Dienstag, 21. November 2006
T1.1.3 : Rank und schlank
[... Fortsetzung des Buches]

Mount Mitchell, Yancey County, North Carolina, USA 17. Dezember 2029

General Mahtobu konnte kaum glauben, was er da sah. Das Produktionsband war nicht besonders groß, dennoch lief ihm ein kalter Schauer den Rücken hinab. An einer Laufschiene an der Decke des Raumes hingen Haken, welche silbern glänzende Torsen hielten. In der Mitte des Raumes war ein anderes Laufband, das den Reizleiterstrang, die High-Tech-Version des menschlichen Rückgrates, der Montageanlage zuführte. Selbst im deaktivierten Zustand bedrückte einen der Gedanke, dass hier einmal - noch vor kurzer Zeit - Terminatoren produziert worden waren. Seine Abscheu überwindend, musterte Mahtobu die Einzelteile der Kampfchassis genauer. Er kannte die geschwungenen Formen der metallenen Brustkörbe genau, weil er schon zu viele davon gesehen hatte, im Kampf, als rauchende Wracks nach ihrer Zerstörung und – wie bei allen Menschen – natürlich aus seinen Albträumen. Etwas an ihnen war anders und untermauerte die Aussage des Spezialisten, der geschäftig neben ihm herging und ihm bereitwillig Rede und Antwort stand.
„Sie meinen, das sind keine normalen T-800er?“
Der Ingenieur wies auf den Torso. „Ja, Sir, der Datenbank nach ist das hier die Pilotanlage für die Baureihe T-880, Cyberdyne Systems Model 108 bis 312. Die normalen T-800 sind relativ groß und massig, so dass wir anhand des Körperbaus ziemlich schnell vermuten konnten, wer ein Terminator sein konnte, auch wenn Skynet sie in den unterschiedlichsten Tarnversionen produzierte, denn kaum ein Mensch ist heute bei dem üblichen knappen Nahrungsangebot von Natur aus so großgewachsen. Diese Baureihe aber ist kompakter gestaltet, obwohl die hydraulischen Komponenten eine mechanische Mehrleistung von durchschnittlich 18 Prozent haben. Offenbar ist auch Skynet schlussendlich klargeworden, dass technischer Fortschritt Miniaturisierung bei höherer Leistung bedeutet. Gleichzeitig ist das Endoskelett viel agiler ausgelegt und dem menschlichen Bewegungsapparat besser nachempfunden. Das bedeutet, wenn diese Bastarde in Serie gegangen wären, hätte Skynet kleinere und wendigere Cyborgs in allen erdenklichen Staturen herstellen können. Jeder hätte dann potentiell ein Terminator sein können.
Ein Metallurge hat mir vorhin gesagt, dass die tragende Struktur sowie die gesamte Panzerung aus einer neuen Legierung besteht. Die Zusammensetzung untersuchen sie gerade, aber auf jeden Fall ist dieses Zeug mindestens so hart wie bei normalen Endoskeletten, obwohl sein Gewicht ein ganzes Stück niedriger ist.“
Mahtobu schwante Böses. „Haben wir bereits eine Schätzung darüber?“
„Schwer zu sagen. Das komplette Kampfchassis mit Tarngewebe höchstens noch 140 bis 160 kg, je nach Größe und Form des Chassis. So leicht wie früher kann man sie also über das hohe Gewicht auch nicht mehr enttarnen.
Weiter hinten auf dieser Ebene ist die Chipproduktion, wo wir den Hauptprozessor begutachten konnten, der ihnen eingesetzt wurde. Obwohl er eine Größenordnung leistungsfähiger ist als bei den üblichen 800ern, ist er von den Ausmaßen her nur eine Idee größer als der alte. Seine Arbeitsleistung muss fantastisch sein.“
„So etwas kann einem schon Angst machen, nicht wahr?“
„Jawohl, Sir General. Und einen Stock tiefer haben wir die Inkubationsbottiche gefunden. Die Nährlösung hat eine veränderte Zusammensetzung. Wir müssen sie noch genauer untersuchen, um sicher zu gehen, was das für uns bedeutet.“ Ein wenig ratlos rieb sich der Ingenieur den Nacken.
„Ich möchte mir das ansehen. Diese ganze Sache nimmt allmählich Ausmaße an, die wir nicht einmal erahnt haben.“ Der General bedeutete seinem Untergebenen, ihm den Weg zu weisen.


[Fortsetzung folgt...]

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Donnerstag, 16. November 2006
T1.1.2 : Der Wandel der Realitäten
[... Fortsetzung des Buches]

