Freitag, 3. November 2006
$ 13 hilfreiche Strahlung
[...Fortsetzung von gestern]
Mehr als vier Stunden später fielen Lennard beinahe die Augen zu - und Warren erging es nicht viel besser. Sie hatten gerade die wichtigsten, für das Überleben von Schiff und Besatzung unerlässlichen Systeme wie SIF, TDS und die Eindämmung des Warpkernes sowie der Antimaterie-Lagerkapseln abgesichert und begannen gerade mit den Lebenserhaltungssystemen. Wohlgemerkt waren diese Funktionen noch nicht unter ihrer Kontrolle, sondern lediglich vor einem Totalausfall geschützt. Um sie wieder in einen brauchbaren Zustand zu versetzen, würde noch einiges mehr an Programmierarbeit erforderlich sein; mit einem reinen Austausch der Hardware war es noch längst nicht getan. Doch das musste warten, bis sie wenigstens die allerwichtigsten Systeme der Aldebaran gesichert hatten. Es dauerte einfach viel zu lange.
Mittlerweile flogen sie sicher schon mit c 0,9 oder neunzig Prozent der Lichtgeschwindigkeit. Nicht mehr lange, dann würden relativistische Effekte für das Raumschiff auftreten, wenn es sich der Lichtgeschwindigkeit von etwa 300’000 km/s weiter nähern würde. Die in den Schiffsspezifikationen angegebene Höchstgeschwindigkeit betrug c 0,92. Dies schien einiges von dem gefährlich zu werdenden Tempobereich entfernt zu sein, doch so genau konnte man das nicht sagen, weil eben noch niemand ausführliche und schlüssige Experimente dieser Art unternommen hatte.
Der wohl einleuchtendste Grund hierfür war die Zeitdilitation selbst. Schon zu frühen Zeiten der irdischen Raumfahrt, noch bevor es den Kontinuums-Distorsions-Antrieb, wie der Warpantrieb korrekt hiess, gab, machten Raumfahrer bei Flügen mit hoher Unterlichtgeschwindigkeit die Beobachtung, die Einsteins Theorien bestätigte. Nicht nur, dass einerseits die theoretische Masse des Flugkörpers anzusteigen schien, und zwar stark überproportional zur Zunahme der Geschwindigkeit, es verging auch an Bord dieses Flugkörpers viel weniger Zeit als im ihm umgebenden, ‘ruhenden’ Raum. Da es nicht möglich war, das Ausmass dieser ‘Zeitverschiebungen’ auch nur in seiner Grössenordnung annähernd zu bestimmen, wurde schon bald aus praktischen Gründen von Flügen mit solchen ‘relativistischen’ Geschwindigkeiten abgesehen und auch abgeraten. Bei der Sternenflotte war es üblich, normalerweise höchstens c 0,25 zu erreichen, da der relativistische Effekt knapp über dieser Grenze ein messbares Niveau erreichte. Im Notfall konnten Tempi bis c 0,75 in Betracht gezogen werden, doch das war auch schon die äusserste Schmerzgrenze. Wenn man auch nur kurze Zeit mit einem Dreiviertel der Lichtgeschwindigkeit gereist war, musste man sämtliche Uhren an Bord neu einstellen und anschliessend seinem Vorgesetzten erklären, weshalb man sich stunden- oder gar tagelang nicht gemeldet hatte. Es war ganz einfach ‘verlorene Zeit’.
Lennard schreckte hoch, als unverhofft ein junger andorianischer Fähnrich eintrat.“Captain, ich habe Ihnen eine Meldung von der Brücke zu überbringen.“
Überrascht erblickte Lennard hinter der Humanoiden mit ihrer graublauen Haut und den zwei Insektenfühlern ähnlichen Wahrnehmungsorganen auf ihrem weisshaarigen Haupt, noch zwei andere Mannschaftsdienstgrade auf dem Flur. „Sprechen Sie, Fähnrich.“
„Commander Leardini hat eine Kurierkette zwischen der Hauptbrücke, den drei Computerkernen und dem Maschinenraum eingerichtet, um die Kommunikation zwischen diesen Punkten aufrecht zu erhalten, bis die normalen Sprechverbindungen wieder funktionieren. Sie hat meine beiden Kameraden und mich zur Nachrichtenübermittlung hier postiert und lässt ausrichten, dass sie auf der Brücke mit den dortigen Computeranlagen nur schleppend vorankommen, da ihnen die nötigen Diagnosegeräte fehlen.“
Nickend meinte der Captain: „In Ordnung, wir werden Ihnen ein entsprechendes tragbares Gerät mitgeben, das ihnen da oben hoffentlich weiterhilft. Und übermitteln Sie der Commander ein Lob für diese ausgezeichnete organisatorische Maßnahme.“
Nachdem er der jungen Frau das benötigte Gerät mitgegeben und um einen weiteren Lagebericht gebeten hatte, sandte er auch die anderen beiden Fähnriche, einen kleinen, untersetzten Eurasier und einen dunkelhäutigen Alpha Centaurer, zu den anderen beiden Kernen, um In-formationen vom dortigen Stand der Dinge einzuholen.
Nachdem die beiden männlichen Fähnriche von den beiden anderen Kernen mit Nachrichten über akzeptable Fortschritte gekommen waren, schöpfte Lennard wieder Hoffnung, dass die Lage doch nicht ganz so hoffnungslos war. Nachdem sie nun auch die Lebenserhaltung der Aldebaran gesichert hatten, war in der logischen Reihenfolge nun der Navigationsdeflektor an der Reihe. Bei ihm handelt es sich um mehrere, ineinander verschachtelte Felder, welche Kleinstpartikel, winzige Gesteinsbrocken und die im Weltall vorkommenden Wasserstoffmoleküle, welche sich auf Kollisionskurs mit dem Raumschiff befinden, um es herumzulenken. Wenn dieser ausfallen würde, wären sie einem Bombardement von kleinen Hochgeschwindigkeitsgeschossen und zusätzlich der Reibung des interstellaraen Wasserstoffes ausgesetzt. Da sie momentan sehr schnell flogen und sich noch in einem Sonnensystem befanden, war diese Gefahr besonders gross.
Die andorianische ‘Botin’ traf’ wieder ein und berichtete: “Ich soll mich über ihr Lob bedanken und Ihnen mitteilen, dass es jetzt mit dem Diagnosegerät viel schneller vorangeht. Leider ist jedoch ein neues Problem aufgetreten. Die Beschleunigung des Impulsantriebes nimmt ständig ab...“
„Ja, das war bei diesem Tempo abzusehen,“ bemerkte Lennard zufrieden.
„...und hatte bei meinem Verlassen der Brücke gerade c 0,95 erreicht,“ beendete der Fähnrich seinen Rapport.
Ungläubig fragte Lennard: „Sagten Sie, c 0,95? Das ist nicht möglich, Fähnrich, Sie müssen das falsch verstanden haben. Fragen Sie nochmals nach.“
Die junge Andorianerin verzog keine Miene. „Sir, Commander Leardini hat mir dafür folgende Erklärung gegeben: bei c 0,92 sollte die theoretische Höchstgeschwindigkeit der Aldebaran liegen, da bei der Konstruktion berechnet wurde, dass sich die Masse des Raumschiffes bei diesem Tempo in einem solchen Masse erhöht haben sollte, dass es selbst bei voller Leistung der Impulstriebwerke nicht weiter beschleunigt werden könnte. Leider ist aber eine unvorhersehbare Verstärkung des Subraumfeldes, welches mit dem Impulsantrieb gekoppelt ist, aufgetreten. Durch die Höchstbelastung der Triebwerke muss es eine Wechselwirkung mit dem Feld geben, das mehr Energie als üblich braucht und durch diese Verstärkung die Masse des Schiffes weiter reduziert. Dadurch werden höhere Unterlichtgeschwindigkeiten erreicht als von den Konstrukteuren dieser Systeme beabsichtigt.“
„Im Klartext heisst das, wir haben gerade einen Konstruktionsfehler bei Schiffen der Galaxy-Klasse entdeckt? Wirklich fabelhaft! Ich hätte mir keinen günstigeren Zeitpunkt dafür aussuchen können,“ brauste Lennard auf.
„Die Counselor bat mich, Sie an dieser Stelle darum zu bitten, sich zu beruhigen und nicht zu resignieren. Allen ist die Konsequenz dieses verheerenden Fehlers bewußt, doch nur durch gezieltes und entschlossenes Handeln können wir...“
„Bitte, Fähnrich, genug.“ Lennard schloss die Augen und massierte kurz seinen Nasenrücken zwischen zwei Fingern. „Bin ich so berechenbar geworden, dass man Ihnen die Antworten auf meine Fragen und Aussagen schon im Voraus von der Brücke aus mitschicken kann, Fähnrich?“
Etwas verlegen antwortete sein Gegenüber: „Counselor Kall überwacht Ihren Gemütszustand und ihre primären Gedanken, um daraus wichtige Informationen zu gewinnen, ohne die zeitraubende Übermittlung auf diese Art hier abwarten zu müssen.“
„So?“ Nun war es ihm zuviel geworden. „Gut, wegtreten, ich sage Ihnen Bescheid, falls es weitere Neuigkeiten gibt.“
Dann drehte er sich einen Moment von Warren weg und dachte: <Also gut, Kall, wenn Sie schon nichts Besseres zu tun haben, was mich in unserer Lage wirklich sehr verwundert, warum suchen Sie dann nicht mein Unterbewusstsein nach einer schnelleren Art und Weise ab, wie wir das Schiff wieder unter Kontrolle bringen? Ich habe nämlich das Gefühl, dass die Lösung unserer Probleme ganz naheliegend ist, komme aber einfach nicht darauf. So, in einer Viertelstunde will ich einen dieser Burschen hier unten sehen, der mir das Ergebnis Ihrer ewigen Gehirnspionagen auf einem Silbertablett überbringt. Das ist ein Befehl, verstanden?>
Zufrieden wandte er sich dem nächsten auszutauschenden Steuerungsmodul zu.
Das sollte eigentlich genug sein.
„Das ging recht schnell. Was kommt als nächstes, Captain?“
Warren sah genauso erledigt aus, wie er sich fühlte. Für jemanden, der solche Belastungen bestimmt nicht gewohnt war, hielt sie sich wirklich tapfer. Aber davon abgesehen war an Schlaf ohnehin nicht zu denken, solange sie sich in dieser prekären Lage befanden. Er durfte gar nicht daran denken, was passieren würde, wenn es ihnen nicht gelingen mochte, alle Computer rechtzeitig zu ‘entschärfen’. Und darüber hinaus sah es für die Föderation selbst momentan nicht allzu rosig aus. Die Sternenflotte hatte innerhalb weniger Jahre von den sechs grössten, modernsten und bedeutendsten Allzweck-Raumschiffen ihrer Flotte, denen der Galaxy-Klasse, drei verloren: die Yamato, die Odyssee und kurz darauf auch noch das Flaggschiff der Föderationsflotte, die Enterprise. Wenn jetzt auch noch die Aldebaran abhanden kommen würde, stünde man sozusagen mit herabgelassenen Hosen da. Wie sollte man ohne das Kontingent all dieser Schiffe auf die Bedrohung durch das Dominion reagieren? Wie dem klingonischen Verbündeten bei den ständigen Reibereien mit Renegaten beistehen, auf deren Konto auch dieser Sabotageakt ging? Dazu kamen ausserdem die Überwachung der neutralen Zonen zum romulanischen Imperium und zu den Cardassianern hin. Sollten mehr Schiffe der neueren Inteprid-Klasse gebaut werden, kleiner, schneller, aber schwächer bewaffnet als Galaxy-Schiffe? Von diesen Typen waren erst wenige fertiggestellt, und eines davon war bereits auf der Jagd nach Maquis-Angehörigen als vermisst gemeldet worden, obwohl Lennard sich nicht vorstellen konnte, dass der Maquis selbst damit etwas zu tun haben konnte.
Nun, neuere Typen waren erst noch in der Erprobungsphase. Bisher hatte der Bau eines Galaxy-Raumschiffes etwa zwanzig Jahre in Anspruch genommen, doch was er von den Baufortschritten an der neuen Enterprise - wenn sie denn dann wirklich so heissen würde - bisher gesehen hatte, ließ in ihm den Verdacht aufkommen, dass diese Zeitspanne enorm verkürzt werden würde. Das würde ihn nicht einmal so sehr erstaunen, wusste er doch, daß beispielsweise für den Bau der letzten paar Raumschiffe der Excelsior-Klasse nicht einmal ganz ein Drittel der Zeit nötig gewesen war als bei den ersten Serienexemplaren. Und schlieslich war es bereits fast dreissig Jahre her, seit der Bau der Galaxy beschlossen worden war. Die Produktionstechniken mussten inzwischen immense Fortschritte gemacht haben.
Doch damit sollte er sich nicht länger ablenken. Er öffnete gerade den Mund, um Warren zu antworten, als die Andorianerin völlig atemlos hereingestümt kam. „Schnell, Captain, scannen Sie mit dem Tricorder die Steuermodule nach radioaktiver Hintergrundstrahlung! Wir können auf diese Weise die fehlerhaften Module genau lokalisieren.“
Völlig überrascht entfuhr es Warren: „Wie kommen Sie darauf, Fähnrich?“
„Es ist ganz einfach, Mrs. Wir hatten Lieutenant Baor während einer Sonneneruption auf Antares an Bord gebeamt, und zwar mitsamt seiner gesamten Ausrüstung. Sowohl er als auch das Material wurde dadurch einer leicht erhöhten Strahlung der Sonne ausgesetzt. Diese findet sich in allen manipulierten Modulen, da sich alle Originalteile seit Bau des Schiffes hier im Computerkern befinden und durch das ständige schwache Subraumfeld um diesen herum sogar weniger kosmischer Hintergrundstrahlung ausgesetzt waren als der Rest dese Schiffes. Doch sogar auf der Brücke konnten die dortigen Computer, welche ohne Feld arbeiten, aufgrund dieses Umstandes wesentlich schneller instandgesetzt werden.“
„Das ist brillant! Wer hatte diese Idee?“ Lennard strahlte.
„Sie, Captain.“
Lennard strahlte nicht mehr. „Wie bitte?“
Immer noch keuchend, aber glücklich berichtete der Fähnrich: „Die Counselor hat gesagt, Sie habe Ihren Befehl befolgt und sei während der Sondierung Ihres Unterbewusstseins auf diese Möglichkeit gestossen. Und nun, nach...“ Sie sah kurz auf die Uhr.
„...nach dreizehn Minuten hat sie ihren Bericht wie verlangt abgeliefert.“
„Das war eigentlich...“ Lennard schluckte den Rest hinunter und riss seinen Tricorder hervor. Das war eine echte Chance. Fieberhaft ging er die Reihen der Module ab und untersuchte die Module. Tatsächlich liessen sie sich dem Strahlungsniveau nach in zwei Gruppen aufteilen. Er begann hastig damit, die kontaminierten Elemente zu markieren.
„Es funktioniert! Wir verfahren ab jetzt so, dass wir diese Module zuerst austauschen und die alten hinterher diagnostizieren, um sicher zu sein, dass wir nur fehlerhafte Bauteile ersetzt ha-ben. Fähnrich, Sie und die beiden da draussen laufen zu den anderen beiden Hauptcomputern und zum Maschinenraum und berichten dort. Aber schnell!“
Der Fähnrich schaute verblüfft. „Aber, Sir, die Commander hat längst Boten zu...“
Lennard unterbrach sie unwirsch: „Fähnrich, ist Ihnen das Prinzip der technischen Redundanz geläufig?“
„Selbstverständlich, Sir. Man verwendet Systeme in Mehrfachauslegung, um Ausfallerschein-ungen vorzubeugen und...“
„Sehen Sie? Und diese Information sollte unbedingt redundant verbreitet werden, meinen Sie nicht auch?“
„Ich bin schon unterwegs, Sir. Verzeihen Sie, Sir.“
„Nun aber los.“ Die letzte Silbe war noch nicht verklungen, als die junge Frau bereits den Raum verlassen hatte und den beiden anderen Mannschaftsdienstgraden entsprechende An-weisungen gab. Warren sah den Captain an, während sie sich wieder an die Arbeit machten.
„Haben Sie die Kleine nicht ein wenig hart angepackt, Kyle?“
„Andorianer sind hart im Nehmen, Rosalie, das zeigt ihre Geschichte mehr als deutlich. Betrachten Sie es als typischen Fall dafür, dass ein Untergebener dem Befehl eines Vorgesetzten uneingeschränkt und vor allem widerspruchslos Folge leisten sollte, in dem Vertrauen natürlich, dass letzterer sich dabei wohl etwas gedacht haben wird.“
Als sie leise auflachte, ging ihm durch den Kopf, dass ihm gar nicht aufgefallen war, wann sie während der letzten mühseligen Stunden begonnen hatten, sich zu duzen. Nun, es war okay.
Unter diesen Umständen.
Alle ausgetauschten Chips erwiesen sich bei der anschliessenden Diagnose als manipuliert. Sie kamen nun in einem - für ihre bisherigen Begriffe - atemberaubenden Tempo voran und konnten bereits eine halbe Stunde später alle wichtigen Systeme für gesichert erklären. Die Arbeitsweise des Saboteures kam ihnen entgegen, da sich immer weniger einzelne Module als ‘faule Eier’ erwiesen, je unwichtiger für das direkte Überleben des Schiffes das jeweilige System war. Nur das Funksystem war richtiggehend gespickt mit sabotierten Elementen.
„Das muss an der klingonischen Denkweise liegen“, meinte Lennard, „denn ein Klingone hätte, wenn er den Sachverhalt erkannt hätte, wahrscheinlich zuerst seine Vorgesetzten gewarnt, ohne Rücksicht auf seine Besatzung oder das Schiff zu nehmen. Ich fürchte, dass sie dasselbe auch bei anderen Schiffen planen, wenn sie die Funkanlagen derart ‘vermint’ haben.
Was meinen Sie, können Sie von nun an alleine weitermachen?“
„Ich denke schon. Sagen Sie mir nur, in welcher Reihenfolge.“
Er überlegte schnell. „Den FF- und Subraumfunk haben wir kontrolliert. Wir sollten nun die Sensorenanlagen überprüfen und danach die Turbolifte, die Türmechanismen und die Kommunikationsanlage instandsetzen, damit die Besatzung sich wieder frei bewegen kann und über alles informiert werden kann. Sobald das erledigt ist, überlasse ich Ihnen die Festlegung der weiteren Prioritäten. Ach ja, sobald die ‘redundanten’ Fähnriche wieder eingetroffen sind, lassen Sie sie die Reihenfolge der Schadensbeseitigung weitergeben.
Ich kehre auf die Brücke zurück.“ Er lächelte sie an.
„In Ordnung, Captain.“ Sie deutete einen Salut an und erklärte dann: „Sobald alle Systeme frei von fehlerhafter Kontrollhardware sind, muss ich die neue Konfiguration aufstarten. Zum Glück haben wir diesen Vorgang noch abrufbereit in den Kernspeichern, sodass ich je Kern nur etwa zehn Minuten benötigen werde.“
„Das heißt, dass wir noch mindestens eine halbe Stunde benötigen, bevor wir das Schiff wieder unter Kontrolle haben“, seufzte Lennard.
Warren hob in einer Geste der Ohnmacht die Schultern. „Bitte vergessen Sie nicht, dass die anderen Reparaturteams noch nicht so weit sein dürften wie wir, da sie später angefangen haben und wahrscheinlich nicht ganz so schnell vorangekommen sein dürften.“
Lennard nickte nur müde. „Natürlich bin ich mir darüber bewusst, dass Sie alle Ihr Möglichstes tun. Also dann, Sie wissen, wo Sie mich erreichen.“

[und die Fortsetzung erreicht man hier wieder morgen...]

