die Brücke. Informieren Sie mich bitte über jede Veränderung des Zielobjektes.“
„Aye, Sir,“ bestätigte der klingonische Operationsoffizier und ging auf den Kommandosessel zu. Es war nicht ersichtlich, ob er deshalb so erstaunt war, dass Leardini ihn ausgerechnet jetzt vertraulich sprechen wollte oder darüber, dass er ihm in dieser Lage das Kommando übertrug.
Kaum hatten sich die Türen leise zischend hinter ihm geschlossen, als sie mit in die Hüften gestemmten Fäusten fragte: „Was ist los, * Kyle*?“
„Das wollte ich auch gerade fragen,“ entgegnete er ein wenig ungnädig, „wie wohl jeder auf der Brücke.“
„So kenne ich dich gar nicht. Du willst sie einfach abknallen, stimmt’s?“
Mit einem Anflug von Ärger erwiderte er: „So salopp darfst du das nicht sehen. Ich weiss selbst, dass wir sie nach Vorschrift zuerst einmal zur Aufgabe auffordern müssen. Dies hier ist aber keine gewöhnliche Situation; von unserem Handeln hängt die Zukunft der freien Galaxis ab. Du hast selbst gesehen, dass es eine solche bald nicht mehr geben wird, wenn wir den Ablauf der Ereignisse nicht korrigieren, und zwar hier und jetzt.“
„Steht uns das zu? Ich meine, haben wir das Recht...“
„Von dir hätte ich diese Art Gewissensbisse nicht erwartet, Stefania. Ich könnte dich ja ver-stehen, wenn...“ Lennard winkte ab und setzte erneut an. „Sieh’ mal, es ist doch so: etwas ist hier schiefgelaufen. Der Ewige hatte ganz bestimmt nicht im Sinn, die aggressivste Rasse mit dem ausgeprägtesten Bedürfnis nach Eroberungen exklusiv mit der Technik zu versorgen, die ihnen eben das ermöglicht. Wir haben erfahren, was passieren wird, wenn wir nichts unter-nehmen. Es genügt nicht, sie nur zu entern und die samte Besatzung in Gewahsam zu nehmen, ganz davon abgesehen, dass sie sich nie ergeben werden. Es gibt zu viele Möglichkeiten, wie sie die Informationen dennoch weiterschmuggeln könnten. Wir müssen das einhundertprozentig ausschliessen können.“
„Wer sagt dir, dass sie die Daten nicht bereits weitergegeben haben?“
„Alnilam. Die Strahlung der Sonne erzeugt derart starke Interferenzen, dass sie unmöglich ein gerichtetes Signal absenden können. Zudem können sie keine speziellen Vorkehrungen für eine solche Aktion getroffen haben, da sie ursprünglich nur einen Aussenagenten retten sollten und nicht so etwas Wichtiges vorhatten.“
Nachdenklich setzte Leardini sich auf die Kante von Lennards Schreibtisch. „Das stimmt so nicht, * Kyle*. Er hatte das Signal nach unserer Begegnung mit dem Ewigen abgesandt, als er bereits von unserer Entdeckung wusste. Er kann ihnen davon berichtet haben, als er sie um seine Rettung bat.“
„Du hast recht. Ausserdem muß der Bird of Prey die meiste Zeit in unserer Nähe gewesen sein, um so schnell zur Stelle zu sein. Der Schläfer ist demnach kein Selbstmordattentäter und die Zerstörung eines Galaxy-Schiffes ist ihnen wichtig genug, um Entsatz für den Täter zu organisieren. Vielleicht steckt da noch mehr dahinter, als wir ahnen.“
Leardinis Züge wurden grimmig und entschlossen. „Deine Ansicht war vielleicht doch nicht so abwegig. Sie palanen etwas grösseres als... den Umsturz des Hohenrates von Klingon. Und dank uns werden sie das nun in die Tat umsetzen können. Wir müssen sie aufhalten.“
Unverwandt sah er sie an. „Wolltest du mir nicht eigentlich ins Gewissen reden?“
„Schon gut, du hast gewonnen. Wir werden tun, was getan werden muss... auch wenn es mir nicht unbedingt gefallen wird.“
„Glaubst du denn, mir macht das Spass? Ich wäre wohl kaum in dieser Position, wenn ich ein schiessfreudiger Cowboy wäre.“
Sie lächelte verschmitzt. „Ich stelle mir gerade vor... das müssen wir mal auf dem Holodeck ausprobieren, wenn wir das hier überstanden haben. Ich glaube, Doc Stern hat da ein Programm, das uns...“
Er blockte hastig ab: „Das kannst du gleich wieder vergessen! Ich hasse diese Ära.“
Dann wandte er sich der Tür zur Brücke zu. „Also, können wir, Commander?“
Sie waren noch nicht lange zurück auf der Brücke, als sie vom klingonischen Schiff entdeckt wurden. Darrn, der wieder an der Ops saß, meldete: „Bird of Prey beschleunigt auf Warp sieben und tarnt sich. Wir verlieren seine Ortung.“
„Das macht nichts,“ entgegnete Lennard. „Wir setzen uns hinter ihn und bleiben auf seinem Kurs. Stören Sie sämtliche Subraumfunkfrequenzen. Wir wissen, dass er zu einem Treffpunkt fliegt und dass er ihn bald erreicht haben muss. Sie haben uns sicher noch nicht identifiziert und wissen daher nicht genau, was auf sie zukommt. Wahrscheinlich hat Baor in diesem Augenblick ein Messer an seiner Kehle und schwört dem Kommandanten des Schiffes hoch und heilig, dass das unmöglich wir sein können und er absolut sicher ist, dass wir die Sabotage nicht in solch kurzer Zeit aufgehoben haben können.“
Leardini grinste. „Schade, dass ich das nicht sehen kann.“
„Ich überlege mir gerade, wie wir sie am Besten aus der Reserve locken können. Besteht die Möglichkeit, ihre Tarnung irgendwie aufzuheben?“
„Sie dazu zu bringen, auf uns zu feuern,“ meinte Kall.
„Wirklich amüsant, Counselor,“ zischte Leardini.
Lennard fügte hinzu: „Unsere Schilde würden den Beschuss dieses Schiffes bestimmt amüsant finden. Hat niemand einen brauchbaren Vorschlag?“
„Verzeihung, Sir,“ meldete sich ein Fähnrich, der für die Wissenschaftsstation in Reserveposition stand, „aber ich wüsste da vielleicht etwas. Erinnern Sie sich an die Rolle der Födera-tion im klingonischen Bürgerkrieg vor ein paar Jahren?“
„Sicher. Damals wurde vermutet, dass eine Partei der Klingonen von den Romulanern logistischen Nachschub erhielt und deshalb eine Blockadeflotte entlang der romulanisch-klingonischen Grenze stationiert, um eine Einmischung der Romulaner zu deren Gunsten zu vereiteln.“
„Genau, Sir. Ich tat damals auf der Sutherland Dienst, dem Schiff, das die getarnten Romulaner entdeckte. Es war ein regelrechtes Katz- und Mausspiel damals; die Föderationsschiffe errichteten ein Netz entlang der Grenze und sandten Tachyonenimpulse zwischen den Schiffen durch den Raum, was die getarnten Warbirds verraten würde, wenn sie diese durchflogen hät-ten. Die Romulaner konterten damit, dass sie den samten Raum rund um die Sutherland mit Tachyonen überfluteten, so daß eine Ortung unmöglich wurde und sie an dieser Stelle unerkannt durchbrechen konnten. Doch wir suchten die Tachyonen nach Trägheitsverlagerungen im Subraum ab und entdeckten so mehrere ungenaue Anzeigen, wo sich Restablagerungen der Tachyonen um die Tarnfelder der Romulaner gelegt hatten. Dann stellten wir Pho-tonentorpedos auf einen Energiestoss der Grösse Sechs ein und schossen auf diese Gebiete. Die Explosionen machten die Lage der romulanischen Schiffe sichtbar, worauf diese aufgab-en und in romulanischen Raum zurückflogen.“
„Hm, das hört sich gut an. Aber ob das so einfach funktioniert? Was meinen Sie, Mr. Darrn, ist die Tarnung der romulanischen Schiffe der der klingonischen technisch ähnlich genug, damit das auch hier funktionieren könnte?“
Als der klingonische Operationsoffizier nicht antwortete, sahen nach und nach alle zu ihm hin. Verlegen brachte er schließlich hervor: „Das kann ich Ihnen leider nicht beantworten, Captain. Ich bin mit der Technik der Tarnung nicht in diesem Masse vertraut...“
Er fing den befremdeten Blick von Vakuf auf und fügte schnell hinzu: „He, nur weil ich ein Klingone bin...“
Lennard seufzte. „Nun gut, wir können es ja dennoch versuchen. Richten Sie einen Tachyonenstrahl nach vorne ein und senden Sie ihn auf mein Kommando aus.“
„Captain, ich empfange eine schwache Umlagerung im Subraum vor uns. Das kann bedeuten, dass sie unter Warp gegangen sind.“
„In Ordnung, Wuran. Sind Sie soweit mit dem Tachyonenstrahl?“
„Jawohl, Sir.“ Die junge Bajoranerin wartete auf das Zeichen.
„Unter Warp gehen und mit maximaler Sensorenstärke scannen. Dadurch fällt ihnen die Identifikation von uns vielleicht schwerer.“
„Mit ihren alten Geräten und unseren verstärkten metaphasischen Schilden sehen sie wahrscheinlich nur eine große Blase auf ihren Instrumenten,“ bemerkte Kall leicht spöttisch.
„Überschätzen Sie die Möglichkeiten unserer Schilde nicht, Sam,“ warnte Lennard sie.
„Vielleicht hat die Counselor doch recht, Captain,“ warf Vakuf ein, „entweder das, oder es kümmert sie nicht, dass wir hinter ihnen sind. Jedenfalls haben sie sich gerade enttarnt.“
„Was?“ Leardini glaubte, ihren Ohren nicht trauen zu können. „Das kann ich nicht glauben.“
Lennard dachte nach. „Das riecht nach einer Falle. Sie haben einen Trumpf in der Hand, oder glauben zumindest, dass sie einen haben. Rufen Sie sie.“
Mit ungläubigem Unterton meldete Darrn: „Verbindung hergestellt.“
Wieder sahen sie die klingonische Brücke mit dem Captain im Vordergrund. Dieser sprang überrascht auf, als er sie erblickte. Baor, der gerade neben ihm stand, war anscheinend einer Ohnmacht nahe, als der Captain rief: „Sie! Wie kann das sein? Baor!“
Der klingonische Agent antwortete fassungslos: „Das ist ein Trick! Sie können ihre Computer unmöglich so schnell repariert haben.“
Leardini sagte boshaft: „Hier spricht Commander Giftzwerg, Baor. Sprechen Sie ihr letztes Gebet, aber beeilen Sie sich.“
Lennard stand auf und sagte mit beinahe feierlicher Stimme: „Ich erkläre Sie, Baor, für schuldig des Hochverrats an der Föderation der Vereinigten Planeten und der Sabotage an der U.S.S. Aldebaran mit der Absicht der Zerstörung des Schiffes und der Ermordung aller 983 Besatzungsmitglieder. Weiterhin der Verschwörung mit dem Ziel des Umsturzes des klingonischen Hohenrates und der Absicht, durch Missbrauch fortschrittlicher Technologie die Unterjochung aller friedliebenden Völker der Galaxie vorzubereiten. Hiermit sind sie und alle Mitglieder ihres Schiffes zum Tode verurteilt. Das Urteil wird sofort vollstreckt.“
Der Captain des Bird of Prey ging lansam auf ihr Sichtfeld zu und stiess mit hervorquellenden Augen hervor: „Woher nehmen Sie sich das Recht dazu? Ich bin Bron, Captain der...“
„Ich nehme mir das Recht im Namen aller freien und friedlichen Rassen der bekannten Galaxie. Mr. Kazuki, bereithalten zum Feuern.“
Einen Augenblick darauf wurde die Verbindung abgebrochen und sie sahen eine Aussenaufnahme des leichten Klingonenkreuzers, der begann abzudrehen.
Ohne mit der Wimper zu zucken, befahl Lennard: „Feuer frei, volle Breitseite.“
Mit etwas gemischten Gefühlen sahen sie, wie vier nacheinander abgefeuerte, sekundenlange Phaserstösse und drei Photonentorpedos sammen die Schilde des viel kleineren und schwächer bewaffneten Schiffes durchbrachen und in den Rumpf einschlugen. Es folgten mehrere kleine Sekundärexplosionen im schwer beschädigten Schiff.
Leise flüsterte Leardini ihm zu: „Das haben Sie aber schön gesagt, Captain.“
Er warf ihr einen missbilligenden Seitenblick zu, wurde dann jedoch von Vakufs alarmierter Stimme abgelenkt: „Die Besatzung beamt sich vom Schiff, Captain. Ich kann jedoch nicht feststellen, wohin sie sich transportiert haben, da der Warpkern des Bird of Prey am kollabieren ist und die Interferenzen ...“
Ein greller Blitz flammte auf, als der Warpkern brach und die Materie-Antimaterie-Reaktion das samte Raumschiff verzehrte. Die Explosionsdruckwelle erreichte sie und brauste an ihnen vorbei, ohne dass sie dabei etwas spürten.
„Diese Schilde waren den Trip in die Zukunft wert,“ rutschte es Kazuki heraus, womit er sich ungnädige Blicke einfing.
„Ich habe mehrere Schiffe auf dem Schirm, Captain. Drei Bird of Prey und ein grösserer Schiffstyp enttarnen sich voraus an der maximalen Transporter-Reichweitengrenze. Das muss der Trumpf im Ärmel sein, von dem Sie sprachen.“ Kazuki sah auf und liess den Mund beim Anblick auf dem Bildschirm offenstehen.
„Uh-oh!“
Nun sahen alle auf und bemerkten neben drei weiteren Bird of Prey einen Schlachtkreuzer der Vor’cha-Klasse, beinahe so gross wie die Aldebaran und ebensogut bewaffnet. Alle hielten direkt auf sie zu.
„Das ist die Pa’neth, Captain,“ informierte Darrn sie. „Angeblich ist sie im klingonischen Bürgerkrieg verlorengegangen.“
„Für mich sieht sie ganz schön einsatzbereit aus.“
Wuran sah auf. „Captain, sie rufen uns.“
Lennard sah kurz in die Runde. „Auf den Schirm.“
Darauf erhielten sie einen Ausblick auf die Brücke der Pa’neth, welche wesentlich geräumiger und moderner gebaut war als die der kleineren, alten Bird of Prey. Baor und Bron befanden sich auch schon dort. Letzterer trat nun hervor und grinste mit seinen schiefen, gelben Zähnen: „Das war wohl nichts, Captain Lennard. Mich überrascht allerdings schon, mit welcher Härte sie gegen uns vorgegangen sind. Die Zeit als Verbündete der Klingonen hat ihnen wohl gutgetan. Es wird uns eine Ehre sein, euch zu töten. Die Subtilität der Sabotage ist nicht mehr nötig, da wir dank des kleinen Mitbringsels von unserem guten Baor schon bald zur Er-oberung des klingonischen Reiches schreiten können. Da ist nur noch ein kleines Hindernis, das aus dem Weg geräumt werden muss, und zwar Sie. Sie haben die Daten ebenfalls. Diese Situation ist für uns inakzeptabel.“
Er beugte sich vor. „Heute ist ein guter Tag zum Sterben. Für Sie alle.“
Dann brach er die Verbindung ab.
[Fortsetzung folgt morgen...]
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Freitag, 10. November 2006
ST1.20 : KAPITEL 7 Klingone Skrupel
cymep, 03:17h
[...Fortsetzung von der Zukunft gestern]
Lennard erwachte aus dem unheimlichen Begleitphänomen, das einem Tagtraum ähnelte und sah sich auf der Brücke um, während einer nach dem anderen ebenfalls wieder in die Realität zurückkehrte.
„Captain, ich orte eine Reihe von Raumschiffen der verschiedensten Bauarten und Größen nur etwa eine Millionen km entfernt. Ausserdem gewaltige Energieentladungen zwischen ihnen.“ Darrn runzelte die Stirn bei den Anzeigen seiner Konsole.
„Auf den Schirm, maximale Vergrösserung,“ verlangte Lennard, noch etwas benommen, aber deutlich angespannt.
Was sie dann sahen, ließ ihm den Atem stocken..
Das Bild wurde beherrscht von einem so unglaublich grossen Raumschiff, dass Lennard zu-nächst dachte, es sei eine Raumstation. Dann sah er die Manöver des Flugkörpers. Mit verblüffend hoher Wendigkeit drehte es sich um seine eigenen Achsen, um seine starr nach vor-ne ausgerichtete, doppelläufige Primärwaffe auf seine Gegner zu richten, welche um ihn herumschwirrten und vergeblich versuchten, seine Schutzschilde zu durchdringen. Sie sahen so klein und schwach aus, daß man den Eindruck gewann, sie hatten keine reele Chance gegen einen so übermächtigen Leviathan. Gerade begann er, zusätzlich aus diversen frei ausrichtbar-en Waffen ähnlich von Phaserbänken und Photonenkanonen auf die Flotte von Angreifern zu feuern. Einen solchen Treffer überstanden sie, auch wenn ihre Abwehr dadurch geschwächt wurde.
„Roter Alarm!“ rief Leardini und sprang bei der Szenerie auf dem Hauptschirm beinahe aus ihrem Sitz.
„Das grosse Schiff weist eine klingonische Bauart auf, wenn der Typ auch unbekannt ist.“ Vakuf scannte das Schlachtfeld ab, als das grosse Kriegsschiff eine Doppelsalve aus ihrer Frontwaffe abfeuerte. Sie spuckte zwei rötlich glimmende Feuerbälle aus, die in eines der etwa zehn würfelförmigen Schiffe einschlugen und es förmlich pulverisierten.
„Ich registriere elf kubische Schiffe, höchstwahrscheinlich Borg, sieben Schiffstypen, die der Technik nach Jem’hadar zu sein scheinen, und einen romulanischen Warbird, sehr alt und in schlechtem Zustand.“ Vakuf konnte offenbar kaum glauben, was sie ablas.
„Wir müssen noch immer ein ganzes Stück in der Zukunft sein,“ mutmasste Lennard. „Die Schlacht verlagert sich in unsere Richtung. Vakuf, wenden sie die Aldebaran und fliegen sie uns auf die abgewandte Sonnenseite.“
In dem Moment, in dem sie beidrehten, flog ein Jem’hadar-Schiff in wildem Zickzack-Kurs in ihrer Nähe vorbei, während ein Energiestrahl von dem Klingonen an ihm vorbeischoss. Sie behielten den Weltraumgiganten auf dem Schirm, während sie manövrierten, um sich abzu-setzen. Nun zerstörte er den Romulaner mit einem einzigen Schuss aus einem Kanonenturm, der eine Art Quantentorpedo abschoss. Noch bevor sie beschleunigen konnten, richtete das Geschütz sich auf die Aldebaran und schoss einen weiteren Torpedo ab.
Er konnte sie gar nicht verfehlen.
- 7 -
Allen stockte der Atem, als der funkelnde Energieball mit Überlichtgeschwindigkeit auf sie zusteuerte und auf den Heckschirm aufschlug. Lennard hielt sich krampfhaft in Erwartung des Aufschlages fest und registrierte verwundert, dass nichts geschah. Er sah gerade noch rechtzeitig hin, um das schwache Glimmen zu beobachten, mit dem der Torpedo explodierte und seine zerstörerische Energie freisetzte.
Die Schilde flackerten nicht einmal.
Mit einem Mal stoppte der Beschu, als die Kämpfenden bemerkt hatten, was geschehen war. Dann besann sich die Angreiferflotte und verstärkte ihren Beschuss auf den klingonischen Goliath, was dessen Schilde zwar stark aufflackern liess, jedoch immer noch keine Bedrohung darstellte.
Dann endlich beschleunigte die Aldebaran und liess mit voller Impulskraft das Schlachtfeld hinter sich. Vakuf flog an der Sonne vorbei und dann in einer weiten Schleife hinter sie.
„Was hat denn da so lange gedauert? Wollten Sie unsere neuen Schilde ausgiebiger testen, Conn?“ schnauzte Lennard mit einer für ihn untypisch aufbrausenden Art.
„Tut mir leid, Captain, ich hatte...“ Vakuf verstummte und starrte geradeaus.
„Schon gut, ist ja nochmal gutgegangen. Lassen Sie uns jetzt feststellen, wieviel Zeit wir noch zurücklegen müsen und dann den letzten Sprung ausführen. Hat irgendjemand eine Theorie, was dieses Spektakel da draussen zu bedeuten haben könnte?“
„Bevor wir nicht wissen, in welcher Epoche wir uns befinden, stelle ich lieber keine Mutmassungen an,“ meinte Stern konstatiert. „Was ich gesehen habe, war ein klingonisches Schlachtschiff, das von Borg und Jem’hadar gemeinsam attackiert worden ist. Es hat sich wohl einiges getan in politischer Hinsicht.“
Konnten wir irgendwelche Daten sameln, die uns weiterhelfen, Mrs. Wuran?“
„Nein, Captain. Das klingonische Schiff hat eine ungefähre Länge von zwanzig km, eine Spannweite von zwölf km und verfügt über schwerste Bewaffnung unbekannten Typs. Sie können mit einem Schuss dieses Zwillingsgeschützes an ihrem Bug einen Borg-Kubus völlig zerstören. Unser Schild hat zumindest den Beschuss der Photonenwaffe, mit der sie den Warbird zerstört haben, schadlos überstanden.“ Wuran widmete ihre Aufmerksameit wieder ihrer Konsole.
„Unser Schild scheint demnach nicht nur gegen Hitze, sondern gegen sämtliche äusseren Ein-flüsse in einem uns unvorstellbaren Masse unempfindlich zu sein. Können Sie sich erklären, woran das liegen könnte?“
„Da muß ich passen, Sir. Ich weiss ja nicht einmal, was genau ich mit der Schildkonfiguration getan habe. Nidor und ich haben für die Umrüstung der Hardware nicht einmal vier Stunden benötigt, alles nach Anweisung des Ewigen. Er hat uns ein tolles Geschenk mit auf den Weg gegeben, würde ich sagen.“
„Eines, ohne das wir eben vaporisiert worden wären, würde ich sagen. Wie sieht es mit der Zeitbestimmung aus?“
Wuran entgegnete etwas unsicher: „Ersten Messungen zufolge befinden wir uns etwa vier-hundert Jahre in der Zukunft. Es sind noch ungefähr zehn Minuten der Datenaufnahme erforderlich, bis wir die Sternzeit auf eine Stelle nach dem Komma genau bestimmen können. Ich schlage vor, daß wir die Wartezeit mit einer weiteren Ebene-Eins-Diagnose nutzen.“
„Das hätte ich als nächstes angeordnet. Gut, machen Sie es so. Mr. Darrn, was spielt sich in unserer Umgebung ab?“
„Keine Aktivität zu verzeichnen, Captain. Wir wären wahrscheinlich ohnehin zu nahe an Alnilam, als dass uns ein gewöhnliches Schiff erreichen könnte. Moment, da... da ruft uns jem-and. Es ist einer der Angreifer; er kommt um die Sonne herum. Die Signale sind durch die Strahlung noch stark gestört, es ist nur eine akustische Verbindung möglich.“ Er legte den Ruf auf die Lautsprecher.
Verzerrt kam eine humanoide Stimme aus der Sprechanlage: „...rufen das unbekannte Schiff nach Föderationsbauart. Bitte melden Sie sich, wir haben ihren Kurs in dieses Gebiet verfolgt und glauben, Sie können uns einige interessante Auskünfte geben.“
Lennard machte ein Zeichen, den Kanal zu schliessen und sah danach Leardini an. „Vorschläge, Commander?“
„Wir sollten erst einmal sehen, um wen es sich handelt, bevor wir unsere Position preisgeben. Vielleicht wollen Sie Nutzen aus der Technik unseres metaphasischen Schildes ziehen.“
„Ein guter Einwand. Wir dürfen uns nicht in die Geschehnisse dieser Epoche einmischen, auch wenn es hier augenscheinlich drunter und drüber geht. Haben wir einen Sichtkontakt?“
„Positiv. Gehe auf maximale Vergrösserung.“ Der Schirm zeigte einen Moment lang nur die Schwärze des Alls - wegen der Nähe zu Alnilam hatten die starken Lichtfilter sämtliche Ster-ne ausgeblendet - und dann in der Mitte den hellgrauen Rumpf in einer für die Föderation typ-ischen Bauweise, jedoch keinen ihnen bekannten Schiffsypen. Der schlanke vordere Teil, der der Untertassensektion der Aldebaran entsprechen würde, sah zumindest äusserlich aus wie der einer für sie neuen Inteprid-Klasse, war aber wie der Rest des Schiffes uralt und völlig sammengeflickt, wie es provisorischer nicht mehr sein konnte. Die Warppylonen waren viel zu groß für ein Schiff dieser Größe und sahen aus wie die einer neuen Schiffsklasse, dessen Prototyp zu ihrer Zeit gerade im Bau gewesen war.
Lennard zögerte nicht mehr lange. „Öffnen Sie eine Grussfrequenz. Hier spricht der Captain des Föderationsschiffes Aldebaran, Lennard. Mit wem haben wir die Ehre?“
Die müde Antwort erstaunte alle: „Föderationsschiff? Sie haben eine same Art von Humor. Ich bin Captain K’path von der Avenger, dritte Brigade Alpha-Quadrant.“
„Avenger? Es war doch früher nicht die Art der Föderation, ihre Schiffe so zu taufen. Wie...?“
„Was ist mit euch los? Die Föderies auf meinem Kahn haben auf einem humanoiden Namen bestanden, weil ihrer Argumentation nach die Technik von Raumfriedhöfen der Sternenflotte stammt. Ah, ich höre, die Verbindung läßt jetzt visuellen Kontakt zu. Moment...“
Das Bild des sammengeschusterten Raumschiffes flackerte und wich der Ansicht einer Brücke. Lennard fiel auf, daß die Mannschaft aus einer abenteuerlichen Mischung von Romu-lanern, Cardassianern, Föderationsmitgliedern und zahlreicher ihm gänzlich unbekannter Wesen bestand. Der Humanoide auf dem Kapitänssessel war ihm von der Rasse her entfernt vertraut. Lennard versuchte sich zu erinnern, wo er solch ein Bild bereits gesehen hatte.
„Sie scheinen erstaunt, Captain. Halten Sie nichts von einem Jem’hadar als Führer eines Wi-derstandsschiffes?“
„Natürlich! Ich wusste doch, daß ich Ihre Art kenne. In den Geheimdienstberichten der Ster-nenflotte über das Dominion...“
Unsanft wurde Lennard von seinem Gesprächspartner unterbrochen: „Was soll diese Scha-rade? Sie sind doch nicht einer dieser Rassisten, oder? Ich sehe fast nur Humanoide auf Ihrer Brücke. Und unseren Unterlagen zufolge war die Aldebaran eines der ersten zwölf Galaxy-Schiffe, und verschwand vor über vierhundert Jahren in diesem Raumsektor. Wer sind Sie wirklich?“
„Wir wurden damals von klingonischen Renegaten sabotiert und gerieten in einen relativistischen Unterlichtflug, der uns in eine ferne Zukunft versetzte. Wir hatten gerade einen Swing-By-Zeitsprung mit der Sonne Alnilams gemacht, als wir mitten auf dem Schlachtfeld auf-tauchten. Das ist die Wahrheit.“ Er breitete die Arme aus. „Scannen Sie unser Schiff, dann werden Sie sehen, dass ich nicht lüge.“
K’path sah über die Schulter zu einem seiner Crewmitglieder, worauf dieser bestätigend nickte. „Ihr Schiff entspricht den gespeicherten Spezifikationen bis ins letzte Detail. Und es ist brandneu.“
„Naja, ein paar Jährchen hat es schon auf dem Buckel. Können Sie uns vielleicht berichten, was seit unserem Verschwinden geschehen ist? Diese Informationen sind äusserst wichtig für uns,“ bat Lennard sie mit drängender Stimme.
Lansam und bedächtig lehnte K’path sich zurück und meinte ironisch: „Sie haben recht, dann haben Sie wirklich etwas, auf das Sie sich freuen können. Gut, ich werde Ihnen Geschichtsunterricht über die letzten vierhundert Jahre geben. Ich sehe mir nur schnell die Sternzeit Ihres Verschwindens an... interessant, das passt ja alles.
Es fing kurz danach an, als es einen Putsch des Hohenrates von Qu’nos gab. Das lief praktisch alles über Nacht ab, die Grenzen wurden dichtgemacht und eine hermetische Nachrichtensperre verhängt; nichts kam mehr aus dem klingonischen Reich heraus oder hinein. So ähnlich wie Jahrzehnte zuvor bei den Romulanern. Die Föderation war genauso beunruhigt wie alle anderen Mächte des Alpha- und Beta-Quadranten, hielten sich aber zurück, da es ja eine innere klingonische Angelegenheit war. Zudem hatten sie auch genug andere Sorgen wie den erneuten Angriff der Borg, der wiederum nur knapp zurückgeschlagen werden konnte.
Nach beinahe zehn Jahren, in der keine einzige Information über das Imperium bekannt geworden war, begannen sie urplötzlich mit einem Angriff auf das Romulanische Reich. Alle waren sprachlos darüber, wie überlegen sie die Romulaner unterwarfen, alles hinwegfegten, was ihnen entgegengestellt wurde. In dieser Zeit erreichten uns die ersten Berichte über ex-trem hochentwickelte Technologie in klingonischer Hand.
Die Föderation wurde davon in Kenntnis gesetzt, dass sie annektiert worden sei und sich bedingungslos zu unterwerfen habe. Ihnen wurde zugesichert, dass sie sehr wohlwollend behandelt würden, da sie so lange Zeit hilfsbereite und loyale Verbündete gewesen waren. Nach den ersten Begegnungen mit den neuen Kriegsschiffen der Klingonen sahen sie recht schnell ein, dass offener Widerstand zwecklos war und ergaben sich. Die Cardassianer waren weniger einsichtig und verloren beinahe ihre samte Flotte. Es gab damals unzählige Opfer und heute sind cardassianische Kreuzer auch nirgends mehr anzutreffen, weil sie einfach zu selten sind und man nirgends Ersatzteile für sie bekommt.
Doch zurück zu den Ambitionen der Klingonen. Sie hatten also in wenigen Jahren den samten Alpha-Quadranten unterworfen und machten sich nun über das Wurmloch bei Bajor an die Besetzung des Gamma-Quadranten. Wer glaubte, dass das Domonion sie dabei aufhalten könnte, sah sich bald getäuscht. Der rätselhafte technologische Quantensprung machte die Klingonen allem haushoch überlegen, was die Galaxis zu bieten hatte. Die Jem’hadar wurden schon bei den ersten Begegnungen gnadenlos aufgerieben, da die Klingonen vom Alpha-Quadranten aus ihre Streitmacht in ihren Rücken hatte schicken können, so als ob sie ein künstliches Wurmloch erschaffen hatten, dank dem sie überall nach Belieben auftauchen konnten.
Das Einzige, was sie auf ihrem Siegeszug bremsen konnte, war die schiere Grösse der Galaxie. Weder Borg, noch Kazonen oder Werrn waren ernsthafte Gegner für sie. Es war einfach so, als seien sie von heute auf morgen tausende von Jahren weiter entwickelt gewesen. In nicht einmal hundert Jahren hatten sie die samte Galaxie bis in den letzten Winkel erobert und unterjocht.
Dadurch war ihr Reich allerdings viel zu gross geworden und zerbrach von innen heraus. Nun gewann der Widerstand neue Hoffnung und der beinahe unentwegte Kampf der Brigaden be-gann, der bis heute anhält.“
„Wer genau sind die Brigaden?“ wollte Leardini wissen.
„Habt ihr das noch immer nicht begriffen? Alle! Der Rest der Galaxis gegen die Klingonen, so heisst die Parole. Leider haben die sich auch ethisch ein wenig weiter entwickelt, sodass sie sich nicht mehr gegenseitig bekämpfen wie früher, sondern jeder sich mit seinem Bruchstrück des galaktischen klingonischen Reiches zufriedengibt und für sich versucht, es zu kontrollieren und von Elementen wie uns zu befreien. Das macht den Kampf gegen sie auch so schwer... und auf lange Sicht hin hoffnungslos.“ Der Jem’hadar liess den Kopf ein wenig hängen.
Lennards Gesicht wirkte entschlossener als je zuvor. „Diese Mistkerle haben es also wirklich geschafft; meine schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten. Hören Sie, K’path, ich glaube mit Bestimmtheit, das Ereignis zu kennen, das zu diesen Zuständen geführt hat und ich gebe Ihnen mein Wort darauf, dass wir in unsere Zeit zurückkehren werden und alles uns Mögliche daransetzen, um diesen Zeitablauf zu korrigieren. So darf es einfach nicht ausgehen.“
„Ihr Wort möge vom grossen Schöpfer erhört werden, Captain Lennard. Wir wünschen Ihnen alles Gute bei ihrem nächsten Sprung und viel Erfolg.“ Die Widerstandskämpfer brachen die Verbindung ab und entfernten sich rasch aus ihrer Nähe, offenbar weil ihnen bewusst ge-worden war, wie wichtig auch für sie die heile Rückkehr der Aldebaran in ihre eigene Ära war. Deshalb wollten sie es wohl vermeiden, zusätzliche Aufmerksameit auf sie zu ziehen, indem sie sich in ihrer Nähe aufhielten.
„Wir wissen nun die genaue Sternzeit. Berechnen Sie umgehend den dritten Sprung auf den Zeitpunkt unserer Sabotage durch Baor und machen Sie das Schiff klar zum Gefecht.“ Lennard sah seine Crew mit düsterem Blick an. „Der letzte Perihel-Flug wird unter rotem Alarm ausgeführt.“
[Fortsetzung folgt morgen...]
Lennard erwachte aus dem unheimlichen Begleitphänomen, das einem Tagtraum ähnelte und sah sich auf der Brücke um, während einer nach dem anderen ebenfalls wieder in die Realität zurückkehrte.
„Captain, ich orte eine Reihe von Raumschiffen der verschiedensten Bauarten und Größen nur etwa eine Millionen km entfernt. Ausserdem gewaltige Energieentladungen zwischen ihnen.“ Darrn runzelte die Stirn bei den Anzeigen seiner Konsole.
„Auf den Schirm, maximale Vergrösserung,“ verlangte Lennard, noch etwas benommen, aber deutlich angespannt.
Was sie dann sahen, ließ ihm den Atem stocken..
Das Bild wurde beherrscht von einem so unglaublich grossen Raumschiff, dass Lennard zu-nächst dachte, es sei eine Raumstation. Dann sah er die Manöver des Flugkörpers. Mit verblüffend hoher Wendigkeit drehte es sich um seine eigenen Achsen, um seine starr nach vor-ne ausgerichtete, doppelläufige Primärwaffe auf seine Gegner zu richten, welche um ihn herumschwirrten und vergeblich versuchten, seine Schutzschilde zu durchdringen. Sie sahen so klein und schwach aus, daß man den Eindruck gewann, sie hatten keine reele Chance gegen einen so übermächtigen Leviathan. Gerade begann er, zusätzlich aus diversen frei ausrichtbar-en Waffen ähnlich von Phaserbänken und Photonenkanonen auf die Flotte von Angreifern zu feuern. Einen solchen Treffer überstanden sie, auch wenn ihre Abwehr dadurch geschwächt wurde.
„Roter Alarm!“ rief Leardini und sprang bei der Szenerie auf dem Hauptschirm beinahe aus ihrem Sitz.
„Das grosse Schiff weist eine klingonische Bauart auf, wenn der Typ auch unbekannt ist.“ Vakuf scannte das Schlachtfeld ab, als das grosse Kriegsschiff eine Doppelsalve aus ihrer Frontwaffe abfeuerte. Sie spuckte zwei rötlich glimmende Feuerbälle aus, die in eines der etwa zehn würfelförmigen Schiffe einschlugen und es förmlich pulverisierten.
„Ich registriere elf kubische Schiffe, höchstwahrscheinlich Borg, sieben Schiffstypen, die der Technik nach Jem’hadar zu sein scheinen, und einen romulanischen Warbird, sehr alt und in schlechtem Zustand.“ Vakuf konnte offenbar kaum glauben, was sie ablas.
„Wir müssen noch immer ein ganzes Stück in der Zukunft sein,“ mutmasste Lennard. „Die Schlacht verlagert sich in unsere Richtung. Vakuf, wenden sie die Aldebaran und fliegen sie uns auf die abgewandte Sonnenseite.“
In dem Moment, in dem sie beidrehten, flog ein Jem’hadar-Schiff in wildem Zickzack-Kurs in ihrer Nähe vorbei, während ein Energiestrahl von dem Klingonen an ihm vorbeischoss. Sie behielten den Weltraumgiganten auf dem Schirm, während sie manövrierten, um sich abzu-setzen. Nun zerstörte er den Romulaner mit einem einzigen Schuss aus einem Kanonenturm, der eine Art Quantentorpedo abschoss. Noch bevor sie beschleunigen konnten, richtete das Geschütz sich auf die Aldebaran und schoss einen weiteren Torpedo ab.
Er konnte sie gar nicht verfehlen.
- 7 -
Allen stockte der Atem, als der funkelnde Energieball mit Überlichtgeschwindigkeit auf sie zusteuerte und auf den Heckschirm aufschlug. Lennard hielt sich krampfhaft in Erwartung des Aufschlages fest und registrierte verwundert, dass nichts geschah. Er sah gerade noch rechtzeitig hin, um das schwache Glimmen zu beobachten, mit dem der Torpedo explodierte und seine zerstörerische Energie freisetzte.
Die Schilde flackerten nicht einmal.
Mit einem Mal stoppte der Beschu, als die Kämpfenden bemerkt hatten, was geschehen war. Dann besann sich die Angreiferflotte und verstärkte ihren Beschuss auf den klingonischen Goliath, was dessen Schilde zwar stark aufflackern liess, jedoch immer noch keine Bedrohung darstellte.
Dann endlich beschleunigte die Aldebaran und liess mit voller Impulskraft das Schlachtfeld hinter sich. Vakuf flog an der Sonne vorbei und dann in einer weiten Schleife hinter sie.
„Was hat denn da so lange gedauert? Wollten Sie unsere neuen Schilde ausgiebiger testen, Conn?“ schnauzte Lennard mit einer für ihn untypisch aufbrausenden Art.
„Tut mir leid, Captain, ich hatte...“ Vakuf verstummte und starrte geradeaus.
„Schon gut, ist ja nochmal gutgegangen. Lassen Sie uns jetzt feststellen, wieviel Zeit wir noch zurücklegen müsen und dann den letzten Sprung ausführen. Hat irgendjemand eine Theorie, was dieses Spektakel da draussen zu bedeuten haben könnte?“
„Bevor wir nicht wissen, in welcher Epoche wir uns befinden, stelle ich lieber keine Mutmassungen an,“ meinte Stern konstatiert. „Was ich gesehen habe, war ein klingonisches Schlachtschiff, das von Borg und Jem’hadar gemeinsam attackiert worden ist. Es hat sich wohl einiges getan in politischer Hinsicht.“
Konnten wir irgendwelche Daten sameln, die uns weiterhelfen, Mrs. Wuran?“
„Nein, Captain. Das klingonische Schiff hat eine ungefähre Länge von zwanzig km, eine Spannweite von zwölf km und verfügt über schwerste Bewaffnung unbekannten Typs. Sie können mit einem Schuss dieses Zwillingsgeschützes an ihrem Bug einen Borg-Kubus völlig zerstören. Unser Schild hat zumindest den Beschuss der Photonenwaffe, mit der sie den Warbird zerstört haben, schadlos überstanden.“ Wuran widmete ihre Aufmerksameit wieder ihrer Konsole.
„Unser Schild scheint demnach nicht nur gegen Hitze, sondern gegen sämtliche äusseren Ein-flüsse in einem uns unvorstellbaren Masse unempfindlich zu sein. Können Sie sich erklären, woran das liegen könnte?“
„Da muß ich passen, Sir. Ich weiss ja nicht einmal, was genau ich mit der Schildkonfiguration getan habe. Nidor und ich haben für die Umrüstung der Hardware nicht einmal vier Stunden benötigt, alles nach Anweisung des Ewigen. Er hat uns ein tolles Geschenk mit auf den Weg gegeben, würde ich sagen.“
„Eines, ohne das wir eben vaporisiert worden wären, würde ich sagen. Wie sieht es mit der Zeitbestimmung aus?“
Wuran entgegnete etwas unsicher: „Ersten Messungen zufolge befinden wir uns etwa vier-hundert Jahre in der Zukunft. Es sind noch ungefähr zehn Minuten der Datenaufnahme erforderlich, bis wir die Sternzeit auf eine Stelle nach dem Komma genau bestimmen können. Ich schlage vor, daß wir die Wartezeit mit einer weiteren Ebene-Eins-Diagnose nutzen.“
„Das hätte ich als nächstes angeordnet. Gut, machen Sie es so. Mr. Darrn, was spielt sich in unserer Umgebung ab?“
„Keine Aktivität zu verzeichnen, Captain. Wir wären wahrscheinlich ohnehin zu nahe an Alnilam, als dass uns ein gewöhnliches Schiff erreichen könnte. Moment, da... da ruft uns jem-and. Es ist einer der Angreifer; er kommt um die Sonne herum. Die Signale sind durch die Strahlung noch stark gestört, es ist nur eine akustische Verbindung möglich.“ Er legte den Ruf auf die Lautsprecher.
Verzerrt kam eine humanoide Stimme aus der Sprechanlage: „...rufen das unbekannte Schiff nach Föderationsbauart. Bitte melden Sie sich, wir haben ihren Kurs in dieses Gebiet verfolgt und glauben, Sie können uns einige interessante Auskünfte geben.“
Lennard machte ein Zeichen, den Kanal zu schliessen und sah danach Leardini an. „Vorschläge, Commander?“
„Wir sollten erst einmal sehen, um wen es sich handelt, bevor wir unsere Position preisgeben. Vielleicht wollen Sie Nutzen aus der Technik unseres metaphasischen Schildes ziehen.“
„Ein guter Einwand. Wir dürfen uns nicht in die Geschehnisse dieser Epoche einmischen, auch wenn es hier augenscheinlich drunter und drüber geht. Haben wir einen Sichtkontakt?“
„Positiv. Gehe auf maximale Vergrösserung.“ Der Schirm zeigte einen Moment lang nur die Schwärze des Alls - wegen der Nähe zu Alnilam hatten die starken Lichtfilter sämtliche Ster-ne ausgeblendet - und dann in der Mitte den hellgrauen Rumpf in einer für die Föderation typ-ischen Bauweise, jedoch keinen ihnen bekannten Schiffsypen. Der schlanke vordere Teil, der der Untertassensektion der Aldebaran entsprechen würde, sah zumindest äusserlich aus wie der einer für sie neuen Inteprid-Klasse, war aber wie der Rest des Schiffes uralt und völlig sammengeflickt, wie es provisorischer nicht mehr sein konnte. Die Warppylonen waren viel zu groß für ein Schiff dieser Größe und sahen aus wie die einer neuen Schiffsklasse, dessen Prototyp zu ihrer Zeit gerade im Bau gewesen war.