Eglin Air Force Base, bei Pensacola, Florida 17. Dezember 1991

Ein milder Lufthauch wehte von See her über den Stützpunkt und trug ein wenig der Hitze hinweg, die flirrend über dem Beton der Piste hing, vermochte an diesem Abend jedoch keine richtige Erfrischung zu bringen. Ein paar kleine, flache Wolkenfetzen hoben sich im Südwesten dunkelviolett vor der tiefstehenden Sonne ab, die bald den Meeresspiegel berühren würde und jetzt bereits die Szenerie in ein warmes Orange tauchte. In der Ferne konnte man die roten und grünen Lichterketten an der Kasernenkantine ausmachen, in der Absicht aufgehängt, ein wenig vorweihnachtliche Stimmung zu verbreiten. In der subtropischen Dezemberhitze Nordwestfloridas ein vergebliches Unterfangen.
Private First Class Dave Hicknell konnte sich nicht erinnern, jemals einen so heißen Dezember erlebt zu haben. Die Winter in seiner Heimat North Dakota sahen ein kleines bisschen anders aus und verdienten diese Bezeichnung auch. Er war das zweite Jahr bei den Marines und den ersten Winter hier auf Florida stationiert. Frei bekommen hatte er nicht für die Feiertage, wohl weil er einer der Dienstjüngsten unter den Wachmannschaften war, wie er mutmaßte.
Nun stand er sich also hier gemeinsam mit einem weiteren Neuling namens Miguel Pereiros neben einer Reihe abgestellter General Dynamics F-16 am Rande des Flugfeldes die Beine in den Bauch und beobachtete missmutig, wie in der Ferne zuerst die Flugfeuer der Landebahnbeleuchtung und dann die Flutlichter eingeschaltet wurden, um die sicherheitssensitiven Bereiche der Airbase auszuleuchten.
Pereiros bemerkte melancholisch: „Ein herrlicher Abend, nicht wahr?“
„Unsinn, ein beschissener Abend. Es ist schweineheiß, meine Uniform klebt mir am Leibe wie ein nasser Lumpen und dabei soll ich auch noch weihnachtliche Vorfreude heucheln“, gab Hicknell unwirsch zurück.
„Wie bist du denn drauf, Mann? Bist du kein Christ, oder was? Du kannst ruhig ein wenig toleranter gegenüber deinen ...“
„Oh Mann, das ist es nicht“, unterbrach Hicknell entnervt. „Ich bin genauso katholisch wie jeder einzelne Latino in diesem Land, klar? Mir geht nur das Wetter auf die Nerven. Es ist so drückend schwül, dabei sollte es jetzt angenehm kalt sein und schneien, so wie ich es von daheim gewohnt bin. Das hier ist einfach nicht ... richtig. Irgendwie unwirklich, verstehst du?“
„Ich denke schon“, sagte sein Kamerad nickend. „Aber eigentlich geht es doch gar nicht darum. Ich komme aus New York City. Bei uns ist der Schnee grauer als dieser Betonboden und es kann saukalt werden, wenn man es sich nicht leisten kann, das Apartment zu heizen, doch das wichtigste ist, dass man die Feiertage bei seiner Familie verbringen kann. Aber Kopf hoch, Kumpel, nächstes Jahr kommt neues Frischfleisch, das kann dann anstelle von uns an Weihnachten Dienst schieben.“
„Dein Wort in Gottes Ohr, Compadre“, stimmte Hicknell versöhnlich zu.
Dann standen sie wieder schweigend da und sahen zu, wie eine Rotte F-16 auf der entfernten Rollbahn laut donnernd mit eingeschalteten Nachbrennern abhob und gleich darauf noch im Steigflug eine enge Kehre in Richtung Meer flog, um über dem Golf von Mexico auf Patroullienflug zu gehen.
Hicknell steckte sich den Zeigefinger in den Kragen seiner Uniform und hob das durchgeschwitzte Hemd von der Brust ab. „Es scheint immer schwüler zu werden. Meinst du, es wird ein Wärmegewitter geben?“
Pereiros sah unwillkürlich zum Himmel empor. „Kein einziges Wölkchen über uns zu sehen. Aber du hast recht, die Luft scheint förmlich zu stehen. Als ob sie elektrisch geladen wäre.“
„Ja, ein Gefühl, als ob es einem die Härchen auf den Unterarmen aufstellt. Ob wir uns irgendwo statisch aufgeladen haben?“
Der Lateinamerikaner schüttelte den Kopf. „Hier auf dem Betonboden? Unwahrscheinlich. Vielleicht ... he!“
Er beendete seinen Satz mit einem überraschten Ausruf, als ein kleiner Funke von seiner Gürtelschnalle auf den Lauf seines Colt M-16 übersprang. Erschrocken ließ er die Waffe fallen, die klappernd auf der Piste aufschlug. Die beiden Wachen am anderen Ende der Reihe von aufgestellten Kampfjägern wurden durch das laute Geräusch aufmerksam und sahen zu ihnen hinüber. Sie waren jedoch zu weit entfernt, sodass man ihre erstaunten Gesichter nur erahnen konnte.
Ihre Verblüffung wuchs ins Unermessliche, als nun mit lautem Knistern hochvoltige elektrische Entladungen mit zunehmender Intensität und Häufigkeit zwischen den Flugzeugen hin- und hersprangen. Auch Hicknells Waffe und Handfunkgerät gaben Funken ab und versetzten ihm leichte elektrische Schläge, sodass er beide in einem Anflug von Panik von sich riss und fallen ließ. Sogar seinen Helm musste er sich vom Kopf stülpen, sodass er einen Moment lang nicht hinsah.
Als sich sein Blick wieder hob, gab es einen gleißendhellen Blitz, als ob sich für einen Sekundenbruchteil ein Kubikmeter Sonne vor ihnen zeigte, begleitet von einem schrillen Sirren. Dann ließ die Erscheinung schnell nach; es gab nur noch wenige Funken zwischen den beiden nächsten Jets. Hicknell registrierte unterbewusst, dass beim ersten Flugzeug durch die Stromstöße die Navigationslichter angesprungen waren und beim zweiten die Kanzelverriegelung aktiviert worden war und sich die Haube geöffnet hatte.
Und da ...
Nur wenige Inch vor dem Bugrad der zweiten Maschine war ein kleines Loch im Boden erschienen, keine Handbreit im Durchmesser und irgendwie glutrot von unten heraus erleuchtet. Der Glutschein verblasste, während die beiden Wachen vom anderen Ende der geparkten Flugzeuge zu ihnen herübergelaufen kamen. Einer von ihnen hatte dabei das Handfunkgerät am Mund und rief etwas hinein.
Erst jetzt wurde er gewahr, dass er rücklings zu Boden geplumpst war, und rappelte sich eilig hoch, während er seine Ausrüstung wieder aufsammelte. Er tauschte einen Blick mit Pereiros, dem es jetzt entfuhr: „Heilige Mutter Gottes, was war das?“
„Keine ... keine Ahnung. Ich hab’ so was noch nie gesehen“, gab Hicknell zu und deutete auf das Loch im Beton. „Siehst du das auch?“
„Ja ... vielleicht war es ein Kugelblitz oder so“, mutmaßte Pereiros ratlos, indem er sich der fraglichen Stelle näherte. „He, dieses Loch ist kreisrund, wie mit dem Zirkel gezogen. Und es scheint sich nach unten hin auszudehnen. Wie eine kleine Höhle.“
Er kniete sich hin, stützte sich mit einer Hand am Bugrad des Düsenjägers ab und spähte in das Loch hinein. „Wirklich seltsam. Ich glaube, ich sehe da unten etwas leuchten ... wie zwei kleine rote Punkte ...“
Er zog eine Stablampe aus einer der zahlreichen Uniformtaschen heraus und knipste sie an. Dann richtete er sie auf das kleine Loch und beugte sich vor, um besser hineinsehen zu können.
„Oh mein Gott ...“
Mit schreckgeweiteten Augen fuhr er hoch und sah Hicknell an wie jemand, der gerade ein Gespenst erblickt hatte. „Da unten ist jemand drin! Ich habe einen Mann gesehen!“
Ungläubig sah dieser zu der Öffnung im Beton. „Wie bitte? Wie soll denn da jemand runterkommen? Da sind gut und gerne zwei Fuß Stahlbeton auf dem ganzen Feld verarbeitet. Niemand kann das so einfach unterhöhlen!“
„Sieh doch selbst nach!“, beharrte Pereiros, jetzt mit leicht schriller Stimme.
„Das werde ich auch.“ Barsch entriss er seinem Kamerad die Lampe und beugte sich tief über das Loch. „Was immer das eben auch war, du hast wohl einen elektrischen Schlag abgekriegt, der ein wenig zu heftig für deine Birne war.“
Eine große, sehnige Hand schoss durch das Loch und packte ihn mit stahlhartem Griff an der Kehle. Mit einem gurgelnden Röcheln spürte er, wie die Hand ihn herunterriss, sodass er hart mit dem Kopf auf die Piste neben dem Loch knallte. Der Arm stieß ihn wieder nach oben, ließ aber nicht los, sondern knallte ihn nochmals auf den Beton. Irgendetwas in seinem Kopf knackte laut und verstärkte noch den hämmernden Schmerz vom ersten Anprall.
Und dann geschah etwas Unglaubliches.
Er spürte, wie der Boden unter ihm nachgab und absackte. Noch immer befand sich seine Kehle wie in einem Schraubstock, sodass er unfähig war, etwas zu sagen oder zu erkennen, was genau um ihn herum passierte. Doch dann spürte er, wie der Griff ein wenig nachließ, und riss reflexartig mit beiden Händen an den Fingern des Unbekannten, vermochte sie aber trotzdem kaum zu bewegen.