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Donnerstag, 2. November 2006
$ 12 KAPITEL4 - Panik-Reparaturen
[...Fortsetzung von gestern]
- 4 -
Lennard trat zum nächsten Turbolift und besah sich die Schalttafel. „Der Saboteur hat sämtliche Systeme, die unter direkter Computerkontrolle stehen, blockiert, was heisst, dass wir alles überbrücken und einzeln manuell bedienen müssen, was wir benutzen wollen. Mit einer Tür funktioniert das, jedoch nicht mit komplexeren Vorrichtungen. Wir müssen so schnell wie möglich zu den Compterkernen vordringen und von dort aus versuchen, die eingebauten fehlerhaften Kontrollmodule ausfindig zu machen. Und wir brauchen unbedingt Mrs. Warrens Hilfe dazu.“
Die Reaktion des Captains beruhigte die Mannschaft auf der Brücke ein wenig. Ihr Kommandant war ruhig und gefasst und ging die Probleme mit logischen Überlegungen an. Das gab vielen die Hoffnung, dass ihre Lage vielleicht doch nicht ausweglos war.
Wie gross die Chance auf eine rechtzeitige Reparatur der Computersysteme seiner Meinung nach waren, verschwieg er lieber.
„Mr. Kazuki, Sie machen sich daran, diesen Turbolift zu öffnen und ihn wieder in Betrieb zu nehmen. Danach fahren Sie zum Quartier von Mrs. Warren und bringen sie zum ersten Computerkern. Falls ihr Quartier bereits aufgebrochen ist, waren wir schneller als Sie. Dann kommen Sie bitte ebenfalls zum Kern.“
Der Sicherheitschef ging zum Turbolift hinüber, hielt dann jedoch inne und fragte: „Was meinen Sie mit ‘falls Sie schneller waren‘?“
„Ich werde mit Lieutenant Vakuf und Lieutenant Commander Cluy durch einen Wartungstunnel bis auf das Deck vorstossen, auf dem Mrs. Warrens Quartier liegt. Lieutenant Darrn, Sie sehen sich inzwischen die Ausweichcomputer hier auf der Brücke an und versuchen, falls irgend möglich, die Kontrolle über die Systeme zurückzuerlangen.“
Vakuf meldete sich zu Wort: „Hören Sie, Captain, wir haben genau C 0,25 erreicht, können die Beschleunigung im derzeitigen Zustand jedoch nicht beeinflussen. Damit ist der Zeitfaktor bei der Beseitigung der Funktionsstörungen von großer Priorität.“
Leardini warf genervt ein: „Könnten Sie sich bitte so ausdrücken, dass auch schlichte Gemüter wie zum Beispiel der Erste Offizier eines Galaxy-Klasse-Raumschiffes Sie verstehen?“
„Mrs. Vakuf meint damit, dass wir bei unserer Beschleunigung von 10 Kilometern pro Sekunde in sechs und einer viertel Stunde theoretisch die Lichtgeschwindigkeit erreichen. Welche Auswirkungen das auf das Schiff haben würde, ist Ihnen bestimmt klar“, führte Cluy aus.
„Aber ist das nicht unmöglich? Je näher man der Geschwindigkeit kommt, umso grösser wird doch die Masse des Schiffes. Bei Lichtgeschwindigkeit wäre die Aldebaran unendlich gross und könnte sich selbst gar nicht mehr beschleunigen, weil die Impulstriebwerke nicht so viel Leistung besitzen,“ erwiderte Leardini.
Vakuf meinte darauf: „Das ist korrekt, Commander. Jedoch haben Sie nicht berücksichtigt, dass bei der Benutzung des Impulsantriebs von der Antriebsspulen-Anordnung ein Subraumfeld im Millicochrane-Bereich um das Schiff herum gelegt wird, um so die Masse des Schiffes scheinbar zu verringern. Ich würde unseren Status so ausdrücken, dass wir damit nicht bis in den Warpbereich gelangen können, uns aber auch nicht direkt im Einsteinschen Universum, wie Sie es kennen, befinden. Ich vermute, dass die Masse der Aldebaran mit zunehmender Annäherung an c 1 tatsächlich überproportional ansteigen wird, allerdings längst nicht so stark, wie Sie es darlegen.“
„Was, Sie vermuten es? Mrs. Vakuf!“
„Es gibt keine zuverlässigen Angaben über unsere Situation, da bislang kein solcher Fall aufgetreten ist. Zudem können wir aufgrund der gleichen Tatsache auch keinerlei zuverlässige Aussagen über das Ausmass der Zeitverdichtungseffekte machen.“
„Also, ich würde sagen, allen ist nun klar, wie ernst die Lage ist. Und auch, dass höchste Eile geboten ist. Können wir nun, meine Damen?“ Der Capain hatte bereits ein Zugangsgitter für einen Wartungsschacht freigelegt, der etwa einen Meter durchmass und zum nächsten grösseren Lüftungsschacht führte.
Als sich die Wissenschafts- und die Steueroffizierin jetzt Lennard anschlossen, wollte Leardini wissen: „Und ich komme nicht mit?“
„Ich übergebe Ihnen hiermit die Brücke, Stefania. Wir können leider den gelben Alarm nicht aufheben, wie Sie wissen. Und da die Vorschriften verlangen, daß einer von uns beiden auf der Brücke ist...“ Er beugte sich näher zu seiner enttäuschten ‘Nummer Eins’ hinüber und raunte ihr zu: „Ich kenne Ihre Noten in Computertechnik. Sie sind momentan auf der Brücke viel wertvoller für mich.“
Mit einem Augenzwinkern überspielte er ihre aufkommende Empörung und kroch dann schnell mit den Beinen voran in die relativ enge Röhre, gefolgt von der Vulcanierin und der Cardassianerin, welche seinem Beispiel folgten.
„Ist es ratsam,sich rückwärts durch so eine beengte Umgebung zu bewegen?“ fragte Vakuf.
„Ich habe mir durchaus etwas dabei gedacht, meine Guteste. Dieser Schacht ist nur etwa zwanzig Meter lang und mündet dann in einen senkrechten Hauptbelüftungsschacht, der fünfzehn Deck hinabreicht. Da ich kein sehr geübter Atleth bin, ziehe ich es vor, mit den Füssen und nicht mit dem Kopf voraus auf der Zugangsleiter hinabzusteigen.“
Nun kamen keine Fragen mehr, bis sie alle im Hauptbelüftungsschacht, welcher nun einen komfortablen Durchmesser von etwa drei Metern hatte, jedoch aufgrund der schlechten Be-leuchtung den Eindruck erweckte, ins Bodenlose abzufallen, fünf Decks nach unten zurückge-legt hatten.
„Mrs. Cluy, können Sie die Luke zu Deck fünf von hier aus öffnen?“
„Kein Problem, Sir,“ antwortete Wuran und begann mit der manuellen Überbrückung des Türkontaktes, sobald Lennard und Vakuf weiter nach unten geklettert waren und sie an den Mechanismus heranreichte.
Nach einer kurzen, risikoreichen Kletteraktion von der Leiter auf den Flur hinter der Zugangstür standen sie auf Deck fünf.
„Und jetzt zu Mrs. Warrens Quartier.“ Lennard hatte bereits wieder die Führung übernommen und steuerte die Sektion der Gästequartiere an, wo sie den Eingang verschlossen vorfanden. Demnach hatte Kazuki noch keinen Erfolg gehabt, weshalb sie selbst die Tür öffneten.
Der Raum war dunkel, als sie eintraten und sich langsam vorarbeiteten. „Vielleicht ist sie gar nicht hier“, mutmasste Wuran.
„Was ist denn hier los?“ Beim Klang der Stimme fuhren sie herum und entdeckten die Computertechnikerin in ihrem Bett liegend und sie aus grossen Augen anstarrend. „Könnte mir bitte jemand erklären, was Sie alle hier um diese Zeit wollen?“
Erst jetzt wurde Lennard bewusst, dass es nach Bordzeit später Abend war. „Entschuldigen Sie bitte, daß wir in ihre Privatsphäre eingedrungen sind, Mrs. Warren. Wir stecken in einer ziemlich üblen Notlage und brauchen sofort Ihre Hilfe. Bitte machen Sie sich so schnell wie möglich bereit, während wir vor der Tür warten.“
Verschlafen gähnte Warren und wollte wissen: „Was kann nur passiert sein, dass Sie...?“
„Die Aldebaran ist sabotiert worden. Mr. Baor hat alle Computeranlagen des Schiffes in ihrem derzeitigen Status blockiert, sodass sich nichts mehr an Bord steuern lässt. Er selbst hat sich mit einem Rettungsboot abgesetzt und wurde von klingonischen Renegaten abgeholt. Wahrscheinlich war er ein Schläfer, ein Spion, der schon vor langer Zeit in die Sternenflotte eingeschleust wurde. Wie so etwas möglich war, wissen wir nicht. Wir haben momentan auch andere Sorgen, da uns mitgeteilt wurde, dass die eingeschleuste Hardware so konfiguriert ist, dass sie zuerst alles blockiert und dann nach einer uns unbekannten Zeitspanne ausfällt. Sie wissen, was das für uns bedeuten kann, Mrs. Warren?“ Lennard und seine beiden Offiziere hatten sich auf den Korridor zurückgezogen. Nun hörte man ein Keuchen von drinnen.
„Oh, mein Gott! Nein, Captain, ich bin nicht genau vertraut mit der Funktionsweise eines interstellaren Raumschiffes. Das Licht lässt sich nicht einschalten... es ist also wirklich wahr. Wie viele Menschen an Bord sind jetzt wohl in ihren dunklen Quartieren eingeschlossen und haben keine Ahnung, wie ihnen geschieht?“
„Da weder Kommunikations- noch Senorensysteme funktionieren, haben wir keinen Überblick über die Lage. Es funktioniert nichts mehr aktiv, wirklich nichts.
Nun, Mrs. Warren, ich möchte Ihnen einige Dinge erklären. Wir beschleunigen momentan mit voller Impulskraft, was bedeutet, daß wir in spätestens sechs Stunden den Antrieb ausschalten müssen, weil wir ansonsten eine enorme Zeitverschiebung erleiden könnten.“
„Das lässt sich vermutlich gut bewerkstelligen,“ meinte Warrens Stimme zuversichtlich.
Vakuf seufzte; eine fast schon zu menschliche Geste für eine Vulkanierin. “So einfach wird es leider nicht. Da sämtliche Computer betroffen sind, müssen wir alle drei Hauptkerne sowie die Nebenanlagen auf der Haupt- und der Kampfbrücke instandsetzen. Da Türen und Turbolifte außer Funktion sind, müssen wir uns den Zugang zu den entsprechenden Stellen im Schiff mühsam erarbeiten.“
„Daran hatte ich nicht gedacht,“ gab Warren zu, „das wird natürlich viel Zeit kosten auf so einem grossen Raumschiff wie diesem.“
„Das ist noch nicht alles“, wandte Lennard ein, „denn bevor wir uns um den Antrieb kümmern können, müssen wir zuerst eine ganze Reihe von anderen Systemen sichern.“
„Wieso das denn?“ Warren erschien endlich angezogen, mit wirrem Haar und verstörter Miene in der Tür.
Lennard erläuterte auf dem Weg zum ersten Computerkern: „Da wäre zunächst einmal die Lebenserhaltung, die das Schiff mit Luft, Wärme, Wasser und so weiter versorgt. Ohne sie sind keine Umweltbedingungen vorhanden, die der Besatzung ein Überleben ermöglichen können.
Das TDF, das TrägheitsDämpfungsFeld, ist eine Einrichtung, welche ein Kraftfeld erzeugt, das die enorme Beschleunigung des Schiffes von etwa tausendfacher Erdanziehungskraft ausgleicht. Wenn dieses System ausfällt, sind wir augenblicklich tot, noch bevor wir merken, was geschehen ist.
Dann das SIF, das Strukturelle IntegritätsFeld. Dieses Kraftfeld in der tragenden Konstruktion der Aussenhülle erhöht die Festigkeit des Raumrahmens um das 1250fache. Bei einer Masse von 6,5 Millionen metrischer Tonnen und dieser Beschleunigung hätte ein Versagen dieser Komponente zur Folge, dass das Schiff auseinandergerissen würde.
Der Warpantrieb ist auch sehr problematisch, obwohl er gerade nicht läuft. Die Materie/ Antimateriereaktion, mit der wir das Schiff mit Energie versorgen, ist hochkritisch. Wenn die Antimaterieeindämmung versagt, explodiert die Aldebaran.
Das waren nur die allerwichtigsten Einrichtungen, die es zu reparieren gilt. Nun, Mrs. Warren?“
Die Südafrikanerin war so bleich geworden, wie ein Mensch ihrer Hautfarbe nur werden konnte. „In sechs Stunden? Völlig ausgeschlossen!“
Wuran meinte darauf: „Dann können wir nur noch hoffen, daß Baor geblufft hat. Wenn nicht, sind wir so gut wie tot.“
Als Lennard Warrens entsetzten Blick bemerkte, wandte er energisch ein: „Nein, so schnell geht das nicht! Wir werden versuchen, unser Bestes zu geben, um das zu verhindern. Mrs. Warren...“
Sie blieben vor dem ersten Hauptcomputer kurz stehen, als Lennard Warren seine Hände auf ihre Schultern legte und ihr in die Augen sah. „Ein Grossteil hängt jetzt von Ihnen ab. Das Leben von fast tausend Besatzungsmitgliedern! Haben Sie das verstanden?“
Rosalie Warren wirkte so schwach und hilflos, wie sie da vor ihm stand und zaghaft nickte, während eine einzelne Träne ihre Wange hinablief.
Lennard verschaffte sich mit seinem Team Zugang zum Systemüberwachungsraum, wo sich Warren, von Vakuf und Wuran unterstützt, sofort daran machte, das Kontrollpult für die Steuerungshardware des Computerkernes in Betrieb zu setzen. Nach etwa fünf Minuten, die Lennard wie eine Ewigkeit vorkamen, in der er zum hilflosen Zusehen verdammt war, klappten sie die Zugangsöffnungen zu und überprüften die Benutzeroberfläche.
„Es funktioniert, ich habe Zugriff auf die Verteilercluster,“ eröffnete Warren ihnen.
„Sehr gut!“
„Bitte freuen Sie sich nicht zu früh, Captain,“ wiegelte die Computerspezialistin ab, „das ist nur ein winzig kleiner Schritt im gesamten Prozess. Ich muss nun die einzelnen von ihnen genannten Komponenten ausfindig machen, aus der Schaltwand dort drüben entfernen und hier in das Diagnosegerät einsetzen, um es zu überprüfen.“
„Oh!“ Lennard schluckte, als er zur blinkenden und funkelnden Wand hinübersah, wo sich, wie er im Gedächtnis behalten hatte, genau 512 dieser isolinearen Steuerelemente befanden. Zweiunddreissig vertikale Reihen mit je sechzehn nebeneinanderliegenden Clustern, unter denen die manipulierten gefunden werden mussten. Und das Ganze dann dreimal und zusätzlich auf den redundanten Brückeneinrichtungen. Ja, Lennard erinnerte sich wieder, wie der Klingone auf der Brücke umhergekrochen war. Er hatte wirklich ganze Arbeit geleistet...
Unwillkürlich musste Lennard mit den Zähnen knirschen.
„Ich habe die Schemata der Steuerelemente aufgerufen. Nun müssen Sie mir sagen, um was ich mich zuerst kümmern soll“, berichtete Warren.
„Hm... das Strukturelle Integritätsfeld,“ entschied Lennard.
„SIF... einen Moment.“
Während Warren die Positionsabfrage der entsprechenden Steuermodule abrief, beugte sich Wuran zum Captain und fragte mit leiser Stimme: „Wieso gerade das SIF zuerst?“
„Ganz einfach,“ erklärte Lennard in der gleichen Lautstärke, „wenn das TDF oder die Antimaterieeindämmung versagen, sind wir auf der Stelle tot. Ist jedoch das SIF zuerst betroffen, bricht das Schiff zuerst auseinander und die Besatzung muss leiden, bevor sie stirbt. Deshalb habe ich diese Reihenfolge gewählt; falls wir es nicht rechtzeitig schaffen und ohnehin zerstört werden, sollen die Leute nicht unnötig leiden.“
Betroffen sah Wuran ihn an: „Dass Sie in dieser Lage an so etwas denken...“
„Es ist nur logisch,“ wandte Vakuf an, die den Dialog verfolgt hatte. „Der Captain ist ein realistischer Mensch und seine Denkweise beinahe der vulcanischen ebenbürtig.“
„Ich weiss nicht, ob das jetzt abwertend den Menschen gegenüber war, aber danke trotzdem, Mrs. Vakuf.“
Die Vulcanierin nickte nur kurz mit unbewegter Miene. Warren meldete sich zu Wort: „Ich habe die betreffenden Steuermodule lokalisiert; es sind elf an der Zahl. Wir werden nun den ersten von ihnen ausbauen. Sind Sie mit dieser Prozedur vertraut?“
„Nur oberflächlich,“ gestand Wuran ein. Lennard und Vakuf konnten nur den Kopf schütteln.
Die junge Technikerin seufzte. „Dann achten Sie jetzt bitte genau auf das Procedere; Sie werden sehen, dass es gar nicht so schwierig ist. Ich werde es Ihnen vormachen, dann versucht es jeder von Ihnen selbst bei den folgenden Modulen. Wenn wir die ersten paar vollständigen Überprüfungen gemacht haben, können Mrs. Wuran und Mrs. Vakuf ein selbständiges Reparaturteam bilden und den zweiten Computerkern in Angriff nehmen.“
„Ihre Vorschläge sind angenommen, Mrs. Warren.“
Warren sah auf, als ihr plötzlich klar wurde, was sie da von sich gegeben hatte. „Oh, das tut mir leid, Captain, ich wollte natürlich Ihre Autorität in keinster Weise in Frage stellen. Ich dachte nur...“
Lennard fuhr schmunzelnd dazwischen: „Schon gut, Sie haben Recht. Schliesslich geht es hier um unser aller Überleben, da kann man die Etikette ruhig ‘mal für einen Moment vergessen. Wir werden es so machen, wie Sie sagten. Ich kenne schließlich meinen Wert als Computerspezialist und weiss, dass ich Ihnen allenfalls assistieren kann, während meine beiden Offiziere durchaus ein autarkes Team zur Kontrolle eines anderen Hauptcomputers bilden können.“
Sie nickte dankbar. „Gut, dann passen Sie bitte gut auf...“
„So, das war der dritte. Auch er ist in Ordnung, wie Sie hier der Diagnosetabelle entnehmen können. Setzen Sie ihn bitte wieder ein, Mrs. Wuran.“
Sie hatten in den letzten zwanzig Minuten die ersten Steuermodule ausgebaut, in das Diagnosegerät eingesetzt und die Überprüfung laufen lassen. Bis zum Wiedereinsetzen brauchte man mit ein wenig Übung sechs bis sieben Minuten - vorausgesetzt, das betreffende Modul war „sauber“. Lennard begann zu rechnen und liess unmerklich den Kopf hängen. Das dauerte einfach zu lange. Wenn sie doch nur einen Hinweis darauf hätten, welche Module fehlerhaft waren...
„Ich hab’ ein faules Ei erwischt! Sehen Sie, meine Damen, dort und dort in den isolinearen Chips... das sieht doch wirklich jeder, dass diese Art von Nanoprozessoren nicht in ein Sternenflottenschiff gehören.“ Warren wies auf der Diagnoseanzeige auf drei bestimmte Baugruppen und markierte sie, sodass sie rot aufblinkten. Die anderen drängten sich um die Anzeige, um genau zu sehen, worauf sie zu achten hatten.
„Das sieht ganz schön daneben aus,“ kommentierte Wuran geringschätzig, und Vakuf bestätigte: „Es ist wohl mehr als eindeutig, dass es sich hier um unsachgemäße Baugruppen handelt, welche den Computerkern bei seiner Konfigurierung in seiner Effizienz überaus negativ beeinflussen könnten.“
„Nun ja...“
Alle drehten ihren Kopf zum Captain, der sofort abwehrend die Hände hob. „Schon gut, ich wollte nichts dazu sagen. Ich geb’s ja zu, dass ich so gut wie nichts von Nanoprozessoren verstehe.“
Grosszügigerweise tat Warren so, als hätte dieser Vorfall nicht stattgefunden und nannte Wuran die Nummer des Bauteiles. „Bitte suchen Sie mir das Ersatzmodul aus dem Regalfach im Gang vor der Tür und setzen Sie es anstelle dieses Teiles ein.“
Dann hielt sie das fehlerhafte Modul Lennard vor die Nase und sagte nicht ohne einen Anflug von Stolz: „Melde: erstes sabotiertes Modul gefunden und beseitigt.“
Und mit diesen Worten brach sie das Steuermodul mit einem knackenden Geräusch entzwei.
Weitere zwanzig Minuten darauf hatten sie - in rekordverdächtiger Zeit - die nächsten vier Module untersucht, von denen zwei weitere von Baor ausgetauscht gewesen waren. Darauf entliess Warren ihre beiden „Schüler“ Vakuf und Wuran, die sich nun auf den Weg zum zweiten Hauptkern machten. Dieser lag zwar nur fünfzig Meter vom ersten entfernt, bildete aber eine völlig unabhängige Einheit und musste deshalb genauso wie die übrigen Bordcomputer gesondert überprüft werden. Warren vermutete sogar, dass Baor beim anderen Kern nicht die gleichen Module sabotiert hatte wie bei diesem hier. Er stimmte ihr zu, denn inzwischen traute er diesem Klingonen alles zu.
Kaum eine Minute, nachdem die beiden Frauen gegangen waren, stürmte Kazuki in den Raum. „Captain, Sie haben es geschafft!“ stieß er atemlos hervor.
„Ja, Onue. Wir haben es gleich geschafft, das SIF in diesem Kern zu sichern. Bis wir ausser Lebensgefahr sind, liegt jedoch noch viel Arbeit vor uns.“
In den folgenden Minuten zeigten sie Kazuki die Vorgehensweise, um die fehlerhaften Steuerorgane ausfindig zu machen und auszuwechseln, bevor sie ihn zum Hauptmaschinenraum sandten, wo er gemeinsam mit der Chefingenieurin Atarma Nidor am dritten Kern arbeiten sollte. Da der direkte Weg durch steckengebliebene Turbolifte versperrt war, musste er sich erst mühsam durch Korridore und Behelfsschächte einen Weg hinab in die Kampfsektion suchen, wo sich der dritte Hauptcomputer des Schiffes und auch der Maschinenraum befanden. Die Zeit lief ihnen davon...
[morgen weiterlesen...]