Lennard zögerte nicht mehr lange. „Öffnen Sie eine Grussfrequenz. Hier spricht der Captain des Föderationsschiffes Aldebaran, Lennard. Mit wem haben wir die Ehre?“
Die müde Antwort erstaunte alle: „Föderationsschiff? Sie haben eine same Art von Humor. Ich bin Captain K’path von der Avenger, dritte Brigade Alpha-Quadrant.“
„Avenger? Es war doch früher nicht die Art der Föderation, ihre Schiffe so zu taufen. Wie...?“
„Was ist mit euch los? Die Föderies auf meinem Kahn haben auf einem humanoiden Namen bestanden, weil ihrer Argumentation nach die Technik von Raumfriedhöfen der Sternenflotte stammt. Ah, ich höre, die Verbindung läßt jetzt visuellen Kontakt zu. Moment...“
Das Bild des sammengeschusterten Raumschiffes flackerte und wich der Ansicht einer Brücke. Lennard fiel auf, daß die Mannschaft aus einer abenteuerlichen Mischung von Romu-lanern, Cardassianern, Föderationsmitgliedern und zahlreicher ihm gänzlich unbekannter Wesen bestand. Der Humanoide auf dem Kapitänssessel war ihm von der Rasse her entfernt vertraut. Lennard versuchte sich zu erinnern, wo er solch ein Bild bereits gesehen hatte.
„Sie scheinen erstaunt, Captain. Halten Sie nichts von einem Jem’hadar als Führer eines Wi-derstandsschiffes?“
„Natürlich! Ich wusste doch, daß ich Ihre Art kenne. In den Geheimdienstberichten der Ster-nenflotte über das Dominion...“
Unsanft wurde Lennard von seinem Gesprächspartner unterbrochen: „Was soll diese Scha-rade? Sie sind doch nicht einer dieser Rassisten, oder? Ich sehe fast nur Humanoide auf Ihrer Brücke. Und unseren Unterlagen zufolge war die Aldebaran eines der ersten zwölf Galaxy-Schiffe, und verschwand vor über vierhundert Jahren in diesem Raumsektor. Wer sind Sie wirklich?“
„Wir wurden damals von klingonischen Renegaten sabotiert und gerieten in einen relativistischen Unterlichtflug, der uns in eine ferne Zukunft versetzte. Wir hatten gerade einen Swing-By-Zeitsprung mit der Sonne Alnilams gemacht, als wir mitten auf dem Schlachtfeld auf-tauchten. Das ist die Wahrheit.“ Er breitete die Arme aus. „Scannen Sie unser Schiff, dann werden Sie sehen, dass ich nicht lüge.“
K’path sah über die Schulter zu einem seiner Crewmitglieder, worauf dieser bestätigend nickte. „Ihr Schiff entspricht den gespeicherten Spezifikationen bis ins letzte Detail. Und es ist brandneu.“
„Naja, ein paar Jährchen hat es schon auf dem Buckel. Können Sie uns vielleicht berichten, was seit unserem Verschwinden geschehen ist? Diese Informationen sind äusserst wichtig für uns,“ bat Lennard sie mit drängender Stimme.
Lansam und bedächtig lehnte K’path sich zurück und meinte ironisch: „Sie haben recht, dann haben Sie wirklich etwas, auf das Sie sich freuen können. Gut, ich werde Ihnen Geschichtsunterricht über die letzten vierhundert Jahre geben. Ich sehe mir nur schnell die Sternzeit Ihres Verschwindens an... interessant, das passt ja alles.
Es fing kurz danach an, als es einen Putsch des Hohenrates von Qu’nos gab. Das lief praktisch alles über Nacht ab, die Grenzen wurden dichtgemacht und eine hermetische Nachrichtensperre verhängt; nichts kam mehr aus dem klingonischen Reich heraus oder hinein. So ähnlich wie Jahrzehnte zuvor bei den Romulanern. Die Föderation war genauso beunruhigt wie alle anderen Mächte des Alpha- und Beta-Quadranten, hielten sich aber zurück, da es ja eine innere klingonische Angelegenheit war. Zudem hatten sie auch genug andere Sorgen wie den erneuten Angriff der Borg, der wiederum nur knapp zurückgeschlagen werden konnte.
Nach beinahe zehn Jahren, in der keine einzige Information über das Imperium bekannt geworden war, begannen sie urplötzlich mit einem Angriff auf das Romulanische Reich. Alle waren sprachlos darüber, wie überlegen sie die Romulaner unterwarfen, alles hinwegfegten, was ihnen entgegengestellt wurde. In dieser Zeit erreichten uns die ersten Berichte über ex-trem hochentwickelte Technologie in klingonischer Hand.
Die Föderation wurde davon in Kenntnis gesetzt, dass sie annektiert worden sei und sich bedingungslos zu unterwerfen habe. Ihnen wurde zugesichert, dass sie sehr wohlwollend behandelt würden, da sie so lange Zeit hilfsbereite und loyale Verbündete gewesen waren. Nach den ersten Begegnungen mit den neuen Kriegsschiffen der Klingonen sahen sie recht schnell ein, dass offener Widerstand zwecklos war und ergaben sich. Die Cardassianer waren weniger einsichtig und verloren beinahe ihre samte Flotte. Es gab damals unzählige Opfer und heute sind cardassianische Kreuzer auch nirgends mehr anzutreffen, weil sie einfach zu selten sind und man nirgends Ersatzteile für sie bekommt.
Doch zurück zu den Ambitionen der Klingonen. Sie hatten also in wenigen Jahren den samten Alpha-Quadranten unterworfen und machten sich nun über das Wurmloch bei Bajor an die Besetzung des Gamma-Quadranten. Wer glaubte, dass das Domonion sie dabei aufhalten könnte, sah sich bald getäuscht. Der rätselhafte technologische Quantensprung machte die Klingonen allem haushoch überlegen, was die Galaxis zu bieten hatte. Die Jem’hadar wurden schon bei den ersten Begegnungen gnadenlos aufgerieben, da die Klingonen vom Alpha-Quadranten aus ihre Streitmacht in ihren Rücken hatte schicken können, so als ob sie ein künstliches Wurmloch erschaffen hatten, dank dem sie überall nach Belieben auftauchen konnten.
Das Einzige, was sie auf ihrem Siegeszug bremsen konnte, war die schiere Grösse der Galaxie. Weder Borg, noch Kazonen oder Werrn waren ernsthafte Gegner für sie. Es war einfach so, als seien sie von heute auf morgen tausende von Jahren weiter entwickelt gewesen. In nicht einmal hundert Jahren hatten sie die samte Galaxie bis in den letzten Winkel erobert und unterjocht.
Dadurch war ihr Reich allerdings viel zu gross geworden und zerbrach von innen heraus. Nun gewann der Widerstand neue Hoffnung und der beinahe unentwegte Kampf der Brigaden be-gann, der bis heute anhält.“
„Wer genau sind die Brigaden?“ wollte Leardini wissen.
„Habt ihr das noch immer nicht begriffen? Alle! Der Rest der Galaxis gegen die Klingonen, so heisst die Parole. Leider haben die sich auch ethisch ein wenig weiter entwickelt, sodass sie sich nicht mehr gegenseitig bekämpfen wie früher, sondern jeder sich mit seinem Bruchstrück des galaktischen klingonischen Reiches zufriedengibt und für sich versucht, es zu kontrollieren und von Elementen wie uns zu befreien. Das macht den Kampf gegen sie auch so schwer... und auf lange Sicht hin hoffnungslos.“ Der Jem’hadar liess den Kopf ein wenig hängen.
Lennards Gesicht wirkte entschlossener als je zuvor. „Diese Mistkerle haben es also wirklich geschafft; meine schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten. Hören Sie, K’path, ich glaube mit Bestimmtheit, das Ereignis zu kennen, das zu diesen Zuständen geführt hat und ich gebe Ihnen mein Wort darauf, dass wir in unsere Zeit zurückkehren werden und alles uns Mögliche daransetzen, um diesen Zeitablauf zu korrigieren. So darf es einfach nicht ausgehen.“
„Ihr Wort möge vom grossen Schöpfer erhört werden, Captain Lennard. Wir wünschen Ihnen alles Gute bei ihrem nächsten Sprung und viel Erfolg.“ Die Widerstandskämpfer brachen die Verbindung ab und entfernten sich rasch aus ihrer Nähe, offenbar weil ihnen bewusst ge-worden war, wie wichtig auch für sie die heile Rückkehr der Aldebaran in ihre eigene Ära war. Deshalb wollten sie es wohl vermeiden, zusätzliche Aufmerksameit auf sie zu ziehen, indem sie sich in ihrer Nähe aufhielten.
„Wir wissen nun die genaue Sternzeit. Berechnen Sie umgehend den dritten Sprung auf den Zeitpunkt unserer Sabotage durch Baor und machen Sie das Schiff klar zum Gefecht.“ Lennard sah seine Crew mit düsterem Blick an. „Der letzte Perihel-Flug wird unter rotem Alarm ausgeführt.“
[Fortsetzung folgt morgen...]
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Donnerstag, 9. November 2006
ST1.19 : Der Zeitsprung
cymep, 01:25h
[... Fortsetzung von gestern]
„Wir können davon ausgehen, dass die Angaben des Ewigen korrekt sind,“ resümierte Leardini bei der Einsatzbesprechung, an der Captain Lennard - wenn auch nur als Berater - bereits wieder teilnahm.
Wuran sann über ihre Möglichkeiten nach: „Es wird sehr schwierig werden, eine solche Zeitspanne mit einem Perihelflug zu überbrücken. Ich schätze, dass das mit einem Sprung nicht durchführbar sein wird. Wir müssen eine Sonne mit hoher Gravitation finden, mit deren Hilfe wir uns Stück für Stück durch die Zeit hindurch in die Vergangenheit vorarbeiten können. Allerdings wird das sie temporale Ermittlung nicht gerade freuen, wenn sie davon erfahren. Bisher hat es immer nur Zeitsprünge in die Vergangenheit und wieder zurück in die Gegenwart gegeben. Durch unseren relativistischen Flug sind wir in einer neuen Situation.“
*****
„Was ist mit Alnilam? Wenn wir ihr Schwerefeld benutzen würden, müssten doch ein paar wenige Sprünge genügen,“ wandte Lennard ein.
„Das ist richtig, Captain, wir können jedoch nicht nahe genug an die Sonne selbst heranfliegen, weil unsere Schilde das nicht verkraften würden. Wir könnten versuchen, sie zu verstärken, aber viel mehr können wir nicht herausholen,“ gab Vakuf zu bedenken.
„Je mehr Sprünge wir machen, desto ungenauer wird das Ausmass der jeweilig zurückgelegten Zeitspanne. Davon abgesehen stellt jeder Perihelflug eine ungeheure Belastung für die Schilde, den Antrieb und auch die Strukturintegrität des Raumrahmens dar. Ich möchte keine Voraussage darüber anstellen, wie viele Sprünge die Aldebaran verkraftet.“ Der Pessimismus in Wurans Stimme war unverkennbar.
„Das grösste Problem sind also die Schilde,“ zog Lennard Bilanz, „wenn sie halten würden, könnten wir es mit... sagen wir, drei Sprüngen schaffen. Doch so müssen wir uns eine Sonne mit geringerem Energieausstoss suchen, bei der wir die Perihele überstehen können. Es ist zum Verrücktwerden!“
' Darf ich euch unterbrechen? ’
„Bist du das, Ewiger?“ Leardini blieb ganz gefasst; irgendwie hatte sie fast damit gerechnet, dass das wissensdurstige Wesen auf dem Mond unter ihnen ihre Besprechung mitanhören würde, auch wenn ihr nicht völlig klar war, wie er das geschafft hatte, sich derart in die technischen Einrichtungen des Schiffes einzuklinken.
' Bitte verzeiht meine Missachtung eurer Sitten, aber ich denke, ich habe in meinen Aufzeichnungen etwas gefunden, was euch weiterhelfen kann. ’
„Nun, das hört sich gut an. Bist du dir aber auch sicher, dass dein Vorschlag auch im Bereich des technisch Möglichen liegt?“ wollte Nidor, die vulcanische Chefingenieurin neugierig wis-sen.
' Wenn ich euch alles, was möglich wäre, vorschlagen würde, könnte ich euch zweihundertundelf Lösungen präsentieren, von denen ihr jedoch keine einzige ausführen könntet. Nein, ich habe etwas in euren eigenen Aufzeichnungen gefunden, das von einem Doktor Reyga von Ferengal entwickelt wurde. Es nennt sich ‘metaphasischer Schild’ und befähigt euer Raum-schiff, in die Korona einer Sonne zu fliegen, ohne Schaden zu nehmen. Ein Raumschiff von derselben Bauart wie eures hat das bereits geschafft. Ich habe mir die Pläne dieser Konstruktion angesehen und einige Fehler gefunden, deren Behebung eine Steigerung der Effizienz um das Einhundertundneunfache gegenüber der Originalkonstruktion bewirken sollte. ’
„Das wäre phantastisch!“ Wuran sprang beinahe aus ihrem Sitz, fing sich jedoch gleich wieder. „Ich... ich meine, das wäre die Lösung unserer Probleme.“
„Du erstaunst uns immer wieder, Ewiger. Wir stehen tief in deiner Schuld, wenn das funktionieren wird. Wie können wir uns dafür nur revanchieren?“ fragte Lennard.
' Ihr dürft die von mir erhaltenen Gaben nur für friedliche Zwecke einsetzen. Und da mich nach euch nie mehr ein Schiff eurer Föderation der Vereinigten Planeten besucht hat, dürft ihr das natürlich auch nicht, um die Zeitlinie nicht zu stören. ’
„Ich verspreche dir, alles in meiner Macht stehende zu tun, um das einzuhalten.“
' Dann habt ihr jetzt eine Menge Arbeit vor euch, um euer Gefährt auf die Rückreise vorzu-bereiten. ’ -
Sie benötigten tatsächlich fast zwei Tage für die Schildmodifikationen, während Vakuf und Wuran parallel dazu ihre Sprungstrategie ausarbeiteten.
Als es nach Bordzeit Abend war, trafen sich Lennard und Leardini vor dem Holodeck zwei. Lennard hatte es ziemlich eilig, hineinzugelangen. „Programm Lennard zwei, Code eins neun eins zwei, Sommerabend. Schnell!“
„Warum diese Eile, Captain? Wir haben jede Menge Zeit.“ Leardini musste sich beherrschen, um nicht laut loszulachen.
„Stellen Sie sich nicht dumm, Stefania. Schließlich war das Ihre Idee,“ entgegnete Lennard ein wenig missmutig und sah hinab zu Ghor, der freudig erregt seine Pranke in seiner Hand hielt und in den Knien auf- und abwippte.
*****
„Programm gestartet. Möchten Sie eintreten?“ wollte die Computerstimme wissen.
„Natürlich!“ rief er drängend. „Diese Frage müssen wir aus dem Protokoll nehmen, Nummer Eins. Wieso sollte man ein Programm aufrufen, wenn man anschliessend nicht hineingehen wollte?“
Er schritt in forschem Tempo auf das Holodeck, sobald die grossen Tore sich geöffnet hatten. Stefania folgte ihm schmunzelnd auf den idyllischen Sandstrand, worauf sich der Eingang gleich hinter ihr wieder verschloß und die Illusion, am malerischen Nordende von Neuseeland zu sein, perfekt machte.
Ghor quiekte vor Freude, als er in die Brandung des Strandes hineinlief und sich vergnügt im Wasser aalte. Stefania prustete vor Vergnügen, als sie zusah, wie er seinen Schwanz wie eine Flosse hin- und herbewegte und sich damit durch die schwachen Wellen vorantrieb. Sie legte einen Arm um Lennards Hüfte und drückte sich leicht an seine Seite. „Ich kann nicht glauben, dass ich anfangs sogar ein wenig Angst vor ihm hatte. Er ist so süss.“
Er sah hinab und legte sein Kinn versonnen auf ihr Haar. „Es war ein hartes Stück Arbeit, ihn wenigstens halbwegs ohne Aufsehen aus meinem Quartier über die Brücke bis in den Turbolift zu schaffen.“
„So schlimm kann das doch...“
Er unterbrach sie mit gespielter Empörung: „Hast du eine Ahnung! Wahrscheinlich liegt Wuran jetzt noch auf dem Boden und hält sich den Bauch vor Lachen.“
„Übertreib’ nicht.“ Sie sah ihn mit funkelnden Augen an. „Wie geht es dir eigentlich? Bist du wieder völlig gesund und körperlich belastbar?“
„Ich glaube, ich weiss, worauf du hinaus willst. Nun, dann wollen wir ‘mal sehen...“
Ghor plantschte vergnügt im seichten Wasser, als er plötzlich selt Same Geräusche vom Strand wahrnahm. Er sah hinüber und wunderte sich über das ungewöhnliche Verhalten seines Herrchens. Bald jedoch liess sein Interesse wieder nach, worauf er sich wieder dem Spass im Wasser widmete. Schliesslich Kam er nicht oft dazu.
*****
Sie waren so bereit, wie sie nur sein konnten. Lennard öffnete einen Kanal und funkte den Ewigen an: „Wir möchten dir nochmals für alles danken, was du für uns getan hast.“
„Und für das Vertrauen, das du uns entgegengebracht hast,“ fügte Leardini hinzu. „Wir würden uns nicht mehr wohlfühlen, wenn wir dich nicht an der Stelle als Hüter des ge Samten Wissensschatzes der Galaxis wissen würden.“
' Deine Worte sind ehrlich, das hat mir dein Verhalten bei eurem Besuch gezeigt. Auch wenn ihr aus einer üblen Epoche stammt, habt ihr auch viele gute Werte vorzuweisen. Dieses Wissen, welches ich euch vermittelt habe, wird für euch einen gewaltigen Schritt nach vorne bedeuten. Nutzt diese Gabe im besten Sinne für eine bessere, friedliche Zukunft. ’
„Das werden wir. Und wir werden alles daransetzen, dass diese Techniken nicht missbraucht werden. Darauf gebe ich dir mein Wort.“ Lennard klang sehr entschlossen.
Leardini sah zu Kall hinüber, sobald die Verbindung beendet war und die Aldebaran die Startposition für ihren ersten Sprung ansteuerte, der etwa auf halber Strecke zwischen den Umlaufbahnen von Alnilam V und VI lag. „Es hat sich so angehört, als hätte er etwas Bestimmtes im Sinn. Wissen Sie vielleicht mehr als ich, Sam?“
„Ich schätze schon. Er plant wahrscheinlich, den dritten Sprung so abzustimmen, daß er die Klingonen-Renegaten bei ihrer Flucht erwischt.“
„Glauben Sie das wirklich? Ich würde ihn nicht für so wagemutig einschätzen, ein derart riskantes Manöver zu versuchen.“
„Dann kennen Sie ihn aber wirklich schlecht. Hat er Ihnen nie von der Sache während der romulanischen Grenzstreitigkeiten erzählt? Ich war damals Fähnrich auf der Diligence, einem Schiff der Ambassador-Klasse, als er frisch zum Ersten Offizier befördert worden war. Wir wurden mit desaktivierten Schirmen ziemlich tief im Föderationsraum von zwei getarnten Warbirds erwischt, als wir uns eigentlich in Sicherheit gewähnt hatten. Bei ihrem ersten Angriff verloren wir den Captain sowie zwei Phaserbänke.“ Kall sah auf, um sich zu vergewissern, dass Lennard sie nicht hören konnte.
„Davon wusste ich nichts“, räumte Leardini ein, „er redet nicht gerne über diese Zeit. Was geschah dann?“
„Er hat ohne Zögern das Kommando übernommen und die Warbirds ausmanövriert. Nach zehn Minuten war der eine zerstört und der andere derart zerschossen, dass er über die Grenze floh. Er hat ihm noch eine volle Breitseite Photonentorpedos hinterhergejagt, nach der seine Schilde zu Sammenbrachen. Wir hätten ihn verfolgen und ausschalten können. Verstehen Sie? Zwei Warbirds mit einer Ambassador!“
„Unglaublich!“ hauchte die Erste Offizierin beeindruckt. „Und die Diligence?“
Kall zuckte die Schultern. „Er hatte den Finger schon über dem Evakuierungsalarm, bevor der zweite Romulaner aufgab.“
„Ihr hattet wohl Glück... und einen hervorragenden Navigator.“
„Der Navigator ist auch beim ersten Angriff ums Leben gekommen,“ bemerkte Kall.
„Und wer...?“ Leardini stutzte und sah die Counselor mit grossen Augen an. „Sie wollen mir doch nicht erzählen... nein, das kann nicht sein!“
Bescheiden meinte Kall: „Ich war damals schon recht gut, müssen Sie wissen.“
„Und mir gegenüber hat er so getan, als wüsste er nichts von Ihren Flugkünsten.“ Leardinis Augenbrauen zogen sich zu Sammen. „Wieso hat er mir das verheimlicht?’“
Ihr Gegenüber lachte leise: „Sie sind auf dem falschen Pfad, Stefania. Ist das so schwer? Er befürchtete, Sie könnten eifersüchtig werden, wenn sie merken würden, dass er über solche Dinge mich betreffend Bescheid weiß. Ist das kein gutes Zeichen für Sie?“
„Es heisst nicht ‘auf dem falschen Pfad’, sondern ‘auf dem Holzweg’,“ erwiderte Leardini, konnte ihr aufkommendes Lächeln dabei jedoch nicht unterdrücken.
„Wir sind auf Position, Captain“, gab Vakuf bekannt, als sie den vorausberechneten Platz im Raum erreicht hatten, von dem aus sie sich auf einer exakt definierten Bahn dicht an die Sonne dieses Systems heranstürzen mussten, um die Ausbrechschwelle des Raum-Zeit-Kontinuums zu durchbrechen. Ohne das unglaublich starke Schwerefeld von Alnilam wäre eine solch weitreichende Zeitreise nie möglich gewesen. Sol selbst war ‘höchstens für einige Jahrhunderte gut’, wie Kazuki sich bei der vorhergehenden Einsatzbesprechung lapidar ausgedrückt hatte.
„Alarm gelb geben und nach eigenem Ermessen starten, Conn“ befahl Lennard und setzte sich angespannt zurecht. Er starrte auf den Schirm vor ihnen, dessen Mitte von der hell strahlenden Alnilam erhellt wurde. Sie waren momentan fast sechzig Milliarden Kilometer entfernt, doch es hatte den Anschein, als würden sie genau Kurs auf das Gestirn nehmen. Wenn etwas schiefging...
Er stellte sich vor, was geschehen würde, wenn sie in die Sonne hineinfliegen würden. Insgeheim fragte er sich, ob ihre optimierten metaphasischen Schilde sogar diese Extrembelastung überstehen würden. Rein hypothetisch war das eine hochinteressante Frage; die Hitze sollte ihnen rein gar nichts anhaben können, denn wenn sie die Korona des Sternes durchfliegen konnten, würde die Oberfläche an sich erst recht kein Problem darstellen, da diese sehr viel kühler war als die Korona. Aber die Tatsache, dass das Schiff sich in den Stern hineinbohren könnte, ohne augenblicklich zerrissen zu werden...
Etwas erstaunt ertappte er sich bei dem Gedanken, dass sie das tatsächlich überstehen konnten, wenn sie nicht zu tief eindringen würden, da ihre Schilde nun besser waren als alles, was sie sich auf diesem Gebiet auch nur hatten erträumen können. Dagegen sprach, dass sie durch den Swing-By-Effekt mit nahezu Warp zehn auftreffen würden. Wenn die Schilde das nicht aushielten, würden sie nie erfahren, was geschehen wäre. Was würde mit der Sonne selbst passieren?
Im Inneren dieses Super Sternes herrschten Bedingungen, die sie nicht einmal erahnen konnten. Wahrscheinlich würde es Alnilam einen Dreck scheren, dass sie gerade einen Flugkörper mit fast eintausend Mann Besatzung in ihre Quarcks zerblasen hatte, sie würde das Loch, welches die Aldebaran in sie hineingestanzt hatte, seelenruhig wieder verschliessen und alles wäre in bester Ordnung.
Würden sie jedoch durchkommen... Wie würde das wohl aussehen: ein Stern, der von einem Raumschiff durchschossen würde? Bei dieser Geschwindigkeit hätten sie die knapp dreiundvierzig Millionen Kilometer Durchmesser des blauen Überriesen in nahezu Planckzeit zurückgelegt und wären auf der entgegengesetzten Seite wieder ausgetreten. Konnte das den Stern zum Kollabieren bringen? Diese Schockwelle würde alles im Umkreis von Dutzenden Sektoren wegfegen.
Wahrlich ein Spiel mit dem Feuer.
„Wir gehen auf Warp. Maximale Beschleunigung,“ teilte die vulcanische Navigatorin ihnen scheinbar teilnahslos mit. Lennard beobachtete die Sterne, die durch die Warpverzerrung zu Streifen wurden und aus ihrem Sichtfeld heraus an ihnen vorbeischossen. Gleichzeitig stürzte der Feuerball vor ihnen mit atemberaubendem Tempo auf sie zu.
Vakufs Stimme zählte emotionslos auf: „Warp fünf... sechs... sieben... acht... sind auf Kurs.“
Das Licht der Sonne veränderte sich und durchlief in einem prächtigen Schauspiel alle Regenbogenfarben in einem fliessenden Übergang. Im nächsten Moment waren sie am Swing-By-Punkt angelangt und wurden vom Schwerefeld des Sternes in einem engen Bogen um ihn herumgerissen. Sie schossen mitten in die Korona hinein, ohne dass die Temperatur merklich zunahm; die verstärkten Schilde hielten also.
„Warp neun Komma sieben... neun Komma acht... Ausbrechgeschwindigkeit.“ Nun klang Vakufs Stimme doch ein wenig gepresst, als müsse sie die Worte angestrengt hervorbringen. An die folgenden Momente erinnerte Lennard sich nicht mehr; sein Bewusstsein durchlief ein Kaleidoskop an persönlichen Erinnerungen und Phantasien. Es war fast so wie der vielbesagte Augenblick, in dem man dem Tod ins Auge blickt und der ge Samte Lebensfilm rückwärts durch das Innere Auge abläuft, mit einer irrsinnigen Geschwindigkeit.
Urplötzlich befand er sich wieder in seinem Sessel auf der Brücke und krallte sich in die Armlehnen. Er vernahm, dass Kall beim Sprung zu schreien begonnen hatte, ihr aber erst jetzt bewusst wurde, daß er beendet war, sodass ihre Stimme allmählich wieder erstarb. Stern, der im Hintergrund der Brücke gestanden hatte, lag auf dem Rücken und starrte zur Decke empor. Leicht benommen stammelte er: „Wow, was für ein Trip. Das ist ja krasser als im ersten Semester der Sternenflotten-Akademie!“
Der Captain warf ihm einen ungnädigen Blick zu und betrachtete dann Stefania, die in ihrem Sitz zu Sammengekauert war. Matt sagte sie: „Müssen wir das wirklich nochmal durchstehen?“
„Noch zweimal, um genau zu sein, Commander,“ wurde sie sogleich von Vakuf belehrt, war jedoch noch zu benmmen, um eine bissige Erwiderung anzubringen.
„Brücke an Maschinenraum: Statusbericht.“
„Wir haben den Sprung unbeschadet überstanden, Captain,“ Kam die Antwort von Nidor, der vulcanischen Chefingenieurin über Interkom.
„Ebene-Eins-Diagnose durchführen und gleich das Ergebnis rapportieren.“ Lennard beendete die Verbindung und fuhr dann fort: „Hier spricht der Captain für alle Decks. Bitte umgehend Schadensmeldungen an die Brücke. Ende.“
„Captain, ich habe eine erste Hochrechnung über das Ausmass des Zeitsprunges angestellt. Demnach haben wir etwa zweihundertundvierzig Millionen Jahre überbrückt. Mit dem nächsten Perihelflug können wir uns bis auf einige hundert Jahre an unser Datum herantasten.“ Wuran drehte sich gleich wieder um und fuhr mit ihren Berechnungen fort, die sie auf die Konsole von Vakuf übertrug. Die Navigatorin leistete dann ihren theoretischen Teil an der schwierigen Aufgabe.
Der Captain gönnte ihnen wenig Ruhe. Sobald alle Decks ihre Meldungen abgegeben hatten, wartete er nur noch auf den Abschluss der Diagnose ihrer Bordsysteme. Kurz nachdem grünes Licht gegeben worden war, liess er den zweiten Startpunkt anfliegen.
„Das wird jetzt noch einmal etwas holpern“, scherzte Stern recht zaghaft, woran zu erkennen war, dass ihm ebenso mulmig zumute war wie den anderen Mitgliedern der Brückencrew.
„Wir sind bereit für den nächsten Sprung. Schilde sind aufgebaut.“ Mit ernster Miene sah Vakuf hinüber zum Captain.
„Alarm Gelb. Beschleunigen nach eigenem Ermessen, Lieutenant Commander.“ In Erwartung dessen, was jetzt kommen würde, drückte Lennard sich in seinen Sitz.
Und wieder stürzten sie sich hinab auf das grellweisse Gestirn, dessen gigantisches Schwerefeld ihnen die Rückreise in ihre Epoche erst ermöglichte. Die Bahn führte nun nicht mehr ganz so nah an der Sonne vorbei, da sie dieses Mal weitaus weniger Zeit ‘überspringen’ muss-ten. Dennoch war die Belastung für Schiff und Besatzung enorm, als sie mit beinahe Warp Zehn auf Alnilam zuschossen und auf dem Hauptschirm beobachten konnten, wie das Licht der Sonne sich innerhalb des Farbspektrums verschob, als sie die Ausbruchsschwelle erreichten und aus dem bekannten Universum herausgerissen wurden.
[nur kurzzeitig herausgerissen, aber nach einem kurzen Zeitsprung gehts weiter ...]
„Wir können davon ausgehen, dass die Angaben des Ewigen korrekt sind,“ resümierte Leardini bei der Einsatzbesprechung, an der Captain Lennard - wenn auch nur als Berater - bereits wieder teilnahm.
Wuran sann über ihre Möglichkeiten nach: „Es wird sehr schwierig werden, eine solche Zeitspanne mit einem Perihelflug zu überbrücken. Ich schätze, dass das mit einem Sprung nicht durchführbar sein wird. Wir müssen eine Sonne mit hoher Gravitation finden, mit deren Hilfe wir uns Stück für Stück durch die Zeit hindurch in die Vergangenheit vorarbeiten können. Allerdings wird das sie temporale Ermittlung nicht gerade freuen, wenn sie davon erfahren. Bisher hat es immer nur Zeitsprünge in die Vergangenheit und wieder zurück in die Gegenwart gegeben. Durch unseren relativistischen Flug sind wir in einer neuen Situation.“
*****
„Was ist mit Alnilam? Wenn wir ihr Schwerefeld benutzen würden, müssten doch ein paar wenige Sprünge genügen,“ wandte Lennard ein.
„Das ist richtig, Captain, wir können jedoch nicht nahe genug an die Sonne selbst heranfliegen, weil unsere Schilde das nicht verkraften würden. Wir könnten versuchen, sie zu verstärken, aber viel mehr können wir nicht herausholen,“ gab Vakuf zu bedenken.
„Je mehr Sprünge wir machen, desto ungenauer wird das Ausmass der jeweilig zurückgelegten Zeitspanne. Davon abgesehen stellt jeder Perihelflug eine ungeheure Belastung für die Schilde, den Antrieb und auch die Strukturintegrität des Raumrahmens dar. Ich möchte keine Voraussage darüber anstellen, wie viele Sprünge die Aldebaran verkraftet.“ Der Pessimismus in Wurans Stimme war unverkennbar.
„Das grösste Problem sind also die Schilde,“ zog Lennard Bilanz, „wenn sie halten würden, könnten wir es mit... sagen wir, drei Sprüngen schaffen. Doch so müssen wir uns eine Sonne mit geringerem Energieausstoss suchen, bei der wir die Perihele überstehen können. Es ist zum Verrücktwerden!“
' Darf ich euch unterbrechen? ’
„Bist du das, Ewiger?“ Leardini blieb ganz gefasst; irgendwie hatte sie fast damit gerechnet, dass das wissensdurstige Wesen auf dem Mond unter ihnen ihre Besprechung mitanhören würde, auch wenn ihr nicht völlig klar war, wie er das geschafft hatte, sich derart in die technischen Einrichtungen des Schiffes einzuklinken.
' Bitte verzeiht meine Missachtung eurer Sitten, aber ich denke, ich habe in meinen Aufzeichnungen etwas gefunden, was euch weiterhelfen kann. ’
„Nun, das hört sich gut an. Bist du dir aber auch sicher, dass dein Vorschlag auch im Bereich des technisch Möglichen liegt?“ wollte Nidor, die vulcanische Chefingenieurin neugierig wis-sen.
' Wenn ich euch alles, was möglich wäre, vorschlagen würde, könnte ich euch zweihundertundelf Lösungen präsentieren, von denen ihr jedoch keine einzige ausführen könntet. Nein, ich habe etwas in euren eigenen Aufzeichnungen gefunden, das von einem Doktor Reyga von Ferengal entwickelt wurde. Es nennt sich ‘metaphasischer Schild’ und befähigt euer Raum-schiff, in die Korona einer Sonne zu fliegen, ohne Schaden zu nehmen. Ein Raumschiff von derselben Bauart wie eures hat das bereits geschafft. Ich habe mir die Pläne dieser Konstruktion angesehen und einige Fehler gefunden, deren Behebung eine Steigerung der Effizienz um das Einhundertundneunfache gegenüber der Originalkonstruktion bewirken sollte. ’
„Das wäre phantastisch!“ Wuran sprang beinahe aus ihrem Sitz, fing sich jedoch gleich wieder. „Ich... ich meine, das wäre die Lösung unserer Probleme.“
„Du erstaunst uns immer wieder, Ewiger. Wir stehen tief in deiner Schuld, wenn das funktionieren wird. Wie können wir uns dafür nur revanchieren?“ fragte Lennard.
' Ihr dürft die von mir erhaltenen Gaben nur für friedliche Zwecke einsetzen. Und da mich nach euch nie mehr ein Schiff eurer Föderation der Vereinigten Planeten besucht hat, dürft ihr das natürlich auch nicht, um die Zeitlinie nicht zu stören. ’
„Ich verspreche dir, alles in meiner Macht stehende zu tun, um das einzuhalten.“
' Dann habt ihr jetzt eine Menge Arbeit vor euch, um euer Gefährt auf die Rückreise vorzu-bereiten. ’ -
Sie benötigten tatsächlich fast zwei Tage für die Schildmodifikationen, während Vakuf und Wuran parallel dazu ihre Sprungstrategie ausarbeiteten.
Als es nach Bordzeit Abend war, trafen sich Lennard und Leardini vor dem Holodeck zwei. Lennard hatte es ziemlich eilig, hineinzugelangen. „Programm Lennard zwei, Code eins neun eins zwei, Sommerabend. Schnell!“
„Warum diese Eile, Captain? Wir haben jede Menge Zeit.“ Leardini musste sich beherrschen, um nicht laut loszulachen.
„Stellen Sie sich nicht dumm, Stefania. Schließlich war das Ihre Idee,“ entgegnete Lennard ein wenig missmutig und sah hinab zu Ghor, der freudig erregt seine Pranke in seiner Hand hielt und in den Knien auf- und abwippte.
*****
„Programm gestartet. Möchten Sie eintreten?“ wollte die Computerstimme wissen.
„Natürlich!“ rief er drängend. „Diese Frage müssen wir aus dem Protokoll nehmen, Nummer Eins. Wieso sollte man ein Programm aufrufen, wenn man anschliessend nicht hineingehen wollte?“
Er schritt in forschem Tempo auf das Holodeck, sobald die grossen Tore sich geöffnet hatten. Stefania folgte ihm schmunzelnd auf den idyllischen Sandstrand, worauf sich der Eingang gleich hinter ihr wieder verschloß und die Illusion, am malerischen Nordende von Neuseeland zu sein, perfekt machte.
Ghor quiekte vor Freude, als er in die Brandung des Strandes hineinlief und sich vergnügt im Wasser aalte. Stefania prustete vor Vergnügen, als sie zusah, wie er seinen Schwanz wie eine Flosse hin- und herbewegte und sich damit durch die schwachen Wellen vorantrieb. Sie legte einen Arm um Lennards Hüfte und drückte sich leicht an seine Seite. „Ich kann nicht glauben, dass ich anfangs sogar ein wenig Angst vor ihm hatte. Er ist so süss.“
Er sah hinab und legte sein Kinn versonnen auf ihr Haar. „Es war ein hartes Stück Arbeit, ihn wenigstens halbwegs ohne Aufsehen aus meinem Quartier über die Brücke bis in den Turbolift zu schaffen.“
„So schlimm kann das doch...“
Er unterbrach sie mit gespielter Empörung: „Hast du eine Ahnung! Wahrscheinlich liegt Wuran jetzt noch auf dem Boden und hält sich den Bauch vor Lachen.“
„Übertreib’ nicht.“ Sie sah ihn mit funkelnden Augen an. „Wie geht es dir eigentlich? Bist du wieder völlig gesund und körperlich belastbar?“
„Ich glaube, ich weiss, worauf du hinaus willst. Nun, dann wollen wir ‘mal sehen...“
Ghor plantschte vergnügt im seichten Wasser, als er plötzlich selt Same Geräusche vom Strand wahrnahm. Er sah hinüber und wunderte sich über das ungewöhnliche Verhalten seines Herrchens. Bald jedoch liess sein Interesse wieder nach, worauf er sich wieder dem Spass im Wasser widmete. Schliesslich Kam er nicht oft dazu.
*****
Sie waren so bereit, wie sie nur sein konnten. Lennard öffnete einen Kanal und funkte den Ewigen an: „Wir möchten dir nochmals für alles danken, was du für uns getan hast.“
„Und für das Vertrauen, das du uns entgegengebracht hast,“ fügte Leardini hinzu. „Wir würden uns nicht mehr wohlfühlen, wenn wir dich nicht an der Stelle als Hüter des ge Samten Wissensschatzes der Galaxis wissen würden.“
' Deine Worte sind ehrlich, das hat mir dein Verhalten bei eurem Besuch gezeigt. Auch wenn ihr aus einer üblen Epoche stammt, habt ihr auch viele gute Werte vorzuweisen. Dieses Wissen, welches ich euch vermittelt habe, wird für euch einen gewaltigen Schritt nach vorne bedeuten. Nutzt diese Gabe im besten Sinne für eine bessere, friedliche Zukunft. ’
„Das werden wir. Und wir werden alles daransetzen, dass diese Techniken nicht missbraucht werden. Darauf gebe ich dir mein Wort.“ Lennard klang sehr entschlossen.
Leardini sah zu Kall hinüber, sobald die Verbindung beendet war und die Aldebaran die Startposition für ihren ersten Sprung ansteuerte, der etwa auf halber Strecke zwischen den Umlaufbahnen von Alnilam V und VI lag. „Es hat sich so angehört, als hätte er etwas Bestimmtes im Sinn. Wissen Sie vielleicht mehr als ich, Sam?“
„Ich schätze schon. Er plant wahrscheinlich, den dritten Sprung so abzustimmen, daß er die Klingonen-Renegaten bei ihrer Flucht erwischt.“
„Glauben Sie das wirklich? Ich würde ihn nicht für so wagemutig einschätzen, ein derart riskantes Manöver zu versuchen.“
„Dann kennen Sie ihn aber wirklich schlecht. Hat er Ihnen nie von der Sache während der romulanischen Grenzstreitigkeiten erzählt? Ich war damals Fähnrich auf der Diligence, einem Schiff der Ambassador-Klasse, als er frisch zum Ersten Offizier befördert worden war. Wir wurden mit desaktivierten Schirmen ziemlich tief im Föderationsraum von zwei getarnten Warbirds erwischt, als wir uns eigentlich in Sicherheit gewähnt hatten. Bei ihrem ersten Angriff verloren wir den Captain sowie zwei Phaserbänke.“ Kall sah auf, um sich zu vergewissern, dass Lennard sie nicht hören konnte.
„Davon wusste ich nichts“, räumte Leardini ein, „er redet nicht gerne über diese Zeit. Was geschah dann?“
„Er hat ohne Zögern das Kommando übernommen und die Warbirds ausmanövriert. Nach zehn Minuten war der eine zerstört und der andere derart zerschossen, dass er über die Grenze floh. Er hat ihm noch eine volle Breitseite Photonentorpedos hinterhergejagt, nach der seine Schilde zu Sammenbrachen. Wir hätten ihn verfolgen und ausschalten können. Verstehen Sie? Zwei Warbirds mit einer Ambassador!“
„Unglaublich!“ hauchte die Erste Offizierin beeindruckt. „Und die Diligence?“
Kall zuckte die Schultern. „Er hatte den Finger schon über dem Evakuierungsalarm, bevor der zweite Romulaner aufgab.“
„Ihr hattet wohl Glück... und einen hervorragenden Navigator.“
„Der Navigator ist auch beim ersten Angriff ums Leben gekommen,“ bemerkte Kall.
„Und wer...?“ Leardini stutzte und sah die Counselor mit grossen Augen an. „Sie wollen mir doch nicht erzählen... nein, das kann nicht sein!“
Bescheiden meinte Kall: „Ich war damals schon recht gut, müssen Sie wissen.“
„Und mir gegenüber hat er so getan, als wüsste er nichts von Ihren Flugkünsten.“ Leardinis Augenbrauen zogen sich zu Sammen. „Wieso hat er mir das verheimlicht?’“
Ihr Gegenüber lachte leise: „Sie sind auf dem falschen Pfad, Stefania. Ist das so schwer? Er befürchtete, Sie könnten eifersüchtig werden, wenn sie merken würden, dass er über solche Dinge mich betreffend Bescheid weiß. Ist das kein gutes Zeichen für Sie?“
„Es heisst nicht ‘auf dem falschen Pfad’, sondern ‘auf dem Holzweg’,“ erwiderte Leardini, konnte ihr aufkommendes Lächeln dabei jedoch nicht unterdrücken.
„Wir sind auf Position, Captain“, gab Vakuf bekannt, als sie den vorausberechneten Platz im Raum erreicht hatten, von dem aus sie sich auf einer exakt definierten Bahn dicht an die Sonne dieses Systems heranstürzen mussten, um die Ausbrechschwelle des Raum-Zeit-Kontinuums zu durchbrechen. Ohne das unglaublich starke Schwerefeld von Alnilam wäre eine solch weitreichende Zeitreise nie möglich gewesen. Sol selbst war ‘höchstens für einige Jahrhunderte gut’, wie Kazuki sich bei der vorhergehenden Einsatzbesprechung lapidar ausgedrückt hatte.
„Alarm gelb geben und nach eigenem Ermessen starten, Conn“ befahl Lennard und setzte sich angespannt zurecht. Er starrte auf den Schirm vor ihnen, dessen Mitte von der hell strahlenden Alnilam erhellt wurde. Sie waren momentan fast sechzig Milliarden Kilometer entfernt, doch es hatte den Anschein, als würden sie genau Kurs auf das Gestirn nehmen. Wenn etwas schiefging...
Er stellte sich vor, was geschehen würde, wenn sie in die Sonne hineinfliegen würden. Insgeheim fragte er sich, ob ihre optimierten metaphasischen Schilde sogar diese Extrembelastung überstehen würden. Rein hypothetisch war das eine hochinteressante Frage; die Hitze sollte ihnen rein gar nichts anhaben können, denn wenn sie die Korona des Sternes durchfliegen konnten, würde die Oberfläche an sich erst recht kein Problem darstellen, da diese sehr viel kühler war als die Korona. Aber die Tatsache, dass das Schiff sich in den Stern hineinbohren könnte, ohne augenblicklich zerrissen zu werden...
Etwas erstaunt ertappte er sich bei dem Gedanken, dass sie das tatsächlich überstehen konnten, wenn sie nicht zu tief eindringen würden, da ihre Schilde nun besser waren als alles, was sie sich auf diesem Gebiet auch nur hatten erträumen können. Dagegen sprach, dass sie durch den Swing-By-Effekt mit nahezu Warp zehn auftreffen würden. Wenn die Schilde das nicht aushielten, würden sie nie erfahren, was geschehen wäre. Was würde mit der Sonne selbst passieren?