Von Todesangst und dem daraus resultierenden einsetzenden Adrenalinrausch beflügelt, zerrte er an der Hand, kam los und ließ sich zurückfallen. Er sah plötzlich, dass er in einer nahezu kugelförmigen Höhle von etwa sieben Fuß Durchmesser lag, die beinahe zur Hälfte mit dem Schutt des eingestürzten Betons der „Höhlendecke“ angefüllt war. Und darunter halbwegs vergraben ... der geheimnisvolle Angreifer mit dem stählernen Griff.
Jetzt sah er auch, warum der losgelassen hatte.
Die Decke der kleinen Höhlung hatte unter dem Gewicht des Bugrades nachgegeben, war eingebrochen und hatte den Jet nach vorne wegrutschen lassen. Das Bugrad des tonnenschweren Flugzeuges war auf der Bauchgegend des – offenbar völlig nackten – Mannes zu stehen gekommen und hatte ihn buchstäblich auf dem Boden des Loches festgenagelt. Einen Lidschlag lang hatte Hicknell sogar Mitleid mit ihm, trotz allem, was der ihm hatte antun wollen. Was für eine grausame Art zu sterben.
Immer noch in schockähnlichem Zustand und unfähig, logisch zu denken oder zu handeln, spürte er mehrere Arme, die ihn packten und hastig am Lufteinlass des Düsentriebwerks vorbei aus dem Loch herauszogen. Dann sah er den Mann für einen Moment genauer, bevor er hinter dem Rand der Aushöhlung aus seinem Blickfeld verschwand. Er war sehr groß und muskelbepackt, sein Schädel von groben Gesichtszügen und kurzer blonder Bürstenfrisur geprägt. Er schien ihn direkt aus kalten, eisblauen Augen anzustarren.
Als nächstes bemerkte er die F-16, deren Bugfahrwerk zum größten Teil im Loch verschwunden war und deren Rumpf mit dem Triebwerk-Lufteinlass beinahe den Boden berührte. Gleichzeitig lief ihm Blut ins rechte Auge, worauf er es schloss und sich der Schmerzen bewusst wurde, die durch seinen Kopf dröhnten.
„Mann, Hicknell, was für ein Horror-Trip“, sagte Pereiros ungläubig. Er hatte ihn zusammen mit den beiden anderen Wachen herausgezogen, ihn vorsichtig hingelegt und drückte ihm nun eine Kompresse aus dem persönlichen Erste-Hilfe-Kit gegen die rechte Schläfe. „Am Besten bewegst du dich nicht, wer weiß, wie viel deine Rübe abgekriegt hat.“
„Was zum Henker ist hier bloß passiert?“, wollte einer der beiden anderen Soldaten wissen.
„Woher soll ich das wissen, Mann? Es gab einen Haufen Blitze, ein grelles Licht und ... was ist das?“
Die drei unversehrten G.I.s fuhren herum. Im Hintergrund erklangen mehrere Sirenen und Blaulichter blitzten auf, als drei Jeeps mit hoher Geschwindigkeit vom Wachgebäude auf sie zugefahren kamen. Doch das registrierten sie nur am Rande.
„Was meinst du?“, wollte Pereiros wissen.
In diesem Moment bewegte sich der Kampfjet ein wenig.
„Oh Mann, ich hoffe, dieses Loch wird nicht noch tiefer. Nicht dass wir die Maschine verlieren.“
„Nein, sie ist nicht abgesackt. Sie hat sich eher nach oben bewegt ...“ Pereiros’ Stimme erstarb, als sich die Nase des Jets nochmals unmerklich hob und wieder senkte.
„Was geht hier nur ab? Lebt der Irre etwa noch? Ich denke, er ist von dem Rad zerquetscht worden?“ Eine der beiden Wachen, ein hochgewachsener, schlaksiger Afroamerikaner, wagte sich näher an das Loch heran. Als er hinabspähte, hob sich der Bug des Jets nochmals ruckartig und ein wenig zur Seite.
Völlig fassungslos sagte er: „Das glaub’ ich nicht. Seht euch das an ...“
Ein faustgroßer Betonbrocken flog aus dem Loch heraus und traf ihn an der Stirn. Wie ein gefällter Baum fiel der junge Soldat vornüber und verschwand in der Senke. Hicknell wollte etwas sagen, merkte aber, dass er dazu nicht in der Lage war. Außerdem konnte er seine Beine nicht bewegen; ein außerordentlich seltsames Gefühl.
„Rick! Verd...“ Mit einem grellen Aufschrei und angelegtem Gewehr sprang der zweite Soldat vor und zielte hinab, wurde jedoch von einer knatternden Dreiersalve aus Ricks M-16 durchsiebt. Er fiel auf den harten Boden wie ein Sack nasser Zement und starb stumm und schnell.
Wie in einem schlechten Film tauchte langsam der Kopf des Eindringlings auf, der sogleich Pereiros erspähte. Mit schreckgeweiteten Augen riss dieser sein Gewehr hoch, in der traurigen Gewissheit, zu langsam zu sein.
Er war zu langsam.
Eine weitere Dreiersalve erklang mit hämmerndem Stakkato, begleitet von einem erstickten Aufschrei.
Hicknell zuckte zusammen, als Pereiros direkt neben ihm auf dem Boden aufschlug. Mit gebrochenen Augen starrte der junge Latino direkt in seine Augen und doch in unfassbare Weiten, das Gesicht zu einer Fratze aus ungläubigem Entsetzen und qualvollem Schmerz verzerrt.
Von stechendem Kopfschmerz übermannt, schloss Hicknell die Augen. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Er kam sich immer mehr vor wie in einem üblen Albtraum, aus dem er jeden Augenblick aufwachen musste. Doch allmählich verlor er das Bewusstsein und gab sich damit der Erlösung hin, dem Ende der Schmerzen. Das kreischende Bremsen der Jeeps hörte er gerade noch.
Er bekam nicht mehr mit, wie der Unbekannte die Besatzung des ersten Jeeps mit Dauerfeuer aus beiden Sturmgewehren niedermähte, um sich dann dem zweiten Fahrzeug zuzuwenden, die Dutzenden von Kugeln ignorierend, welche die dortigen G.I.s in ihn hineinpumpten. Auch diese Soldaten starben unwissend dessen, was sie da heimsuchte. Erst eine Granate, aus dem dritten Fahrzeug abgefeuert, traf den gnadenlosen Killer direkt in der Körpermitte und brachte ihn zur Strecke, indem sie ihn zerriss.
Gespenstisch senkte sich die Ruhe nach der ‘Schlacht’ über das Rollfeld. Dann forderte eine der Wachen über Funk weitere Verstärkung und einen Vorgesetzten an, der die Sache begutachten sollte. Er hatte gerade seine Meldung abgesetzt, als eine einzelne Gewehrkugel seine Kehle durchschlug und am Genick wieder austrat. Er hatte nicht einmal geahnt, dass ihm noch immer Gefahr drohen könnte.
Hastig gingen die anderen beiden Soldaten hinter dem Jeep in Deckung. Für einen Moment hatten sie einen Blick auf das Unglaublichste werfen können, was sich ihnen hätte bieten können: der nackte Unbekannte, in der Mitte zerrissen und auf dem Bauch liegend, aber immer noch mit den Sturmgewehren in Händen, irgendwie noch am Leben und verbissen weiterkämpfend.
‘Er hat nicht einmal die Waffen losgelassen’, dachte ein junger Private fassungslos, warf aber dennoch in einer tausendfach geübten Bewegung eine entsicherte Handgranate nach dem Mann-Ding. Die Detonation war viel zu nah am Jeep und verwandelte diesen in einen Fall für den Schrottplatz, er bot aber doch ausreichenden Schutz vor den Schrapnellen der Granaten.
Danach wagten sie einen vorsichtigen Blick über das Fahrzeug hinweg.
Mit Entsetzen ging den Überlebenden des Einsatztrupps auf, was sie da attackiert und so effektiv dezimiert hatte. Sie sahen den jetzt leblosen Klumpen aus Fleisch, Blut, Haut, Haaren ... und noch etwas anderem.
Von diesem Trauma würden sie sich psychisch für den Rest ihres Lebens nicht mehr vollständig erholen.
Hicknell sollte nie erfahren, wie die Überreste dessen, was ihn da so unerwartet heimgesucht hatte, abtransportiert und zur näheren Untersuchung an ein Spezialistenteam nach Kalifornien geschickt wurden. Er war bereits im Koma und erlag zwei Tage später seinen immensen Kopfverletzungen.
Ein Opfer eines neuen Krieges, der so verrückt und sinnlos war, dass er die Grenzen der Logik und sogar der Realitäten sprengen würde.
Ein Wissenschaftler einer Hardwarefirma namens Cyberdyne, welche vor wenigen Monaten von unbekannten Verrückten komplett in die Luft gesprengt worden war, meldete sich auf eine Anfrage des Verteidigungsministeriums hin, um einen nahezu intakten Computer-prozessor, geborgen aus den Überresten der Kreatur, zu begutachten.
Mehrere Monate darauf hatte er ein ganzes Heer von Informatikern und Elektronikern unter sich und konnte sich einer bahnbrechenden Erfindung rühmen. Er hatte das erste Netzwerk mit künstlicher Intelligenz erbaut, ohne jedoch zu ahnen, dass dieses bald ein eigenes Bewusstsein entwickeln würde.
Die Geschichte nahm ihren Lauf.