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Mittwoch, 1. November 2006
§11 - Flucht und Sabotage
[... Fortsetzung von gestern]
Zurück an Bord, übernahm Lennard die Brücke und befahl, Kurs auf das Antares-System zu setzen. „Beschleunigen Sie mit voller Impulskraft bis auf c 0,25 und geben Sie mir dann Bescheid.“
„Aye, Sir,“ bestätigte Gora Vakuf an den Steuerkontrollen.
„Und nun, wollen wir uns Mr. Baor zuwenden, Captain?“ fragte Leardini mit einem recht unheilvollen Lächeln.
„Ich bin sicher, Sie würden das liebend gerne selbst übernehmen, Stefania, aber ich möchte ihn lebend. Deshalb werden Mr. Kazuki und ich Sie begleiten.“
Unter verhaltenem Schmunzeln und Kichern der Brückencrew über Leardinis saures Gesicht stand Lennard auf und wandte sich dem nächsten Turbolift zu. „Mrs. Kall, Sie haben die Brücke. Mr. Kazuki, bitte begleiten Sie uns.“


Im Lift wollte Lennard wissen: „Was genau ist eigentlich vorgefallen, Onue?“
„Nun, wir haben gerade Ihre Unterhaltung mit dem Ewigen verfolgt, als mir ein Fähnrich plötzlich die Meldung gegeben hat, daß eine Subraum-Nachricht abgesetzt worden ist. Wir haben dann gleich darauf Lieutenant Baor als Absender identifiziert und zur Rede gestellt. Er behauptete den Unsinn mit der Überprüfung der Kommunikationshardware und stellte sich ansonsten dumm. Wir konsultierten Mrs. Warren, die unserenVerdacht bestätigte, dass dies nicht zutreffend war. Als wir den Inhalt der Botschaft aufrufen wollten, stellten wir fest, dass diese aus den Logbüchern gelöscht worden war; Baor leugnete das. Zum Glück versteht die gute Mrs. Warren eine Menge von ihrem Handwerk, denn sie hat gesagt, dass die Daten im Kernspeicher noch vorhanden sind, bis sie überschrieben werden. Sie hat es also tatsächlich geschafft, die gelöschte Nachricht zu rekonstruieren.
Dann jedoch hat uns das Glück leider verlassen. Der Inhalt war völlig unverständlich, auch für unsere Computerspezialistin. Sie meinte, es sähe tatsächlich aus wie eine Testsequenz, ist zur Zeit jedoch noch mit ihrer Entschlüsselung beschäftigt.“
Als der Turbolift hielt, meinte Leardini ungehalten: „Ist Ihnen denn nicht in den Sinn gekommen, dass man in diesem Sternensystem gar keine Subraumsignale senden kann? Das Feld der Sonne stört alles.“
Kazukis Augen weiteten sich plötzlich.“ ...bis auf Richtsignale vielleicht. Er muss diesen Spruch an jemanden ganz Bestimmten gerichtet haben. Dass ich darauf nicht gekommen bin!“
Beim Verlassen des Liftes rief der Captain: „Lennard an Wuran.“
„Sprechen Sie, Sir.“
„Kontrollieren Sie sofort die Aufzeichnungen über Mr. Baors Subraum-Botschaft auf eine bestimmte Ausrichtung hin und stellen Sie fest, wohin er gesendet hat.“
„Wird gemacht“, erklang die Stimme der Wissenschaftsoffizierin aus den Klangprozessoren des Ganges, den sie eilig hinabschritten.
Kazuki blieb vor einer Tür stehen. „Computer, Türblockade aufheben, Autorisierung Lieutenant Commander Kazuki Theta Drei.“
„Autorisierung unzureichend. Geben Sie den Sperrcode ein“, verlangte die emotionslose Computerstimme.
„Verd...er muß das von innen heraus bewerkstelligt haben.“ Mit einigen japanischen Flüchen begann Kazuki, die Schalttafel mit diversen Öffnungs- und Überbrückungsbefehlen dazu zu bewegen, die gesicherte Tür freizugeben.
„Darf ich einmal?“ Als die Versuche des Sicherheitsoffiziers fruchtlos blieben, übernahm Leardini diese Aufgabe, hatte aber genausowenig Erfolg.
Schliesslich sagte Kazuki mit vor Wut verzerrtem Gesicht: „Jetzt reicht es aber! Verzeihen Sie, Commander?“
Und mit diesen Worten und einer kurzen, wie beiläufigen Bewegung riss er das Schaltpaneel aus seiner Wandfassung. Zum Vorschein kamen ein paar Dutzend isolineare Speicherchips einfacherer Bauart, ein Gewirr optischer Datenleitungen sowie mehrere bei Raumtemperatur supraleitende Stromzuführungen. Kazuki legte eine fachmännische Vorgehensweise an den Tag und benötigte tatsächlich weniger als eine halbe Minute, um alle Sicherungen zu überbrücken. Leise zischend glitten die Türhälften auseinander.
„Nicht schlecht“, meinte Lennard anerkennend nickend.
Der Japaner grinste, während er seinen Phaser zog und sich dem Eingang zuwandte. „Die Japaner hatten euch schon immer in Elektronik einiges voraus.“
„Er muss Sie meinen, Stefania. Ich bin Neuseeländer und fühle mich daher nicht angesprochen.“
„Von mir aus. Jetzt möchte ich aber zunächst ein Wörtchen mit unserem speziellen Freund reden. Dass er sich in seinem Quartier verbarrikadiert...“
Beide fuhren herum, als sie Kazuki von drinnen aufheulen hörten. „Der Hundesohn ist nicht hier! Er wollte sich mit der Tür nur Zeit verschaffen.“
Augenblicklich sagte Lennard: „Computer, lokalisiere Lieutenant Baor.“
„Lieutenant Baor befindet sich in seinem Quartier, Deck Acht, Sektion Fünf.“
„Was soll das? Auf den Arm nehmen kann ich mich selbst“, entfuhr es Leardini.
„Hier ist die Lösung - er hat seinen Kommunikator hiergelassen.“ Lennard hatte das Sternenflottenabzeichen, dessen integrierte Elektronik auch zum Orten des Trägers diente, auf einem Tisch gefunden.
Nun sagte der Captain: „Lennard an Sicherheit: wir haben einen potentiellen Infiltrant an Bord. Lieutenant Baor, männlicher Klingone in Technikeruniform, vermutlich gefährlich und/oder bewaffnet. Suchtrupps im ganzen Schiff ausschwärmen und alle lebenswichtigen Einrichtungen bewachen. An alle Decks: hier spricht der Captain. Alarm Gelb. Wenn Sie einen klingonischen Lieutenant der Technikergruppe sehen, benachrichtigen Sie umgehend die Sicherheit. Lassen Sie unbedingt Vorsicht walten. Ende.“
„Und was jetzt?“ wollte Leardini wissen.
„Wir haben Alarm Gelb, meine Guteste. Ab auf die Brücke mit uns.“ Lennard hastete ihnen voran zum Turbolift. Er hatte das Heft schnell und bestimmt in die Hand genommen; sie hatte ihn noch nie zuvor so erlebt. Er hatte sogar den Alarm an den Sicherheitstrupp weitergegeben, was normalerweise Kazukis Aufgabe gewesen wäre. Vielleicht fühlte sich der Sicherheitschef der Aldebaran dadurch auf die Zehen getreten, weil er den Techniker nicht gleich in eine Arrestzelle gesteckt hatte. Aber wer konnte schon so etwas ahnen?
Schliesslich war seit der Indienststellung noch nie etwas Aufregendes passiert.


Wie eine Dampflok stürmte Lennard aus dem Lift und schnauzte Kall an: „Bericht!“
Die Betazoidin sprang förmlich aus dem Kapitänssessel und antwortete hastig:„ Sicherheitskräfte an allen relevanten Positionen Stellung bezogen, Suchtrupps ausgeschwärmt. Bisher keine Erfolgsmeldung, Sir.“
„Wo steckt dieser Mistkerl bloss? Wuran, haben Sie etwas herausgefunden?“
„Die ungefähre Richtung schon, Sir. Nur ist dort Dutzende von Lichtjahren weit nur tiefer Raum. Das nächste Sternensystem liegt schon in klingonischem Raum.“
Der Captain setzte sich langsam und überlegte laut: „Das muss alles zusammenhängen. Aber wie? Ich habe ein ganz schlechtes Gefühl bei der Sache. Diesen Baor müssen wir so schnell wie möglich finden und herausbekommen, was...“
Ein kleiner Ruck ging durchs Schiff. Bevor irgendjemand reagieren konnte, sahen sie alle auf dem Hauptschirm, wie am Vorderschiff, fast genau vor der Brücke, ein Rettungsboot aus der Schiffshülle herausgesprengt wurde. Es ging alles blitzschnell. Das würfelförmige Modul mit einer Kantenlänge von drei Metern wurde, von einem Mikrofusionsreaktor getrieben, nach oben katapultiert. Da es jedoch nicht vorgesehen war, diese Einrichtung bei voller Impulsbeschleunigung des Trägerschiffes einzusetzen, wurde es sehr schnell abgebremst, sobald es das Trägheitsdämpfungsfeld des Schiffs verliess. Es kam mit ungeheurer Geschwindigkeit direkt auf die Hauptbrücke zugerast, worauf alle aufschrien. Manche warfen sich instinktiv zu Boden; eine sinnlose Geste, denn bei einer Kollision würde wenig von Deck Eins übrigbleiben.
Haarscharf sauste die Rettungseinheit über sie hinweg. Manche glaubten sogar, ein scharrendes Geräusch an der Decke über ihnen zu hören.
„Ich glaube, wir haben ihn gefunden“, merkte Leardini, noch leicht benommen, an.
„Ist dieser Bastard einfach strohdumm oder lebensmüde?“ tobte Kazuki, sobald er sich wieder gefangen hatte.
„Volle Wendung, Verfolgungskurs setzen“, befahl Lennard mit düsterer Miene.
„Captain, das hier sollten sie sich ansehen“, erwiderte Vakuf einen Moment später.
„Was ist denn los? Warum wenden Sie nicht, Lieutenant?“ Lennard sprang auf und ging zur Steuerkonsole, wo er der Vulcanierin über die Schulter sah. Quer über der Benutzeroberfläche blinkten gross in Weiss zwei Worte:
STATUS FIXED
„Es begann genau zu dem Zeitpunkt, zu dem das Rettungsmodul ausgelöst wurde. Ich kann von hier aus nichts dagegen tun, da auch die manuellen Kontrollen gesperrt sind.“
Wuran meldete sich besorgt: „Bei mir ist das gleiche aufgetreten, Sir. Die Wissenschaftsstationen sind beide blockiert.“
„Captain, die Ops ist ebenfalls nicht mehr zu gebrauchen“, fügte Darrn hinzu.
Zähneknirschend wartete der Captain noch kurz, bis ihm alle Besatzungsmitglieder die gleiche Meldung abgegeben hatten: alle Instrumente waren blockiert. Gefährlich leise sagte er: „Sabotage. Er hat alles so programmiert, dass es beim Auslösen eines Rettungsmodules das Signal zum Blockieren erhält. Wir haben von hier aus keine Kontrolle über das Schiff mehr.“
„Captain, hinter uns enttarnt sich ein Schiff. Vermutlich ein klingonischer Bird of Prey, genauere Angaben leider nicht möglich, da keine Einstellungen der Sensoren möglich sind.“
„Deshalb hat er den Spruch abgesetzt - um Rettung für sich anzufordern, wenn er das Schiff verlassen muss. Zum Glück sind die Schilde oben, da wir noch unter Alarm Gelb stehen.“
„Das ist korrekt, Captain. Wir können diese jedoch bei einem eventuellen Angriff des Bird of Prey nicht verstärken, noch haben wir eine Möglichkeit, zu manövrieren oder uns mit Waffengewalt zu verteidigen. Wir sind sozusagen wehrlos“, schloss Vakuf.
„Na prima! Wie Tontauben auf dem Schiessstand. Brücke an Maschinenraum.“
Keine Antwort.
Mit gefurchter Stirn sagte Lennard: „Computer, lokalisiere Chefingenieur Nidor und Mrs. Warren.“
Nichts.
„Keiner rührt die Lebenserhaltungssysteme an! Wir müssen unbedingt die Kontrolle über das Schiff zurückerlangen. Stefania, Cluy, kommen Sie mit.“ Sie hasteten zum Lift.
Wuran lief voll gegen die Lifttür, welche keinerlei Anstalten machte, sich zu öffnen. Sie schrie auf und rieb sich ihre Stirn. Lennard verdrehte die Augen. „Das darf nicht wahr sein.“
„Wie leid mir das tut, lieber Captain“, bemerkte eine vor Hohn triefende Stimme hinter ihm. Er kannte diese Stimme, dachte er noch, während er sich zum Hauptschirm umdrehte.
Sie bekamen die Brücke des alten klingonischen Schiffes zu sehen, mit Baor im Vordergrund, der sie hämisch angrinste. “Das hätten Sie sich wohl nicht träumen lassen, was?“
Darrn brauste auf: „Was seid ihr nur für ein Abschaum, daß ihr mit feigen Hinterlisten kämpft? Kein Klingone mit einem Funken Ehrgefühl in seinen Herzen würde an so etwas auch nur denken!“
„Ihr werdet noch früh genug merken, wer wir sind. Die dümmlichen Versuche der Duras-Familie, die Macht über das Reich zu bekommen, waren allesamt erfolglos. Wir jedoch haben schon seit langem diese Schritte geplant, von dem die Zerstörung der Aldebaran nur der erste sein wird.“
„Wenn Sie jetzt auf uns feuern, werden Spuren ihres Angriffs verbleiben, selbst wenn es Ihnen gelingen sollte, uns völlig zu zerstören. Die Sternenflotte wird diese Spuren mit Sicherheit zu deuten imstande sein. Die Fährte wird zu Ihnen führen“, wandte Lennard ein.
Nun meldete sich der Captain des Klingonen-Kreuzers zu Wort. „Aber, aber, wer redet denn hier von Waffengewalt? Das erledigen Sie doch selbst, genauer gesagt Ihr Schiff. Baor?“
Der Angesprochene führte aus, während er seine Rangabzeichen von der Uniform riss: „Eigentlich war vorgesehen, dass ich alles von der Antares-Werft aus regele und dann gemütlich zusehe, was passiert. Ihr plötzlicher Aufbruch verkomplizierte die Lage unnötig. Nun, Commander Giftzwerg, jetzt verstehen Sie sicher auch meinen heftigen Widerstand, als Sie mich für den Flug an Bord holen wollten.“, richtete er seine Worte grinsend an Leardini, die puterrot vor Wut anlief.
„Was ich Ihnen aber mitteilen wollte, ist die Tatsache, dass ich einige - nein, sagen wir lieber zahlreiche - Steuerelemente der Computeranlagen gegen ganz spezielle Versionen ausgetauscht habe. Alle wichtigen Funktionen des Schiffes sind in dem Status blockiert, in dem sie sich zum Zeitpunkt der Auslösung meines Rettungsbootes befanden. Das wirklich Lustige kommt aber erst noch: früher oder später versagen sie nämlich völlig, eines nach dem anderen. Wie lange das dauern wird und in welcher Reihenfolge die Ausfälle erfolgen, kann man nicht so genau sagen. Da Sie mit vollem Impuls beschleunigen, was etwas über 1000 g entspricht, hoffe ich für Sie, dass das Trägheitsdämpfungssystem das erste sein wird, das seinen Geist aufgeben wird. Sie würden nicht einmal etwas merken, bevor alles vorbei wäre. Naja, auf alle Fälle wird es ein tragischer Unfall sein. Mein Beileid.“
„Sie stinkender Renegade! So leicht kriegen Sie uns nicht, selbst wenn Sie...“
Baor unterbrach Leardinis Tirade: „Ich fürchte, doch, Commander Giftzwerg. Übrigens wollte ich mich bei dieser Gelegenheit noch für die Daten des Ewigen bedanken, welche ich kopiert und als kleines Souvenir mitgenommen habe. Selbstverständlich ist es nur ein winzig kleiner Teil, aber an Energie- und Antriebstechnologie werden wir allen bekannten Rassen, einschliesslich der Borg, bald so weit voraus sein... nein, ich glaube nicht, dass Sie sich das überhaupt vorstellen können. Niemand wird auch nur den Hauch einer Chance gegen eine auf dieser Technologie basierenden Raumflotte haben. Ich schätze, ich werde es noch miterleben können, wie die Klingonen, unter uns vereint, den gesamten Alphaquadranten beherrschen werden.“
„Oh mein Gott“, flüsterte Lennard entsetzt, nachdem der Bildschirm dunkel geworden war.
Ein dunkles Zeitalter stand der gesamten erforschten Galaxie bevor.
Nur würden sie das nicht mehr miterleben... wenn sie nicht bald etwas unternahmen.
[Fortsetzung morgen mit Kapitel 4...]