Im Inneren dieses Super Sternes herrschten Bedingungen, die sie nicht einmal erahnen konnten. Wahrscheinlich würde es Alnilam einen Dreck scheren, dass sie gerade einen Flugkörper mit fast eintausend Mann Besatzung in ihre Quarcks zerblasen hatte, sie würde das Loch, welches die Aldebaran in sie hineingestanzt hatte, seelenruhig wieder verschliessen und alles wäre in bester Ordnung.
Würden sie jedoch durchkommen... Wie würde das wohl aussehen: ein Stern, der von einem Raumschiff durchschossen würde? Bei dieser Geschwindigkeit hätten sie die knapp dreiundvierzig Millionen Kilometer Durchmesser des blauen Überriesen in nahezu Planckzeit zurückgelegt und wären auf der entgegengesetzten Seite wieder ausgetreten. Konnte das den Stern zum Kollabieren bringen? Diese Schockwelle würde alles im Umkreis von Dutzenden Sektoren wegfegen.
Wahrlich ein Spiel mit dem Feuer.
„Wir gehen auf Warp. Maximale Beschleunigung,“ teilte die vulcanische Navigatorin ihnen scheinbar teilnahslos mit. Lennard beobachtete die Sterne, die durch die Warpverzerrung zu Streifen wurden und aus ihrem Sichtfeld heraus an ihnen vorbeischossen. Gleichzeitig stürzte der Feuerball vor ihnen mit atemberaubendem Tempo auf sie zu.
Vakufs Stimme zählte emotionslos auf: „Warp fünf... sechs... sieben... acht... sind auf Kurs.“
Das Licht der Sonne veränderte sich und durchlief in einem prächtigen Schauspiel alle Regenbogenfarben in einem fliessenden Übergang. Im nächsten Moment waren sie am Swing-By-Punkt angelangt und wurden vom Schwerefeld des Sternes in einem engen Bogen um ihn herumgerissen. Sie schossen mitten in die Korona hinein, ohne dass die Temperatur merklich zunahm; die verstärkten Schilde hielten also.
„Warp neun Komma sieben... neun Komma acht... Ausbrechgeschwindigkeit.“ Nun klang Vakufs Stimme doch ein wenig gepresst, als müsse sie die Worte angestrengt hervorbringen. An die folgenden Momente erinnerte Lennard sich nicht mehr; sein Bewusstsein durchlief ein Kaleidoskop an persönlichen Erinnerungen und Phantasien. Es war fast so wie der vielbesagte Augenblick, in dem man dem Tod ins Auge blickt und der ge Samte Lebensfilm rückwärts durch das Innere Auge abläuft, mit einer irrsinnigen Geschwindigkeit.
Urplötzlich befand er sich wieder in seinem Sessel auf der Brücke und krallte sich in die Armlehnen. Er vernahm, dass Kall beim Sprung zu schreien begonnen hatte, ihr aber erst jetzt bewusst wurde, daß er beendet war, sodass ihre Stimme allmählich wieder erstarb. Stern, der im Hintergrund der Brücke gestanden hatte, lag auf dem Rücken und starrte zur Decke empor. Leicht benommen stammelte er: „Wow, was für ein Trip. Das ist ja krasser als im ersten Semester der Sternenflotten-Akademie!“
Der Captain warf ihm einen ungnädigen Blick zu und betrachtete dann Stefania, die in ihrem Sitz zu Sammengekauert war. Matt sagte sie: „Müssen wir das wirklich nochmal durchstehen?“
„Noch zweimal, um genau zu sein, Commander,“ wurde sie sogleich von Vakuf belehrt, war jedoch noch zu benmmen, um eine bissige Erwiderung anzubringen.
„Brücke an Maschinenraum: Statusbericht.“
„Wir haben den Sprung unbeschadet überstanden, Captain,“ Kam die Antwort von Nidor, der vulcanischen Chefingenieurin über Interkom.
„Ebene-Eins-Diagnose durchführen und gleich das Ergebnis rapportieren.“ Lennard beendete die Verbindung und fuhr dann fort: „Hier spricht der Captain für alle Decks. Bitte umgehend Schadensmeldungen an die Brücke. Ende.“
„Captain, ich habe eine erste Hochrechnung über das Ausmass des Zeitsprunges angestellt. Demnach haben wir etwa zweihundertundvierzig Millionen Jahre überbrückt. Mit dem nächsten Perihelflug können wir uns bis auf einige hundert Jahre an unser Datum herantasten.“ Wuran drehte sich gleich wieder um und fuhr mit ihren Berechnungen fort, die sie auf die Konsole von Vakuf übertrug. Die Navigatorin leistete dann ihren theoretischen Teil an der schwierigen Aufgabe.
Der Captain gönnte ihnen wenig Ruhe. Sobald alle Decks ihre Meldungen abgegeben hatten, wartete er nur noch auf den Abschluss der Diagnose ihrer Bordsysteme. Kurz nachdem grünes Licht gegeben worden war, liess er den zweiten Startpunkt anfliegen.
„Das wird jetzt noch einmal etwas holpern“, scherzte Stern recht zaghaft, woran zu erkennen war, dass ihm ebenso mulmig zumute war wie den anderen Mitgliedern der Brückencrew.
„Wir sind bereit für den nächsten Sprung. Schilde sind aufgebaut.“ Mit ernster Miene sah Vakuf hinüber zum Captain.
„Alarm Gelb. Beschleunigen nach eigenem Ermessen, Lieutenant Commander.“ In Erwartung dessen, was jetzt kommen würde, drückte Lennard sich in seinen Sitz.
Und wieder stürzten sie sich hinab auf das grellweisse Gestirn, dessen gigantisches Schwerefeld ihnen die Rückreise in ihre Epoche erst ermöglichte. Die Bahn führte nun nicht mehr ganz so nah an der Sonne vorbei, da sie dieses Mal weitaus weniger Zeit ‘überspringen’ muss-ten. Dennoch war die Belastung für Schiff und Besatzung enorm, als sie mit beinahe Warp Zehn auf Alnilam zuschossen und auf dem Hauptschirm beobachten konnten, wie das Licht der Sonne sich innerhalb des Farbspektrums verschob, als sie die Ausbruchsschwelle erreichten und aus dem bekannten Universum herausgerissen wurden.
[nur kurzzeitig herausgerissen, aber nach einem kurzen Zeitsprung gehts weiter ...]
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Mittwoch, 8. November 2006
ST1.18 : Die Entdeckung der Langsamkeit...
cymep, 15:15h
[... Fortsetzung von gestern]
„Befinden uns im Endanflug auf die fragliche Stelle. Funkanfragen noch immer negativ.“ Kall sah beunruhigt zu Leardini hinüber, die neben ihr im Shuttle sass.
„Wir sollten ganz sicher gehen. Vielleicht ist er nicht mehr in der Lage, sich über grössere Entfernungen mittels Funksignalen zu verständigen.“ Offenbar war Leardini nicht gewillt, so schnell aufzugeben. „Können Sie denn nichts von seiner Anwesenheit spüren?“
„Ich bin mir nicht ganz sicher,“ gestand die Betazoidin zögerlich ein, „Es ist etwas da, aber nur wie ein weit entferntes Echo. Angesichts der immensen Stärke, mit der ich die Präsenz des Ewigen bei unserem ersten Kontakt gespürt habe, ist das sicher kein gutes Zeichen.“
Nun konnte man durch die Frontfenster die Senke erkennen, in welcher sie den Ewigen vorgefunden hatten. Der Hang, an welchem sich das Wesen damals befunden hatte, lag momentan in tiefem Schatten, sodass man nichts von ihm erkennen konnte. Kall schwenkte auf einem ebenen Stück Boden den Bug zu besagter Stelle hin und setzte das Shuttle so sanft auf, daß man praktisch nichts davon spürte.
„Da wären wir,“ bemerkte die meisterhafte Pilotin.
Leardini spähte angestrengt mit zusammengekniffenen Augen durch das transparente Aluminium der Fenster hinaus. „Können Sie einen Lichtstrahl auf die Felswand richten, an der der Ewige sich befinden müßte?“
Nur einen Moment nach ihrer Frage leuchtete ein starker Scheinwerfer am Bug auf und tastete den Hang vor ihnen ab. Leardini hatte auf einmal einen Kloss im Magen.
„Nichts.“
Sie flüsterte es leise vor sich hin, doch die bedrückende Stille im Shuttle liess es deutlich hörbar für alle Insassen werden.
Stern, der es sich nicht hatte nehmen lassen, wieder beim Kontakt mit dem phantastischen Lebewesen dabeizusein, sagte plötzlich: „Sehen Sie sich ‘mal das an. Diese Löcher im Hang an der Stelle, wo er früher... hing.“
Alle sahen ihn ob seiner unglücklichen Wortwahl befremdet an, worauf er es vorzog, seinem Kommentar nichts mehr hinzuzufügen. Kall sah hinaus und rief: „Er hat recht! Sehen Sie sich das nur an.“
Sie hatte eine tiefe Einhöhlung im Gestein mit dem Lichtstrahl erfasst, die eindeutig unnatürlich aussah. Entschlossen ging Leardini zum Behälter mit den Raumanzügen. „Das sehen wir uns an. Kazuki, Kall, Stern, Sie kommen mit mir; Vakuf, Sie bleiben hier und führen Scans der Umgebung durch.“
In relativ kurzer Zeit hatten sie sich für ihren Spaziergang auf der Mondoberfläche bereitgemacht. Leardini betrat die staubbedeckte Felseinöde als erste und musste gleich ihre Helmscheinwerfer einschalten, da es wesentlich dunkler war als bei ihrem ersten Treffen. Sie sah hinauf zum Sternenhimmel und begriff, woran das lag. Beim letzten Mal war Alnilam V mit seinen drei inneren Monden hoch am Himmel gestanden und hatte das Licht der Sonne reflektiert. Diese natürliche indirekte Beleuchtung fehlte zur Zeit, da Fafnir gerade in der sonnenfernsten Position stand und somit nichts als das schwarze All mit seinen Sternen zu sehen war, was diese Hemisphäre des Satelliten in Dunkelheit hüllte.
„Commander, ich habe eine erste Abtastung der Felswand abgeschlossen. Die Ergebnisse werden Ihnen nicht gefallen.“ Als Vakufs Stimme in ihrem Helmlautsprecher erklang, drehte Leardini sich unwillkürlich zum Shuttle um und sah, wie gerade Kall aus der kleinen Luftschleuse heraustrat und sie gleich wieder verschloss, damit der nächste des Aussenteams hindurch konnte.
„Lassen Sie hören, Lieutenant Commander.“ Sie bewegte sich mit kleinen Sprüngen auf die fragliche Stelle zu, unterstützt von der geringen Schwerkraft auf diesem Himmelskörper.
„Es gibt sechs dieser Einhöhlungen an der Stelle, wo sich die Hauptmasse des Ewigen befand, jeweils drei übereinander. Die beiden Gruppierungen liegen etwa vier Meter auseinander, mit einem vertikalen Abstand von einem Meter. Sie bilden tatsächlich drei horizontale Paare zueinander, wenn man im Geiste drei gerade Linien zieht. Sie sind allesamt annähernd rund, besitzen einen Durchmesser von gut zwei Dezimetern und sind einen guten halben Meter tief. Es bleibt leider kein anderer Schluss, als...“
„Ich muss mir das ansehen. Gehen Sie zur Seite, Doktor!“
Kazuki, der als letzter durch die Schleuse gegangen war, drängte sich an Stern vorbei und hastete, so schnell das angesichts der Umweltbedingungen möglich war, zu Leardini an die massive Felswand heran.
Er blieb fassungslos stehen und sah sich die unterste der drei linken Höhlungen an. Sie war annähernd zylindrisch und verlief in einem steilen Winkel von oben rechts nach unten links in den Fels hinein. Kazuki stiess sich nun vom Boden ab und schwebte langsam ein Stück nach oben, wo er einen Blick in das nächsthöher gelegene Loch warf.
„Das sind eindeutig Einschüsse von Energiewaffen. Volle Disruptorentladungen von einem leichten Romulaner oder Klingonen, würde ich sagen.“
„Klingonischer Bird of Prey,“ schaltete sich Vakuf nun ein. „Drei Breitseiten in einem Anflug. Die Spuren sind sehr alt, aber unverkennbar.“
Leardini sank auf die Knie und schrie beinahe mit bebender Stimme: „Diese Barbaren! Wie konnten sie nur so etwas Ungeheuerliches tun? Der Ewige war eine völlig friedliebende und für sie ungefährliche Kreatur. Das darf einfach nicht geschehen sein.“
Kall erschien neben ihr und zog sie wieder auf die Füsse. Trostspendend redete sie auf sie ein: „Das Leben kann manchmal wirklich grausam sein, Stefania. Wir müssen uns wohl mit dem abfinden, was hier geschehen ist. Die Klingonen dachten wohl, daß sie sicherstellen müssten, dass sie die Einzigen mit diesem Schatz an Wissen bleiben würden. Der Ewige ahnte wahrscheinlich nicht einmal, wie ihm geschah, als sie auf ihn zugeflogen kamen. Er...“
Kall brach ab und sah auf. „Da stimmt etwas nicht. Ich spüre etwas... etwas Gewaltiges...“
' Ich wollte nur sichergehen, was eure Absichten angeht. Aber ihr seid es wirklich. ’ Diese Stimme, die sich direkt in ihren Gedanken bildete...
Ein hochfrequentes Sirren erfüllte den Äther um sie herum. Dann begann die Stelle, wo der ‘Rumpf’ des Ewigen gewesen war, zu leuchten. Das schmerzhaft grelle Licht breitete sich aus, nahm eine konkrete Form an und verharrte in dieser, während es ständig schwächer wurde. Unmittelbar vor ihnen befand sich die ihnen vertraute Gestalt, mit seinen Armen fest an der Felswand verankert und scheinbar von den Zeiten unberührt.
Leardini lachte vor Glück auf. „Ich bin so froh, dich wiederzusehen. Wir dachten, diese grausamen Klingonen hätten es geschafft, dich zu töten. Wie hast du ihren Angriff nur überstehen können?“
' Diese Rasse war in der Tat nicht besonders freundlich mir gegenüber. Sie kamen in der Absicht, meine Existenz durch den Einsatz gerichteter Energieentladungen vorzeitig zu beenden. Was für ein abscheulicher Gedanke! Ich wäre nicht mehr in der Lage gewesen, die siebenundneunzig Begegnungen mit anderen Rassen durchzuführen und meiner Existenz einen Sinn zu geben.
Nun, als ich ihrer Kommunikation ihr Vorhaben entnommen hatte, habe ich mich in eine andere Dimensionsebene begeben, und zwar in dem Moment, in dem sie auf mich geschossen... stimmt dieser Ausdruck? Gut... als sie auf mich geschossen haben. Sie nahmen dann wohl an, dass sie Erfolg gehabt haben und sind abgezogen. Danach wartete ich noch solange, bis ihre Zivilisation mit Sicherheit untergegangen war, und kam dann zurück in dieses Universum. Das war eigentlich im großen und ganzen das aufregendste Ereignis in letzter Zeit. Seitdem hatte ich nur noch friedfertige Begegnungen, allerdings mit keiner euch bekannten Art mehr. Wolltet ihr mich nicht noch einmal besuchen kommen? ’
„Uns ist etwas dazwischengekommen; deshalb sind wir auch erst jetzt hier. Ich erkläre es dir gleich. Aber wieso hast du dich denn vor uns verborgen?“ fragte Leardini neugierig.
' Ich habe die Energiespur, die euer Gefährt hinter sich herzieht, entdeckt und mich dabei an mein unerfreuliches Erlebnis erinnert. Ihr seid die Einzigen, die je so ein ähnliches Antriebssystem oder auch solche Energiefrequenzen zur Kommunikation benutzt haben wie jene bösartigen Klingonen. Da unser Kontakt schon so lange zurückliegt, war ich mir nicht mehr sicher, was auf mich zukommen würde. Deshalb habe ich mich zurückgezogen, bis du, Commander Stefania Leardini, mir eure wahren Absichten gezeigt hast. ’
Kazuki bemerkte versonnen: „Könnt ihr euch das vorstellen: über einhundertundzwanzig Kulturen, verteilt über Jahrmillionen, von denen keine einzige die Technik des Impulsantriebs oder des Funkverkehrs benutzt hat? Sie müssen alle irgendwelche anderen Lösungen gefunden haben. Unvorstellbar!“
„Es tut mir leid, dass wir unser Versprechen nicht eingehalten haben, dich nochmals zu besuchen, aber wie du gleich hören wirst, aus gutem Grund...“ Leardini erzählte ihm alles in einer knappen Zusammenfassung der Ereignisse, eingeschlossen dem Unfall des Captains, was erklärte, warum nicht er auch diese Expedition anführte.
Während ihrer Erklärungen beugte sich Stern zu Kall hinüber und berührte mit seinem Plexivisier das ihre, wodurch er mit ausgeschaltetem Mikrofon mittels der Schallschwingungen von Helm zu Helm mit ihr reden konnte. „Unser Freund scheint gewachsen zu sein, seit wir ihn das letzte Mal gesehen haben, meinen Sie nicht auch, Sam?“
„Um etwa die Hälfte, würde ich sagen. Ich bin froh, daß wir ihn unbeschadet angetroffen haben. Als wir die Einschüsse fanden, habe ich bereits das Schlimmste befürchtet.“
„Nun ja, er wird wohl etwas unbequem am Felsen hängen, mit den sechs Löchern an seinem Rücken.“
Kall lachte leise. „Sie sind ein ganz schöner Spinner, David. Irgendwie mag ich das an Ihnen.
Was mich allerdings nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass er seit uns weitere siebenundneunzig Besucher hatte. Wenn Sie berücksichtigen, dass zwischen unserer und der davorliegenden Begegnung etwa eine Viertelmillion Jahre verstrichen ist und das als Durchschnittswert nehmen, kommen Sie auf einen höchst unerfreulichen Wert.“
„Jetzt malen Sie doch nicht gleich den Teufel an die Wand, so krass wird es schon nicht werden. Sicherlich ist das eine ungewöhnlich hohe Zeitspanne und die anderen Kontakte liegen nicht derart weit auseinander.“
' Ich fürchte, ich muss Sie enttäuschen, Doktor David Stern. Es ist schon bald nach eurer Ära ziemlich ruhig geworden im mir bekannten Universum, sodass die euch bekannte Zeitspanne eine der kürzesten Pausen zwischen zwei Kontakten war. ’
„Wie konnten Sie uns zuhören?“ fragte Kall verblüfft.
' Wenn ihr in euren Schutzhüllen sprecht, nehme ich die Schwingungen wahr, in die ihr das Medium versetzt, mit dem sie gefüllt sind. Auf solch kurze Entfernungen geht das nebenbei, auch wenn ich gleichzeitg Leardini zuhöre. ’
„Die Schallwellen innerhalb unserer Anzüge? Das ist faszinierend.“ Stern schwieg daraufhin; er fühlte sich wohl ein wenig ertappt, wie ein Schüler, der mit seinem Nachbarn redet, während der Lehrer der Klasse etwas erzählt.
Leardini endete nun mit ihren Ausführungen: „...und so dachten wir, dass uns Ihr phänomenales Zeitgespür vielleicht weiterhelfen kann, da wir eventuell in unsere Epoche zurückgelangen könnten, wenn wir nur wüssten, wie weit wir in die Zukunft geschleudert worden sind. Uns ist es leider mit unseren technischen Mitteln nicht möglich, einen Anhaltspunkt zu finden.“
' Das sollte eigentlich kein Problem sein. Ich gehe recht in der Annahme, dass ihr für euer Vorhaben eine genaue Angabe braucht? ’
„So genau es geht. Erinnern Sie sich denn noch an unsere Zeitmasse?“
' Sekunde, Minute, Stunde, Tag, Woche, Monat, Jahr, wenn meine Daten über eure Kultur korrekt sind. Um eine genaue Angabe machen zu können, sollte ich vielleicht nochmals eine Zeittaktvorgabe von eurem Mutterschiff erhalten, etwa eine Minute lang wie beim letzten Mal. Wie genau sind eure Zeitmesser? ’
Sie sind exakt bis auf eine Planck’sche Zeiteinheit, die 1,3 x 10-43 Sekunden entspricht. Die Wochen und Monate müssen Sie allerdings nicht unbedingt berücksichtigen, da sie nicht zwingend relevant für diese Angabe sind.“
' Gut, ich bin bereit. ’
„Alnilam, habt ihr alles mitbekommen?“
„Hier Wuran, Commander. Beginnen mit Senden der Zeitimpulse.“ Kurz darauf erklangen exakt sechzig Sekundenzeichen in den Kopfhörern der Aussenteammitglieder.
' So, nun lasst mich kurz nachdenken...ja, ich habe die Zeitspanne ermittelt. ’
Erstaunt entfuhr es Leardini: „Oh, das ging ja wirklich schnell. Wuran, sind Sie bereit zur Aufzeichnung?“
„Positiv.“
' Ich habe die Zeit vom ersten Mal aus ermittelt, und zwar von dort an, als ihr mir das Zeitsignal gesendet habt. Es sind 246’ 433’012 Jahre, 249 Tage, neunzehn Stunden, eine Minute und dreissig Sekunden... genau...jetzt! ’
„Wow, das ist... wirklich... genau!“ rutschte es Stern heraus.
Danach trat eine beklemmende Stille ein.
Ein knisterndes Geräusch erfüllte Leardinis Helmlautsprecher; sie wandte sich nach dem Urheber des Tones um und entdeckte Kall, die fassungslos auf den Hintern geplumpst war. Sofort war Stern zur Stelle und half ihr mit auffälliger Aufmerksamkeit wieder hoch.
„Hab’ ich denn ‘was Falsches gesagt, Sam?“
Kazuki sah Leardini an und bemerkte tonlos: „Wenn das stimmt, haben wir ein Problem.“
„Das erklärt so einiges,“ meinte Stern, „etwa, warum wir uns nicht mehr so gut zurechtgefunden haben. Die Galaxie muß sich inzwischen zwei- bis dreimal um sich selbst gedreht und sich dabei so stark verändert haben.“
„Sie scheinen es endlich verstanden zu haben, Doc.“ Diese übertrieben nette Stimme konnte nur Leardini gehören.
„Oh, verbindlichsten Dank, Commander,“ antwortete der Bordarzt ironisch.
„Die gewaltigen Veränderungen, die wir gesehen haben... das ist eine so entfernte Zukunft, dass wir sie uns nie hätten vorstellen können!“ Kazuki klang versonnen.
[in weniger entfernter Zukunft geht's weiter ...]
„Befinden uns im Endanflug auf die fragliche Stelle. Funkanfragen noch immer negativ.“ Kall sah beunruhigt zu Leardini hinüber, die neben ihr im Shuttle sass.
„Wir sollten ganz sicher gehen. Vielleicht ist er nicht mehr in der Lage, sich über grössere Entfernungen mittels Funksignalen zu verständigen.“ Offenbar war Leardini nicht gewillt, so schnell aufzugeben. „Können Sie denn nichts von seiner Anwesenheit spüren?“
„Ich bin mir nicht ganz sicher,“ gestand die Betazoidin zögerlich ein, „Es ist etwas da, aber nur wie ein weit entferntes Echo. Angesichts der immensen Stärke, mit der ich die Präsenz des Ewigen bei unserem ersten Kontakt gespürt habe, ist das sicher kein gutes Zeichen.“
Nun konnte man durch die Frontfenster die Senke erkennen, in welcher sie den Ewigen vorgefunden hatten. Der Hang, an welchem sich das Wesen damals befunden hatte, lag momentan in tiefem Schatten, sodass man nichts von ihm erkennen konnte. Kall schwenkte auf einem ebenen Stück Boden den Bug zu besagter Stelle hin und setzte das Shuttle so sanft auf, daß man praktisch nichts davon spürte.
„Da wären wir,“ bemerkte die meisterhafte Pilotin.
Leardini spähte angestrengt mit zusammengekniffenen Augen durch das transparente Aluminium der Fenster hinaus. „Können Sie einen Lichtstrahl auf die Felswand richten, an der der Ewige sich befinden müßte?“
Nur einen Moment nach ihrer Frage leuchtete ein starker Scheinwerfer am Bug auf und tastete den Hang vor ihnen ab. Leardini hatte auf einmal einen Kloss im Magen.
„Nichts.“
Sie flüsterte es leise vor sich hin, doch die bedrückende Stille im Shuttle liess es deutlich hörbar für alle Insassen werden.
Stern, der es sich nicht hatte nehmen lassen, wieder beim Kontakt mit dem phantastischen Lebewesen dabeizusein, sagte plötzlich: „Sehen Sie sich ‘mal das an. Diese Löcher im Hang an der Stelle, wo er früher... hing.“
Alle sahen ihn ob seiner unglücklichen Wortwahl befremdet an, worauf er es vorzog, seinem Kommentar nichts mehr hinzuzufügen. Kall sah hinaus und rief: „Er hat recht! Sehen Sie sich das nur an.“
Sie hatte eine tiefe Einhöhlung im Gestein mit dem Lichtstrahl erfasst, die eindeutig unnatürlich aussah. Entschlossen ging Leardini zum Behälter mit den Raumanzügen. „Das sehen wir uns an. Kazuki, Kall, Stern, Sie kommen mit mir; Vakuf, Sie bleiben hier und führen Scans der Umgebung durch.“
In relativ kurzer Zeit hatten sie sich für ihren Spaziergang auf der Mondoberfläche bereitgemacht. Leardini betrat die staubbedeckte Felseinöde als erste und musste gleich ihre Helmscheinwerfer einschalten, da es wesentlich dunkler war als bei ihrem ersten Treffen. Sie sah hinauf zum Sternenhimmel und begriff, woran das lag. Beim letzten Mal war Alnilam V mit seinen drei inneren Monden hoch am Himmel gestanden und hatte das Licht der Sonne reflektiert. Diese natürliche indirekte Beleuchtung fehlte zur Zeit, da Fafnir gerade in der sonnenfernsten Position stand und somit nichts als das schwarze All mit seinen Sternen zu sehen war, was diese Hemisphäre des Satelliten in Dunkelheit hüllte.
„Commander, ich habe eine erste Abtastung der Felswand abgeschlossen. Die Ergebnisse werden Ihnen nicht gefallen.“ Als Vakufs Stimme in ihrem Helmlautsprecher erklang, drehte Leardini sich unwillkürlich zum Shuttle um und sah, wie gerade Kall aus der kleinen Luftschleuse heraustrat und sie gleich wieder verschloss, damit der nächste des Aussenteams hindurch konnte.
„Lassen Sie hören, Lieutenant Commander.“ Sie bewegte sich mit kleinen Sprüngen auf die fragliche Stelle zu, unterstützt von der geringen Schwerkraft auf diesem Himmelskörper.
„Es gibt sechs dieser Einhöhlungen an der Stelle, wo sich die Hauptmasse des Ewigen befand, jeweils drei übereinander. Die beiden Gruppierungen liegen etwa vier Meter auseinander, mit einem vertikalen Abstand von einem Meter. Sie bilden tatsächlich drei horizontale Paare zueinander, wenn man im Geiste drei gerade Linien zieht. Sie sind allesamt annähernd rund, besitzen einen Durchmesser von gut zwei Dezimetern und sind einen guten halben Meter tief. Es bleibt leider kein anderer Schluss, als...“
„Ich muss mir das ansehen. Gehen Sie zur Seite, Doktor!“
Kazuki, der als letzter durch die Schleuse gegangen war, drängte sich an Stern vorbei und hastete, so schnell das angesichts der Umweltbedingungen möglich war, zu Leardini an die massive Felswand heran.
Er blieb fassungslos stehen und sah sich die unterste der drei linken Höhlungen an. Sie war annähernd zylindrisch und verlief in einem steilen Winkel von oben rechts nach unten links in den Fels hinein. Kazuki stiess sich nun vom Boden ab und schwebte langsam ein Stück nach oben, wo er einen Blick in das nächsthöher gelegene Loch warf.
„Das sind eindeutig Einschüsse von Energiewaffen. Volle Disruptorentladungen von einem leichten Romulaner oder Klingonen, würde ich sagen.“
„Klingonischer Bird of Prey,“ schaltete sich Vakuf nun ein. „Drei Breitseiten in einem Anflug. Die Spuren sind sehr alt, aber unverkennbar.“
Leardini sank auf die Knie und schrie beinahe mit bebender Stimme: „Diese Barbaren! Wie konnten sie nur so etwas Ungeheuerliches tun? Der Ewige war eine völlig friedliebende und für sie ungefährliche Kreatur. Das darf einfach nicht geschehen sein.“
Kall erschien neben ihr und zog sie wieder auf die Füsse. Trostspendend redete sie auf sie ein: „Das Leben kann manchmal wirklich grausam sein, Stefania. Wir müssen uns wohl mit dem abfinden, was hier geschehen ist. Die Klingonen dachten wohl, daß sie sicherstellen müssten, dass sie die Einzigen mit diesem Schatz an Wissen bleiben würden. Der Ewige ahnte wahrscheinlich nicht einmal, wie ihm geschah, als sie auf ihn zugeflogen kamen. Er...“
Kall brach ab und sah auf. „Da stimmt etwas nicht. Ich spüre etwas... etwas Gewaltiges...“
' Ich wollte nur sichergehen, was eure Absichten angeht. Aber ihr seid es wirklich. ’ Diese Stimme, die sich direkt in ihren Gedanken bildete...
Ein hochfrequentes Sirren erfüllte den Äther um sie herum. Dann begann die Stelle, wo der ‘Rumpf’ des Ewigen gewesen war, zu leuchten. Das schmerzhaft grelle Licht breitete sich aus, nahm eine konkrete Form an und verharrte in dieser, während es ständig schwächer wurde. Unmittelbar vor ihnen befand sich die ihnen vertraute Gestalt, mit seinen Armen fest an der Felswand verankert und scheinbar von den Zeiten unberührt.
Leardini lachte vor Glück auf. „Ich bin so froh, dich wiederzusehen. Wir dachten, diese grausamen Klingonen hätten es geschafft, dich zu töten. Wie hast du ihren Angriff nur überstehen können?“
' Diese Rasse war in der Tat nicht besonders freundlich mir gegenüber. Sie kamen in der Absicht, meine Existenz durch den Einsatz gerichteter Energieentladungen vorzeitig zu beenden. Was für ein abscheulicher Gedanke! Ich wäre nicht mehr in der Lage gewesen, die siebenundneunzig Begegnungen mit anderen Rassen durchzuführen und meiner Existenz einen Sinn zu geben.
Nun, als ich ihrer Kommunikation ihr Vorhaben entnommen hatte, habe ich mich in eine andere Dimensionsebene begeben, und zwar in dem Moment, in dem sie auf mich geschossen... stimmt dieser Ausdruck? Gut... als sie auf mich geschossen haben. Sie nahmen dann wohl an, dass sie Erfolg gehabt haben und sind abgezogen. Danach wartete ich noch solange, bis ihre Zivilisation mit Sicherheit untergegangen war, und kam dann zurück in dieses Universum. Das war eigentlich im großen und ganzen das aufregendste Ereignis in letzter Zeit. Seitdem hatte ich nur noch friedfertige Begegnungen, allerdings mit keiner euch bekannten Art mehr. Wolltet ihr mich nicht noch einmal besuchen kommen? ’
„Uns ist etwas dazwischengekommen; deshalb sind wir auch erst jetzt hier. Ich erkläre es dir gleich. Aber wieso hast du dich denn vor uns verborgen?“ fragte Leardini neugierig.
' Ich habe die Energiespur, die euer Gefährt hinter sich herzieht, entdeckt und mich dabei an mein unerfreuliches Erlebnis erinnert. Ihr seid die Einzigen, die je so ein ähnliches Antriebssystem oder auch solche Energiefrequenzen zur Kommunikation benutzt haben wie jene bösartigen Klingonen. Da unser Kontakt schon so lange zurückliegt, war ich mir nicht mehr sicher, was auf mich zukommen würde. Deshalb habe ich mich zurückgezogen, bis du, Commander Stefania Leardini, mir eure wahren Absichten gezeigt hast. ’
Kazuki bemerkte versonnen: „Könnt ihr euch das vorstellen: über einhundertundzwanzig Kulturen, verteilt über Jahrmillionen, von denen keine einzige die Technik des Impulsantriebs oder des Funkverkehrs benutzt hat? Sie müssen alle irgendwelche anderen Lösungen gefunden haben. Unvorstellbar!“
„Es tut mir leid, dass wir unser Versprechen nicht eingehalten haben, dich nochmals zu besuchen, aber wie du gleich hören wirst, aus gutem Grund...“ Leardini erzählte ihm alles in einer knappen Zusammenfassung der Ereignisse, eingeschlossen dem Unfall des Captains, was erklärte, warum nicht er auch diese Expedition anführte.
Während ihrer Erklärungen beugte sich Stern zu Kall hinüber und berührte mit seinem Plexivisier das ihre, wodurch er mit ausgeschaltetem Mikrofon mittels der Schallschwingungen von Helm zu Helm mit ihr reden konnte. „Unser Freund scheint gewachsen zu sein, seit wir ihn das letzte Mal gesehen haben, meinen Sie nicht auch, Sam?“
„Um etwa die Hälfte, würde ich sagen. Ich bin froh, daß wir ihn unbeschadet angetroffen haben. Als wir die Einschüsse fanden, habe ich bereits das Schlimmste befürchtet.“
„Nun ja, er wird wohl etwas unbequem am Felsen hängen, mit den sechs Löchern an seinem Rücken.“
Kall lachte leise. „Sie sind ein ganz schöner Spinner, David. Irgendwie mag ich das an Ihnen.
Was mich allerdings nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass er seit uns weitere siebenundneunzig Besucher hatte. Wenn Sie berücksichtigen, dass zwischen unserer und der davorliegenden Begegnung etwa eine Viertelmillion Jahre verstrichen ist und das als Durchschnittswert nehmen, kommen Sie auf einen höchst unerfreulichen Wert.“
„Jetzt malen Sie doch nicht gleich den Teufel an die Wand, so krass wird es schon nicht werden. Sicherlich ist das eine ungewöhnlich hohe Zeitspanne und die anderen Kontakte liegen nicht derart weit auseinander.“
' Ich fürchte, ich muss Sie enttäuschen, Doktor David Stern. Es ist schon bald nach eurer Ära ziemlich ruhig geworden im mir bekannten Universum, sodass die euch bekannte Zeitspanne eine der kürzesten Pausen zwischen zwei Kontakten war. ’
„Wie konnten Sie uns zuhören?“ fragte Kall verblüfft.
' Wenn ihr in euren Schutzhüllen sprecht, nehme ich die Schwingungen wahr, in die ihr das Medium versetzt, mit dem sie gefüllt sind. Auf solch kurze Entfernungen geht das nebenbei, auch wenn ich gleichzeitg Leardini zuhöre. ’
„Die Schallwellen innerhalb unserer Anzüge? Das ist faszinierend.“ Stern schwieg daraufhin; er fühlte sich wohl ein wenig ertappt, wie ein Schüler, der mit seinem Nachbarn redet, während der Lehrer der Klasse etwas erzählt.
Leardini endete nun mit ihren Ausführungen: „...und so dachten wir, dass uns Ihr phänomenales Zeitgespür vielleicht weiterhelfen kann, da wir eventuell in unsere Epoche zurückgelangen könnten, wenn wir nur wüssten, wie weit wir in die Zukunft geschleudert worden sind. Uns ist es leider mit unseren technischen Mitteln nicht möglich, einen Anhaltspunkt zu finden.“
' Das sollte eigentlich kein Problem sein. Ich gehe recht in der Annahme, dass ihr für euer Vorhaben eine genaue Angabe braucht? ’
„So genau es geht. Erinnern Sie sich denn noch an unsere Zeitmasse?“
' Sekunde, Minute, Stunde, Tag, Woche, Monat, Jahr, wenn meine Daten über eure Kultur korrekt sind. Um eine genaue Angabe machen zu können, sollte ich vielleicht nochmals eine Zeittaktvorgabe von eurem Mutterschiff erhalten, etwa eine Minute lang wie beim letzten Mal. Wie genau sind eure Zeitmesser? ’
Sie sind exakt bis auf eine Planck’sche Zeiteinheit, die 1,3 x 10-43 Sekunden entspricht. Die Wochen und Monate müssen Sie allerdings nicht unbedingt berücksichtigen, da sie nicht zwingend relevant für diese Angabe sind.“
' Gut, ich bin bereit. ’
„Alnilam, habt ihr alles mitbekommen?“
„Hier Wuran, Commander. Beginnen mit Senden der Zeitimpulse.“ Kurz darauf erklangen exakt sechzig Sekundenzeichen in den Kopfhörern der Aussenteammitglieder.
' So, nun lasst mich kurz nachdenken...ja, ich habe die Zeitspanne ermittelt. ’
Erstaunt entfuhr es Leardini: „Oh, das ging ja wirklich schnell. Wuran, sind Sie bereit zur Aufzeichnung?“
„Positiv.“
' Ich habe die Zeit vom ersten Mal aus ermittelt, und zwar von dort an, als ihr mir das Zeitsignal gesendet habt. Es sind 246’ 433’012 Jahre, 249 Tage, neunzehn Stunden, eine Minute und dreissig Sekunden... genau...jetzt! ’
„Wow, das ist... wirklich... genau!“ rutschte es Stern heraus.
Danach trat eine beklemmende Stille ein.
Ein knisterndes Geräusch erfüllte Leardinis Helmlautsprecher; sie wandte sich nach dem Urheber des Tones um und entdeckte Kall, die fassungslos auf den Hintern geplumpst war. Sofort war Stern zur Stelle und half ihr mit auffälliger Aufmerksamkeit wieder hoch.
„Hab’ ich denn ‘was Falsches gesagt, Sam?“
Kazuki sah Leardini an und bemerkte tonlos: „Wenn das stimmt, haben wir ein Problem.“
„Das erklärt so einiges,“ meinte Stern, „etwa, warum wir uns nicht mehr so gut zurechtgefunden haben. Die Galaxie muß sich inzwischen zwei- bis dreimal um sich selbst gedreht und sich dabei so stark verändert haben.“
„Sie scheinen es endlich verstanden zu haben, Doc.“ Diese übertrieben nette Stimme konnte nur Leardini gehören.
„Oh, verbindlichsten Dank, Commander,“ antwortete der Bordarzt ironisch.
„Die gewaltigen Veränderungen, die wir gesehen haben... das ist eine so entfernte Zukunft, dass wir sie uns nie hätten vorstellen können!“ Kazuki klang versonnen.
[in weniger entfernter Zukunft geht's weiter ...]
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Mittwoch, 8. November 2006
ST1.17 : KAPITEL 6 - Zurück zur Zukunft
cymep, 00:21h
[... Fortsetzung von gestern]
- 6 -
Leardini war gerade zurückgekommen und hatte die Brücke übernommen, als Darrn unerwartet aufkeuchte und rief: „Commander, das ist ... es werden mehrere heftige seismische Aktivitäten auf der Oberfläche angezeigt. Unter anderem in Mitteleuropa, Südafrika und...“
Er sah schockiert auf.
„...in Neuseeland. Ein Erdbeben der Skalenstärke Neun!“
„Mein Gott, der Captain ist noch unten! Brücke an Transporterraum zwei: sofort einen Nottransport aller Aussenteammitglieder direkt auf die Krankenstation.“ Leardinis Fingerknöchel traten weiss hervor, als sie krampfhaft die Armlehnen des Kommandantensessels umfasste.
Unendlich lange Sekunden war nichts zu hören, dann ertönte die Antwort: „Transport erfolgreich.“
„Stern an Brücke: Was ist mit ihnen nur passiert?“ Der Stimme des Bordarztes war durchaus einiges Entsetzen anzuhören.
„Sie waren auf der Oberfläche, als sich ein starkes Beben ereignet hat, ungefähr Neun auf der Richter-Skala.“ Leardinis Stimme war tonlos. Einige Offiziere mussten hart schlucken, als ihnen bewusst wurde, was dort geschehen war.
Die vulcanische Steueroffizierin mutmasste: „Das wird mit den beiden Monden zusammenhängen. Wenn beide zusammen mit der Sonne eine Linie bilden, ist die Anziehungskraft besonders hoch, die auf die Kontinentalplatten der Erdkruste wirkt. Sehr wahrscheinlich gibt es öfters solche Bebenhäufungen wie diese, jedesmal wenn...“
„Mrs Vakuf, übernehmen Sie bitte die Brücke. Sam, begleiten Sie mich in die Krankenstation?“
„Natürlich, Commander.“ Kall sprang förmlich von ihrem Sessel auf, um sich der hinaushastenden Leardini anschließen zu können.
Als sie allein im Turbolift waren, liefen Leardini ein paar Tränen über die Wangen. Leise schluchzend sagte sie mehr zu sich selbst als zu ihrer Begleiterin: „Oh, lieber Gott, lass das nicht passiert sein! Nicht gerade jetzt.“
Kall drückte ihren Arm und gab ihr Bestes, um sie moralisch aufzupäppeln. „Kommen Sie, Stefania, beschwören Sie doch nicht gleich das Schlimmste herauf. Sie müssen jetzt stark sein, egal was uns gleich erwarten wird. Ich bin sicher, es ist nicht so tragisch, wie es den Anschein hat.“
Einen Augenblick lang wollte Leardini eine abwehrende Haltung einnehmen, besann sich dann jedoch und wischte sich eine letzte Träne weg. „Sie haben recht, Sam, der Erste Offizier sollte sich nicht so gehen lassen. Schliesslich wissen wir, was uns in unserem Beruf erwartet. Und wahrscheinlich stöbern Sie schon wieder in den Gedanken des Captains herum, sonst würden Sie nicht einfach so behaupten, es ginge ihm gut. Stimmt’s?“
Kall lächelte schwach: „Er kommt gerade wieder zu sich. Aber versprechen Sie mir, dass Sie ihm nichts verraten.“
Leardini fiel ihr um den Hals. „Oh, danke, Sam! Ich werde kein Wort darüber verlieren.“
*****
Lennard lag gemeinsam mit den anderen Mitgliedern seines Landeteams auf der Station. Dr. Stern schloss gerade eine stark blutende Oberschenkelwunde bei einer jungen Frau, als Leardini und Kall eintraten. Letztere wandte sich mit fahlem Gesicht ab, als sie das viele Blut bemerkte.
Stern wandte sich mit ernstem Gesicht den beiden Besuchern zu. „Hören Sie, nur ein paar Minuten, okay? Er hat eine leichte Gehirnerschütterung, einen komplizierten Becken- und einen Unterschenkelbruch. Daneben noch wie alle, die das dort unten miterlebt haben, diverse Prellungen, Stauchungen und Abschürfungen. In etwa zwei Tagen kann er wieder begrenzten Dienst leisten, doch bis dahin bleibt er auf der Station.“
„In Ordnung. Wie ist das nur passiert?“
„Ganz einfach.“ Er schlug mit der flachen Hand auf ein Tablett mit medizinischem Besteck, welches durch die Erschütterung hochhüpfte und laut polternd wieder hinabfiel. Die beiden Frauen fuhren zusammen. „Sehen Sie? Diese Leute hier sind das Besteck gewesen. Noch Fragen?“
„Danke, nein. Sehr eindrucksvoll, Ihre Demonstration. Kann ich... können wir ihn jetzt sehen?“ Leicht verlegen räusperte Stefania sich.
„Nur zu. Aber nur...“
„...ein paar Minuten, ich weiss.“ Sie drückte Sterns Arm. „Danke, David.“
Er zwinkerte ihr aufmunternd zu und machte dann den Weg zu Lennards Bett frei. Sie trat zu ihm und erschrak im ersten Moment beim Anblick der vielen Impulsverbände, der Beinschiene und den Regenerationseinheiten an seinen Brüchen sowie auf der Stirn. Er sah geschwächt und verletzlich aus, wie er so mit halbgeschlossenen Augen dalag und zu ihr hochsah.
Sie lächelte ihn tapfer an und flüsterte fast: „Hallo. Wie fühlen Sie sich?“
„Wie das Arztbesteck auf Doc Sterns Tisch.“ Er lächelte sie matt an.