[Fortsetzung folgt...]

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Mittwoch, 15. November 2006
T1.1.1 : KAPITEL 1 - Mahtobu
[... Fortsetzung von gestern - in 23 Jahren]
- 1 -

Mount Mitchell, Yancey County, North Carolina, USA 17. Dezember 2029

Als Mahtobu den Raum betrat, bot sich ihm ein Albtraumszenario, wie es schlimmer nicht hätte sein können.
Auf metallenen Liegen waren mehrere Menschen festgeschnallt. Eine Vielzahl von grazil wirkenden Roboterarmen mit diversen medizinisch aussehenden Schneide- und Stichwerkzeugen an den Seiten der Tische hingen teils drohend über den ausgezehrten Körpern, teils steckten sie in ihnen, ganz so, als hätte ein irrer Internist mitten in einer überflüssigen Operation die Lust verloren und wäre einfach gegangen. Mehrere Schläuche führten in diverse Körperöffnungen und über Tropfe in die Adern der Menschen, die mit einer Unzahl von winzigen Schnitt- und Stichwunden übersät waren. Verkrustetes Blut haftete an ihnen und in einem zufälligen Spritz- und Tropfmuster auf dem ansonsten makellos sauberen und steril scheinenden Boden. Es war ein Kabinett des Grauens.
„Hier also ist der Aufklärungstrupp abgeblieben“, meinte der Commander mit einer Nüchternheit, die man wohl nur nach Jahren als Frontarzt für Traumata bekam, wenn man nahezu alles Vorstellbare gesehen hatte. „Na los, steht nicht so dumm ‘rum, helft den armen Schweinen lieber!“
„Seit wann nimmt Skynet Gefangene?“, fragte sich eine der jungen Wachen rund um Mahtobu.
„Eigentlich nie, aber in dieser Lage ... wer weiß?“ Mahtobu geriet ins Grübeln. Irgendwas stimmte hier ganz und gar nicht.
Dann erkannte er mit einem Aufstöhnen seinen alten Freund. „Hintaroo, nein!“
Als hätte dieser seinen Aufschrei gehört, schlug er plötzlich die Augen auf. Sofort eilten zwei Sanitäter zu ihm hin, um ihn von den Metallgurten zu befreien, welche viel zu eng angezogen waren und sich tief ins Fleisch des Tibetaners schnitten.
Man sah deutlich am Verhalten des Opfers, dass er sich unter schwerer Medikamentation befinden musste, denn er nahm gar nicht richtig wahr, was um ihn herum geschah und war auch offensichtlich zu schwach, um seinen zerschundenen und gefolterten Körper zu bewegen. Beim Anblick seines alten Kameraden Mahtobu fing er an, herzzerreißend zu schluchzen.
„Bitte vergib mir, Henee, ich konnte nichts dafür. Sie kamen in Menschengestalt und sie haben alles getan, um von dem Plan zu erfahren. Sie haben uns gefoltert und unter Drogen gesetzt ... ich weiß nicht, wie viel ich ihnen erzählt habe. Ich weiß es wirklich nicht ...“
Mahtobu riss entsetzt die Augen auf. Das durfte einfach nicht wahr sein!
Keiner hatte damit gerechnet ...
Normalerweise wären sie sofort getötet worden, wenn sie entdeckt worden wären. Das heißt, die Maschinen mussten irgendetwas von ihrem Plan geahnt haben. Aber dann ...
Mit tonloser Stimme murmelte er: „Geben Sie an General Connor durch: ‘Haben letzte ZVA aufgespürt. Ermitteln Schwere des Eingriffs in die Zeitlinie.’ Haben Sie das?“
„Positiv.“ Sofort entfernte sich der Fernmelder, um am nächsten Kurzwellengerät die Meldung durchzugeben.
Am nächsten Hauptterminal hatten inzwischen mehrere Informatiker die Codierung des Hauptrechners ‘geknackt’ und somit Zugang zu den Datenbanken bekommen. Sobald Mahtobu davon Kenntnis erlangte, überließ er die Gefangenen der Obhut seiner überaus fähigen Feldärzte und begab sich zum Prozessorenraum.
„Männer, habt ihr schon etwas herausbekommen?“
„Die Zeitsprünge betreffend, Sir? Es sieht nach mehreren Sprüngen aus, zwei davon schon vor Wochen durchgeführt. Einer ist offenbar fehlgeschlagen, wie es den Anschein hat. Der metallene Bastard muss irgendwo in Alabama oder Florida materialisiert haben, wenn die Daten zuverlässig sind. Ein Ort namens Pensacola.“ Ratlos kratzte sich der Lieutenant am Kinn.
„Nordwestflorida“, bestätigte Mahtobu.
Ein junger Sergeant räusperte sich. „Verzeihung, Sir General, aber es steckt offenbar mehr dahinter, als es den Anschein hat. Das war nicht einfach ein Fehlschlag, sondern eher ein ... Test.“
„Was wollen Sie damit sagen, Soldat?“, forderte Mahtobu seinen Untergebenen zu einer Erklärung auf.
„Skynet hat versucht, Terminatoren nicht nur in der Zeit, sondern auch im Raum zu versetzen. Es hat etwas mit dem Erdmagnetfeld zu tun, aber Genaueres habe ich noch nicht ermitteln können. Offenbar sind seine ersten Tests auch zum Teil erfolgreich verlaufen.
Der Anordnung der Daten nach ist die ganze Anlage hier oben so etwas wie eine letzte abgelegene Forschungsbastion, um in aller Abgeschiedenheit noch nach neuen Möglichkeiten und Auswegen zu suchen. Offenbar wurde sie erst vor knapp zwei Jahren fertiggestellt, was erklären dürfte, warum wir bis vor kurzem noch nichts von diesem Ort gewusst haben. Und wenn ich diese Verzeichnisse überfliege, muss ich Skynet zugestehen, dass er hier wohl ganze Arbeit geleistet hat. Er ...“ Der Sergeant verstummte, als Mahtobu seine Hand hob.
„Das alles wollen Sie in dieser kurzen Zeit herausgefunden haben? Soll ich Ihnen das vielleicht abkaufen, Sohn?“, wollte er skeptisch wissen.
Der direkte Vorgesetzte des Soldaten warf eilig ein: „Sie müssen wissen, Sir, dieser Junge hier ist so ‘ne Art Wunderkind, was große Datenbanken angeht. Er ... nun, sieht Dinge auf den ersten Blick, Zusammenhänge, die allen anderen verschlossen bleiben. Er kann sich auf fast beängstigende Art und Weise in die Denkmuster dieser Mistkerle hineinversetzen und fast immer einhundertprozentig voraussagen, was sie im Schilde führen. Aus einem unübersichtlichen Wust an Daten, für dessen Auswertung ein Team Tage brauchen würde, kann er in kürzester Zeit die wichtigsten Dinge herauslesen. Wenn er sich etwas aus diesen Dateien herauspickt, ist es garantiert Gold, Sir. Deshalb ist er hier bei uns.“