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Dienstag, 31. Oktober 2006
§10 KAPITEL 3 - Ewiger Informationsaustausch
- 3 -
Wenngleich Lennard die Himmelskörper über sich bereits mehrmals auf dem Hauptschirm der Brücke der Aldebaran und durch die Sichtfenster des Shuttles gesehen hatte, so wurde ihm die ganze Schönheit dieser Konstellation doch erst jetzt bewusst, da er quasi im Freien stand und den atmosphärelosen Himmel betrachtete.
Der auffälligste Unterschied zur Erdennacht war natürlich der, dass man ungleich mehr Sterne sehen konnte, da keine Luftschichten die schwächeren Lichter herausfilterten. Zugleich war es um einiges heller als in einer terranischen Vollmondnacht, wofür Alnilam V und seine inneren Monde sorgten. Der kleine pechschwarze Carbona schien bedrohlich dicht vor seinem Muttergestirn zu schweben; alleine der Schatten, der von ihm aus auf die dunkelblauen und -grünen, kunstvoll ineinander verschlungenen Wolkenbänder fiel, machte einem die Distanz deutlich. Man konnte sogar eindeutig den dunklen, kleineren Kernschatten und den viel grösseren, dafür aber helleren Ringschatten um ersteren herum voneinander unterscheiden. Auf der Äquatorebene des Planeten, nach links versetzt, hing die geheimnisvolle Quecksilberkugel namens Syrtis mit ihrem grauen Ring am Himmel, mehrfach kleiner als Alnilam V, aber immer noch etwas grösser als Luna von der Erde aus wirkend. Der nächste Trabant, Manor, sah von der Oberflächenbeschaffenheit dem Erdenmond recht ähnlich, nur war er dunkler und erschien, besonders in seiner momentanen Position - er war noch nicht ganz hinter den bizarr aufragenden Gebirgszügen am nahen Horizont hervorgestiegen - viel grösser.
Kurz und bündig: eine phantastische Aussicht erwartete ihn.
Als Lennard einen Schritt auf seine ebenfalls ehrfürchtig schweigenden Kameraden zumachte, trat er unversehens aus dem künstlichen Schwerkraftfeld des Shuttles heraus. Als nächstes sah er eine große Staubwolke aufwirbeln, wo er der Länge nach hingefallen war.
Unter dem allgemeinen Gelächter hörte er Leardinis Stimme heraus: „Oh, Captain, sollte mir entfallen sein, Sie darüber zu informieren, dass die Schwerkraft auf Fafnir exakt 0,23 g beträgt?“
„Besser spät als nie, Commander“, entgegnete er und untersuchte den Boden, da er schon einmal unten war. „Es ist sehr staubig wie auf dem Mond, die Farbe ähnelt aber eher Marssand. Verflixt, ich sollte ‘mal wieder auf dem Holodeck einen Marsspaziergang unternehmen.“
< Ich hoffe, Ihnen ist kein Schaden widerfahren, > meldete sich die besorgte Stimme des Ewigen über Funk. Schlagartig fiel Lennard wieder ein, weshalb er eigentlich hier herumturnte. Langsam erhob er sich und machte dann einen vorsichtigen Sprung auf den Hang zu, wo die Kreatur sich befand.
Das Wesen schien fest mit der Felswand verwachsen zu sein, an welcher es hing. Der eigentliche Korpus hatte einen Durchmesser von vielleicht fünfzehn Metern und war nach vorne hin abgeflacht. Er verjüngte sich in sieben dicke Arme, die in alle Richtungen hin geradewegs vom Körper wegliefen und sich verjüngten, bis sie sich vielfach verästelten und in die Wand übergingen. Der Ewige erreichte auf diese Weise eine Breite von etwa fünfzig und eine Höhe von dreissig Metern; zudem schien er wirklich fest mit dem Gestein verwachsen zu sein. Er hatte ausserdem keinerlei erkennbare Sinnesorgane oder Körperöffnungen.
„Wir sind noch nie einer Lebensform begegnet, die der deinen auch nur entfernt ähnelt“, bemerkte Stern fasziniert.
< Das erstaunt mich nicht, denn meine Art ist sehr selten und meistens auch sehr schwierig aufzuspüren. > Als der Ewige dies sagte, klang es, als würde er diese Erklärungen nicht zum erstenmal abgeben.
Instinktiv sagte Lennard: „Wir sind deinem Funkruf gefolgt. Was wolltest du mit ihm bezwecken?“
< Ich wollte erfahren, ob jemand von denen, die ich einst kennenlernte, noch da ist und mir Neues berichten konnte. Ihr müßt wissen, dass meine Aufgabe im Grunde nur die ist, hier auf neue Besucher zu warten, diesen mein Wissen mitzuteilen und alles über deren Kultur zu erfahren, um dies dann späteren Völkern zu erzählen. >
„Du bist also schon sehr lange hier. Wie bist du denn hierhergekommen?“
< Das ist eines der wenigen Dinge ausser meinem Alter, die ich euch nicht sagen kann, da ich schon hier bin, seit ich mich erinnern kann. Ich wurde hier geboren, um es mit euren Worten auszudrücken. >
Wuran wollte neugierig wissen: „Aber wie kannst du hier im Vakuum leben? Wie funktioniert dein Körper nur?“
< Anfangs war ich winzig klein. Ich nehme Staub, Strahlung und verirrte Gaspartikel von der grossen Welt auf und arbeite sie in meine Körperstruktur ein. So wuchs ich mit den Zeiten heran und mit mir mein Gedächtnis und mein Zeitgefühl. >
Lennard fragte: „Was meinst du mit ‘den Zeiten’?“
Nach kaum merklichem Zögern fuhr der Ewige fort: < Es ist so, dass ich für eure Zeitbegriffe wirklich schon ewig existiere, ich habe bereits dreiundzwanzigmal Besuch von den verschiedensten Wesen gehabt. Ich kann euch alles Erlebte und alles, was es über diese Rassen zu berichten gibt, erzählen, denn mein Gedächtnis ist unbegrenzt gross ,so wie die Genauigkeit meines Zeitgefühls. Ihr könnt genau erfahren, wann mich welche Rassen kontaktierten und welche Geschichte diese Rassen haben. Ihr müßt mich nur mit euren Zeiteinheiten bekannt machen, dann kann ich euch alles exakt ausrechnen. >
Lennard musste schlucken: „Wenn das tatsächlich möglich wäre, würde das einen Meilenstein in der Entwicklung unserer Völker bedeuten. Ich...warte, lass’ mich überlegen. Du kannst doch Funksignale von unserem Raumschiff empfangen, nicht wahr?“
< Das ist richtig. >
„Lennard an Aldebaran: könnt ihr uns ein Zeitzeichen in Sekundenabständen ‘runtersenden?“
„Brücke an Captain: wird gemacht.“
Sobald der regelmässige Piepton eingesetzt hatte, begann Lennard zu erklären: „Diese Töne markieren die kleinsten unserer ganzzahligen Zeiteinheiten, die Sekunde. Sechzig Sekunden ergeben zusammen eine Minute, sechzig Minuten wiederum eine Stunde. Vierundzwanzig Stunden sind ein Tag. Dann gibt es die Woche zu sieben Tagen und als größte regelmäßige Einheit ein Jahr, das 365 und ein Viertel Tage zählt.“
< Und ihr seid gleich losgeflogen, als ihr meine Nachricht erhalten habt? >
„Ja, gleich am nächsten Tag, aber wir sind noch eine halbe Woche mit dem Hinflug nach Alnilam und der Suche nach dir beschäftigt gewesen“, antwortete Lennard verblüfft.
< Demnach war meine Botschaft zu euch einundzwanzig Jahre, elf Wochen, sechs Tage und etwa achtzehn Stunden lang unterwegs“, meinte der Ewige daraufhin.
„Das stimmt!“ entfuhr es Wuran. „Wir haben die Dauer des Spruches nicht einmal so genau berechnet, wie er es eben einfach so nach Gefühl und ohne technische Hilfsmittel gemacht hat. Es ist kaum zu glauben.“
„Wann waren deine letzten Besucher denn hier?“ wollte Leardini vorsichtig wissen.
< Vor 248’376 Jahren, siebenundvierzig Wochen und zwei Tagen. Soll ich euch alles über sie erzählen? Sie waren euch technisch weit voraus. >
„Ah...“ Lennard brauchte noch einen Moment Zeit, um zu verdauen, wozu dieses einzigartige Wesen fähig war. „Ich fürchte, diese ungeheure Menge an Informationen übersteigt die Kapazitäten unserer Gedächtnisse bei Weitem. Am Besten wäre es, wenn du mit unserem Schiff Kontakt aufnimmst und dein Wissen direkt in die Datenspeicher unserer Computer einfügst. Meinst du, du bist zu so etwas imstande?“
< Natürlich, das habe ich bereits dreimal mit geistig weniger hochentwickelten Arten wie euch gemacht. Das letzte Mal ist zwar schon über fünfzehn Millionen eurer Jahre her, aber selbstverständlich weiss ich noch genau, wie so etwas zu bewerkstelligen ist. >
„So? Aldebaran, habt ihr mitgehört?“
Fast sofort kam die Antwort: „Hier Chefingenieur Nidor. Mr. Baor und Ms. Warren bestätigen die Bereitschaft des Computersystems für eine derartige Datenaufnahme, Sir.“
„Schnell geschaltet, Mr. Nidor. Ich muss Sie loben, meine vulcanische Freundin“, meinte Lennard zufrieden.
„Danke, Sir, aber bitte verzichten Sie auf Vertraulichkeiten. Verbindung steht jetzt.“
< Kann ich jetzt beginnen? > wollte der Ewige eifrig wissen.
„Gewiss.“ Lennard dachte einen Moment lang nach und fragte dann: „Habe ich das richtig verstanden, dass drei der früheren Besucher in etwa unseren Entwicklungsstand besassen und die zwanzig anderen Arten uns voraus waren?“
< Um Jahrhunderte, Jahrtausende, manche vielleicht um Jahrzehntausende eurer Zeitrechnung. Ihr würdet vielleicht nie den Stand der meisten dieser altehrwürdigen Kulturen erreichen...hättet ihr mich nicht gefunden. >
Wuran drehte den behelmten Kopf ein wenig in Richtung des Captains und merkte versonnen an: „Könnte es sein, daß wir noch gar nicht reif sind für dieses ungeheure Wissen, das uns vermittelt werden soll?“
< Oh doch, wer zu mir findet und vom Drang nach Wissen getrieben wird, so wie euer Völkerbund, der verdient diese Gabe. Das ist einer der alten Grundsätze meiner Existenz. >
Lennards Blick schweifte in unbekannte Fernen: „Wir sollten nur ein einfaches Funksignal überprüfen... und nun, wenn wir von dieser Mission zurückkehren, wird nichts mehr so sein, wie es zuvor war. Man könnte das hier fast schon ein Geschenk des Himmels nennen.“
< Ich bin jetzt fertig mit der Übertragung meines Wissens auf euer künstliches Gedächtnis. Kann ich nun meinerseits alles über euch erfahren? >
Lennard überlegte kurz und willigte dann ein. „Das ist wohl unsere Pflicht in dieser Lage. Ich glaube jedenfalls, dass du Recht hast mit deiner Behauptung, du seist nur sehr schwer zu finden. Die Gefahr, dass der Inhalt unseres Bibliothekarcomputers durch dich in den Besitz unserer Feinde gelangt, ist unwahrscheinlich klein.“
< Was meinst du mit ‘Feinden’? Ich kenne die Bedeutung dieses Begriffes nicht. >
„Wie meinst du das, du kennst die Bedeutung nicht?“ Leardini stutzte.
< Ich weiss nicht, was damit gemeint ist. Könnt ihr euch nicht vorstellen, dass ich dieses Wort nicht kenne? >
Lennard klang befremdet: „Ehrlich gesagt, nur schwer. Aber wenn das wirklich stimmt, machst du dich am Besten mit dem Inhalt unseres Speichers vertraut. Dort erfährst du alles über dieses Thema. Und es wird nicht wenig Material sein, wie du zu meinem Bedauern feststellen wirst.“
< Also gut, ich habe gleich alle Daten aus eurem Computer und werde mich informieren. >
Während der Ewige ‘in Gedanken versunken’ war, wandte sich Stern zu Lennard um. Dieser konnte zwar nichts unter dem verspiegelten Visier erkennen, vermochte sich aber das Gesicht seines alten Freundes gut vorzustellen, als dieser sagte: „Soll das etwa heißen, dass wir die vierundzwanzigste Zivilisation sind, die im Laufe der... was weiss ich, Jahrmillionen vielleicht, auf ihn treffen und er hat dennoch nie etwas von Feindschaft, Gewalt, Waffen oder Kriegen gehört? Demnach befindet sich unser gesamter Raumquadrant im Angesicht der Evolution offenbar auf dem grössten Rückschritt seit Bestehen des Universums. Ist das nicht beruhigend, zu wissen, dass wir tatsächlich die primitivsten, brutalsten Barbaren im Angesicht der Schöpfung sind?“
„Gewiss, David, und dass manche Exemplare von uns außerdem den kaputtesten Humor seit Anbeginn der Zeiten aufweisen können.“
„Das ist nicht die Situation für solche Scherze, Kyle.“
< Fürwahr nicht. Ich bin tief erschüttert über all den Wahnsinn, den ich von euch erfahren habe. Bislang war es für mich unvorstellbar, daß eine Rasse angesichts der unendlichen Weiten des Alls, angefüllt mit unzähligen Wundern, einen Stand wie den euren erreicht, ohne dabei die primitiven Instinkte abzulegen, anderen Leid zuzufügen und sich gegenseitig zu bedrohen oder auszulöschen. Und nun muss ich erfahren, dass ausgerechnet in diesem Teil der Galaxie sich auf vielen Welten unabhängig voneinander die verschiedensten Arten entwickelt haben und zuerst sich selbst und dann ein Sternenreich das andere bekämpfte. Ungeheuerlich, dass ihr Geräte und körperliche Techniken ersonnen habt, die speziell dem Zweck dienen, andere zu verletzen oder sein Leben vorzeitig zu beenden. Was soll ich nur tun? >
Lennard räusperte sich. „Ich glaube, ich verstehe deine Sorgen. Du befürchtest, dass wir mit dem immensen Wissen von dir überlegene Technik entwickeln und anderen dadurch so weit voraus sein werden, dass wir sie unterwerfen, versklaven oder gar vernichten könnten. Aber das wird nie passieren, denn du hast zum Glück für Milliarden von friedliebenden Wesen die Richtigen erwischt. Die Föderation achtet jede Form von Leben als höchstes Gut auf der Welt und sieht den Einsatz von Waffen immer als letzte Möglichkeit zur Verteidigung der eigenen Sicherheit an, das kann ich dir versichern. Es gibt einige Rassen in unserem Teil der Galaxie, die von ihrer Natur her aggressiv und herrschsüchtig sind, doch die Menschheit und ihre Verbündeten haben diese Entwicklung gottlob bereits hinter sich gelassen. Aus diesem Grund kann ich dir versichern, dass die Daten, die du uns gegeben hast, nur zum besseren Verständnis unserer Welt und zum Wohle aller Lebewesen in ihr eingesetzt werden.“
< Was ich in den Daten über euren Sternenbund lese, bestätigt mir die Ehrlichkeit deiner Worte. Ich will nur hoffen, dass niemand je Missbrauch mit diesem Wissen betreibt, denn bei eurem Entwicklungsstand hätte keines der euch bekannten Völker auch nur die geringste Chance gegen einen Feind, der im Besitz dieser Technik wäre, wie sie von mir beschrieben wird. >
„Wir werden dafür sorgen, das garantiere ich dir.“
< Dann gibt es nichts mehr, was ich euch noch sagen kann. Ich hoffe, ihr besucht mich wieder und berichtet über den Fortschritt, den ihr erzielen konntet. >
„Das werden wir gerne tun, wenn...“
„Brücke an Captain.“
„Was gibt es?“ schnauzte Lennard in seinen Kommunikator, unerfreut über die Unterbrechung.
Kazuki hier. Leutnant Baor hat soeben ein Subraumsignal gesendet.“
„Wie bitte?“ Lennard furchte die Stirn, was natürlich niemand seiner Begleiter sehen konnte. „Wer hat ihm die Erlaubnis dafür gegeben?“
Man konnte Kazuki leise aufstöhnen hören. „Natürlich niemand. Er behauptet steif und fest, dass dies ein notwendiger Test war, um das ordnungsgemäße Funktionieren der Computermodifikatonen zu überprüfen. Mrs. Warren weiss jedoch nichts von einem solchen Test.“
Leardini fiel in die Diskussion ein: „An wen war die Mitteilung gerichtet und wie lautet der Inhalt?“
„Das lässt sich nicht feststellen, Commander. Baor sagt, daß es nur Computerkauderwelsch sei, den er sich irgendwo bestätigen lassen möchte, aber für mich sieht es eher codiert aus, auch wenn ich kein Fachmann bin. Captain, was soll ich jetzt mit dem Leutnant machen?“
Ohne lang zu überlegen, antwortete er: „Begleiten sie ihn in sein Quartier und lassen sie die Tür von aussen verschließen.“
<Gibt es ein Problem auf eurem Raumschiff? >
Erklärend wandte Lennard sich an den Ewigen: „Nichts, was dir Sorgen machen müsste. Es handelt sich um einen Angehörigen einer Rasse, die noch nicht sehr lange in unserem Sternenverbund Mitglied ist. Vor weniger als einem Jahrhundert noch waren die Menschen und die Klingonen verfeindet, und zudem hat ihre Art, wie soll ich sagen? ...aufgrund ihrer Körperchemie ein höheres Potential für natürliche Aggression. Die fragliche Person ist normalerweise auf Planeten oder Weltraumstationen beheimatet und nicht an das Leben auf Raumschiffen gewohnt. Dadurch kam es zu einigen ...Mißverständnissen zwischen ihm und uns. Ich bin jedoch sicher, dass wir das beheben können, wenn wir erst einmal zurück an Bord sind und uns mit ihm befassen werden.“
Stern beugte sich zu Lennard hinüber, worauf dieser ein Raunen in seiner Sprechfunkanlage hörte: „Das hast du sehr diplomatisch beschrieben, ich meine, das mit der Natur der Klingonen.“
<Ihr könnt ruhig zu eurem Schiff zurückkehren, wenn ihr wollt. Ich habe ja jetzt alle Informationen über euch.>
„Das stimmt. Macht es dir aber wirklich nichts aus, daß wir dich nach so kurzer Zeit schon wieder verlassen? „ wollte Leardini wissen. „Du warst doch so lange allein.“
<Einsamkeit ist ein Begriff, der eigentlich keine Bedeutung für mich hat. Ich kontaktiere andere Lebewesen aus Neugier und weil die Bewahrung und Verbreitung von Wissen meine Aufgabe ist. Ich nehme an, ich kann aber mit einem weiteren Besuch von euch rechnen? >
„Ich kann dir leider nicht versprechen, daß wir selbst es sein werden, die den nächsten Kontakt mit dir herstellen werden; das entscheidet jemand Anderes. Ich gebe dir aber mein Wort, dass du wieder Besuch von einem Föderationsschiff bekommen wirst.“ Lennard hob die Hand zum Abschied und machte sich dann mit seinen Freunden auf den Rückweg zur Aldebaran.
[und morgen geht's weiter ...]