„Oh, Kyle...“ Sie beugte sich zu ihm hinunter.
„Vergessen Sie bitte nicht unsere Abmachung, Stefania,“ wisperte er.
„Welche Abmachung?“ wollte Stern wissen, der leise an sie herangetreten war.
Kall antwortete schnell anstelle der überrumpelten Ersten Offizierin: „Dass sie die Aldebaran voll und ganz in seinem Sinne führen wird, solange er unabkömmlich ist. Das hat sie ihm versprochen.“
„Genau. Und vor allem keine Vulcanier ärgern.“ Er drückte Stefanias Hand und fügte hinzu: „Wir sind doch ein gutes Team, nicht wahr?“
„Sie können sich auf mich verlassen, Captain. Kommen Sie nur schnell wieder auf die Beine und werden voll einsatzfähig.“ Sie kniff verschwörerisch ein Auge zu, ohne dass Stern und Kall es sehen konnten.
„Könnten Sie sich vielleicht um Ghor kümmern, bis ich wieder auf dem Damm bin?“ Als er sah, wie sie schluckte, fügte er hinzu: „Er wird Sie mögen.“
„Oh, da bin ich mir ganz sicher.“ Sie lächelte ein wenig gequält.
Wieder hielten sie eine Einsatzbesprechung ab, diesmal mit einer aktualisierten Erdkarte auf dem Wandschirm im Hintergrund. Die Karte hatte etwas entfernt Vertautes, nur dass die gesamte Ansicht stark gekippt erschien, sämtliche Kontinente an den falschen Stellen lagen und von Meereserosion stark deformiert oder teilweise versunken waren, sofern sie nicht von den gigantischen Polkappen bedeckt wurden, die von der stärkeren Neigung der Erdachse herrührten. Leardini sah skeptisch dorthin, wo eigentlich ihr Heimatland sein sollte.
„Also, berichten Sie, Mrs. Wuran. Konnten wir die Geographie der Erde vollständig identifizieren?“
„Grösstenteils, Commander. Wir dachten zunächst, dass uns das aufgrund der Plattentektonik von Terra bei unserem Problem weiterhelfen könnte, festzustellen, wie weit in der Zukunft wir uns eigentlich befinden. Leider hat sich durch den Einfluss des zweiten Mondes und die veränderte Achsneigung des Planeten die Wanderung der Kontinentalplatten so sehr verändert, dass wir unmöglich rekonstruieren können...“
„Das darf doch nicht wahr sein! Gibt es denn keine Möglichkeit, auch nur eine annähernde Berechnung anzustellen?“ wollte Leardini verzweifelt wissen.
Vakuf ergriff das Wort: „Wenn ich für meine geschätzte Kollegin antworten darf...“
Stefania setzte bereits zu einer scharfen Antwort an, fing dann aber die Blicke von Kall und Stern auf und erwiderte seufzend: „Tun Sie sich keinen Zwang an.“
„Ich danke Ihnen. Es ist so, dass die verschiedenen Kontinentalplatten der Erdkruste in unserer Gegenwart sich aufgrund jahrhundertelanger Beobachtungen in uns genau bekannten Richtungen und Tempos bewegten, sodass eine nahezu einhundertprozentig sichere Vorhersage der Veränderung bis in fernste Zukunft nie ein Problem war.
Dann jedoch gab es eine Katastrophe kosmischen Ausmasses, bei der der Nachbarplanet Mars total zerstört wurde und die gesamte Himmelsmechanik des Solsystems nachhaltig verändert hat. Die Auswirkungen auf die Erde sind uns nun bekannt, jedoch leider nicht der Zeitpunkt dieses Ereignisses. Wenn wir wüssten, wann diese Veränderungen eingetreten sind, wie lange sie bereits andauern oder in welcher Hinsicht sie die Tektonik exakt verändert haben, könnten wir eine sehr genaue Angabe über das Ausmass unserer erfahrenen Zeitdilitation machen. Alle diese Parameter fehlen uns jedoch bedauerlicherweise. Wir wissen nur mit Sicherheit, dass die Geschwindigkeit der Plattenbewegung erheblich zugenommen haben muss.“
„Wie kommen Sie darauf?“ wollte Stern neugierig wissen. „Sie können doch in der kurzen Zeitspanne unmöglich eine messbare Bewegung der Erdkruste festgestellt haben.“
„Das ist korrekt, Doktor, dafür benötigten wir tatsächlich eine viel längere Zeitspanne. Es hat mit der Anwesenheit dieses zweiten Mondes zu tun, oder genauer gesagt mit der Tatsache, dass ihr Heimatplanet nun über zwei Satelliten verfügt, die im Verhältnis zu seiner eigenen Masse recht gross sind und in sehr nahen Umlaufbahnen kreisen. Dadurch kumulieren sich die Anziehungskräfte der beiden Monde und der Sonne alle zwei Wochen, was die Erdmassen ungewöhnlich stark anhebt und verkantete Kontinentalplatten voneinander löst. Es resultieren die von uns beobachteten schweren Erdbeben, die wahrscheinlich auch dazu beigetragen haben, dass jede Spur von Zivilisation ausgelöscht wurde.“ Die Vulcanierin zupfte sich an einer ihrer steil nach aussen hin ansteigenden Augenbrauen.
„Im Klartext heisst das wohl, dass wir genauso weit sind wie zuvor,“ seufzte Kall.
„Wir haben versucht, anhand der Tiefenraumscans und der daraus erstellten Sternenkarten eine Berechnung vorzunehmen, sind aber an der Vielzahl der Variablen gescheitert. Wir können einen Grossteil der uns umgebenden Systeme nicht identifizieren und wissen leider auch nicht, bei welchen das daran liegt, dass sie bisher nicht kartografiert wurden und bei welchen daran, dass wir sie schlicht und einfach nicht wiedererkennen. Solange wir keinen Bezugs-punkt haben, sind wir hilflos. Manche Sterne könnten sogar erloschen oder neu entstanden sein, wenn wir uns wirklich so weit in der Zeit nach vorne bewegt haben, wie es den Anschein hat.“ Wuran hob hilflos die Schultern.
„Wäre echt toll, wenn wir an jemandem mit ‘ner Uhr vorbeifliegen würden, nicht?“ Stern stützte frustriert seinen Kopf auf den Ellenbogen.
„Dieser Jemand sollte aber eine verflixt gute und präzise Uhr haben, wenn uns das... was haben sie, Sam?“ Leardini brach ihre ironische Erwiderung auf Sterns nicht minder ironischen Kommentar ab, als sie bemerkte, dass Counselor Kall regelrecht erstarrt war. Ganz langsam breitete sich ein zufriedenes Grinsen auf ihrem Gesicht aus.
„Aber natürlich... das ist es! Es ist so einfach! Und die Lösung war die ganze Zeit vor unserer Nase.“ Sie fiel Stern lachend um den Hals und drückte ihm einen Kuss auf die Wange.
Stern war genauso verduzt wie die anderen Offiziere. Er hielt Kall sanft an den Schultern und stand langsam auf. „Das... das muß der Stress sein. Sie hat wohl einen leichten Nervenzusammenbruch erlitten angesichts der ausweglosen Lage, in der wir uns befinden.“
Nun liess Kall aprupt von ihm ab. „Ich bin wohl im falschen Holodeckprogramm? Wie kommen Sie dazu, von mir zu reden, als ob ich nicht anwesend wäre? Halten Sie ein bisschen spontane Freude für Unzurechnungsfähigkeit? Die Counselor bin immer noch ich.“
„Entschuldigen Sie bitte, kommt bestimmt nicht mehr vor. Aber könnten Sie uns wohl ihr Verhalten erklären?“ Gespannt sah er sie an.
„Wir können doch den Ewigen von Alnilam aufsuchen! Er müsste uns problemlos sagen können, wieviel Zeit seit unserem Besuch vergangen ist. Und wir wissen genau, wo wir ihn finden können.“ Kall strahlte förmlich vor Glück.
Etwas skeptisch wandte Vakuf ein: „Wir können uns nicht sicher sein, dass diese Lebensform noch existiert.“
„Kommen Sie schon, Vakuf, er ist ‘Der Ewige’. Warum heisst er wohl so? Das müsste sich doch selbst Ihnen erschliessen.“ Sie sah fast flehentlich zu Leardini hinüber.
„Sie haben das Kommando, Stefania,“ erinnerte Kazuki sie.
Sie überlegte kurz und meinte dann: „Es ist eine Chance. Ich finde, wir sollten ihr nachgehen.“
„Ja!“ Kall ballte siegesgewiss die Hand zur Faust.
„Worauf warten wir noch? An die Arbeit.“ Leardini stand schon an der Tür zur Brücke.
*****
Die Brückenbesatzung bekam fast einen Schreck, als sämtliche Führungsoffiziere entschlossenen Schrittes aus der Beobachtungslounge marschiert kamen und auf ihre Stationen zuhielten. Kaum, dass sie die Plätze rechtzeitig räumen konnten.
„Kurs aufs Wurmloch setzen,“ befahl die Erste Offizierin, indem sie auf den Kapitässessel glitt und über eine ihrer Konsolen eine Statusanzeige des Schiffes abrief.
Nach mehreren Sekunden bestätigte Vakuf: „Kurs liegt an, Commander.“
„Beschleunigen mit Warp Sieben. Energie.“
Die Aldebaran schoss davon und liessinnert kürzester Zeit das Sonnensystem hinter sich, um auf das Indrani-System zuzuhalten, in dem das Ende des Wurmloches lag. Die Passage durch den Verteronenschlauch verlief wiederum erfreulich problemlos, genauso wie der Flug zurück ins Alnilam-System zurück.
Sie hielten direkt auf Fafnir, den Mond von Alnilam V zu, wo der Ewige beheimatet war. Sie versuchten schon im Anflug auf den Parallelorbit des roten Satelliten, das geheimnisvolle Wesen zu kontakten, von dem sie sich so viel erhofften.
Counselor Kall betrat die Brücke und wandte sich an den diensthabenden Offizier der Nachtschicht, der bereits mit kleinen Augen auf dem Kapitänssessel sass und auf die Ablösung wartete. „Guten Morgen, Lieutenant. Irgendwelche Vorkommnisse?“
„Nein, Counselor. Wir befinden uns im Endanflug auf Fafnir und senden seit zehn Minuten Grussbotschaften an den Ewigen, bisher ohne Erfolg.“
„Tja, das wird wohl an der Hintergrundstrahlung von Alnilam liegen. Ich denke, die Erste Offizierin sollte das wissen. Counselor Kall an Commander Leardini.“
Für eine kleine Weile geschah nichts, dann meldete sich eine müde Stimme: „Leardini hier. Sprechen Sie, Sam.“
„Wir sind gerade beim Einschwenken auf einen Parallelorbit zu Fafnir und versuchen - bisher leider erfolglos - mit dem Ewigen Kontakt zu bekommen.“
„Hm, gut. Geben Sie mir ein paar Minuten. Leardini Ende.“ Das übliche Tonsignal beendete die Verbindung.
„Halten Sie’s noch aus bis zur Ablösung? Sie wirken sehr müde.“ Kall sah sich den jungen Lieutenant besorgt an.
„Nun ja, ich meine schon. Es waren nur ein paar hektische Wochen, die wir erlebt haben. Ich habe recht wenig Schlaf gefunden in dieser Zeit.“ Er hielt sich in einer antiquierten Geste beim Gähnen eine Hand vor dem Mund.
„Und dabei haben sich alle so sehr nach einem bisschen Aufregung und Abenteuer gesehnt.“ Kall musste ungewollt grinsen.
„Wenn wir diese Sache hier heil überstehen, dann gelobe ich Ihnen, werde ich für den Rest meiner Dienstzeit todlangweilige Kartierungsmissionen fliegen, ohne auch nur an Protest zu denken.“
„Das will ich auch schwer hoffen... nanu?“ Kall bemerkte das leise Zischen einer Tür hinter ihr und erblickte beim Umdrehen Leardini, die aus dem Bereitschaftsraum des Captains heraus auf die Brücke trat.
„Ich übernehme, Lieutenant. Sam, haben wir inzwischen Kontakt aufnehmen können?“
„Nein, Commander,“ antwortete Kall und fügte leise hinzu, als ihre Vorgesetzte sich auf den Platz des Captains setzte: „Sind Sie bereits umgezogen, Stefania?“
„Wie Sie wissen, Counselor, hatte der Captain mich dazu genötigt, sein Haustier zu hüten, bis er das wieder selbst tun kann; im übrigen eine Bitte, die ich ihm am Krankenbett kaum hätte abschlagen können. Dieser kleine Schlingel, Ghor heisst er, will mich seitdem um nichts in der Welt wieder gehen lassen, sobald ich bei ihm bin. Ich muss wohl auf der Couch im Bereitschaftsraum eingeschlafen sein, mit dem kleinen Racker auf dem Schoss. Können Sie sich das vorstellen: ich habe die ganze Nacht angezogen auf der Couch des Captains mit dem Haustier des Captains, zusammengerollt und zufrieden grunzend schlafend, zugebracht.“
„Sie haben ihn wirklich liebgewonnen, nicht wahr?“ Kall lächelte sie mitfühlend an.
„Meinen Sie den Captain oder Ghor?“ erwiderte Leardini vorlaut.
Lachend winkte Kall ab. „Sie sind unmöglich!“
„Wie sieht es mit dem Funkkontakt aus?“ fragte Leardini nun.
Wuran sah über die Schulter und bediente ihre Wissenschaftsstation blind weiter. „Immer noch keine Antwort, Commander. Ich werde das Gefühl nicht los, dass wir keine Verbindung bekommen werden.“
„Das mag schon sein... wir werden wieder hinabfliegen und nachsehen. Counselor, darf ich Ihre Künste als Shuttlepilotin nochmals in Anspruch nehmen?“
[morgen geht's weiter...]
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Leardini war gerade zurückgekommen und hatte die Brücke übernommen, als Darrn unerwartet aufkeuchte und rief: „Commander, das ist ... es werden mehrere heftige seismische Aktivitäten auf der Oberfläche angezeigt. Unter anderem in Mitteleuropa, Südafrika und...“
Er sah schockiert auf.
„...in Neuseeland. Ein Erdbeben der Skalenstärke Neun!“
„Mein Gott, der Captain ist noch unten! Brücke an Transporterraum zwei: sofort einen Nottransport aller Aussenteammitglieder direkt auf die Krankenstation.“ Leardinis Fingerknöchel traten weiss hervor, als sie krampfhaft die Armlehnen des Kommandantensessels umfasste.
Unendlich lange Sekunden war nichts zu hören, dann ertönte die Antwort: „Transport erfolgreich.“
„Stern an Brücke: Was ist mit ihnen nur passiert?“ Der Stimme des Bordarztes war durchaus einiges Entsetzen anzuhören.
„Sie waren auf der Oberfläche, als sich ein starkes Beben ereignet hat, ungefähr Neun auf der Richter-Skala.“ Leardinis Stimme war tonlos. Einige Offiziere mussten hart schlucken, als ihnen bewusst wurde, was dort geschehen war.
Die vulcanische Steueroffizierin mutmasste: „Das wird mit den beiden Monden zusammenhängen. Wenn beide zusammen mit der Sonne eine Linie bilden, ist die Anziehungskraft besonders hoch, die auf die Kontinentalplatten der Erdkruste wirkt. Sehr wahrscheinlich gibt es öfters solche Bebenhäufungen wie diese, jedesmal wenn...“
„Mrs Vakuf, übernehmen Sie bitte die Brücke. Sam, begleiten Sie mich in die Krankenstation?“
„Natürlich, Commander.“ Kall sprang förmlich von ihrem Sessel auf, um sich der hinaushastenden Leardini anschließen zu können.
Als sie allein im Turbolift waren, liefen Leardini ein paar Tränen über die Wangen. Leise schluchzend sagte sie mehr zu sich selbst als zu ihrer Begleiterin: „Oh, lieber Gott, lass das nicht passiert sein! Nicht gerade jetzt.“
Kall drückte ihren Arm und gab ihr Bestes, um sie moralisch aufzupäppeln. „Kommen Sie, Stefania, beschwören Sie doch nicht gleich das Schlimmste herauf. Sie müssen jetzt stark sein, egal was uns gleich erwarten wird. Ich bin sicher, es ist nicht so tragisch, wie es den Anschein hat.“
Einen Augenblick lang wollte Leardini eine abwehrende Haltung einnehmen, besann sich dann jedoch und wischte sich eine letzte Träne weg. „Sie haben recht, Sam, der Erste Offizier sollte sich nicht so gehen lassen. Schliesslich wissen wir, was uns in unserem Beruf erwartet. Und wahrscheinlich stöbern Sie schon wieder in den Gedanken des Captains herum, sonst würden Sie nicht einfach so behaupten, es ginge ihm gut. Stimmt’s?“
Kall lächelte schwach: „Er kommt gerade wieder zu sich. Aber versprechen Sie mir, dass Sie ihm nichts verraten.“
Leardini fiel ihr um den Hals. „Oh, danke, Sam! Ich werde kein Wort darüber verlieren.“
*****
Lennard lag gemeinsam mit den anderen Mitgliedern seines Landeteams auf der Station. Dr. Stern schloss gerade eine stark blutende Oberschenkelwunde bei einer jungen Frau, als Leardini und Kall eintraten. Letztere wandte sich mit fahlem Gesicht ab, als sie das viele Blut bemerkte.
Stern wandte sich mit ernstem Gesicht den beiden Besuchern zu. „Hören Sie, nur ein paar Minuten, okay? Er hat eine leichte Gehirnerschütterung, einen komplizierten Becken- und einen Unterschenkelbruch. Daneben noch wie alle, die das dort unten miterlebt haben, diverse Prellungen, Stauchungen und Abschürfungen. In etwa zwei Tagen kann er wieder begrenzten Dienst leisten, doch bis dahin bleibt er auf der Station.“
„In Ordnung. Wie ist das nur passiert?“
„Ganz einfach.“ Er schlug mit der flachen Hand auf ein Tablett mit medizinischem Besteck, welches durch die Erschütterung hochhüpfte und laut polternd wieder hinabfiel. Die beiden Frauen fuhren zusammen. „Sehen Sie? Diese Leute hier sind das Besteck gewesen. Noch Fragen?“
„Danke, nein. Sehr eindrucksvoll, Ihre Demonstration. Kann ich... können wir ihn jetzt sehen?“ Leicht verlegen räusperte Stefania sich.
„Nur zu. Aber nur...“
„...ein paar Minuten, ich weiss.“ Sie drückte Sterns Arm. „Danke, David.“
Er zwinkerte ihr aufmunternd zu und machte dann den Weg zu Lennards Bett frei. Sie trat zu ihm und erschrak im ersten Moment beim Anblick der vielen Impulsverbände, der Beinschiene und den Regenerationseinheiten an seinen Brüchen sowie auf der Stirn. Er sah geschwächt und verletzlich aus, wie er so mit halbgeschlossenen Augen dalag und zu ihr hochsah.
Sie lächelte ihn tapfer an und flüsterte fast: „Hallo. Wie fühlen Sie sich?“
„Wie das Arztbesteck auf Doc Sterns Tisch.“ Er lächelte sie matt an.
„Oh, Kyle...“ Sie beugte sich zu ihm hinunter.
„Vergessen Sie bitte nicht unsere Abmachung, Stefania,“ wisperte er.
„Welche Abmachung?“ wollte Stern wissen, der leise an sie herangetreten war.
Kall antwortete schnell anstelle der überrumpelten Ersten Offizierin: „Dass sie die Aldebaran voll und ganz in seinem Sinne führen wird, solange er unabkömmlich ist. Das hat sie ihm versprochen.“
„Genau. Und vor allem keine Vulcanier ärgern.“ Er drückte Stefanias Hand und fügte hinzu: „Wir sind doch ein gutes Team, nicht wahr?“
„Sie können sich auf mich verlassen, Captain. Kommen Sie nur schnell wieder auf die Beine und werden voll einsatzfähig.“ Sie kniff verschwörerisch ein Auge zu, ohne dass Stern und Kall es sehen konnten.
„Könnten Sie sich vielleicht um Ghor kümmern, bis ich wieder auf dem Damm bin?“ Als er sah, wie sie schluckte, fügte er hinzu: „Er wird Sie mögen.“
„Oh, da bin ich mir ganz sicher.“ Sie lächelte ein wenig gequält.
Wieder hielten sie eine Einsatzbesprechung ab, diesmal mit einer aktualisierten Erdkarte auf dem Wandschirm im Hintergrund. Die Karte hatte etwas entfernt Vertautes, nur dass die gesamte Ansicht stark gekippt erschien, sämtliche Kontinente an den falschen Stellen lagen und von Meereserosion stark deformiert oder teilweise versunken waren, sofern sie nicht von den gigantischen Polkappen bedeckt wurden, die von der stärkeren Neigung der Erdachse herrührten. Leardini sah skeptisch dorthin, wo eigentlich ihr Heimatland sein sollte.
„Also, berichten Sie, Mrs. Wuran. Konnten wir die Geographie der Erde vollständig identifizieren?“
„Grösstenteils, Commander. Wir dachten zunächst, dass uns das aufgrund der Plattentektonik von Terra bei unserem Problem weiterhelfen könnte, festzustellen, wie weit in der Zukunft wir uns eigentlich befinden. Leider hat sich durch den Einfluss des zweiten Mondes und die veränderte Achsneigung des Planeten die Wanderung der Kontinentalplatten so sehr verändert, dass wir unmöglich rekonstruieren können...“
„Das darf doch nicht wahr sein! Gibt es denn keine Möglichkeit, auch nur eine annähernde Berechnung anzustellen?“ wollte Leardini verzweifelt wissen.
Vakuf ergriff das Wort: „Wenn ich für meine geschätzte Kollegin antworten darf...“
Stefania setzte bereits zu einer scharfen Antwort an, fing dann aber die Blicke von Kall und Stern auf und erwiderte seufzend: „Tun Sie sich keinen Zwang an.“
„Ich danke Ihnen. Es ist so, dass die verschiedenen Kontinentalplatten der Erdkruste in unserer Gegenwart sich aufgrund jahrhundertelanger Beobachtungen in uns genau bekannten Richtungen und Tempos bewegten, sodass eine nahezu einhundertprozentig sichere Vorhersage der Veränderung bis in fernste Zukunft nie ein Problem war.
Dann jedoch gab es eine Katastrophe kosmischen Ausmasses, bei der der Nachbarplanet Mars total zerstört wurde und die gesamte Himmelsmechanik des Solsystems nachhaltig verändert hat. Die Auswirkungen auf die Erde sind uns nun bekannt, jedoch leider nicht der Zeitpunkt dieses Ereignisses. Wenn wir wüssten, wann diese Veränderungen eingetreten sind, wie lange sie bereits andauern oder in welcher Hinsicht sie die Tektonik exakt verändert haben, könnten wir eine sehr genaue Angabe über das Ausmass unserer erfahrenen Zeitdilitation machen. Alle diese Parameter fehlen uns jedoch bedauerlicherweise. Wir wissen nur mit Sicherheit, dass die Geschwindigkeit der Plattenbewegung erheblich zugenommen haben muss.“
„Wie kommen Sie darauf?“ wollte Stern neugierig wissen. „Sie können doch in der kurzen Zeitspanne unmöglich eine messbare Bewegung der Erdkruste festgestellt haben.“
„Das ist korrekt, Doktor, dafür benötigten wir tatsächlich eine viel längere Zeitspanne. Es hat mit der Anwesenheit dieses zweiten Mondes zu tun, oder genauer gesagt mit der Tatsache, dass ihr Heimatplanet nun über zwei Satelliten verfügt, die im Verhältnis zu seiner eigenen Masse recht gross sind und in sehr nahen Umlaufbahnen kreisen. Dadurch kumulieren sich die Anziehungskräfte der beiden Monde und der Sonne alle zwei Wochen, was die Erdmassen ungewöhnlich stark anhebt und verkantete Kontinentalplatten voneinander löst. Es resultieren die von uns beobachteten schweren Erdbeben, die wahrscheinlich auch dazu beigetragen haben, dass jede Spur von Zivilisation ausgelöscht wurde.“ Die Vulcanierin zupfte sich an einer ihrer steil nach aussen hin ansteigenden Augenbrauen.
„Im Klartext heisst das wohl, dass wir genauso weit sind wie zuvor,“ seufzte Kall.
„Wir haben versucht, anhand der Tiefenraumscans und der daraus erstellten Sternenkarten eine Berechnung vorzunehmen, sind aber an der Vielzahl der Variablen gescheitert. Wir können einen Grossteil der uns umgebenden Systeme nicht identifizieren und wissen leider auch nicht, bei welchen das daran liegt, dass sie bisher nicht kartografiert wurden und bei welchen daran, dass wir sie schlicht und einfach nicht wiedererkennen. Solange wir keinen Bezugs-punkt haben, sind wir hilflos. Manche Sterne könnten sogar erloschen oder neu entstanden sein, wenn wir uns wirklich so weit in der Zeit nach vorne bewegt haben, wie es den Anschein hat.“ Wuran hob hilflos die Schultern.
„Wäre echt toll, wenn wir an jemandem mit ‘ner Uhr vorbeifliegen würden, nicht?“ Stern stützte frustriert seinen Kopf auf den Ellenbogen.
„Dieser Jemand sollte aber eine verflixt gute und präzise Uhr haben, wenn uns das... was haben sie, Sam?“ Leardini brach ihre ironische Erwiderung auf Sterns nicht minder ironischen Kommentar ab, als sie bemerkte, dass Counselor Kall regelrecht erstarrt war. Ganz langsam breitete sich ein zufriedenes Grinsen auf ihrem Gesicht aus.
„Aber natürlich... das ist es! Es ist so einfach! Und die Lösung war die ganze Zeit vor unserer Nase.“ Sie fiel Stern lachend um den Hals und drückte ihm einen Kuss auf die Wange.
Stern war genauso verduzt wie die anderen Offiziere. Er hielt Kall sanft an den Schultern und stand langsam auf. „Das... das muß der Stress sein. Sie hat wohl einen leichten Nervenzusammenbruch erlitten angesichts der ausweglosen Lage, in der wir uns befinden.“
Nun liess Kall aprupt von ihm ab. „Ich bin wohl im falschen Holodeckprogramm? Wie kommen Sie dazu, von mir zu reden, als ob ich nicht anwesend wäre? Halten Sie ein bisschen spontane Freude für Unzurechnungsfähigkeit? Die Counselor bin immer noch ich.“
„Entschuldigen Sie bitte, kommt bestimmt nicht mehr vor. Aber könnten Sie uns wohl ihr Verhalten erklären?“ Gespannt sah er sie an.
„Wir können doch den Ewigen von Alnilam aufsuchen! Er müsste uns problemlos sagen können, wieviel Zeit seit unserem Besuch vergangen ist. Und wir wissen genau, wo wir ihn finden können.“ Kall strahlte förmlich vor Glück.
Etwas skeptisch wandte Vakuf ein: „Wir können uns nicht sicher sein, dass diese Lebensform noch existiert.“
„Kommen Sie schon, Vakuf, er ist ‘Der Ewige’. Warum heisst er wohl so? Das müsste sich doch selbst Ihnen erschliessen.“ Sie sah fast flehentlich zu Leardini hinüber.
„Sie haben das Kommando, Stefania,“ erinnerte Kazuki sie.
Sie überlegte kurz und meinte dann: „Es ist eine Chance. Ich finde, wir sollten ihr nachgehen.“
„Ja!“ Kall ballte siegesgewiss die Hand zur Faust.
„Worauf warten wir noch? An die Arbeit.“ Leardini stand schon an der Tür zur Brücke.
*****
Die Brückenbesatzung bekam fast einen Schreck, als sämtliche Führungsoffiziere entschlossenen Schrittes aus der Beobachtungslounge marschiert kamen und auf ihre Stationen zuhielten. Kaum, dass sie die Plätze rechtzeitig räumen konnten.
„Kurs aufs Wurmloch setzen,“ befahl die Erste Offizierin, indem sie auf den Kapitässessel glitt und über eine ihrer Konsolen eine Statusanzeige des Schiffes abrief.
Nach mehreren Sekunden bestätigte Vakuf: „Kurs liegt an, Commander.“
„Beschleunigen mit Warp Sieben. Energie.“
Die Aldebaran schoss davon und liessinnert kürzester Zeit das Sonnensystem hinter sich, um auf das Indrani-System zuzuhalten, in dem das Ende des Wurmloches lag. Die Passage durch den Verteronenschlauch verlief wiederum erfreulich problemlos, genauso wie der Flug zurück ins Alnilam-System zurück.
Sie hielten direkt auf Fafnir, den Mond von Alnilam V zu, wo der Ewige beheimatet war. Sie versuchten schon im Anflug auf den Parallelorbit des roten Satelliten, das geheimnisvolle Wesen zu kontakten, von dem sie sich so viel erhofften.
Counselor Kall betrat die Brücke und wandte sich an den diensthabenden Offizier der Nachtschicht, der bereits mit kleinen Augen auf dem Kapitänssessel sass und auf die Ablösung wartete. „Guten Morgen, Lieutenant. Irgendwelche Vorkommnisse?“
„Nein, Counselor. Wir befinden uns im Endanflug auf Fafnir und senden seit zehn Minuten Grussbotschaften an den Ewigen, bisher ohne Erfolg.“
„Tja, das wird wohl an der Hintergrundstrahlung von Alnilam liegen. Ich denke, die Erste Offizierin sollte das wissen. Counselor Kall an Commander Leardini.“
Für eine kleine Weile geschah nichts, dann meldete sich eine müde Stimme: „Leardini hier. Sprechen Sie, Sam.“
„Wir sind gerade beim Einschwenken auf einen Parallelorbit zu Fafnir und versuchen - bisher leider erfolglos - mit dem Ewigen Kontakt zu bekommen.“
„Hm, gut. Geben Sie mir ein paar Minuten. Leardini Ende.“ Das übliche Tonsignal beendete die Verbindung.
„Halten Sie’s noch aus bis zur Ablösung? Sie wirken sehr müde.“ Kall sah sich den jungen Lieutenant besorgt an.
„Nun ja, ich meine schon. Es waren nur ein paar hektische Wochen, die wir erlebt haben. Ich habe recht wenig Schlaf gefunden in dieser Zeit.“ Er hielt sich in einer antiquierten Geste beim Gähnen eine Hand vor dem Mund.
„Und dabei haben sich alle so sehr nach einem bisschen Aufregung und Abenteuer gesehnt.“ Kall musste ungewollt grinsen.
„Wenn wir diese Sache hier heil überstehen, dann gelobe ich Ihnen, werde ich für den Rest meiner Dienstzeit todlangweilige Kartierungsmissionen fliegen, ohne auch nur an Protest zu denken.“
„Das will ich auch schwer hoffen... nanu?“ Kall bemerkte das leise Zischen einer Tür hinter ihr und erblickte beim Umdrehen Leardini, die aus dem Bereitschaftsraum des Captains heraus auf die Brücke trat.
„Ich übernehme, Lieutenant. Sam, haben wir inzwischen Kontakt aufnehmen können?“
„Nein, Commander,“ antwortete Kall und fügte leise hinzu, als ihre Vorgesetzte sich auf den Platz des Captains setzte: „Sind Sie bereits umgezogen, Stefania?“
„Wie Sie wissen, Counselor, hatte der Captain mich dazu genötigt, sein Haustier zu hüten, bis er das wieder selbst tun kann; im übrigen eine Bitte, die ich ihm am Krankenbett kaum hätte abschlagen können. Dieser kleine Schlingel, Ghor heisst er, will mich seitdem um nichts in der Welt wieder gehen lassen, sobald ich bei ihm bin. Ich muss wohl auf der Couch im Bereitschaftsraum eingeschlafen sein, mit dem kleinen Racker auf dem Schoss. Können Sie sich das vorstellen: ich habe die ganze Nacht angezogen auf der Couch des Captains mit dem Haustier des Captains, zusammengerollt und zufrieden grunzend schlafend, zugebracht.“
„Sie haben ihn wirklich liebgewonnen, nicht wahr?“ Kall lächelte sie mitfühlend an.
„Meinen Sie den Captain oder Ghor?“ erwiderte Leardini vorlaut.
Lachend winkte Kall ab. „Sie sind unmöglich!“
„Wie sieht es mit dem Funkkontakt aus?“ fragte Leardini nun.
Wuran sah über die Schulter und bediente ihre Wissenschaftsstation blind weiter. „Immer noch keine Antwort, Commander. Ich werde das Gefühl nicht los, dass wir keine Verbindung bekommen werden.“
„Das mag schon sein... wir werden wieder hinabfliegen und nachsehen. Counselor, darf ich Ihre Künste als Shuttlepilotin nochmals in Anspruch nehmen?“
[morgen geht's weiter...]
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Montag, 6. November 2006
ST1.16 : Deep Space? Nein !
cymep, 12:40h
[... auf ausdrücklichen und dringenden Wunsch eines anonymen Fans, hier gleich die Fortsetzung von gestern ;-) ]
„Nach meinen Berechnungen noch zehn Sekunden, Sir“, liess der Wissenschaftsoffizier von der Nachtschicht verlauten. Lennard nickte ihm nur stumm zu und beobachtete weiterhin mit dem gesamten Rest der Brückenoffiziere den Hauptmonitor, der auf vorderen Ausblick geschaltet war.
Nachdem die Frist verstrichen war und sich nichts regte, stieg die Spannung bis zu einem fast unerträglichen Masse an. Manche fingen an, verhalten mit ihren Platznachbarn zu murmeln.
„Wieso geht das so lange?“ fragte Stern auf seinem Behelfssitz neben der Counselor mehr sich selbst als jemanden bestimmten.
„Dafür kann es viele Gründe geben“, erwiderte Kall leise. „Wir sollten die Hoffnung nicht allzuschnell aufgeben.“
Wie zur Bestätigung öffnete sich das Wurmloch plötzlich und entliess die Sonde in den normalen Raum, wo sie Kurs auf die wartende Aldebaran nahm, um von einem Traktorstrahl eingefangen und zurück an Bord genommen zu werden.
Auf der Brücke brandete Applaus auf, während die Sonde mit den letzten Treibstoffreserven in ihre Richtung manövrierte.
„Lieutenant, beginnen Sie sofort mit der Auswertung der Daten, sobald eine Verbindung zum Datenspeicher der Sonde hergestellt wurde“, befahl Lennard.
„Jawohl, Captain“, bestätigte der kleinwüchsige Humanoide von Antares, der erst seit ihrem Aufenthalt auf den dortigen Werften an Bord war. Er begann fieberhaft an der Wissenschaftskonsole zu arbeiten, um seinem neuen Captain möglichst schnell ein Ergebnis präsentieren zu können. Stirnrunzelnd studierte er seine Anzeigen, nur um dann ungläubig aufzukeuchen.
„Captain, das ist phantastisch!“ platzte es aus ihm heraus, bevor er sich besann und die vielen ungnädigen Blicke der übrigen Brückenoffiziere auffing.
„Sie wollen uns etwas mitteilen, Lieutenant?“ herrschte Leardini ihn autoritär an.
Kleinlaut kam die Antwort: „Ja, Sir. Verzeihen Sie. Es ist wegen der Daten...“
„Was ist damit?“ wollte Lennard wissen.
„Den Messungen der Sonde nach befindet sich das andere Ende des Wurmloches noch immer im Indrani-System. Dazu besteht eine fast einhundertprozentige Wahrscheinlichkeit, daß sich das Sol-System nur etwa dreissig Lichtjahre davon entfernt befindet.“
„Sie machen Witze!“ Stern war der erste, der einen Kommentar dazu abgab; den Rest verstand man bei dem Durcheinandergerede auf der Brücke nicht mehr.
„Ruhe!“ rief Lennard, worauf es still wurde und sich die allgemeine Aufmerksamkeit wieder auf ihn richtete. „Legen Sie eine Sternenkarte der näheren Umgebung des Indrani-Systems auf den Hauptschirm.“
Einen Moment später erschien die annähernd dreidimensionale Darstellung auf dem Hauptschirm. Lennard studierte sie kurz und meinte nachdenklich: „Es hat auch in unserem Sonnensystem Veränderungen gegeben, wie mir scheint. Nun, ich würde sagen, wir sehen uns das einmal vor Ort an. Meinungen?“
„Du willst ernsthaft durch das Wurmloch in den Gamma-Quadranten fliegen?“ Stern wollte seinen Ohren nicht trauen.
Leardini seufzte: „Doktor, wann begreifen Sie endlich, dass es keinen Gamma-Quadranten mehr gibt? Die Milchstrasse ist ein Müsli geworden, wenn Sie mit diesem Vergleich mehr anfangen können.“
„Verbindlichsten Dank“, grollte Stern unter verhaltenem Gekicher der Brückencrew.
„Dem Dominion würde das jedenfalls nicht sonderlich gefallen, wenn sie wüssten, dass wir einmal quasi Nachbarn im All sein werden. Wenn keiner weitere Anmerkungen hat, werde ich nun die Besatzung informieren. In... sagen wir, dreissig Minuten setzen wir Kurs auf das Wurmloch.“
*****
Nach einer hektischen halben Stunde, in der die Mannschaft vorbereitet worden war und sämtliche wissenschaftliche Teams ihre Posten bezogen hatten, um ja nichts von den folgenden Momenten zu verpassen, steuerten sie langsam auf die Position zu, bei der das Wurmloch lag.
Kall warf immer häufiger Seitenblicke auf Stern, der sich krampfhaft an seinem Sitz festkrallte. Da sie seine Gefühle ebenso wie Gedanken empfangen konnte, war sie im Moment wohl die einzige, der sein Unbehagen auffiel, da der Rest der Crew gebannt auf den Hauptschirm starrte. Sie zögerte eine Sekunde, legte ihm dann aber doch beruhigend die Hand auf den Unterarm. Er zuckte leicht zusammen, als er ihre Berührung spürte.
„Oh, Counselor, warum haben Sie das nicht schon früher gesagt?“ raunte er ihr vertraulich zu und grinste dabei. „Ich konnte ja nicht ahnen...“
Sie unterbrach ihn sanft: „Warum überspielen Sie ihre Sorge, David? Das ist etwas völlig Normales; schliesslich sind Sie noch nie durch ein Wurmloch gereist.“
„Sorge? Ich? Jetzt übertreiben Sie aber ein wenig!“ empörte er sich.
Sie schmunzelte. „Der korrekte Terminus wäre wahrscheinlich: ‘Sie haben die Hosen voll.’ Ich wollte es nicht sagen, aber Sie lassen mir keine andere Wahl.“
Er grinste halb verlegen, halb draufgängerisch: „Na, solange Sie ihr kleines, zartes Händchen da lassen, wo es ist, kann mir ja nichts passieren.“
Kall machte ein bedauerndes Gesicht. „Doktor, warum verstecken Sie Ihre Zuneigung hinter solchen Sprüchen? Warum lassen Sie sich nicht einfach einmal gehen und zeigen, was wirklich in Ihnen vorgeht?“
Stern konnte nicht anders, als die Schiffsberaterin fassungslos anzustarren. Dann schlich sich ein Ausdruck in sein Gesicht, der seine Kapitulation anzeigte. „Okay, Sie haben recht. Wie lange wissen Sie es schon, Sam?“
Sie schmunzelte und wurde tatsächlich etwas verlegen. „Spielt das denn eine Rolle?“
„Ich finde schon“, beharrte er. „Wissen Sie, ich denke immer, Sie sind noch so jung und erfrischend, und haben trotzdem schon so viel Lebenserfahrung. Sie können die Gefühle und sogar Gedanken anderer Leute lesen, wann immer Sie wollen... herrje, ich hoffe, Sie haben nicht alles von dem mitbekommen, was mir manchmal bei Ihrem Anblick durch den Kopf geht.“
„Ich werde mich schon melden, wenn es mir zu wüst wird, keine Sorge.“ Sie lachte leise auf und liess seinen Arm los. „Und jetzt seien Sie ein großer Junge und fliegen Sie mit uns da hindurch, okay?“
Er erwiderte ihr Lächeln und sah dann wieder nach vorne.
Lennard hatte einiges von diesem Zwischenspiel aus dem Augenwinkel beobachtet und beugte sich nun zu Leardini herüber, um ihr zuzuflüstern: „Ich habe allmählich das Gefühl, daß unsere Lage die...hm...’Verbundenheit’ unter der Besatzung in nie gekanntem Maße fördert.“
„Nun, solange es nicht ausartet, soll es mir recht sein,“ befand Leardini.
Dann, wiederum ohne sichtbares Vorzeichen, öffnete sich der gigantische Sternenschlund direkt vor ihnen, um Sie nur einen Lidschlag danach zu verschlingen.
Als sich die Öffnung der Raum-Zeit-Anomalie wieder schloss, hatte es den Anschein, als sei die Aldebaran nie wirklich dagewesen, so schnell und unvermittelt war sie verschwunden.
*****
Die Durchquerung hatte subjektiv nur einige Sekunden gedauert, für die meisten Besatzungsmitglieder auf der Brücke hingegen schien die Zeit stillgestanden zu haben. Bevor jemand etwas dazu äussern konnte, waren sie auch schon hindurch und traten wieder in den Normal-raum ein. Erneut klatschten mehrere Offiziere Beifall.
„Das ist sicherlich auch eines der Anzeichen dafür, dass bislang nie etwas Aufregendes auf un-seren Missionen geschehen ist“, meinte Lennard halblaut zu Leardini.
„Ich glaube, das wird sich mit der Zeit geben - jetzt, da unsere Welt mit Wundern, Kuriositäten und Abenteuern angefüllt ist“, erwiderte sie nicht ohne eine Spur Zynismus in der Stimme.
„Wow! Das war... unbeschreiblich!“ Stern konnte seinen Gefühlen gar keinen Ausdruck über das eben Erlebte verleihen. „Ich glaube, so ungefähr muß ein Elektron in einem supraleitenden Stromkabel die Welt um sich herum sehen.“
Kall lachte und erwiderte: „Das ist bestimmt die originellste Beschreibung, die ich je über eine Wurmlochdurchquerung gehört habe.“
Leardini ging nun bereits wieder zur Tagesordnung über. „Bitte Positionsbestimmung, Conn.“
Vakuf meldete pflichtgetreu: „Wir befinden uns im Indrani-System, 18’963 Lichtjahre von unserer letzten Position entfernt. Bis zum Zentralgestirn des Sol-Systems sind es dreiunddreissig Lichtjahre. Soll ich Kurs setzen?“
„Jawohl, Lieutenant. Warp neun. Ops, führen Sie einen Langstreckenscan des Indranisystems durch, während wir es durchfliegen. Vielleicht gibt es hier irgendwelche Hinweise, die uns von Nutzen sein könnten.“
„Aye, Sir.“ Während die Sterne auf dem Hauptmonitor sich in schillernde Lichtstreifen verwandelten und von der Bildschirmmitte aus schnell nach aussen rückten, um dann auseinanderzuschiessen und vom Raumschiff zurückgelassen zu werden, aktivierte Darrn die Sensorenphalanxen.
„Was wird uns auf der guten alten Erde nur erwarten?“ Als Leardini dies sagte, machte sie einen sehr nachdenklichen Eindruck auf Lennard, der fast schon ein Gefühl der Beklommenheit bei ihm erzeugte.