Mahtobu schob beeindruckt die Unterlippe vor und fasste trocken zusammen: „Soso, Sie frühstücken also Computerchips und scheißen goldene Manschettenknöpfe. Dann lassen Sie mal hören, Sergeant.“
Verlegen meinte der Gelobte bescheiden: „Jawohl, Sir. Vielen Dank. Der Lieutenant übertreibt maßlos. Aber ich bin in der Tat schon auf etwas gestoßen.
Hier sind die Erkenntnisse gespeichert, die der Hauptrechner aus der ... Folterung unserer Kameraden gewonnen hat. Offenbar hatten wir geplant, nach der Befriedung dieser Anlage alle Daten, die wir hier über den Erfinder der Zeitverschiebung vorfinden würden, zu sammeln. Ich dachte immer, Skynet selbst ...“
„Diese Fakten sind streng vertraulich, Sergeant. Ich muss mich darauf verlassen können, dass absolut nichts von dem, was Sie hier entdecken, den Raum verlässt. Ist das klar?“, fuhr Mahtobu ungehalten dazwischen.
„Selbstverständlich, Sir. Jetzt verstehe ich auch mehr von diesen Angaben. Demnach basiert Skynets gesamte Arbeit auf dem Gebiet der ZVA auf einer Art Kernstück, das aus einem bestimmten Mineral besteht. Dieses Mineral zeigt anscheinend unter bestimmten physikalischen Bedingungen die spontane Neigung zur Raum-Zeit-Verzerrung. Nach dem, was hier steht, konnte der eigentliche Erfinder nie genau ermittelt werden, da er selbst offenbar seine bahnbrechende Entdeckung erst unmittelbar vor dem Beginn des Krieges machte. Beim Nuklearschlag ist er wohl umgekommen, jedenfalls verliert sich seine Spur zu dieser Zeit. Skynet hat seine Forschungsergebnisse erst nach Jahren zufällig wieder entdeckt und das Potential, das dahinter steckte, erkannt. Ist das nicht Ironie des Schicksals, Sir? Ein Mensch hätte vielleicht niemals entdeckt, was er da vor sich gehabt hätte.“
„Ja, ich lach’ mich kaputt“, meinte der Lieutenant, „aber jetzt mal weiter im Text, okay?“
Sicher, Sir.“ Die Finger des jungen Mannes flogen nur so über die Tastatur seines tragbaren Terminals, nicht unähnlich einem Laptop der Vorkriegszeit. „Es wird noch besser. Wenn ich das hier richtig interpretiere, nahm Skynet an, wir wüssten, wer dieses Kernstück zur Zeitverschiebungstechnik entdeckt hatte, und planten, ihn zu töten, um dadurch zu verhindern, dass jemals irgendwelche Zeitsprünge gemacht werden könnten. Das ist das Härteste: Skynet dachte, wir wollten die Zeitmaschine benutzen, um zu verhindern, dass die Zeitmaschine erfunden wird. Wenn das nicht ...“
„Jaja, Ironie des Schicksals.“ Mahtobu winkte ab. „Was Sie und auch Skynet allerdings nicht wissen können, ist die Tatsache, dass in diesem Fall eine Zeitlinie entstehen würde, in der John Connor nie gelebt hätte. Ich werde Ihnen das jetzt nicht im Einzelnen erklären, weil es Sie nichts angeht, aber so viel können Sie mir glauben: Die Existenz John Connors ist unter anderem das Resultat eines Paradoxons, das erst durch die Benutzung der ZVA entstanden ist. Wenn wir also den Erfinder des ZVA-Effektes in der Vergangenheit eliminieren würden, hätten wir genau das erreicht, was Skynet mit seinen ersten Manipulationen beabsichtigt hatte. John Connor hätte den weltweiten Aufstand gegen die Maschinen nicht anführen können und wir hätten den Krieg mit großer Sicherheit verloren.
Ergo: Wir dürfen auf keinen Fall jemanden in die Vergangenheit schicken, um den Erfinder dieses ZVA-Effektes zu beseitigen. Klar?“
Während der alte General seine Ausführungen beendete, klapperten die Tasten unablässig unter den Fingern des hochbegabten jungen Sergeants. „Sir, ich denke, ich habe hier etwas mehr zur Vorgehensweise von Skynet gefunden. Nachdem er den Erkundungstrupp gefangen und ...“, er schluckte kurz, „...verhört hatte, entschloss er sich dazu, einen Beschützer für den Erfinder des ZVA-Effektes in die Vergangenheit zu entsenden. Nein, das stimmt so nicht ganz. Er ist noch viel raffinierter vorgegangen ... er hat zuerst einen Scout geschickt ...“
„Was zum Henker soll das bedeuten? Sie können nicht etwas in die Vergangenheit schicken und es dann wieder zurück in die Gegenwart holen. Das funktioniert so nicht“, warf der Lieutenant ungehalten ein.
Langsam hob der Sergeant den Blick von dem kleinen LCD-Monitor vor sich. „Sie haben recht. Er hat es ganz anders angestellt ... teuflisch ...“
„Spannen Sie uns nicht auf die Folter“, herrschte Mahtobu ihn ungeduldig an.
„Jawohl, General, verzeihen Sie. So wie es aussieht, hat Skynet erkannt, dass er den Entdecker des ZVA-Effektes nicht beschützen kann, wenn er nicht herausfindet, wer es ist. Und um das herauszufinden, muss sich der Terminator, der in die Vergangenheit reist, absolut perfekt in das komplizierte soziale Umfeld dieser Zeit einpassen können, um Zugang zum fraglichen Zielobjekt zu bekommen. Dazu genügt es nicht, einen Cyborg mit Gewebeüberzug und einem Prozessor im WRITE-Modus in die fragliche Zeit zu schicken, er würde unweigerlich früher oder später enttarnt werden, bevor er seiner Programmierung genug Daten und Subroutinen hinzugefügt hätte, um als Mensch ‘durchzugehen’.
Und da sich Skynet dieser Problematik bewusst war, hat er sich anders beholfen. Geben Sie mir ein bisschen Zeit, damit ich tief genug in den Dateien graben kann ...“


[Die Fortsetzung wird genau 38 Jahre früher erfolgt sein...]