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Montag, 30. Oktober 2006
9 * Die 6 Monde von Alnilam 5 auf dem Weg zum Ewigen
[... Fortsetzung von gestern]
„Captain, ich empfange einen Funkspruch! Das Signal ist nur schwach und in einer mir unbekannten Sprache verfaßt, aber der Computer verstärkt es und erstellt eine Übersetzungsmatrix.“ Wuran war ganz aufgeregt, als sie ihre Entdeckung ihren Kollegen mitteilte.
Lennard sprang fast aus dem Kommandantensessel bei dieser Ankündigung. „Computer, übermittle den Inhalt des Spruches akustisch auf der Brücke, sobald eine Übersetzung vorliegt. Mrs Vakuf, wie weit sind wir noch von Alnilam IV entfernt?“
„Noch zwei Minuten bis zum Übergang in den Standardorbit“, kam umgehend die Antwort.
Der Hauptcomputer meldete sich: „Bereit zum Übermitteln der Übersetzung.“
„Computer, starte die Übersetzung“, brachte der Captain ungeduldig hervor.
„Hallo,Reisende. Ich habe euren Ruf empfangen und freue mich auf ein Treffen mit euch. Ich habe nicht so schnell mit einer Reaktion auf meine Rufe gerechnet. Könnt ihr feststellen, wo ich bin? Ich sehe auf meine Mutterwelt hinab, die von drei kleinen Himmelskörpern umkreist wird. Bitte meldet euch, wenn ihr mich besuchen wollt.“
Einen Moment lang herrschte nachdenkliche Stille auf der Brücke, dann fasste Lennard sich als erster wieder und wollte wissen: „Computer, bestehen Zusammenhänge zwischen uns bekannten und von uns in diesem System verwendeten Sprachen und der Sprache, in der diese Nachricht gesendet wurde?“
„Die Nachricht wurde in den vier Sprachen gesendet, die aus der auf Antares empfangenen Botschaft synthetisiert und bei der Aussendung unserer Suchrufe im Alnilam-System verwendet wurden“, war die unverzügliche Antwort des Rechners.
Als nächstes forderte Lennard: „Computer, lokalisiere die Herkunft dieses Funkspruches.“
„Der Spruch stammt aus der Richtung, in der Alnilam V liegt.“
„Wir haben ihn!“ stiess er hervor und wies gleich darauf die Conn an: „Setzen Sie Kurs auf Alnilam V, Mrs. Vakuf. Warp 6. Die Planetologen müssen sich noch mit ihrer Sonde für den vierten Planeten gedulden, Mr. Darrn. Sagen Sie den Forschungsteams Bescheid.“
„Aye, Captain“, bestätigte der Ops in das lauter gewordene Stimmengemurmel der Brückenbesatzung hinein. Alle hatte die Aufregung und Neugier auf das, was sie nun erwarten würde, erfasst.
Wenige Minuten später schalteten sie den Warpantrieb wieder ab und näherten sich das letzte Stück bis Alnilam V mit Impulskraft. Dann schwenkten sie auf einen Standardorbit um den Planeten und führten neue Langstreckenscans durch. Während der Untersuchung sah Lennard auf die dunkelgrünen und -blauen Wolkenbänder hinab, die den gesamten Planeten einhüllten. Dann meinte er plötzlich intuitiv: „Wenn die Namen der Planeten schon so phantasielos durchnumeriert sind, könnten wir wenigstens den Monden hier richtige Namen geben. Irgendwelche Einwände?“
„Keineswegs, Captain, die Satelliten von Alnilam V sind nicht benannt worden. Es steht uns demnach frei, sie nach Belieben zu taufen. Namen kann jeder vorschlagen, jedoch müssen alle Vorschläge vom Captain und dem Ersten Offizier genehmigt werden, um als offizielle Namen anerkannt zu werden“, klärte Wuran sie auf.
„Dann können wir ja anfangen“, sagte Bordarzt Stern, der überraschend auf der Brücke aufgetaucht war.
Mit säuerlicher Miene entgegnete Lennard: „Lass aber deinen seltsamen Humor diesmal beiseite, David.“
Auf dem Hauptmonitor erschien der erste Trabant, ein dunkler, fast schwarzer Himmelskörper, der sich kaum vom Dunkel des Alls abhob. Die Größenangabe darunter gab den Durchmesser mit 3’991 km an.
Kazuki bemerkte: „Er ist schwarz wie Kohle... ich schlage vor, wir nennen ihn ‘Carbona’.“
„Eine treffende Bezeichnung. Was meinen Sie, Stefania?“
„In Ordnung.“
Nun erschien, ein Buchstabe nach dem anderen, der neue Name unter dem Mond. Wuran speicherte das Bild im Sternenflottenarchiv der Aldebaran ab und ging zum nächsten zu benennenden Himmelskörper über. Ein Raunen ging durch den Raum bei dem Anblick, der sich ihnen bot.
Im Raum schien eine Kugel aus flüssigem Quecksilber zu schweben, umgeben von einem grauen, dicken Ring, wohl aus interstellarem Staub. Woraus der Mond selbst bestand, konnte niemand auch nur erahnen, nicht einmal, ob das, was sie von ihm sahen, fester Untergrund, flüssig oder eine Wolkenschicht war. Er maß 10’502 km.
„Syrtis“, murmelte Darrn.
Erstaunt fragte Leardini: „Wie bitte? Wie kommen Sie denn auf diesen Namen?“
„Ich...weiss es nicht. Er ist mir einfach über die Lippen gekommen“, gestand der Klingone ahnungslos ein.
Lennard meinte: „Na, wenn das nicht Schicksal ist! Und ein hübscher Name obendrein.“
Als auch Leardini zugestimmt hatte, zeigte Wuran ihnen den nächsten Trabant, der auf den ersten Blick nicht viel anders als der Erdenmond aussah, jedoch mit 7’727 km Durchmesser wesentlich grösser war.
„Darf ich als Namen ‘Manor’ vorschlagen, Captain? Es gibt auf Vulcan einen Berg dieses Namens, dessen Gestein exakt die gleiche Farbe wie dieser Mond aufweist“, führte Vakuf aus. Auch diesem Vorschlag hatten die beiden Kommandanten nichts entgegenzusetzen.
Dann kam der nächste Satellit an die Reihe, dessen Felswüsten einen roten Farbton, ähnlich dem Mars, aufwiesen. Wuran sagte: „Bei diesem hier plädiere ich auf ‘Fafnir’.“
Lennard hob eine Augenbraue. „Der böse, weltenverschlingende Drache aus der nordischen Sage? Ich wußte gar nicht, dass Sie sich mit terranischen Mythologien befassen, Cluy.“
„Ich kenne mich mit einigen der berühmtesten Sagen aller Rassen aus, Captain“, erwiderte Wuran, „dieser Name ist mir nur deshalb eingefallen, weil dieser Mond wie ein Feuerball aus dem Maul dieses Drachens aussieht. Zumindest stelle ich mir das so vor.“
„Mir soll’s recht sein“, bestätigte Leardini die Wahl.
Da schaltete sich Stern ein, kaum daß der neue Name unter dem Abbild Fafnirs und der Durchmesserangabe von 3’184 km erschienen und das Bild zu den äussersten beiden Sputniks, welche Alnilam V auf der gleichen Bahn, jedoch in einem Winkel von genau sechzig Grad zueinander umkreisten, gewechselt war. Die Durchmesser der sogenannten Lagrange-Monde betrugen 1’398 und 2’100 km.
„Hören Sie, ich möchte den kleineren der beiden Monde gerne ‘Tenika’ und den grösseren ‘Legas’ taufen. Sind Sie damit einverstanden?“
„Wieso gleich beide auf einmal?“ wollte Leardini ungnädig wissen.
„Weil es doch Lagrange-Monde sind“, erklärte Stern sich bittend, „da müssen auch die Namen zusammen gegeben werden.“
„Na gut, offenbar haben Sie damit gerade eine neue Benennungsregel für Lagrange-Monde erfunden. Ich werde Sie daran erinnern, wenn wir einmal sechs solcher Monde finden. Dann werden wir ja sehen, ob Sie auch sechs Namen auf einmal für sie finden. Kyle?“ Sie sah ihren Vorgesetzten fragend an.
„Meinetwegen, obwohl ich noch nicht weiss, was er sich diesmal für eine Gemeinheit ausgedacht hat.“ Widerwillig stimmte er zu.
Unter dem größeren Trabant erschien nun ‘Legas’ und unter dem kleineren ‘Tenika’. In dieser Reihenfolge fiel es Lennard nun wie Schuppen von den Augen, als er beide Namen hintereinander las und aussprach. „Legas...Tenika? Legastheniker! David, ich habe dir ausdrücklich gesagt...“
Grinsend unterbrach Stern ihn: „Zu spät, mein Lieber, ihr habt die Wahl bereits anerkannt. Du hättest mich besser kennen müssen, als anzunehmen, ich könnte mich beherrschen.“
„Das ist krank, Doktor!“ brauste Leardini auf. „Wie können Sie das diesen beiden Monden nur antun? Ich würde nicht einmal ein paar mickrige Kieselsteine so nennen.“
Frustriert fügte Lennard hinzu: „Wenn du unbedingt als der Spinner in die Geschichte eingehen willst, der diese beiden Trabanten ‘Legastheniker’ genannt hat, von mir aus.“
Da unterbrach Vakuf ihre Diskussion: „Captain, wir gehen jetzt auf Impulskraft zurück und treten in die Endannäherungsphase ein.“
Dankbar dafür, den leidigen Namensstreit mit Stern beiseite lassen zu können, lenkte Lennard seine Aufmerksamkeit auf das Hauptgeschehen zurück. „Blick nach vorne.“
Die blaugrüne, dunkle Wolkenkugel sah aus dieser Entfernung wunderschön aus, dachte er beim Anblick von Alnilam V. Man konnte auch schon einige der Monde erkennen, allerdings nur als kleine undeutliche Punkte.
„Senden Sie unsere Grussbotschaft aus.“ Gespannt sah Lennard auf den Monitor, auf dem sich der Planet weiter näherte. Als er ein metallisches Geräusch hörte, blickte er hinter sich und entdeckte Baor an den Computerpaneelen im Hintergrund. Er hatte eine Abdeckung über dem Boden entfernt und steckte gerade bis zur Hälfte in der Nische unter den Konsolen, offensichtlich voll von seiner Arbeit in Anspruch genommen. Vielleicht hatten sie sich doch in dem klingonischen Computertechniker getäuscht und seine Eskapade war nur ein einmaliger Ausrutscher gewesen.
Sie waren jetzt nur noch wenige Lichtminuten vom Planeten entfernt und sendeten ihre Grüsse in vier der antiken Sprachen und zusätzlich in ihrer eigenen, um dem Absender eine Vorstellung von ihrem humanen Sprachmuster zu geben.
„Ich empfange ein Funksignal akustischer Natur, Captain“, rief Wuran plötzlich aufgeregt.
„Können Sie es auf die Lautsprecher legen, Cluy?“ Lennard fühlte, wie sein Puls sich beschleunigte.
Der Raum wurde von einem Rauschen und Knistern erfüllt. Dann hörte man im Hintergrund eine körperlose, schwache Stimme. Es war unmöglich zu sagen, ob sie einem Humanoiden gehörte, welchen Geschlechts oder Alters der Sprecher war. Sie sagte langsam und bedächtig: „Hallo, könnt ihr mich verstehen? Ich hoffe, ihr findet zu mir. Ich kann von hier aus drei Monde zwischen der großen Welt und mir sehen. Die Sonne ist nie zu sehen, aber die große Welt und seine Begleiter reflektieren genug Strahlen, damit ich hinaussehen kann. Besucht mich doch, wenn ihr wollt.“
„Wer oder was das auch sein mag, es hört sich freundlich an“, bemerkte Kall. Sie wirkte angespannt, jedoch hätte Lennard nicht mit Sicherheit sagen können, ob das an ihrem Kontakt lag oder eine andere Ursache hatte.
„Haben Sie das gehört, Vakuf? Er hat drei Monde zwischen sich und dem Planeten am Himmel stehen; das heisst, er ist auf Fafnir, und zwar auf der Nachtseite“, folgerte Lennard aufgeregt.
Wuran bestätigte: „Die Richtungspeilung weist auch auf den vierten Mond, Fafnir also, hin. Nach den neuesten Erkenntnissen der Planetologen hebt sich seine retograde Rotation praktisch vollständig mit seinem Umlauf um Alnilam auf. Demnach ist eine Hälfte der Oberfläche ständig der Sonne zu- und die andere abgewandt.“
„Haben Sie schon Temperaturmessungen von Fafnirs Oberfläche vorliegen?“ wollte Leardini wissen.
„Auf der Sonnenseite 510 °C und auf der Schattenseite 85 °C.“
„Über vierhundert Grad Unterschied? Dann gibt es wohl keine Atmosphäre dort“, vermutete Lennard.
Wuran seufzte: „Da haben Sie leider recht, Captain. Fafnir ist ein atmosphäreloser Felsmond.“
„Aber wieso ist es auf der Schattenseite so warm? Unter diesen Umständen müsste die Temperatur doch weit unter dem Gefrierpunkt liegen.“
„Dafür gibt es zwei Ursachen, Captain. Einmal ist die von Alnilam V reflektierte Sonnenstrahlung dafür verantwortlich und zum anderen weist der Planet eine eigene Wärmeabstrahlung von innen heraus auf, so wie viele Gasriesen es tun. Momentan befindet sich Fafnir genau zwischen Alnilam V und dem Muttergestirn, weshalb er voll im Wirkungsbereich der Abstrahlung liegt. Wenn der Mond sich am gegenüberliegenden Ende seiner Umlaufbahn befindet, hat er Alnilam V zwischen sich und der Sonne; dann wird es vermutlich relativ kalt wer-den.“ Wuran verstummte und arbeitete weiter an ihren Anzeigen.
„Haben Sie Kurs auf Fafnir gesetzt, Mrs. Vakuf?“ fragte Lennard.
„Jawohl, Captain. Allerdings können wir wegen der besonderen Schwerkraftverhältnisse in keine stabile Umlaufbahn um den Mond eintreten, daher steuere ich eine Position an, auf der wir uns in einer Parallelumlaufbahn zu Fafnir um den Planeten bewegen werden. Dadurch wird die mittlere Entfernung zu Fafnir etwa sechzigtausend km betragen.“
„So? Nun gut, mit einem Shuttle ist diese Distanz in einer passablen Zeitspanne zurückzulegen. Jetzt müssen wir nur noch den Absender lokalisieren.“ Lennard stand auf und ging mit hinter dem Rücken verschränkten Händen auf und ab. „Dann wäre da noch die Frage der Aufstellung eines Aussenteams für die erste Kontaktaufnahme.“
Langsam glitten die Lamellen des Haupthangartores auf und entließen das im Vergleich zur Aldebaran winzig erscheinende Shuttle in die Schwärze des Alls. Während die Impulstrieb-werke die Fähre beschleunigten und auf den roten Wüstenmond ausrichteten, genossen die fünf Insassen die Aussicht auf Alnilam V und seine Trabanten.
„Mir ist noch immer nicht ganz wohl bei dem Gedanken, dass wir Sie schon beim ersten Kontakt mitnehmen, Captain. Eigentlich sollten wir mehr Vorsicht walten lassen, da wir doch nicht genau wissen, wer oder was uns erwartet,“ gab Leardini zu bedenken.
„Das stimmt schon“, erwiderte Wuran, „aber nach dem, was ich bei der Kommunikation mit diesem Wesen erfahren habe, brauchen wir uns keine grossen Sorgen zu machen. Es erweckt einen völlig friedfertigen Eindruck und scheint lediglich ausgsprochen neugierig auf uns zu sein. Und den anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten und der Tatsache nach, dass es auf der Oberfläche eines atmosphärelosen Himmelskörpers lebt, muß es eine uns gänzlich unbekannte Lebensform sein.“
„Allein schon vom wissenschaftlichen Standpunkt aus wird das sehr interessant werden“, stimmte Stern ihr zu.
Lennard fragte: „Wie lange noch bis zu den Zielkoordinaten, Counselor?“
„Etwa fünf Minuten, Sir“, antwortete Kall von den Steuerkontrollen aus. Sie wirkte unschlüssig, wandte sich dann jedoch zu Lennard um und sagte leise: „Ich wollte Ihnen noch etwas mitteilen, Captain.“
„Um was geht es?“
„Es ist wegen dem Klingonen Baor“, fuhr sie zögernd fort und sah sich unsicher nach den anderen Crewmitgliedern im hinteren Teil der Passagierkabine um. „Normalerweise fällt es mir nie schwer, die Gedanken von jemand anderem zu lesen, aber er... es ist fast so, als blockiere er sie vor mir. Als wäre er speziell darin geschult worden. Und immer wenn ich ihm begegne, sieht er mich so grimmig an, als passe ihm die Gegenwart einer Betazoiden nicht.“
Lennard meinte leichthin: „Er ist schliesslich Klingone, Counselor; es ist sein gutes Recht, böse aus der Wäsche zu schauen. Und glauben Sie mir, wenn die Sternenflotte einen Kurs anbieten würde, in dem man die Abschirmung seiner Gedanken vor Telepathen erlernen könnte, dann hätten unsere Kommandooffiziere diesen Kurs schon längst besucht, und zwar geschlossen.“
Kall sah ihn schuldbewusst an und seufzte. „Ja, ich verstehe, was Sie meinen, Sir. Ich hielt es nur für meine Pflicht, Sie auf diesen Umstand aufmerksam zu machen.“
„Dafür danke ich Ihnen.“ Lennard wandte sich dem hinteren Teil der Fähre zu und nahm seinen Sitzplatz ein, als der Flug in die letzte Annäherungsphase überging. Als Leardini an ihm vorbei nach vorne auf den zweiten Pilotensitz wechselte, hielt er sie kurz an und raunte: „Unsere Counselor ist etwas nervös, Stefania. Sehen Sie ihr lieber genau auf die Finger.“
„Darüber würde ich mich nicht sorgen; sie ist schliesslich eine der besten Shuttlepilotinnen auf dem Schiff.“
„Wirklich? Warum weiss ich nichts davon?“ wollte er sichtlich verblüfft wissen.
„Sie hängt es nicht an die grosse Glocke, weil es eine Art Hobby für sie ist. Stellen Sie sich vor, sie hat mich einmal mitgenommen, als sie auf dem Holodeck ein Föderationsshuttle in eine Filmszene von ‘Krieg der Sterne’ hineinprojiziert hat. Wir wirkten zwar mit unserem Mark VII in der Raumschlacht um Endor reichlich deplaziert, aber dafür ist sie geflogen wie der Teufel persönlich.“
„Interessant.“ Lennard schmunzelte.
„Wir nähern uns den ermittelten Koordinaten, Flughöhe unter zehn Kilometer gesunken“, meldete Kall von ihrem Platz aus, worauf sich alle setzten.
< Ich kann Euch sehen! > Die Stimme erklang völlig unvermittelt; sie kam zwar aus den Lautsprechern der Kommunikationsanlage, doch alle Anwesenden hatten das Gefühl, sie wür-de ihr Gehör auslassen und direkt in ihren Köpfen erschallen. < Euer Gefährt erscheint mir als Stern am Himmel, welcher grösser und grösser wird und dabei einen langen blassen Schweif hinter sich herzieht. >
„Was meint er mit dem Schweif wohl?“ fragte Stern mehr sich selbst als jemanden Bestimmten im Shuttle.
„Es könnte sein, dass er die Plasmaspur unseres Impulsantriebs wahrnehmen kann“, vermutete Wuran.
Stern wandte ein: „Kein der Wissenschaft bekanntes Wesen kann auf solchen Frequenzen sehen.“
„Kein der Wissenschaft bekanntes Wesen kann auf einem luftleeren Mond bei solchen Temperaturen leben und interstellare Funksprüche aussenden,“ versetzte Wuran mit der für viele Bajoraner so typischen Aggressivität, welche wohl ein kleiner Nebeneffekt der Überlebensinstinkte aus der cardassianischen Besatzungszeit darstellte.
Als Stern darauf betreten schwieg, grinste Lennard amüsiert, nur um gleich darauf wieder ernst zu werden und zu befehlen: „Computer, Grussfrequenzen öffnen.“ Nach kurzem Abwarten fuhr er fort: „Hier spricht Captain Kyle Lennard vom Föderationsschiff Aldebaran. Darf ich erfahren, mit wem wir die Ehre haben?“
Die fremdartige Stimme zögerte. < Mein Name ist nicht so leicht für eure Sprache und euer Denkmuster auszudrücken. Am treffendsten wäre Der Ewige. >
„Der Ewige? Ist das nicht ein wenig vermessen?“
< Wenn ihr erst einmal bei mir seid und ich euch die Grundlage meiner Existenz erklärt habe, werdet ihr das bestimmt verstehen. Für euch mag das sicher sehr ungewöhnlich sein, aber ihr könnt mir glauben, was ich bereits erlebt habe, ist mit eurem Verstand kaum noch zu begreifen. >
„Gut, warten wir ab, was du uns zu erzählen hast. Ich bin sicher, daß wir viel voneinander lernen können.“
< Du bist zweifellos ein intelligentes Lebewesen, Captain Kyle Lennard. Denn sonst hättest du bestimmt nicht so rasch den alleinigen Zweck unseres Treffens erkannt. >
Überrascht sah Lennard seine Gefährten an, bevor er kurz überlegte und seine Antwort sorgfältig formulierte. „Es ist unser grösstes Ziel und unsere Hauptaufgabe, ständig zu lernen und Neues zu entdecken. In dieser Beziehung verstehen wir uns offenbar recht gut.“
Inzwischen glitt das Shuttle sanft in eine trogförmige Senke, die von etwa einhundert Meter hohen Felswänden umgeben war. Da auf diesem Himmelskörper weder Wind noch Wasser vorkamen, waren die Gesteinsformationen keinerlei Erosion unterworfen und in ihrer ursprünglichen, bizarren Urform erhalten. An einem dieser Hänge konnte man etwas Dunkles, Undefinierbares ausmachen.
„Das muss es sein,“ meinte Kall und setzte sanft mehrere Dutzend Meter vor besagtem Objekt auf.
„Wir kommen gleich aus unserem Raumfahrzeug hinaus; doch zuerst müssen wir noch Schutzanzüge anlegen, weil die Bedingungen auf der Oberfläche für uns nicht geeignet sind“, informierte Lennard den Ewigen.
Nachdem sie alle mittelschwere Raumanzüge des Typs SAAA mit verstärktem Strahlenschutz angelegt hatten, erkundigte Lennard sich bei Kall, bevor sie ihre Helmvisiere schlossen: „Spüren Sie eigentlich die Präsenz des Ewigen, Counselor?“
Sie nickte zögerlich. „Ja, sehr stark sogar. Ich muss meinen Geist völlig vor ihm abschirmen, denn ich kann spüren, wie gewaltig sein Potential in dieser Hinsicht ist. Ich muss befürchten, dass ein Gedankenkontakt mit ihm mein Gehirn total überlasten würde.“
„So?“ Er sah sich kurz in der Runde um und sagte dann: „Das macht mir die Entscheidung leicht. Irgendjemand sollte natürlich im Shuttle bleiben und die Stellung halten. In diesem Fall ist es meiner Ansicht nach das Beste für Sie, wenn Sie einen direkten Kontakt vermeiden.“
„Oh!“ Enttäuscht begann Kall sich wieder aus ihrem Anzug zu schälen, während die anderen die Lebenserhaltungssysteme ihrer Anzüge hochfuhren und gegenseitig kontrollierten.
„Dann kann’s ja losgehen.“ Bedächtig stieg Leardini als Erste in die enge Luftschleuse und winkte Lennard nochmals aufmunternd zu, bevor sich die Innenluke schloß.
Einer nach dem anderen verließen sie das Shuttle und traten hinaus auf die dunkle Mondoberfläche. Lennard betrat die Schleuse als Letzter und wartete gespannt darauf, dass die Luft in der kleinen Schleusenkammer abgesaugt wurde. Dann öffnete sich die Aussentür und gab den Blick frei auf eine andere Welt.
[jetzt wird's spannend: was der Ewige ist kommt morgen in Kapitel 3 ...]

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Sonntag, 29. Oktober 2006
8 * Counselor Kall, Taktischer Offizier Kazuki, der Replikator & der Transporter
[... Fortsetzung von gestern]
Um zwei Uhr morgens Bordzeit betrat Lennard die Brücke, um Counselor Kall als kommandierenden Offizier abzulösen. Mit resigniertem Tonfall fragte er die müde aussehende Betazoidin: „Etwas Neues?“
„Abgesehen von achzig Milliarden Quadratkilometern luftleerer Felswüste, nein“, erwiderte Kall lustlos.
„Sie meinen also, dass dort unten nichts ist?“
Missmutig gab sie zur Antwort: „Jedenfalls nichts uns Unbekanntes. Ich hätte sicher die Präsenz einer intelligenten Rasse wahrgenommen, Captain. Wenn ich ehrlich bin, zweifle ich fast schon daran, dass wir in diesem System überhaupt etwas finden werden.“
„Aber die Funkbotschaft wurde eindeutig aus dieser Richtung abgestrahlt“, gab Lennard zu bedenken.
„Und wenn sie nicht aus diesem System, sondern aus einem weiter entfernten stammt, das von Antares aus gesehen in derselben Richtung liegt?“ warf sie ein.
Er entgegnete: „Diese Möglichkeit ist natürlich in Betracht gezogen worden. In dieser Richtung ist im gesamten uns bekannten Raum nur leeres All.“
„Wenn die Botschaft aber tatsächlich aus einem extrem weit entfernten System kommt, welches wir gar nicht kennen, würde das das unglaubliche Alter der in ihr verwendeten Sprachen erklären.“ Kall ließ nicht locker.
„Sie vergessen das Magnetfeld von Alnilam, Sam“, erinnerte er sie, „durch das kommt nichts an elektromagnetischer Strahlung hindurch. Es ist so gut wie absolut sicher, daß der Funkspruch von hier gekommen ist.“
„Also gut,“, lenkte sie ein, setzte aber gleich darauf nach, „wieso geht das dann aber so lange? Wir sind jetzt fast schon zwei Tage im Alnilam-System und haben vier der sechs Planeten fast vollständig abgesucht. Einer unserer Funksprüche müsste doch inzwischen aufgefangen wor-den sein, wenn der Absender existieren würde.“
Er schüttelte den Kopf. „Bei der hier herrschenden Hintergrundstrahlung ist das sehr fraglich. Und selbst falls das der Fall wäre, könnte seine Sendeleistung zu schwach sein, um eine Antwort bis zu uns zu senden. Ich glaube, ich sollte Ihnen einmal demonstrieren, was in diesem Sternensystem vor sich geht. Haben Sie noch ein wenig Zeit, bevor Sie Ihre Ruheperiode beginnen?“
Zögernd nickte sie. „Sicher, aber was...?“
„Oh, lassen Sie sich einfach überraschen.“ Lennard sah auf und wählte den Taktischen Offizier Kazuki für die Kommandoübernahme aus. Dann fuhren sie zu einem öffentlichen Replikator auf Deck 4.
„Was mögen Sie besonders gerne?“ wollte er wissen.
Verständnislos beugte sich Kall zum akustischen Eingabeteil des Replikators und sagte: „Computer, andorianische Entenkeule, gegrillt, mit Haut.“
Nach minimaler Wartezeit hatte die Datenbank das gewünschte Gericht gefunden und replizierte es aus den benötigten Rohstoffen in der gewünschten Form. Nach einem kurzen Transporterflimmern erschien die dampfende, scharf gewürzt riechende Geflügelkeule mitsamt Teller im Ausgabefach.
„So, nun gehen wir zum Frachtbereich hinüber, wo wir einen Frachttransporter benutzen werden“, wies Lennard sie an.
Neugierig balancierte die Counselor ihre Mahlzeit hinter ihrem Vorgesetzten her. Wie einfach wäre es gewesen, in seinen Gedanken die Lösung für sein geheimnisvolles Verhalten zu finden! In diesem Fall ließ sie eine Sondierung jedoch lieber bleiben, um sich selbst die Überraschung nicht zu verderben. Wieviele Überraschungen hielt das Leben schon noch für Telepathen bereit? Nein, sie wollte sehen, ob sie auch ohne ihre besondere Begabung herausfinden konnte, was ihr Leibgericht mit der hiesigen Stellardynamik zu tun haben konnte.
Sie betraten den Frachttransporterraum, der von einem jungen Techniker besetzt war. Lennard sagte: „Guten Abend, Fähnrich. Ich möchte der Counselor gerne die heimische Küche vorführen.“
Selbstverständlich, Captain.“ Der junge Mestize lächelte wissend.
Lennard nahm Kall den Teller ab und stellte ihn auf die Transporterplattform. „Ich würde sagen, zehn Meter außerhalb des Schiffes, mit maximaler Stärke des ringförmigen Eindämmungsfeldes.“
Nachdem der Fähnrich die entsprechenden Einstellungen an der Kontrollkonsole vorgenommen hatte, meldete er: „Bereit zum Transport und sofortigem Rücktransport.“
„Ich verstehe immer noch nicht“, gestand Kall ihre Ahnungslosigkeit ein.
Lennard meinte: „Dann lassen Sie sich am besten überraschen. Sie können den Befehl selbst geben, wenn Sie wollen.“
Kall zuckte mit den Schultern. „Wenn Sie meinen. Fähnrich, Energie.“
Der Transporter trat in Aktion und beamte den Teller von Bord, nur um das Objekt gleich darauf wieder zurückzuholen. Sobald es sich rematerialisiert hatte, sagte Lennard: „Jetzt sehen Sie sich Ihr Leibgericht an, Counselor, dann werden Sie verstehen, was ich meine.“
„Das ist...ekelhaft!“ stiess Kall angewidert hervor. Die Hähnchenkeule hatte sich in einen übelriechenden, breiigen Schleim verwandelt, der auf gewisse Weise sogar mit dem völlig deformierten, wie geschmolzen aussehenden Teller verbunden schien.
„Sehen Sie, was geschehen ist? Der ringförmige Eindämmungsstrahl, der um das transportierte Objekt zu dessen Schutz herum aufgebaut wird, hat völlig versagt, so daß das zu beamende Objekt irreparable Schäden in der Strukturanordnung erleidet. Und das nur bei zehn Metern im freien Raum, innerhalb unserer Schilde! Stellen Sie sich vor, was passieren würde, wenn sie einen Menschen aus der Umlaufbahn auf einen Planeten herunterbeamen würden.“ Lennard sah sie ernst an.
Mit erschrecktem Gesichtsausdruck flüsterte sie: „Mein Gott... das möchte ich mir lieber nicht vorstellen. Wir müssen ein Benutzungsverbot für die Transporter aushängen, solange wir im Alnilam-System sind!“
„Das ist selbstverständlich bereits geschehen“, beruhigte er sie. „Chefingenieur Nidor hatte gleich den Verdacht, daß die Strahlungsmengen in diesem System unsere Transporter unbrauchbar machen könnten und hat einige Versuche durchgeführt... glücklicherweise nur an unbelebten Objekten.“
„So langsam verstehe ich, was Sie mir aufzeigen wollen“, meinte Kall trübsinnig, „Wenn wir mit unserer Suche Erfolg haben wollen, müssen wir ganz nahe drangehen, ansonsten werden wir nie irgendein Signal auffangen.“
„Damit verstehen Sie die Lage nun. Dann wünsche ich Ihnen eine gute Nacht, Sam; ich bin auf der Brücke, wenn etwas anliegt.“ Lennard verliess den Transporterraum.
„Wir können demnach sicher sein, dass hier nichts ist?“
„Vollkommen sicher; Captain. Diese monströse Felskugel unter uns ist steriler als der OP in der Krankenstation“, antwortete der Leiter des planetologischen Forschungsteams bei der Nachbesprechung der Erforschung von Alnilam III.
„Lassen Sie das bloss nicht Bordarzt Stern hören“, ermahnte Lennard sein Gegenüber und entließ die Wissenschaftler dann unter allgemeinem Gelächter.
Darrn wollte wissen: „Diese ganzen eineinhalb Tage Umkreisungen haben nichts erbracht?“
„Für uns nicht. Den Wissenschaftlern hingegen schon; die werden nach ihrer Rückkehr Monate an den gewonnenen Daten zu arbeiten haben“, verbesserte Leardini missmutig.
„Ich könnte jetzt sagen: ich hab’s ja gleich gesagt, aber ich will mal nicht so sein. Wenigstens kommen die Wissenschaftler so auf ihre Kosten und wir können uns den Verdienst eines weiteren kartographierten Sternensystems auf unsere Fahnen schreiben“, ermunterte Lennard seine Offiziere.
„Und bald können wir uns mit der Tatsache rühmen, daß niemand mehr Vermessungsmissionen unternommen hat als wir“, bemängelte Kazuki, der Sicherheitschef der Aldebaran.
„Sie können doch unmöglich Lust auf Krisensituationen und Gefechte mit anderen Schiffen haben, Onue. Sie haben Ihre Frau und zwei Kinder hier an Bord“, warf Stern ein.
Der Japaner seufzte. „Sie haben ja recht. Also werden wir wie bisher weitermachen und als nächstes den vierten Planeten des Systems vermesen, nicht wahr?“
„Genau“, ergriff Wuran das Wort, „doch da es sich bei diesem um einen Gasriesen handelt, fällt zumindest die Kartographie weg. Das Planetologenteam hat den Einsatz einer Forschungssonde des Typs I zur Untersuchung der Struktur des Ringsystems um den Planeten und ein anschliessendes Eintauchen in dessen Atmosphäre vorgeschlagen. Ich denke, dass sie keine Bedenken bei diesem Vorhaben zu haben brauchen.“
Leardini nickte und Lennard bestätigte: „In Ordnung, sie können ihre Sonde konfigurieren und vom vorderen Torpedolauncher aus abschiessen. Mr. Darrn, arrangieren Sie sich mit den Teams.“
Der klingonische Einsatzleiter nickte bestätigend.
„Das wäre im Moment alles. Sie können wegtreten.“
Lennard verliess mit der Crew zusammen das Besprechungszimmer und betrat die Brücke gerade, als die Aldebaran die Umlaufbahn von Alnilam III verließ und mit Impulsantrieb auf eine Bahn zum vierten Planeten einschwenkte.
[und morgen... der Funkspruch ....]