Als Warren auf ihn zukam, wurde er wieder seiner Umgebung gewahr. Sie trat zu seinem Sessel und fragte bedrückt: „Können Sie mir eine Frage beantworten, Captain?“
„Um was geht es, Rosalie?“
„Ist es Ihnen denn nicht aufgefallen? Niemand hat auch nur ein Wort über die Raumstation verloren, die vor der bajoranischen Wurmlochseite war.“
Lennard seufzte. „Sie meinen Deep Space Nine? Sehen Sie, alles ist so unvorstellbar... anders hier. Konstellationen sind nicht mehr wiederzuerkennen, sämtliche Zivilisation scheint verschwunden zu sein... da scheint es fast schon, nun, überflüssig zu sein, nach einem künstlich geschaffenen Himmelskörper zu fragen. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, doch mir war noch nie so stark die Vergänglichkeit von allem, wirklich allem Weltlichen so bewusst wie jetzt.“
Mit gesenktem Kopf antwortete Warren: „Sie haben natürlich recht, Captain. Es ist nur... ich habe einen Bruder, der auf Deep Space Nine stationiert war. Es macht mich einfach traurig, dass das hier alles verschwunden ist, mitsamt ihm.“
„So dürfen Sie das nicht sehen. Er hat wahrscheinlich sein Leben ganz normal gelebt; wir sind es, an denen alles vorbeigegangen ist“, warf Lennard ein.
„Nicht sehr tröstlich. Bitte entschuldigen Sie mich.“ Warren wandte sich rasch ab und verliess die Brücke.
„Oh je, das war wohl nicht gerade diplomatisch. Stefania?“ Lennard hatte sich zu seiner Ersten Offizierin umgedreht und bemerkte nun, dass diese ihn ausgesprochen unfreundlich ansah.
„He, sie wird schon darüber hinwegkommen.“ Er musterte verduzt ihr erbostes Gesicht.
„Sie ist erst wenige Tage an Bord und du nennst sie schon beim Vornamen? Erklär’ mir das“, zischte sie ihm zu.
Er wollte etwas antworten, sah jedoch, wie Kazuki sie von seiner Sicherheitsstation aus aus dem Augenwinkel beobachtete. Deutlich vernehnlich sagte er darauf: „Commander, bitte folgen Sie mir in meinen Bereitschaftsraum. Counselor, Sie haben die Brücke.“
Nachdem er aufgestanden war und Kall mit fragendem Blick und einem bestätigenden „Aye,Sir“ das Kommando übernommen hatte, geleitete Leardini ihn in seinen Raum. Es war wie eine kleine Erlösung, als sich die Tür hinter ihnen schloss.
Noch ehe sie etwas von sich geben konnte, begann er: „Hören Sie mir bitte gut zu, Stefania. Wir müssen ein wenig vorsichtiger sein, auch wenn es uns nicht leichtfällt. Ich weiss, dass Sie Ihr Temperament nicht immer im Zaum halten können. Auch das ist etwas, das ich an Ihnen so mag. Aber gerade jetzt können wir es uns nicht erlauben, dass die Mannschaft über unser Verhältnis zueinander tratscht. Ich will uns keinesfalls verleugnen, aber ich denke, dass man sich erst allmählich daran gewöhnen muss. Und was Rosalie Warren angeht...“
Er nahm sie in die Arme und küsste sie.
„Wenn man sechs Stunden lang zusammen in einem kleinen Computerkontrollraum intensiv zusammenarbeiten muß, kann es vorkommen, daß die eine oder andere Höflichkeitsfloskel auf der Strecke bleibt“, beendete er seine Erklärung, hielt sie jedoch weiter im Arm.
Sie sah ihn mit grossen Augen an und antwortete ernst: „Mit so einem Gefühlsausbruch gerade von dir hätte ich nicht gerechnet. Du weisst ja gar nicht, was du mir damit beweist.“
Sie legte ihren Kopf an seine Brust und hielt ihn fest umarmt. Er stand da mit ihr im Arm und hatte ihren Duft in der Nase, während er durch das schmale, mannshohe Fenster aus transparentem Aluminium die Sterne draussen vorbeiziehen sah. Diesen Moment wollte er am liebsten festhalten und nie vergehen lassen, doch die Zeit war das grösste Problem, das sie hatten.
„Also, Nummer Eins, wollen wir unseren Dienst weiterführen?“
Sie lächelte und löste sich von ihm. „Wie so oft haben Sie es wieder einmal geschafft, mich in meine Schranken zu verweisen und zu Gehorsam und Disziplin zu motivieren.“
„Nach Ihnen. Und tun Sie wenigstens so, als hätte meine Moralpredigt etwas bewirkt.“ Er erlaubte sich sogar, ihr beim Hinausgehen einen übermütigen Klaps auf den Hintern zu geben.
*****
„Achtung, da kommen Sie“, wisperte der Fähnrich vom Sicherheitsdienst zum Wissenschaftsoffizier, als sich die Tür zum Bereitschaftsraum öffnete.
„Das ging aber nicht lange“, bemerkte dieser schmunzelnd beim niedergeschagenen Gesichtsausdruck der Ersten Offizierin. Als hinter ihr der Captain mit äusserst selbstgefälliger Miene und autoritär hinter dem Rücken verschränkten Händen auftauchte, verbreiterte sich das Schmunzeln zu einem Grinsen, sodass er sich abwenden musste, um nicht laut herauszuprusten.
Als der Fähnrich noch hinzufügte: „Die hat ihr Fett fürs erste weg“, wurde es schier unerträglich für ihn.
*****
Es dauerte nicht mehr lange, bis sie den Randbezirk des Sonnensystems erreichten. Vakuf wollte wissen: „Welchen Kurs soll ich setzen, Captain?“
„Ist das nicht logisch für Sie, Conn?“ versetzte Lennard und fing sich damit einen beleidigten Seitenblick von Leardini ein.
„Ich wollte lediglich das Protokoll einhalten, Sir“, wurde er darauf von der Steueroffizierin belehrt.
„Können Sie mir sagen, ob die Erde noch da ist, wo sie sein sollte?“ forschte der Captain gereizt nach.
Völlig ungerührt betätigte Vakuf einige ihrer Armaturen; wahrscheinlich übernahm sie gerade Daten der Fernsensorik. „Jawohl, Captain, ein Himmelskörper, auf den die Spezifikation der Erde in etwa zutrifft, umkreist Sol an dritter Stelle.“
„Nehmen Sie Kurs darauf und senken Sie die Geschwindigkeit auf Warp vier. Ich bin derart laxe Formulierungen von Ihnen nicht gewohnt, Mrs. Vakuf. Was bitte wollen Sie mit ‘in etwa’ andeuten?“
Die Vulcanierin räusperte sich: „Damit wollte ich in diplomatischer Form andeuten, dass sich auch in Ihrem Heimatsystem einiges geändert hat, Sir.“
„Oh, ich weiss Ihre Einfühlsamkeit durchaus zu schätzen“, bemerkte Lennard in einem Tonfall, der das Gesagte Lügen strafte, „aber bitte nennen Sie uns jetzt die festgestellten Spezifikationen.“
„Sonne gelben Typs, Durchmesser 1’548’000 km, Oberflächentemperatur knapp 5’000 ° C. Neun Planeten...“
„Einen Moment, Lieutenant. Die Sonne ist um einiges grösser, aber auch kälter geworden. Welchen Einfluss hat das auf ihre Wärmeabgabe?“ Lennard war momentan noch zu fasziniert, um überhaupt zu realisieren, was er da nachfragte.
Die beiden Veränderungen gleichen sich fast aus. Ich messe 98,8 % der früheren Energiemenge. Dennoch...“
„Verzeihung, haben Sie eben neun Planeten gesagt, Vakuf?“ unterbrach Leardini ungewohnt höflich. „Es fehlt einer?“
„Korrekt, Commander. Dafür registriere ich zwei Asteroidengürtel, beide zwischen Erde und Jupiter. Der äußere befindet sich in der gewohnten Position, der innere ungefähr in der ehemaligen Marsumlaufbahn.“
„Der Mars! Was kann das bewirkt haben?“ Kazuki war der Schock deutlich ins Gesicht geschrieben; Lennard fiel ein, dass der Sicherheitschef einmal erwähnt hatte, früher eine Zeitlang in einer der Marskolonien gelebt und viele Freunde mit Aufnahme des aktiven Dienstes in der Sternenflotte dort zurückgelassen zu haben.
„Das muß eine kosmische Katastrophe gewesen sein. Vergessen Sie bitte nicht, dass wir noch immer nicht wissen, wie weit in der Zukunft wir uns befinden. Das alles ist unter Umständen nur der natürliche Verlauf der Dinge.“ Man merkte auch Lennard allmählich an, wie selbst er darum bemüht war, die Fassung zu bewahren.
Nun verstanden einige, was in der Bajoranerin vorgegangen war, als sie ihre geliebte Heimat derart verfremdet vorgefunden hatte.
Leardini sah über ihre Schulter und fragte zaghaft: „Wie sieht es mit der Erde aus? Veränderungen?“
Der diensthabende Wissenschaftsoffizier schluckte, als er seine Anzeigen ablas: „Die Umlaufbahn verläuft fast 76’700 km weiter entfernt von der Sonne. Die Neigung der Erdachse zu ihrer Umlaufbahn ist um etwa zehn Grad auf dreiunddreissig Grad angestiegen und... unglaublich!“
„Machen Sie es nicht so spannend!“ fuhr Leardini ihn an.
Stotternd berichtete der Fähnrich: „Die Erdachse ist um neunzehneinhalb Grad verschoben, Commander. Der Nordpol liegt am Rande des Mittelsibirischen Berglands und der Südpol in der Nähe des Mount Jacksons, im Palmerland auf der antarktischen Halbinsel. Der Planet weist erheblich vergrösserte Polkappen auf und...“
Der junge Mann fasste sich ein weiteres Mal. „Es befinden sich zwei Satelliten im Erdorbit.“
„Sie machen Witze!“ Lannard schoss förmlich aus dem Kommandantensessel heraus.
„Ich fürchte nicht, Captain. Der eine ist unser guter, alter Mond, aber der andere... ein unregelmässiger Körper, Länge der grössten Achse 912 km, Masse etwa ein Viertel des Erdmondes. Der Zusammensetzung nach könnte es ein Fragment des Marses sein, wahrscheinlich dessen Kernes. Er umkreist die Erde in 178’000 km Entfernung auf fast derselben Ebene wie der Mond. Dessen Umlaufbahn hat übrigens einen Radius von nur 305’000 km.“
„Das muss ich erst einmal verkraften,“ ächzte Leardini.
„Ich glaube, das begreife ich erst, wenn ich es mit eigenen Augen sehe. Wie lange noch bis zur Erde, Mrs. Vakuf?“
„Wir können in etwa zwei Minuten unter Warp gehen und in einen niedrigen Orbit gehen. Ich muss eine neue Umlaufbahn errechnen, da durch den zweiten Mond die Schwerkraftverhältnisse im Raum um die Erde erheblich verändert sind und dadurch der Standardorbit nicht mehr anwendbar ist.“
„In Ordnung. Haben wir schon Sichtkontakt?“
„Sichtkontakt bei maximaler Vergrösserung möglich, Captain“, bestätigte der Fähnrich.
„Sicht nach vorne auf den Hauptschirm“, befahl der Captain und lehnte sich gespannt vor.
Zuerst war nur ein kleiner Punkt zu sehen, der sich jedoch bei ihrer hohen Annäherungsgeschwindigkeit schnell vergrößerte. Dann teilte er sich in einen größeren und zwei kleinere Flecken auf. Lennard hielt den Atem an, als er seine Heimatwelt erblickte. Trotz aller Veränderungen, vor allem der grauen ‘Kartoffel’, welche zwischen Erde und Mond im All schwebte, hatte er gleich das Gefühl, dass das dort sein Heimatplanet war. Sie näherten sich aus einem schrägen Winkel von Süden her, sodass er eine riesige Eisfläche ausmachen konnte, die fast eine halbe Hemisphäre ausfüllte.
„Mein Gott, Kyle, sehen Sie sich das an!“ Leardini blieb bei dem unerwarteten Anblick der Mund offenstehen.
Unter den für die Erde typischen Wolkenmustern waren zwei Kontinente erkennbar. Lennards Meinung nach musste es sich bei ihnen um Afrika und Südamerika handeln, obwohl offensichtlich einiges nicht mit ihnen in Ordnung war. Der unterste Teil Südamerikas schien in der südlichen Polkappe zu stecken. Ganz Patagonien war mit Eis überzogen, das Kap Hoorn existierte nicht mehr. Entlang der Anden zog sich die Vergletscherung weit nach Norden hinauf. Lennard sagte tonlos: „Ich hoffe nur, wir haben keine Argentinier oder Chilenen an Bord. Diesen Anblick möchte ich ihnen ersparen.“
„Sie haben den Rest der Erde noch nicht gesehen, Captain“, erinnerte Vakuf ihn.
„Vielen Dank, Lieutenant“, entgegnete Leardini zynisch.
„Ich würde sagen, wir steuern zunächst San Francisco an, da sich dort der Sitz der Föderation befindet... ich meine, befand... wie auch immer.“ Erzürnt über sich selbst und das Komische, das diese Lage nur noch befremdlicher machte, winkte er ab.
„Sie erwarten aber nicht wirklich, dort unten etwas zu finden, oder?“ In Kazukis Stimme klang unverhohlener Pessimismus mit.
„Ich verkneife mir jegliche Spekulationen, Mr. Kazuki. Ich möchte, dass Sie das Aussenteam ebenfalls begleiten, welches zu den Koordinaten des ehemaligen San Francisco herabbeamen wird. Und nehmen Sie bitte auch eine Kamera mit, um uns direkt Aussenbilder zu liefern.“
Nachdem Leardini ihr Aussenteam zusammengestellt hatte und auf dem Weg in den Transporterraum war, begab Lennard sich zur Ops-Konsole und sah Darrn über die Schulter. „Haben Sie die Koordinaten von San Francisco ermitteln können?“
„Jawohl, Sir. Sie befinden sich auf einer Landmasse, die in etwa dem Bundesstaat und der Halbinsel Kalifornien entspricht und dreihundert Kilometer westlich des Nordamerikanischen Kontinents liegt. Stimmt etwas nicht, Sir?“ Der Klingone sah den Captain befremdet an, da der ihn mit offenem Mund anstarrte.
„Sie können fragen, Mr. Darrn. Ich möchte Ihr Gesicht sehen, wenn wir Klingon finden würden und Ihre Heimatwelt derart verfremdet wäre, dass Sie sie kaum noch erkennen würden.“
„Verzeihen Sie bitte, Captain, das war eine dumme Frage.“
Lennard seufzte auf. „Schon gut, Mr. Darrn. Sobald wir in den Orbit eingetreten sind und die ersten paar Umkreisungen gemacht haben, würde ich gerne eine aktuelle Karte der Erde haben.“
„Aye, Sir. Ich werde alles Nötige veranlassen.“ Sofort begann Darrn mit den zuständigen Stellen zu kommunizieren, um die gewünschte Karte zu erstellen.
„Aussenteam bereit zum Runterbeamen“, meldete Leardini über Interkom.
„Dann ‘mal los, Nummer Eins.“
Eine ganze Zeit lang war fast nichts zu hören, dann ließ Leardini sich vernehmen: „Aussenteam an Brücke. Wir stehen hier in einer wunderschönen natürlichen Parklandschaft mit Blick auf den Ozean. Weit und breit keine Spur von Menschen oder irgendwelche Anzeichen von Zivilisation. Sollen wir die Kamera einrichten?“
„Bitte. Sie stehen übrigens mitten in der Innenstadt von San Francisco - geografisch gesehen.“
Nach einer Sekunde des Schweigens meinte Leardini: „Man braucht wirklich eine Menge Fantasie, um sich das vorstellen zu können. So, wir sind soweit.“
„Auf den Hauptschirm“, befahl Lennard. Es erschien das idyllische Bild einer wild wuchernden, üppigen Vegetation, die ein flaches Hügelland vollständig überwachsen hatte.
„Um es mit einer terranischen Formulierung auszudrücken, Captain: es steht kein Stein mehr auf dem anderen.“ Vakufs Bemerkung war wohl nicht gerade sehr feinfühlig, dafür entsprach sie aber sehr wohl der Wahrheit.
Lennard sah zu Boden und sagte leise: „Nun wissen wir es wohl definitiv, dass wir uns in einer weit entfernten Zukunft befinden. Nur wie weit, das gilt es nach wie vor herauszufinden. Ich möchte gerne auf meinen Heimatort herabbeamen. Hat sonst noch jemand Lust, sich die Erde anzusehen?“
Es meldeten sich drei Besatzungsmitglieder, denen ein Transporterraum genannt wurde, in welchem sie sich einfinden sollten. Lennard übergab die Brücke an Vakuf und begab sich ebenfalls dorthin.
*****
Das erste, was Lennard sah, als er sich rematerialisierte, war das Meer vor ihnen. Es war zur Zeit Nacht auf Neuseeland oder dem, was aller Wahrscheinlichkeit nach einst Neuseeland gewesen war, doch die gespenstische Szenerie der beiden hochstehenden Monde spendete mehr als ausreichend Licht. Es war schon mehr als unheimlich, neben dem vertrauten Vollmond den riesigen, dunklen und unförmigen Felsklumpen am Sternenhimmel hängen zu sehen.
„Das ist ... falls wir je einen Weg finden, in unsere eigene Epoche zurückzufinden, sollten wir eine Aufzeichnung über das hier mitnehmen. Denn ansonsten wird uns das niemand glauben.“
Lennard warf der Frau, die diese Bemerkung gemacht hatte, einen erbosten Seitenblick zu und sah sich dann erschüttert, aber doch auch fasziniert um. „Der Mond scheint näher an der Erde zu sein als früher, er scheint viel größer und heller zu scheinen.“
Lennard betrachtete sich den Erdenmond zum ersten Mal genauer. Bislang hatte er ihm nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit gewidmet angesichts der vielen Veränderungen der Erde. Nun merkte er, dass sich das Aussehen des Trabanten durchaus geändert hatte und nicht, wie der erste Schein einen Glauben machte, das einzige Unveränderte war. Er schien in der Tat heller, aber vor allem deshalb, weil die ursprünglich sichtbaren Mare, dunkle Tiefebenen auf der erdzugewandten Seite des Mondes, praktisch nicht mehr existierten. Sie waren einer Vielzahl von neuen Kratern gewichen, die wohl das Resultat einer massiven Bombardierung mit kleinen Gesteinsbrocken sein mussten. Was immer den Mars zerstört und der Erde einen zweiten Satelliten beschert hatte, trug auch die Verantwortung für das derzeitige Antlitz des Mondes.
„ Sehen Sie sich diesen Baum an. Sieht das nicht seltsam aus?“ Lennard gesellte sich zu den anderen, die eine wirklich fremdartig anmutende Pflanze umstanden. Zweifellos war dies hier eine Art, die zu ihrer Zeit noch nicht existiert hatte. Man konnte nur den Umriss im Gegenlicht der beiden Monde erkennen, dieser allein war jedoch bizarr genug. Der Baum - wenn es wirklich einer war - war nur wenige Meter hoch und besass eine breite, wie plattgedrückt erscheinende Baumkrone und knapp darüber eine kleinere Ausgabe selbiger. Das skurrilste jedoch war der Stamm. Er war an seiner Basis breit genug, um einem ausgewachsenen Urwaldriesen Konkurrenz zu machen und lief etwa einen Meter über dem Boden in viele armdicke Unterteilungen aus, die vom Zentrum des Stammes weg in die Erde liefen. Dadurch wirkte er wie ein Sumpfgewächs, obwohl die Ausläufer hier aus massivem Holz waren, wie sie herausfanden. Sie stellten des weiteren fest, dass von jedem dieser Ausläufer ein sehr dickes, komplexes Wurzelwerk in Bodennähe, teilweise sichtbar, bis zu zehn Meter kreisförmig vom Stamm weg ausgebildet war.
„Das muss doch etwas zu bedeuten haben; die Natur hat diese Pflanze sicher nicht zufällig hervorgebracht.“ Einer von Lennards Begleitern überlegte angestrengt, was es mit dieser Entdeckung auf sich haben mochte.
Lennard klopfte auf einen der Ausläufer. „Das Holz hier ist unglaublich hart, fast schon wie Stein. Und das Aussehen lässt darauf schließen, daß diese Pflanze offenbar sehr großen Naturkräften ausgesetzt wird. Man könnte fast meinen, sie stemmt sich mit aller Kraft in den Boden.“
Die junge Frau in ihrer Gruppe leuchtete ausserhalb des Wurzelgeflechtes den Boden ab. „Die Erde hier ist mit Rissen und Spalten durchzogen, aber nur ausserhalb des Wurzelwerkes. Vielleicht gibt es an diesem Hang hier Erdbewegungen, der der Baum entgegenwirken will, indem er sich förmlich in den Hang krallt.“
„Das halte ich für unwahrscheinlich“, widersprach Lennard. „Dann wäre dieser Baum ja eine Mutation oder ein Lebewesen, das seine Lage erkannt hat und sich aktiv zur Wehr setzt.“
„Vielleicht ist diese Spezies etwas ähnliches wie ein ‘Piersols Reisensder’ auf Marcos XII. Dieser Baum wandert allerdings nicht frei umher und nimmt Nährstoffe aus Gewässern auf, sondern hat sich im Gegenteil fest im Boden verankert wie ein normaler Baum auch.“
„Guter Einwand. Hm, er sieht fast schon unheimlich aus im Mondlicht.“ Lennard sah empor und überlegte. „Der Mond ist fast voll und überschneidet sich bald mit dem zweiten Satelliten. Könnte es sein...?“
Das war das letzte, woran Lennard sich erinnern konnte, bevor er das Bewusstsein verlor. Halt, da war ein Crewmitglied, das plötzlich an ihm vorbeiflog. Er fühlte sich mit einem Mal fast schwerelos und fiel dann, bevor er hart aufschlug und in eine dichte Dunkelheit getaucht wurde.
[ich weiß, der harte Aufschlage auf der Realität schmerzt, aber Du musst bis morgen auf Kapitel 6 warten...]
„Nach meinen Berechnungen noch zehn Sekunden, Sir“, liess der Wissenschaftsoffizier von der Nachtschicht verlauten. Lennard nickte ihm nur stumm zu und beobachtete weiterhin mit dem gesamten Rest der Brückenoffiziere den Hauptmonitor, der auf vorderen Ausblick geschaltet war.
Nachdem die Frist verstrichen war und sich nichts regte, stieg die Spannung bis zu einem fast unerträglichen Masse an. Manche fingen an, verhalten mit ihren Platznachbarn zu murmeln.
„Wieso geht das so lange?“ fragte Stern auf seinem Behelfssitz neben der Counselor mehr sich selbst als jemanden bestimmten.
„Dafür kann es viele Gründe geben“, erwiderte Kall leise. „Wir sollten die Hoffnung nicht allzuschnell aufgeben.“
Wie zur Bestätigung öffnete sich das Wurmloch plötzlich und entliess die Sonde in den normalen Raum, wo sie Kurs auf die wartende Aldebaran nahm, um von einem Traktorstrahl eingefangen und zurück an Bord genommen zu werden.
Auf der Brücke brandete Applaus auf, während die Sonde mit den letzten Treibstoffreserven in ihre Richtung manövrierte.
„Lieutenant, beginnen Sie sofort mit der Auswertung der Daten, sobald eine Verbindung zum Datenspeicher der Sonde hergestellt wurde“, befahl Lennard.
„Jawohl, Captain“, bestätigte der kleinwüchsige Humanoide von Antares, der erst seit ihrem Aufenthalt auf den dortigen Werften an Bord war. Er begann fieberhaft an der Wissenschaftskonsole zu arbeiten, um seinem neuen Captain möglichst schnell ein Ergebnis präsentieren zu können. Stirnrunzelnd studierte er seine Anzeigen, nur um dann ungläubig aufzukeuchen.
„Captain, das ist phantastisch!“ platzte es aus ihm heraus, bevor er sich besann und die vielen ungnädigen Blicke der übrigen Brückenoffiziere auffing.
„Sie wollen uns etwas mitteilen, Lieutenant?“ herrschte Leardini ihn autoritär an.
Kleinlaut kam die Antwort: „Ja, Sir. Verzeihen Sie. Es ist wegen der Daten...“
„Was ist damit?“ wollte Lennard wissen.
„Den Messungen der Sonde nach befindet sich das andere Ende des Wurmloches noch immer im Indrani-System. Dazu besteht eine fast einhundertprozentige Wahrscheinlichkeit, daß sich das Sol-System nur etwa dreissig Lichtjahre davon entfernt befindet.“
„Sie machen Witze!“ Stern war der erste, der einen Kommentar dazu abgab; den Rest verstand man bei dem Durcheinandergerede auf der Brücke nicht mehr.
„Ruhe!“ rief Lennard, worauf es still wurde und sich die allgemeine Aufmerksamkeit wieder auf ihn richtete. „Legen Sie eine Sternenkarte der näheren Umgebung des Indrani-Systems auf den Hauptschirm.“
Einen Moment später erschien die annähernd dreidimensionale Darstellung auf dem Hauptschirm. Lennard studierte sie kurz und meinte nachdenklich: „Es hat auch in unserem Sonnensystem Veränderungen gegeben, wie mir scheint. Nun, ich würde sagen, wir sehen uns das einmal vor Ort an. Meinungen?“
„Du willst ernsthaft durch das Wurmloch in den Gamma-Quadranten fliegen?“ Stern wollte seinen Ohren nicht trauen.
Leardini seufzte: „Doktor, wann begreifen Sie endlich, dass es keinen Gamma-Quadranten mehr gibt? Die Milchstrasse ist ein Müsli geworden, wenn Sie mit diesem Vergleich mehr anfangen können.“
„Verbindlichsten Dank“, grollte Stern unter verhaltenem Gekicher der Brückencrew.
„Dem Dominion würde das jedenfalls nicht sonderlich gefallen, wenn sie wüssten, dass wir einmal quasi Nachbarn im All sein werden. Wenn keiner weitere Anmerkungen hat, werde ich nun die Besatzung informieren. In... sagen wir, dreissig Minuten setzen wir Kurs auf das Wurmloch.“
*****
Nach einer hektischen halben Stunde, in der die Mannschaft vorbereitet worden war und sämtliche wissenschaftliche Teams ihre Posten bezogen hatten, um ja nichts von den folgenden Momenten zu verpassen, steuerten sie langsam auf die Position zu, bei der das Wurmloch lag.
Kall warf immer häufiger Seitenblicke auf Stern, der sich krampfhaft an seinem Sitz festkrallte. Da sie seine Gefühle ebenso wie Gedanken empfangen konnte, war sie im Moment wohl die einzige, der sein Unbehagen auffiel, da der Rest der Crew gebannt auf den Hauptschirm starrte. Sie zögerte eine Sekunde, legte ihm dann aber doch beruhigend die Hand auf den Unterarm. Er zuckte leicht zusammen, als er ihre Berührung spürte.
„Oh, Counselor, warum haben Sie das nicht schon früher gesagt?“ raunte er ihr vertraulich zu und grinste dabei. „Ich konnte ja nicht ahnen...“
Sie unterbrach ihn sanft: „Warum überspielen Sie ihre Sorge, David? Das ist etwas völlig Normales; schliesslich sind Sie noch nie durch ein Wurmloch gereist.“
„Sorge? Ich? Jetzt übertreiben Sie aber ein wenig!“ empörte er sich.
Sie schmunzelte. „Der korrekte Terminus wäre wahrscheinlich: ‘Sie haben die Hosen voll.’ Ich wollte es nicht sagen, aber Sie lassen mir keine andere Wahl.“
Er grinste halb verlegen, halb draufgängerisch: „Na, solange Sie ihr kleines, zartes Händchen da lassen, wo es ist, kann mir ja nichts passieren.“
Kall machte ein bedauerndes Gesicht. „Doktor, warum verstecken Sie Ihre Zuneigung hinter solchen Sprüchen? Warum lassen Sie sich nicht einfach einmal gehen und zeigen, was wirklich in Ihnen vorgeht?“
Stern konnte nicht anders, als die Schiffsberaterin fassungslos anzustarren. Dann schlich sich ein Ausdruck in sein Gesicht, der seine Kapitulation anzeigte. „Okay, Sie haben recht. Wie lange wissen Sie es schon, Sam?“
Sie schmunzelte und wurde tatsächlich etwas verlegen. „Spielt das denn eine Rolle?“
„Ich finde schon“, beharrte er. „Wissen Sie, ich denke immer, Sie sind noch so jung und erfrischend, und haben trotzdem schon so viel Lebenserfahrung. Sie können die Gefühle und sogar Gedanken anderer Leute lesen, wann immer Sie wollen... herrje, ich hoffe, Sie haben nicht alles von dem mitbekommen, was mir manchmal bei Ihrem Anblick durch den Kopf geht.“
„Ich werde mich schon melden, wenn es mir zu wüst wird, keine Sorge.“ Sie lachte leise auf und liess seinen Arm los. „Und jetzt seien Sie ein großer Junge und fliegen Sie mit uns da hindurch, okay?“
Er erwiderte ihr Lächeln und sah dann wieder nach vorne.
Lennard hatte einiges von diesem Zwischenspiel aus dem Augenwinkel beobachtet und beugte sich nun zu Leardini herüber, um ihr zuzuflüstern: „Ich habe allmählich das Gefühl, daß unsere Lage die...hm...’Verbundenheit’ unter der Besatzung in nie gekanntem Maße fördert.“
„Nun, solange es nicht ausartet, soll es mir recht sein,“ befand Leardini.
Dann, wiederum ohne sichtbares Vorzeichen, öffnete sich der gigantische Sternenschlund direkt vor ihnen, um Sie nur einen Lidschlag danach zu verschlingen.
Als sich die Öffnung der Raum-Zeit-Anomalie wieder schloss, hatte es den Anschein, als sei die Aldebaran nie wirklich dagewesen, so schnell und unvermittelt war sie verschwunden.
*****
Die Durchquerung hatte subjektiv nur einige Sekunden gedauert, für die meisten Besatzungsmitglieder auf der Brücke hingegen schien die Zeit stillgestanden zu haben. Bevor jemand etwas dazu äussern konnte, waren sie auch schon hindurch und traten wieder in den Normal-raum ein. Erneut klatschten mehrere Offiziere Beifall.
„Das ist sicherlich auch eines der Anzeichen dafür, dass bislang nie etwas Aufregendes auf un-seren Missionen geschehen ist“, meinte Lennard halblaut zu Leardini.
„Ich glaube, das wird sich mit der Zeit geben - jetzt, da unsere Welt mit Wundern, Kuriositäten und Abenteuern angefüllt ist“, erwiderte sie nicht ohne eine Spur Zynismus in der Stimme.
„Wow! Das war... unbeschreiblich!“ Stern konnte seinen Gefühlen gar keinen Ausdruck über das eben Erlebte verleihen. „Ich glaube, so ungefähr muß ein Elektron in einem supraleitenden Stromkabel die Welt um sich herum sehen.“
Kall lachte und erwiderte: „Das ist bestimmt die originellste Beschreibung, die ich je über eine Wurmlochdurchquerung gehört habe.“
Leardini ging nun bereits wieder zur Tagesordnung über. „Bitte Positionsbestimmung, Conn.“
Vakuf meldete pflichtgetreu: „Wir befinden uns im Indrani-System, 18’963 Lichtjahre von unserer letzten Position entfernt. Bis zum Zentralgestirn des Sol-Systems sind es dreiunddreissig Lichtjahre. Soll ich Kurs setzen?“
„Jawohl, Lieutenant. Warp neun. Ops, führen Sie einen Langstreckenscan des Indranisystems durch, während wir es durchfliegen. Vielleicht gibt es hier irgendwelche Hinweise, die uns von Nutzen sein könnten.“
„Aye, Sir.“ Während die Sterne auf dem Hauptmonitor sich in schillernde Lichtstreifen verwandelten und von der Bildschirmmitte aus schnell nach aussen rückten, um dann auseinanderzuschiessen und vom Raumschiff zurückgelassen zu werden, aktivierte Darrn die Sensorenphalanxen.
„Was wird uns auf der guten alten Erde nur erwarten?“ Als Leardini dies sagte, machte sie einen sehr nachdenklichen Eindruck auf Lennard, der fast schon ein Gefühl der Beklommenheit bei ihm erzeugte.
Als Warren auf ihn zukam, wurde er wieder seiner Umgebung gewahr. Sie trat zu seinem Sessel und fragte bedrückt: „Können Sie mir eine Frage beantworten, Captain?“
„Um was geht es, Rosalie?“
„Ist es Ihnen denn nicht aufgefallen? Niemand hat auch nur ein Wort über die Raumstation verloren, die vor der bajoranischen Wurmlochseite war.“
Lennard seufzte. „Sie meinen Deep Space Nine? Sehen Sie, alles ist so unvorstellbar... anders hier. Konstellationen sind nicht mehr wiederzuerkennen, sämtliche Zivilisation scheint verschwunden zu sein... da scheint es fast schon, nun, überflüssig zu sein, nach einem künstlich geschaffenen Himmelskörper zu fragen. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, doch mir war noch nie so stark die Vergänglichkeit von allem, wirklich allem Weltlichen so bewusst wie jetzt.“
Mit gesenktem Kopf antwortete Warren: „Sie haben natürlich recht, Captain. Es ist nur... ich habe einen Bruder, der auf Deep Space Nine stationiert war. Es macht mich einfach traurig, dass das hier alles verschwunden ist, mitsamt ihm.“
„So dürfen Sie das nicht sehen. Er hat wahrscheinlich sein Leben ganz normal gelebt; wir sind es, an denen alles vorbeigegangen ist“, warf Lennard ein.
„Nicht sehr tröstlich. Bitte entschuldigen Sie mich.“ Warren wandte sich rasch ab und verliess die Brücke.
„Oh je, das war wohl nicht gerade diplomatisch. Stefania?“ Lennard hatte sich zu seiner Ersten Offizierin umgedreht und bemerkte nun, dass diese ihn ausgesprochen unfreundlich ansah.
„He, sie wird schon darüber hinwegkommen.“ Er musterte verduzt ihr erbostes Gesicht.
„Sie ist erst wenige Tage an Bord und du nennst sie schon beim Vornamen? Erklär’ mir das“, zischte sie ihm zu.
Er wollte etwas antworten, sah jedoch, wie Kazuki sie von seiner Sicherheitsstation aus aus dem Augenwinkel beobachtete. Deutlich vernehnlich sagte er darauf: „Commander, bitte folgen Sie mir in meinen Bereitschaftsraum. Counselor, Sie haben die Brücke.“
Nachdem er aufgestanden war und Kall mit fragendem Blick und einem bestätigenden „Aye,Sir“ das Kommando übernommen hatte, geleitete Leardini ihn in seinen Raum. Es war wie eine kleine Erlösung, als sich die Tür hinter ihnen schloss.
Noch ehe sie etwas von sich geben konnte, begann er: „Hören Sie mir bitte gut zu, Stefania. Wir müssen ein wenig vorsichtiger sein, auch wenn es uns nicht leichtfällt. Ich weiss, dass Sie Ihr Temperament nicht immer im Zaum halten können. Auch das ist etwas, das ich an Ihnen so mag. Aber gerade jetzt können wir es uns nicht erlauben, dass die Mannschaft über unser Verhältnis zueinander tratscht. Ich will uns keinesfalls verleugnen, aber ich denke, dass man sich erst allmählich daran gewöhnen muss. Und was Rosalie Warren angeht...“
Er nahm sie in die Arme und küsste sie.
„Wenn man sechs Stunden lang zusammen in einem kleinen Computerkontrollraum intensiv zusammenarbeiten muß, kann es vorkommen, daß die eine oder andere Höflichkeitsfloskel auf der Strecke bleibt“, beendete er seine Erklärung, hielt sie jedoch weiter im Arm.
Sie sah ihn mit grossen Augen an und antwortete ernst: „Mit so einem Gefühlsausbruch gerade von dir hätte ich nicht gerechnet. Du weisst ja gar nicht, was du mir damit beweist.“
Sie legte ihren Kopf an seine Brust und hielt ihn fest umarmt. Er stand da mit ihr im Arm und hatte ihren Duft in der Nase, während er durch das schmale, mannshohe Fenster aus transparentem Aluminium die Sterne draussen vorbeiziehen sah. Diesen Moment wollte er am liebsten festhalten und nie vergehen lassen, doch die Zeit war das grösste Problem, das sie hatten.
„Also, Nummer Eins, wollen wir unseren Dienst weiterführen?“
Sie lächelte und löste sich von ihm. „Wie so oft haben Sie es wieder einmal geschafft, mich in meine Schranken zu verweisen und zu Gehorsam und Disziplin zu motivieren.“
„Nach Ihnen. Und tun Sie wenigstens so, als hätte meine Moralpredigt etwas bewirkt.“ Er erlaubte sich sogar, ihr beim Hinausgehen einen übermütigen Klaps auf den Hintern zu geben.
*****
„Achtung, da kommen Sie“, wisperte der Fähnrich vom Sicherheitsdienst zum Wissenschaftsoffizier, als sich die Tür zum Bereitschaftsraum öffnete.
„Das ging aber nicht lange“, bemerkte dieser schmunzelnd beim niedergeschagenen Gesichtsausdruck der Ersten Offizierin. Als hinter ihr der Captain mit äusserst selbstgefälliger Miene und autoritär hinter dem Rücken verschränkten Händen auftauchte, verbreiterte sich das Schmunzeln zu einem Grinsen, sodass er sich abwenden musste, um nicht laut herauszuprusten.
Als der Fähnrich noch hinzufügte: „Die hat ihr Fett fürs erste weg“, wurde es schier unerträglich für ihn.
*****
Es dauerte nicht mehr lange, bis sie den Randbezirk des Sonnensystems erreichten. Vakuf wollte wissen: „Welchen Kurs soll ich setzen, Captain?“
„Ist das nicht logisch für Sie, Conn?“ versetzte Lennard und fing sich damit einen beleidigten Seitenblick von Leardini ein.
„Ich wollte lediglich das Protokoll einhalten, Sir“, wurde er darauf von der Steueroffizierin belehrt.
„Können Sie mir sagen, ob die Erde noch da ist, wo sie sein sollte?“ forschte der Captain gereizt nach.
Völlig ungerührt betätigte Vakuf einige ihrer Armaturen; wahrscheinlich übernahm sie gerade Daten der Fernsensorik. „Jawohl, Captain, ein Himmelskörper, auf den die Spezifikation der Erde in etwa zutrifft, umkreist Sol an dritter Stelle.“
„Nehmen Sie Kurs darauf und senken Sie die Geschwindigkeit auf Warp vier. Ich bin derart laxe Formulierungen von Ihnen nicht gewohnt, Mrs. Vakuf. Was bitte wollen Sie mit ‘in etwa’ andeuten?“
Die Vulcanierin räusperte sich: „Damit wollte ich in diplomatischer Form andeuten, dass sich auch in Ihrem Heimatsystem einiges geändert hat, Sir.“
„Oh, ich weiss Ihre Einfühlsamkeit durchaus zu schätzen“, bemerkte Lennard in einem Tonfall, der das Gesagte Lügen strafte, „aber bitte nennen Sie uns jetzt die festgestellten Spezifikationen.“
„Sonne gelben Typs, Durchmesser 1’548’000 km, Oberflächentemperatur knapp 5’000 ° C. Neun Planeten...“
„Einen Moment, Lieutenant. Die Sonne ist um einiges grösser, aber auch kälter geworden. Welchen Einfluss hat das auf ihre Wärmeabgabe?“ Lennard war momentan noch zu fasziniert, um überhaupt zu realisieren, was er da nachfragte.
Die beiden Veränderungen gleichen sich fast aus. Ich messe 98,8 % der früheren Energiemenge. Dennoch...“
„Verzeihung, haben Sie eben neun Planeten gesagt, Vakuf?“ unterbrach Leardini ungewohnt höflich. „Es fehlt einer?“
„Korrekt, Commander. Dafür registriere ich zwei Asteroidengürtel, beide zwischen Erde und Jupiter. Der äußere befindet sich in der gewohnten Position, der innere ungefähr in der ehemaligen Marsumlaufbahn.“
„Der Mars! Was kann das bewirkt haben?“ Kazuki war der Schock deutlich ins Gesicht geschrieben; Lennard fiel ein, dass der Sicherheitschef einmal erwähnt hatte, früher eine Zeitlang in einer der Marskolonien gelebt und viele Freunde mit Aufnahme des aktiven Dienstes in der Sternenflotte dort zurückgelassen zu haben.
„Das muß eine kosmische Katastrophe gewesen sein. Vergessen Sie bitte nicht, dass wir noch immer nicht wissen, wie weit in der Zukunft wir uns befinden. Das alles ist unter Umständen nur der natürliche Verlauf der Dinge.“ Man merkte auch Lennard allmählich an, wie selbst er darum bemüht war, die Fassung zu bewahren.
Nun verstanden einige, was in der Bajoranerin vorgegangen war, als sie ihre geliebte Heimat derart verfremdet vorgefunden hatte.
Leardini sah über ihre Schulter und fragte zaghaft: „Wie sieht es mit der Erde aus? Veränderungen?“
Der diensthabende Wissenschaftsoffizier schluckte, als er seine Anzeigen ablas: „Die Umlaufbahn verläuft fast 76’700 km weiter entfernt von der Sonne. Die Neigung der Erdachse zu ihrer Umlaufbahn ist um etwa zehn Grad auf dreiunddreissig Grad angestiegen und... unglaublich!“
„Machen Sie es nicht so spannend!“ fuhr Leardini ihn an.
Stotternd berichtete der Fähnrich: „Die Erdachse ist um neunzehneinhalb Grad verschoben, Commander. Der Nordpol liegt am Rande des Mittelsibirischen Berglands und der Südpol in der Nähe des Mount Jacksons, im Palmerland auf der antarktischen Halbinsel. Der Planet weist erheblich vergrösserte Polkappen auf und...“
Der junge Mann fasste sich ein weiteres Mal. „Es befinden sich zwei Satelliten im Erdorbit.“
„Sie machen Witze!“ Lannard schoss förmlich aus dem Kommandantensessel heraus.
„Ich fürchte nicht, Captain. Der eine ist unser guter, alter Mond, aber der andere... ein unregelmässiger Körper, Länge der grössten Achse 912 km, Masse etwa ein Viertel des Erdmondes. Der Zusammensetzung nach könnte es ein Fragment des Marses sein, wahrscheinlich dessen Kernes. Er umkreist die Erde in 178’000 km Entfernung auf fast derselben Ebene wie der Mond. Dessen Umlaufbahn hat übrigens einen Radius von nur 305’000 km.“
„Das muss ich erst einmal verkraften,“ ächzte Leardini.
„Ich glaube, das begreife ich erst, wenn ich es mit eigenen Augen sehe. Wie lange noch bis zur Erde, Mrs. Vakuf?“
„Wir können in etwa zwei Minuten unter Warp gehen und in einen niedrigen Orbit gehen. Ich muss eine neue Umlaufbahn errechnen, da durch den zweiten Mond die Schwerkraftverhältnisse im Raum um die Erde erheblich verändert sind und dadurch der Standardorbit nicht mehr anwendbar ist.“
„In Ordnung. Haben wir schon Sichtkontakt?“
„Sichtkontakt bei maximaler Vergrösserung möglich, Captain“, bestätigte der Fähnrich.
„Sicht nach vorne auf den Hauptschirm“, befahl der Captain und lehnte sich gespannt vor.
Zuerst war nur ein kleiner Punkt zu sehen, der sich jedoch bei ihrer hohen Annäherungsgeschwindigkeit schnell vergrößerte. Dann teilte er sich in einen größeren und zwei kleinere Flecken auf. Lennard hielt den Atem an, als er seine Heimatwelt erblickte. Trotz aller Veränderungen, vor allem der grauen ‘Kartoffel’, welche zwischen Erde und Mond im All schwebte, hatte er gleich das Gefühl, dass das dort sein Heimatplanet war. Sie näherten sich aus einem schrägen Winkel von Süden her, sodass er eine riesige Eisfläche ausmachen konnte, die fast eine halbe Hemisphäre ausfüllte.
„Mein Gott, Kyle, sehen Sie sich das an!“ Leardini blieb bei dem unerwarteten Anblick der Mund offenstehen.