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Dienstag, 14. November 2006
T1.0.3 : Mount Mitchell, die Festung der Maschinen
[... Fortsetzung des Buches]

Mount Mitchell, Yancey County, North Carolina, USA 17. Dezember 2029

Die Stoßtrupps der Infanterie waren etwa fünfhundert Fuß unterhalb der Festungsbasis auf die ersten Zugänge gestoßen. General Mahtobu ging auf Nummer Sicher und ließ sie mit schweren Geschützen aufsprengen. Wie erwartet, befanden sich auch in dieser Anlage noch zig Terminatoren in Alarmbereitschaft, von denen die ersten sie auch gleich mit Plasmaimpulswaffen unter Feuer nahmen.
Irgendetwas stimmte nicht mit den verdammten Automaten. Skynet hatte in der letzten Zeit beinahe menschliche Züge der Verzweiflung gezeigt und begonnen, mit Verschlagenheit und Tücke immer neue Taktiken zu ersinnen, von denen die Zeitreise nicht die einzige war. Eine weitere Methode des Widerstandes war es, nicht nur seine diversen Festungsanlagen unabhängig von seiner direkten Kontrolle agieren zu lassen. Auch die einzelnen Terminatoren, im Normalfall unmittelbar von der Festungsanlage gesteuert und koordiniert, wurden statt dessen zunehmend im WRITE-Modus agierend angetroffen.
Als ihnen die ersten Terminatoren der 800er Serie in die Hände gefallen waren, hatte man sie natürlich gründlichst untersucht. Dabei entdeckte man, dass der Hauptprozessor der Endoskelette extrem leistungsfähig war, jedoch über einen mechanischen Schalter verfügte, welcher den großen Unterschied des Operationsmodus ausmachte.
In den meisten Fällen war dieser Schalter auf READ ONLY eingestellt, was bedeutete, dass der Prozessor sämtliche Daten, die seine Sensoren ihm lieferten, zwar verarbeitete, was ihn entsprechend seiner Programmierung angemessen handeln ließ. Diese war allerdings festgeschrieben, sodass keine neuen Parameter zu den vorhandenen Programmen hinzugefügt wurden. Dieser Modus wurde vor allem bei den gemeinen Kampfmaschinen verwendet, den Terminator-Endoskeletten ohne tarnendes menschliches Gewebe, die direkt von Skynet ferngesteuert wurden.
Doch für spezielle Aufträge, wenn die Maschinen in Menschengestalt sich unter die Rebellen mischen sollten, ohne erkannt zu werden, war mehr nötig als eine umfassende Programmierung mit Missionsparametern. Dann wurde der Schalter auf WRITE umgelegt, sodass der Prozessor Daten und Erfahrungen verarbeiten, neue Querverbindungen erstellen und auf seine elektronische Art in gewissem Umfang eigenständig denken konnte, da sein vernetzter Speicherblock einem neuralen biologischen Nervengewebe nachempfunden war. Die Maschine konnte dann dazulernen, sich an neue Situationen anpassen und auf eine geradezu unheimliche Weise als Mensch durchgehen. Enttarnt wurden diese Terminatoren meist erst durch Hunde, die das künstlich erzeugte Gewebe erschnüffeln konnten und sofort aggressiv auf die Anwesenheit eines Cyborgs reagierten.
Das Problem, das General Mahtobus Truppen jetzt hatten, war eine größere Anzahl von Terminator-Endoskeletten, die zwar als chromglänzende Sensenmänner in Erscheinung traten, sich jedoch auf beunruhigende Weise wie Menschen verhielten, sich bewusst bewegten und Deckung suchten, anstatt stumpfsinnig in ihre Vernichtung zu marschieren, wie sie es unter der Kontrolle eines Zentralrechners für gewöhnlich taten. Das machte es für die Soldaten sehr schwer, denn es hatte beinahe den Anschein, als würden sie gegen eine Armee von Menschen ankämpfen. Und seit etwa dreißig Jahren hatten sich keine Menschen mehr bekämpft, weil sie sich diesen Luxus angesichts der drohenden Ausrottung durch die herzlosen Maschinen nicht mehr leisten konnten.
Ein nicht zu unterschätzender psychologischer Nachteil für sie, wie dem schwarzen General klar war.
Dennoch unterlagen die Kampfroboter, wenn auch nicht so schnell wie sonst. Mit gramgebeugtem Haupt stapfte Mahtobu dann über das Vorfeld zum nächsten Eingang, als der Bereich gesichert war, ohne die toten Kameraden genauer anzusehen. Er war es so leid, auch jetzt noch derart viele junge Frauen und Männer zu verlieren, wo der eigentliche Krieg doch längst vorbei war. Nun, diese Leute waren nicht umsonst gestorben. Sobald sie die Informationen hatten, die sie brauchten, konnten sie in der Lage sein, dieser ganzen Farce ein Ende zu machen.
Und vielleicht konnten sie auch herausfinden, was mit dem Erkundungstrupp letzte Woche geschehen war. Sie mussten wohl bis in die Anlage eingedrungen sein, da sie weder Kampfspuren, geschweige denn die Leichen der Aufklärer hier draußen hatten entdecken können. Mahtobu hoffte es nicht, denn der Anführer des Spähtrupps war ein erfahrener langjähriger Kamerad von ihm.
Bedächtig schritt er über den schmutziggrauen Schnee, durch matschige Pfützen, wo der Boden von Lasersalven oder Granaten getroffen worden war, und über das Trümmerfeld, das von den Resten des Eingangsportales gebildet wurde. Er betrat jetzt zum sechsten Mal ein Bollwerk von Skynet und bemerkte auch dieses Mal: Im Inneren dieser Komplexe sah es immer recht ähnlich aus: nackte Stein- und Metallwände, kalt, funktionell, hässlich. Von Maschinen erbaut für Maschinen. Wieder etwas, was er an diesen Bastarden hasste.
Weit vor sich hörte er noch vereinzelt Kampflärm oder das Hallen einer detonierenden Granate. Die Terminatoren leisteten noch immer Widerstand, dachte Mahtobu mit grimmiger Miene. Na, das würden sie ihnen schon austreiben. Sie waren mit Sicherheit in der Überzahl, etwa achtzehnhundert Menschen zählte seine gesamte Truppe inklusive aller Experten. Und selbst von denen trug jeder eine schwere Feuerwaffe zusätzlich zu seiner Spezialausrüstung; die Menschen hatten sich den Luxus von unbewaffneten Soldaten nicht leisten können, auch wenn diese hochspezialisiert waren. Nur wenn jeder einzelne von ihnen etwas gegen die Cyborgs in der Hand hatte, bestand die Aussicht auf Erfolg, so hatte John Connor es ihnen eingetrichtert.
Sie erreichten eine Liftplattform, mit der sie tief in das Herz der Anlage hinabfuhren. Langsam senkte sich die unverkleidete Hebebühne in einem schrägen Winkel ins Innere des Berges hinein. Während der minutenlangen Fahrt lauschte Mahtobu schweigend auf den Kampflärm, der ihm mehr zu sagen schien als eine detaillierte Funkmeldung der Stoßtrupps. Die Schüsse und Explosionen ließen nach, der Komplex würde in Kürze vollständig gesäubert sein.
Er ging ein beinahe unverantwortbares Risiko ein, indem er sich als General in eine solche Anlage hineinwagte, solange dort noch Feindkräfte aktiv waren, auch wenn er von einem ausgeklügelten, mehrlagigen Schutzschild von Soldaten umgeben war, der sich mittlerweile bis in die halbe Festung erstrecken musste. Gedankenversunken streichelte er über den Kopf eines ausgemergelten alten Schäferhundes neben sich. Das Tier war mit der Nachhut hergebracht worden und diente natürlich dazu, getarnte T-800 zu erkennen.
Endlich hielt der Aufzug und entließ sie in einen großen Flur mit hoher Decke und vielen von Voraustrupps aufgebrochenen oder aufgesprengten Türen auf beiden Seiten. Alles war aus der gleichen beständigen Legierung gebaut, einem leicht bläulich schimmernden Metall. Mahtobu interessierte sich mehr für das, was er hier vorzufinden hoffte. Vor allem mussten sie sich ganz sicher sein, bevor sie die Festung als Ganzes sprengen konnten.
„Eine Meldung der Techniker, Sir“, sagte ein Funker, während er gleichzeitig auf den Inhalt der übermittelten Botschaft lauschte, „sie haben die feindliche Funkanlage innerhalb des Komplexes stillgelegt und Störsender gegen etwaige Reservesysteme etabliert. Wir können jetzt innerhalb der Anlage sicher kommunizieren.“
„Sehr gut, dann lassen Sie nach feindlichen Funksignalen peilen. So erwischen wir die restlichen Terminatoren hier drin schneller. Wenn sie im READ ONLY-Modus operieren, werden sie immer wieder versuchen, eine Verbindung zum Hauptrechner herzustellen, der sie steuert.“
„Ja, nur werden die im WRITE-Modus auf die Unterbrechung mit unverzüglicher Funkstille reagieren“, gab der Funker daraufhin zu bedenken. „Und hier drin sind entschieden zu viele davon im Einsatz. Die Dinger sind gerissen. Oh, ein weiterer Spruch kommt herein ... eine Ebene unter uns ist eine Fertigungsanlage entdeckt worden. Anhand der Computerdaten versuchen unsere Ingenieure gerade herauszufinden, was es ist, aber es sieht auf den ersten Blick so aus wie eine neue Fertigungsstraße für Terminatoren.“
„Auf den ersten Blick ... So haben wir den verdammten Krieg nicht gewonnen. Sie sollen es definitiv bestimmen“, brummelte der alte General in seinen ergrauenden Kinnbart. Als er mit seinem Kordon um die nächste Ecke bog, kam ihm ein Melder entgegengelaufen.
„General, bitte kommen Sie schnell. Es ist unglaublich ... und einfach grauenhaft.“ Aufgeregt deutete der junge Asiate nach vorne auf die nächsten Türen, wo eine größere Anzahl schwer bewaffneter Soldaten Stellung bezogen hatte.
Noch während er sich näherte, kam aus der anderen Richtung ein Trupp im Eilschritt herangelaufen. Mahtobu erkannte die Männer und Frauen als den Sanitätszug, den er mitgenommen hatte. Ohne sich um den General zu kümmern, rief der Vorderste mit den Abzeichen eines Commanders: „Wir sind gekommen, so schnell wir konnten. Wo sind sie?“
„Dort drin, in diesen beiden Räumen.“ Eine der Wachen deutete auf die entsprechenden Türen, auf die sich die Sanitäter sofort verteilten. Mahtobu traf gerade noch rechtzeitig ein, um den Commander aus dem ersten Raum sagen zu hören: „Oh Mann, es gibt Tage, da sollte man wirklich nicht aufstehen.“