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Samstag, 28. Oktober 2006
7 * KAPITEL2 * Rosalie Warren
[... Fortsetzung von gestern]
- 2 -
Nach einem ereignislosen Flug - die Subraumkommunikation war bereits nach drei Tagen wegen der starken Interferenzen, die das EM-Feld von Alnilam erzeugte, ausgefallen - kamen sie in Sensorenreichweite des Systems. Die Aldebaran näherte sich Alnilam VI und untersuchte den Planeten dabei mit seinen Langstreckensensoren.
„Irgendwelche Funksprüche oder ähnliche Aktivitäten?“ wollte Lennard ungeduldig wissen
Wuran schüttelte den Kopf. „Nein, Captain, die einzige, die zu uns spricht, ist die Sonne. Alnilam produziert wirklich ein beeindruckendes Grundrauschen auf allen Funkfrequenzen, Sir. Diese Interferenzen lassen sich nicht besonders leicht eliminieren.“
„Versuchen Sie es trotzdem weiterhin. Wie steht es mit genaueren Daten zum Planeten selbst?“
„Der Langstreckenscan ist gleich abgeschlossen. Eine Minute Geduld bitte noch, dann werden wir detaillierte Informationen erhalten.“
Während sich das Raumschiff mit c 0,25, einem Viertel der Lichtgeschwindigkeit, näherte und auf einen Standardorbit zusteuerte, sandte es immer wieder Funksprüche in einigen der Sprachen und auf der Frequenz, auf der die Botschaft gesendet worden war, in Richtung von Alnilam VI aus.
Wuran meldete sich mit den gesammelten Daten: „Captain, soll ich Ihnen die Ergebnisse des Langstreckenscans auf den Schirm legen, bis wir im Standardorbit ankommen?“
„Ich bitte darum.“
Der Bildschirm wurde schwarz und zeigte in seiner Mitte eine kleine dunkle Kugel, an deren rechter Seite sich neun Punkte aneinanderreihten. Begleitend dazu erklärte Wuran: „Der Planet besitzt neun sehr kleine, unregelmäßig geformte Trabanten mit Achsenlängen von zwölf bis zweihundertunddrei km Durchmesser, wahrscheinlich Asteroiden oder Bruchstücke eines ehemals größeren Mondes. Die Beschaffenheit der Oberflächen erscheint bei allen neun gleich. Eine Atmosphäre besitzt keiner von ihnen, ebensowenig eine nennenswerte Schwerkraft. Auf ihnen werden wir meiner Meinung nach nichts finden.
Der Planet aber ist fast gleichgroß wie die Erde und scheint auch sehr ähnlich vom stofflichen Aufbau her. Schwerkraft 0,995 g, mittlerer Atmosphärendruck 315 mbar, mittlere Temperatur 218 ° C.“
„Sehr gut. Wann erreichen wir den Orbit, Mrs. Vakuf?“
Bei der momentanen Verzögerung in etwa zehn Minuten, Sir.“
Lennard dachte kurz nach und befahl dann dem jungen terranischen Fähnrich, der noch für kurze Zeit anstelle des Klingonen Dienst an der Einsatzleitenden Station machte: „Ops, teilen sie den Planetologen und den Kartographen mit, dass sie sich bereithalten sollen und teilen sie beiden Teams die Kontrolle über die für sie notwendigen Sensorenphalanxen zu. Wir werden achtzehn Schleifen über den äquatorialen und gemässigten Teil des Planeten machen und danach noch vier bipolare Umrundungen; damit dürften wir den größten Teil der Oberfläche erfassen. Ach ja, ein Teil der Planetologen soll die Monde scannen, während wir Alnilam VI ‘abgrasen’. Bei deren niedrigen Umlaufbahnen sollte diese Massnahme ausreichen. Falls nicht, sollen sie den befehlshabenden Offizier kontaktieren.“
Nach der Bestätigung von Ops fragte Lennard: „Und, haben wir schon irgendeinen Hinweis auf den Absender?“
„Negativ, Captain, keine Spur von ihm. Wenn er sich nicht hier befindet, müssen wir uns die inneren Planeten vornehmen. Wir sind immerhin mehr als drei Lichttage vom nächsten der inneren Planeten entfernt. Selbst wenn jemand dort unsere Sendungen empfangen würde...“
„Sie haben recht, Cluy, das würde zu lange dauern. Ich sehe schon, worauf das hier hinausläuft. Die Wissenschaftsteams wähnen sich im Himmel und sammeln Daten wie wild, während wir gebannt dem Radiosignal von Alnilam lauschen.“

Zweiundzwanzig Umkreisungen später stand nach dem Bericht der Planetologen definitiv fest, dass diese Welt unbewohnt und nach dem Wissensstand der Föderation auch unbewohnbar war.
Für die Trabanten von Alnilam VI galt dies ohnehin.
„Wie wollen wir also weiterfahren?“ wollte Lennard wissen.
Leardini, die auf die Brücke zurückgekehrt war, antwortete geradeheraus: „Von innen nach aussen, schön der Reihe nach. Dann kommen die Solardynamiker auch gleich zu ihren Messungen.“
„Bitte vergessen Sie nicht, dass der wissenschaftliche Aspekt nur das sekundäre Missionsziel darstellt“, wandte Lennard ein, „es geht vor allem darum, den Ursprung der Botschaft zu ermitteln. Und meiner Meinung nach wird die Chance, in diesem System Lebensformen zu finden, immer kleiner, je näher wir der Sonne kommen.“
„Dennoch finde ich, dass wir methodisch weitermachen sollten“, beharrte die Erste Offizierin auf ihrem Standpunkt.
Vakuf sagte: „Von unserer gegenwärtigen Position aus befinden sich alle fünf inneren Planeten in einem Sektor von nur zehn Grad und zwar auf der entgegengesetzten Seite der Sonne. Demnach wäre es logisch, von hier aus zunächst den innersten Planeten anzusteuern, auch wenn die Chance auf Leben dort theoretisch geringer erscheint. Es gilt zu bedenken, dass über die innersten Welten am wenigsten Daten vorliegen, da das Raumschiff der Excelsior-Klasse damals kaum Zeit hatte, welche zu sammeln. Da unsere Schutzschilde um ein vielfaches wir-kungsvoller sind, können wir uns hingegen bei einer Entfernung von fünf Milliarden km von der Sonne nahezu unbegrenzt lange aufhalten.“
„Hm...irgendwie leuchtet es mir immer noch nicht ein, aber wenn Sie beide dafür sind, will ich einlenken“, meinte Lennard zögernd. “Mrs. Vakuf, wie lange brauchen wir bei Warp 6 bis nach Alnilam I?“
Nicht ganz fünfzehn Minuten, Sir.“
Dann setzen Sie Kurs und bringen Sie uns in eine Parallelbahn. Stefania, Sie haben die Brücke. Ich will mir nun doch einmal unsere Computertechniker ansehen.“
Lennard betrat einen Turbolift und sagte: „Computer, lokalisiere Computertechnikerin Rosalie Warren.“
Sofort antwortete die weiche, Ruhe ausstrahlende Stimme: „Mrs. Warren befindet sich auf Deck 5, Sektion 05.“
„Dann bitte dorthin.“ In dem Moment, in dem sich die Lifttüren schlossen, hatte Lennard seine Überlegung abgeschlossen und war zu dem Ergebnis gekommen, daß die Computerspezialistin sich im Systemüberwachungsraum des rechten Computerkerns der Untertassensektion befand. Entsprechend kurz war auch die Fahrt im Turbolift, da dieser lediglich fünf Etagen senkrecht nach unten fahren mußte und den Captain bereits nach wenigen Sekunden am Ziel entlassen konnte.
Der eine der drei identisch gebauten Computerkerne der Aldebaran, vor dem er jetzt stand, hatte einen Durchmesser von etwa zwölf Metern und reichte von Deck 5, wo Lennard gerade war, bis zum Deck 14 hinab. Die Grundform war zylindrisch, doch von oben sah er aus wie ein Kreis, dessen Mitte man ausgestanzt und den Rest in vier gleichgroße 90-Grad-Sektoren geteilt hatte.
Nun durchschritt Lennard eine der mannsbreiten Unterteilungen, um in den ‘hohlen’ Mittelteil des Kernes zu gelangen, wo der Zugang zum Systemüberwachungsraum lag. Er fühlte dabei ein leichtes Kribbeln in sich, als er in den Gang trat, da er das schwache Subraumfeld durchschritt, welches den Computer dazu befähigte, Daten mit Überlichtgeschwindigkeit zu verarbeiten. Es war nicht gerichtet wie bei einem Warpfeld für Antriebszwecke, sondern konzentrisch, durchlief den Kern also ringförmig.
Mit einem leisen Surren öffnete sich die Tür im Inneren des Kernes, die in den Raum führte. Als er eintrat, bemerkte ihn die zierliche, dunkelhäutige und sehr jung aussehende Technikerin über die Schulter hinweg im Augenwinkel. „Kann ich Ihnen helfen...?“
Dann schien sie wohl die vier Pixel auf dem Kragen seiner Uniform zu erkennen und ihn als Captain dieses Raumschiffes zu identifizieren. Sie fuhr überrascht herum und stammelte verlegen: „Verzeihen Sie, Sir, ich hatte nicht damit gerechnet...“
Schmunzelnd meinte Lennard: „Schon in Ordnung. Ich wollte nur einen Guten Tag wünschen und mich nach dem Stand der Dinge erkundigen.“
„Natürlich. Gestatten Sie mir, mich vorzustellen: Rosalie Warren ist mein Name. Ich wurde von der Herstellungsfirma mit der Umkonfiguration der neuen Steuerungsmodule für die Computerkerne beauftragt.“
„Sehr schön. Sagen Sie, Ihr Akzent kommt mir so bekannt vor... stammen Sie vielleicht aus Südafrika?“
Warren nickte. „Aus Mosselbaai. Und Sie sind Neuseeländer, hab’ ich recht?“
Überrumpelt von der Zutraulichkeit der jungen Frau, entfuhr es ihm: „Stimmt genau. Wie haben Sie das erkannt?“
„Ebenfalls am Akzent. In meiner Ausbildung war ein Neuseeländer, dessen Aussprache mir wohl unvergessen bleiben wird, selbst wenn ich hundert Jahre alt werde.“ Sie lächelte offen.
Lennard beschloß, das Thema zu wechseln. „So? Na schön, jetzt würde ich aber dennoch gerne etwas über Ihre Fortschritte bei der Einrichtung der neuen Hardware erfahren. Sind Sie übrigens alleine bei der Arbeit oder hilft Ihnen Ihr Kollege von der Sternenflotte auch ein wenig?“
„Oh, das wäre stark untertrieben. Er hat die Ruheperiode ausgelassen und im Alleingang alle Umrüstungen an den Hauptkernen vorgenommem. Im Moment beendet er wohl gerade die Arbeit am dritten Kern in der Maschinenhülle; ich habe ihn noch gar nicht zu Gesicht bekommen. Er hat mir bisher nur über Interkom zu verstehen gegeben, dass ich mich ruhig auf die Abstimmung der neuen Steuermodule konzentrieren solle, denn das sei schliesslich meine eigentliche Aufgabe. Womit er nicht einmal Unrecht hat. Aber andererseits habe ich fast das Gefühl, dass er mich bewusst nicht an dem Austausch der Hardware beteiligen will. Hält er mich vielleicht für zu jung und unerfahren, um solch eine Arbeit auszuführen?“
„Da würde ich mir keine Sorgen machen“, beruhigte er sie, „dieser Klingone ist sicherlich ein besonders eigenwilliges Exemplar seiner Art. Haben Sie von seiner... wie soll ich sagen?...Anreise auf unser Schiff gehört?“
Albern kichernd erwiderte Warren: „Das liess sich gar nicht vermeiden, es war das Tagesgespräch Nummer Eins an Bord.“
„Es könnte durchaus sein, dass Mr. Baor nun das Gefühl hat, er hätte etwas gutzumachen. Im allgemeinen sind Klingonen sehr pflichtbewusste, gründliche und gewissenhafte Wesen in ihrem Job. Was sagen Sie, hat er bisher gute Arbeit geleistet?“
„Soweit ich das beurteilen kann, auf jeden Fall. Sie müssen wissen, dass bei dieser Wartung lediglich die Steuermodule für die optischen Überträger-Cluster gewisser Funktionen gegen neuere, optimierte Versionen ausgetauscht wurden. In jedem Systemüberwachungsraum gibt es 512 dieser Elemente, die hier in den Wänden eingelassen sind und die verschiedenen primären Aufgaben der isolinearen Speicherchips koordinieren, ihnen gewissermassen ihre Gebiete zuweisen. Ich als Zivilperson habe nicht einmal erfahren dürfen, für welche Bereiche die ausgewechselten Steuerelemente zuständig sind; lediglich die Neuausrichtung des Gesamtkonzeptes der Steuerelemente obliegt meiner Verantwortung. Dass mein Kollege daraus in der Tat ein Militärgeheimnis macht, finde ich eigentlich bedauerlich, denn so entzieht sich die Kontrolle des Ganzen meiner Kenntnis. Ich könnte Ihnen nicht sagen, was genau verbessert wurde, nur dass es verbessert wurde. Hier im ersten Kern bin ich soweit fertig; die Re-chenkapazität des Kernes liegt insgesamt sieben Prozent über der alten.“
„Das heisst also, daß sie am Kern selbst gar nichts verändern, sondern nur die Steuerung der Rechenkapazitäten?“
„Vereinfacht gesagt, ja“, bestätigte Warren.
Beeindruckt kommentierte Lennard: „Und diese Massnahme steigert die Leistung des Computers bereits in diesem Mass? Ich muss schon sagen, was auf dem Sektor der Computertechnik geleistet wird, verblüfft mich stets aufs Neue.“
„Das ist eigentlich nur eine kleinere Verbesserung“, wiegelte Warren ab, „in zwei bis drei Jahren soll die Anordnung des Subraumfeldes neu ausgelegt werden, und zwar so, daß die Rechengeschwindigkeit im Inneren des Kernes um fast die Hälfte steigen wird, bei kaum nen-nenswertem Anstieg des Energieverbrauches.“
„Oh je! Dann wird mir der Sprachgenerator wohl schon antworten, noch bevor ich eine Anweisung beendet habe.“
Lachend entgegnete Warren: „In diesem Fall werden wir unseren Schützling wieder bremsen müssen, dass er den unendlich langsamen Gehirnen seiner Benutzer genug Zeit zum Reagieren lässt.“
„Brücke an Captain“, erklang plötzlich Leardinis Stimme aus dem nächsten Lautsprecher.
„Sprechen Sie“, antwortete Lennard auf den Ruf, ohne seinen Kommunikator anzutippen, wie es viele Mitglieder der Sternenflotte auch heute noch taten, aus Gewohnheit, wie er annahm. Er betrachtete diese Geste mittlerweile als überflüssig, da das Kommunikationsnetz des Schiffes jede Verbindung in Echtzeit übertrug.
„Wir erreichen in wenigen Minuten Alnilam I,“ informierte die Erste Offizierin ihn knapp.
Er sagte ernst: „Ich bin gleich zurück. Captain Ende.“
Dann wandte er sich nochmals an die Südafrikanerin. „Ich möchte Sie nicht länger von Ihrer Arbeit abhalten. Vielleicht sehen wir uns ja später noch in der Messe.“
„Es würde mich freuen, Captain,“ sagte Warren lächelnd und meinte es offensichtlich auch so. Dann wandte sie sich wieder der Arbeitskonsole zu und fuhr mit der Rekonfigurierung der Systeme fort.
Bei der Fahrt zur Brücke zurück dachte Lennard noch, daß ihm selten so ein unbekümmerter und lebensfroher Mensch begegnet war wie die junge Technikerin. Man konnte deutlich merken, daß sie nie eine militärische Ausbildung durchlebt und irgendwelche grösseren Entbehrungen erfahren hatte. Für die heutige Zeit war das höchst bemerkenswert.
Gerade als er die Brücke betrat, hörte er Vakuf sagen: „Bestätige volle Schildenergie, Commander. Wir haben keine Probleme mit den Energiemengen in dieser Entfernung zur Sonne.“
„Gut“, antwortete Leardini und befahl dann: „Öffnen Sie bitte einen Kanal.“
„Bereit.“
„Hier spricht der kommandierende Offizier Stefania Leardini vom Föderationsschiff Aldebaran. Wenn Sie uns empfangen können, antworten Sie bitte. Wir haben Ihre Botschaft aufgefangen und möchten gerne Kontakt mit Ihnen aufnehmen.“
„Captain auf der Brücke!“ rief das erste Besatzungsmitglied, welches Lennard bemerkte.
Er nickte und ging auf den Kapitänssessel zu. „Ist das Ihr Ernst, Commander?“
Leardini räumte den Platz für ihn und entgegnete befremdet: „Was meinen Sie, Captain? Ich versuche gemäss den Statuten der Obersten Direktive Kontakt aufzunehmen.“
Lennard wandte sich an die Wissenschaftsoffizierin: „Können wir ein Außenbild von Alnilam I bekommen, Mrs. Wuran?“
„Jawohl, Captain.“ Sofort füllte sich der Hauptschirm mit der Schwärze des Alls. In der Mitte befand sich eine kleine dunkle Kugel, eingehüllt in einem Schweif aus erhitzten Gasen.
„Was ist das?“ entfuhr es Leardini. „Das sieht aus wie ein Komet!“
Wuran erläuterte die Erscheinung: „Bei diesem Phänomen handelt es sich um die Sonnenwinde, die beim Auftreffen auf den Planeten sichtbar werden. Man könnte es damit vergleichen, dass ein Stück Duranium, wenn man es in die unsichtbare Flamme eines Gamma-Schweissgerätes hält, ebensolche Lichterscheinungen produziert. Die Reibung der Gase an dem festen Körper führt dazu.“
„Wie hoch ist die Oberflächentemperatur?“ verlangte Lennard zu wissen.
Nach einer kurzen Abfrage der Sensorendaten antwortete Wuran: „Achthundertundsechzig Grad Celsius, Sir...genau wie in den Daten der ersten Erkundungsmission angegeben war.“
Lennard wandte sich an Leardini und raunte ihr zu: „Womit wollen Sie Kontakt aufnehmen, Stefania? Dort unten fühlen sich höchstens Keramid-Kacheln wohl.“
„Schon gut, Kyle, Sie haben ja Recht,“ murmelte Leardini betreten zurück, bevor sie lauter sagte: „Der Captain übernimmt das Kommando.“
Lennard setzte sich und meinte: „Auf dieser Welt wird wohl nicht viel von grossem Wert für uns sein. Weisen Sie die Forschungsteams bitte an, ihre Arbeit nicht allzu ausschweifend zu erledigen, Fähnrich Nelson.“
Die planetologische Untersuchung des zweiten Planeten hatte ebensowenig ergeben wie die des ersten, da die Bedingungen auf dessen Oberfläche nur weniger unwirtlich waren. Der einzige sichtbare Unterschied war die deutlich schwächere Penetration des Sonnenwindes; statt einem Schweif von fünfzig Planetendurchmessern Länge besass Alnilam II lediglich auf der Sonnenhälfte einen hauchdünnen Gasfilm, welcher sich gleichmäßig über die Halbkugel spannte und den Eindruck erweckte, er besäße eine glühende Atmosphäre.
Da Alnilam II jedoch mehr als fünfmal soviel im Durchmesser mass als der innerste Planet des Systemes, waren die Vermessungsteams auch entsprechend länger beschäftigt.
„Das ist noch gar nichts gegen das, was uns bei Alnilam III erwartet“, wies Lennard Leardini auf dem Weg zur Sporthalle hin, „stellen Sie sich das nur einmal vor, Stefania: ein Stern mit einer festen Oberfläche und einem Durchmesser von 523’000 km! Das ist kaum noch vor-stellbar!“
Leardini zupfte ihren Sportdress zurecht und erwiderte reserviert: „Der Dienst in der Sternenflotte und die jahrelange Erfahrung auf unseren Missionen sollten uns doch das Eine gelehrt haben, daß in den Weiten der Galaxie so gut wie nichts unmöglich ist.“
Er seufzte und pflichtete ihr bei: „Da haben sie vollkommen recht. Sagen Sie, sind Sie noch sauer auf mich?“
„Wie kommen Sie auf die Idee, daß ich sauer auf Sie sein könnte?“ wehrte sie brüskiert ab.
„Ach, kommen Sie, wir sind nicht sehr freundlich miteinander umgegangen seit unserem Abflug“, erklärte er mit entwaffnender Ehrlichkeit, „und ich finde, wir sollten aufhören damit. Ich fühle mich nicht wohl dabei, so mit Ihnen umzugehen.“
„Sie machen es einem Dickkopf wie mir aber auch nicht besonders leicht, Kyle, das wissen Sie ja wohl“, gestand sie darauf ein.
„Dann vergessen wir am Besten, was in letzter Zeit vorgefallen ist“, schlug er vor.
Sie grinste, als sie am Sportraum ankamen und das Programm für klassischen Squash aufriefen. „In Ordnung. Sehen Sie es dann bitte als Versehen an, wenn Sie da drinnen eventuell gleich meinen Schläger schmerzhaft zu spüren bekommen?“
„Ihren umwerfenden Humor haben Sie bereits wiedergefunden“, bemerkte Lennard und wandte sich dann an die Eingabekonsole neben dem Halleneingang. „Computer, aktiviere das Sicherheitsprogramm für die Squashhalle.“
„Bestätigt.“
„Ich freue mich, zu wissen, dass Sie mich ernstnehmen“, bemerkte Leardini ironisch, „auch wenn es nur meine Drohungen sind.“
Nun legte Lennard eine Hand auf ihren Rücken und schob sie mit sanfter Gewalt in den Spielraum. „Lassen Sie uns beginnen.“
[Lassen Sie uns morgen beginnen ... wenn die Fortsetzung folgt]