Unter den für die Erde typischen Wolkenmustern waren zwei Kontinente erkennbar. Lennards Meinung nach musste es sich bei ihnen um Afrika und Südamerika handeln, obwohl offensichtlich einiges nicht mit ihnen in Ordnung war. Der unterste Teil Südamerikas schien in der südlichen Polkappe zu stecken. Ganz Patagonien war mit Eis überzogen, das Kap Hoorn existierte nicht mehr. Entlang der Anden zog sich die Vergletscherung weit nach Norden hinauf. Lennard sagte tonlos: „Ich hoffe nur, wir haben keine Argentinier oder Chilenen an Bord. Diesen Anblick möchte ich ihnen ersparen.“
„Sie haben den Rest der Erde noch nicht gesehen, Captain“, erinnerte Vakuf ihn.
„Vielen Dank, Lieutenant“, entgegnete Leardini zynisch.
„Ich würde sagen, wir steuern zunächst San Francisco an, da sich dort der Sitz der Föderation befindet... ich meine, befand... wie auch immer.“ Erzürnt über sich selbst und das Komische, das diese Lage nur noch befremdlicher machte, winkte er ab.
„Sie erwarten aber nicht wirklich, dort unten etwas zu finden, oder?“ In Kazukis Stimme klang unverhohlener Pessimismus mit.
„Ich verkneife mir jegliche Spekulationen, Mr. Kazuki. Ich möchte, dass Sie das Aussenteam ebenfalls begleiten, welches zu den Koordinaten des ehemaligen San Francisco herabbeamen wird. Und nehmen Sie bitte auch eine Kamera mit, um uns direkt Aussenbilder zu liefern.“
Nachdem Leardini ihr Aussenteam zusammengestellt hatte und auf dem Weg in den Transporterraum war, begab Lennard sich zur Ops-Konsole und sah Darrn über die Schulter. „Haben Sie die Koordinaten von San Francisco ermitteln können?“
„Jawohl, Sir. Sie befinden sich auf einer Landmasse, die in etwa dem Bundesstaat und der Halbinsel Kalifornien entspricht und dreihundert Kilometer westlich des Nordamerikanischen Kontinents liegt. Stimmt etwas nicht, Sir?“ Der Klingone sah den Captain befremdet an, da der ihn mit offenem Mund anstarrte.
„Sie können fragen, Mr. Darrn. Ich möchte Ihr Gesicht sehen, wenn wir Klingon finden würden und Ihre Heimatwelt derart verfremdet wäre, dass Sie sie kaum noch erkennen würden.“
„Verzeihen Sie bitte, Captain, das war eine dumme Frage.“
Lennard seufzte auf. „Schon gut, Mr. Darrn. Sobald wir in den Orbit eingetreten sind und die ersten paar Umkreisungen gemacht haben, würde ich gerne eine aktuelle Karte der Erde haben.“
„Aye, Sir. Ich werde alles Nötige veranlassen.“ Sofort begann Darrn mit den zuständigen Stellen zu kommunizieren, um die gewünschte Karte zu erstellen.
„Aussenteam bereit zum Runterbeamen“, meldete Leardini über Interkom.
„Dann ‘mal los, Nummer Eins.“
Eine ganze Zeit lang war fast nichts zu hören, dann ließ Leardini sich vernehmen: „Aussenteam an Brücke. Wir stehen hier in einer wunderschönen natürlichen Parklandschaft mit Blick auf den Ozean. Weit und breit keine Spur von Menschen oder irgendwelche Anzeichen von Zivilisation. Sollen wir die Kamera einrichten?“
„Bitte. Sie stehen übrigens mitten in der Innenstadt von San Francisco - geografisch gesehen.“
Nach einer Sekunde des Schweigens meinte Leardini: „Man braucht wirklich eine Menge Fantasie, um sich das vorstellen zu können. So, wir sind soweit.“
„Auf den Hauptschirm“, befahl Lennard. Es erschien das idyllische Bild einer wild wuchernden, üppigen Vegetation, die ein flaches Hügelland vollständig überwachsen hatte.
„Um es mit einer terranischen Formulierung auszudrücken, Captain: es steht kein Stein mehr auf dem anderen.“ Vakufs Bemerkung war wohl nicht gerade sehr feinfühlig, dafür entsprach sie aber sehr wohl der Wahrheit.
Lennard sah zu Boden und sagte leise: „Nun wissen wir es wohl definitiv, dass wir uns in einer weit entfernten Zukunft befinden. Nur wie weit, das gilt es nach wie vor herauszufinden. Ich möchte gerne auf meinen Heimatort herabbeamen. Hat sonst noch jemand Lust, sich die Erde anzusehen?“
Es meldeten sich drei Besatzungsmitglieder, denen ein Transporterraum genannt wurde, in welchem sie sich einfinden sollten. Lennard übergab die Brücke an Vakuf und begab sich ebenfalls dorthin.
*****
Das erste, was Lennard sah, als er sich rematerialisierte, war das Meer vor ihnen. Es war zur Zeit Nacht auf Neuseeland oder dem, was aller Wahrscheinlichkeit nach einst Neuseeland gewesen war, doch die gespenstische Szenerie der beiden hochstehenden Monde spendete mehr als ausreichend Licht. Es war schon mehr als unheimlich, neben dem vertrauten Vollmond den riesigen, dunklen und unförmigen Felsklumpen am Sternenhimmel hängen zu sehen.
„Das ist ... falls wir je einen Weg finden, in unsere eigene Epoche zurückzufinden, sollten wir eine Aufzeichnung über das hier mitnehmen. Denn ansonsten wird uns das niemand glauben.“
Lennard warf der Frau, die diese Bemerkung gemacht hatte, einen erbosten Seitenblick zu und sah sich dann erschüttert, aber doch auch fasziniert um. „Der Mond scheint näher an der Erde zu sein als früher, er scheint viel größer und heller zu scheinen.“
Lennard betrachtete sich den Erdenmond zum ersten Mal genauer. Bislang hatte er ihm nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit gewidmet angesichts der vielen Veränderungen der Erde. Nun merkte er, dass sich das Aussehen des Trabanten durchaus geändert hatte und nicht, wie der erste Schein einen Glauben machte, das einzige Unveränderte war. Er schien in der Tat heller, aber vor allem deshalb, weil die ursprünglich sichtbaren Mare, dunkle Tiefebenen auf der erdzugewandten Seite des Mondes, praktisch nicht mehr existierten. Sie waren einer Vielzahl von neuen Kratern gewichen, die wohl das Resultat einer massiven Bombardierung mit kleinen Gesteinsbrocken sein mussten. Was immer den Mars zerstört und der Erde einen zweiten Satelliten beschert hatte, trug auch die Verantwortung für das derzeitige Antlitz des Mondes.
„ Sehen Sie sich diesen Baum an. Sieht das nicht seltsam aus?“ Lennard gesellte sich zu den anderen, die eine wirklich fremdartig anmutende Pflanze umstanden. Zweifellos war dies hier eine Art, die zu ihrer Zeit noch nicht existiert hatte. Man konnte nur den Umriss im Gegenlicht der beiden Monde erkennen, dieser allein war jedoch bizarr genug. Der Baum - wenn es wirklich einer war - war nur wenige Meter hoch und besass eine breite, wie plattgedrückt erscheinende Baumkrone und knapp darüber eine kleinere Ausgabe selbiger. Das skurrilste jedoch war der Stamm. Er war an seiner Basis breit genug, um einem ausgewachsenen Urwaldriesen Konkurrenz zu machen und lief etwa einen Meter über dem Boden in viele armdicke Unterteilungen aus, die vom Zentrum des Stammes weg in die Erde liefen. Dadurch wirkte er wie ein Sumpfgewächs, obwohl die Ausläufer hier aus massivem Holz waren, wie sie herausfanden. Sie stellten des weiteren fest, dass von jedem dieser Ausläufer ein sehr dickes, komplexes Wurzelwerk in Bodennähe, teilweise sichtbar, bis zu zehn Meter kreisförmig vom Stamm weg ausgebildet war.
„Das muss doch etwas zu bedeuten haben; die Natur hat diese Pflanze sicher nicht zufällig hervorgebracht.“ Einer von Lennards Begleitern überlegte angestrengt, was es mit dieser Entdeckung auf sich haben mochte.
Lennard klopfte auf einen der Ausläufer. „Das Holz hier ist unglaublich hart, fast schon wie Stein. Und das Aussehen lässt darauf schließen, daß diese Pflanze offenbar sehr großen Naturkräften ausgesetzt wird. Man könnte fast meinen, sie stemmt sich mit aller Kraft in den Boden.“
Die junge Frau in ihrer Gruppe leuchtete ausserhalb des Wurzelgeflechtes den Boden ab. „Die Erde hier ist mit Rissen und Spalten durchzogen, aber nur ausserhalb des Wurzelwerkes. Vielleicht gibt es an diesem Hang hier Erdbewegungen, der der Baum entgegenwirken will, indem er sich förmlich in den Hang krallt.“
„Das halte ich für unwahrscheinlich“, widersprach Lennard. „Dann wäre dieser Baum ja eine Mutation oder ein Lebewesen, das seine Lage erkannt hat und sich aktiv zur Wehr setzt.“
„Vielleicht ist diese Spezies etwas ähnliches wie ein ‘Piersols Reisensder’ auf Marcos XII. Dieser Baum wandert allerdings nicht frei umher und nimmt Nährstoffe aus Gewässern auf, sondern hat sich im Gegenteil fest im Boden verankert wie ein normaler Baum auch.“
„Guter Einwand. Hm, er sieht fast schon unheimlich aus im Mondlicht.“ Lennard sah empor und überlegte. „Der Mond ist fast voll und überschneidet sich bald mit dem zweiten Satelliten. Könnte es sein...?“
Das war das letzte, woran Lennard sich erinnern konnte, bevor er das Bewusstsein verlor. Halt, da war ein Crewmitglied, das plötzlich an ihm vorbeiflog. Er fühlte sich mit einem Mal fast schwerelos und fiel dann, bevor er hart aufschlug und in eine dichte Dunkelheit getaucht wurde.
[ich weiß, der harte Aufschlage auf der Realität schmerzt, aber Du musst bis morgen auf Kapitel 6 warten...]
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Sonntag, 5. November 2006
15 - KAPITEL 5 - Bajor, das Wurmloch, und die Liebe in der Zukunft
cymep, 14:16h
[...Fortsetzung von gestern]
- 5 -
Eine knappe Stunde später fanden sich die Brückenoffiziere in der Beobachtungslounge ein, um ihre Lage zu besprechen. Den düsteren Mienen konnte man ansehen, wie es momentan zu stehen schien.
„Bitte fangen Sie an, Mrs. Wuran“, bat Lennard, als alle Platz genommen hatten, inclusive Rosalie Warren, der man aufgrund ihrer Lage ein gewisses Mitspracherecht in Belangen der Computerbetreuung eingeräumt hatte.
Wuran rieb sich über den Faltenkamm ihres Nasenrückens, ein Zeichen für Nervosität oder auch Unsicherheit bei der jungen Bajoranerin, wie Lennard im Lauf ihrer gemeinsamen Dienstzeit in Kenntnis gebracht hatte. „Das erste vorneweg: wir sind ziemlich alleine hier draussen, was angesichts der ungeheuren Zeitdilitation, die uns widerfahren ist, nicht besonders verwunderlich ist.
Tatsache ist, dass wir keinerlei Kontakt herstellen konnten, weder mit einer Institution der Föderation noch mit einer sonstigen uns bekannten oder unbekannten Macht. Wir können unmöglich sagen, wie weit in der Zukunft wir uns befinden, da es keine verlässliche Methode gibt, dieses Phänomen zu berechnen. Die Zeit vergeht umso schneller ausserhalb des Schiffes, je näher man der Lichtgeschwindigkeit ist und je länger man mit dieser relativistischen Geschwindigkeit unterwegs ist. Es gibt zudem nur wenige solcher Flüge, die auch nur kurzzeitig in solchen Tempobereichen oberhalb von c 0,75 stattgefunden haben. Demnach muss die Zeitverschiebung unvorstellbar gross sein.
Es ist dem Hauptcomputer ebenfalls unmöglich, anhand der Sternenkonstellationen innerhalb der Galaxie das Ausmass an vergangener Zeit zu errechnen; dafür gibt es zu viele unbekannte Faktoren. Unser Tiefenraumscan hat uns eine Karte des umliegenden Netzquadranten geliefert, also 50 Sektoren in jeder Richtung oder etwa 1000 Lichtjahre. Dabei haben wir manche Systeme entdeckt, die uns bekannt sind und noch mehr, von denen wir nur vermuten können, dass es die Konstellationen sind, die wir gekannt haben. Man kann nicht einmal behaupten, dass wir uns noch im Föderationsraum befinden, da sich der Rest der Galaxis um uns herum gedreht hat, während wir unseren Irrflug im Alnilam-System hatten.“
„Sollten wir uns nicht darum bemühen, das Sternenflotten-Hauptquartier oder zumindest den nächsten uns bekannten Aussenposten anzufliegen - so unsinnig diese Vorschrift in unserer Situatiuon auch sein mag?“ wollte Leardini wissen.
„Eine Möglichkeit, den nächsten uns bekannten Planeten anzufliegen, haben wir. Zufälligerweise handelt es sich dabei um meine Heimat... Bajor.“
Stern keuchte erstaunt auf. „Aber...“
Wuran senkte ihr Haupt. „Ich weiß sehr wohl, was Sie sagen wollen, Doc. Es ist nun aber tatsächlich so, dass kein bewohntes System zur Zeit näher liegt. Ich weiss, dass das für Sie alle unglaublich klingt, aber wir können das bajoranische System von unserer momentanen Position aus in einem knappen Tag bei Warp Sechs erreichen.“
„Dann ist der Föderationsraum tatsächlich derart zusammengeschrumpft?“ hakte Stern fassungslos nach.
„Das stimmt so nicht, David. Sehen Sie, auf dem Weg nach Bajor kommen wir an einem romulanischen und zwei klingonischen Systemen vorbei, übrigens alle unbewohnt, jedoch an keinem der Föderation zugehörigen Stern. Und das, obwohl Bajor an der cardassianischen Grenze liegt, also genau in der entgegengesetzten Richtung von den klingonischen und romulanischen Reichen aus. Es ist vielmehr so, als sei die Galaxie vermischt worden, so dass alles willkürlich verteilt ist, ohne erkennbares Muster.“
„An diese Vorstellung muss ich mich erst noch gewöhnen“, bemerkte Stern leicht mürrisch.
Warren fragte interessiert: „Haben wir denn genauere Daten vom bajoranischen Sonnensystem erhalten?“
Resigniert schüttelte die Wissenschaftsoffizierin den Kopf. „Es war lediglich möglich, das System als Ganzes und die einzelnen Planeten zu identifizieren. Eine Vermessung der Konstellationen oder eine eindeutige Klassifizierung der Planeten war uns über diese Entfernung nicht möglich.“
Vakuf meldete sich nun zu Wort: „Captain, falls wir uns für dieses Ziel entscheiden, empfehle ich die vorgeschlagene Geschwindigkeit von Warp Sechs nicht zu überschreiten. Wir sollten mit unseren Energievorräten möglichst sparsam haushalten, bis wir uns unserer Lage vollends im Klaren sind.“
„Ich stimme Ihnen zu, Lieutenant. Also fliegen wir Bajor an und führen auf der Reise ständig weitere Langstreckenabtastungen durch, um eine möglichst umfassende Sternenkarte zu erhalten. Das wär’s fürs erste.“ Lennard erhob sich.
Nach und nach verliessen Darrn, Kazuki, Kall, Stern und auch Warren die Lounge. Die restlichen Brückenoffiziere jedoch blieben allesamt an ihren Plätzen. Als das allgemeine Schweigen langsam peinlich wurde und jeder begann, verstohlen die anderen zu mustern, ergriff die vulcanische Chefingenieurin Atarma Nidor beherzt das Wort.
„Ich nehme an, dass Sie alle die gleiche Idee gehabt haben und diese nun vertraulich mit dem Captain diskutieren wollen.“
„Das ist nur logisch“, stimmte Vakuf zu.
Leardini verdrehte die Augen gen Himmel. „Vulcanier unter sich! Hören Sie doch auf, um den heissen Brei herumzureden und nennen Sie die Dinge beim Namen.“
„Ich weiss wirklich nicht, ob es eine gute Idee ist, jetzt schon darüber zu reden, wo wir noch so wenig über unsere Lage wissen“, entgegnete Lennard.
„Diese Methode ist schon mehrmals angewandt worden, Captain, sowohl versehentlich als auch mit voller Absicht. Es war bereits im letzten Jahrhundert problemlos möglich, exakte und verlässliche Berechnungen über die Durchführung anzustellen.“ Nidor war sich ihrer Sache offenbar ziemlich sicher.
Lennard widersprach: „Hören Sie, das ist mir bewusst, aber solange wir nicht genau wissen, wie weit wir in die Zukunft ‘geschleudert’ wurden, können und dürfen wir keinen Zeitsprung durchführen. Uns fehlt das wichtigste Parameter für unsere Berechnung... noch. Und wer weiss schon, ob wir überhaupt in der Lage sein werden, das herauszufinden. Nein, ich möchte diese Unterhaltung verschieben, bis wir mehr wissen.“
„Aber Sie sind nicht prinzipiell dagegen?“ forschte Wuran nach.
Gerade wollte Lennard antworten, da öffnete sich die Tür. Alle Köpfe ruckten herum, als eine sichtlich aufgebrachte Kall hereingestürmt kam und sich mühsam beherrschte, bis die Tür hinter ihr wieder zugeglitten war. „Was stellt das hier, bitte, dar? Eine Art Geheimrat der Eingeweihten? Sie diskutieren hier über etwas, das uns die Hauptdirektive klar und deutlich...“
„Hier sind nur diejenigen mit dem nötigen Fachwissen anwesend, denen die Idee von selbst gekommen und nicht zugeflogen ist wie Ihnen“, versetzte Leardini barsch.
Während Kall vor Wut rot anlief, ging Lennard autoritär dazwischen: „Bitte, meine Damen, das führt doch zu nichts. Ich könnte Sie darum bitten, doch in Anbetracht der Umstände sehe ich mich genötigt, Ihnen zu befehlen, solche Zwistigkeiten strikt zu unterlassen. Bedenken Sie bitte, daß Sie eventuell für lange, lange Zeit...“ er grinste ein wenig unverschämt „...vielleicht sogar den Rest Ihres Lebens miteinander verbringen und auskommen müssen.“
Leardini öffnete den Mund, überlegte es sich dann jedoch anders und stand stattdessen auf, um zu Kall zu gehen und ihr versöhnlich die Hand hinzuhalten. „Der Captain hat recht, Sam. Vergessen Sie das eben.“
„Schon gut.“ Kall ergriff die dargebotene Hand mit noch leicht beleidigter Miene, dann setzten sich beide zurück an den langen Konferenztisch.
Lennard fuhr fort: „Ich stimme Ihnen übrigens nicht zu, Counselor. In unserer Lage wäre ein Zeitsprung zurück in unsere Gegenwart moralisch durchaus zu verantworten. Wir sind ja unverschuldet in diese Zeit gekommen, warum sollten wir dann nicht alle vorhandenen Möglichkeiten nutzen, um das wieder rückgängig zu machen?“
Kall überlegte. „Wir dürften ja nicht einmal hier sein. In jedem Moment, in dem wir uns hier aufhalten, verletzen wir das Raum-Zeit-Gefüge.“
„Oh, in diesem Fall schlage ich die sofortige Selbstzerstörung der Aldebaran vor, Captain. Wollen wir gleich darüber abstimmen?“ versetzte Leardini sarkastisch.
Lennard sah sich im Raum um: „Nanu, ist Doc Stern hier? Mir war eben so, als hätte ich ihn etwas sagen gehört.“
Alle lachten - bis auf die beiden Vulcanierinnen natürlich -, während Leardini beleidigt wegsah.
„Also, lassen wir diesen Disput vorerst ruhen; in diesem Stadium führt das doch zu nichts.“ Lennard erhob sich und wartete diesmal, bis alle gegangen waren. Schlussendlich stand auch Leardini auf und sah ihn schmollend an. „Wissen Sie, ich versuche immer noch zu begreifen, dass Sie mich wahrhaftig vor den anderen mit Stern verglichen haben.“
„Glauben Sie’s ruhig, das habe ich in der Tat“, versicherte er ihr mit einem unerschütterlichen Lächeln im Gesicht.
„Nehmen Sie das sofort zurück!“ empörte sie sich, mußte jetzt aber auch grinsen.
„Aber es hat gestimmt! Sie müssen für kurze Zeit von ihm besessen gewesen sein.“
„Vergessen Sie’s. Wollen wir joggen gehen?“ Sie legte ihm vertraulich die Hand auf den Unterarm.
Er nickte. „Das Fjordland auf der neuseeländischen Südinsel ist um diese Jahreszeit besonders reizvoll.“
„Dann treffen wir uns in einer halben Stunde auf dem Holodeck drei.“ Ihre dunklen Augen glitzerten.
„Wir treten in das bajoranische System ein, Captain.“
Lennard schreckte aus tiefem Schlaf hoch und murmelte: „Ich komme gleich.“
Dann sah er auf seinen altmodischen Radiowecker, dessen Zifferblätter noch mittels einem Klappmechanismus funktionierten. Kurz vor fünf Uhr morgens. Nun gut.
Das erste, was ihm auffiel, als er die Brücke betrat, war das Gesicht von Wuran. „Wie sieht es aus, Cluy? Haben Sie nähere Angaben zu Bajor?“
Sie nickte bedrückt. „Ja, Sir. Klasse - M - Planet.“
Er furchte die Stirn. „Das ist doch eigentlich...“
„Oberflächentemperatur durchschnittlich bei Minus vierzig Grad...am Äquator.“ Sie senkte den Kopf.
„Oh.“ Bedrückt schwieg Lennard, wandte sich dann jedoch an Vakuf.
„Wie lange noch bis zum Eintritt in den Standardorbit?“
„Etwa zehn Minuten, Sir.“
Lennard wandte sich an Leardini. „Stellen Sie ein Aussenteam zusammen und suchen Sie sich einen Ort zum Runterbeamen, wo Sie eine Stadt vermuten.“
„In Ordnung. Mr. Kazuki, Mrs. Wuran, bitte begleiten Sie mich. Wir nehmen zusätzlich noch einen Planetologen mit, der uns vielleicht etwas über die Veränderungen auf Bajor sagen kann. Ausserdem sollten wir Raumanzüge oder zumindest Individualschilde anlegen, um uns vor der Kälte auf der Oberfläche zu schützen.“ Gemeinsam verliessen sie die Brücke, während Reservemannschaften die freigewordenen Stationen besetzten.
Was würden sie auf Bajor vorfinden? Diese Welt hatte eine Kultur, die einiges älter war als sämtliche auf der Erde bekannten. Irgendetwas mussten sie einfach finden, es konnte doch nicht jede Spur dieser blühenden Zivilisation verschwunden sein. Lennard fühlte sich mit einem Mal wie ein Archäologe, der einer spurlos verschwundenen, untergegangenen Welt nachforschte.
Auf der Brücke wartete man darauf, dass das Aussenteam auf die Oberfläche gebeamt wurde. Während der Fähnrich, der Wuran während ihrer Aussenmission vertrat, gewissenhaft von der Wissenschaftsstation aus gemeinsam mit Darrn die Planetenvermessung und sonstige Daten-aufnahme koordinierte, hatte Lennard Zeit, sich auszumalen, was sie dort unten vorfinden würden. Seltsamerweise war ihm in letzter Zeit immer etwas mulmig zumute, wenn er Stefania auf eine Aussenmission schickte. Woran lag das nur?
Er zuckte zusammen, als die Counselor ihm ihre Hand auf die Schulter legte und ihm einen mitfühlenden Blick schenkte. Er fühlte sich ertappt und fragte schroff, um das zu überspielen: „Was gibt es, Sam?“
„Verzeihen Sie, Captain, ich wollte Sie nicht aus ihrer Nachdenklichkeit herausreissen, aber ich dachte, ich sollte Sie darüber informieren. Es geht um Cluy.“
Erleichtert darüber, dass Kall nichts von seinen Gedankengängen mitbekommen hatte, erwiderte er: „Was ist mit Wuran? Gibt es ein Problem?“
Kall verzog ihren Mund ein wenig und gab unsicher zurück: „Ich weiss nicht so recht, ob sie das Aussenteam wirklich begleiten sollte.“
„Lieutenant Commander Wuran ist für diese Aufgabe doch bestens geeignet und darüber hinaus eine der wenigen auf der Aldebaran, die sich auf Bajor auskennen. Was lässt Sie zweifeln?“
„Ich...ich empfange ein Gefühl starker Beklommenheit von ihr. Sie fürchtet sich offensichtlich vor dem, was sie auf der Oberfläche vorfinden kann. Wie fast alle Bajoraner empfindet sie einen unumstösslichen Glauben an ihre Mythologie und Heimatverbundenheit, deshalb ist es nicht ratsam, sie direkt mit dem zu konfrontieren, was mit ihrer Welt geschehen ist.“ In Kalls grossen, dunklen Augen lag ein fast flehender Ausdruck. Lennard wußte, daß Wuran und sie sehr gut befreundet waren und erwog deshalb, ihrer Meinung Beachtung zu schenken.
Über Interkom meldete sich Leardini: „Wir beamen jetzt runter, Brücke.“
Lennard wollte etwas sagen, doch es war schon zu spät. In dem Moment, in dem Kall und er sich überrumpelt ansahen, wurde das Aussenteam auf die Oberfläche transportiert.
„Hier Leardini. Wir sind unten. Die Sonne ist hier bereits untergegegangen, sodass wir kaum noch etwas sehen können. Ich stehe in etwa kniehohem Schnee und bin von einem Schneesturm umgeben, der sich nicht beschreiben läßt. Es weht mich trotz Individualschild fast von den Füssen; ohne die Schilde hätten wir wahrscheinlich binnen Minuten Erfrierungen. Die anderen stehen nur wenige Meter neben mir, ich erkenne jedoch nur Schemen.“
„Hier Lennard. Wieso sind Sie auf diese Koordinaten gebeamt worden und nicht auf die Tag-seite, wo Sie mehr hätten erkennen können?“
„Wuran gab uns diese Position an, Captain. Wir befinden uns dort, wo die Hauptstadt des Planeten sein sollte.“
Lennard stutzte. „Was soll das heissen?“
„Hier ist nichts, Captain. Keinerlei Spur einer Zivilisation erkennbar. Wir haben gescannt nach... einen Augenblick...“
Eine Pause entstand, in der die Funkstille drückend auf der Brückencrew lastete. Lennard hielt es nicht mehr aus und wollte wissen: „Was ist da unten los, Stefania? Melden Sie sich!“
„Aldebaran, hier Leardini. Beamen Sie Wuran sofort auf die Krankenstation! Sie ist vor unseren Augen zusammengebrochen; wahrscheinlich hat sie einen Schock erlitten.“
„Verstanden, Commander“, erklang einen Moment darauf die Stimme des Transporterchiefs.
„Können Sie die Expedition fortsetzen?“ Lennard war unbehaglich zumute.
„Gewiss, Captain. Wir anderen sind eher erstaunt als schockiert, da wir wohl gar keinen Bezug zu dem herstellen können, was wir vor uns haben. Eigentlich sollte das eine blühende Welt mit subtropischem, stabilen Klima sein...“ Nachdenklich brach Leardini ihren Kommentar ab.
Mit drängender Stimme wandte Kall sich an Lennard: „Captain, erbitte Erlaubnis, auf die Krankenstation gehen zu dürfen.“
„Erlaubnis erteilt. Sie werden dort momentan dringender benötigt als hier auf der Brücke.“ Lennard entliess die Schiffsberaterin mit einem leichten Nicken, worauf diese eilig zum Turbolift stürzte.
Diese Mission schien ein Reinfall zu werden, dachte er bei sich.
„Ein absoluter Reinfall“, beendete Leardini eine Stunde später in der Beobachtungslounge vor versammelter Offizierscrew ihren Bericht.
Während Sie auf der Oberfläche waren, haben wir den Planeten umfassend untersucht und keinerlei Überreste einer Hochkultur, wie sie auf Bajor lebte, gefunden,“ fügte Lennard hinzu und wandte sich dann an Stern.
„Wie geht es Cluj, David?“
„Ich musste ihr ein Beruhigungsmittel geben und sie mit dem AlphawellenInduktor behandeln. Sie schläft im Moment tief und fest. Wenn sie aufwacht, sollte die Counselor für sie da sein; sie hat einen ziemlich schweren Nervenschock.“
„Das werde ich, Doktor,“ versicherte Kall.
„Wie soll es denn jetzt weitergehen?“ lenkte Warren die Aufmerksamkeit auf ihr eigentliches Problem zurück. „Wir haben noch immer keinen einzigen Hinweis darauf, in welcher Epoche wir uns befinden oder was aus der uns bekannten Zivilisation geworden ist.“
„Nun, noch haben wir in Reichweite unserer Sensoren keine weiteren uns bekannten Planeten ausmachen können“, räumte Leardini ein.
Eine kurze Folge von Pieptönen unterbrach sie, gefolgt von einer Meldung: „Fähnrich B’Irworo an Captain Lennard.“
Alle horchten auf, als der Angesprochene antwortete: „Hier Lennard. Was gibt es, Fähnrich?“
„Verzeihen Sie die Störung, Sir, aber ich muss Ihnen eine wichtige Mitteilung machen. Die Sensoren registrieren erhöhte Neutrinostrahlung, und zwar in einer Position, die in etwa der des hiesigen Wurmloches entspricht. Es besteht Grund zur Annahme, dass dieses Phänomen noch immer existieren könnte.“
„Das wäre phantastisch!“ entfuhr es Lennard.
„Wieso? Was nützt es uns, in den Gamma-Quadranten gelangen zu können?“ wollte Stern wissen.
„Doc, es ist nicht sicher, wohin das Wurmloch führt. Haben Sie vergessen, in welcher Lage wir uns befinden?“ entgegnete Leardini gereizt.
„Das habe ich tatsächlich, Commander“, gab Stern mit säuerlicher Miene zurück.
Über Interkom schaltete sich B’Irworo nochmals ein: „Sir, dürfte ich vorschlagen, eine Sonde der Klasse IX durch das Wurmloch zu schicken? Ich könnte die missionsspezifischen Palettenplätze mit Langstreckensensoren bestücken und einen Kurs eingeben, sodass die Sonde am anderen Ende des Wurmloches an der Grenze ihrer Reichweite den Rand eines kugelförmigen Raumes abfliegt. Die Sonde kann zwölf Stunden lang mit Warp neun fliegen; dadurch werden wir eine Menge wichtiger Daten über das andere Ende des Wurmlochs erfahren.“
„Das ist eine ausgezeichnete Idee, Fähnrich. Vor allem erfahren wir auch, ob die Passage durch das Wurmloch noch immer sicher ist. Können Sie die Sonde so programmieren, dass sie ein Hochleistungs-Subraumsignal aussendet, sobald sie am anderen Ende angekommen ist? So würden wir dessen genaue Position bestimmen können.“
„Wird gemacht, Captain.“
„Warten Sie mit dem Abschuss der Sonde nicht auf uns. Da es ohnehin zwölf Stunden dauern wird, wenn wir die maximale Reichweite der Sonde ausnutzen...“
„Verstanden, Captain. B’Irworo Ende.“ Das übliche Läutsignal beendete die Verbindung.
Lennard schaltete den Wandmonitor auf vorderen Ausblick, da alle Fenster der Beobachtungslounge achteraus wiesen. Langsam wanderten die Sterne von oben rechts nach unten links, als die Aldebaran sich ausrichtete. „Mr. Darrn, koordinieren Sie die Verfügbarkeit der seitlichen Sensorenphalanxen für die genauere Vermessung des bajoranischen Systems durch die Stellarkartographen. So können wir die Wartezeit wenigstens halbwegs sinnvoll ausfüllen.“
„Aye, Captain.“
Zwei doppelte Huptöne kündigten den Abschuss der Sonde an. Dann lief ein zischendes Geräusch durch das Schiff, das Zeichen dafür, dass die Feldinduktionsspulen der Torpedolauncherröhre die Sonde aus dem Schiff herausgeschossen hatten. Im nächsten Moment sahen die den rotglühenden Stern auftauchen und mit einem Dreiviertel der Lichtgeschwindigkeit davonjagen.
Dann gab es einen grellen Lichtblitz, in dem die trichterförmige Verteron-Membran auftauchte, der Eingang des Wurmloches. Helles Licht flutete aus ihm hervor und schien der Sonde den Weg weisen zu wollen, da diese genau in das Zentrum der Raum-Zeit-Anomalie hineinsteuerte. Einen Moment später fiel das imposante Gebilde ebensoschnell und ohne Vorwarnung in sich zusammen, wie es erschienen war. Zurück blieb das unendliche Sternenmeer, als wäre nichts geschehen.
„Sie ist unterwegs“, murmelte Stern ehrfurchtsvoll. Lennard wusste, dass er noch nie ein Wurmloch zu Gesicht bekommen hatte und deshalb genauso überwältigt war wie Warren, die noch immer mit offenem Mund auf den Bildschirm starrte.
„Wem das gefallen hat, dem empfehle ich den Besuch von Zehn Vorne in knapp zwölf Stunden. Der Anblick von dort aus ist sicher noch eindrucksvoller“, bemerkte Lennard knapp. „Wir hingegen müssen nun abwarten.“
Nachdem er einige Zeit lang grübelnd in seinem Bereitschaftsraum gesessen hatte, beschloss Lennard, mit Leardini über das zu reden, was ihm während ihrer Aussenmission auf Bajor durch den Kopf gegangen war. Er ging zu ihrem Quartier und läutete, wurde aber nicht eingelassen. Stirnrunzelnd sann er nach, ob sie etwa um dieser Bordzeit nicht da sein könnte.
„Computer, lokalisiere Commander Leardini.“
„Commander Leardini befindet sich auf Holodeck drei“, teilte ihm die allgegenwärtige Synthetikstimme mit. Nanu?
Er fuhr zu besagtem Ort und fand das Deck aktiviert vor. Auf die Anfrage des Computers hin, ob er eintreten wolle, bejahte er, worauf die Türen des Decks zischend auseinanderglitten und eine überraschende Aussicht boten. Zögernd trat er ein und beobachtete, wie sich die Tür hinter ihm wieder schloss und danach zu verschwinden schien. Dann wandte er sich erneut der imposanten Aussicht vor ihm zu. Er bemerkte, daß dieser Ort eine erhöhte Schwerkraft aufwies.
Er befand sich auf einem Felsplateau, das wenige Meter vor ihm senkrecht abzufallen schien. Auf der anderen Seite der Schlucht ragten bizarre Gesteinsformationen in den unmöglichsten Formen empor, die ihm zeigten, daß er sich hier nicht auf der Erde befand. Die letzten Zweifel diesbezüglich wurden von dem Mond ausgeräumt, der im Hintergrund am Himmel stand. Er war um ein Vielfaches grösser als Luna und von einer graubraunen, dunklen Färbung. Dieses monströse Gestirn bedeckte einen Grossteil des rötlichvioletten Himmels und schien zum Greifen nah zu sein, da man von hier aus genau einzelne Gebirge und sogar aktive Vulkane auf ihm beobachten konnte.
Überwältigt von so viel Schönheit, wanderte Lennard versonnen am Rand des Plateaus entlang, bis er auf einmal hinter Leardini stand. Sie sass auf einem flachen, bemoosten Felsabsatz und starrte versonnen zum Mond hinauf. Dann schien sie mit einem Mal seine Anwesenheit zu spüren und drehte sich um. Sie zeigte jedoch bei seinem Anblick weder Überraschung noch Verärgerung über die Störung, sondern lächelte nur milde und wies auf einen Platz neben sich.
„Es ist wunderschön hier, nicht wahr?“
Er nickte dankbar und setzte sich. „Ich muss zugeben, ich war noch nie auf Vulcan. Wie heisst dieser Mond?“
„Es ist kein Mond, sondern ein eigener Planet, der mit Vulcan um einen gemeinsamen Punkt zwischen beiden Welten kreist. Er heisst T’Khut; Vulcan selbst wird T’Khasi genannt. Faszinierend.“ Sie lächelte.
„Wer hätte gedacht, dass die alte Vulcanier-Verspotterin Leardini zum Ausspannen selbst auf dem Holodeck diese Welt besucht?“
„Das entbehrt nicht einer gewissen Doppelmoral, ich weiss“, gab sie verlegen zu.
„Aber ein passendes vulcanisches Gewand hätten Sie wenigstens anziehen können. Schliesslich haben Sie momentan keinen Dienst.“
„Ich finde unsere Uniformen eigentlich so bequem, dass ich nicht den Wunsch verspüre, in meiner Freizeit etwas anderes zu tragen... ausser bei besonderen Anlässen wie unserem Dinner neulich vielleicht“, fügte sie hinzu und sah ihn schelmisch lächelnd von der Seite an.
Er musste ungewollt grinsen. „Da haben Sie mich eiskalt erwischt, obwohl ich gestehen muss, dass es mir durchaus nicht unangenehm war.“
„Was meinen Sie damit, Kyle?“ hakte sie nach.
Er seufzte auf; sie stellte all diese verkehrten Fragen zur richtigen Zeit. „Kommen Sie schon, Stefania, Sie wissen genau, was ich meine. Und ich finde, wir sollten darüber reden. Genau deswegen bin ich nämlich hier.“
„Da haben Sie recht, Captain, es muss etwas geschehen. So kann das nicht weitergehen.“ Sie erhob die Stimme ein wenig. „Computer, sichere den Eingang des Holodecks. Autorisation Commander Leardini Beta Sechs.“
Sie sahen sich einen Moment lang tief in die Augen und brauchten dabei nichts zu sagen, weil sie wussten, was der andere sagen wollte.
Dann unterbrach sie der Computer unerwartet. „Um eine Sicherung des Holodecks vorzunehmen, ist die Verifizierung eines zweiten Brückenoffizieres notwendig.“
Nach einer Sekunde der Verblüffung mussten beide auflachen. Stefania meinte: „Die Sternenflotte macht es uns auch nicht leichter, oder? Nun, jetzt ist es an Ihnen.“
Er bemerkte, wie sie ihn gespannt ansah und auf seine Reaktion wartete. In diesem Augenblick kam ihm ein Gedanke, der ihn alle Zweifel vergessen liess. „Autorisation Captain Lennard Alpha Vier.“
„Eingang gesichert“, kommentierte der Computer kurz danach.
„Ich hoffe, dass niemand in nächster Zeit die Sicherheitsprotokolle des Holodecks durchgehen wird“, meinte Lennard gleichmütig und sah dann wieder Leardini an.
„Das muss nicht sehr leicht für Sie gewesen sein, Kyle. Sagen Sie, warum haben Sie’s trotzdem gemacht?“
Er rückte ein Stück näher, bis sich ihre Oberschenkel fast berührten. „Mir ist gerade etwas durch den Kopf gegangen...“
„Und was?“ Er sah, wie sie schlucken musste.
Er versuchte, es wie einen Scherz klingen zu lassen, wusste aber gleichzeitig, dass das misslingen musste. „Nun, wir sind sozusagen hier in der Zukunft ‘gestrandet’. Vielleicht sind wir sogar die letzten noch existierenden Wesen unserer Art. Stellen Sie sich das doch ‘mal vor, wenn es wirklich nur noch dieses Schiff gibt und sonst nichts mehr...“
Ihre dunklen Augen starrten ihn gross an, so dass er sich einen Ruck gab. „Stefania, wenn wir keinen Weg in unsere Epoche zurück finden, muss die Besatzung den Rest ihres Lebens zusammen verbringen. Und wenn ich daran denke, mir jemanden suchen zu müssen, mit dem ich das tun will, dann kommen Sie mir dabei in den Sinn. Verstehen Sie, Stefania, hier gibt es kein Oberkommando.“
Sie wehrte sich nicht, als er den Arm um sie legte, sondern drehte sich zu ihm hin und legte ihrerseits einen Arm um ihn. „Ich habe das Gefühl, Sie können Gedanken lesen. Sie meinen, hier und jetzt sind unsere Karrieren nicht gefährdet und wir müssen auch keine Angst haben, dass man uns auseinanderversetzt?“
Er schloss kurz die Augen. „Wenn ich früher gewusst hätte, dass das für Sie der gleiche Grund wie für mich war...“
„Das ist richtig.“ Ihre Lider senkten sich, als sie ihr Gesicht an seines annäherte. „Aber nun stehen die Dinge anders...“
„Zum Glück...“ Sie sanken hintenüber und schwiegen die nächste Zeit lang. Worte wären nun ohnehin überflüssig gewesen.
Er verliess das Holodeck eine halbe Stunde vor ihr, um keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen. Sie waren ausserdem überein gekommen, sich trotzdem weiterzusiezen, um die Mannschaft nicht gleich wissen zu lassen, was sich zwischen ihnen abgespielt hatte. Es würde zwar nicht leicht werden, war aber sicher besser so, solange nicht gewiss war, wie es weitergehen würde.
Als er die Brücke betrat und in Richtung Bereitschaftsraum durchqueren wollte, wurde er von Fähnrich B’Irworo aufgehalten. „Captain, darf ich Ihnen ...“
„Ah, Sie haben das Subraumsignal der Sonde empfangen, nicht wahr? Das ging aber schnell.“
Verdutzt stammelte der junge Alpha Centaurer: „Woher... ja, stimmt, Captain. Verzeihen Sie. Es ging tatsächlich sehr schnell, bis wir das abgestrahlte Signal aufgefangen hatten. Der Grund dafür ist, daß das andere Ende des Wurmlochs sich nur noch etwa 20’000 Lichtjahre entfernt befindet und nicht über 90’000 wie in unserer Zeit.“
„Oh!“ Lennard hatte zwar mit allem gerechnet, war jetzt jedoch dennoch überrascht. „Nun gut, warten wir die Rückkehr der Sonde ab, dann entscheiden wir, wie wir weiter verfahren wollen. Das wäre im Moment alles.“
„Aye,Sir.“ Der Fähnrich trat ab.
Lennard zog sich in seinen Bereitschaftsraum zurück und rief auf seinem Arbeitsplatz eine Aufstellung ihrer Energiereserven und anderer lebenswichtiger Vorräte auf. Sie konnten von Glück sagen, dachte er bei sich, dass vor ihrem Aufbruch von Antares alle Ressourcen komplettiert worden waren. So hatten sie jetzt alles an Bord, um für mehrere Jahre völlig autark operieren zu können. Denn so, wie die Dinge standen, konnten sie für lange Zeit mit keinerlei Nachschub rechnen. Wenn gewisse Einschränkungen gemacht wurden, war die Zeitspanne der Funktionstüchtigkeit der Aldebaran wahrscheinlich noch erheblich zu verlängern, doch wenn sie wirklich keine andere Möglichkeit fanden, würden sie das Schiff irgendwann aufgeben und einen Zufluchtsort suchen müssen...
Der Türsummer liess ihn aus seinen düsteren Zukunftsgedanken herausschrecken. „Ja?“
Eine besorgt aussehende Kall trat ein und wartete mit einem Blick über die Schulter, bis sich der Eingang hinter ihr geschlossen hatte, dann platzte es aus ihr heraus: „Sehen Sie wirklich so schwarz für uns, Sir?“
„Sam, ich habe Ihnen doch gesagt...“
„Verzeihen Sie, aber das haben Sie gerade so laut ‘herausgedacht’, dass es wirklich jeder Telepath im ganzen Sektor wahrgenommen haben muss, ob er wollte oder nicht.“ Sie lächelte schwach und gab ihm einen PADD. „Ich habe hier die Bewertungen der Offiziere.“
Lennard nahm den flachen Minicomputer entgegen und studierte die Auflistungen auf dem Anzeigenfeld missmutig. „So? Also dann...danke, Counselor. Es scheint mir, als ob der Dienst trotz allem noch reibungslos verläuft.“
„In der Tat, Sir. Wir können stolz auf die Disziplin der Crew sein.“ Mit hinter dem Rücken verschränkten Händen und einem schwachen Schmunzeln im Gesicht blieb die Betazoidin stehen, bis er aufsah.