[Fortsetzung folgt ...]

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T1.0.2 : John Connor und Skynet
[... Fortsetzung vom 17. Dezember 2029]

Los Angeles, Kalifornien, USA zur selben Zeit

Der Krieg war im Grunde bereits vor fast fünf Monaten gewonnen worden. Skynet, der alles beherrschende Supercomputer, war von paranoiden Menschen als ultimative Verteidigungswaffe entwickelt worden, um den USA die absolute militärische Kontrolle in der im Umbruch befindlichen und instabilen Welt der Nuklearmächte zu sichern. Kurz nach seiner Inbetriebnahme hatte die künstliche Intelligenz ein Selbstbewußtsein entwickelt, was Panik bei seinen Entwicklern hervorrief. Sie wollten ‚ihn’ deaktivieren, was bei ihm die ‚natürliche’ Reaktion der Selbsterhaltung auslöste.
Er wehrte sich, indem er am 29. August 1997 das komplette Arsenal an strategischen US-Kernwaffen auf die Staaten der ehemaligen Sowjetunion abfeuerte. Diese antworteten erwartungsgemäß mit einem umfassenden Gegenschlag, was den Dritten Weltkrieg, atomaren Dauerwinter und beinahe die Auslöschung der gesamten Weltbevölkerung zur Folge hatte. Die größte Anzahl an Überlebenden gab es naturgemäß auf der militärisch unbedeutenden südlichen Hemisphäre, von wo aus die meisten Menschen als Soldaten gegen die neuerschaffene Armee der Maschinen antraten. Skynet hatte anfangs mit einer kurzen Säuberungsaktion gerechnet, da in seinem unmittelbaren Machtbereich die meisten Menschen an Strahlung und Seuchen starben, verhungerten oder erfroren, während gleichzeitig immer mehr Roboter in zunehmend automatisierten Fertigungsanlagen entstanden und unter seiner direkten Kontrolle der restlichen Bevölkerung den Garaus machen sollten.
Sollten.
Denn womit Skynet nicht gerechnet hatte, war die Stärke des menschlichen Selbsterhaltungstriebes. Verblüffend schnell organisierten seine Erbauer und ehemalige Herren den bewaffneten Widerstand gegen die Tyrannei ihres undankbaren Zöglings. Sie verstanden es meisterhaft, sich vor den ausgesandten Tötungsmaschinen zu verbergen, sich seinem Zugriff zu entziehen, in nur schwer vorhersehbaren Mustern Überfälle auf seine Vorräte durchzuführen und sich so mit allem einzudecken, was sie zum Leben – und Kämpfen – benötigten. Zudem vermehrten sie sich ihrer Lage zum Trotz rasend schnell, viel schneller als zu den Zeiten, als sie noch die Kontrolle über ihre Welt hatten.
Und so war das Unvermeidliche nach über dreißig Jahren Krieg gegen die Maschinen eingetreten: Skynet war zerstört worden, der zentrale Rechner, der die Geschicke der Welt gelenkt hatte, existierte nicht mehr und die Menschheit hatte ihre Welt zurückerobert.
Bis auf ein paar Kleinigkeiten ...
Eigentlich hatte der Stab um John Connor herum nach seinen Erfahrungswerten angenommen, daß die Kampfmaschinen und automatisierten Produktionsfestungen überall auf der Welt ohne die Führung ihres Hauptrechners ihre Aktivitäten einstellen würden. Statt dessen stießen Connors Truppen auf immer mehr völlig autark arbeitende Einheiten, was gar nicht zur Grundeinstellung von Skynet passte: absolute, uneingeschränkte und vor allem ungeteilte Kontrolle.
Das war insofern umso verwunderlicher, als dass man, was die nachrichtendienstliche elektronische Informationsbeschaffung und Aufklärung anging, praktisch immer einhundert-prozentig richtig gelegen hatte.
Doch dies hier hatten sie nicht einmal erahnt.
Es war geradewegs so, als seien diese neuen, durch ihren unabhängigen Operationsmodus nur schwer bekämpfbaren Anlagen, die es nicht kümmerte, dass sie den Krieg bereits verloren hatten, aus dem Nichts aufgetaucht.
John Connor selbst hatte nur eine mögliche Erklärung dafür und wurde in dieser von all seinen Vertrauten bestätigt.
Das Gefecht zwischen Skynet und ihnen war noch nicht beendet, es war lediglich verlagert worden. Hier und jetzt hatten sie gewonnen, aber für wie lange, das konnte niemand sagen, denn es überstieg das Begriffsvermögen der brillantesten Spezialisten auf diesem Gebiet. Wahrscheinlich überstieg es selbst Skynets Rechenkapazitäten und das Supergenie mit der künstlichen Intelligenz wusste ebenfalls nicht, welche genauen Konsequenzen sein Handeln haben würde.
Was es jedoch nicht vom Handeln abhielt, denn Skynet war verzweifelt gewesen.
Er hatte über Jahre hinweg die Technik der Zeitreise ersonnen und im letzten verzweifelten Todeskampf mit diesem Mittel versucht, seine Niederlage abzuwenden. Zunächst hatte es sich auf den Führer der Widerstandsbewegung der Menschheit, John Connor, konzentriert. Um dessen gesamte Existenz auszuradieren, hatte er einen Terminator in der Zeit zurückgeschickt, um Connors Mutter vor seiner Geburt zu töten. Und damit hatte das Durcheinander mit den verschiedenen Zeitlinien und möglichen Zukunftsentwicklungen angefangen.
Nein, genau genommen erst dann, als die Resistance nach ihrem Sieg und der Eroberung der ersten Zeit-Verschiebungs-Anlage einen ihrer Soldaten hinterher sandte, um Sarah Connor zu schützen. Als sich die beiden auf ihrer halsbrecherischen Flucht ineinander verliebten und in der einzigen leidenschaftlichen Nacht, die sie je miteinander verbringen sollten, John Connor zeugten, war das Paradoxon komplett. Der Sohn hatte seinen eigenen Vater in die Vergangenheit geschickt, ohne dass dieser wusste, wer sein Befehlshaber war.
Der Terminator indes scheiterte, was Skynet daran bemerkte, dass John Connor nach der Entsendung seiner Killermaschine noch immer da war und mit unverminderter Härte den Angriff gegen ihn weiterführte. Erst kurz vor seiner endgültigen Vernichtung griff der Supercomputer zum letzten Mittel und schickte einen noch unerprobten Prototypen der Serie T-1000 zurück, um John Connor als kleinen Jungen zu töten, als er noch wehrlos war. Er musste feststellen, dass auch dieser Angriff in der Vergangenheit fruchtlos geblieben war, da auch John Connor nach der Eroberung der ZVA nach dem Soldaten zum Schutze seiner Mutter ironischerweise einen umprogrammierten T-800 zu seinem eigenen Schutz entsandte.
Das war der bisherige Wissensstand der Menschen. Die ganze Sache musste jedoch weitaus komplexer sein, als man angenommen hatte, da sich die jetzige Realität von der Erinnerung John Connors erheblich unterschied. Man forschte nach und entdeckte drei weitere Energiesignaturen, die auf Zeitverschiebungen hinwiesen. Beim Durchforsten der riesigen Datenmengen in den Speicherbänken der Anlage fanden Connors Techniker Hinweise auf zwei weitere Zeit-Verschiebungs-Anlagen. Dies hier war nur der Prototyp gewesen.
Sie brauchten dank der Veränderungen, die Skynet vor seinem Ende noch in der Zeitlinie zu seinen Gunsten vorgenommen hatte, über einen Monat, um den Großteil der nun autarken ‘Filialen’ von Skynet alleine auf dem nordamerikanischen Subkontinent einzunehmen und zu sichern. Die Menschen beschlossen, die Initiative in diesem verrückten Krieg, der sich quer durch die Jahrzehnte zog, zu ergreifen. Dummerweise war der Computer bei seinen weiteren Schachzügen in seinem undurchschaubaren Spiel mit dem Schicksal sehr subtil vorgegangen, sodass die Menschen erhebliche Probleme hatten, seine weitere Handlungsweise nachzuvollziehen. Sie entdeckten und eroberten die zweite ZVA am anderen Ende des Stadtgebietes von L.A. unter großen Verlusten, denn durch den gesamten Komplex streiften noch immer unabhängig agierende Terminatoren, die den Auftrag hatten, das Unabwendbare abzuwenden.
Kaum waren die Räume eingenommen, in denen die ZVA stand, waren fünf speziell ausgebildete Soldaten in die Vergangenheit geschickt worden, um den Mann zu töten, der die Technik weiterentwickelt hatte, die den Bau von Skynet ermöglicht hatte. Die Terminatoren eroberten danach diesen Teil der Anlage zurück und sandten ihrerseits insgesamt vier T-800 hinterher. Was danach geschehen war, ließ sich nicht genau sagen, jedoch war die Realität des Krieges noch immer präsent.
John Connor meinte einmal, dass man es gar nicht merken konnte, ob man mit diesen Eingriffen erfolgreich gewesen war, da sich nur aus der Sicht des Zeitreisenden selbst die Zeitlinie verändern würde. Dennoch sah er es als ihre Verpflichtung an, es zumindest zu versuchen. Vielleicht gab es eine Welt, die sie dadurch besser machen würden ... und wer konnte es schon wissen, eventuell auch ihre eigene.
Sie hatten schnell gelernt, die Energiesignaturen von Zeitsprüngen auch über größere Entfernungen zu registrieren und ihre Ursprünge zurückzuverfolgen.
John Connor saß am Funkgerät und hoffte, daß das, was er jetzt hören würde, ihn nicht zu weiteren Entscheidungen zwingen würde, deren Folgen unabsehbar sein konnten. Gebannt lauschte er und wartete darauf, wann die Funkstille beendet werden würde. Das würde bedeuten, daß sie Erfolg gehabt hatten.