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Freitag, 27. Oktober 2006
5 -> Das Alnilam-System
[...Fortsetzung von gestern]

Als ihr Befehl ausgeführt wurde und die Aldebaran in ein Subraumfeld gehüllt wurde, um das normale Universum und die absolute Höchstgeschwindigkeit, die des Lichtes, hinter sich zu lassen, verschwommen die Sterne auf dem riesigen Hauptmonitor der Brücke, wurden zu kurzen Streifen und schossen an ihnen vorbei in allen Richtungen nach Achtern, aus ihrem Blickfeld heraus. Der Überlichtflug bot wie immer ein erhabenes Schauspiel.
„Mit Ihrer Erlaubnis, Captain, würde ich Ihnen jetzt gerne das Kommando übergeben“, liess Leardini mit unverkennbarer Entrüstung in ihrer Stimme verlautbaren.
„Aber selbstverständlich, Commander“, erwiderte Lennard betont freundlich. Beinahe jeder auf der Brücke verkniff sich ein Grinsen, während die Erste Offizierin hoch erhobenen Hauptes an ihrem Komandeur vorbeirauschte, ohne ihn auch nur eines weiteren Blickes zu würdigen.
„Wohin so eilig, numero uno?“
Die Counselor konnte ein Prusten nicht unterdrücken, als Leardini auf der Stelle erstarrte, wandelte dieses jedoch rasch in einen taktisch angebrachteren Hustenanfall um und beherrschte sich gleich darauf wieder.
„Wollen Sie bitte noch ein paar Minuten für uns erübrigen? Vielen Dank.“ Lennard wandte sich an den Conn, sobald sich Stefania wieder missmutigen Blickes auf ihren Platz begeben hatte.
„Geschätzte Ankunftszeit, Mrs. Vakuf?“
„Vier Tage, Sieben Stunden und elf Minuten bis zum Eintritt ins Alnilam-System, Sir.“
„Gut.“ Der Captain rieb sich nachdenklich das Kinn. „Cluy, können Sie bitte die Aufzeichnungen über das Alnilam-System abfragen und auf den Hauptschirm legen?“
„Einen Moment, bitte.“ Die bajoranische Wissenschaftsoffizierin begann an der zweiten ihr zugehörigen Station mit der Dateneingabe. Gleich darauf färbte sich der Hauptbildschirm dunkelblau, um das Weltall zu simulieren. Als nächstes erschien ein winziger, gleissendheller Punkt am linken Rand der Sichtfläche, überschrieben mit ‘Alnilam, Durchmesser ca. 43’000’000 km, durchschnittliche Oberflächentemperatur ca. 37’500 K, 29’605 Sonnenvolumen, ca. 2’220’000 Sonnenmassen’.

Während ehrfürchtiges Gemurmel über diese beeindruckenden Daten durch die Brücke klang, bildeten sich rechts der Sonne in unregelmäßigen Abständen fünf Punkte, gefolgt von einem sechsten in fast zehnfacher Entfernung der anderen. Sie wurden ebenso wie ihr Muttergestirn beschrieben:

∆= Klassifizierung
±= mittlere Sonnenentfernung [Mrd. km]
ø= Durchmesser [km]
°= mittlere Oberflächentemperatur [°C]
•= Monde [n]

Alnilam I, ∆= D, ±= 5,626 ø= 1’807 °= 860 •= 0
Alnilam II, ∆= D, ±= 7,971 ø= 10’502 °= 745 •= 0
Alnilam III, ∆= J, ±= 9,863 ø= 523’011 °= 690 •= 0
Alnilam IV, ∆= B, ±= 12,089 ø= 179’224 °= 560 •= 2
AlnilamV, ∆= A, ±= 15,188 ø= 243’384 °= 480 •= 6
Alnilam VI, ∆= J, ±= 96,198 ø= 12’753 °= 215 •= 9

„Der innerste Planet ist schon fast soweit entfernt von Alnilam wie Pluto von unserer Sonne“, bemerkte Leardini nachdenklich.
„Dennoch sind sämtliche Planeten aufgrund der enormen Wärme- und Strahlungsmenge viel zu nahe, um humanoides Leben zu beherbergen. Der Gürtel, in dem Leben in einer uns bekannten Form möglich ist, liegt etwa um das Tausendfache weiter entfernt von der Sonne als Alnilam I.“
„Sie machen mir ja nicht gerade Mut, Cluy“, meinte Lennard seufzend. „Was ist mit den Planeten?“
Die sechs kleinen Punkte auf der Karte rückten auseinander und zeigten nun nicht mehr die massstabsgetreue Entfernung von der Sonne, sondern Abbildungen im richtigen Grössenverhältnis zueinander. Ergänzend dazu erschien ein winziges Stück Alnilams selbst am äussersten linken Bildschirmrand, welches jedoch in dieser Grösse nur noch eine schwache Rundung vom oberen zum unteren Rand aufwies.
Der japanische Sicherheitsoffizier Onue Kazuki, der bisher im Hintergrund an seiner taktischen Konsole das Geschehen verfolgt hatte, murmelte nun: „Es ist kaum zu glauben, daß dieses Ungetüm von einem Stern überhaupt Planeten hervorgebracht hat.“
„Ich stimme Ihnen zu, Onue“, antwortete Wuran beim Studium der Daten auf ihrer Arbeitskonsole, „offenbar ist dies tatsächlich aufgrund einer natürlichen Anomalie des Gravitations- und Magnetfeldes des Gestirns möglich. Es hat eine ähnliche Form wie das Magnetfeld eines herkömmlichen Gesteinsplaneten mit Eisenkern, das heißt, es ist an den Polen stark ausgerichtet und breitet sich von dort aus in die Tiefen des Raumes aus.“
„Und deshalb ist es auf der Äquatorialebene schwach genug, daß dort die Bildung von Planeten möglich wurde“, folgerte Leardini.
Wuran nickte. „Es ist auffällig, daß die inneren fünf Planeten innerhalb dieses Feldes liegen, während der äusserste weit ausserhalb der Bereiche maximaler Feldstärke positioniert ist. Das ist wohl ein unwiderlegbarer Beweis für diese Theorie.“
„Und dieses Wissen ist fast achtzig Jahre alt? Dass so etwas nicht im Lehrstoff der Sternenflottenakademie vorkommt“, wunderte sich Lennard.
„Wahrscheinlich wegen des begrenzten praktischen Nutzen dieses Wissens“, vermutete Kazuki, „da kaum jemand dieses System jemals zu Gesicht bekommen wird.“
„Ich habe nur wenige Daten über die Planeten selbst“, verkündete Wuran nun. „Der innerste Planet ist natürlich der Sonne am stärksten ausgesetzt. Keine Atmosphäre, kein Magnetfeld, nichts. Der Sonnenwind hat seine Oberfläche vollständig verbrannt und reisst alle Teile wie Staub oder Gase ins All hinaus. Auf Alnilam II sieht es ganz ähnlich aus, mit weniger starken Auswirkungen freilich. Der dritte Planet ist sehr interessant beschaffen; er ist trotz seines enormen Durchmessers von über einer halben Millionen Kilometern wie einer der inneren Planeten Ihres Sonnensystems beschaffen. Diese Felskugel hat demnach eine grössere Masse als Sol und ist damit der grösste bekannte Stern der Klasse J. Als wahrscheinlichen Grund für seine Entstehung wird aufgeführt, daß bei der Bildung des Gravitationsgürtels Alnilams beinahe alle Materie, welche später in Gesteinsform auskühlte, sich zu diesem gewaltigen Körper ansammelte. Dafür spricht, daß sich praktisch nirgenwo sonst in diesem System kleinere Materiekörper wie Asteroiden oder Teilegürtel wie die Oortsche Wolke im Sonnensystem befinden. Auch die relativ große Trabantenarmut hier gilt als Indiz.“
„Da könnte wirklich etwas Wahres dran sein“, sagte Leardini, „was meinen Sie, Cluy, wenn man die gesamte Masse des Asteroidengürtels, der Kometen, der Oortschen Wolke und vielleicht noch die Hälfte aller Monde im Sonnensystem zusammenzählte, wie groß wäre der entstehende Körper?“
Wuran runzelte ihre Nase. „Eine sehr interessante Frage, Commander. Ich werde bei Gelegenheit einmal eine Hochrechnung darüber anstellen. Doch nun zu Alnilam IV und V; es sind zwei Gasriesen mit zwei beziehungsweise sechs Trabanten. IV hat daneben noch einen dünnen Ring, jedoch nur aus Fels- und Staubpartikeln, weil die Temperatur in dem gesamten System viel zu hoch für Eis irgendeiner Natur ist. Um ihre gasförmige Gestalt beizubehalten, besitzen beide intensive Magnetfelder, die sie und ihre Satelliten großenteils vor den destruktiven Auswirkungen des Muttergestirns schützen. Der äusserste Planet braucht diesen Schutz kaum noch, da er so weit von der Sonne entfernt ist, dass er nicht viel mehr an Hitze und Strahlung von ihr abbekommt als Merkur von der Sonne. Er besitzt neun kleine Monde und eine sehr dünne Atmosphäre, deren Bestandteile hauptsächlich Stickstoff und Edelgase sind.“
„Das hört sich noch am ehesten nach einer Chance an, etwas zu finden“, dachte Lennard laut nach. „Wie steht es mit der Konstellation des Systems, wenn wir ankommen? Können wir gleich zur sechsten Welt fliegen?“
„Die Vorraussetzungen dafür sind äusserst günstig, Captain“, antwortete Vakuf nach einer kurzen Speicherabfrage, „Alnilam VI liegt praktisch direkt auf dem Weg zur Sonne.“

Verblüfft erwiderte Lennard: „Moment mal, ich dachte, wir kommen von Antares aus praktisch am Südpol der Sonne an. Wie ist es da möglich, dass der entfernteste Planet direkt auf dem Weg liegen soll?“
Wuran schaltete sich wieder ein: „Einen Augenblick bitte, ich verändere die Darstellung des Alnilam-Systems, um es Ihnen zu demonstrieren.“
Kurz darauf zeigten sich die Bahnen der Planeten um Alnilam. Man erkannte gleich, daß sich die inneren Sterne beinahe in einer Ebene befanden, während die Bahn von Alnilam VI in einem steilen Winkel zu den übrigen stand.
Die Ekliptik des sechsten Planeten weicht um zweiundsiebzig Grad von der Mitte der anderen fünf ab“, informierte Wuran die Brückenbesatzung, „und da VI gerade über dem Nadir von Alnilam steht, passieren wir ihn in unmittelbarer Nähe beim Eintauchen ins System.“
„In Ordnung, dann steht unser erstes Ziel wohl fest. Mrs. Wuran, Mrs. Vakuf, arrangieren Sie sich bitte diesbezüglich miteinander.“
Nachdem er die Bestätigung von der Wissenschaftlichen und der Steueroffizierin erhalten hatte, fügte Lennard mit einem Seitenblick auf Leardini hinzu: „Das war’s dann fürs erste. Wir können die Brückenbesatzung jetzt auf Reiseflugmodus reduzieren.“
„Gut, dann bis später, Captain“, sagte Leardini reserviert, als sie sich erhob.
„Stefania.“ Mit einem angedeuteten antiquaren Salut und neckischem Grinsen verabschiedete er sie. Daraufhin konnte sie nicht anders, als ihm beim Gehen doch noch kurz zuzulächeln.
Ja, was wäre der Dienst ohne sie, dachte Lennard versonnen. Ihre ständigen kleinen Frozzeleien boten gerade eben so viel Abwechslung, wie man auf den meisten eintönigen Missionen benötigte, die sie flogen.
Er sah in Gedanken versunken auf den Hauptschirm, der nun wieder die vorbeirasenden Sterne bei Warpgeschwindigkeit zeigte. Noch gut vier Tage, bis sie im Alnilam-System ankommen würden...

[und morgen kommt Kapitel 2...]

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Donnerstag, 26. Oktober 2006
4-> Sam Kam, Neer Darrn und der Abflug ->
[... Fortsetzung von Gestern]