„Ist noch etwas?“ Bei dieser Frage überkam ihn eine unangenehme Vorahnung.
„Darf ich mich setzen, Sir? Danke. Ich dachte, Sie wollten vielleicht noch über etwas anderes mit mir reden.“
Ihr fröhliches Lächeln sagte ihm alles. Auch seine Mundwinkel bogen sich nach oben, als er mit gespielter Gequältheit aufstöhnte. „Ich hätte es mir denken können. Sie wissen es also, Sam. Naja, hätte mich auch gewundert, wenn irgendein privater Gedanke auf diesem Schiff Ihnen verborgen geblieben wäre. Wie schaffen Sie das eigentlich, ununterbrochen fast eintausend Gehirne auszuspionieren?“
„Sie tun mir unrecht, Kyle. Ich bin vorhin auf dem Gang Stefania begegnet, wo sie sich an mich gewandt hat. Sie sehen also, alles schön legal.“
„Das ist nicht ihr Ernst“, platzte es fassungslos aus Lennard heraus.
Entrüstet entgegnete Kall: „Hören Sie ‘mal, ich bin schliesslich die Schiffsberaterin. Und davon abgesehen, hat die Commander bereits mehrmals mit mir über dieses Thema diskutiert, ausserdienstlich übrigens.“
„Sie meinen... von Frau zu Frau, als Freundin gewissermassen?“ Nun kam er aus dem Staunen nicht mehr heraus.
„Von den vielen kleinen und ...äh...auch gelegentlichen mittelgrossen Diskrepanzen während des Dienstes abgesehen, verstehen Stefania und ich uns privat eigentlich ganz gut“, räumte Kall ein.
„Nun, ich muss zugeben, bei Doc Stern und mir ist es ganz ähnlich, auch wenn wir uns bereits seit dem ersten Tag auf der Akademie kennen und seitdem immer zusammen gedient haben.“ Er seufzte. „Es gehört schliesslich einiges dazu, Beruf und Privatleben voneinander zu trennen, und wie Sie selbst wissen, macht David es mir nicht gerade leicht. Durch seine dauernden Albernheiten muß ich ihn öfters in seine Schranken weisen, als es mir lieb ist.“
„Aber ansonsten verstehen sie beide sich prächtig?“ forschte Kall nach.
Er nickte. „Er ist auch der einzige, mit dem ich bisher über meine Zuneigung zu Stefania geredet habe. Er bewahrt zwar zuverlässig Stillschweigen darüber, doch mit seinen Ratschlägen kann ich leider wenig anfangen.“
„Sehen Sie, deshalb sitzen wir ja jetzt hier zusammen. Sie wissen sicher, dass Ihre Beziehung einiges an Selbstbeherrschung und Objektivität erfordert. Fühlen Sie sich denn imstande dazu, diese Anforderungen zu erfüllen?“
Lennard dachte lange nach und meinte dann: „Ich habe von Anfang an gewusst, dass die Trennung von Dienst und Privatleben in unserem Fall besonders schwierig sein wird, aber an mir soll es nicht liegen. Ja, ich fühle mich imstande, diese Herausforderung anzunehmen.“
„Sie sollten es nicht so verbissen sehen“, warnte Kall umsichtig. „Das ist kein Wettbewerb, den Sie austragen wollen, sondern eine Beziehung, die aufgebaut werden will. Sie sollten sich vor allem viel Zeit lassen, um das nicht vorzeitig zu zerstören.“
Erstaunt bemerkte Lennard: „Sie können ja richtig einfühlsam sein, Sam. So kenne ich Sie ja gar nicht.“
„Was glauben Sie denn, wieso ich Counselor geworden bin?“ Beleidigt verschränkte Sie ihre Arme vor der Brust. „Außerdem muß ich in diesem Fall höchste Sensibilität walten lassen, um das nicht in die falschen Bahnen gleiten zu lassen.“
„Wie meinen Sie das?“
„Stellen Sie sich doch ‘mal vor, ihre Romanze geht in die Brüche. In dieser Situation mit einem zerstrittenen Captain und Ersten Offizier, das wünsche ich nicht einmal meinen schlimmsten Feinden.“
Als Kall das sagte und ihm klar wurde, dass es ihr voller Ernst war, lief ihm ein kalter Schauer das Rückgrat hinab. Konnte sie etwa recht haben? Er hoffte es nicht.
[Fortsetzung folgt gleich morgen...]
- 5 -
Eine knappe Stunde später fanden sich die Brückenoffiziere in der Beobachtungslounge ein, um ihre Lage zu besprechen. Den düsteren Mienen konnte man ansehen, wie es momentan zu stehen schien.
„Bitte fangen Sie an, Mrs. Wuran“, bat Lennard, als alle Platz genommen hatten, inclusive Rosalie Warren, der man aufgrund ihrer Lage ein gewisses Mitspracherecht in Belangen der Computerbetreuung eingeräumt hatte.
Wuran rieb sich über den Faltenkamm ihres Nasenrückens, ein Zeichen für Nervosität oder auch Unsicherheit bei der jungen Bajoranerin, wie Lennard im Lauf ihrer gemeinsamen Dienstzeit in Kenntnis gebracht hatte. „Das erste vorneweg: wir sind ziemlich alleine hier draussen, was angesichts der ungeheuren Zeitdilitation, die uns widerfahren ist, nicht besonders verwunderlich ist.
Tatsache ist, dass wir keinerlei Kontakt herstellen konnten, weder mit einer Institution der Föderation noch mit einer sonstigen uns bekannten oder unbekannten Macht. Wir können unmöglich sagen, wie weit in der Zukunft wir uns befinden, da es keine verlässliche Methode gibt, dieses Phänomen zu berechnen. Die Zeit vergeht umso schneller ausserhalb des Schiffes, je näher man der Lichtgeschwindigkeit ist und je länger man mit dieser relativistischen Geschwindigkeit unterwegs ist. Es gibt zudem nur wenige solcher Flüge, die auch nur kurzzeitig in solchen Tempobereichen oberhalb von c 0,75 stattgefunden haben. Demnach muss die Zeitverschiebung unvorstellbar gross sein.
Es ist dem Hauptcomputer ebenfalls unmöglich, anhand der Sternenkonstellationen innerhalb der Galaxie das Ausmass an vergangener Zeit zu errechnen; dafür gibt es zu viele unbekannte Faktoren. Unser Tiefenraumscan hat uns eine Karte des umliegenden Netzquadranten geliefert, also 50 Sektoren in jeder Richtung oder etwa 1000 Lichtjahre. Dabei haben wir manche Systeme entdeckt, die uns bekannt sind und noch mehr, von denen wir nur vermuten können, dass es die Konstellationen sind, die wir gekannt haben. Man kann nicht einmal behaupten, dass wir uns noch im Föderationsraum befinden, da sich der Rest der Galaxis um uns herum gedreht hat, während wir unseren Irrflug im Alnilam-System hatten.“
„Sollten wir uns nicht darum bemühen, das Sternenflotten-Hauptquartier oder zumindest den nächsten uns bekannten Aussenposten anzufliegen - so unsinnig diese Vorschrift in unserer Situatiuon auch sein mag?“ wollte Leardini wissen.
„Eine Möglichkeit, den nächsten uns bekannten Planeten anzufliegen, haben wir. Zufälligerweise handelt es sich dabei um meine Heimat... Bajor.“
Stern keuchte erstaunt auf. „Aber...“
Wuran senkte ihr Haupt. „Ich weiß sehr wohl, was Sie sagen wollen, Doc. Es ist nun aber tatsächlich so, dass kein bewohntes System zur Zeit näher liegt. Ich weiss, dass das für Sie alle unglaublich klingt, aber wir können das bajoranische System von unserer momentanen Position aus in einem knappen Tag bei Warp Sechs erreichen.“
„Dann ist der Föderationsraum tatsächlich derart zusammengeschrumpft?“ hakte Stern fassungslos nach.
„Das stimmt so nicht, David. Sehen Sie, auf dem Weg nach Bajor kommen wir an einem romulanischen und zwei klingonischen Systemen vorbei, übrigens alle unbewohnt, jedoch an keinem der Föderation zugehörigen Stern. Und das, obwohl Bajor an der cardassianischen Grenze liegt, also genau in der entgegengesetzten Richtung von den klingonischen und romulanischen Reichen aus. Es ist vielmehr so, als sei die Galaxie vermischt worden, so dass alles willkürlich verteilt ist, ohne erkennbares Muster.“
„An diese Vorstellung muss ich mich erst noch gewöhnen“, bemerkte Stern leicht mürrisch.
Warren fragte interessiert: „Haben wir denn genauere Daten vom bajoranischen Sonnensystem erhalten?“
Resigniert schüttelte die Wissenschaftsoffizierin den Kopf. „Es war lediglich möglich, das System als Ganzes und die einzelnen Planeten zu identifizieren. Eine Vermessung der Konstellationen oder eine eindeutige Klassifizierung der Planeten war uns über diese Entfernung nicht möglich.“
Vakuf meldete sich nun zu Wort: „Captain, falls wir uns für dieses Ziel entscheiden, empfehle ich die vorgeschlagene Geschwindigkeit von Warp Sechs nicht zu überschreiten. Wir sollten mit unseren Energievorräten möglichst sparsam haushalten, bis wir uns unserer Lage vollends im Klaren sind.“
„Ich stimme Ihnen zu, Lieutenant. Also fliegen wir Bajor an und führen auf der Reise ständig weitere Langstreckenabtastungen durch, um eine möglichst umfassende Sternenkarte zu erhalten. Das wär’s fürs erste.“ Lennard erhob sich.
Nach und nach verliessen Darrn, Kazuki, Kall, Stern und auch Warren die Lounge. Die restlichen Brückenoffiziere jedoch blieben allesamt an ihren Plätzen. Als das allgemeine Schweigen langsam peinlich wurde und jeder begann, verstohlen die anderen zu mustern, ergriff die vulcanische Chefingenieurin Atarma Nidor beherzt das Wort.
„Ich nehme an, dass Sie alle die gleiche Idee gehabt haben und diese nun vertraulich mit dem Captain diskutieren wollen.“
„Das ist nur logisch“, stimmte Vakuf zu.
Leardini verdrehte die Augen gen Himmel. „Vulcanier unter sich! Hören Sie doch auf, um den heissen Brei herumzureden und nennen Sie die Dinge beim Namen.“
„Ich weiss wirklich nicht, ob es eine gute Idee ist, jetzt schon darüber zu reden, wo wir noch so wenig über unsere Lage wissen“, entgegnete Lennard.
„Diese Methode ist schon mehrmals angewandt worden, Captain, sowohl versehentlich als auch mit voller Absicht. Es war bereits im letzten Jahrhundert problemlos möglich, exakte und verlässliche Berechnungen über die Durchführung anzustellen.“ Nidor war sich ihrer Sache offenbar ziemlich sicher.
Lennard widersprach: „Hören Sie, das ist mir bewusst, aber solange wir nicht genau wissen, wie weit wir in die Zukunft ‘geschleudert’ wurden, können und dürfen wir keinen Zeitsprung durchführen. Uns fehlt das wichtigste Parameter für unsere Berechnung... noch. Und wer weiss schon, ob wir überhaupt in der Lage sein werden, das herauszufinden. Nein, ich möchte diese Unterhaltung verschieben, bis wir mehr wissen.“
„Aber Sie sind nicht prinzipiell dagegen?“ forschte Wuran nach.
Gerade wollte Lennard antworten, da öffnete sich die Tür. Alle Köpfe ruckten herum, als eine sichtlich aufgebrachte Kall hereingestürmt kam und sich mühsam beherrschte, bis die Tür hinter ihr wieder zugeglitten war. „Was stellt das hier, bitte, dar? Eine Art Geheimrat der Eingeweihten? Sie diskutieren hier über etwas, das uns die Hauptdirektive klar und deutlich...“
„Hier sind nur diejenigen mit dem nötigen Fachwissen anwesend, denen die Idee von selbst gekommen und nicht zugeflogen ist wie Ihnen“, versetzte Leardini barsch.
Während Kall vor Wut rot anlief, ging Lennard autoritär dazwischen: „Bitte, meine Damen, das führt doch zu nichts. Ich könnte Sie darum bitten, doch in Anbetracht der Umstände sehe ich mich genötigt, Ihnen zu befehlen, solche Zwistigkeiten strikt zu unterlassen. Bedenken Sie bitte, daß Sie eventuell für lange, lange Zeit...“ er grinste ein wenig unverschämt „...vielleicht sogar den Rest Ihres Lebens miteinander verbringen und auskommen müssen.“
Leardini öffnete den Mund, überlegte es sich dann jedoch anders und stand stattdessen auf, um zu Kall zu gehen und ihr versöhnlich die Hand hinzuhalten. „Der Captain hat recht, Sam. Vergessen Sie das eben.“
„Schon gut.“ Kall ergriff die dargebotene Hand mit noch leicht beleidigter Miene, dann setzten sich beide zurück an den langen Konferenztisch.
Lennard fuhr fort: „Ich stimme Ihnen übrigens nicht zu, Counselor. In unserer Lage wäre ein Zeitsprung zurück in unsere Gegenwart moralisch durchaus zu verantworten. Wir sind ja unverschuldet in diese Zeit gekommen, warum sollten wir dann nicht alle vorhandenen Möglichkeiten nutzen, um das wieder rückgängig zu machen?“
Kall überlegte. „Wir dürften ja nicht einmal hier sein. In jedem Moment, in dem wir uns hier aufhalten, verletzen wir das Raum-Zeit-Gefüge.“
„Oh, in diesem Fall schlage ich die sofortige Selbstzerstörung der Aldebaran vor, Captain. Wollen wir gleich darüber abstimmen?“ versetzte Leardini sarkastisch.
Lennard sah sich im Raum um: „Nanu, ist Doc Stern hier? Mir war eben so, als hätte ich ihn etwas sagen gehört.“
Alle lachten - bis auf die beiden Vulcanierinnen natürlich -, während Leardini beleidigt wegsah.
„Also, lassen wir diesen Disput vorerst ruhen; in diesem Stadium führt das doch zu nichts.“ Lennard erhob sich und wartete diesmal, bis alle gegangen waren. Schlussendlich stand auch Leardini auf und sah ihn schmollend an. „Wissen Sie, ich versuche immer noch zu begreifen, dass Sie mich wahrhaftig vor den anderen mit Stern verglichen haben.“
„Glauben Sie’s ruhig, das habe ich in der Tat“, versicherte er ihr mit einem unerschütterlichen Lächeln im Gesicht.
„Nehmen Sie das sofort zurück!“ empörte sie sich, mußte jetzt aber auch grinsen.
„Aber es hat gestimmt! Sie müssen für kurze Zeit von ihm besessen gewesen sein.“
„Vergessen Sie’s. Wollen wir joggen gehen?“ Sie legte ihm vertraulich die Hand auf den Unterarm.
Er nickte. „Das Fjordland auf der neuseeländischen Südinsel ist um diese Jahreszeit besonders reizvoll.“
„Dann treffen wir uns in einer halben Stunde auf dem Holodeck drei.“ Ihre dunklen Augen glitzerten.
„Wir treten in das bajoranische System ein, Captain.“
Lennard schreckte aus tiefem Schlaf hoch und murmelte: „Ich komme gleich.“
Dann sah er auf seinen altmodischen Radiowecker, dessen Zifferblätter noch mittels einem Klappmechanismus funktionierten. Kurz vor fünf Uhr morgens. Nun gut.
Das erste, was ihm auffiel, als er die Brücke betrat, war das Gesicht von Wuran. „Wie sieht es aus, Cluy? Haben Sie nähere Angaben zu Bajor?“
Sie nickte bedrückt. „Ja, Sir. Klasse - M - Planet.“
Er furchte die Stirn. „Das ist doch eigentlich...“
„Oberflächentemperatur durchschnittlich bei Minus vierzig Grad...am Äquator.“ Sie senkte den Kopf.
„Oh.“ Bedrückt schwieg Lennard, wandte sich dann jedoch an Vakuf.
„Wie lange noch bis zum Eintritt in den Standardorbit?“
„Etwa zehn Minuten, Sir.“
Lennard wandte sich an Leardini. „Stellen Sie ein Aussenteam zusammen und suchen Sie sich einen Ort zum Runterbeamen, wo Sie eine Stadt vermuten.“
„In Ordnung. Mr. Kazuki, Mrs. Wuran, bitte begleiten Sie mich. Wir nehmen zusätzlich noch einen Planetologen mit, der uns vielleicht etwas über die Veränderungen auf Bajor sagen kann. Ausserdem sollten wir Raumanzüge oder zumindest Individualschilde anlegen, um uns vor der Kälte auf der Oberfläche zu schützen.“ Gemeinsam verliessen sie die Brücke, während Reservemannschaften die freigewordenen Stationen besetzten.
Was würden sie auf Bajor vorfinden? Diese Welt hatte eine Kultur, die einiges älter war als sämtliche auf der Erde bekannten. Irgendetwas mussten sie einfach finden, es konnte doch nicht jede Spur dieser blühenden Zivilisation verschwunden sein. Lennard fühlte sich mit einem Mal wie ein Archäologe, der einer spurlos verschwundenen, untergegangenen Welt nachforschte.
Auf der Brücke wartete man darauf, dass das Aussenteam auf die Oberfläche gebeamt wurde. Während der Fähnrich, der Wuran während ihrer Aussenmission vertrat, gewissenhaft von der Wissenschaftsstation aus gemeinsam mit Darrn die Planetenvermessung und sonstige Daten-aufnahme koordinierte, hatte Lennard Zeit, sich auszumalen, was sie dort unten vorfinden würden. Seltsamerweise war ihm in letzter Zeit immer etwas mulmig zumute, wenn er Stefania auf eine Aussenmission schickte. Woran lag das nur?
Er zuckte zusammen, als die Counselor ihm ihre Hand auf die Schulter legte und ihm einen mitfühlenden Blick schenkte. Er fühlte sich ertappt und fragte schroff, um das zu überspielen: „Was gibt es, Sam?“
„Verzeihen Sie, Captain, ich wollte Sie nicht aus ihrer Nachdenklichkeit herausreissen, aber ich dachte, ich sollte Sie darüber informieren. Es geht um Cluy.“
Erleichtert darüber, dass Kall nichts von seinen Gedankengängen mitbekommen hatte, erwiderte er: „Was ist mit Wuran? Gibt es ein Problem?“
Kall verzog ihren Mund ein wenig und gab unsicher zurück: „Ich weiss nicht so recht, ob sie das Aussenteam wirklich begleiten sollte.“
„Lieutenant Commander Wuran ist für diese Aufgabe doch bestens geeignet und darüber hinaus eine der wenigen auf der Aldebaran, die sich auf Bajor auskennen. Was lässt Sie zweifeln?“
„Ich...ich empfange ein Gefühl starker Beklommenheit von ihr. Sie fürchtet sich offensichtlich vor dem, was sie auf der Oberfläche vorfinden kann. Wie fast alle Bajoraner empfindet sie einen unumstösslichen Glauben an ihre Mythologie und Heimatverbundenheit, deshalb ist es nicht ratsam, sie direkt mit dem zu konfrontieren, was mit ihrer Welt geschehen ist.“ In Kalls grossen, dunklen Augen lag ein fast flehender Ausdruck. Lennard wußte, daß Wuran und sie sehr gut befreundet waren und erwog deshalb, ihrer Meinung Beachtung zu schenken.
Über Interkom meldete sich Leardini: „Wir beamen jetzt runter, Brücke.“
Lennard wollte etwas sagen, doch es war schon zu spät. In dem Moment, in dem Kall und er sich überrumpelt ansahen, wurde das Aussenteam auf die Oberfläche transportiert.
„Hier Leardini. Wir sind unten. Die Sonne ist hier bereits untergegegangen, sodass wir kaum noch etwas sehen können. Ich stehe in etwa kniehohem Schnee und bin von einem Schneesturm umgeben, der sich nicht beschreiben läßt. Es weht mich trotz Individualschild fast von den Füssen; ohne die Schilde hätten wir wahrscheinlich binnen Minuten Erfrierungen. Die anderen stehen nur wenige Meter neben mir, ich erkenne jedoch nur Schemen.“
„Hier Lennard. Wieso sind Sie auf diese Koordinaten gebeamt worden und nicht auf die Tag-seite, wo Sie mehr hätten erkennen können?“
„Wuran gab uns diese Position an, Captain. Wir befinden uns dort, wo die Hauptstadt des Planeten sein sollte.“
Lennard stutzte. „Was soll das heissen?“
„Hier ist nichts, Captain. Keinerlei Spur einer Zivilisation erkennbar. Wir haben gescannt nach... einen Augenblick...“
Eine Pause entstand, in der die Funkstille drückend auf der Brückencrew lastete. Lennard hielt es nicht mehr aus und wollte wissen: „Was ist da unten los, Stefania? Melden Sie sich!“
„Aldebaran, hier Leardini. Beamen Sie Wuran sofort auf die Krankenstation! Sie ist vor unseren Augen zusammengebrochen; wahrscheinlich hat sie einen Schock erlitten.“
„Verstanden, Commander“, erklang einen Moment darauf die Stimme des Transporterchiefs.
„Können Sie die Expedition fortsetzen?“ Lennard war unbehaglich zumute.
„Gewiss, Captain. Wir anderen sind eher erstaunt als schockiert, da wir wohl gar keinen Bezug zu dem herstellen können, was wir vor uns haben. Eigentlich sollte das eine blühende Welt mit subtropischem, stabilen Klima sein...“ Nachdenklich brach Leardini ihren Kommentar ab.
Mit drängender Stimme wandte Kall sich an Lennard: „Captain, erbitte Erlaubnis, auf die Krankenstation gehen zu dürfen.“
„Erlaubnis erteilt. Sie werden dort momentan dringender benötigt als hier auf der Brücke.“ Lennard entliess die Schiffsberaterin mit einem leichten Nicken, worauf diese eilig zum Turbolift stürzte.
Diese Mission schien ein Reinfall zu werden, dachte er bei sich.
„Ein absoluter Reinfall“, beendete Leardini eine Stunde später in der Beobachtungslounge vor versammelter Offizierscrew ihren Bericht.
Während Sie auf der Oberfläche waren, haben wir den Planeten umfassend untersucht und keinerlei Überreste einer Hochkultur, wie sie auf Bajor lebte, gefunden,“ fügte Lennard hinzu und wandte sich dann an Stern.
„Wie geht es Cluj, David?“
„Ich musste ihr ein Beruhigungsmittel geben und sie mit dem AlphawellenInduktor behandeln. Sie schläft im Moment tief und fest. Wenn sie aufwacht, sollte die Counselor für sie da sein; sie hat einen ziemlich schweren Nervenschock.“
„Das werde ich, Doktor,“ versicherte Kall.
„Wie soll es denn jetzt weitergehen?“ lenkte Warren die Aufmerksamkeit auf ihr eigentliches Problem zurück. „Wir haben noch immer keinen einzigen Hinweis darauf, in welcher Epoche wir uns befinden oder was aus der uns bekannten Zivilisation geworden ist.“
„Nun, noch haben wir in Reichweite unserer Sensoren keine weiteren uns bekannten Planeten ausmachen können“, räumte Leardini ein.
Eine kurze Folge von Pieptönen unterbrach sie, gefolgt von einer Meldung: „Fähnrich B’Irworo an Captain Lennard.“
Alle horchten auf, als der Angesprochene antwortete: „Hier Lennard. Was gibt es, Fähnrich?“
„Verzeihen Sie die Störung, Sir, aber ich muss Ihnen eine wichtige Mitteilung machen. Die Sensoren registrieren erhöhte Neutrinostrahlung, und zwar in einer Position, die in etwa der des hiesigen Wurmloches entspricht. Es besteht Grund zur Annahme, dass dieses Phänomen noch immer existieren könnte.“
„Das wäre phantastisch!“ entfuhr es Lennard.
„Wieso? Was nützt es uns, in den Gamma-Quadranten gelangen zu können?“ wollte Stern wissen.
„Doc, es ist nicht sicher, wohin das Wurmloch führt. Haben Sie vergessen, in welcher Lage wir uns befinden?“ entgegnete Leardini gereizt.
„Das habe ich tatsächlich, Commander“, gab Stern mit säuerlicher Miene zurück.
Über Interkom schaltete sich B’Irworo nochmals ein: „Sir, dürfte ich vorschlagen, eine Sonde der Klasse IX durch das Wurmloch zu schicken? Ich könnte die missionsspezifischen Palettenplätze mit Langstreckensensoren bestücken und einen Kurs eingeben, sodass die Sonde am anderen Ende des Wurmloches an der Grenze ihrer Reichweite den Rand eines kugelförmigen Raumes abfliegt. Die Sonde kann zwölf Stunden lang mit Warp neun fliegen; dadurch werden wir eine Menge wichtiger Daten über das andere Ende des Wurmlochs erfahren.“
„Das ist eine ausgezeichnete Idee, Fähnrich. Vor allem erfahren wir auch, ob die Passage durch das Wurmloch noch immer sicher ist. Können Sie die Sonde so programmieren, dass sie ein Hochleistungs-Subraumsignal aussendet, sobald sie am anderen Ende angekommen ist? So würden wir dessen genaue Position bestimmen können.“
„Wird gemacht, Captain.“
„Warten Sie mit dem Abschuss der Sonde nicht auf uns. Da es ohnehin zwölf Stunden dauern wird, wenn wir die maximale Reichweite der Sonde ausnutzen...“
„Verstanden, Captain. B’Irworo Ende.“ Das übliche Läutsignal beendete die Verbindung.
Lennard schaltete den Wandmonitor auf vorderen Ausblick, da alle Fenster der Beobachtungslounge achteraus wiesen. Langsam wanderten die Sterne von oben rechts nach unten links, als die Aldebaran sich ausrichtete. „Mr. Darrn, koordinieren Sie die Verfügbarkeit der seitlichen Sensorenphalanxen für die genauere Vermessung des bajoranischen Systems durch die Stellarkartographen. So können wir die Wartezeit wenigstens halbwegs sinnvoll ausfüllen.“
„Aye, Captain.“
Zwei doppelte Huptöne kündigten den Abschuss der Sonde an. Dann lief ein zischendes Geräusch durch das Schiff, das Zeichen dafür, dass die Feldinduktionsspulen der Torpedolauncherröhre die Sonde aus dem Schiff herausgeschossen hatten. Im nächsten Moment sahen die den rotglühenden Stern auftauchen und mit einem Dreiviertel der Lichtgeschwindigkeit davonjagen.
Dann gab es einen grellen Lichtblitz, in dem die trichterförmige Verteron-Membran auftauchte, der Eingang des Wurmloches. Helles Licht flutete aus ihm hervor und schien der Sonde den Weg weisen zu wollen, da diese genau in das Zentrum der Raum-Zeit-Anomalie hineinsteuerte. Einen Moment später fiel das imposante Gebilde ebensoschnell und ohne Vorwarnung in sich zusammen, wie es erschienen war. Zurück blieb das unendliche Sternenmeer, als wäre nichts geschehen.
„Sie ist unterwegs“, murmelte Stern ehrfurchtsvoll. Lennard wusste, dass er noch nie ein Wurmloch zu Gesicht bekommen hatte und deshalb genauso überwältigt war wie Warren, die noch immer mit offenem Mund auf den Bildschirm starrte.
„Wem das gefallen hat, dem empfehle ich den Besuch von Zehn Vorne in knapp zwölf Stunden. Der Anblick von dort aus ist sicher noch eindrucksvoller“, bemerkte Lennard knapp. „Wir hingegen müssen nun abwarten.“
Nachdem er einige Zeit lang grübelnd in seinem Bereitschaftsraum gesessen hatte, beschloss Lennard, mit Leardini über das zu reden, was ihm während ihrer Aussenmission auf Bajor durch den Kopf gegangen war. Er ging zu ihrem Quartier und läutete, wurde aber nicht eingelassen. Stirnrunzelnd sann er nach, ob sie etwa um dieser Bordzeit nicht da sein könnte.
„Computer, lokalisiere Commander Leardini.“
„Commander Leardini befindet sich auf Holodeck drei“, teilte ihm die allgegenwärtige Synthetikstimme mit. Nanu?
Er fuhr zu besagtem Ort und fand das Deck aktiviert vor. Auf die Anfrage des Computers hin, ob er eintreten wolle, bejahte er, worauf die Türen des Decks zischend auseinanderglitten und eine überraschende Aussicht boten. Zögernd trat er ein und beobachtete, wie sich die Tür hinter ihm wieder schloss und danach zu verschwinden schien. Dann wandte er sich erneut der imposanten Aussicht vor ihm zu. Er bemerkte, daß dieser Ort eine erhöhte Schwerkraft aufwies.
Er befand sich auf einem Felsplateau, das wenige Meter vor ihm senkrecht abzufallen schien. Auf der anderen Seite der Schlucht ragten bizarre Gesteinsformationen in den unmöglichsten Formen empor, die ihm zeigten, daß er sich hier nicht auf der Erde befand. Die letzten Zweifel diesbezüglich wurden von dem Mond ausgeräumt, der im Hintergrund am Himmel stand. Er war um ein Vielfaches grösser als Luna und von einer graubraunen, dunklen Färbung. Dieses monströse Gestirn bedeckte einen Grossteil des rötlichvioletten Himmels und schien zum Greifen nah zu sein, da man von hier aus genau einzelne Gebirge und sogar aktive Vulkane auf ihm beobachten konnte.
Überwältigt von so viel Schönheit, wanderte Lennard versonnen am Rand des Plateaus entlang, bis er auf einmal hinter Leardini stand. Sie sass auf einem flachen, bemoosten Felsabsatz und starrte versonnen zum Mond hinauf. Dann schien sie mit einem Mal seine Anwesenheit zu spüren und drehte sich um. Sie zeigte jedoch bei seinem Anblick weder Überraschung noch Verärgerung über die Störung, sondern lächelte nur milde und wies auf einen Platz neben sich.
„Es ist wunderschön hier, nicht wahr?“
Er nickte dankbar und setzte sich. „Ich muss zugeben, ich war noch nie auf Vulcan. Wie heisst dieser Mond?“
„Es ist kein Mond, sondern ein eigener Planet, der mit Vulcan um einen gemeinsamen Punkt zwischen beiden Welten kreist. Er heisst T’Khut; Vulcan selbst wird T’Khasi genannt. Faszinierend.“ Sie lächelte.
„Wer hätte gedacht, dass die alte Vulcanier-Verspotterin Leardini zum Ausspannen selbst auf dem Holodeck diese Welt besucht?“
„Das entbehrt nicht einer gewissen Doppelmoral, ich weiss“, gab sie verlegen zu.
„Aber ein passendes vulcanisches Gewand hätten Sie wenigstens anziehen können. Schliesslich haben Sie momentan keinen Dienst.“
„Ich finde unsere Uniformen eigentlich so bequem, dass ich nicht den Wunsch verspüre, in meiner Freizeit etwas anderes zu tragen... ausser bei besonderen Anlässen wie unserem Dinner neulich vielleicht“, fügte sie hinzu und sah ihn schelmisch lächelnd von der Seite an.
Er musste ungewollt grinsen. „Da haben Sie mich eiskalt erwischt, obwohl ich gestehen muss, dass es mir durchaus nicht unangenehm war.“
„Was meinen Sie damit, Kyle?“ hakte sie nach.
Er seufzte auf; sie stellte all diese verkehrten Fragen zur richtigen Zeit. „Kommen Sie schon, Stefania, Sie wissen genau, was ich meine. Und ich finde, wir sollten darüber reden. Genau deswegen bin ich nämlich hier.“
„Da haben Sie recht, Captain, es muss etwas geschehen. So kann das nicht weitergehen.“ Sie erhob die Stimme ein wenig. „Computer, sichere den Eingang des Holodecks. Autorisation Commander Leardini Beta Sechs.“
Sie sahen sich einen Moment lang tief in die Augen und brauchten dabei nichts zu sagen, weil sie wussten, was der andere sagen wollte.
Dann unterbrach sie der Computer unerwartet. „Um eine Sicherung des Holodecks vorzunehmen, ist die Verifizierung eines zweiten Brückenoffizieres notwendig.“
Nach einer Sekunde der Verblüffung mussten beide auflachen. Stefania meinte: „Die Sternenflotte macht es uns auch nicht leichter, oder? Nun, jetzt ist es an Ihnen.“
Er bemerkte, wie sie ihn gespannt ansah und auf seine Reaktion wartete. In diesem Augenblick kam ihm ein Gedanke, der ihn alle Zweifel vergessen liess. „Autorisation Captain Lennard Alpha Vier.“
„Eingang gesichert“, kommentierte der Computer kurz danach.
„Ich hoffe, dass niemand in nächster Zeit die Sicherheitsprotokolle des Holodecks durchgehen wird“, meinte Lennard gleichmütig und sah dann wieder Leardini an.
„Das muss nicht sehr leicht für Sie gewesen sein, Kyle. Sagen Sie, warum haben Sie’s trotzdem gemacht?“
Er rückte ein Stück näher, bis sich ihre Oberschenkel fast berührten. „Mir ist gerade etwas durch den Kopf gegangen...“
„Und was?“ Er sah, wie sie schlucken musste.
Er versuchte, es wie einen Scherz klingen zu lassen, wusste aber gleichzeitig, dass das misslingen musste. „Nun, wir sind sozusagen hier in der Zukunft ‘gestrandet’. Vielleicht sind wir sogar die letzten noch existierenden Wesen unserer Art. Stellen Sie sich das doch ‘mal vor, wenn es wirklich nur noch dieses Schiff gibt und sonst nichts mehr...“
Ihre dunklen Augen starrten ihn gross an, so dass er sich einen Ruck gab. „Stefania, wenn wir keinen Weg in unsere Epoche zurück finden, muss die Besatzung den Rest ihres Lebens zusammen verbringen. Und wenn ich daran denke, mir jemanden suchen zu müssen, mit dem ich das tun will, dann kommen Sie mir dabei in den Sinn. Verstehen Sie, Stefania, hier gibt es kein Oberkommando.“
Sie wehrte sich nicht, als er den Arm um sie legte, sondern drehte sich zu ihm hin und legte ihrerseits einen Arm um ihn. „Ich habe das Gefühl, Sie können Gedanken lesen. Sie meinen, hier und jetzt sind unsere Karrieren nicht gefährdet und wir müssen auch keine Angst haben, dass man uns auseinanderversetzt?“
Er schloss kurz die Augen. „Wenn ich früher gewusst hätte, dass das für Sie der gleiche Grund wie für mich war...“
„Das ist richtig.“ Ihre Lider senkten sich, als sie ihr Gesicht an seines annäherte. „Aber nun stehen die Dinge anders...“
„Zum Glück...“ Sie sanken hintenüber und schwiegen die nächste Zeit lang. Worte wären nun ohnehin überflüssig gewesen.
Er verliess das Holodeck eine halbe Stunde vor ihr, um keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen. Sie waren ausserdem überein gekommen, sich trotzdem weiterzusiezen, um die Mannschaft nicht gleich wissen zu lassen, was sich zwischen ihnen abgespielt hatte. Es würde zwar nicht leicht werden, war aber sicher besser so, solange nicht gewiss war, wie es weitergehen würde.
Als er die Brücke betrat und in Richtung Bereitschaftsraum durchqueren wollte, wurde er von Fähnrich B’Irworo aufgehalten. „Captain, darf ich Ihnen ...“
„Ah, Sie haben das Subraumsignal der Sonde empfangen, nicht wahr? Das ging aber schnell.“
Verdutzt stammelte der junge Alpha Centaurer: „Woher... ja, stimmt, Captain. Verzeihen Sie. Es ging tatsächlich sehr schnell, bis wir das abgestrahlte Signal aufgefangen hatten. Der Grund dafür ist, daß das andere Ende des Wurmlochs sich nur noch etwa 20’000 Lichtjahre entfernt befindet und nicht über 90’000 wie in unserer Zeit.“
„Oh!“ Lennard hatte zwar mit allem gerechnet, war jetzt jedoch dennoch überrascht. „Nun gut, warten wir die Rückkehr der Sonde ab, dann entscheiden wir, wie wir weiter verfahren wollen. Das wäre im Moment alles.“
„Aye,Sir.“ Der Fähnrich trat ab.
Lennard zog sich in seinen Bereitschaftsraum zurück und rief auf seinem Arbeitsplatz eine Aufstellung ihrer Energiereserven und anderer lebenswichtiger Vorräte auf. Sie konnten von Glück sagen, dachte er bei sich, dass vor ihrem Aufbruch von Antares alle Ressourcen komplettiert worden waren. So hatten sie jetzt alles an Bord, um für mehrere Jahre völlig autark operieren zu können. Denn so, wie die Dinge standen, konnten sie für lange Zeit mit keinerlei Nachschub rechnen. Wenn gewisse Einschränkungen gemacht wurden, war die Zeitspanne der Funktionstüchtigkeit der Aldebaran wahrscheinlich noch erheblich zu verlängern, doch wenn sie wirklich keine andere Möglichkeit fanden, würden sie das Schiff irgendwann aufgeben und einen Zufluchtsort suchen müssen...
Der Türsummer liess ihn aus seinen düsteren Zukunftsgedanken herausschrecken. „Ja?“
Eine besorgt aussehende Kall trat ein und wartete mit einem Blick über die Schulter, bis sich der Eingang hinter ihr geschlossen hatte, dann platzte es aus ihr heraus: „Sehen Sie wirklich so schwarz für uns, Sir?“
„Sam, ich habe Ihnen doch gesagt...“
„Verzeihen Sie, aber das haben Sie gerade so laut ‘herausgedacht’, dass es wirklich jeder Telepath im ganzen Sektor wahrgenommen haben muss, ob er wollte oder nicht.“ Sie lächelte schwach und gab ihm einen PADD. „Ich habe hier die Bewertungen der Offiziere.“
Lennard nahm den flachen Minicomputer entgegen und studierte die Auflistungen auf dem Anzeigenfeld missmutig. „So? Also dann...danke, Counselor. Es scheint mir, als ob der Dienst trotz allem noch reibungslos verläuft.“
„In der Tat, Sir. Wir können stolz auf die Disziplin der Crew sein.“ Mit hinter dem Rücken verschränkten Händen und einem schwachen Schmunzeln im Gesicht blieb die Betazoidin stehen, bis er aufsah.
„Ist noch etwas?“ Bei dieser Frage überkam ihn eine unangenehme Vorahnung.
„Darf ich mich setzen, Sir? Danke. Ich dachte, Sie wollten vielleicht noch über etwas anderes mit mir reden.“
Ihr fröhliches Lächeln sagte ihm alles. Auch seine Mundwinkel bogen sich nach oben, als er mit gespielter Gequältheit aufstöhnte. „Ich hätte es mir denken können. Sie wissen es also, Sam. Naja, hätte mich auch gewundert, wenn irgendein privater Gedanke auf diesem Schiff Ihnen verborgen geblieben wäre. Wie schaffen Sie das eigentlich, ununterbrochen fast eintausend Gehirne auszuspionieren?“
„Sie tun mir unrecht, Kyle. Ich bin vorhin auf dem Gang Stefania begegnet, wo sie sich an mich gewandt hat. Sie sehen also, alles schön legal.“
„Das ist nicht ihr Ernst“, platzte es fassungslos aus Lennard heraus.
Entrüstet entgegnete Kall: „Hören Sie ‘mal, ich bin schliesslich die Schiffsberaterin. Und davon abgesehen, hat die Commander bereits mehrmals mit mir über dieses Thema diskutiert, ausserdienstlich übrigens.“
„Sie meinen... von Frau zu Frau, als Freundin gewissermassen?“ Nun kam er aus dem Staunen nicht mehr heraus.
„Von den vielen kleinen und ...äh...auch gelegentlichen mittelgrossen Diskrepanzen während des Dienstes abgesehen, verstehen Stefania und ich uns privat eigentlich ganz gut“, räumte Kall ein.
„Nun, ich muss zugeben, bei Doc Stern und mir ist es ganz ähnlich, auch wenn wir uns bereits seit dem ersten Tag auf der Akademie kennen und seitdem immer zusammen gedient haben.“ Er seufzte. „Es gehört schliesslich einiges dazu, Beruf und Privatleben voneinander zu trennen, und wie Sie selbst wissen, macht David es mir nicht gerade leicht. Durch seine dauernden Albernheiten muß ich ihn öfters in seine Schranken weisen, als es mir lieb ist.“
„Aber ansonsten verstehen sie beide sich prächtig?“ forschte Kall nach.
Er nickte. „Er ist auch der einzige, mit dem ich bisher über meine Zuneigung zu Stefania geredet habe. Er bewahrt zwar zuverlässig Stillschweigen darüber, doch mit seinen Ratschlägen kann ich leider wenig anfangen.“
„Sehen Sie, deshalb sitzen wir ja jetzt hier zusammen. Sie wissen sicher, dass Ihre Beziehung einiges an Selbstbeherrschung und Objektivität erfordert. Fühlen Sie sich denn imstande dazu, diese Anforderungen zu erfüllen?“
Lennard dachte lange nach und meinte dann: „Ich habe von Anfang an gewusst, dass die Trennung von Dienst und Privatleben in unserem Fall besonders schwierig sein wird, aber an mir soll es nicht liegen. Ja, ich fühle mich imstande, diese Herausforderung anzunehmen.“
„Sie sollten es nicht so verbissen sehen“, warnte Kall umsichtig. „Das ist kein Wettbewerb, den Sie austragen wollen, sondern eine Beziehung, die aufgebaut werden will. Sie sollten sich vor allem viel Zeit lassen, um das nicht vorzeitig zu zerstören.“
Erstaunt bemerkte Lennard: „Sie können ja richtig einfühlsam sein, Sam. So kenne ich Sie ja gar nicht.“
„Was glauben Sie denn, wieso ich Counselor geworden bin?“ Beleidigt verschränkte Sie ihre Arme vor der Brust. „Außerdem muß ich in diesem Fall höchste Sensibilität walten lassen, um das nicht in die falschen Bahnen gleiten zu lassen.“
„Wie meinen Sie das?“
„Stellen Sie sich doch ‘mal vor, ihre Romanze geht in die Brüche. In dieser Situation mit einem zerstrittenen Captain und Ersten Offizier, das wünsche ich nicht einmal meinen schlimmsten Feinden.“
Als Kall das sagte und ihm klar wurde, dass es ihr voller Ernst war, lief ihm ein kalter Schauer das Rückgrat hinab. Konnte sie etwa recht haben? Er hoffte es nicht.
[Fortsetzung folgt gleich morgen...]
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Samstag, 4. November 2006
$14 Der Weltraum - unendliche Zeiten ...
cymep, 08:36h
[...Fortsetzung von gestern]
Zu Lennards Glück funktionierte der Turbolift, mit dem Kazuki von der Brücke auf dieses Deck gefahren war, noch immer, sodass ihm die mühselige Kletterpartie durch die Wartungs- und Lüftungsschächte erspart blieb. Als er die Hauptbrücke betrat, sah er in den Gesichtern seiner Crew deutliche Spuren der Erschöpfung. Jeder, der auch nur halbwegs etwas von Nanoprozessoren verstand, half so gut es ging bei den Kontrollen. Leardini indes hing zusammengesunken im Kommandantensessel und atmete flach und gleichmässig.
Ein Lächeln der Rührung schlich sich in Lennards Miene beim Anblick seiner Ersten Offizierin, wie sie dort friedlich und völlig erschöpft vor sich hin döste. Doch dann sah er aus dem Augenwinkel, wie einige Mannschaftsmitglieder sich über ihn amüsierten, worauf sein Schmunzeln abrupt verschwand. Er tippte ihr leicht auf die Schulter, worauf sie lächelnd ihre Augen einen Spalt weit öffnete. Dann schien sie mit einem Mal die Lage zu realisieren und fuhr hellwach auf.