[Fortsetzung folgt noch heute ...]

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T1.0.1 Prolog
Realitäten im Wandel
- P R O L O G -

Mount Mitchell, Yancey County, North Carolina, USA 17. Dezember 2029

Ein eisiger, strenger Wind wehte über die schneebedeckten, kahlen Hänge der Appalachen und ließ den Männern und Frauen das Blut in den Adern gefrieren. Zu Hunderten quälten sie sich mühsam, teils mit schwerer Ausrüstung, die mit über 6700 Fuß höchste Erhebung des Gebirges hinauf. Es war nur noch gut eine Stunde bis Sonnenaufgang, und sie kamen sehr langsam voran, immer auf der Hut vor Fallen, Hinterhalten oder fliegenden Patrouillen. In weiser Voraussicht hatte General Mahtobu den Westhang für ihren Aufstieg gewählt, weil es auf dieser Seite des Mount Mitchell zuletzt hell werden würde. Wenn man noch von Helligkeit reden konnte angesichts des bitterkalten Winters, der auf weiten Teilen der nördlichen Hemisphäre der Erde herrschte. Eigentlich war der Tagesanbruch nur ein vager Schimmer, ein trüber Fleck am Himmel, der anzeigte, wo etwa die Sonne sich hinter den dichten Wolkenschichten verbarg.
Mahtobu war alt genug, um sich noch sehr gut an die Sonne in den alten Zeiten erinnern zu können. Er hasste die Maschinen abgrundtief dafür, was sie seiner Welt angetan hatten, in der Absicht, die Menschheit auszulöschen. Er war ein hervorragender Stratege und ein fanatischer Perfektionist, was nur zwei der Gründe dafür waren, dass er ein so guter und bedeutsamer Soldat geworden war.
Er pflegte gerne Haldeman zu zitieren: „Ich bin nur ein mittelmäßiger Kämpfer mit einer einzigen Besonderheit: Man hat stets an mir vorbeigeschossen.“
Heute verfluchte er die Maschinen dafür, dass sie sich ausgerechnet den höchsten Punkt der Appalachen für den Bau ihres Stützpunktes ausgesucht hatten. Die Kuppe war vollständig abgetragen worden und war einer achteckigen Festung mit einer sichtbaren Grundfläche von vielleicht fünfzig acre gewichen; niemand wusste indes, wie tief diese Anlage hinabreichte. Auch das hasste Mahtobu an den Maschinen: ihre Neigung, sich tief in die Eingeweide der Berge und in den Boden hineinzugraben, alles auszuhöhlen und labyrinthartige Irrgärten anzulegen. Gnade Gott demjenigen, der sich in dieses Gewirr aus Gängen und Hallen wagen musste.
Sie zum Beispiel waren gerade im Begriff, das zu tun.
Mit einem flauen Gefühl im Magen dachte er an den ersten Erkundungstrupp, den sie vor über einer Woche zum Berg geschickt hatten. Sie hatten nie wieder etwas von ihm gehört. Ihnen durfte das nicht passieren, dafür war ihre Mission einfach zu wichtig.

[Fortsetzung folgt noch heute...]

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