„Ich weiss schon jetzt, wie die neuesten Gerüchte lauten werden, wenn wir zurückkehren werden. ‘He, kennst du die Aldebaran?’ - ‘Klar, das sind doch die, die ihr Schiff während einer Mission gewartet haben.’ - ‘Genau. Daran sieht man auch, wie unheimlich wichtig und gefährlich ihre Aufgaben sind, wenn sie ihren Kasten im Flug auseinandernehmen und generalüberholen.’ Eine tolle Vorstellung ist das, wenn man so über uns reden wird!“
„Seien Sie doch bitte nicht so zynisch, Captain, es ist doch nur eine begrenzte Modifikation der Computer-Hardware.“ Commander Leardini nahm auf ihrem Sessel links neben dem Captain auf der Hauptbrücke Platz und lächelte ihm ermunternd zu, als dieser sich mit säuerlicher Miene nach ihr umdrehte.
„Sie wissen doch genau, wie solche Tatsachen immer verfälscht werden, wenn sie von Mann zu Mann die Runde machen. Ich habe es eben nicht gerne, wenn unser Schiff wegen solcher Aktionen zum Gespött der ganzen Flotte wird. Nicht dass wir diese Stellung nicht schon geraume Zeit innehätten“, fügte er mit einem müden Grinsen hinzu, „aber diese paar Tage hätten wir ruhig noch warten können. Immerhin war diese Botschaft zweiundvierzig Jahre unterwegs, was macht es da für einen Unterschied, ob wir ihren Ursprung ein paar Tage früher oder später suchen?“
„Da haben Sie allerdings recht, Kyle“, stimmte die Erste Offizierin ihm zu.
„Es sei denn, dass ein triftiger Grund dafür vorläge. Doch da niemand von uns den Wortlaut der Botschaft erfahren hat, können wir das nicht wissen. Wir werden einfach losgeschickt, ohne erfahren zu dürfen, worum es eigentlich geht.“ Nachdenklich sah er seine Stellvertreterin an und senkte die Stimme. „Verstehen Sie, Stefania? Mich beschleicht das Gefühl, wir sollen bewußt nicht wissen, was uns erwartet. Dieser Gedanke gibt einem das Gefühl, entbehrlich zu sein.“
Entrüstet entgegnete Leardini: „Kyle, das ist paranoid! Sie wollen mir doch nicht ernsthaft weismachen, das Sternenflotten-Oberkommando würde dieses Schiff mit all seinen Besat-zungsmitgliedern und Angehörigen durch solche Spielchen gefährden.“
Er zuckte die Achseln. „Nein, natürlich nicht. Aber immerhin bin ich für fast eintausend Wesen verantwortlich und mag es nicht, über derlei Fakten im Unklaren gelassen zu werden. Ich habe kein gutes Gefühl diesmal. Und mein Gefühl hat sich bislang immer bewährt.“
„Wieso? Wir waren noch nie in einer Lage, vor der uns Ihr Gefühl hätte bewahren können.“
„Sehen Sie? Und ich hatte immer ein gutes Gefühl dabei“, gab er grinsend zurück.
Bevor Leardini zu einer Erwiderung ansetzen konnte, stand Lennard auf und ging ein paar Schritte nach vorne, wo der Einsatzleitende Offizier, kurz ‘Ops’ genannt, an seiner Konsole arbeitete. „Wie laufen die Vorbereitungen für das Abdocken, Mr. Darrn?“
Neer Darrn, ein Klingone mittleren Alters und, für seine Rasse ganz untypisch, die Ruhe in Person, antwortete, ohne den Blick von seinen Anzeigen zu nehmen: „Auf Hochtouren, Captain. Alle benötigten Vorräte sind vervollständigt worden, die Ausrüstung für die Planetologen-, Kartographen- und Solardynamikerteams verladen, Quartiere zugeteilt und Arbeitsstationen vorbereitet. Das Kartographenteam kommt gerade an Bord. Die Computerspezialisten sind angekündigt und sollten mitsamt ihrer Arbeitsausrüstung in wenigen Minuten am vorderen Andockkragen eintreffen; damit wären wir komplett.“
„Sehr gut. Wie sieht es bei Ihnen aus, Mrs. Vakuf?“
Die vulcanische Steueroffizierin, in der Kurzform ‘Conn’, saß direkt neben dem Ops. Vakuf antwortete: „Die Berechnungen für das Abdockmanöver und den Kurs ins Alnilam-System sind gleich abgeschlossen. Mit Ihrer Erlaubnis werde ich bis auf c 0,25 gehen, bevor ich den Übergang auf Warpgeschwindigkeit initiiere.“
„In Ordnung.“ Lennard wandte sich wieder dem Kommandantensessel zu, in dessen rechtem Nachbarsitz sich inzwischen Counselor Sam Kall niedergelassen hatte. Sie war eine typische Betazoidin, besaß eine eher zierliche Statur und tiefschwarze, lange Haare, welche weiche Gesichtszüge einrahmten. Ihre grossen, intelligent in die Welt blickenden Augen waren total dunkel, man konnte keine Iris wahrnehmen. Dieses Merkmal war aber auch schon das Auffälligste, an dem man ihre nicht-terranische Herkunft erkennen konnte.
Sie nickte ihrem Vorgesetzten freundlich lächelnd zu und sagte überraschend: „Es war nicht meine Absicht, mich unbemerkt auf meinen Platz zu ‘schleichen’, Captain; ich nehme an, Sie waren einfach gerade auf das Conn konzentriert. Dennoch wünsche ich Ihnen einen guten Morgen.“
„Ist nach Stationszeit Morgen? Aha. Nun gut, einen schönen guten Morgen, Sam“, erwiderte Lennard und beugte sich zur Schiffsberaterin hinab, „und unterlassen Sie es bitte künftig, in meinem Großhirn spazierenzugehen.“
„Aye, Sir.“ Die Counselor stammte wie viele ihrer Kollegen von Betazed, wo die Einwohner meist umfangreiche telepathische Begabungen besassen und somit besonders geeignet waren für die Aufgabe des Schiffsberaters. Leider konnte - oder wollte - die junge und unbekümmerte Kall es sich nicht konsequent abgewöhnen, Gedankensondierungen ihres Umfeldes ohne besondere Rechtfertigung anzustellen, was natürlich keinem der Betroffenen sonderlich angenehm war. Infolgedessen erhielt sie von ihren Kameraden regelmässig mehr oder weniger unfreundlich formulierte Aufforderungen, solche Aktionen zu unterlassen.
Aus einem Impuls heraus erhob sich Lennard plötzlich: „Commander Leardini, Sie haben die Brücke. Ich werde mir die Computertechniker ansehen, die uns während unserer Mission begleiten.“
„Verstanden.“ Mit einem zustimmenden Nicken glitt die Erste Offizierin geschmeidig auf den Kapitänssessel, während sich Lennard zum nächsten Turbolift begab. Er sollte jedoch nicht mehr zum Einsteigen kommen.
„Commander, uns wird eine Verzögerung gemeldet. Es handelt sich um die Computertechniker“, berichtete Darrn unversehens. Sofort blieb Lennard, schon halbwegs in der Liftkabine, stehen und hörte interessiert zu. Als er bemerkte, daß Leardinis Blick gespannt auf ihm ruhte, zuckte er mit unschuldiger Miene die Schultern.
„Das muss wohl mein schlechtes Gefühl sein. Nun, Stefania, Sie haben das Kommando. Lassen Sie sich nicht von mir beirren.“
Seufzend wandte sich die Erste Offizierin wieder nach vorne. Diesmal schien Lennard tatsächlich genau zur rechten Zeit das Kommando abgegeben zu haben, womit der Ärger an ihr hängenblieb. Aber andererseits war er im Begriff gewesen, den Grund für ihre Verzögerung genauer in Augenschein nehmen zu wollen, noch bevor diese aufgetreten war, also konnte sie ihm keinen Vorwurf machen. „“Um was geht es, Mr. Darrn?“
Der klingonische Offizier sah auf seine Konsole und verlas: „Der Gastingenieur, Lieutenant Baor, war geraume Zeit unauffindbar, obwohl er wegen der Computermodifikationen in Bereitschaft gestellt war. Er fordert zehn Minuten mehr Zeit bis zum Betreten des Schiffes.“
Darauf meldete sich Vakuf zu Wort: „Dadurch würden wir das Startfenster für die ausgearbeitete Kurssequenz verpassen, was eine vollständige Neuberechnung des Abdock-, Beschleunigungs- und Warpreiseflugmanövers zur Folge hätte.“
Leardini war jetzt voll und ganz Kommandantin. „Was hiesse das für uns, Mrs. Vakuf?“
„Eine zeitliche Mehraufwendung von mindestens...“
„Das genügt mir bereits, danke“, unterbrach sie den Steueroffizier der Aldebaran ein wenig unhöflich, „allein die furchtbare Art, wie Sie ‘Verspätung’ ausdrücken, berechtigt...“
Der Computer fuhr dazwischen: „Achtung, Captain, das triviale Sprachprogramm meldet eine sechsunddreissigprozentige Wahrscheinlichkeit für eine Beleidigung des Brückenoffiziers Vakuf durch Commander Leardini.“
Nun sahen alle Besatzungsmitglieder verständnislos nach oben auf die Sprachrezeptoren des Computers und auf Leardini, die prompt rot anlief. Lennard lachte herzlich auf: „Negativ, Computer, letzte Aussage löschen.“ Und mit schelmischem Grinsen meinte er, an Leardini gewandt: „Vorsicht, Stefania, noch sind wir angedockt.“
Sie sandte ihm einen vernichtenden Blick zu und fuhr dann leicht verwirrt fort: „Was wollte ich gerade sagen? Ach ja, die entstehende Verspätung berechtigt meinen Entschluss, wie ge-plant abzulegen. Es kann nicht angehen, dass ein ganzes Raumschiff nach der Pfeife eines einzelnen Wartungstechnikers tanzt. Teilen Sie dem Computerteam mit, dass wir sie mitsamt ihrer Ausrüstung an Bord beamen, sobald sie soweit sind.“
„Wird gemacht, Commander“, bestätigte Darrn und übermittelte die Anweisung.
In den folgenden Minuten war die Brückencrew vollauf mit den Abdockprozeduren beschäftigt. Dann endlich gaben alle Stationen den vollen Bereitschaftsstatus, worauf Leardini ablegen ließ. Noch während sich das Raumschiff mittels kleinen Steuertriebwerken unter der Steuerung des Ops von den Andockkragen löste, drehte sich die Erste Offizierin erneut um, nur um Captain Lennard an derselben Stelle wie zuvor aufzufinden. Mit gedämpfter Stimme zischte sie ihm zu: „Was soll das, Kyle? Warum übernehmen sie das Kommando nicht zurück?“
Er schüttelte den Kopf und meinte mit vielsagender Miene: „Mein Gefühl täuscht sich selten. Ich werde es so sagen, werte Kollegin: der Captain sollte hin und wieder das Verhalten seiner Brückenoffiziere während deren Kommandoausübung beobachten. Ich halte diesen Zeitpunkt für sehr gelegen dafür.“
Zornig sah sie ihn an. „Na prima! Sie und Ihr obskures Gefühl! Warten Sie nur, das werde ich mir merken.“
Der Einsatzleitende Offizier wandte sich erneut an Leardini. „Commander, der Gastingenieur verbittet sich einen derart überstürzten Abflug; er befindet sich offenbar noch in seinem Privatquartier. Seinen Angaben zufolge benötigt er weitere fünf Minuten bis zum Eintreffen im nächsten Transporterraum der Werftanlage.“
„Ich höre wohl nicht richtig? Was bildet sich dieser Kerl eigentlich ein, wer er ist, dass er sich solche Freiheiten herausnehmen kann?“ Leardinis Augen verengten sich vor Wut.
„Wir werden bei planmäßiger Beschleunigung in genau neunzig Sekunden die Transporterreichweite zur Werft verlassen“, meldete Vakuf.
Leardini seufzte. „Also gut. Computer, Verbindung mit Hauptcomputer Antares-Werft herstellen.“
„Verbindung steht.“
„Sofortige Erfassung des zweiten Computertechnikers Rosalie Warren, Übermittlung der Daten an Transporterraum I und Einleitung des Transportes.“ Sie liess dem Rechner einen Augenblick Zeit und fuhr dann fort: „Brücke an Transporterraum I: Daten empfangen?“
„Ziel erfasst und verifiziert“, kam umgehend die Antwort.“
„Energie“, befahl sie knapp.
Nach mehreren Sekunden kam die Rückmeldung: „Transporterraum I an Brücke: Beamen eines Wartungstechnikers erfolgreich abgeschlossen.“
„Danke, Brücke Ende.“ Noch während sie die Worte aussprach, drang ein warnender Fiepton hinter ihr in ihr Bewusstsein. Sie drehte sich zur Wissenschaftsstation um, wo die Offizierin Wuran Cluy, die aus dem cardassianischen Grenzraum - von Bajor - stammte, ihre Instrumente ablas und ihre Stirn furchte.
„Die Sensoren melden einen Ausbruch auf Antares, Commander. Bei der Protuberanz auf der Sonnenoberfläche sind erhebliche Mengen an Gammastrahlung freigeworden, welche das Beamen von der Werft zu uns hin gefährden können. Ich registriere bereits einen leichten Anstieg der Strahlungswerte.“
„Auch das noch! Computer, steht die Verbindung zur Werft noch?“
„Positiv.“
„Sofortige Erfassung der Computerwartungs-Ausrüstung für die Aldebaran, Übermittlung an Frachttransporter III und Einleitung des Transportes. Erfassung von Gastingenieur Baor und Datenübermittlung an Transporterraum II.“
Darrn hob die Augenbrauen. „Commander... Baor läßt uns mitteilen, er weigert sich, bei dieser Strahlungsmenge einen Transport an sich durchführen zu lassen.“
Unbeirrt fragte Leardini: „Brücke an Frachttransporter: Transport erfolgt, Schäden?“
„Transport abgeschlossen, Brücke. Minimale Strahlenbelastung im Gamma-Bereich, alle Werte im grünen Bereich.“
Leardini zog spöttisch einen Mundwinkel hoch. „Brücke an Transporter II: Energie. Beamt ihn hierher auf die Brücke!“
Die Offiziere keuchten überrascht auf. Im nächsten Moment begann die Luft vor der Conn-Konsole zu flimmern, verdichtete sich mit einem leisen Sirren und Leuchten, wobei sie ihre Transparenz verlor und einen humanoiden Umriss bildete. Dann verschwand das Leuchten und hinterliess als Produkt einen zwei Meter grossen, massig gebauten Klingonen. Er war lediglich mit einem Badetuch bekleidet, hielt seine Uniform noch in der Hand und war wohl gerade im Begriff gewesen, diese anziehen zu wollen. Als er erkannte, dass er sich auf der Hauptbrücke eines Starfleet-Schiffes befand, war er vollkommen überrumpelt.
Leardini sprang auf, kaum dass Baor rematerialisiert hatte, marschierte auf ihn zu und brüllte ihn unbeherrscht an: „Was glauben Sie wohl, was hier vor sich geht, Mr. Baor? Sie sind Lieutenant der Sternenflotte und somit zum Gehorsam verpflichtet! Dies ist keine Vergnügungsfahrt; Sie haben hier eine Aufgabe zu erfüllen, und zwar dann, wenn wir es Ihnen sagen, nicht wenn es dem gnädigen Herrn beliebt. Wissen Sie eigentlich, dass Sie allein ein ganzes Sternenflottenschiff aufgehalten und mir noch obendrein den Morgen versaut haben? Wahrscheinlich sind Sie auch noch stolz auf diese Glanzleistung.
Und was soll dieser Aufzug hier? Soll das etwa schön sein? Das nenne ich Einsatzbereitschaft, wie sie im Lehrbuch steht! Sie tropfen mir auf mein schönes sauberes Deck, Lieutenant! Nein, Sie sind jetzt still, jetzt rede ich. Ich sehe doch, was Sie sagen wollen; Sie wollen sich beschweren, dass wir sie trotz der Protuberanz heraufgebeamt haben. Aber ich werde Ihnen einmal etwas sagen: wenn Sie an der frischen Luft auf der Erde spazierengehen, fangen Sie sich mehr Radioaktivität ein, als das bei diesem Transport der Fall war. Und nun treten Sie weg, ich will Sie nicht mehr sehen. Machen Sie sich lieber nützlich!“
Der riesenhafte Klingone, anfangs sichtlich empört, war unter Leardinis Tirade widerstandslos in sich zusammengesackt und schlich nun ohne ein Wort des Protestes zum nächsten Tur-bolift, eine tropfende Spur hinter sich herziehend.
Als sich die Türen hinter dem Neuankömmling geschlossen hatten, entfuhr es dem Captain: „Donnerwetter, Stefania! Reife Leistung!“
„Anderthalb Jahre Kadettenausbildung, Captain. Das verlernt man nie wieder.“ Sie grinste ihn gewinnend an.
Dann, als sei nichts vorgefallen, wandte sich Leardini wieder der Steueroffizierin zu: „Mrs, Vakuf, Statusbericht.“
„Angelegten Kurs erreicht, Geschwindigkeit c 0,246. Bereit zum Übergang in den Warp-flug.“
„Gehen Sie auf Warp.“

[Fortsetzung folgt Morgen...]

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Mittwoch, 25. Oktober 2006
3 -> Der Ewige von Alnilam
[...Fortsetzung von gestern]

Unverzüglich erschien das Gesicht von Admiralin Hers, einer farbigen Terranerin in den frühen Fünfzigern, auf dem Monitor seiner Arbeitskonsole. Sie wirkte sehr ernst. „Captain Lennard, spreche ich auf einem sicheren Kanal?“
‘Was ist denn jetzt passiert?’ dachte dieser und wies den Computer an: „Computer, Verschlüsselungsalgorithmus auf höchste Sicherheitsstufe einstellen.“
Nach einem Moment des Zögerns erklärte der Hauptcomputer schlicht: „Verbindung steht, Sicherheitspriorität Alpha Eins.“
„So, Admiralin Hers, ich denke, ich kann es nun riskieren, Ihnen gleichfalls einen guten Tag zu wünschen.“
Hers Ausdruck zeigte kurz Verärgerung, doch dann entspannte sie sich wieder. „Gut, vielleicht haben Sie Recht mit Ihrer Bemerkung und ich bin wirklich mit der Tür ins Haus gefallen. Es gibt jedoch einen triftigen Grund dafür. Wir haben nämlich gerade eben eine Funk-botschaft aufgefangen, die auch Sie in Erstaunen versetzen wird.“
Hers Mühe beim Erklären Ihres Anliegens weckte Lennards Interesse; die Admiralin war nämlich wirklich stets ein sehr direkter Mensch, wie sie gerade selbst zugegeben hatte. Wenn sie also in dieser Angelegenheit nicht sofort mit der Sprache herausrückte wie sonst üblich, musste es etwas äußerst Delikates sein. „Eine Botschaft welcher Art?“
Die Frau auf dem Bildschirm suchte nach Worten. „Es ist wohl so etwas wie eine Grussbotschaft oder ein Versuch, Kontakt aufzunehmen.“
Kontakt mit uns? Meinen Sie eine unbekannte Spezies?“
„Nicht so schnell, Captain! Es ist offensichtlich, dass der Absender keine Ahnung hatte, wen die Botschaft erreichen würde... oder ob sie überhaupt jemanden erreichen würde. Zudem wurde der erkennbare textliche Inhalt in dreiundzwanzig verschiedenen Sprachen ausgesandt.“
Bordarzt Stern schaltete sich ein: „Verzeihen Sie mir diesen Einwand, Sir, aber ist das nicht naheliegend bei solch einer Kontaktbotschaft? Wenn ich mich an die Aussendung der al-lerersten Voyager-Sonden erinnere...“
Hers schnitt ihm brüsk das Wort ab. „Das weiss ich selbst, Lieutenant. Was an dieser Sache so ungewöhnlich ist, ist die Tatsache, dass jede einzelne dieser Sprachen sich vollkommen von allen anderen in der Sendung verwendeten unterscheidet. Der Hauptcomputer der Werftanlage hat mehrere Minuten benötigt, nur um festzustellen, dass der Inhalt aller Botschaften identisch ist.“
„Sie scherzen!“ entfuhr es Lennard. Der Hauptcomputer einer Sternenbasisanlage war einer der fortschrittlichsten Rechner im ihnen bekannten Teil des Universums, ein Gebilde, das etwa fünfzehn Meter durchmass und auf der Station zwölf Decks in der Höhe einnahm. Er bestand aus einer Vielzahl von Nanoprozessoreinheiten, die in isolinearen optischen Speicher-chips zusammengefasst waren. Die Funktionsweise dieses Gerätes war identisch mit der der drei Hauptrechenwerke an Bord der Aldebaran, jedoch waren seine Kapazitäten ungleich grösser. Der Computerkern wurde in ein schwaches Subraumfeld gehüllt, ähnlich einem Warpfeld für den Überlichtflug. Durch diese minimale Raum-Zeit-Verzerrung konnte eine Datenverarbeitungsgeschwindigkeit im Inneren des Kerns erreicht werden, die weit über der Lichtgeschwindigkeit lag. Allein der Gedanke, eine solche Maschine würde länger als einen Sekundenbruchteil für die erfolgreiche Verarbeitung irgendwelcher Daten benötigen - und mochte die Aufgabenstellung noch so komplex sein - überstieg seine Phantasie bei Weitem.
„Und das bei einer inhaltlichen Gesamtlänge von nicht einmal einer Seite Übersetzung“, fügte Hers hinzu.
„Das müssen Sie mir bitte genauer erklären,“ verlangte Lennard, „was hat der Universaltranslator bei seiner Analyse verifiziert?“
„Zunächst einmal, dass jede der vorkommenden Sprachen keinerlei Ähnlichkeit mit einer der anderen dort verwendeten aufweist. Die vokabularen, grammatikalischen und allgemein denkmusterbedingten Unterschiede sind derart gravierend, dass mit völliger Sicherheit gesagt werden kann, dass diese Sprachen von verschiedenen Arten auf verschiedenen Welten entstanden sein müssen. Verstehen Sie? Im Vergleich dazu muten Finnisch, Mongolisch und Sulawesi wie drei leicht verschiedene Dialekte ein- und derselben Sprache an.“
„Demzufolge hat unser unbekannter Absender schon vielfältigen Kontakt mit raumfahrenden Rassen gehabt“, schloß Lennard.
„Und welche Rassen waren das?“ fragte Stern impulsiv.
Etwas verlegen antwortete Hers: „Nun... bis auf eine Ausnahme, keine uns bekannten Lebensformen.“
„Allmählich verstehe ich gar nichts mehr“, musste Lennard eingestehen.
„Um es kurz zu machen: der Hauptcomputer hat keine bestehenden oder historischen Referenzen über irgendwelche Ähnlichkeiten mit uns bekannten Kommunikationsmustern feststellen können. Der Universaltranslator hat sogar eine Notiz angeführt, dass er nur aufgrund der ausreichenden Länge des Textes eine zuverlässige Übersetzungsmatrix aller Muster anfertigen konnte.“
„Es gibt also in der gesamten Föderation keinerlei Informationen über diese ganzen Sprachen oder deren Herkunft? Das klingt wirklich sehr phantastisch“ meinte Stern.
„Bis auf die eine Aufnahme, die ich erwähnt habe. Und die läßt den Schluss zu, dass alle Kulturen, welche diese Sprachen hervorgebracht haben, schon vor Urzeiten untergegangen sein müssen - und zwar schon vor so langer Zeit, dass sämtliche Spuren von ihnen verlorengegangen sind... bis auf den einen vagen Hinweis.“
Lennard wollte wissen: „Worum handelt es sich denn dabei?“
„Eine der Proben stimmt zu sechsundsiebzig Prozent mit einer Inschrift überein, die vor zwölf Jahren bei einer archäologischen Ausgrabung auf Alpha Centauri VI in der Wand eines tempelähnlichen Gebäudes gefunden wurde. Dieses Artefakt stellt übrigens bis zum heutigen Tag den einzigen Beweis von intelligentem Leben auf dieser Welt dar. Es war in einer Halbwüste unter zwanzig Metern Sand verschüttet und wurde mit neuesten Methoden zur Altersbestimmung auf etwa 260’000 Jahre datiert.“
„Mein Gott!“ Stern war fasziniert von dem Gedanken. „Es gab also vor einer Viertelmillion Jahren eine raumfahrende Kultur in unserem Nachbarsystem, die der Unbekannte gekannt haben muß. Was meinen Sie, haben diese Wesen vielleicht auch die Erde besucht?“
„Schon möglich. Allerdings ist diese Funkbotschaft der erste Beweis überhaupt, den wir dafür haben, daß die Bewohner dort jemals Kontakt interstellarer Art hatten. Womöglich hat der Absender auch sie besucht und nicht sie ihn.“
„Dann hätte er keine Mitteilung schicken müssen“, widersprach Lennard. „Es hat vielmehr den Anschein, als könnte er nicht - oder nicht mehr - von seiner Heimatwelt wegreisen und wollte deshalb durch seine Botschaft auf sich aufmerksam machen. Dabei fällt mir gerade ein: könnte es nicht sein, daß wir die meisten dieser Kulturen nicht kennen, weil sie weit ausserhalb des Föderationsgebietes oder gar in einer anderen Galaxie leben? Wenn diese Wesen eine ähnlich fortgeschrittene Technologie wie beispielsweise die Borg besitzen oder noch weiterentwickelt sind, wäre es doch denkbar, daß sie diese Entfernungen in einer passablen Zeitspanne zurücklegen könnten.“
Hers zog spöttisch einen Mundwinkel hoch. „Dann wäre diese Botschaft sicher nicht mit Lichtgeschwindigkeit ausgesandt worden. Was glauben Sie, Captain, von wem er sich wohl in zehn- oder auch hunderttausenden von Jahren eine Antwort erhofft?“
„Oh!“ Nach einem Moment betretenen Schweigens wollte er wissen: „Wenn die Botschaft mittels konventioneller Funkwellen gesendet wurde, müßte man sie doch lokalisieren können?“
Zustimmend nickte Hers: „Das ist korrekt. Wir haben den Ursprung auch bereits ermittelt. Und jetzt halten Sie sich fest: sie stammt aus dem Alnilam-System.“
„Was? Das liegt doch mitten im Föderationsraum!“ entfuhr es Stern.
„Das stimmt“, bestätigte die Admiralin wiederum, „es wurde am Anfang des Jahrhunderts während der grossen Erforschungsmissionen jenseits des Gourami-Sektors von einem der Excelsior-Schiffe kartographiert und als unbewohnt sowie als völlig unbewohnbar für Sauerstoffatmer eingestuft. Weder die Föderation noch sonst eine uns bekannte Intelligenz unterhält irgendwo in diesem System Einrichtungen ziviler oder militärischer Art. Sämtliche Flug-routen führen in weitem Bogen um Alnilam; es gibt nicht einmal Subraumfunk-Relais-stationen in interstellarer Nähe.“
„Das System ist also völlig isoliert und wird von allen gemieden. Das hat doch sicher einen bestimmten Grund“, mutmaßte Lennard.
„In der Tat, das Muttergestirn Alnilam selbst nämlich“, kam postwendend die Antwort. „Mir liegen hier einige Daten vor, die diesen Umstand wohl mehr als ausreichend erklären. Alnilam besitzt nur etwa den dreissigfachen Durchmesser der Sonne, zählt aber zu einem der heissesten und hellsten Sterne im uns bekannten Universum. Sie weist wahrscheinlich die grösste Masse, mit Sicherheit aber das größte Gravitations- und Magnetfeld aller katalogisier-ten Fixsterne auf. Der Teilchenstrom dieses Gestirns, der sogenannte Sonnenwind, stört Funk- und auch Subraumsignale noch Lichtjahre entfernt. Bei Ausbrüchen der elektromagnetischen Feldlinien auf der Sonnenoberfläche werden die sechs Planeten des Systems schön regel-mäßig von unvorstellbaren Mengen an Röntgen- und Gammastrahlung geradezu sterilisiert. Deshalb nahm man damals wohl auch an, dass eine Suche nach Leben dort wenig bringen würde und ist deshalb entsprechend oberflächlich vorgegangen. Außerdem spielte der Zeitfaktor ebenfalls eine nicht unwichtige Rolle; das Schiff konnte nicht allzulange im System verweilen, weil die Schutzschilde keinen ausreichenden Schutz vor der Sonnenstrahlung boten.“
Stern keuchte verblüfft auf. „Sie meinen, die natürliche Sonneneinstrahlung war so stark, dass sie die Schilde eines Schiffes der Excelsior-Klasse überforderte?“
Hers wandte ein: „Diese Mission liegt schon mehr als ein halbes Jahrhundert zurück, vergessen Sie das nicht, Doktor. Heutzutage sind die Schilde eines einfachen Personen-Shuttles des Typs 7 bereits stärker als die einer Excelsior der ersten Stunde.“
„Ja, der Fortschritt der Technik ist unaufhaltsam“, meinte Stern philosophisch.
„Mich wundert, dass bei dem starken Sonnenwind und dem Magnetfeld Alnilams diese Nachricht überhaupt so weit vorgedrungen ist“, äusserte Lennard.
„Wir halten das auch für reines Glück“, stimmte Hers ihm zu, „denn bei diesen Bedingungen ist die Chance, einen interstellaren Funkspruch erfolgreich abzusetzen, wirklich astronomisch klein.“
„Und was werden Sie jetzt unternehmen?“
Hers lächelte: „Sie meinen, was werden Sie unternehmen?“
„Wir?“ entfuhr es Lennard verdutzt. „Aber wir liegen doch noch mindestens drei Tage am Dock. Gibt es...?“
„Sie sind das einzige verfügbare Raumschiff mit der erforderlichen Sensorenausrüstung in diesem Sektor. Die Wartung an der Aldebaran umfasst lediglich Modifikationen aller Computersysteme, wenn ich richtig informiert bin. Da allein schon die Hauptsysteme dreifach redundant sind, können die beiden Computertechniker ihre Arbeit genauso gut während Ihrer Mission fortsetzen. Das Alnilam-System ist schliesslich nur einundzwanzig Lichtjahre von hier entfernt; außerdem ist mir zu Ohren gekommen, dass Ihre Besatzung nichts gegen einen Auftrag, der etwas Spannung und Abwechslung bietet, einzuwenden hätte.“
„So?“ Lennard verdrehte verzweifelt die Augen. Gab es denn gar nichts, was man in dieser verflixten Sternenflotte geheimhalten konnte?

[Fortetzung folgt morgen...]

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