„Captain, das tut mir wirklich furchtbar leid, das muss die Erschöpfung sein. Ich hatte nur für einen winzigen Moment die Augen geschlossen...“
„Schon gut, Commander. Bericht.“
Sie öffnete den Mund und blickte dann verlegen über die Schulter zum Ops, der sich zum grössten Teil um die Computer der Brücke gekümmert hatte. Langsam erklärte der Klingone: „Die meisten Module sind ersetzt worden. In etwa fünfzehn Minuten sind die Computersysteme hier soweit, dass sie neu aufgestartet werden können.“
„Sehr gut. Danke, Mr. Darrn. Commander, wo befindet sich die Counselor?“
Leardini überlegte kurz. „Sie müsste im Beobachtungsraum sein.“
Er nickte und sah auf die Conn-Konsole. „Das ist unglaublich! Wir bewegen uns mit einer Geschwindigkeit von c 0,9946 fort. Wissen Sie eigentlich, was das für Konsequenzen für uns haben kann?“
„Unabwägbare, Kyle. Noch nie war jemand so... verrückt, sich so nah an diese Grenze heranzuwagen. Einstein würde sich im Grabe umdrehen, wenn er von unserer Lage wüsste.“ Leardinis Gesicht verriet, dass auch sie sich des Ernstes der Lage durchaus bewusst war.
„Wir befinden uns nicht mehr in unserem Raum-Zeit-Gefüge - nicht bei dieser Geschwindigkeit.“ Er beobachtete die Anzeigen. „Na, wenigstens beschleunigen wir nicht noch weiter; wir scheinen offenbar trotz zu starkem Subraumfeld an die Grenzen des Machbaren gestossen zu sein. Wissen Sie, Stefania, ich habe bei all dem, was um uns herum geschieht, auch eine gute Nachricht für Sie.“
Ein Funken der Hoffnung schimmerte in ihren Augen. „Ja?“
„Sie schnarchen nicht beim Schlafen. Das bringt Sie ein ganzes Stück voran in meiner Auswahl.“ Grinsend verzog er sich in die Beobachtungslounge, solange sie noch sprachlos und das Kichern unter der Mannschaft noch nicht verebbt war.
Dort fand er tatsächlich die schlafende Kall vor, friedlich in einem der komfortabel ausgepolsterten Konferenzsitzen zusammengerollt. Er beugte sich hinab, bis sich ihre Köpfe beinahe berührten und dachte dann so ‘laut’ er konnte: <AUFWACHEN, SAM!!>
Es hatte tatsächlich den Effekt, als hätte man ihr direkt ins Ohr geschrien. Sie sprang alarmiert auf und stammelte perplex: „Ja, Captain, was gibt es?“
„Ach, ich wollte mich nur für Ihren gelungenen Lösungsvorschlag bedanken. Sie haben eventuell der Besatzung das Leben gerettet“, meinte Lennard jovial.
„Da...danke, Captain. Noch etwas?“
„Allerdings. Sollte ich jemals wieder einen Hinweis darauf erhalten, dass Sie in meinem Kopf herumspuken...“
„Ich hatte Befehl dazu, Captain“ ,verteidigte Kall sich unbeholfen.
„Einen Befehl erhält man in der Sternenflotte entweder mündlich oder schriftlich, Counselor. Nun gut, ich weiss Ihr Engagement in dieser Situation durchaus zu würdigen. Und da ich ohnehin weiss, dass ich Ihre Sondierungen nicht bemerken kann, falls Sie selbst mir nichts davon erzählen, bin ich machtlos.“ Er verzog den Mund.
„Genau, Captain, ich meine, zu Befehl, Captain.“Sie grinste wieder auf diese jugendlich-unverschämte Art, die er so an ihr mochte. Wie konnte man diesem sanftmütigen, gutherzigen Wesen böse sein?
Die Tür glitt auf und Leardini stürmte herein. „Captain, wir haben die Kontrolle erlangt!“
„Sofort voller Stopp und danach einen Scan mit den Langstreckensensoren durchführen. Alle Brückenstationen besetzen.“ Während Lennard auf die Brücke hastete, dachte er an die hervorragende Leistung von Warren, die es in erheblich kürzerer Zeit als vorgesehen geschafft hatte, alle Computerkerne neu aufzustarten.
Er glitt in den Kapitänssessel und befahl: „Einen vollständigen internen Scan durchführen. Zustandsbericht von allen Stationen und danach eine Ebene Eins-Diagnose von sämtlichen Systemen. Positionsbestimmung.“
Lennard überlegte kurz und murmelte dann: „Ich sollte jetzt wohl die Mannschaft informieren.“
„...das ist momentan alles, was ich Ihnen dazu sagen kann. Sobald wir uns über unsere Lage im Klaren sind, werde ich Sie weitergehend informieren. Captain Ende.“
In der Sekunde, in der Lennard seine Ansprache beendet hatte, öffneten sich die Turbolifttüren und entliessen Wuran und Vakuf, die sich unverzüglich auf ihre Stationen begaben.
„Gute Arbeit, meine Damen“, lobte Lennard sie, „doch noch ist nicht alles ausgestanden. Wir sollten am besten der Lage entsprechend handeln. Was haben die Scans ergeben?“
Wuran studierte ihre Anzeigen: „Sir, die Langstreckenabtastungen sowie die Positionsbestimmung sind ergebnislos verlaufen. Das elektromagnetische Feld von Alnilam ist einfach zu stark. Nicht einmal über Subraumfunk läßt sich eine Verbindung herstellen. Die einzigen relativen Anhaltspunkte zu unserer derzeitigen Position sind Alnilam und ihre Planeten. Wir sind nach der Beschleunigung etwa 47 Minuten mit c 0,9946 geflogen, bevor das Schiff unter Kontrolle gebracht werden konnte.“
„Dann bringen Sie uns etwa ein Lichtjahr weit von Alnilam weg, und zwar mit Warp 9. Wir müssen so schnell wie möglich das Flottenoberkommando erreichen. Alle, die während der... hm, Krisenzeit auf der Brücke oder bei den Computerkernen an der Arbeit waren, lassen sich ablösen und ruhen sich für knapp sechs Stunden aus. Bis dann sollten wir die erforderliche Distanz zum störenden EM-Feld dieser Sonne haben. Noch Fragen? Gut, Ablösung auf die Brücke.“ Lennard stand auf und meinte gähnend: „Von mir aus kann die Ablösung darum knobeln, wer die Brücke hat. Ich hau’ mich jetzt auf’s Ohr.“
„Aber, Captain“, entfuhr es Leardini mit gespielter Entrüstung.
Er drehte sich über die Schulter um und murmelte: „Keine Sorge, Nummer Eins, ich werde schon nicht den Schlendrian einkehren lassen.“
Beim Eintreten in seinen Bereitschaftsraum hörte er ein Scharren und Quieken an der Tür zum angrenzenden Zimmer. <Oh je, das habe ich völlig vergessen>, fuhr es ihm durch den Kopf. Hastig ging er zur Tür und öffnete diese, worauf ihn etwas Quiekendes und Zischendes ansprang, sodass er fast hintenüberfiel.
Lachend rief er: „Langsam, Ghor, du wirfst mich ja fast um! Himmel, du musst nach dieser langen Zeit ganz ausgehungert sein.“
Die Kreatur richtete sich auf ihre kurzen, stämmigen und überaus muskulösen Hinterbeine auf und erreichte so eine Größe von beinahe einem Meter. Ghor war das Geschenk von Lennards Eltern zu seinem Abschluß an der Sternenflotten-Akademie gewesen und die Erfüllung seines grössten Wunsches. Er hatte das Alpha-Reptil von Kericindal als Neugeborenes erhalten und selbst aufgezogen. Diese beliebten Haustiere waren im Allgemeinen sehr zahm und zutraulich, obwohl ihr Äusseres vielen Furcht einflösste. Das mochte wohl an den dreizehigen, klauenbewehrten Händen und Füssen liegen, an der grün-gelben Musterung oder an dem gezackten Kamm, welcher von ihrem Hinterkopf das Rückgrat entlang nach unten bis ans Ende ihres fast bis an den Boden reichenden, dicken Schwanzes verlief. Lernte man jedoch diese relativ intelligenten, freundlichen Wesen näher kennen, konnte man sich gut an sie gewöhnen. Immerhin konnten sie über zwanzig Jahre alt werden und ein Gewicht von bis zu dreissig kg erreichen, was bei diesem Exemplar der Fall war.
Ghor zerrte nun an Lennards Arm und führte ihn zum Replikator hin. „Ja, mein Kleiner, ich weiss ja, dass es dir egal ist, was ich durchgemacht habe, hungrig bist du trotzdem.“
Er replizierte etwas zu Essen für Ghor und danach eine Kleinigkeit für sich selbst und dachte beim Verzehren der Mahlzeit über ihre Lage nach. Bevor er zu Bett ging, sass er noch ein wenig auf seiner Couch und strich Ghor über seine glatte, warme Haut, während er sich über die Folgen ihres Irrfluges Gedanken machte.
Fast sechs Stunden später erschien Leardini ausgeruht und frisch geduscht auf der Brücke. Nachdem sie etliche Stunden auf den Beinen gewesen und sogar von Lennard dabei erwischt worden war, wie sie während einer gravierenden Krise an Bord auf ihrem Posten eingenickt war, wollte sie nun einen vitaleren Eindruck denn je von sich machen. Insgeheim hoffte sie natürlich, daß er diesen peinlichen Fauxpas von ihr bei seinem Bericht auslassen würde. Zu ihrer Überraschung war er der einzige der Brückenoffiziere, der noch nicht anwesend war. Leicht befremdet übernahm sie das Kommando und fragte Darrn, den Einsatzleitenden Offizier, nach dem Ergebnis der Ebene-Eins-Diagnose der Schiffssysteme.
„Es ist alles wieder in Ordnung, Commander. Die Diagnose hat ergeben, dass sämtliche Anlagen gemäss ihrer Parameter funktionieren. Offenbar haben wir das Schiff tatsächlich von allen Manipulationen des... Abschaumes befreit.“ Die letzten Worte knurrte Darrn mühsam beherrscht hervor.
Leardini stand auf und ging nach vorne zur Ops-Konsole. Mitfühlend fragte sie: „Es geht Ihnen gegen den Strich, dass diese Tat von Ihren Artgenossen begangen wurde, stimmt’s?“
„Das können Sie laut sagen, Mrs. Leardini. Ich gräme mich bei dem Gedanken, dass es seit dem Bürgerkrieg im klingonischen Reich noch immer so viele Unverbesserliche gibt, die die vergangenen Zeiten vom glorreichen Imperium herbeisehnen und den regulären Hohen Rat durch feige, unehrenhafte Aktionen wie diese gestrige korrumpieren. Diese Individuen sehen nicht das Gute an unserer Allianz mit der Föderation, sondern wollen einen sinnlosen Kampf zwischen uns anzetteln. Soweit darf es niemals kommen.“
„Da gebe ich Ihnen völlig recht. Die Zeiten ändern sich; wir befinden uns in einer Periode des Umbruches. Ich gebe zu, es gibt noch nicht sehr viele, die so tolerant sind wie Sie und sogar in der Sternenflotte Dienst tun, aber die Weichen sind in die richtige Richtung gestellt worden. Neulich hat mir sogar jemand erzählt, daß ein junger Ferengi in die Sternenflottenakademie aufgenommen wurde. Er ist zwar auf einer Föderationsstation aufgewachsen, aber wenn Sie mich fragen, ist das doch ein gutes Zeichen.“ Sie lächelte aufmunternd.
Counselor Kall sagte deutlich vernehmbar von ihrem Platz aus: „Sie haben ja direkt das Zeug zum Schiffsberater, Stefania!“
Langsam drehte Leardini sich um und entgegnete: „Nun, da ich momentan Ihre Arbeit zu erledigen scheine, können Sie genausogut meine übernehmen. Was meinen Sie?“
Etwas verlegen stammelte Kall: „Oh, sicher doch. Übernehme die Brücke.“
Leardini glaubte tatsächlich so etwas wie ein Schmunzeln über Darrns Gesicht huschen zu sehen, als Kall aufstand und sich auf dem Kapitänssessel niederließ. Im nächsten Moment passierten zwei Dinge gleichzeitig: Vakuf verkündete, daß sie nun exakt ein Lichtjahr von ihrer ursprünglichen Position entfernt waren und der Captain kam aus seinem Bereitschaftsraum heraus.
„Wer hat das Kommando?“ wollte er sogleich wissen.
„Counselor Kall!“ riefen Leardini und Darrn wie aus einem Mund. Verduzt sahen sie einander an, und diesmal war Leardini sicher, daß der Klingone lächelte.
„So? Schön, behalten Sie es ruhig noch ein Weilchen, während ich Sie bei der Ausübung des Kommandos beobachte.“ Er setzte sich auf den Sessel der Counselor und schlug seine langen Beine übereinander, was ihn schlaksig aussehen ließ.
„Aber, Captain, wäre es unter diesen Umständen nicht ratsam, dass Sie selbst...“
Lennard unterbrach Kalls unbeholfenen Versuch ungnädig. „Sind Sie ein Brückenoffizier oder nicht? Als ein solcher müssen Sie die Fähigkeit besitzen, unter allen Umständen das Schiff führen zu können. Also los!“
Die Betazoidin faßte sich mit einem ergebenen Seufzen. „Also gut. Mr. Darrn, haben wir inzwischen Kontakt mit dem Oberkommando der Flotte bekommen?“
„Negativ, Lieutenant Commander. Mit dieser Hintergrundstrahlung im Rücken und bei Warp Neun...“
„So? Nun gut...Mrs. Wuran, hat der Langstreckenscan etwas Neues ergeben?“
„Nein, Sir. Vor uns liegt nur leerer Raum. Nichts Ungewöhniches, bis auf...“ Die Bajoranerin zögerte kurz. „Seltsam, die Strahlungsintensität von Alnilam scheint gegenüber früheren Messungen um etwa anderthalb Prozent abgenommen zu haben. Ich werde diese Werte überprüfen.“
Mit gerunzelter Stirn murmelte Kall: „Hm...tun Sie das. Danke, Lieutenant Commander. Mrs. Vakuf, wie lautet unsere derzeitige Position?“
„Einen Moment, bitte...“ Die Vulkanierin tippte etwas auf ihrer Konsole ein, wartete auf eine Reaktion und verharrte. Nachdem eine Weile nichts geschehen war, führte sie einige weitere Eingaben aus.
„Mrs. Vakuf?“ liess sich Kall ungeduldig vernehmen.
„Die Navigationssysteme können zur Zeit keine korrekte Position bestimmen. Ich empfehle, den Flug zu unterbrechen, damit der Computer nicht zusätzlich unsere schnelle Geschwindigkeit bei seinen Berechnungen kompensieren muß. Eventuell wäre diese Massnahme auch für den Einsatz des Subraumfunkes von Vorteil.“ Mit hochgezogenen Augenbrauen sah sie die Counselor an.
Sam Kall dachte einen Augenblick nach, dann sagte sie bestimmt: „Voller Stopp! Positionsbestimmung wiederholen. Ich möchte gerne wissen, wo wir sind, Lieutenant. Normalerweise geht das doch schneller. Analysieren Sie bitte, wo das Problem liegt.“
„Aye, Sir.“ Die Finger der Conn flogen nur so über ihre Armaturen, während sich allmählich so etwas wie bares Erstaunen in ihrem Antlitz spiegelte. Lennard und Leardini, die noch immer neben Darrn stand, sahen sich einander fragend an, während die Sekunden verstrichen und ein Resultat ausblieb. Das dürfte nicht so lange gehen, es handelte sich doch nur um eine einfache Positionsbestimmung.
„Ich muss eine Überprüfung der Astronavigationsstation vornehmen, Counselor. Die Analyse ergibt, dass keine Bestimmung möglich ist, weil die umgebenden Sternenkonstellationen nicht identifiziert werden können.“
„Wie bitte?“ Sofort standen Captain und Erste Offizierin am Conn und sahen Vakuf über die Schulter.
„Sehen Sie, hier und hier, diese Sternbilder sind nirgends verzeichnet. Der Computer kann uns unsere Position nicht nennen, weil er keinen Bezugspunkt hat, der in seinen Datenbanken verzeichnet ist.“ Die Vulcanierin schien tatsächlich ratlos zu sein.
„Kann der Fehler beim Computer liegen?“ mutmasste Leardini.
„Verzeihen Sie bitte, dürfte ich auch etwas dazu sagen?“ meldete sich Kall zu Wort. „Zuerst halsen Sie mir das Kommando auf und jetzt übergehen Sie mich einfach? So haben wir aber nicht gewettet. Entweder übernehmen Sie auf der Stelle die Brücke oder lassen mich hier meine Arbeit tun, verstanden?“
„Oh.“ Verblüfft über Kalls Verärgerung und ihre Unverfrorenheit, in diesem Ton mit ihren beiden Vorgesetzten zu sprechen, wichen sie zurück und setzten sich links und rechts des Kapitänsessels auf die IO- und Counselorsitze. Sie hatte recht.
„Wenn ich Sie recht verstehe, befinden wir uns in unbekanntem Raum, Mrs. Vakuf?“
„Soweit die Tiefenraumscans vorgedrungen sind, ja, Sir“, bestätigte diese.
„Das Alnilam-System hinter uns wird aber eindeutig als ebendieses identifiziert?“ eruierte Kall weiter.
„Eindeutig nicht, Counselor. Es werden leichte Abweichungen bei den Abständen der Planeten zur Sonne festgestellt, ebenso stimmt die Ekliptik von zwei Planetenbahnen nicht mehr genau überein mit früheren Messdaten.“
Kall legte die Fingerspitzen zusammen. „Es scheint aber ansonsten das fragliche System zu sein?“
„In der Tat“, bestätigte die Conn, „bis auf diese Abweichungen. Es gibt kein anderes uns bekanntes Sternensystem, welches auch nur entfernt ähnliche Charakteristika aufweisen könnte.“
Kall nickte und schloss kurz die Augen. „Nehmen Sie das nächstgelegene System und überprüfen Sie die Spezifikationen mit allen bekannten Systemen im Umkreis von fünfzig Lichtjahren.“
„Darf ich fragen, was Sie beabsichtigen, Sam?“ raunte Lennard ihr zu.
Sie ließ sich äusserlich nichts anmerken, als sie zurückflüsterte: „Ich habe einen schrecklichen Verdacht, möchte jedoch zuerst sichergehen, daß ich mich nicht irre.“
„Lieutenant Commander!“ rief Vakuf. „Das nächste System ist mit 98,7 prozentiger Wahrscheinlichkeit das Megala-System, obwohl die Klassifizierung eines ihrer Planeten nicht mit unseren Daten übereinstimmt. Megala II ist bei uns als Planet der Klasse N vermerkt, wird nun aber als Klasse G eingeordnet.“
„Das heißt, ein Wasserplanet ist zu einer Wüstenwelt geworden. Was kann das bewirken...ausser der Zeit?“ Kall schien ernster denn je.
„Ich habe es geahnt! Dann haben wir wirklich unter einer massiven Zeitdilitation zu leiden.“ Lennard atmete scharf aus.
„Und zwar in einem unvorstellbaren Mass. Das dürfte auch erklären, warum uns niemand antwortet“, fuhr Kall mit düsterer Miene fort, „weil niemand mehr da ist, der uns antworten kann.“
„Die faszinierendste Tatsache habe ich noch gar nicht erwähnt, Counselor“, fiel Vakuf ein, „den Abstand zwischen beiden Systemen. Auf unseren Sternenkarten sind diese beiden Sonnen mehr als dreiunddreissig Lichtjahre voneinander entfernt, der momentane Abstand zwischen ihnen beträgt jedoch nur noch knapp zwölf Lichtjahre.“
„Was hat das zu bedeuten?“ entfuhr es Darrn.
Lennard sagte tonlos: „Die Galaxie dreht sich um sich selbst, Mr. Darrn. Die inneren Systeme bewegen sich dabei schneller um das Zentrum herum als die weiter aussen gelegenen. Anders kann ich mir diese Tatsache nicht erklären.“
Darrn keuchte auf. „Dann... können wir überhaupt noch berechnen, wie weit in der Zukunft wir uns befinden?“
„Wir können froh sein, wenn wir überhaupt irgendetwas uns Bekanntes wiedererkennen und auch -finden, wenn Sie mich fragen“, entgegnete Leardini.
„Sehen Sie doch nicht gleich so sehr schwarz, Nummer Eins“, versetzte Kall. „Wir sollten zunächst einmal ein Stück weiter weg von Alnilam fliegen, um optimale Bedingungen für die Sensoren zu bekommen. Danach führen wir einen Tiefenraumscan durch und fertigen eine aktuelle Sternenkarte an. Irgendwelche Einwände?“
„Keineswegs, Lieutenant Commander, ich wäre auch nicht anders vorgegangen. Wir sollten uns erst einmal hier zurechtfinden, bevor wir weitere Schritte unternehmen.“
„Danke, Captain. Setzen Sie einen Kurs Richtung Zwölf Punkt Fünf mit Warp Fünf.“
„Kurs liegt an“, meldete Vakuf sich.
„Beschleunigen.“
Geschmeidig wandte sich die Aldebaran ein wenig nach rechts und oben, worauf die Warppylonen bläulichweiss aufblitzten und das Raumschiff in einem winzigen Augenblick davonschoss.
[weiter geht's in ferner Zukunft...mit Warp (Kapitel) 5]
Zu Lennards Glück funktionierte der Turbolift, mit dem Kazuki von der Brücke auf dieses Deck gefahren war, noch immer, sodass ihm die mühselige Kletterpartie durch die Wartungs- und Lüftungsschächte erspart blieb. Als er die Hauptbrücke betrat, sah er in den Gesichtern seiner Crew deutliche Spuren der Erschöpfung. Jeder, der auch nur halbwegs etwas von Nanoprozessoren verstand, half so gut es ging bei den Kontrollen. Leardini indes hing zusammengesunken im Kommandantensessel und atmete flach und gleichmässig.
Ein Lächeln der Rührung schlich sich in Lennards Miene beim Anblick seiner Ersten Offizierin, wie sie dort friedlich und völlig erschöpft vor sich hin döste. Doch dann sah er aus dem Augenwinkel, wie einige Mannschaftsmitglieder sich über ihn amüsierten, worauf sein Schmunzeln abrupt verschwand. Er tippte ihr leicht auf die Schulter, worauf sie lächelnd ihre Augen einen Spalt weit öffnete. Dann schien sie mit einem Mal die Lage zu realisieren und fuhr hellwach auf.
„Captain, das tut mir wirklich furchtbar leid, das muss die Erschöpfung sein. Ich hatte nur für einen winzigen Moment die Augen geschlossen...“
„Schon gut, Commander. Bericht.“
Sie öffnete den Mund und blickte dann verlegen über die Schulter zum Ops, der sich zum grössten Teil um die Computer der Brücke gekümmert hatte. Langsam erklärte der Klingone: „Die meisten Module sind ersetzt worden. In etwa fünfzehn Minuten sind die Computersysteme hier soweit, dass sie neu aufgestartet werden können.“
„Sehr gut. Danke, Mr. Darrn. Commander, wo befindet sich die Counselor?“
Leardini überlegte kurz. „Sie müsste im Beobachtungsraum sein.“
Er nickte und sah auf die Conn-Konsole. „Das ist unglaublich! Wir bewegen uns mit einer Geschwindigkeit von c 0,9946 fort. Wissen Sie eigentlich, was das für Konsequenzen für uns haben kann?“
„Unabwägbare, Kyle. Noch nie war jemand so... verrückt, sich so nah an diese Grenze heranzuwagen. Einstein würde sich im Grabe umdrehen, wenn er von unserer Lage wüsste.“ Leardinis Gesicht verriet, dass auch sie sich des Ernstes der Lage durchaus bewusst war.
„Wir befinden uns nicht mehr in unserem Raum-Zeit-Gefüge - nicht bei dieser Geschwindigkeit.“ Er beobachtete die Anzeigen. „Na, wenigstens beschleunigen wir nicht noch weiter; wir scheinen offenbar trotz zu starkem Subraumfeld an die Grenzen des Machbaren gestossen zu sein. Wissen Sie, Stefania, ich habe bei all dem, was um uns herum geschieht, auch eine gute Nachricht für Sie.“
Ein Funken der Hoffnung schimmerte in ihren Augen. „Ja?“
„Sie schnarchen nicht beim Schlafen. Das bringt Sie ein ganzes Stück voran in meiner Auswahl.“ Grinsend verzog er sich in die Beobachtungslounge, solange sie noch sprachlos und das Kichern unter der Mannschaft noch nicht verebbt war.
Dort fand er tatsächlich die schlafende Kall vor, friedlich in einem der komfortabel ausgepolsterten Konferenzsitzen zusammengerollt. Er beugte sich hinab, bis sich ihre Köpfe beinahe berührten und dachte dann so ‘laut’ er konnte: <AUFWACHEN, SAM!!>
Es hatte tatsächlich den Effekt, als hätte man ihr direkt ins Ohr geschrien. Sie sprang alarmiert auf und stammelte perplex: „Ja, Captain, was gibt es?“
„Ach, ich wollte mich nur für Ihren gelungenen Lösungsvorschlag bedanken. Sie haben eventuell der Besatzung das Leben gerettet“, meinte Lennard jovial.
„Da...danke, Captain. Noch etwas?“
„Allerdings. Sollte ich jemals wieder einen Hinweis darauf erhalten, dass Sie in meinem Kopf herumspuken...“
„Ich hatte Befehl dazu, Captain“ ,verteidigte Kall sich unbeholfen.
„Einen Befehl erhält man in der Sternenflotte entweder mündlich oder schriftlich, Counselor. Nun gut, ich weiss Ihr Engagement in dieser Situation durchaus zu würdigen. Und da ich ohnehin weiss, dass ich Ihre Sondierungen nicht bemerken kann, falls Sie selbst mir nichts davon erzählen, bin ich machtlos.“ Er verzog den Mund.
„Genau, Captain, ich meine, zu Befehl, Captain.“Sie grinste wieder auf diese jugendlich-unverschämte Art, die er so an ihr mochte. Wie konnte man diesem sanftmütigen, gutherzigen Wesen böse sein?
Die Tür glitt auf und Leardini stürmte herein. „Captain, wir haben die Kontrolle erlangt!“
„Sofort voller Stopp und danach einen Scan mit den Langstreckensensoren durchführen. Alle Brückenstationen besetzen.“ Während Lennard auf die Brücke hastete, dachte er an die hervorragende Leistung von Warren, die es in erheblich kürzerer Zeit als vorgesehen geschafft hatte, alle Computerkerne neu aufzustarten.
Er glitt in den Kapitänssessel und befahl: „Einen vollständigen internen Scan durchführen. Zustandsbericht von allen Stationen und danach eine Ebene Eins-Diagnose von sämtlichen Systemen. Positionsbestimmung.“
Lennard überlegte kurz und murmelte dann: „Ich sollte jetzt wohl die Mannschaft informieren.“
„...das ist momentan alles, was ich Ihnen dazu sagen kann. Sobald wir uns über unsere Lage im Klaren sind, werde ich Sie weitergehend informieren. Captain Ende.“
In der Sekunde, in der Lennard seine Ansprache beendet hatte, öffneten sich die Turbolifttüren und entliessen Wuran und Vakuf, die sich unverzüglich auf ihre Stationen begaben.
„Gute Arbeit, meine Damen“, lobte Lennard sie, „doch noch ist nicht alles ausgestanden. Wir sollten am besten der Lage entsprechend handeln. Was haben die Scans ergeben?“
Wuran studierte ihre Anzeigen: „Sir, die Langstreckenabtastungen sowie die Positionsbestimmung sind ergebnislos verlaufen. Das elektromagnetische Feld von Alnilam ist einfach zu stark. Nicht einmal über Subraumfunk läßt sich eine Verbindung herstellen. Die einzigen relativen Anhaltspunkte zu unserer derzeitigen Position sind Alnilam und ihre Planeten. Wir sind nach der Beschleunigung etwa 47 Minuten mit c 0,9946 geflogen, bevor das Schiff unter Kontrolle gebracht werden konnte.“
„Dann bringen Sie uns etwa ein Lichtjahr weit von Alnilam weg, und zwar mit Warp 9. Wir müssen so schnell wie möglich das Flottenoberkommando erreichen. Alle, die während der... hm, Krisenzeit auf der Brücke oder bei den Computerkernen an der Arbeit waren, lassen sich ablösen und ruhen sich für knapp sechs Stunden aus. Bis dann sollten wir die erforderliche Distanz zum störenden EM-Feld dieser Sonne haben. Noch Fragen? Gut, Ablösung auf die Brücke.“ Lennard stand auf und meinte gähnend: „Von mir aus kann die Ablösung darum knobeln, wer die Brücke hat. Ich hau’ mich jetzt auf’s Ohr.“
„Aber, Captain“, entfuhr es Leardini mit gespielter Entrüstung.
Er drehte sich über die Schulter um und murmelte: „Keine Sorge, Nummer Eins, ich werde schon nicht den Schlendrian einkehren lassen.“
Beim Eintreten in seinen Bereitschaftsraum hörte er ein Scharren und Quieken an der Tür zum angrenzenden Zimmer. <Oh je, das habe ich völlig vergessen>, fuhr es ihm durch den Kopf. Hastig ging er zur Tür und öffnete diese, worauf ihn etwas Quiekendes und Zischendes ansprang, sodass er fast hintenüberfiel.
Lachend rief er: „Langsam, Ghor, du wirfst mich ja fast um! Himmel, du musst nach dieser langen Zeit ganz ausgehungert sein.“
Die Kreatur richtete sich auf ihre kurzen, stämmigen und überaus muskulösen Hinterbeine auf und erreichte so eine Größe von beinahe einem Meter. Ghor war das Geschenk von Lennards Eltern zu seinem Abschluß an der Sternenflotten-Akademie gewesen und die Erfüllung seines grössten Wunsches. Er hatte das Alpha-Reptil von Kericindal als Neugeborenes erhalten und selbst aufgezogen. Diese beliebten Haustiere waren im Allgemeinen sehr zahm und zutraulich, obwohl ihr Äusseres vielen Furcht einflösste. Das mochte wohl an den dreizehigen, klauenbewehrten Händen und Füssen liegen, an der grün-gelben Musterung oder an dem gezackten Kamm, welcher von ihrem Hinterkopf das Rückgrat entlang nach unten bis ans Ende ihres fast bis an den Boden reichenden, dicken Schwanzes verlief. Lernte man jedoch diese relativ intelligenten, freundlichen Wesen näher kennen, konnte man sich gut an sie gewöhnen. Immerhin konnten sie über zwanzig Jahre alt werden und ein Gewicht von bis zu dreissig kg erreichen, was bei diesem Exemplar der Fall war.
Ghor zerrte nun an Lennards Arm und führte ihn zum Replikator hin. „Ja, mein Kleiner, ich weiss ja, dass es dir egal ist, was ich durchgemacht habe, hungrig bist du trotzdem.“
Er replizierte etwas zu Essen für Ghor und danach eine Kleinigkeit für sich selbst und dachte beim Verzehren der Mahlzeit über ihre Lage nach. Bevor er zu Bett ging, sass er noch ein wenig auf seiner Couch und strich Ghor über seine glatte, warme Haut, während er sich über die Folgen ihres Irrfluges Gedanken machte.
Fast sechs Stunden später erschien Leardini ausgeruht und frisch geduscht auf der Brücke. Nachdem sie etliche Stunden auf den Beinen gewesen und sogar von Lennard dabei erwischt worden war, wie sie während einer gravierenden Krise an Bord auf ihrem Posten eingenickt war, wollte sie nun einen vitaleren Eindruck denn je von sich machen. Insgeheim hoffte sie natürlich, daß er diesen peinlichen Fauxpas von ihr bei seinem Bericht auslassen würde. Zu ihrer Überraschung war er der einzige der Brückenoffiziere, der noch nicht anwesend war. Leicht befremdet übernahm sie das Kommando und fragte Darrn, den Einsatzleitenden Offizier, nach dem Ergebnis der Ebene-Eins-Diagnose der Schiffssysteme.
„Es ist alles wieder in Ordnung, Commander. Die Diagnose hat ergeben, dass sämtliche Anlagen gemäss ihrer Parameter funktionieren. Offenbar haben wir das Schiff tatsächlich von allen Manipulationen des... Abschaumes befreit.“ Die letzten Worte knurrte Darrn mühsam beherrscht hervor.
Leardini stand auf und ging nach vorne zur Ops-Konsole. Mitfühlend fragte sie: „Es geht Ihnen gegen den Strich, dass diese Tat von Ihren Artgenossen begangen wurde, stimmt’s?“
„Das können Sie laut sagen, Mrs. Leardini. Ich gräme mich bei dem Gedanken, dass es seit dem Bürgerkrieg im klingonischen Reich noch immer so viele Unverbesserliche gibt, die die vergangenen Zeiten vom glorreichen Imperium herbeisehnen und den regulären Hohen Rat durch feige, unehrenhafte Aktionen wie diese gestrige korrumpieren. Diese Individuen sehen nicht das Gute an unserer Allianz mit der Föderation, sondern wollen einen sinnlosen Kampf zwischen uns anzetteln. Soweit darf es niemals kommen.“
„Da gebe ich Ihnen völlig recht. Die Zeiten ändern sich; wir befinden uns in einer Periode des Umbruches. Ich gebe zu, es gibt noch nicht sehr viele, die so tolerant sind wie Sie und sogar in der Sternenflotte Dienst tun, aber die Weichen sind in die richtige Richtung gestellt worden. Neulich hat mir sogar jemand erzählt, daß ein junger Ferengi in die Sternenflottenakademie aufgenommen wurde. Er ist zwar auf einer Föderationsstation aufgewachsen, aber wenn Sie mich fragen, ist das doch ein gutes Zeichen.“ Sie lächelte aufmunternd.
Counselor Kall sagte deutlich vernehmbar von ihrem Platz aus: „Sie haben ja direkt das Zeug zum Schiffsberater, Stefania!“
Langsam drehte Leardini sich um und entgegnete: „Nun, da ich momentan Ihre Arbeit zu erledigen scheine, können Sie genausogut meine übernehmen. Was meinen Sie?“
Etwas verlegen stammelte Kall: „Oh, sicher doch. Übernehme die Brücke.“
Leardini glaubte tatsächlich so etwas wie ein Schmunzeln über Darrns Gesicht huschen zu sehen, als Kall aufstand und sich auf dem Kapitänssessel niederließ. Im nächsten Moment passierten zwei Dinge gleichzeitig: Vakuf verkündete, daß sie nun exakt ein Lichtjahr von ihrer ursprünglichen Position entfernt waren und der Captain kam aus seinem Bereitschaftsraum heraus.
„Wer hat das Kommando?“ wollte er sogleich wissen.
„Counselor Kall!“ riefen Leardini und Darrn wie aus einem Mund. Verduzt sahen sie einander an, und diesmal war Leardini sicher, daß der Klingone lächelte.
„So? Schön, behalten Sie es ruhig noch ein Weilchen, während ich Sie bei der Ausübung des Kommandos beobachte.“ Er setzte sich auf den Sessel der Counselor und schlug seine langen Beine übereinander, was ihn schlaksig aussehen ließ.
„Aber, Captain, wäre es unter diesen Umständen nicht ratsam, dass Sie selbst...“
Lennard unterbrach Kalls unbeholfenen Versuch ungnädig. „Sind Sie ein Brückenoffizier oder nicht? Als ein solcher müssen Sie die Fähigkeit besitzen, unter allen Umständen das Schiff führen zu können. Also los!“
Die Betazoidin faßte sich mit einem ergebenen Seufzen. „Also gut. Mr. Darrn, haben wir inzwischen Kontakt mit dem Oberkommando der Flotte bekommen?“
„Negativ, Lieutenant Commander. Mit dieser Hintergrundstrahlung im Rücken und bei Warp Neun...“
„So? Nun gut...Mrs. Wuran, hat der Langstreckenscan etwas Neues ergeben?“
„Nein, Sir. Vor uns liegt nur leerer Raum. Nichts Ungewöhniches, bis auf...“ Die Bajoranerin zögerte kurz. „Seltsam, die Strahlungsintensität von Alnilam scheint gegenüber früheren Messungen um etwa anderthalb Prozent abgenommen zu haben. Ich werde diese Werte überprüfen.“
Mit gerunzelter Stirn murmelte Kall: „Hm...tun Sie das. Danke, Lieutenant Commander. Mrs. Vakuf, wie lautet unsere derzeitige Position?“
„Einen Moment, bitte...“ Die Vulkanierin tippte etwas auf ihrer Konsole ein, wartete auf eine Reaktion und verharrte. Nachdem eine Weile nichts geschehen war, führte sie einige weitere Eingaben aus.
„Mrs. Vakuf?“ liess sich Kall ungeduldig vernehmen.
„Die Navigationssysteme können zur Zeit keine korrekte Position bestimmen. Ich empfehle, den Flug zu unterbrechen, damit der Computer nicht zusätzlich unsere schnelle Geschwindigkeit bei seinen Berechnungen kompensieren muß. Eventuell wäre diese Massnahme auch für den Einsatz des Subraumfunkes von Vorteil.“ Mit hochgezogenen Augenbrauen sah sie die Counselor an.
Sam Kall dachte einen Augenblick nach, dann sagte sie bestimmt: „Voller Stopp! Positionsbestimmung wiederholen. Ich möchte gerne wissen, wo wir sind, Lieutenant. Normalerweise geht das doch schneller. Analysieren Sie bitte, wo das Problem liegt.“
„Aye, Sir.“ Die Finger der Conn flogen nur so über ihre Armaturen, während sich allmählich so etwas wie bares Erstaunen in ihrem Antlitz spiegelte. Lennard und Leardini, die noch immer neben Darrn stand, sahen sich einander fragend an, während die Sekunden verstrichen und ein Resultat ausblieb. Das dürfte nicht so lange gehen, es handelte sich doch nur um eine einfache Positionsbestimmung.
„Ich muss eine Überprüfung der Astronavigationsstation vornehmen, Counselor. Die Analyse ergibt, dass keine Bestimmung möglich ist, weil die umgebenden Sternenkonstellationen nicht identifiziert werden können.“
„Wie bitte?“ Sofort standen Captain und Erste Offizierin am Conn und sahen Vakuf über die Schulter.
„Sehen Sie, hier und hier, diese Sternbilder sind nirgends verzeichnet. Der Computer kann uns unsere Position nicht nennen, weil er keinen Bezugspunkt hat, der in seinen Datenbanken verzeichnet ist.“ Die Vulcanierin schien tatsächlich ratlos zu sein.
„Kann der Fehler beim Computer liegen?“ mutmasste Leardini.
„Verzeihen Sie bitte, dürfte ich auch etwas dazu sagen?“ meldete sich Kall zu Wort. „Zuerst halsen Sie mir das Kommando auf und jetzt übergehen Sie mich einfach? So haben wir aber nicht gewettet. Entweder übernehmen Sie auf der Stelle die Brücke oder lassen mich hier meine Arbeit tun, verstanden?“
„Oh.“ Verblüfft über Kalls Verärgerung und ihre Unverfrorenheit, in diesem Ton mit ihren beiden Vorgesetzten zu sprechen, wichen sie zurück und setzten sich links und rechts des Kapitänsessels auf die IO- und Counselorsitze. Sie hatte recht.
„Wenn ich Sie recht verstehe, befinden wir uns in unbekanntem Raum, Mrs. Vakuf?“
„Soweit die Tiefenraumscans vorgedrungen sind, ja, Sir“, bestätigte diese.
„Das Alnilam-System hinter uns wird aber eindeutig als ebendieses identifiziert?“ eruierte Kall weiter.
„Eindeutig nicht, Counselor. Es werden leichte Abweichungen bei den Abständen der Planeten zur Sonne festgestellt, ebenso stimmt die Ekliptik von zwei Planetenbahnen nicht mehr genau überein mit früheren Messdaten.“
Kall legte die Fingerspitzen zusammen. „Es scheint aber ansonsten das fragliche System zu sein?“
„In der Tat“, bestätigte die Conn, „bis auf diese Abweichungen. Es gibt kein anderes uns bekanntes Sternensystem, welches auch nur entfernt ähnliche Charakteristika aufweisen könnte.“
Kall nickte und schloss kurz die Augen. „Nehmen Sie das nächstgelegene System und überprüfen Sie die Spezifikationen mit allen bekannten Systemen im Umkreis von fünfzig Lichtjahren.“
„Darf ich fragen, was Sie beabsichtigen, Sam?“ raunte Lennard ihr zu.
Sie ließ sich äusserlich nichts anmerken, als sie zurückflüsterte: „Ich habe einen schrecklichen Verdacht, möchte jedoch zuerst sichergehen, daß ich mich nicht irre.“
„Lieutenant Commander!“ rief Vakuf. „Das nächste System ist mit 98,7 prozentiger Wahrscheinlichkeit das Megala-System, obwohl die Klassifizierung eines ihrer Planeten nicht mit unseren Daten übereinstimmt. Megala II ist bei uns als Planet der Klasse N vermerkt, wird nun aber als Klasse G eingeordnet.“
„Das heißt, ein Wasserplanet ist zu einer Wüstenwelt geworden. Was kann das bewirken...ausser der Zeit?“ Kall schien ernster denn je.
„Ich habe es geahnt! Dann haben wir wirklich unter einer massiven Zeitdilitation zu leiden.“ Lennard atmete scharf aus.
„Und zwar in einem unvorstellbaren Mass. Das dürfte auch erklären, warum uns niemand antwortet“, fuhr Kall mit düsterer Miene fort, „weil niemand mehr da ist, der uns antworten kann.“
„Die faszinierendste Tatsache habe ich noch gar nicht erwähnt, Counselor“, fiel Vakuf ein, „den Abstand zwischen beiden Systemen. Auf unseren Sternenkarten sind diese beiden Sonnen mehr als dreiunddreissig Lichtjahre voneinander entfernt, der momentane Abstand zwischen ihnen beträgt jedoch nur noch knapp zwölf Lichtjahre.“
„Was hat das zu bedeuten?“ entfuhr es Darrn.
Lennard sagte tonlos: „Die Galaxie dreht sich um sich selbst, Mr. Darrn. Die inneren Systeme bewegen sich dabei schneller um das Zentrum herum als die weiter aussen gelegenen. Anders kann ich mir diese Tatsache nicht erklären.“
Darrn keuchte auf. „Dann... können wir überhaupt noch berechnen, wie weit in der Zukunft wir uns befinden?“
„Wir können froh sein, wenn wir überhaupt irgendetwas uns Bekanntes wiedererkennen und auch -finden, wenn Sie mich fragen“, entgegnete Leardini.
„Sehen Sie doch nicht gleich so sehr schwarz, Nummer Eins“, versetzte Kall. „Wir sollten zunächst einmal ein Stück weiter weg von Alnilam fliegen, um optimale Bedingungen für die Sensoren zu bekommen. Danach führen wir einen Tiefenraumscan durch und fertigen eine aktuelle Sternenkarte an. Irgendwelche Einwände?“
„Keineswegs, Lieutenant Commander, ich wäre auch nicht anders vorgegangen. Wir sollten uns erst einmal hier zurechtfinden, bevor wir weitere Schritte unternehmen.“
„Danke, Captain. Setzen Sie einen Kurs Richtung Zwölf Punkt Fünf mit Warp Fünf.“
„Kurs liegt an“, meldete Vakuf sich.
„Beschleunigen.“
Geschmeidig wandte sich die Aldebaran ein wenig nach rechts und oben, worauf die Warppylonen bläulichweiss aufblitzten und das Raumschiff in einem winzigen Augenblick davonschoss.
[weiter geht's in ferner Zukunft...mit Warp (Kapitel) 5]
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